Akzentfrei Konsonanten artikulieren

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Die Aussprache der Mitlaute im Deutschen

Beim Sprechen der deutschen Konsonanten[1] wird der Ausatmungsluftstrom[2] gehemmt oder unterbrochen. Konsonanten sind eher Geräusche als Töne – im Unterschied zu Vokalen, die eher Töne als Geräusche sind. Die Konsonanten bilden Lautgruppen nach der Art ihrer Aussprache, nach ihrer Lautbildung[3], und sie unterscheiden sich aufgrund der Artikulationsstelle, an der sie gebildet werden.

Lautgruppen

Je nach Art der Aussprache entstehen beim Sprechen der Konsonanten andere Klangeindrücke: Fließlaute, die an das Fließen einer Flüssigkeit erinnern; Nasenlaute, die den Einsatz des Resonanzraums der Nase hören lassen; Reibelaute, die ein Geräusch erzeugen wie beim Aufeinanderreiben von Gegenständen; Zischlaute, die klingen wie das Zischen eines entweichenden Gases; oder Verschlusslaute, die sich ähnlich anhören wie das Öffnen einer Flasche.

Die Fließlaute im DeutschenBeim Sprechen der Fließlaute[4] wird der Ausatmungsluftstrom von der Zunge beziehungsweise dem Zäpfchen leicht gehemmt. Die Fließlaute im Deutschen sind:

  • Der stimmhafte seitliche Fließlaut [l] – in Buchstaben geschrieben „L“, „l“ oder „ll“, zum Beispiel in „Lupe“ – [‚lu:pə], in „leise“ – [‚la͜ezə] und in „schnell“ – [ʃnɛl]
  • Der starke stimmhafte Zäpfchen-Fließlaut [ʀ] – in Buchstaben geschrieben „R“, „r“ oder “rr“ sowie „Rh“, „rh“ oder „rrh“, zum Beispiel in „Rad“ – [ʀɑ:t], in
    „raten“ – [‚ʀɑ:tən] und in „Narr“ – [naʀ] sowie in „Rhythmus“ – [‚ʀγtmʊs], in „rhetorisch“ – [ʀe’to:ʀɪʃ] und in „Katarrh“ – [kɑ’taʀ]
  • Der schwache stimmhafte Zäpfchen-Fließlaut [ʁ] – in Buchstaben geschrieben „r“, zum Beispiel in „leer“ – [le:ʁ]
  • Der stimmhafte Zungenspitzen-Fließlaut [r] – in Buchstaben geschrieben „R“ , „r“
    oder „rr“ sowie als „Rh“, „rh“ oder „rrh“, zum Beispiel in „Rad“ – [rɑ:t], in
    „raten“ – [‚rɑ:tən] und in „Narr“ – [nar] sowie in „Rhythmus“ – [‚rγtmʊs], in „rhetorisch“ – [re’to:rɪʃ] und in „Katarrh“ – [kɑ’tar] sowie in „leer“ – [le:r]

Die Nasenlaut im DeutschenBeim Sprechen der Nasenlaute[5] wird der Ausatmungsluftstrom durch die Nase geleitet. Die Nasenlaute im Deutschen sind:

  • Der stimmhafte Lippen-Nasenlaut [m] – in Buchstaben geschrieben „M“, „m“
    oder „mm“, zum Beispiel in „Mode“ – [‚mo:də], in „malen“ – [‚mɑlən] und in
    „Schlamm“ – [ʃlam]
  • Der stimmhafte Zahn-Nasenlaut [n] – in Buchstaben geschrieben „N“, „n“ oder „nn“, zum Beispiel in „Naht“ – [nɑ:t], in „neu“ – [nɔ͜ø] und in „rennen“ – [‚ʀɛnən]
  • Der stimmhafte Hintergaumen-Nasenlaut [ŋ] – in Buchstaben geschrieben „ng“ oder „n“, zum Beispiel in „eng“ – [ˀɛŋ] und in „Bank“ – [baŋk]

Die Reibelaute im DeutschenBeim Sprechen der Reibelaute[6] wird der Ausatmungsluftstrom stark gehemmt. Die Reibelaute im Deutschen sind:

  • Der stimmlose Lippenzahn-Reibelaut [f] – in Buchstaben geschrieben „F“, „f“ oder „ff“ sowie „V“ oder „v“ sowie „Ph“ oder „ph“, zum Beispel in „Feuer“ – [‚fɔ͜øəʁ], in
    „faul“ – [fa͜ol] und in „Affe“ – [‚ˀafə] sowie in „Vater“ – [‚fɑ:təʁ] und in „viel“ – [fi:l] sowie in „Phase“ – [‚fɑ:zə] und in „Sphäre“ – [’sfɛ:ʀə]
  • Der stimmhafte Lippenzahn-Reibelaut [v] – in Buchstaben geschrieben „W“ oder „w“ sowie „V“ oder „v“, zum Beispiel in „Wort“ – [vɔʀt] und in „wie“ – [vi:] sowie in „Vase“ – [‚vɑ:zə] und in „Kurve“ – [‚kʊʀvə]
  • Der stimmlose Hintergaumen-Reibelaut [x] – in Buchstaben geschrieben „ch“, zum Beispiel in „Macht“ – [maxt]
  • Der stimmlose Stimmlippen-Reibelaut [h] – in Buchstaben geschrieben „H“ oder „h“, zum Beispiel in „Hof“ – [ho:f] und in „heute“ – [‚hɔ͜øtə]

Die Zischlaute im DeutschenBeim Sprechen der Zischlaute[7] bildet die Zunge eine Längsrille, durch die der Ausatmungsluftstrom geführt wird. Die Zischlaute, als Teilgruppe der Reibelaute, sind im Deutschen:

  • Der stimmlose Zahn-Zischlaut [s] – in Buchstaben geschrieben „S“, „s“ oder „ss“, „ß“ sowie „C“ oder „c“, zum Beispiel in „Skat“ – [skɑ:t], in „los“ – [lo:s] und in „Masse“ – [‚masə], in Straße“ – [‚ʃtʀɑ:sə], sowie in „Cent“ – [sɛnt], und in
    „Balance“ – [bɑ’lãsə]
  • Der stimmhafte Zahn-Zischlaut [z] – in Buchstaben geschrieben „S“ oder „s“, zum Beispiel in „Sieb“ – [zi:p] und in „süß“ – [zy:s]
  • Der stimmlose Gaumen-Zischlaut [ʃ] – in Buchstaben geschrieben „Sch“ oder „sch“ sowie „S“ oder „s“ sowie „Ch“ oder „ch“, zum Beispiel in „Schal“ – [ʃɑ:l] und in „schon“ – [ʃo:n] sowie in „Stuhl“ – [ʃtu:l] und in „spielen“ – [‚ʃpi:lən] sowie in
    „Chef“ – [ʃɛf] und in „Branche“ – [‚bʀãʃə]
  • Der stimmhafte Gaumen-Zischlaut [ʒ] – in Buchstaben geschrieben „G“ oder „g“ sowie „J“ oder „j“, zum Beispiel in „Gendarm“ – [ʒan’daʀm] und in
    „Regie“ – [ʀe’ʒi:] sowie in „Jargon“ – [ʒaʀ’gõ] und in „Sujet“- [zy’ʒe:]
  • Der stimmlose Vordergaumen-Zischlaut [ç] – in Buchstaben geschrieben „Ch“ oder „ch“ sowie „g“, zum Beispiel in „Chemie“ – [çe’mi:] und in „ich“ – [ɪç] sowie in „ruhig“ – [‚ʀu:ɪç]
  • Der stimmhafte Vordergaumen-Zischlaut [j] – in Buchstaben geschrieben „J“ oder „j“ sowie „Y“ und „y“, zum Beispiel in „Jagd“ – [jɑ:kt] und in „jung“ – [jʊŋ] sowie in „Yoga“ – [‚jo:gɑ] und in „Foyer“ – [fo̯a’je:]

Die Verschlusslaute im DeutschenBeim Sprechen der Verschlusslaute[8] wird der Ausatmungsluftstrom kurz unterbrochen. Die Verschlusslaute im Deutschen sind:

  • Der stimmlose Lippen-Verschlusslaut [p] – in Buchstaben geschrieben „P“, „p“ oder „pp“ sowie „b“, zum Beispiel in „Pate“ – [‚pɑ:tə], in „pur“ – [pu:ʁ], und in „Lappen“ – [‚lapən] sowie in „Dieb“ – [di:p]
  • Der stimmhafte Lippen-Verschlusslaut [b] – in Buchstaben geschrieben „B“, „b“ oder „bb“, zum Beispiel in „Blut“ – [blu:t], und in „braten“ – [‚bʀɑ:tən] sowie in „Ebbe“ – [‚ˀɛbə]
  • Der stimmlose Zahn-Verschlusslaut [t] – in Buchstaben geschrieben „T“, „t“ oder „tt“ sowie „Th“ oder „th“ sowie „d“ oder „dt“, zum Beispiel in „Tal“ – [tɑ:l], in
    „tun“ – [tu:n] und in „Motte“ – [‚mɔtə] sowie in „Theater“ – [te’ɑ:təʁ] und in „Labyrinth“ – [lɑby’ʀɪnt] sowie in „Bild“ – [bɪlt] und in „Stadt“ – [ʃtat]
  • Der stimmhafte Zahn-Verschlusslaut [d] – in Buchstaben geschrieben „D“, „d“ oder „dd“, zum Beispiel in „Docht“ – [dɔxt], in „du“ – [du:] und in „Paddel“ – [‚padəl]
  • Der stimmlose Hintergaumen-Verschlusslaut [k] – in Buchstaben geschrieben „K“, „k“ oder „kk“ sowie „Ch“ oder „ch“ sowie „C“, „c“ oder „cc“ sowie „ck“ oder „g“ sowie „Qu“, „qu“ oder „que“, zum Beispiel in „Kuh“ – [ku:], in „krumm“ – [kʀʊm] und in „okkult“ – [ˀɔ’kʊlt] sowie in „Chor“ – [ko:ʁ] und „chronisch“ – [‚kʀo:nɪʃ] sowie in „Café“ – [kɑ’fe;], in „decodieren“ – [deko’di:ʀən] und in „Piccolo“ – [‚pɪkolo] sowie in „Zweck“ – [t͜svɛk] und in „Weg“ – [ve:k] sowie in „Quarantäne“ – [karan’tɛnə], in „Clique“ – [‚klɪkə] und in „Boutique“ – [bu’tɪk]
  • Der stimmhafte Hintergaumen-Verschlusslaut [g] – in Buchstaben geschrieben „G“, „g“ oder „gg“ sowie „gh“, zum Beispiel in „Gas“ – [gɑ:s], „gut“ – [gu:t],
    „Bagger“ – [‚bagəʁ], „Joghurt“ – [‚jo:gʊʀt]

Die Verschluss-Reibelaute im DeutschenBeim Sprechen der Verschluss-Reibelaute[9] wird der Ausatmungsluftstrom zunächst unterbrochen, um dann in einen Reibelaut überzugehen. Die Verschluss-Reibelaute im Deutschen sind:

  • Der stimmlose Verschluss-Reibelaut [p͜f] – in Buchstaben geschrieben „Pf“ oder „pf“, zum Beispiel in „Pforte“ – [‚p͜fɔʀtə] und in „Topf“ – [tɔp͜f]
  • Der stimmlose Verschluss-Reibelaut [p͜s] – in Buchstaben geschrieben „Ps“ oder „ps“ sowie „bs“, zum Beispiel in „Psalm“ – [p͜salm], in „Schlips“ – [ʃlɪp͜s] und in „schubsen“ – [‚ʃʊp͜sən]
  • Der stimmlose Verschluss-Reibelaut [t͜s] – in Buchstaben geschrieben „Z“ oder „z“ sowie „zz“ oder „tz“ sowie „Ts“ oder „ts“ sowie „ds“ oder „dts“, zum Beispiel in „Zorn“ – [t͜sɔʀn] und in „zu“ – [t͜su:] sowie in „Pizza“ – [‚pɪt͜sɑ:] und in
    „Katze“ – [‚kat͜sə] sowie in „Tsunami“ – [t͜su’nɑ:mi] und in „Rätsel“ – [‚ʀɛ:t͜səl] sowie in „abends“ – [‚ˀɑbənt͜s] und in „Schmidts“ – [ʃmɪt͜s]
  • Der stimmlose Verschluss-Reibelaut [t͜ʃ] – in Buchstaben geschrieben „Tsch“ oder „tsch“ sowie „Ch“ oder „ch“ sowie „C“, „c“ oder „cc“, zum Beispiel in
    „Tscheche“ – [‚t͜ʃɛçə] und in „Putsch“ – [pʊt͜ʃ] sowie in „Chip“ – [t͜ʃɪp] und in
    „Couch“ – [ka͜ot͜ʃ] sowie in „Cello“ – [‚t͜ʃɛlo] in „Duce“ – [‚du:t͜ʃə] und in
    „Capuccino“ – [kɑpu’t͜ʃi:no]
  • Der stimmhafte Verschluss-Reibelaut [d͜ʒ] – in Buchstaben geschrieben „Dsch“ oder „dg“ sowie „G“, „g“ oder „gg“ sowie „J“ oder „j“, zum Beispiel in
    „Dschungel“ – [‚d͜ʒʊŋəl], „Budget“ – [bγ’d͜ʒe:], „Gin“ – [d͜ʒɪn], „adagio“ – [ˀa’dɑ:ʒo], „Loggia“ – [‚lɔd͜ʒɑ], „Job“ – [d͜ʒɔp], „Pyjama“ – [pγ’d͜ʒɑ:ma]
  • Der stimmlose Verschluss-Reibelaut [k͜s] – in Buchstaben geschrieben „X“ oder „x“ sowie „ks“, „cks“ oder „chs“ sowie „gs“ oder „ggs“, zum Beispiel in
    „Xylofon“ – [k͜sylo’fo:n], „boxen“ – [‚bɔk͜sən], „Keks“ – [ke:k͜s], „Klecks“ – [klɛk͜s], „Dachs“ – [dak͜s], „flugs“ – [flʊk͜s], „du joggst“ – [du: ‚d͜ʒɔk͜st]
  • Der stimmhafte Verschluss-Reibelaut [k͜v] – in Buchstaben geschrieben „Qu“ oder „qu“, zum Beispiel in „Qual“ – [k͜vɑ:l], „quer“ – [k͜ve:ʁ]

Artikulationsstellen

Die Sonorität der KonsonantenDie Konsonanten werden mit den Artikulationsorganen[10] an unterschiedlichen Artikulationsstellen gebildet – entweder stimmlos oder stimmhaft. Beim Sprechen der stimmhaften Konsonanten schwingen die Stimmlippen, beim Sprechen der stimmlosen Konsonanten sind die Stimmlippen geöffnet.

Die Lippenlaute im DeutschenFür die Artikulation der Lippenlaute sind die Lippen[11] ausschlaggebend:

  • Beim stimmlosen Lippen-Verschlusslaut [p] und seiner stimmhaften Entsprechung [b] sprengt der Ausatmungsluftstrom die aufeinandergelegten Lippen, zum Beispiel in „Paar“ – [pɑ:ʁ] und in „Bar“ – [bɑ:ʁ]
  • Beim stimmhaften Lippen-Nasenlaut [m] verschließen die Lippen den Mund, zum Beispiel in „Mut“ – [mu:t]

Die Zahnlaute im DeutschenFür die Artikulation der Zahnlaute sind die Schneidezähne[12] ausschlaggebend:

  • Beim stimmlosen Zahn-Zischlaut [s] und seiner stimmhaften Entsprechung [z] fließt der Ausatmungsluftstrom zwischen oberen und unteren Schneidezähnen hindurch, zum Beispiel in „Gas“ – [gɑ:s] und in „Sieg“ – [zi:k]

Die Lippen-Zahnlaute im DeutschenFür die Artikulation der Lippen-Zahnlaute werden Unterlippe und obere Schneidezähne[13] eingesetzt:

  • Beim stimmlosen Lippenzahn-Reibelaut [f] und seiner stimmhaften Entsprechung [v] hemmt die Enge zwischen Unterlippe und oberen Schneidezähnen den Ausatmungsluftstrom, zum Beispiel in „Fach“ – [fax] und in „Vase“ – [‚vɑ:zə]

Die Gaumenlaute im DeutschenFür die Artikulation der Gaumenlaute werden Zunge und Gaumen genutzt:

  • Beim stimmlosen Gaumen-Zischlaut [ʃ] und seiner stimmhaften Entsprechung [ʒ] strömt die Ausatmungsluft durch die Enge zwischen Zungenspitze und hartem Gaumen[14] eine Enge, zum Beispiel in „Schal“ – [ʃɑ:l] und in „Genie“ – [ʒe’ni:]
  • Beim stimmlosen Zahn-Verschlusslaut [t] und seiner stimmhaften Entsprechung [d] sprengt der Ausatmungsluftstrom die Zungenspitze vom harten Gaumen, zum Beispiel in „Turm“ – [tʊʀm] und in „Dach“ – [dax]
  • Beim stimmhaften seitlichen Fließlaut [l] liegt die Zungenspitze am harten Gaumen, zum Beispiel in „Los“ – [lo:s]
  • Beim stimmhaften Zungenspitzen-Fließlaut [r] schwingt die Zungenspitze am harten Gaumen, zum Beispiel in „Ring“ – [rɪŋ]
  • Beim stimmhaften Zahn-Nasenlaut [n] liegt die Zungenspitze am harten Gaumen, zum Beispiel in „Not“ – [no:t]
  • Beim stimmlosen Vordergaumen-Zischlaut [ç] und seiner stimmhaften Entsprechung [j] wölben sich die Seiten des Zungenrückens zum Vordergaumen[15], zum Beispiel in „ich“ – [ɪç] und in „ja“ – [jɑ:]
  • Beim stimmlosen Hintergaumen-Reibelaut [x] wölbt sich der Zungenrücken zum weichen Gaumen[16], zum Beispiel in „Schach“ – [ʃax]
  • Beim stimmlosen Hintergaumen-Verschlusslaut [k] und seiner stimmhaften Entsprechung [g] sprengt der Ausatmungsluftstrom den Zungenrücken vom weichen Gaumen, zum Beispiel in „Kanne“ – [‚kanə] und in „gut“ – [gu:t]
  • Beim stimmhaften Hintergaumen-Nasenlaut [ŋ] liegt der hintere Zungenrücken am weichen Gaumen, zum Beispiel in „Gong“ – [gɔŋ]

Die Zäpfchenlaute im DeutschenFür die Artikulation der Zäpfchenlaute ist das Zäpfchen[17] ausschlaggebend:

  • Beim stimmhaften starken Zäpfchen-Fließlaut [ʀ] schwingt das Zäpfchen, zum Beispiel in „Rot“ – [ʀo:t] und in „Wort“ –[vɔʀt]
  • Beim stimmhaften schwachen Zäpfchen-Fließlaut [ʁ] strömt die Ausatmungsluft durch die Enge zwischen Zäpfchen und Zungenrücken, zum Beispiel in
    „Tor“ – [to:ʁ]

Der Stimmlippenlaut im DeutschenFür die Artikulation des Stimmlippenlauts sind die Stimmlippen[18] ausschlaggebend:

  • Beim stimmlosen Stimmlippen-Reibelaut [h] strömt die Ausatmungsluft durch die eng aneinanderliegenden Stimmlippen, zum Beispiel in „Hut“ – [hu:t]

Die deutschen Konsonanten mit ihren charakteristischen Artikulationsstellen und in ihren Lautgruppen:

Artikulationsstelle

Lautgruppe

Lippen Schneide-zähne Harter Gaumen Vorder­gaumen Weicher Gaumen Zäpfchen Stimm­lippen
Fließlaute Stimmhaft [l], [r] [ʀ], [ʁ]
Nasenlaute Stimmhaft [m] [n] [ŋ]
Reibelaute Stimmlos             [f] [x] [h]
Stimmhaft             [v]
Zischlaute Stimmlos [s] [ʃ] [ç]
Stimmhaft [z] [ʒ] [j]
Verschlusslaute Stimmlos [p] [t] [k]
Stimmhaft [b] [d] [g]

KoartikulationsstelleKonsonanten können stark[19] oder schwach[20] gesprochen werden, mit mehr Intensität oder mit weniger. Im Deutschen sind die starken Konsonanten stimmlos und die schwachen sind stimmhaft, doch wenn auf einen stimmlosen ein stimmhafter Konsonant folgt, werden beide Laute etwas reduziert gesprochen[21], zum Beispiel in:

  • „entdecken“ – [ˀɛnt’dɛkən], „aufwischen“ – [‚ˀa͜ofvɪʃən], „aussuchen“ – [‚ˀa͜oszu:xən], „Durchsage“ – [‚dʊʁçzɑ:gə], „abbauen“ – [‚ˀapba͜oən]

BeispielAufeinanderfolgende Konsonanten werden im Deutschen miteinander verbunden, zum Beispiel in:

  • „Die Motte ist ein bescheidenes Tier, denn sie frisst nur Löcher.“
    [di: ‚mɔtə ɪst ˀa͜en bə’ʃa͜edənəs ti:ʁ dɛn zi: fʀɪst nu:ʁ ‚lœçəʁ]

Fließlaute

Die Konsonantengruppe der Fließlaute[22] besteht aus dem seitlichen Fließlaut [l], den Zäpfchen-Fließlauten [ʀ] und [ʁ] sowie aus dem Zungenspitzen-Fließlaut [r]. Beim Sprechen der Fließlaute strömt die Ausatmungsluft fließend aus dem Mund. Alle Fließlaute werden stimmhaft gesprochen.

Artikulation des stimmhaften seitlichen FließlautsBeim Sprechen des stimmhaften seitlichen Fließlauts[23] [l] bleiben die Lippen entspannt und der Unterkiefer senkt sich kaum. Der Mund öffnet sich spaltbreit. Die Zungenspitze legt sich hinter die oberen Schneidezähne[24] und der Ausatmungsluftstrom fließt beiderseits am entspannten Zungenrücken vorbei. Das Gaumensegel ist gehoben, die Stimmlippen schwingen. Das Zäpfchen bleibt passiv.

[l] wird gesprochen, wenn „L“, „l“ oder „ll“ geschrieben wird.

[l] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „L“ oder „l“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [l] am betonten Silbenanfang„Leben“ – [‚le:bən], „Los“ – [lo:s], „lügen“ – [ly:gən], „Luft“ – [lʊft], „lieben“ – [‚li:bən]
  • „beleidigen“ – [bə’la͜edigən], „verlassen“ – [fɛʁ’lasən], „gelingen“ – [gə’lɪŋən], „zerlumpt“ – [t͜sɛʁ’lʊmpt], „entlang“ – [ˀɛnt’laŋ]
  • „Blau“ – [bla͜o], „Kloß“ – [klo:s], „pflügen“ – [‚p͜fly:gən], „schlicht“ – [ʃlɪçt], „glimmen“ – [‚glɪmən]
  • „beglücken“ – [bə’glγkən], „geglaubt“ – [gə’gla͜opt], „verschlissen“ – [fɛʁ’ʃlɪsən], „verblasst“ – [fɛʁ’blast], „geplant“ – [gə’plɑ:nt]
  • [l] am unbetonten Silbenanfang„malen“ – [‚mɑ:lən], „Aula“ – [‚ˀa͜ola], „neulich“ – [’nɔ͜ølɪç], „melken“ – [‚mɛlkən], „Silber“ – [‚zɪlbəʁ]
  • „nachlaufen“ – [’nɑ:xla͜ofən], „umlegen“ – [‚ˀʊmle:gən], „Anliegen“ – [‚ˀanli:gən], „anlügen“ – [‚ˀanly:gən], „einlassen“ – [‚ˀa͜enlasən]
  • „abpflücken“ – [‚ˀapp͜flγkən], „Unglück“ – [‚ˀʊnglγk], „Nachklang“ – [’nɑ:xklaŋ], „abblättern“ – [‚ˀapblɛtəʁn], „ausplündern“ – [‚ˀa͜osplγndəʁn]

[l] wird am Silbenende gesprochen, wenn „l“ oder „ll“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [l] am Silbenende„Säbel“ – [‚zɛ:bəl], „Tadel“ – [‚tɑ:dəl], „Vogel“ – [‚fo:gəl], „Schal“ – [ʃɑ:l], „fahl“ – [fɑ:l]
  • „Gelb“ – [gɛlp], „Wild“ – [vɪlt], „wedeln“ – [‚ve:dəln], „Schuld“ – [ʃʊlt], „halb“ – [halp]
  • „er malt“ – [ˀe:ʁ ‚mɑ:lt], „sie zahlt“ – [zi: ‚t͜sɑ:lt], „er stiehlt“ – [ˀe:ʁ ‚ʃti:lt],
    „sie holt“ – [zi: ‚ho:lt], gezählt“ – [gə’t͜sɛ:lt]
  • „es perlt“ – [ˀɛs ‚pɛʁlt], „gequirlt“ – [gə’k͜vɪʀlt]
  • „Fell“ – [fɛl], „Ball“ – [bal], „Schall“ – [ʃal], „toll“ – [tɔl], „Geröll“ – [gə’ʀœl]
  • „bestellt“ – [bə’ʃtɛlt], „gefüllt“ – [gə’fγlt], „gerollt“ – [gə’ʀɔlt], „er fällt“ – [ˀe:ʁ fɛlt],
    „sie grillt“ – [zi: ‚gʀɪlt]

[l] wird gesprochen, wenn in nichtzusammengesetzten Wörtern „ll“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [l] an der Silbengrenze„stellen“ – [‚ʃtɛlən], „Wille“ – [‚vɪlə], „knallen“ – [‚knalən], „alle“ – [‚ˀalə], „Ställe“ – [‚ʃtɛlə]

[l] wird an der Silbengrenze doppellautend, aber nicht abgesetzt gesprochen, wenn in zusammengesetzten Wörtern “ll“ oder „lll“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [l] an der Silbengrenze doppellautend„Stapellauf“ – [‚ʃtɑ:pəlla͜of], „Hotellobby“ – [hɔ’tɛllɔbɪ], „Kugellager“ – [‚ku:gəllɑ:gəʁ], „übellaunig“ – [‚ˀy:bəlla͜oniç], „Doppellaut“ – [‚dɔpəlla͜ot]
  • „schnelllebig“ – [‚ʃnɛlle:bɪç], „Bestellliste“ – [bə’ʃtɛllɪstə], „stilllegen“ – [‚ʃtɪlle:gən], „Wolllappen“ – [‚vɔllapən], „Rollladen“ – [‚ʀɔllɑ:dən]

Beim Sprechen des stimmhaften starken Zäpfchen-Fließlauts[25] [ʀ] bleiben die Lippen entspannt und der Unterkiefer senkt sich. Die Zungenspitze legt sich an die unteren Schneidezähne und der hintere Zungenrücken wölbt sich hoch. Der Ausatmungsluftstrom lässt das Zäpfchen gegen den hinteren Zungenrücken vibrieren und fließt zwischen den Schwingungen aus dem geöffneten Mund. Das Gaumensegel ist gehoben und die Stimmlippen schwingen.

[ʀ] wird gesprochen, wenn „R“, „r“ oder „rr“, „Rh“, „rh“ oder „rrh“ geschrieben wird.

[ʀ] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „R“ oder „r“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

    • [ʀ] am betonten Silbenanfang„raten“ – [‚ʀɑ:tən], „Riese“ – [‚ʀi:zə], „retten“ – [‚ʀɛtən], „rechtlich“ – [‚ʀɛçtlɪç], „Rasen“ – [‚ʀɑ:zən]
    • „entrinnen“ – [ˀɛnt’ʀɪnən], „beraten“ – [bə’ʀɑ:tən],
      „berühmt“ – [bə’ʀy:mt], „geraucht“ – [gə’ʀa͜oxt], „geronnen“ – [gə’ʀɔnən]
    • „sprechen“ – [‚ʃpʀɛçən], „prächtig“ – [‚pʀɛçtɪç], „brutal“ – [bʀʊ’tɑ:l],
      „krank“ – [kʀaŋk], „trinken“ – [‚tʀɪŋkən]
    • „betrachten“ – [bə’tʀaxtən], „getragen“ – [gə’tʀɑ:gən], „Vertrag“ – [fɛʁ’tʀɑ:k], „begrüßen“ – [bə’gʀy:sən], „bekriegen“ – [bə’kʀi:gən]
  • [ʀ] am unbetonten Silbenanfang„Lehre“ – [‚le:ʀə], „bohren“ – [‚bo:ʀən], „schwierig“ – [‚ʃvi:ʀɪç], „Uhren“ – [‚ˀu:ʀən], „Nahrung“ – [’nɑ:ʀᴜŋ]
  • „Nachrede“ – [’nɑ:xʀe:də] „anrufen“ – [‚ˀanʀu:fən],
    „Ausrede“ – [‚ˀa͜osʀe:də], „abrollen“ – [‚ˀapʀɔlən], „hinrasen“ – [‚hɪnʀɑ:zən]
  • „Abbruch“ – [‚ˀapbʀʊx], „abtragen“ – [‚ˀaptʀɑ:gən], „hinkrabbeln“ – [‚hɪnkʀabəln], „anprobieren“ – [‚ˀanpʀobi: ʀən], „umgraben“ – [‚ˀʊmgʀɑ:bən]

[ʀ] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „Rh“ oder „rh“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

      • [ʀ] am betonten Silbenanfang„Rheuma“ – [‚ʀɔ͜øma:], „Rhythmus“ – [‚ʀγtmʊs],
        „Rhein“ – [ʀa͜en], „Rhetor“ – [‚ʀe:toʁ], „Rhombus“ – [‚ʀɔmbʊs]

     

  • „rhetorisch“ – [ʀe’to:ʀɪʃ], „Rhabarber“ – [ʀɑ’baʁbəʁ], „Rhapsodie“ – [ʀɑp͜so’di:], „Rhodesien“ – [ʀo’de:zıən], „rheumatisch“ – [ʀɔ͜ø’mɑ:tɪʃ]

[ʀ] wird am Silbenende gesprochen, wenn „r“ oder „rr“ geschrieben wird, und auf einen kurzen betonten Vokal folgt, zum Beispiel in:

  • [ʀ] am Silbenende„Horn“ – [hɔʀn], „Wort“ – [vɔʀt], „Geburt“ – [gə’bᴜʀt],
    „stark“ – [ʃtaʀk], „Arm“ – [aʀm]
  • „Narr“ – [naʀ], „wirr“ – [vɪʀ], „Herr“ – [hɛʀ], „Gewirr“ – [gə’vɪʀ], „Geschirr“ – [gə’ʃɪʀ]
  • „geklirrt“ – [gə’klɪʀt], „verwirrt“ – [fɛʁ’vɪʀt], „gesperrt“ – [gə’ʃpɛʀt],
    „verdorrt“ – [fɛʁ’dɔʀt], „ausgeharrt“ – [‚ˀa͜osgəhaʀt]

[ʀ] wird am Silbenende gesprochen, wenn „rrh“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [ʀ] am Silbenende„Katarrh“ – [kɑ’taʀ]

[ʀ] wird an der Silbengrenze gesprochen, wenn in nichtzusammengesetzten Wörtern „rr“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [ʀ] an der Silbengrenze„knarren“ – [‚knaʀən], „knurren“ – [knʊʀən] ,
    „Pfarrer“ – [‚p͜faʀəʁ], „sperren“ – [‚ʃpɛʀən],
    „störrisch“ – [‚ʃtœʀɪʃ]

[ʀ] wird an der Silbengrenze doppellautend, aber nicht abgesetzt gesprochen, wenn in zusammengesetzten Wörtern „rrr“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [ʀ] an der Silbengrenze doppellautend„Geschirrreiniger“ – [gə’ʃiʀʀa͜enɪgəʁ] ,
    „Sperrriegel“ – [‚ʃpɛʀʀi:gəl]

Artikulation des stimmhaften schwachen Zäpfchen-FließlautsBeim Sprechen des stimmhaften schwachen Zäpfchen-Fließlauts [ʁ] bleiben die Lippen entspannt und der Unterkiefer senkt sich. Die Zungenspitze legt sich an die unteren Schneidezähne und der hintere Zungenrücken wölbt sich hoch. Der Ausatmungsluftstrom fließt durch die Enge zwischen Zungenrücken und Zäpfchen und dann durch den geöffneten Mund. Das Gaumensegel ist gehoben und die Stimmlippen schwingen.

[ʁ] wird gesprochen, wenn „r“ geschrieben wird.[26]

[ʁ] wird am Silbenende gesprochen, wenn „r“ geschrieben wird und auf einen langen Vokal folgt, zum Beispiel in:

  • [ʁ] am Silbenende„leer“ – [le:ʁ], „vor“ – [fo:ʁ], „wir“ – [vi:ʁ], „nur“ – [nu:ʁ], „rar“ – [ʀɑ:ʁ]
  • „des Meers“ – [dɛs ‚me:ʁs], „des Altars“ – [dɛs ˀal’tɑ:ʁs], „des Bärs“ – [dɛs ‚bɛ:ʁs], „des Inventars“ – [dɛs ˀɪnvɛn’tɑ:ʁs] „des Autors“ – [dɛs ˀa͜o’to:ʁs]

[ʁ] wird gesprochen, wenn am Silbenende „r“ geschrieben wird und auf einen kurzen unbetonten Vokal folgt, zum Beispiel in:

  • [ʁ] am Silbenende„versagen“ – [fɛʁ’zɑ:gən], „zerschneiden“ – [t͜sɛʁ’ʃna͜edən], „hervor“ – [hɛʁ’fo:ʀ], „erzeugen“ – [ˀɛʁ’t͜sɔ͜øgən],
    „Versuch“ – [fɛʁ’zu:x]
  • „Vers“ – [fɛʁs], „des Dollars“ – [dɛs ‚dɔlaʁs], „des Motors“ – [dɛs ‚mo:toʁs],
    „des Faktors“ – [dɛs ‚faktoʁs], „des Agitators“ – [dɛs ˀagɪ’tɑ:toʁs]

[ʁ] wird gesprochen, wenn „r“ am Ende einer Silbe geschrieben wird und auf einen schwachtonigen E-Laut – [ə] – folgt, zum Beispiel in:

  • [ʁ] am Silbenende„Vater“ – [‚fɑ:təʁ], „Leber“ – [‚le:bəʁ], „Liter“ – [‚li:təʁ],
    „leider“ – [‚la͜edəʁ], „oder“ – [‚ˀo:dəʁ]
  • „ändern“ – [‚ˀɛndəʁn], „er rudert“ – [ˀe:ʁ ‚ʀu:dəʁt], „des Steckers“ [dɛs ‚ʃtɛkəʁs],
    „du klammerst“ – [du: ‚klaməʁst], „den Mardern“ – [de:n ‚maʀdəʁn]

Artikulation des stimmhaften Zungenspitzen-FließlautsBeim Sprechen des stimmhaften Zungenspitzen-Fließlauts[27] [r] bleiben die Lippen entspannt und der Unterkiefer senkt sich. Die Zunge bleibt locker am Mundboden, nur die Zungenspitze hebt sich an die oberen Schneidezähne. Der Ausatmungsluftstrom lässt die Zungenspitze gegen den harten Gaumen vibrieren und fließt zwischen den Schwingungen aus dem geöffneten Mund. Das Gaumensegel ist gehoben und die Stimmlippen schwingen. Das Zäpfchen bleibt passiv.

[r] wird im Deutschen nur selten gesprochen, vornehmlich von Berufsschauspielern und Kunstsängern sowie in einigen Mundarten.

[r] kann gesprochen werden, wenn „R“, „r“ oder „rr“, „Rh“, „rh“ oder „rrh“ geschrieben wird.

[r] kann am Silbenanfang gesprochen werden, wenn „R“ oder „r“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

    • [r] am betonten Silbenanfang„raten“ – [‚rɑ:tən], „Riese“ – [‚ri:zə], „reisen“ – [‚ra͜ezən],
      „Rot“ – [ro:t], „rau“ – [ra͜o]
    • „entrinnen“ – [ˀɛnt’rɪnən], „geronnen“ – [gə’rɔnən],
      „Beruf“ – [bə’ru:f], „gerade“ – [gə’rɑ:də], „berühmt“ – [bə’ry:mt]
    • „bringen“ – [‚brɪŋən], „trotzig“ – [‚trɔt͜sɪç], „prächtig“ – [‚prɛçtɪç], „Krach“ – [krax], „graben“ – [‚grɑ:bən]
    • „betrügen“ – [bə’try:gən], „getragen“ – [gə’trɑ:gən], „Vertrag“ – [fɛʁ’trɑ:k], „begrüßen“ – [bə’gry:sən], „bekriegen“ – [bə’kri:gən]
  • [r] am unbetonten Silbenanfang„Lehre“ – [‚le:rə], „bohren“ – [‚bo:rən], „schwierig“ – [‚ʃvi:rɪç], „hören“ – [‚hø:rən], „Stare“ – [‚ʃtɑ:rə]
  • „zurufen“ – [‚t͜suru:fən], „anrichten“ – [‚ˀanrɪçtən],
    „Nachrede“ – [’nɑ:xre:də], „abrollen“ – [‚ˀaprɔlən], „hinrasen“ – [‚hɪnrɑ:zən]
  • „abtragen“ – [‚ˀaptrɑ:gən], „Zubringer“ – [‚t͜subrɪŋər], „aufbrechen“ – [‚ˀa͜ofbrɛçən], „ankreuzen“ – [‚ˀankrɔ͜øt͜sən], „hervorkriechen“ – [hɛr’fo:rkri:çən]

[r] kann am Silbenanfang gesprochen werden, wenn „Rh“ oder „rh“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

    • [r] am betonten Silbenanfang„Rheuma“ – [‚rɔ͜ømɑ] , „Rhön“ – [rø:n], „Rhetor“ – [‚re:to:r], „Rhombus“ – [‚rɔmbᴜs], „Rhythmus“ – [‚rγtmʊs]
  • [r] am unbetonten Silbenanfang„linksrheinisch“ – [‚lɪŋksra͜enɪʃ], „rhetorisch“ – [re’to:rɪʃ], „Rhabarber“ – [rɑ’barbər], „Rhapsodie“ – [rɑp͜so’di:], „rheumatisch“ – [rɔ͜ø’mɑ:tɪʃ]

[r] kann am Silbenende gesprochen, wenn „r“ oder „rr“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [r] am Silbenende„leer“ – [le:r], „wir“ – [vi:r], „sehr“ – [ze:r], „klar“ – [klɑ:r], „Schar“ – [ʃɑ:r]
  • „Horn“ – [hɔrn], „stark“ – [ʃtark], „fort“ – [fɔrt], „Burg“ – [bʊrk], „Wirt“ – [vɪrt]
  • „Wert“ – [ve:rt], „Herd“ – [he:rt], „verklärt“ – [fɛr’klɛ:rt], „gebohrt“ – [gə’bo:rt], „gepaart“ – [gə’pɑ:rt]
  • „Narr“ – [nar], „wirr“ – [vɪr], „bizarr“ – [bi’t͜sar], „Herr“ – [hɛr], „Geschirr“ – [gə’ʃɪr]
  • „geklirrt“ – [gə’klɪrt], „versperrt“ – [fɛr’ʃpɛrt], „erstarrt“ – [ˀɛr’ʃtart],
    „gedörrt“ – [gə’dœrt], verirrt“ – [fɛr’ˀɪrt]

[r] kann am Silbenende gesprochen werden, wenn „rrh“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [r] am Silbenende„Katarrh“ – [kɑ’tar]

[r] kann an der Silbengrenze gesprochen werden, wenn in nichtzusammengesetzten Wörtern „rr“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [r] an der Silbengrenze„sperren“ – [‚ʃpɛrən], „störrisch“ – [‚ʃtœrɪʃ],
    „Narren“ – [’narən], „herrisch“ – [‚hɛrɪʃ], „skurril“ – [sku’ri:l]

[r] kann an der Silbengrenze doppellautend, aber nicht abgesetzt gesprochen werden, wenn in zusammengesetzten Wörtern oder in Wörtern mit Vorsilbe „rr“ oder „rrr“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [r] an der Silbengrenze doppellautend„verraten“ – [fɛr’rɑ:tən], „Vorrichtung“ – [‚fo:rrɪçtᴜŋ], „Abenteuerroman“ – [‚ɑ:bəntɔ͜øərro’mɑ:n], „darreichen“ – [‚dɑ:rra͜eçən], „erregen“ – [ˀɛr’re:gən]
  • „Sperrriegel“ – [‚ʃpɛrri:gəl], „Geschrrreiniger“ – [gə’ʃɪrra͜enɪgər],
    „Sperrrad“ – [‚ʃpɛrrɑ:t]

Nasenlaute

Die Konsonantengruppe der Nasenlaute[28] besteht aus den Lauten [m], [n] und [ŋ].

Beim Sprechen der Nasenlaute strömt die Ausatmungsluft nicht durch den Mund, sondern bei gesenktem Gaumensegel durch die Nase. Alle Nasenlaute werden stimmhaft gesprochen.

Artikulation des stimmhaften Lippen-NasenlautsBeim Sprechen des stimmhaften Lippen-Nasen­lauts[29] [m] liegen die Lippen leicht aufeinander und der Unterkiefer bleibt passiv. Die Zungenspitze ist unbeteiligt, die Zunge liegt entspannt am Mund­boden. Das Gaumensegel senkt sich und öffnet dem Ausatmungsluftstrom den Weg durch den Nasenraum. Das Zäpfchen bleibt passiv und die Stimmlippen schwingen.

[m] wird gesprochen, wenn „M“, „m“ oder „mm“ geschrieben wird.

[m] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „M“ oder „m“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

    • [m] am betonten Silbenanfang„Meter“ – [‚me:təʁ], „meinen“ – [‚ma͜enən], „Mann“ – [man], „Most“ – [mɔst], „Milch“ – [mɪlç]
    • „bemalen“ – [bə’mɑ:lən], „vermutlich“ – [fɛʁ’mu:tlɪç],
      „Gemüt“ – [gə’my:t], „entmündigen“ – [ˀɛnt’mγndɪgən],
      „entmachten“ – [ˀɛnt’maxtən]
  • [m] am unbetonten Silbenanfang„Dame“ – [‚dɑ:mə], „Samen“ – [‚zɑ:mən], „Blume“ – [‚blu:mə], „Eimer“ – [‚ˀa͜eməʁ], „niemand“ – [’ni:mant]
  • „demotiviert“ – [‚de:mɔtɪvi:ʁt], „Freimaurer“ – [‚fʀa͜ema͜oʀəʁ], „aufmuntern“ – [‚ˀa͜ofmʊntəʁn], „abmontieren“ – [‚ˀapmɔnti:ʀən],
    „nachmachen“ – [’nɑ:xmaxən]

[m] wird am Silbenende gesprochen, wenn „m“ oder „mm“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [m] am Silbenende„Reim“ – [ʀa͜em], „lahm“ – [lɑ:m], „Sturm“ – [ʃtʊʀm],
    „zum“ – [t͜sʊm], „Dom“ – [do:m]
  • „Samt“ – [zamt], „Amt“ – [ˀamt], „Pump“ – [pʊmp], „gezäumt“ – [gə’t͜sɔ͜ømt]
    „Zimt“ – [t͜sɪmt]
  • „ihr kamt“ – [ˀi:ʁ ‚kɑ:mt], „berühmt“ – [bə’ʀy:mt], „verschämt“ – [fɛʁ’ʃɛ:mt],
    „geträumt“ – [gə’tʀɔ͜ømt], „es keimt“ – [ˀɛs ‚ka͜emt]
  • „beschirmt“ – [bə’ʃɪʀmt], „gewärmt“ – [gə’vɛʀmt], behelmt“ – [bə’hɛlmt],
    „sie filmt“ – [zi: ‚fɪlmt], „verformt“ – [fɛʁ’fɔʀmt]
  • „Damm“ – [dam], „stumm“ – [ʃtʊm], „es glomm“ – [ˀɛs ‚glɔm], „Kamm“ – [kam], „fromm“ – [fʀɔm]
  • „stimmt“ – [ʃtɪmt], „du kommst“ – [du: ‚kɔmst], „sie rammt“ – [zi: ‚ʀamt],
    „es summt“ – [ˀɛs ‚zʊmt], „er nimmt“ – [ˀe:ʁ ’nɪmt]

[m] wird an der Silbengrenze gesprochen, wenn in nichtzusammengesetzten Wörtern „mm“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [m] an der Silbengrenze„zusammen“ – [t͜su’zamən] , „schwimmen“ – [‚ʃvɪmən], „Hammer“ – [‚haməʁ], „Kummer“ – [‚kʊməʁ],
    „sammeln“ – [‚zaməln],

[m] wird an der Silbengrenze doppellautend, aber nicht abgesetzt gesprochen, wenn in zusammengesetzten Wörtern „mm“ oder „mmm“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [m] an der Silbengrenze doppellautend„ummantelt“ – [ˀʊm’mantəlt], „ummauern“ – [ʊm’ma͜oəʁn], „Atommacht“ – [ˀa’to:mmaxt], „Strommarkt“ – [‚ʃtʀo:mmaʀkt], „Heimmannschaft“ –[‚ha͜emmanʃaft]
  • „Klemmmappe“ – [‚klɛmmapə], „Programmmacher“ – [pʀo’gʀammaxəʁ], „Kammmuschel“ – [‚kammʊʃəl], „Schlammmasse“ – [‚ʃlammasə],
    „Programmmodul“ – [pʀo’grammo’du:l]

Artikulation des stimmhaften Zahn-NasenlautsBeim Sprechen des stimmhaften Zahn-Nasenlauts[30] [n] bleiben die Lippen entspannt. Der Unterkiefer senkt sich kaum und der Mund öffnet sich leicht. Die Zunge liegt locker am Mundboden, nur die Zungenspitze drückt sich fest an den harten Gaumen hinter den oberen Schneidezähnen. Das Gaumensegel senkt sich und öffnet dem Ausatmungsluftstrom den Weg durch den Nasenraum. Die Stimmlippen schwingen und das Zäpfchen bleibt passiv.

[n] wird gesprochen, wenn „N“, „n“ oder „nn“ geschrieben wird.

[n] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „N“ oder „n“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

    • [n] am betonten Silbenanfang„Nase“ – [’nɑ:zə], „Not“ – [no:t], „nicht“ – [nɪçt], „nur“ – [nu:ʁ], „nehmen“ – [’ne:mən]
    • „benehmen“ – [bə’ne:mən], „genau“ – [gə’na͜o],
      „Vernunft“ – [fɛʁ’nʊnft], „vernetzen“ – [fɛʁ’nɛt͜sən], „benebelt“ – [bə’ne:bəlt]
    • „Pneu“ – [pnɔ͜ø]
  • [n] am unbetonten Silbenanfang„Zone“ – [‚t͜so:nə], Planung“ – [‚plɑ:nʊŋ], „Sterne“ – [‚ʃtɛʀnə], „keiner“ – [‚ka͜enəʁ], „Jena“ – [‚je:nɑ:]
  • „Ausnahme“ – [‚ˀa͜osnɑ:mə], „Aufnahme“ – [‚ˀa͜ofnɑ:mə], „abnutzen“ – [‚ˀapnʊt͜sən], „Nachname“ – [’nɑ:xnɑ:mə], „abnehmen“ – [‚ˀapne:mən]
  • „pneumatisch“ – [pnɔ͜ø’mɑ:tɪʃ]
  • „Apnoe“ – [‚ˀɑpno:ə]

[n] wird am Silbenende gesprochen, wenn „n“ oder „nn“ geschrieben wird und kein „g“ oder „k“ folgt, zum Beispiel in:

  • [n] am Silbenende„Bein“ – [ba͜en], „wen“ – [ve:n], „Grün“ – [gʀy:n], „Plan“ – [plɑ:n], „ihn“ – [i:n]
    • Aber nicht in „Beton“ – [be’tɔŋ]
  • „bunt“ – [bʊnt], „Rand“ – [ʀant], „Zins“ – [t͜sɪns], „Horizont“ – [hoʀi’t͜sɔnt], „morgens“ – [‚mɔʀgəns]
  • „er weint“ – [ˀe:ʁ ‚va͜ent], „gesehnt“ – [gə’ze:nt], „des Plans“ – [dɛs ‚plɑ:ns],
    „des Mikrofons“ – [dɛs mɪkʀo’fo:ns], „Mond“ – [mo:nt]
  • „entkernt“ – [ˀɛnt’kɛʀnt], „gespornt“ – [gə’ʃpɔʀnt], „entfernt“ – [ˀɛnt’fɛʀnt],
    „sie tarnt“ – [zi: ‚taʀnt], „er lernt“ . [ˀe:ʁ ‚lɛʀnt]
  • „Mann“ – [man], „denn“ – [dɛn], „Gewinn“ – [gə’vɪn], „Spann“ – [ʃpan], „Sinn“ – [zɪn]
  • „du kannst“ – [du: ‚kanst], „ihr könnt“ – [ˀi:ʁ ‚kœnt], „er rennt“ – [ˀe:ʁ ‚ʀɛnt],
    „es brennt“ [ˀɛs ‚bʀɛnt], „sie spinnt“ – [zi: ‚ʃpɪnt]

[n] wird an der Silbengrenze gesprochen, wenn in nichtzusammengesetzten Wörtern „nn“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [n] an der Silbengrenze„Sonne“ – [‚zɔnə], „nennen“ – [’nɛnən], „rinnen“ – [‚ʀɪnən], „Kanne“ – [‚kanə], „Tunnel“ – [‚tʊnəl]

[n] wird an der Silbengrenze doppellautend, aber nicht abgesetzt gesprochen, wenn in zusammengesetzten Wörtern „nn“ oder „nnn“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [n] an der Silbengrenze doppellautend„unnötig“ – [‚ˀʊnnø:tɪç], „annehmen“ – [‚ˀanne:mən], „Kornnatter“ [‚kɔʀnnatəʁ], „Spinnennetz“ – [‚ʃpɪnənnɛt͜s], „Hakennase“ – [‚hɑ:kənnɑ:zə]
  • „Brennnessel“ – [‚bʀɛnnɛsəl], „Kennnummer“ – [‚kɛnnʊməʁ],
    „Gewinnnummer“ – [gə’vɪnnʊməʁ]

Artikulation des stimmhaften Hintergaumen-NasenlautsBeim Sprechen des stimmhaften Hintergaumen-Nasenlauts[31] [ŋ] bleiben die Lippen entspannt. Der Unterkiefer senkt sich und der Mund öffnet sich etwa fingerbreit. Während die Zungenspitze entspannt bleibt, legt sich der hintere Zungenrücken an den weichen Gaumen. Das Gaumensegel senkt sich und öffnet dem Ausatmungsluftstrom den Weg durch den Nasenraum. Die Stimmlippen schwingen und das Zäpfchen bleibt passiv.

[ŋ] wird gesprochen, wenn „ng“ oder „n“ geschrieben wird.

[ŋ] wird am Silbenende gesprochen, wenn „ng“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [ŋ] am Silbenende„Gesang“ – [gə’zaŋ], „Jüngling“ – [‚jγŋlɪŋ], „Ring“ – [ʀɪŋ], „Bedeutung“ – [bə’dɔ͜øtʊŋ], „lang“ – [laŋ]
  • „längst“ – [lɛŋst], „Angst“ – [ˀaŋst], „beschwingt“ – [bə’ʃvɪŋt], „er fängt“ – [ˀe:ʁ ‚fɛŋt], „es klingt“ – [ˀɛs ‚klɪŋt]

[ŋ] wird manchmal am Silbenende gesprochen, wenn „n“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [ŋ] am Silbenende„Beton“ – [bɛ’tɔŋ], „Balkon“ – [bal’kɔŋ], „Salon“ – [zɑ’lɔŋ]

[ŋ] wird am Silbenende gesprochen, wenn auf „n“ folgend „k“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [ŋ] am Silbenende„Bank“ – [baŋk], „Geschenk“ – [gə’ʃɛŋk], „flink“ – [flɪŋk], „krank“ – [kʀaŋk], „Schrank“ – [ʃʀaŋk]
  • „er schenkt“ – [ˀe:ʁ ‚ʃɛŋkt], „du lenkst“ – [du: ‚lɛŋkst], „ihr denkt“ [ˀi:ʁ ‚dɛŋkt], „sie versinkt“ – [zi: fɛʁ’zɪŋkt], „es stinkt“ – [ˀɛs ‚ʃtɪŋkt]

[ŋ] wird an der Silbengrenze gesprochen, wenn auf „n“ folgend „g“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [ŋ] an der Silbengrenze„lange“ – [‚laŋə], „Menge“ – [‚mɛŋə], „drängen“ – [‚dʀɛŋən], „klingeln“ – [‚klɪŋəln], „düngen“ – [‚dγŋən]

[ŋ] wird manchmal an der Silbengrenze mit nachfolgendem [g] gesprochen, wenn auf „n“ folgend „g“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [ŋ] an der Silbengrenze„Singular“ – [‚zɪŋgʊlɑ:ʁ] , „Tangente“ – [taŋ’gɛntə],
    „lingual“ – [lɪŋgʊ’ɑ:l], „Mongole“ – [mɔŋ’go:lə],
    „Bungalow“ – [‚bʊŋgalo:]

[ŋ] wird an der Silbengrenze gesprochen, wenn auf „n“ folgend „k“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [ŋ] an der Silbengrenze„lenken“ – [‚lɛŋkən], „Onkel“ – [‚ˀɔŋkəl], „Bankett“ – [baŋ’kɛt], „Schinken“ – [‚ʃɪŋkən], „Pranke“ – [‚pʀaŋkə]

Reibelaute

Die Konsonantengruppe der Reibelaute[32] besteht aus den Lauten [f], [v], [x] und [h] sowie aus der Konsonantengruppe der Zischlaute.

Beim Sprechen der Reibelaute bilden die Artikulationsorgane eine Enge, die den Ausatmungsluftstrom verwirbelt, wobei ein Reibegeräusch entsteht. Bei den stimmhaften Reibelauten schwingen die Stimmlippen, bei den stimmlosen Reibelauten sind die Stimmlippen geöffnet.

Artikulation des stimmlosen Lippenzahn-ReibelautsBeim Sprechen des stimmlosen Lippenzahn-Reibelauts[33] [f] schließt sich der Unterkiefer an den Oberkiefer und der Mund öffnet sich spaltbreit. Die Unterlippe legt sich sanft an die oberen Schneidezähne, wodurch der Ausatmungsluftstrom gehemmt wird. Der Zungenrücken bleibt entspannt, die Zungenspitze legt sich an die unteren Schneidezähne. Das Gaumensegel ist gehoben und die Stimmlippen sind geöffnet. Das Zäpfchen bleibt passiv.

Die Stellung der Artikulation ist die gleiche wie beim stimmhaften Lippenzahn-Reibelaut [v]. Mit vorangehendem [p] verschmilzt [f] zum Verschluss-Reibelaut [p͜f].

[f] wird gesprochen, wenn „F“, „f“ oder „ff“, „V“ oder „v“, „Ph“ oder „ph“ geschrieben wird.

[f] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „F“ oder „f“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

    • [f] am betonten Silbenanfang„Feige“ – [‚fa͜egə], „Farbe“ – [‚faʀbə], „fürchten“ – [‚fγʀçtən], „Fehler“ – [‚fe:ləʁ], „Fisch“ – [fɪʃ]
    • „Befehl“ – [bə’fe:l] , „Gefahr“ – [gə’fɑ:ʁ], „Gefühl“ – [gə’fy:l], „Verfahren“ – [fɛʁ’fɑ:ʀən], „entfachen“ – [ˀɛnt’faxən]
    • „flach“ – [flax], „frieren“ – [‚fʀi:ʀən], „frei“ – [fʀa͜e], „frisch“ – [fʀɪʃ], „flugs“ – [flʊk͜s]
    • „befreien“ – [bə’fʀa͜eən], „gefressen“ – [gə’fʀɛsən], „befriedigt“ – [bə’fʀi:dɪçt], „befrachtet“ – [bə’fʀaxtət], „befruchten“ – [bə’fʀʊxtən]
  • [f] am unbetonten Silbenanfang„schlafen“ – [‚ʃlɑ:fən], „Schäfer“ – [‚ʃɛ:fəʁ], „Strafe“ – [‚ʃtʀɑ:fə], „laufen“ – [‚la͜ofən], „Gräfin“ – [‚gʀɛ:fɪn]
  • „nachfassen“ – [’nɑ:xfasən], „abfangen“ – [‚ˀapfaŋən], „herführen“ – [‚he:ʁfy:ʀən], „vorbeifahren“ – [fɔʀ’ba͜efɑ:ʀən],
    „herausfischen“ – [hɛ’ʀa͜osfɪʃən]
  • „Safran“ – [‚zafʀɑ:n], „Inflation“ – [ɪnflɑ’t͜sıo:n], „Afrika“ – [‚ˀɑ:fʀɪkɑ],
    „Fragment“ – [fʀak’mɛnt], „frappant“ – [fʀɑ’pant]
  • „Einfluss“ – [‚ˀa͜enflʊs], „Anflug“ – [‚ˀanflu:k], „abfragen“ – [‚ˀapfʀɑ:gən],
    „abfliegen“ – [‚ˀapfli:gən], „Nachfrist“ – [’nɑ:xfʀɪst]

[f] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „V“ oder „v“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

    • [f] am betonten Silbenanfang„Vater“- [‚fɑ:təʁ], „voll“ – [fɔl], „vier“ – [fi:ʁ], „vor“ – [fo:ʁ], „Vieh“ – [fi:]
    • „bevor“ – [bə’fo:ʁ], „entvölkert“ – [‚ɛnt’fœlkəʁt], „hervorragend“ – [hɛʁ’fo:ʁʀɑ:gənt], „übervorteilen“ – [ˀy:bəʁ’fɔʀta͜elən],
      „geviertelt“ – [gə’fɪʀtəlt]
    • „Vlies“ – [fli:s]
  • [f] am unbetonten Silbenanfang„Larve“ – [‚laʀfə], „Eva“ – [‚ˀe:fɑ:], „Nerven“ – [’nɛʁfən], „vernehmen“ – [fɛʁ’ne:mən], „vertrauen“ – [fɛʁ’tʀa͜oən]
  • „Zuversicht“ – [‚t͜sufɛʁzɪçt], „anvertrauen“ – [‚ˀanfɛʁtʀa͜oən], „missvergnügt“ – [‚mɪsfɛʁgny:kt], „abverlangen“ – [‚apfɛʁlaŋən],
    „unvorsichtig“ – [ˀʊnfo:ʁzɪçtɪç]

[f] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „Ph“ oder „ph“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

    • [f] am betonten Silbenanfang„Phase“ – [‚fɑ:zə], „Amphore“ – [am’fo:ʀə],
      „Amphibie“ – [am’fi:bıə], „Sarkophag“ – [zaʀko’fɑ:k], „frankophil“ – [fʀaŋko’fi:l]
    • „Sphäre“ – [’sfɛ:ʀə], „Sphinx“ – [sfiŋk͜s]
    • „Phrase“ – [‚fʀɑ:zə], „Phlegma“ – [‚flɛgma:], „Pamphlet“ – [pam’fle:t],
      „schizophren“ – [ʃɪt͜so’fʀe:n], „Diaphragma“ – [dɪɑ’fʀagmɑ]
  • [f] am unbetonten Silbenanfang„Physik“ – [fy’zi:k], „Katastrophe“ – [kɑta’stʀo:fə], „philosophisch“ – [filo’zo:fɪʃ], „Phonetik“ – [fo’ne:tɪk], „Pharmazie“ – [faʁmɑ’t͜si:]

[f] wird am Silbenende gesprochen, wenn „f“ oder „ff“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [f] am Silbenende„Schaf“ – [ʃɑ:f], „Beruf“ – [bə’ʀu:f], „Schilf“ – [ʃɪlf], „Dorf“ – [dɔʀf], „auf“ – [a͜of]
  • „Lift“ – [lɪft], „Luft“ – [lʊft], „Schrift“ – [ʃʀɪft], „Haft“ – [haft], „Mannschaft“ – [‚manʃaft]
  • „des Briefs“ – [dɛs ‚bʀi:fs] „er schläft“ – [ˀe:ʁ ‚ʃlɛ:ft], „bestraft“ – [bə’ʃtʀɑ:ft], du rufst“ – [du: ʀu:fst], „gereift“ – [gəʀa͜eft]
  • „des Torfs“ – [dɛs ‚tɔʀfs], „geschürft“ – [gə’ʃγʀft], „sie wirft“ – [zi: ‚vɪʀft], „er hilft“ – [e:ʁ ‚hɪlft], „zu zwölft“ – [t͜su ‚t͜svœlft]
  • „schlaff“ – [ʃlaf], „Griff“ – [gʀɪf], „Stoff“ – [ʃtɔf], „Auspuff“ – [‚ˀa͜ospʊf], „Schiff“ – [ʃɪf]
  • „geschafft“ – [gə’ʃaft], „betrifft“ – [bə’tʀɪft], „es klafft“ – [ˀɛs ‚klaft], „gestrafft“ – [gə’ʃtʀaft], „du hoffst“ – [du: ‚hɔfst]

[f] wird am Silbenende gesprochen, wenn „v“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [f] am Silbenende„Nerv“ – [nɛʀf], „aktiv“ – [ˀak’ti:f], „brav“ – [bʀɑ:f],
    „Stativ“ – [ʃtɑ’ti:f], „Oktav“ – [ˀɔk’tɑ:f]
  • „des Archivs“ – [dɛs ˀaʀ’çi:fs], „versklavt“ – [fɛʁ’sklɑ:ft], „des Motivs“ [dɛs mo’ti:fs], „des Genitivs“ – [dɛs ‚ge:nɪti:fs], „gehievt“ – [gə’hi:ft]
  • „genervt“ – [gə’nɛʀft], „entlarvt“ – [ˀɛnt’laʀft] „du kurvst“ – [du: ‚kʊʀfst]

[f] wird am Silbenende gesprochen, wenn „ph“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [f] am Silbenende„Triumph“ – [triʊmf], „Seraph“ – [‚ze:ʀaf], „Ralph“ – [ʀalf], „Philosoph“ – [filo’zo:f], „amorph“ – [ˀɑ’mɔʀf]
  • „Christophs“ – [‚kʀɪstɔfs]
  • „des Apostrophs“ – [dɛs ˀapo’stʀo:fs]
  • „des Triumphs“ – [dɛs tʀi’ʊmfs], „Ralphs“ – [ʀalfs]

[f] wird an der Silbengrenze gesprochen, wenn in nichtzusammengesetzten Wörtern „ff“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [f] an der Silbengrenze„Neffe“ – [’nɛfə], „schaffen“ – [‚ʃafən], „treffen“ – [‚tʀɛfən], „Effekt“ – [ˀe’fɛkt], „Ziffer“ – [‚t͜sɪfəʁ]

[f] wird an der Silbengrenze doppellautend, aber nicht abgesetzt gesprochen, wenn in zusammengesetzten Wörtern“ff“ oder „fff“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [f] an der Silbengrenze doppellautend„auffordern“ – [‚ˀa͜offɔʀdəʁn], „auffangen“ – [‚ˀa͜offaŋən], „lauffähig“ – [‚la͜offɛɪç], „fünffach“ – [‚fγnffax],
    „hinaufführen“ – [hɪ’na͜offy:ʀən]
  • „Schifffahrt“ – [‚ʃɪffɑ:ʁt], „Stofffetzen“ – [‚ʃtɔffɛt͜sən], „grifffest“ – [‚gʀɪffɛst], „Stofffarbe“ – [‚ʃtɔffaʀbə], „Baustofffirma“ – [‚ba͜oʃtɔffɪʀmɑ]

[f] wird an der Silbengrenze doppellautend, aber nicht abgesetzt gesprochen, wenn in zusammengesetzten Wörtern“vv“ geschrieben wird und das zweite „v“ als [f] zu sprechen ist, zum Beispiel in:

  • [f] an der Silbengrenze doppellautend„Alternativvorschlag“ – [ˀaltəʁna’ti:ffo:ʁʃlɑ:k],
    „Exklusivvertrag“ – [ˀɛk͜sklu’zi:ffɛʁtʀɑ:k],
    „Effektivverzinsung“ – [ˀɛfɛk’ti:ffɛʁt͜sɪnzʊŋ],
    „Produktivvermögen“ – [pʀodʊk’ti:ffɛʁmøgən]

[f] wird an der Silbengrenze doppellautend, aber nicht abgesetzt gesprochen, wenn in zusammengesetzten Wörtern an der inneren Wortgrenze „fv“ geschrieben wird und „v“ als [f] zu sprechen ist, zum Beispiel in:

  • [f] an der Silbengrenze doppellautend„Strafverfolgung“ – [‚ʃtʀɑ:ffɛʁfɔlgᴜŋ], „Dorfvettel“ – [‚dɔʀffɛtəl], „Schafvlies“ – [‚ʃɑ:ffli:s], „Laufvogel“ – [‚la͜offo:gəl], „Hanfverkauf“ – [‚hanffɛʁka͜of]

Artikulation des stimmhaften Lippenzahn-ReibelautsBeim Sprechen des stimmhaften Lippenzahn-Reibelauts [v] schließt sich der Unterkiefer an den Oberkiefer und der Mund öffnet sich spaltbreit. Die Unterlippe legt sich sanft an die oberen Schneidezähne, wodurch der Ausatmungsluftstrom gehemmt wird. Der Zungenrücken bleibt entspannt, die Zungenspitze legt sich an die unteren Schneidezähne. Das Gaumensegel ist gehoben und die Stimmlippen schwingen. Das Zäpfchen bleibt passiv.

Die Stellung der Artikulation ist die gleiche wie beim stimmlosen Lippenzahn-Reibelaut [f]. Mit vorangehendem [k] verschmilzt [v] zum Verschluss-Reibelaut [k͜v].

[v] wird gesprochen, wenn „W“ oder„w“, „V“ oder „v“ geschrieben wird.

[v] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „W“ oder „w“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

    • [v] am betonten Silbenanfang„waschen“ – [‚vaʃən], „Wille“ – [‚vɪlə], „Lawine“ – [la’vi:nə], „Wort“ – [vɔʀt], „Wert“ – [ve:ʁt]
    • „bewegen“ – [bə’ve:gən], „gewesen“ – [gə’ve:zən], „gewagt“ – [gə’vɑ:kt], „bewusst“ – [bə’vʊst], „erweisen“ – [ˀɛʁ’va͜ezən]
    • „schwer“ – [ʃve:ʁ], „Schwarz“ – [ʃvaʀt͜s], „Zwang“ – [t͜svaŋ], „zwischen“ – [‚t͜svɪʃən], „zwölf“ – [t͜svœlf]
    • „beschwören“ – [bə’ʃvø:ʀən], „gezwungen“ – [gə’t͜svʊŋən],
      „dazwischen“ – [da’t͜svɪʃən], „erschweren“ – [ˀɛʁ’ʃve:ʀən],
      „verschwinden“ – [fɛʁ’ʃvɪndən]
    • „wringen“ – [‚vʀɪŋən], „Wrack“ – [vʀak], „Wladimir“ – [vla’di:mi:ʁ]
    • „gewrungen“ – [gə’vʀʊŋən]
  • [v] am unbetonten Silbenanfang„Löwe“ – [‚lø:və], „Slawe“ – [’slɑ:və], „Witwer“ – [‚vɪtvəʁ], „etwa“ – [‚ˀɛtvɑ:], „Ingwer“ – [‚ˀɪŋv’əʁ]
  • „abwägen“ – [‚ˀapvɛ:gən], „Umweg“ – [‚ˀʊmve:k], „aufwischen“ – [‚ˀa͜ofwɪʃən], „rückwärts“ – [‚ʀγkvɛʀt͜s], „vorwiegend“ – [‚fo:ʁvi:gənt]
  • „Abschwung“ – [‚ˀapʃvʊŋ], „anzweifeln“ – [‚ˀant͜sva͜efəln],
    „aufschwingen“ – [‚ˀa͜ofʃvɪŋən], „hindurchzwängen“ – [hɪn’dʊʀçt͜svɛŋən], „wegschwimmen“ – [‚vɛkʃvɪmən]
  • „auswringen“ – [‚ˀa͜osvʀɪŋən], „abwracken“ – [‚ˀapvʀakən],
    „aufzwingen“ – [‚ˀa͜oft͜svɪŋən], „ungezwungen“ – [‚ˀʊngət͜svʊŋən],
    „Selbstzweck“ – [‚zɛlp͜stt͜svɛk]

[v] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „V“ oder „v“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

    • [v] am betonten Silbenanfang„Vase“ – [‚vɑ:zə], „Votum“ – [‚vo:tʊm], „Villa“ – [‚vɪlɑ:], „Vakuum“ – [‚vɑkuʊm], „Klavier“ [kla’vi:ʁ]
  • „Sven“ – [svɛn], „Svenja“ – [’svɛnjɑ]
  • [v] am unbetonten Silbenanfang„Pulver“ – [‚pʊlvəʁ], „Kurve“ – [‚kʊʀvə], „Ventil“ – [vɛn’ti:l], „venös“ – [ve’nø:s], „Vulkan“ – [vʊl’kɑ:n]
  • „anvisieren“ – [‚ˀanvɪzi:ʀən]

Artikulation des stimmlosen Hintergaumen-ReibelautsBeim Sprechen des stimmlosen Hintergaumen-Reibelauts[34] [x ] bleiben die Lippen entspannt und der Unterkiefer bleibt unbeteiligt. Der Mund öffnet sich. Die Zungenspitze liegt an den unteren Schneidezähnen und der hintere Zungenrücken wölbt sich zum weichen Gaumen, wodurch der Ausatmungsluftstrom gehemmt wird. Das Gaumensegel ist gehoben und die Stimmlippen sind geöffnet. Das Zäpfchen bleibt passiv.

[x] wird gesprochen, wenn „ch“ geschrieben wird.

[x] wird am Silbenanfang nach dunklem Vokal[35] oder A-Laut gesprochen, wenn „ch“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [x] am unbetonten Silbenanfang„suchen“ – [‚zu:xən], „Versuche“ – [fɛʁ’zu:xə], „Kuchen“ – [‚ku:xən], „buchen“ – [‚bu:xən], „Wucher“ – [‚vu:xəʁ]
  • „Woche“ – [‚vɔxə], „gesprochen“ – [gə’pʃʀɔxən], „kochen“ – [‚kɔxən],
    „gebrochen“ – [gə’bʀɔxən], „Zahnstocher“ – [‚t͜sɑ:nʃtɔxəʁ]
  • „Taucher“ – [‚ta͜oxəʁ], „brauchen“ – [‚bʀa͜oxən], „hauchen“ – [‚ha͜oxən],
    „Jauche“ – [‚ja͜oxə], „verstauchen“ – [fɛʁ’ʃta͜oxən]
  • „Sprache“ – [‚ʃpʀɑ:xə], „sie stachen“ – [zi: ‚ʃtɑ:xən], „Lache“ – [‚lɑ:xə],
    „Brache“ – [‚bʀɑ:xə], „Almanache“ – [‚ˀalmanɑ:xə]
  • „lachen“ – [‚laxən], „Sache“ – [‚zaxə], „machen“ – [‚maxən], „Rache“ – [‚ʀaxə], „wachen“ – [‚vaxən]

[x] wird am Silbenende nach dunklem Vokal oder A-Laut gesprochen, wenn „ch“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Tuch“ – [tu:x], „Buch“ – [bu:x], „Fluch“ – [flu:x], „Gesuch“ – [gə’zu:x], „Besuch“ – [bə’zu:x]
  • „Bruch“ – [bʀʊx], „Anspruch“ – [‚ˀanʃpʀʊx], „Geruch“ – [gə’ʀʊx], „wuchtig“ – [‚vʊxtɪç], „juchzen“ – [‚jʊxt͜sən]
  • „hoch“ – [ho:x]
  • „noch“ – [nɔx], „Koch“ – [kɔx], „Loch“ – [lɔx], „Joch“ – [jɔx], „jedoch“ – [je:’dɔx]
  • „auch“ – [a͜ox], „Brauch“ – [bʀa͜ox], „Schlauch“ – [ʃla͜ox], „Lauch“ – [la͜ox], „Bauch“ – [ba͜ox]
  • „nach“ – [nɑ:x], „Schmach“ – [ʃmɑ:x], „sie brach“ – [zi: ‚bʀɑ:x],
    „er sprach“ – [e:ʁ ‚ʃpʀɑ:x], „Gemach“ – [gə’mɑ:x]
  • „Dach“ – [dax], „Krach“ – [kʀax], „einfach“ – [‚ˀa͜enfax], „Bach“ – [bax], „Fach“ – [fax]
  • „Zucht“ – [t͜sʊxt] „Flucht“ – [flʊxt], „Sucht“ [zʊxt], „Schlucht – [ʃlʊxt], „Bucht“ – [bʊxt]
    • Aber nicht in „Fuchs“ – [fʊk͜s]
  • „du kochst“ – [du: ‚kɔxst], „ihr krocht“ – [ˀi:ʁ ‚kʀɔxt], „gelocht“ – [gə’lɔxt],
    „Docht“ – [dɔxt], „sie pocht“ – [zi: ‚pɔxt]
  • „Verdacht“ – [fɛʁ’daxt], „Schacht“ – [ʃaxt], „bewacht“ – [bə’vaxt], „Fracht“ – [fʀaxt], „Macht“ – [maxt]
    • Aber nicht in „Flachs“ – [flak͜s] und „Dachs“ – [dak͜s]
  • „er flucht“ – [ˀe:ʁ ‚flu:xt], „du suchst“ – [du: ‚zu:xst], „sie bucht“ – [zi: ‚bu:xt], „verrucht“ – [fɛʁ’ʀu:xt], „betucht“ – [bə’tu:xt]
  • „er malocht“ – [ˀe:ʁ ma’lo:xt]
  • „gebraucht“ – [gə’bʀa͜oxt], „sie raucht“ – [zi: ‚ʀa͜oxt], „du jauchzst“ – [du: ‚ja͜oxt͜sst], „es schmaucht“ – [ˀɛs ‚ʃma͜oxt], „des Verbrauchs“ – [dɛs fɛʁ’bʀa͜oxs]

Artikulation des stimmlosen Stimmlippen-ReibelautsBeim Sprechen des stimmlosen Stimmlippen-Reibelauts[36] [h] bleiben die Lippen entspannt und der Unterkiefer senkt sich leicht. Zunge und Zungenspitze liegen locker am Mundboden. Die Stimmlippen legen sich eng aneinander und bilden einen Spalt[37], wodurch der Ausatmungsluftstrom leicht gehemmt wird, der dann durch den spaltbreit geöffneten Mund entweicht. Das Gaumensegel ist gehoben und das Zäpfchen bleibt passiv.

[h] wird gesprochen, wenn „H“ oder „h“ geschrieben wird.

[h] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „h“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

    • [h] am betonten Silbenanfang„hier“ – [hi:ʁ], „behalten“ – [bə’haltən], „Hut“ – [hu:t], „erhitzen“ – [ˀɛʁ’hɪt͜sən], „heilen“ – [‚ha͜elən]
    • „behüten“ – [bə’hy:tən], „gehalten“ – [gə’haltən], „überholt“ – [ˀy:bəʁ’ho:lt], „erheben“ – [ˀɛʁ’he:bən], „er erhielt“ – [ˀe:ʁ ˀɛʁhi:lt]
  • [h] am unbetonten Silbenanfang„Ahorn“ – [‚ˀɑ:hɔʀn], „Uhu“ – [‚ˀu:hu:], „Oheim“ – [‚ˀo:ha͜em]
    • Aber nicht in „Ehe“ – [‚ˀe:ə] und „eher“ – [‚ˀe:əʁ]
  • „Freiheit“ – [‚fʀa͜eha͜et], „Gesundheit“ – [gə’zʊntha͜et], „Mehrheit“ – [‚me:ʁha͜et], „Sicherheit“ – [‚zɪçəʁha͜et],
    „Gelegenheit“ – [gə’le:gənha͜et]
  • „habhaft“ – [‚hɑ:phaft], „schadhaft“ – [‚ʃɑ:thaft], „glaubhaft“ – [‚gla͜ophaft], „dauerhaft“ – [‚da͜oəʁhaft], „lachhaft“ – [‚laxhaft]

Nicht gesprochen wird [h], wenn „h“ als Dehnungszeichen nach einem Vokal geschrieben wird, zum Beispiel in:

      • „gehen“ – [‚ge:ən], „sie sahen“ – [zi: ‚zɑ:ən], „gelehrt“ – [gə’le:ʁt], „wahr“ – [vɑ:ʀ], „sie sieht“ – [zi: ‚zi:t]

Zischlaute

Die Konsonantengruppe der Zischlaute[38] ist eine Gruppe der Reibelaute und besteht aus den Lauten [s], [z], [ʃ], [ʒ], [ç] und [j].

Beim Sprechen der Zischlaute bilden die Artikulationsorgane eine Enge, durch die zischend die Ausatmungsluft strömt. Bei den stimmhaften Zischlauten schwingen die Stimmlippen, bei den stimmlosen Zischlauten sind die Stimmlippen geöffnet.

Artikulation des stimmlosen Zahn-ZischlautsBeim Sprechen des stimmlosen Zahn-Zischlauts[39] [s] spannen sich die Lippen leicht und der Unterkiefer schließt sich an den Oberkiefer. Die Zähne legen sich fast aufeinander. Der Zungenrücken bleibt locker und die Zungenspitze bildet eine Enge mit den unteren Schneidezähnen, durch die der Ausatmungsluftstrom gehemmt wird, der dann durch den spaltbreit geöffneten Mund entweicht. Das Gaumensegel ist gehoben und die Stimmlippen sind geöffnet. Das Zäpfchen bleibt passiv.

Die Stellung der Artikulation ist die gleiche wie beim stimmhaften Zahn-Zischlaut [z]. Mit vorangehendem [p] verschmilzt [s] zum Verschluss-Reibelaut [p͜s], mit vorangehendem [t] zum Verschluss-Reibelaut [t͜s] und mit vorangehendem [k] zum Verschluss-Reibelaut [k͜s].

[s] wird gesprochen, wenn „S“,„s“ oder „ss“, „ß“, „C“ oder „c“ geschrieben wird.

[s] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „S“ oder „s“ geschrieben wird und nicht auf „p“, „t“ oder „k“ folgt und kein „p“ oder „t“ folgt, zum Beispiel in:

    • [s] am betonten Silbenanfang„Set“ – [sɛt], „Song“ – [sɔŋ], „Sex“ – [sɛk͜s], „Said“ – [sa’it], „Serge“ – [sɛʀʒ]
    • „Skat“ – [skɑ:t], „Snob“ – [snɔp], „Slawe“ – [’slɑ:və],
      „Skala“ – [skɑ:lɑ], „Sphäre“ – [’sfɛʀə]
    • „versklaven“ – [fɛʁ’sklɑ:vən], „versnobt“ – [fɛʁ’snɔpt], „gescannt“ – [gə’skɛnt], „gescrollt“ – [gə’skʀɔlt]
  • [s] am unbetonten Silbenanfang„unisex“ – [‚ˀʊnɪsɛk͜s], „Offsetdruck“ – [‚ˀɔfsɛtdʀʊk]
  • „skurril“ – [skʊ’ʀi:l], „snobistisch“ – [snɔ’bɪstɪʃ], „skalieren“ – [ska’li:ʀən]

[s] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „ß“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [s] am unbetonten Silbenanfang„Grüße“ – [‚gʀy:sə], „Straße“ – [‚ʃtʀɑ:sə], „außer“ – [‚ˀa͜osəʁ], „größer“ – [‚gʀø:səʁ], „Füße“ – [‚fy:sə]

[s] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „C“ oder „c“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

      • [s] am betonten Silbenanfang„Cent“ – [sɛnt], „City“ – [’sɪti:], „Cindy“ – [’sɪndi:], „Cidre“ – [’si:dʀə], „lancieren“ – [lã’si:ʁən]

 

  • [s] am unbetonten Silbenanfang„Cineast“ – [sine’ast], „Annonce“ – [ˀa’nõ:sə]
  • „hochscrollen“ – [‚ho:xskʀɔlən], „abscannen“ – [‚apskɛnən]

[s] wird am Silbenende gesprochen, wenn „s“ oder „ss“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [s] am Silbenende„das“ – [das], „Haus“ – [ha͜os], „Bus“ – [bʊs], „bis“ – [bɪs], „haltlos“ – [‚haltlo:s]
  • „List“ – [lɪst], „Last“ – [last], „Hast“ – [hast, „Mast“ – [mast], „Lust“ – [lʊst]
  • „vereist“ – [fɛʁ’a͜est], „du schreist“ – [du: ‚ʃʀa͜est], „verglast“ – [fɛʁ’glɑ:st],
    „gerast“ – [gə’ʀɑ:st], „du schaust“ – [du: ‚ʃa͜ost]
  • „du änderst“ – [du: ‚ˀɛndəʁst], „du kühlst“ – [du: ‚ky:lst], „verzinst“ – [fɛʁ’t͜sɪnst],
    „du rufst“ – [du: ‚ʀu:fst], „du bremst“ – [du: ‚bʀɛmst]
  • „Kuss“ – [kʊs], „Fass“ – [fas], „Riss“ – [ʀɪs], „kess“ – [kɛs], „Ross“ – [ʀɔs]
  • „ihr müsst“ – [ˀi:ʁ ‚mγst], „du küsst“ – [du: ‚kγst], „es frisst“ – [ˀɛs ‚fʀɪst],
    „sie lässt“ – [zi: ‚lɛst], „er hasst“ – [ˀe:ʁ ‚hast]

[s] wird am Silbenende gesprochen, wenn „ß“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [s] am Silbenende„Fuß“ – [fu:s], „groß“ – [gʀo:s], „Gefäß“ – [gə’fɛ:s], „süß“ – [zy:s], „Ruß“ – [ʀu:s]
  • „es rußt“ – [ˀɛs ‚ʀu:st], „du gießt“ – [du: ‚gi:st], „er fußt“ – [ˀe:ʁ ‚fu:st], „angemaßt“ – [ˀangə’mɑ:st], „sie begrüßt“ [zi: bə’gʀy:st]

s] wird an der Silbengrenze gesprochen, wenn in nichtzusammengesetzten Wörtern „ss“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [s] an der Silbengrenze„Risse“ – [‚ʀɪsə], „müssen“ – [‚mγsən], „Schlösser“ – [‚ʃlœsəʁ], „Wasser“ – [‚vasəʁ], „Klasse“ – [‚klasə]

Artikulation des stimmhaften Zahn-ZischlautsBeim Sprechen des stimmhaften Zahn-Zischlauts [z] spannen sich die Lippen leicht und der Unterkiefer schließt sich an den Oberkiefer. Die Zähne legen sich fast aufeinander. Der Zungenrücken bleibt locker und die Zungenspitze bildet eine Enge mit den unteren Schneidezähnen, durch die der Ausatmungsluftstrom gehemmt wird, der dann durch den spaltbreit geöffneten Mund entweicht. Das Gaumensegel ist gehoben und die Stimmlippen schwingen. Das Zäpfchen bleibt passiv.

Die Stellung der Artikulation ist die gleiche wie beim stimmlosen Zahn-Zischlaut [s].

[z] wird gesprochen, wenn „S“ oder „s“ geschrieben wird.

[z] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „S“ oder „s“ geschrieben wird und ein Vokal folgt, zum Beispiel in:

    • [z] am betonten Silbenanfang„sagen“ – [‚zɑ:gən], „Sucht“ – [zʊxt], „Saft“ – [zaft], „sehen“ – [‚ze:ən], „sie“ – [zi:]
      • Aber nicht in Fremdwörtern wie „Set“ – [sɛt], „Song“ – [sɔŋ]
    • „entsagen“ – [ˀɛnt’zɑ:gən], „besorgen“ – [bə’zɔʁgən], „zersägen“ – [t͜sɛʁ’zɛ:gən], „zusammen“ – [t͜su’zamən], „gesucht“ – [gə’zu:xt]
  • [z] am unbetonten Silbenanfang„Felsen“ – [‚fɛlzən], „gelesen“ – [gə’le:zən], „verweisen“ – [fɛʁ’va͜ezən], „Mäuse“ – [‚mɔ͜øzə], „Gläser“ – [‚glɛ:zəʁ]
  • „Hinsicht“ – [‚hɪnzɪçt], „Nachsorge“ – [’nɑ:xzɔʀgə], „sogar“ – [zo’gɑ:ʁ], „aufsagen“ – [‚ˀa͜ofzɑ:gən], „vorsehen“ – [‚fo:ʁze:ən]

Artikulation des stimmlosen Gaumen-ZischlautsBeim Sprechen des stimmlosen Gaumen-Zischlauts[40] [ʃ] stülpen sich die Lippen und der Unterkiefer schließt sich an den Oberkiefer. Der Zungenrücken beschreibt einen nach oben offenen Bogen und die Zungenspitze bildet mit dem harten Gaumen eine Enge, durch die der Ausatmungsluftstrom gehemmt wird, der dann durch den geöffneten Mund entweicht. Das Gaumensegel ist gehoben und die Stimmlippen sind geöffnet. Das Zäpfchen bleibt passiv.

Die Stellung der Artikulation ist die gleiche wie beim stimmhaften Gaumen-Zischlaut [ʒ]. Mit vorangehendem [t] verschmilzt [ʃ] zum Verschluss-Reibelaut [t͜ʃ].

[ʃ] wird gesprochen, wenn „Sch“ oder „sch“, „S“ oder „s“, „Sh“ oder „sh“, „Ch“ oder „ch“ geschrieben wird.

[ʃ] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „Sch“ oder „sch“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

    • [ʃ] am betonten Silbenanfang„schaffen“ – [‚ʃafən], „Schiff“ – [ʃɪf], „Schutz“ – [ʃʊt͜s], „schon“ – [ʃo:n], „schön“ – [ʃø:n]
    • „geschont“ – [gə’ʃo:nt], entscheiden“ – [ˀɛnt’ʃa͜edən], „verschieden“ – [fɛʁ’ʃi:dən], „Beschuss“ – [bə’ʃʊs], „Geschenk“ – [gə’ʃɛŋk]
    • „Schlitz“ – [ʃlɪt͜s], „Schrift“ – [ʃʀɪft], „schlau“ – [ʃla͜o], „schließen“ – [‚ʃli:sən], „Schlucht“ – [ʃlʊxt]
    • „Entschluss“ – [ˀɛnt’ʃlʊs], „beschrieben“ – [bə’ʃʀi:bən], „verschleißen“ – [fɛʁ’ʃla͜esən], „geschlossen“ – [gə’ʃlɔsən], „geschlachtet“ – [gə’ʃlaxtət]
  • [ʃ] am unbetonten Silbenanfang„Tusche“ – [‚tʊʃə], „Fische“ – [‚fɪʃə] , „tauschen“ – [‚ta͜oʃən], „Menschen“ – [‚mɛnʃən], „Wünsche“ – [‚vγnʃə]
  • „hinschauen“ – [‚hɪnʃa͜oən], „Abschuss“ – [‚ˀapʃʊs], „aufschieben“ – [‚ˀa͜ofʃi:bən], „nachschauen“ – [’nɑ:xʃa͜oən], „umschalten“ – [‚ˀʊmʃaltən]
  • „Schlamassel“ – [ʃlɑ’masəl], „Schlawiner“ – [ʃlɑ’vi:nəʁ], „schraffieren“ – [ʃra’fi:ʀən], „schwadronieren“ – [ʃvadʀo’ni:ʀən], Schlaraffenland – [ʃlɑ’ʀafənlant]
  • „Abschluss“ – [‚ˀapʃlʊs], „ausschließen“ – [‚ˀa͜osʃli:sən], „anschwellen“ – [‚ˀanʃvɛlən], „anschleichen“ – [‚ˀanʃla͜eçən], „aufschreiben“ – [‚ˀa͜ofʃʀa͜ebən]

[ʃ] am betonten Silbenanfang[ʃ] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „s“ geschrieben wird und „t“ folgt, zum Beispiel in:

    • „stur“ – [ʃtu:ʀ], „stechen“ – [‚ʃtɛçən], „Stoß“ – [ʃto:s],
      „Stich“ – [ʃtɪç], „Stau“ – [ʃta͜o]
    • „Strafe“ – [‚ʃtʀɑ:fə], „streunen“ – [‚ʃtʀɔ͜ønən], „Strich“ – [ʃtʀɪç], „Strophe“ – [‚ʃtʀo:fə], „streben“ – [‚ʃtʀe:bən]
    • „bestellen“ – [bə’ʃtɛlən], „gestoßen“ – [gə’ʃto:sən], „verstaucht“ – [fɛʁ’ʃta͜oxt], „entstehen“ – [ˀɛnt’ʃte:ən], „verstanden“ – [fɛʁ’ʃtandən]
    • „zerstreuen“ – [t͜sɛʁ’ʃtʀɔ͜øən], „bestrafen“ – [bə’ʃtʀɑ:fən], „bestrebt“ – [bə’ʃtʀe:pt], „gestrandet“ – [gə’ʃtʀandət], „gestritten“ – [gə’ʃtʀɪtən]
  • [ʃ] am unbetonten Silbenanfang„stagnieren“ – [ʃta’gni:ʀən], „stilisieren“ – [ʃtilɪ’zi:ʀən],
    „Stativ“ – [ʃtɑ’ti:f], „stabil“ – [ʃtɑ’bi:l], „stornieren“ – [ʃtɔʀ’ni:ʀən]
  • „strapazieren“ – [ʃtʀapɑ’t͜si:ʀən], „Strategie“ – [ʃtʀɑte’gi:], „Struktur“ – [ʃtʀʊk’tu:ʁ], „Stratosphäre“ – [ʃtʀɑtɔ’sfɛ:ʀə],
    „Stroboskop“ – [ʃtʀobo’sko:p]
  • „herstellen“ – [‚he:ʁʃtɛlən], „anstacheln“ – [‚ˀanʃtaxəln], „Abstand“ – [‚ˀapʃtant], „aufstehen“ – [‚ˀa͜ofʃte:ən], „umstimmen“ – [‚ˀʊmʃtɪmən]
  • „Anstrich“ – [‚ˀanʃtʀɪç], „Vorstrafe“ – [fo:ʁʃtʀɑ:fə], „anstrengen“ – [‚ˀanʃtʀɛŋən], „umherstreunen“ – [ˀʊm’he:ʁʃʀɔ͜ønən], „anstreichen“ – [‚ˀanʃtʀa͜eçən]

[ʃ] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „s“ geschrieben wird und „p“ folgt, zum Beispiel in:

    • [ʃ] am betonten Silbenanfang„sparen“ – [‚ʃpɑ:ʀən], „Spur“ – [ʃpu:ʁ], „Spaß“ – [ʃpɑ:s], „sperren“ – [‚ʃpɛʀən], „Spiel“ – [ʃpi:l]
    • „spritzig“ – [‚ʃpʀɪt͜sɪç], „sprudeln“ – [‚ʃpʀu:dəln], „spreizen“ – [‚ʃpʀa͜et͜sən], „Sprache“ – [‚ʃpʀɑ:xə], „sprechen“ – [‚ʃpʀɛçən]
    • „entspannen“ – [ˀɛnt’ʃpanən], „verspielt“ – [fɛʁ’ʃpi:lt], „gespült“ – [gə’ʃpy;lt], „gesponnen“ – [gə’ʃpɔnən], „verspotten“ – [fɛʁ’ʃpɔtən]
    • „versprechen“ – [fɛʁ’ʃpʀɛçən], „gesprüht“ – [ˀgə’ʃpʀy:t],
      „gesprungen“ – [gə’ʃpʀʊŋən], „versprengt“ – [fɛʁ’ʃpʀɛŋt], „verspritzt“ – [fɛʁ’ʃpʀɪt͜st]
  • [ʃ] am unbetonten Silbenanfang„spekulieren“ – [ʃpɛku’li:ʀən], „spendieren“ – [ʃpɛn’di: ʀən], „speziell“ – [ʃpɛ’t͜sıɛl], „Spirale“ – [ʃpɪ’ʀɑ:lə], „Spion“ – [ʃpi’o:n]
    • Aber nicht in: „Raspel“ – [‚ʀaspəl], räuspern – [‚ʀɔ͜øspəʁn, „lispeln“ – [‚lɪspəln], „knuspern“ – [‚knʊspəʁn], „Sphäre“ – [’sfɛ:ʀə]
  • „abspulen“ – [‚ˀapʃpu:lən], „Nachspiel“ – [’nɑ:xʃpi:l], „ausspähen“ – [‚ˀa͜osʃpɛ:ən], „zusperren“ – [‚t͜su:’ʃpɛʀən], „vorspiegeln“ – [fo:ʁʃpi:gəln]
  • „vorspringen“ – [‚fo:ʁʃpʀɪŋən], „hochspringen“ – [‚ho:xʃpʀɪŋən],
    „Anspruch“ – [‚ˀanʃpʀʊx], „nachsprechen“ – [’nɑ:xʃpʀɛçən],
    „anspritzen“ – [‚ˀanʃpʀɪt͜sən]

[ʃ] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „Sh“ oder „sh“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [ʃ] am betonten Silbenanfang„Sherry“ – [‚ʃɛʀi], „Shorts“ – [ʃɔʁʦ], „Show“ – [ʃoᴜ], „Shaker“ – [‚ʃeɪkəʁ], „Shareware“ [‚ʃɛʁvɛ:ʁ]
  • „Shrimps“ – [ʃʀɪmp͜s]

[ʃ] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „Ch“ oder „ch“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

    • [ʃ] am betonten Silbenanfang„Chef“ – [ʃɛf], „Chance“ – [‚ʃã:sə], „Charme“ – [ʃaʁm], „Chuzpe“ [‚ʃγspə], „Champignon“ – [‚ʃampɪnjɔŋ]

 

  • [ʃ] am unbetonten Silbenanfang„Branche“ – [‚bʀã:ʃə], „recherchieren“ – [ʀeʃɛʁ’ʃi:ʀən], „Chauvinist“ – [ʃo:vi’nɪst]
  • „dechiffrieren“ – [‚deʃɪfʀi:ʀən], „uncharmant“ – [‚ˀʊnʃaʁmant]

[ʃ] wird am Silbenende gesprochen, wenn „sch“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [ʃ] am Silbenende„Marsch“ – [maʀʃ], „Tusch“ – [tʊʃ], „Rausch“ – [ʀa͜oʃ], „Abwasch“ – [‚ˀapvaʃ], „moralisch“ – [mo’ʀɑ:lɪʃ]
  • „gelöscht“ – [gə’lœʃt], „entwischt“ – [ˀɛnt’vɪʃt], „du duschst“ – [du: ‚dʊʃst], „sie fischt“ – [zi: ‚fɪʃt], „vermischt“ – [fɛʁ’mɪʃt]
  • „belauscht“ – [bə’la͜oʃt], „es rauscht“ – [ɛs ‚ʀa͜oʃt], „du kreischst“ – [du: ‚kʀa͜eʃst], „sie tauscht“ – [zi: ‚ta͜oʃt], zerfleischt“ – [t͜sɛʁ’fla͜eʃt]
  • „verramscht“ – [fɛʁ’ʀamʃt], „gewünscht“ – [gə’vγnʃt], „sie planscht“ – [zi: ‚planʃt], „er pirscht“ – [e:ʁ ‚pɪʀʃt], „gefälscht“ – [gə’fɛlʃt]

[ʃ] wird an der Silbengrenze doppellautend, aber nicht abgesetzt gesprochen, wenn in zusammengesetzten Wörtern “schsch“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [ʃ] an der Silbengrenze doppellautend„Fischschleuse“ – [‚fɪʃʃlɔ͜øzə], „Fischschwarm“ – [‚fɪʃʃvaʀm],
    „Glückwunschschreiben“ – [‚glγkvʊnʃʃʀa͜ebən], „Waschschüssel“ – [‚vaʃʃγsəl], „Froschschenkel“ – [‚fʀɔʃʃɛŋkəl]

Artikulation des stimmhaften Gaumen-ZischlautsBeim Sprechen des stimmhaften Gaumen-Zischlauts [ʒ] stülpen sich die Lippen und der Unterkiefer schließt sich an den Oberkiefer. Der Zungenrücken beschreibt einen nach oben offenen Bogen und die Zungenspitze bildet mit dem harten Gaumen eine Enge, durch die der Ausatmungsluftstrom gehemmt wird, der dann durch den geöffneten Mund entweicht. Das Gaumensegel ist gehoben und die Stimmlippen schwingen. Das Zäpfchen bleibt passiv.

Die Stellung der Artikulation ist die gleiche wie beim stimmlosen Gaumen-Zischlaut [ʃ]. Mit vorangehendem [d] verschmilzt [ʒ] zum Verschluss-Reibelaut [d͜ʒ].

[ʒ] wird gesprochen, wenn „G“ oder „g“, „J“ oder „j“ geschrieben wird.

[ʒ] wird manchmal am Silbenanfang gesprochen, wenn in Fremdwörtern „G“ oder „g“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [ʒ] am betonten Silbenanfang„Genre“ – [‚ʒã:ʀə], „Regie“ – [ʀɛ’ʒi:],
    „Etagere“ – [etɑ’ʒɛʀə], „Giro“ – [‚ʒi:ʀo]

 

  • [ʒ] am unbetonten Silbenanfang„Gendarm – [ʒan’daʀm]. „genant“ – [ʒe’nant], „Regisseur“ – [ʀɛʒi’sø:ʁ], „Gelee“ – [ʒe’le:], „Genie“ – [ʒɛ’ni:]
  • „Tonnage“ – [tɔ’nɑ:ʒə], „Blamage“ – [bla’mɑ:ʒə], „Garage“ – [ga’ʀɑ:ʒə], „Leckage“ – [lɛ’kɑ:ʒə], „Loge“ – [‚lo:ʒə]

[ʒ] wird manchmal am Silbenanfang gesprochen, wenn in Fremdwörtern „J“ oder „j“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

    • [ʒ] am betonten Silbenanfang„Jury“ – [‚ʒy:ʀi]

 

 

  • [ʒ] am unbetonten Silbenanfang„Journal“ – [ʒʊʀ’nɑ:l], „Jackett“ – [ʒa’kɛt], „Jalousie“ – [ʒalʊ’si:], „Jargon“ – [ʒaʁ’gõ:], „jonglieren“ – [ʒõŋ’li:ʀən]

Artikulation des stimmlosen Vordergaumen-ZischlautsBeim Sprechen des stimmlosen Vordergaumen-Zischlauts[41] [ç] spreizen sich die Lippen und der Unterkiefer senkt sich leicht. Die Zungenspitze legt sich an die unteren Schneidezähne. Der vordere Zungenrücken wölbt sich zum harten Gaumen, wodurch eine Enge entsteht, die den Ausatmungsluftstrom hemmt, der dann durch den spaltbreit geöffneten Mund entweicht. Das Gaumensegel ist gehoben und die Stimmlippen sind geöffnet. Das Zäpfchen bleibt passiv.

Die Stellung der Artikulation ist die gleiche wie beim stimmhaften Vordergaumen-Zischlaut [j].

[ç] wird gesprochen, wenn „Ch“, „ch“ oder „g“ geschrieben wird.

[ç] wird manchmal am Silbenanfang gesprochen, wenn in Fremdwörtern „Ch“ oder „ch“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

    • [ç] am betonten Silbenanfang„China“ – [‚çi:na], „Chiasmus“ – [‚çiasmʊs], „Cherub“ – [‚çe:ʀʊp]

 

    • [ç] am unbetonten Silbenanfang„Chinin“ – [çi’ni:n], „Chirurg“ – [çi’ʀʊʁk], „Chemie“ – [çe’mi:], „Chiropraktik“ – [çiʀo’pʀaktɪk], „Chimäre“ – [çi’mɛʀə]

[ç] wird am Silbenanfang nach hellem Vokal gesprochen, wenn „ch“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [ç] am unbetonten Silbenanfang„sprechen“ – [‚ʃpʀɛçən], „Becher“ – [‚bɛçəʁ], „zechen“ – [‚t͜sɛçən], „stechen“ – [‚ʃtɛçən], „Bleche“ – [‚blɛçə]
  • „lächeln“ – [‚lɛçəln], „Fächer“ – [‚fɛçəʁ], „Fläche“ – [‚flɛçə], „Gespräche“ – [gə’ʃpʀɛ:çə], „Schwäche“ – [‚ʃvɛçə]
  • „Löcher“ – [‚lœçəʁ], „sie kröche“ – [zi: ‚kʀœçə], „knöchern“ – [‚knœçəʁn], „röcheln“ – [‚ʀœçəln], „Köchin“ – [‚kœçɪn]
  • „riechen“ – [‚ʀi:çən], „Grieche“ – [‚gʀi:çə], „siechen“ – [‚zi:çən],
    „kriechen“ – [‚kʀi:çən]
  • „Tücher“ – [‚ty:çəʁ], „Bücher“ – [‚by:çəʁ], „Gerüche“ – [gə’ʀγçə], „Brüche“ – [‚bʀγçə], „Küche“ – [‚kγçə]
  • „erbleichen“ – [ˀɛʁ’bla͜eçən], „schmeicheln“ – [‚ʃma͜eçəln], „Zeichen“ – [‚t͜sa͜eçən], „Speicher“ – [‚ʃpa͜eçəʁ], „gleichen“ – [‚gla͜eçən]
  • „laichen“ – [‚la͜eçən]
  • „er heuchelt“ – [e:ʁ ‚hɔ͜øçəlt], „Seuche“ – [‚zɔ͜øçə], „scheuchen“ – [‚ʃɔ͜øçən], „gemeuchelt“ – [gə’mɔ͜øçəlt], „keuchen“ – [‚kɔ͜øçən]
  • „Bäuche“ – [‚bɔ͜øçə], „räuchern“ – [‚ʀɔ͜øçəʁn], „Schläuche“ – [‚ʃlɔ͜øçə], „Bräuche“ – [‚bʀɔ͜øçə], „Sträucher“ – [‚ʃtʀɔ͜øçəʁ]

[ç] wird am Silbenende nach hellem Vokal gesprochen, wenn „ch“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [ç] am Silbenende„Blech“ – [blɛç], „Gefechte“ – [gə’fɛçtə], „Pech“ – [pɛç], „frech“ – [fʀɛç], „Rechte“ – [‚ʀɛçtə]
  • „gerecht“ – [gə’ʀɛçt], „schlecht“ – [ʃlɛçt], „Geschlecht“ – [gə’ʃlɛçt], „aufrecht“ – [‚ˀa͜ofʀɛçt], „Specht“ – [ʃpɛçt]
  • „Nächte“ – [’nɛçtə], „sächlich“ – [‚zɛçlɪç], „prächtig“ – [‚pʀɛçtɪç], „ächten“ – [‚ˀɛçtən], „Gespräch“ – [gə’ʃpʀɛ:ç]
  • „gerächt“ – [gə’ʀɛçt], „geschwächt“ – [gə’ʃvɛçt], „Gemächt“ – [gə’mɛçt]
  • „möchte“ [‚mœçtə], „Töchter“ – [‚tœçtəʁ], „höchster“ – [‚hø:çstəʁ], „er föchte“ – [ˀe:ʁ ‚fœçtə]
  • „ich“ – [ˀɪç], „sich“ – [zɪç], „Abstrich“ – [‚ˀapʃtʀɪç], „üblich“ – [‚ˀy:plɪç], „Teppich“ – [‚tɛpɪç]
  • „nicht“ – [nɪçt], „Licht“ – [lɪçt], „Gesicht“ – [gə’zɪçt], „schlicht“ – [ʃlɪçt], „Pflicht“ – [p͜flɪçt]
  • „züchten“ – [‚t͜sγçtən], „süchtig“ – [‚zγçtɪç], „schüchtern“ – [‚ʃγçtəʁn], „Früchte“ – [‚fʀγçtə], „nüchtern“ – [’nγçtəʁn]
  • „Gerücht“ – [gə’ʀγçt]
  • „Teich“ [ta͜eç], „gleich“ – [gla͜eç], „weich“ – [va͜eç], „Bereich“ – [bə’ʀa͜eç],
    „reich“ – [ʀa͜eç]
  • „es reicht“ – [ˀɛs ‚ʀa͜eçt], „du eichst“ – [du: ‚ˀa͜eçst], „leicht“ – [la͜eçt],
    „gebleicht“ – [gə’bla͜eçt], „seicht“ – [za͜eçt]
  • „Laich“ – [la͜eç]
  • „er laicht“ – [ˀe:ʁ ‚la͜eçt]
  • „euch“ – [ˀɔ͜øç], „leuchten“ – [‚lɔ͜øçtən], „sie scheuchten“ – [zi: ‚ʃɔ͜øçtən], „aufleuchten“ – [‚ˀa͜oflɔ͜øçtən], „befeuchten“ – [bə’fɔ͜øçtən]
  • „feucht“ – [fɔ͜øçt], „du keuchst“ – [du: ‚kɔ͜øçst], „verseucht“ – [fɛʁ’zɔ͜øçt],
    „sie scheucht“ – [zi: ‚ʃɔ͜øçt], „entfleucht“ – [ˀɛnt’flɔ͜øçt]
  • „Gesträuch“ – [gə’ʃtʀɔ͜øç]

[ç] wird am Silbenende gesprochen, wenn „ch“ nach „l“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [ç] am Silbenende„Milch“ – [mɪlç], „Dolch“ – [dɔlç], „Kelch“ – [kɛlç],
    „Strolch“ – [ʃtʀɔlç], „Molch“ – [mɔlç]
  • „erdolcht“ – [ˀɛʁ’dɔlçt], „er strolcht“ – [ˀe:ʁ ‚ʃtʀɔlçt], „sie mulcht“ – [zi: ‚mʊlçt]

[ç] wird am Silbenende gesprochen, wenn „ch“ nach „r“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [ç] am Silbenende„durch“ – [dʊʀç], „Monarch“ – [mo’naʀç], „Lurch“ – [lʊʀç], „Storch“ – [ʃtɔʀç], „Zwerchfell“ – [‚t͜svɛʀçfɛl]
  • „eingepfercht“ – [‚a͜engəp͜fɛʀçt], „Furcht“ – [fʊʀçt], „du schnarchst“ – [du: ‚ʃnaʀçst], „er gehorcht“ – [ˀe:ʁ gəhɔʀçt], „des Storchs“ – [dɛs ‚ʃtɔʀçs]

[ç] wird am Silbenende gesprochen, wenn „ch“ nach „n“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [ç] am Silbenende„manchmal“ – [‚mançmɑ:l], „Mönch“ – [mœnç], „manch einer“ – [‚manç ˀa͜enəʁ], „Lynchjustiz“ – [‚lγnçjʊsti:t͜s]
  • „gelyncht“ – [gə’lγnçt], „sie tüncht“ – [zi: ‚tγnçt]

[ç] wird am Silbenende gesprochen, wenn auf „i“ folgend „g“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [ç] am Silbenende„ruhig“ – [‚ʀu:ɪç], „achtzig“ – [‚ˀaxt͜sɪç], „König“ – [‚kø:nɪç], „Ewigkeit“ – [‚ˀe:vɪçka͜et], „ranzig“ – [‚ʀant͜sɪç]
    • Aber nicht wenn anschließend eine Silbe folgt, in der „ich“ geschrieben wird: „Königreich“ – [‚kø:nɪkʀa͜eç], „ewiglich“ – [‚ˀe:vɪklɪç], „königlich“ – [‚kø:nɪklɪç], „lediglich“ – [‚le:dɪklɪç], „inniglich“ – [‚ˀɪnɪklɪç]
  • „du beruhigst“ – [du: bə’ʀu:ɪçst], „belustigt“ – [bə’lʊstɪçt], gekündigt“ – [gə’kγndɪçt], „sie berichtigt“ – [zi: bə’ʀɪçtɪçt], „beschädigt“ – [bə’ʃɛ:dɪçt]

Artikulation des stimmhaften Vordergaumen-ZischlautsBeim Sprechen des stimmhaften Vordergaumen-Zischlauts [j] spreizen sich die Lippen und der Unterkiefer senkt sich leicht. Die Zungenspitze legt sich an die unteren Schneidezähne. Der vordere Zungenrücken wölbt sich zum harten Gaumen, wodurch eine Enge entsteht, die den Ausatmungsluftstrom hemmt, der dann durch den spaltbreit geöffneten Mund entweicht. Das Gaumensegel ist gehoben und die Stimmlippen schwingen. Das Zäpfchen bleibt passiv.

Die Stellung der Artikulation ist die gleiche wie beim stimmlosen Vordergaumen-Zischlaut [ç].

[j] wird gesprochen, wenn „J“ oder „j“, „Y“ oder „y“ geschrieben wird.

[j] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „J“ oder „j“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

    • [j] am betonten Silbenanfang„Junge“ – [‚jʊŋə], „jeder“ – [‚je:dəʁ], „jagen“ – [‚jɑ:gən], „just“ – [jʊst], „jubeln“ – [‚ju:bəln]
    • „bejahen“ – [bə’jɑ:ən], „bejubeln“ – [bə’ju:bəln], „gejuckt“ – [gə’jʊkt], „verjagt“ – [fɛʁ’jɑ:kt], „gejodelt“ – [gə’jo:dəlt]
  • [j] am unbetonten Silbenanfang„Koje“ – [‚ko:jə], „Majestät“ – [mɑjəs’tɛ:t], „Soja“ – [‚zo:jɑ], „Adjektiv“ – [‚ˀatjɛkti:f] , „Bajonett“ – [bɑjo’nɛt]
  • „abjagen“ – [‚ˀapjɑ:gən], „präjudiziert“ – [pʀɛ:ju:dɪ’t͜si:ʁt], „Vorjahr“ – [‚fo:ʁjɑ:ʁ], „mitjubeln“ – [‚mɪtju:bəln], „volljährig“ – [‚fɔljɛ:ʀɪç]

[j] wird manchmal am Silbenanfang gesprochen, wenn in Fremdwörtern „Y“ oder „y“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

    • [j] am betonten Silbenanfang„Yoga“ – [‚jo:gɑ:], „Yak“ – [jak], „Yang“ – [jaŋ], „Yen“ – [jɛn], „loyal“ – [lo̯a’jɑ:l]
  • [j] am unbetonten Silbenanfang„Mayonnaise“ – [majo’nɛ:zə] , „Papaya“ – [pa’pɑ:jɑ], „Canyon“ – [‚kænjən], „voyeuristisch“ – [vo̯ajø:ʀɪstɪç], „Maya“ – [‚mɑ:jɑ]

Verschlusslaute

Die Konsonantengruppe der Verschlusslaute[42] besteht aus den stimmlosen Lauten[43] [p], [t] und [k] sowie aus den stimmhaften Lauten[44] [b], [d] und [g].

Beim Sprechen der Verschlusslaute wird der Ausatmungsluftstrom kurz unterbrochen. Bei den stimmhaften Verschlusslauten schwingen die Stimmlippen, bei den stimmlosen Verschlusslauten sind die Stimmlippen geöffnet.

Starke und schwache BehauchungDie stimmlosen Verschlusslaute werden im Deutschen behaucht[45] gesprochen: Auf die Sprengung des Verschlusses folgt ein Schwung frei ausströmender Atemluft, zum Beispiel in „Pass“ – [phas], „Tor“ – [tho:ʀ], „Kuh“ – [khu:].

Werden stimmlose Verschlusslaute ohne Behauchung[46] gesprochen, ergibt sich im Deutschen nie ein anderes Wort als mit Behauchung.

Die Stärke der Behauchung richtet sich nach der Lautumgebung. Die stimmlosen Verschlusslaute werden mit starker Behauchung gesprochen:

  • Wenn dem Verschlusslaut am betonten Silbenanfang ein Vokal folgt, wie in
    „Pute“ – [‚phu:tə], „Tante“ – [‚thantə], „gekauft“ – [gə’kha͜oft]
  • Wenn der Verschlusslaut am Ende einer Silbe ohne nachfolgenden Konsonanten gesprochen wird, wie in „Lump“ – [lʊmph], „Draht“ – [dʀɑ:th], „Schalk“ – [ʃalkh]

Mit schwächerer Behauchung werden die stimmlosen Verschlusslaute gesprochen:

  • Wenn der Verschlusslaut am Anfang einer betonten Silbe gesprochen wird und ein Konsonant folgt, wie in „prächtig“ – [‚phʀɛçtɪç], „betrachten“ – [bə’thʀaxtən],
    „klein“ – [khla͜en]
  • Wenn der Verschlusslaut in einer unbetonten Silbe gesprochen wird, wie in „Tropen“ – [‚tʀo:phən], „beten“ – [‚be:thən], „Schaukel“ – [‚ʃa͜okhəl]
  • Wenn der Verschlusslaut am Ende einer Silbe gesprochen wird und ein Konso­nant folgt, wie in „es klumpt“ – [ˀɛs ‚khlʊmphth], „ein Lichtchen“ – [ˀa͜en ‚lɪçthçən], „sie dankt“ – [zi: ‚daŋkhth]

Stimmhafte Verschlusslaute werden zu stimmlosenIm Deutschen werden die stimmhaften Verschlusslaute am Silbenende zu stimmlosen Verschlusslauten. Der sonst relevante Unterschied zwischen stimmhaften und stimmlosen Laut wird als Auslautverhärtung neutralis iert: Zum Beispiel werden „Bund“ und „bunt“ identisch ausgesprochen – als [bʊnth], ebenso wie „Mob“ und „Mopp“ – als [mɔph] sowie
„Blog“ und „Block“ – als [blɔkh].

Um die Lautschrift nicht zu überlasten, wird auf die Notation der Behauchung verzichtet.

Artikulation des stimmlosen Lippen-VerschlusslautsBeim Sprechen des stimmlosen Lippen-Verschlusslauts[47] [p] sprengt der Ausatmungsluftstrom die aufeinandergelegten Lippen. Der Unterkiefer senkt sich kaum. Die Zunge bleibt entspannt, ebenso die Zungenspitze. Das Gaumensegel ist gehoben, die Stimmlippen sind geöffnet. Das Zäpfchen bleibt passiv.

Die Stellung der Artikulation ist die gleiche wie beim stimmhaften Lippen-Verschlusslaut [b]. Die Stärke seiner Behauchung richtet sich nach seiner Lautumgebung. Mit nachfolgendem [f] verschmilzt [p] zum Verschluss-Reibelaut [p͜f], mit nachfolgendem [s] zum Verschluss-Reibelaut [p͜s].

[p] wird gesprochen, wenn „P“, „p“, „pp“ oder „b“ geschrieben wird.

[p] wird am betonten Silbenanfang stark behaucht gesprochen, wenn „P“ oder „p“ geschrieben wird und ein Vokal folgt, zum Beispiel in:

  • [p] am betonten Silbenanfang„Pute“ – [‚pu:tə], „pellen“ – [‚pɛlən], „pachten“ – [‚paxtən], „Pendel“ – [‚pɛndəl], „Polster“ – [‚pɔlstəʁ]
  • „verpacken“ – [fɛʁ’pakən], „gepustet“ – [gə’pu:stət],
    „gepaart“ – [gə’pa:ʁt], „gepökelt“ – [gə’pø:kəlt], „erpicht“ – [ˀɛʁ’pɪçt]
  • „Spalt“ – [ʃpalt], „spülen“ – [‚ʃpy:lən], „Spiel“ – [ʃpi:l], „Sport“ – [ʃpɔʀt], „sputen“ – [‚ʃpu:tən]
  • „erspähen“ – [ˀɛʁ’ʃpɛ:ən], „bespielen“ – [bə’ʃpi:lən], „gespornt“ – [gə’ʃpɔʀnt], „gesperrt“ – [gə’ʃpɛʀt], „überspannen“ – [ˀy:bəʁ’ʃpanən]

[p] wird am betonten Silbenanfang schwach behaucht gesprochen, wenn „p“ geschrieben wird und ein Konsonant folgt, zum Beispiel in:

  • [p] am betonten Silbenanfang„Probe“ – [‚pʀo:bə], „Plan“ – [plɑ:n], „plaudern“ – [‚pla͜odəʁn], „prima“ – [‚pʀi:mɑ:], „prallen“ – [‚pʀalən]
  • „erpressen“ – [ˀɛʁ’pʀɛsən], „zerplatzen“ – [t͜sɛʁ’plat͜sən], „verprellen“ – [fɛʁ’pʀɛlən], „geplant“ – [gə’plɑ:nt], „gepriesen“ – [gə’pʀi:zən]
  • „spritzen“ – [‚ʃpʀɪt͜sən], „Sprache“ – [‚ʃpʀɑ:xə], „Spruch“ – [ʃpʀʊx], „Spreu“ – [ʃpʀɔ͜ø], „Splitter“ – [‚ʃplɪtəʁ]
  • „besprechen“ – [bə’ʃpʀɛçən], „ersprießlich“ – [ˀɛʁ’ʃpʀi:slɪç], „Gespräch“ – [gə’ʃpʀɛ:ç], „zersplittern“ – [t͜sɛʁ’ʃplɪtəʁn], „versprengt“ – [fɛʁ’ʃpʀɛŋt]

[p] wird am unbetonten Silbenanfang schwach behaucht gesprochen, wenn „p“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [p] am unbetonten Silbenanfang„Lupe“ – [‚lu:pə], „Oper“ – [‚ˀo:pəʁ], „Kapital“ – [kapi’tɑ:l] „Lampe“ – [‚lampə], „Stapel“ – [‚ʃtɑ:pəl]
  • „einpacken“ – [‚ˀa͜enpakən], „anpassen“ – [‚ˀanpasən], „Auspuff“ – [‚ˀa͜ospʊf], „nachpolieren“ – [’nɑ:xpoli:ʀən], „aufpassen“ – [‚ˀa͜ofpasən]
  • „Alpen“ – [‚ˀalpən], „stolpern“ – [‚ʃtɔlpəʁn], „holpern“ – [‚hɔlpəʁn], „Planet“ – [plɑ’ne:t], „stülpen“ – [‚ʃtγlpən]
  • „räuspern“ – [‚ʀɔ͜øspəʁn], „lispeln“ – [‚lɪspəln], „Raspel“ – [‚ʀaspəl], „knuspern“ – [‚knʊspəʁn], „Kasper“ – [‚kaspəʁ]
  • „Beispiel“ – [‚ba͜eʃpi:l], „Ansporn“ – [‚ˀanʃpɔʀn], „anspitzen – [‚ˀanʃpɪt͜sən], „angespuckt“ – [‚ˀangəʃpʊkt], „eingesperrt“ [‚ˀa͜engəʃpɛʀt]
  • „Paprika“ – [‚papʀɪkɑ:], „Zypriot“ – [t͜sγpʀɪ’o:t], „Provinz“ – [pʀo’vɪnt͜s], „privat“ – [pʀi’vɑ:t] „Plantage“ – [plan’tɑ:ʒə]
  • „anpreisen“ – [‚ˀanpʀa͜ezən], „Anprobe“ – [‚ˀanpʀo:bə], „aufplatzen“ [‚ˀa͜ofplat͜sən], „unpräzise“ – [‚ˀʊnpʀɛt͜si:zə], „ausplündern“ – [‚ˀa͜osplγndəʁn],
  • „knusprig“ – [‚knʊspʀɪç]
  • „Ursprung“ – [‚ˀu:ʁʃpʀʊŋ] „Einspruch“ – [‚ˀa͜enʃpʀʊx], „Absprache“ – [‚ˀapʃʀɑ:xə], „zurückspringen“ – [t͜su’ʀγkʃpʀɪŋən] „anspritzen“ – [‚anʃpʀɪt͜sən]

[p] wird am Silbenende stark behaucht gesprochen, wenn „p“ oder „pp“ geschrieben wird und in der Silbe kein Konsonant folgt, zum Beispiel in:

  • [p] am Silbenende„Typ“ – [ty:p], „Prinzip“ – [pʀɪn’t͜si:p], „Lump“ – [lʊmp], „Teleskop“ – [te:lə’sko:p] „Kap“ – [kap]
  • „schlapp“ – [ʃlap] – „knapp“ – [knap], „Nepp“ – [nɛp], „Stopp“ – [ʃtɔp], „Gestrüpp“ – [gə’ʃtʀγp]

[p] wird am Silbenende stark behaucht gesprochen, wenn „b“ geschrieben wird und in der Silbe kein Konsonant folgt, zum Beispiel in:

  • [p] am Silbenende„ob“ – [ˀɔp], „halb“ – [halp], „Laub“ – [la͜op], „Staub“ – [ʃta͜op], „Urlaub“ – [‚u:ʁla͜op]

[p] wird am Silbenende schwach behaucht gesprochen, wenn „p“ oder „pp“ geschrieben wird und ein Konsonant folgt, zum Beispiel in:

  • [p] am Silbenende„abrupt“ – [‚ˀap’ʀʊpt], „Konzept“ – [kɔn’t͜sɛpt], „Rezept“ – [ʀe’t͜sɛpt]
  • „er hupt“ – [ˀe:ʁ ‚hu:pt], „Haupt“ – [ha͜opt], „gepiept“ – [gə’pi:pt]
  • „geschlampt“ – [gə’ʃlampt], „sie pumpt“ – [zi: ‚pʊmpt], verklumpt“ – [fɛʁ’klʊmpt], „er stülpt“ – [ˀe:ʁ ‚ʃtγlpt], „es zirpt“ – [ˀɛs ‚t͜sɪʀpt]
  • „er tippt“ – [ˀe:ʁ ‚tɪpt], „verschleppt“ – [fɛʁ’ʃlɛpt], „es klappt“ – [ˀɛs ‚klapt], „entpuppt“ – [ˀɛnt’pʊpt], „du schnappst“ – [du: ‚ʃnapst]

[p] wird am Silbenende schwach behaucht gesprochen, wenn „b“ oder „bb“ geschrieben wird und ein Konsonant folgt, zum Beispiel in:

  • [p] am Silbenende„Abt“ – [ˀapt], „er stirbt“ [ˀe:ʁ ‚ʃtɪʀpt], „sie wirbt“ – [zi: ‚vɪʀpt], „ihr erbt“ – [ˀi:ʁ ˀɛʀpt], „gefärbt“ – [gə’fɛʀpt]
  • „es staubt“ – [ˀɛs ‚ʃta͜opt], „ihr gebt“ – [ˀi:ʁ ‚ge:pt], „bestäubt“ – [bə’ʃtɔ͜øpt], „du siebst“ – [du: ‚zi:pst], „es schabt“ – [ˀɛs ‚ʃɑ:pt]
  • „zerbombt“ – [t͜sɛʁ’bɔmpt], „gesalbt“ – [gə’zalpt], „vergilbt“ – [fɛʁ’gɪlpt], „gewölbt“ – [gə’vœlpt], „er stirbt“ – [ˀe:ʁ ‚ʃtɪʀpt]
  • „gejobbt“ – [gə’d͜ʒɔpt], „verebbt“ – [fɛʁ’ɛpt], „er schrubbt“ – [ˀe:ʁ ‚ʃʀʊpt], „es robbt“ – [ˀɛs ‚ʀɔpt]

[p] wird an der Silbengrenze schwach behaucht gesprochen, wenn in nicht­zusammengesetzten Wörtern „pp“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [p] an der Silbengrenze„Gruppe“ – [‚gʀʊpə], „Sippe“ – [‚zɪpə], „Wappen“ – [‚vapən], „schleppen“ – [‚ʃlɛpən], „Klappe“ – [‚klapə]

[p] wird an der Silbengrenze doppellautend, aber nicht abgesetzt gesprochen, wenn in zusammengesetzten Wörtern „pp“ oder „ppp“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [p] an der Silbengrenze doppellautend„Typprüfung“ – [‚ty:ppʀy:fʊŋ], „Biotoppass“ – [bɪo’to:ppas]
  • „Krepppapier“ – [‚kʀɛppapi:ʁ] , „Tipppate“ – [‚tɪppɑ:tə], „Atomstoppplakat“ – [ˀa’to:mʃtɔpplakɑ:t]

[p] wird an der Silbengrenze doppellautend gesprochen, wenn in zusammen­gesetzten Wörtern „bp“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [p] an der Silbengrenze doppellautend„grobporig“ – [‚gʀo:ppo:ʀɪç], „abpassen“ – [‚ˀappasən], „abputzen“ – [‚ˀappʊt͜sən], „Schreibpapier“ – [‚ʃʀa͜eppapi:ʁ], „Lobpreisung“ – [‚lo:ppʀa͜ezʊŋ]

Artikulation des stimmhaften Lippen-VerschlusslautsBeim Sprechen des stimmhaften Lippen-Verschlusslauts [b] sprengt der Ausatmungsluftstrom die aufeinandergelegten Lippen. Der Unterkiefer senkt sich kaum. Die Zunge bleibt entspannt, ebenso die Zungenspitze. Das Gaumensegel ist gehoben, die Stimmlippen schwingen. Das Zäpfchen bleibt passiv.

Die Stellung der Artikulation ist die gleiche wie beim stimmlosen Lippen-Verschlusslaut [p].

[b] wird gesprochen, wenn „B“, „b“ oder „bb“ geschrieben wird.

[b] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „B“ oder „b“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

    • [b] am betonten Silbenanfang„baden“ – [‚bɑ:dən], „Boden“ – [‚bo:dən], „Buch“ – [bu:x], „Bar“ – [bɑ:ʁ], „Bier“ – [bi:ʁ]
    • „entbehren“ – [ˀɛnt’be:ʀən], „gebären“ – [gə’bɛ:ʀən], „geboren“ – [gə’bo:ʀən], „Gebäck“ – [gə’bɛk], „entbehrlich“ – [ˀɛnt’be:ʁlɪç]
    • „Bruder“ – [‚bʀu:dəʁ], „Blut“ – [blu:t], „blasen“ – [‚blɑ:zən], „Braten“ – [‚bʀɑ:tən], „brechen“ – [‚bʀɛçən]
    • „gebraten“ – [gə’bʀɑ:tən], „verbrannt“ – [fɛʁ’bʀant], „gebrochen“ – [gə’bʀɔxən], „unterbrechen“ – [ˀʊntəʁ’bʀɛçən], „verbringen“ – [fɛʁ’bʀɪŋən]
  • [b] am unbetonten Silbenanfang„Leben“ – [‚le:bən], „Abend“ – [‚ˀɑ:bənt], „Tube“ – [‚tu:bə], „proben“ – [‚pʀo:bən], „weben“ – [‚ve:bən]
  • „anbahnen“ – [‚ˀanbɑ:nən], „Vorbote“ – [‚fo:ʁbo:tə], „anbieten“ – [‚ˀanbi:tən], „aufbahren“ – [‚ˀa͜ofbɑ:ʀən], „aufbinden“ – [‚ˀa͜ofbɪndən]
  • „Fabrikat“ – [fabʀɪ’kɑ:t], „Algebra“ – [‚ˀalge:bʀɑ:], „Zebra“ – [‚t͜se:bʀɑ:], „brillieren“ – [bʀɪ’li:ʀən], „erübrigen“ – [ˀɛʁ’y:bʀɪgən]
  • „anbringen“ – [‚ˀanbʀɪŋən], „Einbruch“ – [‚ˀa͜enbʀʊx], „vorbraten“ – [fo:ʁ’bʀɑ:tən], „anbrennen“ – [‚ˀanbʀɛnən], „ausbreiten“ – [‚ˀa͜osbʀa͜etən]

[b] wird an der Silbengrenze gesprochen, wenn in nichtzusammengesetzten Wörtern „bb“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [b] an der Silbengrenze„blubbern“ – [‚blʊbəʁn], „Krabbe“ – [‚kʀabə], „Ebbe“ – [‚ˀɛbə], „knabbern“ – [‚knabəʁn], „Robbe“ – [‚ʀɔbə]

Artikulation des stimmlosen Zahn-VerschlusslautsBeim Sprechen des stimmlosen Zahn-Verschlusslauts[48] [t] bleiben die Lippen entspannt und der Unterkiefer senkt sich leicht. Der

Ausatmungsluftstrom sprengt die hinter die oberen Schneidezähne gedrückte Zungenspitze vom harten Gaumen und entweicht durch den spaltbreit geöffneten Mund. Der Zungenrücken bleibt entspannt. Das Gaumensegel ist gehoben und die Stimmlippen sind geöffnet. Das Zäpfchen bleibt passiv.

Die Stellung der Artikulation ist die gleiche wie beim stimmhaften Zahn-Verschlusslaut [d]. Die Stärke der Aspiration richtet sich nach der Lautumgebung. Mit nachfolgendem [s] verschmilzt [t] zum Verschluss-Reibelaut [t͜s], mit nachfolgendem [ʃ] zum Verschluss-Reibelaut [t͜ʃ].

[t] wird gesprochen, wenn „T“, „t“ oder „tt“, „Th“ oder „th“, „d“ oder „dt“ geschrieben wird.

[t] wird am betonten Silbenanfang stark behaucht gesprochen, wenn „T“ oder „t“ geschrieben wird und ein Vokal folgt, zum Beispiel in:

  • [t] am betonten Silbenanfang„Tür“ – [ty:ʁ], „Tor“ – [to:ʁ], „Tier“ – [ti:ʁ], „tanken“ – [‚taŋkən], „taufen“ – [‚ta͜ofən]
  • „getan“ – [gə’tɑ:n], „geteert“ – [gə’te:ʁt], „getickt“ – [gə’tɪkt], „betören“ – [bə’tø:ʀən], „geturnt“ – [gə’tʊʀnt]
  • „stur“ – [ʃtu:ʁ], „Stand“ – [ʃtant], „Stier“ – [ʃti:ʁ], „stehen“ – [‚ʃte:ən], „stolpern“ – [‚ʃtɔlpəʁn]
  • „gestehen“ – [gə’ʃte:ən], „verstanden“ – [fɛʁ’ʃtandən], „umstellen“ – [ˀʊm’ʃtɛlən], „entstören“ – [ˀɛnt’ʃtø:ʀən], „Bestand“ – [bə’ʃtant]

[t] wird am betonten Silbenanfang schwach behaucht gesprochen, wenn „t“ geschrieben wird und ein Konsonant folgt, zum Beispiel in:

  • [t] am betonten Silbenanfang„Traube“ – [‚tʀa͜obə], „tragen“ – [‚tʀɑ:gən], „Tross“ – [tʀɔs], „Betrug“ – [bə’tʀu:k], „Trommel“ – [‚tʀɔməl]
  • „getragen“ – [gə’tʀɑ:gən], „betrügen“ – [bə’tʀy:gən], „getroffen“ – [gə’tʀɔfən], „getrieben“ – [gə’tʀi:bən], „Vertrag“ – [fɛʁ’tʀɑ:k]
  • „Strafe“ – [‚ʃtʀɑ:fə], „Streifen“ – [‚ʃtʀa͜efən], „Strophe“ – [‚ʃtʀo:fə], „Strich“ – [ʃtʀɪç], „strömen“ – [‚ʃtʀø:mən]
  • „bestreichen“ – [bə’ʃtʀa͜eçən], „zerstritten“ – [t͜sɛʁ’ʃtʀɪtən], „gestrafft“ – [gə’ʃtʀaft], „verstrickt“ – [fɛʁ’ʃtʀɪkt], „Gestrüpp“ – [gə’ʃtʀγp]

[t] wird am unbetonten Silbenanfang schwach behaucht gesprochen, wenn „t“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [t] am unbetonten Silbenanfang„Pute“ – [‚pu:tə], „Braten“ – [‚bʀɑ:tən], „Bote“ – [‚bo:tə], „Güter“ – [‚gy:təʁ], „Röte“ – [‚ʀø:tə]
  • umtauschen“ – [‚ˀʊmta͜oʃən], „zuteilen – [‚t͜su:ta͜elən], „vorturnen“ – [‚fo:ʁtʊʀnən], „auftauen“ – [‚ˀa͜ofta͜oən], „abtauchen“ – [‚ˀapta͜oxən]
  • „umstoßen“ – [‚ˀʊmʃto:sən], „herstellen“ – [‚he:ʁʃtɛlən], „abstauben“ – [‚ˀapʃta͜obən], „Vorstand“ – [‚fo:ʁʃtant], „abstillen“ – [‚ˀapʃtɪlən]
  • „Metronom“ – [metʀo’no:m], „Atrium“ – [‚ˀa:tʀɪʊm], „Spektrum“ – [‚ʃpɛktʀʊm], „Mantra“ – [‚mantʀɑ:], „Zentrifuge“ – [t͜sɛntʀɪ’fu:gə]
  • „eintragen“ – [‚ˀa͜entʀɑ:gən], „nachtrauern“ – [’nɑ:xtʀa͜oəʁn], „Beitritt“ – [‚ba͜etʀɪt], „vortreten“ – [‚fo:ʁtʀe:tən], „nachträglich“ – [’nɑ:xtʀɛklɪç]
  • „anstrahlen“ – [‚ˀanʃtʀɑ:lən], „Beistrich“ – [‚ba͜eʃtʀɪç], „einströmen“ – [‚ˀa͜enʃtʀø:mən], „abstreiten“ – [‚ˀapʃtʀa͜etən] „abstrafen“ – [‚ˀapʃtʀɑ:fən]

[t] wird am betonten Silbenanfang stark behaucht gesprochen, wenn „Th“ oder „th“ geschrieben wird und ein Vokal folgt, zum Beispiel in:

  • [t] am betonten Silbenanfang„Theke“ – [‚te:kə], „Thema“ – [‚te:ma], „These“ – [‚te:zə], „Apotheke“ – [ˀapo’te:kə], „Bibliothek“ – [bɪblɪo’te:k]

[t] wird am betonten Silbenanfang schwach behaucht gesprochen, wenn „th“ geschrieben wird und ein Konsonant folgt, zum Beispiel in:

  • [t] am betonten Silbenanfang„Thron“ – [tʀo:n], „Thraker“ – [‚tʀɑ:kəʁ], „Thrombus“ – [‚tʀɔmbᴜs], „Arthrose“ – [ˀaʁ‘tʀo:zə]
  • „gethront“ – [gə’tʀo:nt]

[t] wird am unbetonten Silbenanfang schwach behaucht gesprochen, wenn „Th“ oder „th“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [t] am unbetonten Silbenanfang„Orthografie“ – [ˀɔʀtogʀa’fi:], „Anästhesie“ – [ˀɑnɛste’zi:], „Lethargie“ – [letaʁ’gi:], „Theater“ – [te’ˀɑ:təʁ],
    „Theorie“ – [teo’ʀi:]
  • „Unterthema“ – [‚ʊntəʁte:ma], „Antithese“ – [‚ˀantɪte:zə]
  • „Thrombose“ – [tʀɔm’bo:zə], „Anthrazit“ – [ˀantʀɑ’t͜sɪt], „Erythrozyt“ – [ˀeʀγtʀo’t͜sy:t], „Anthropologe“ – [ˀantʀopo’lo:gə], „Lothringen“ – [‚lo:tʀɪŋən]
  • „inthronisieren“ – [ˀɪntʀonɪzi:ʀən]

[t] wird am Silbenende stark behaucht gesprochen, wenn „t“ oder „tt“ geschrieben wird und in der Silbe kein Konsonant folgt, zum Beispiel in:

  • [t] am Silbenende„Wut“ – [vu:t], „Mast“ – [mast], „Boot“ – [bo:t], „Wort“ – [vɔʀt], „er lernt“ – [ˀe:ʁ ‚lɛʀnt]
  • „Bett“ – [bɛt], „er tritt“ – [ˀe:ʁ ‚tʀɪt], „matt“ – [mat], „Schritt“ – [ʃʀɪt], „glatt“ – [glat]

[t] wird am Silbenende stark behaucht gesprochen, wenn „th“ geschrieben wird und in der Silbe kein Konsonant folgt, zum Beispiel in:

  • [t] am Silbenende„Rhythmus“ – [‚ʀγtmᴜs], „Arithmetik“ – [‚ˀa:ʀɪtme:tɪk], „Athlet“ – [ˀat’le:t], „Psychopath“ – [p͜sγço’pɑ:t], „Monolith“ – [mono’li:t]

[t] wird am Silbenende stark behaucht gesprochen, wenn „d“ geschrieben wird und in der Silbe kein Konsonant folgt, zum Beispiel in:

  • [t] am Silbenende„Tod“ – [to:t], „Geduld“ – [gə’dʊlt], „Mord“ – [mɔʀt], „Kleid“ – [kla͜et], „Grad“ – [gʀɑ:t]

[t] wird am Silbenende stark behaucht gesprochen, wenn „dt“ geschrieben wird und in der Silbe kein Konsonant folgt, zum Beispiel in:

  • [t] am Silbenende„Stadt“ – [ʃtat], „beredt“ – [bə’ʀe:t], „entsandt“ – [ɛnt’zant], „angewandt“ – [‚angəvant], „falls sie einlädt“ [fals zi: ‚a͜enlɛ:t]

[t] wird an der Silbengrenze schwach behaucht gesprochen, wenn in nicht­zusammengesetzten Wörtern „tt“ oder „dt“ geschrieben wird und ein Vokal folgt, zum Beispiel in:

  • [t] an der Silbengrenze„wetten“ – [‚vɛtən], „rütteln“ – [‚ʀγtəln], „Sattel“ – [‚zatəl], „Mitte“ – [‚mɪtə], „Grotte“ – [‚gʀɔtə]
  • „Städte“ – [‚ʃtɛtə], „Verwandte“ – [fɛʁ’vantə], „Gesandter“ – [gə’zantəʁ], „ihm zugewandte“ – [ˀi:m ‚t͜sugəvantə] – „euch abgewandte“ – [ˀɔ͜øç ‚apgəvantə]

[t] wird an der Silbengrenze doppellautend gesprochen, wenn in zusammengesetzten Wörtern „tt“ oder „ttt“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [t] an der Silbengrenze doppellautend„Bluttat“ – [‚blu:ttɑ:t], „breittreten“ – [‚bʀa͜ettʀe:tən], „enttäuschen“ – [‚ˀɛnttɔ͜øʃən], „Gewalttäter“ – [gə’valttɛ:təʁ], „Hauptthema“ – [‚ha͜optte:mɑ]
  • „Betttuch“ – [‚bɛttu:x], „Baletttänzer“ – [ba’lɛttɛnt͜səʁ], „Schritttempo“ – [‚ʃʀɪttɛmpo], „Wettturnen“ – [‚vɛttʊʀnən], „Blatttrieb“ – [‚blattʀi:p]

[t] wird an der Silbengrenze doppellautend gesprochen, wenn in zusammengesetzten Wörtern „dt“ oder „dtt“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [t] an der Silbengrenze doppellautend„Rundtausch“ – [‚ʀʊntta͜oʃ], „Abendtafel“ – [‚ˀɑ:bənttɑ:fəl], „Wandteil“ – [‚vantta͜el], „Jugendtag“ – [‚ju:gənttɑ:k], „Versandtasche“ – [fɛʁ’zanttaʃə]
  • „Stadttor“ – [‚ʃtatto:ʁ], „Stadtteil“ – [‚ʃtatta͜el], „Stadttheater“ – [‚ʃtatteˀɑ:təʁ]

Artikulation des stimmhaften Zahn-VerschlusslautsBeim Sprechen des stimmhaften Zahn-Verschlusslauts [d] bleiben die Lippen entspannt und der Unterkiefer senkt sich leicht. Der Ausatmungsluftstrom sprengt die hinter die oberen Schneidezähnen gedrückte Zungenspitze vom harten Gaumen und entweicht durch den spaltbreit geöffneten Mund. Der Zungenrücken bleibt entspannt. Das Gaumensegel ist gehoben und die Stimmlippen schwingen. Das Zäpfchen bleibt passiv.

Die Stellung der Artikulation ist die gleiche wie beim stimmlosen Zahn-Verschlusslaut [t]. Mit nachfolgendem [ʒ] verschmilzt [d] zum Verschluss-Reibelaut [d͜ʒ].

[d] wird gesprochen, wenn „D“, „d“ oder „dd“ geschrieben wird.

[d] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „D“ oder „d“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

    • [d] am betonten Silbenanfang„da“ – [dɑ:], „dumpf“ – [dᴜmp͜f], „Dorf“ – [dɔʀf], „du“ – [du:], „Dame“ – [‚dɑ:mə]
    • „entdecken“ – [ˀɛnt’dɛkən], „überdauern“ – [ˀy:bəʁ’da͜oəʁn], „zudem“ – [t͜su’de:m], „durchdenken“ – [dʊʀç’dɛŋkən], „gedeckelt“ – [gə’dɛkəlt]
    • „drohen“ – [dʀo:ən], „drücken“ – [‚dʀγkən], „draußen“ – [‚dʀa͜osən], „dringend“ – [‚dʀɪŋənt], „drehen“ – [‚dʀe:ən]
    • „verdrehen“ – [fɛʁ’dʀe:ən], „bedrückt“ – [bə’dʀγkt], „gedrängt“ – [gə’dʀɛŋt], „bedrängen“ – [bə’dʀɛŋən], „bedrohen“ – [bə’dʀo:ən]
  • [d] am unbetonten Silbenanfang„Nudel“ – [’nu:dəl], „Made“ – [‚mɑ:də], „Sendung“ – [‚zɛndᴜŋ], „leider“ – [‚la͜edəʁ], „ändern“ – [‚ˀɛndəʁn]
  • „andocken“ – [‚ˀandɔkən], „andauern“ – [‚ˀanda͜oəʁn], „wegducken“ – [‚vɛkdʊkən], „abdanken“ – [‚ˀapdaŋkən], „undicht“ – [‚ˀʊndɪçt]
  • „Hydroxid“ – [hydʀɔ’k͜si:t], „Baldrian“ – [‚baldʀiɑ:n], „zylindrisch“ – [t͜sy’lɪndʀɪʃ], „adrig“ – [‚ˀɑ:dʀɪç], „widrig“ – [‚vi:dʀɪç]
  • „Andrang“ – [‚ˀandʀaŋ], „abdriften“ – [‚ˀapdʀɪftən], „nachdrücklich“ – [’nɑ:xdʀγklɪç], „wegdrängen“ – [‚vɛkdʀɛŋən], „ausdrucken“ – [‚ˀa͜osdʀʊkən]

[d] wird an der Silbengrenze gesprochen, wenn in nichtzusammengesetzten Wörtern „dd“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [d] an der Silbengrenze„verheddert“ – [fɛʁ’hɛdəʁt], „addieren“ – [ˀɑ’di:ʀən] ,
    „Widder“ – [‚vɪdəʁ], „Pudding“ – [‚pʊdɪŋ], „paddeln“ – [‚padəln]

Artikulation des stimmlosen Hintergaumen-VerschlusslautsBeim Sprechen des stimmlosen Hintergaumen-Verschlusslauts [49] [k] bleiben die Lippen entspannt und der Unterkiefer senkt sich leicht. Der Ausatmungsluftstrom sprengt den an den weichen Gaumen angedrückten Zungenrücken und entweicht dann durch den spaltbreit geöffneten Mund. Die Zungenspitze liegt derweil locker an den unteren Schneidezähnen. Das Gaumensegel ist gehoben und die Stimmlippen sind geöffnet. Das Zäpfchen bleibt passiv.

Die Stellung der Artikulation ist die gleiche wie beim stimmhaften Hintergaumen-Verschlusslaut [g]. Die Stärke seiner Aspiration richtet sich nach seiner Lautumgebung. Mit nachfolgendem [s] verschmilzt [k] zum Verschluss-Reibelaut [k͜s], mit nachfolgendem [v] zum Verschluss-Reibelaut [k͜v].

[k] wird gesprochen, wenn „K“, „k“ oder „kk“ „Ch“ oder „ch“, „C“ oder „c“, „ck“ oder „g“, „Qu“, „qu“ oder „que“ geschrieben wird.

[k] wird am betonten Silbenanfang stark behaucht gesprochen, wenn „K“ oder „k“ geschrieben wird und ein Vokal folgt, zum Beispiel in:

  • [k] am betonten Silbenanfang„Kabel“ – [‚kɑ:bəl], „Kuchen“ – [‚ku:xən], „kurz“ – [kʊʀt͜s], „kichern“ – [‚kɪçəʁn], „Käse“ – [‚kɛ:zə]
  • „bekehren“ – [bə’ke:ʀən], „verkehrt“ – [fɛʁ’ke:ʀt], „zerkauen“ – [t͜sɛʁ’ka͜oən], „entkernt“ – [ˀɛnt’kɛʁnt], „bekannt“ – [bə’kant]
  • „Skat“- [skɑ:t], „Skizze“ – [’skɪt͜sə], „skeptisch“ – [’skɛptɪʃ], „Skonto“ – [’skɔnto], „Sketch“ – [skɛt͜ʃ]
  • „obskur“ – [ˀop’sku:ʁ], „Diskurs“ – [dɪs’kʊʀs], „Diskont“ – [dɪs’kɔnt], „Mikroskop“ – [mikʀo’sko:p], „Eskorte“ – [ˀɛs’kɔʀtə]

[k] wird am betonten Silbenanfang schwach behaucht gesprochen, wenn „k“ geschrieben wird und ein Konsonant folgt, zum Beispiel in:

  • [k] am betonten Silbenanfang„Kloster“ – [‚klo:stəʁ], „Krug“ – [kʀu:k], „Knabe“ – [‚knɑ:bə], „kriechen“ – [‚kʀi:çən], „klingen“ – [‚klɪŋən]
  • „beklagen“ – [bə’klɑ:gən], „verkriechen“ – [fɛʁ’kʀi:çən], „Enklave“ – [ˀɛn’klɑ:və], „gekracht“ – [gə’kʀaxt], „erklären“ – [ˀɛʁ’klɛ:ʀən]
  • „Sklave“ – [’sklɑ:və], „Skrupel“ – [skʀu:pəl], „Skript“ – [skʀɪpt]
  • „versklavt“ –[fɛʁ’sklɑ:ft], „diskret“ – [dɪs’kre:t]

[k] wird am unbetonten Silbenanfang schwach behaucht gesprochen, wenn „K“ oder „k“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [k] am unbetonten Silbenanfang„Laken“ – [‚lɑ:kən], „Balken“ – [‚balkən], „lenken“ – [‚lɛŋkən], „Orakel“ – [ˀo’ʀɑ:kəl], „pökeln“ – [‚pø:kəln]
  • „Nachkomme“ – [’nɑ:xkɔmə], „Herkunft“ – [‚he:ʁkʊnft], „auskennen“ – [‚a͜oskɛnən], „heimkommen“ – [‚ha͜emkɔmən], „Hochkultur“ – [‚ho:xkʊltu:ʁ]
  • „Skelett“ – [ske’lɛt], „Skandal“ – [skan’dɑ:l], „Episkopat“ – [ˀepɪsko’pɑ:t]], „skurril“ – [sku’ʀi:l], „Skorbut“ – [skɔʀ’bu:t]
  • „Sakrament“ – [zakʀa’mɛnt], „Akrobat“ – [ˀakʀo’bɑ:t], „Kroate“ – [kʀo’ˀɑ:tə], „Mikrofon“ – [mikʀo’fo:n], „Makler“ – [‚mɑ:kləʁ]
  • „ankleiden“ – [‚ˀankla͜edən], „ausklappen“ – [‚ˀa͜osklapən],
    „festklammern“ – [‚fɛstklaməʁn], „breitklopfen“ – [‚bʀa͜etklɔp͜fən],
    „hochkrempeln“ – [‚ho:xkʀɛmpəln]

[k] wird am betonten Silbenanfang stark behaucht gesprochen, wenn „Ch“ oder „ch“ geschrieben wird und ein Vokal folgt, zum Beispiel in:

  • [k] am betonten Silbenanfang„Orchester“ – [ˀɔʁ’kɛstəʁ], „Charisma“ – [‚kɑʀɪsmɑ], „Chor“ – [ko:ʁ], „Chaos“ – [‚kɑɔs], „Cholera“ – [‚ko:ləʀɑ]

[k] wird am betonten Silbenanfang schwach behaucht gesprochen, wenn „Ch“ oder „ch“ geschrieben wird und ein Konsonant folgt, zum Beispiel in:

  • [k] am betonten Silbenanfang„christlich“ – [‚kʀɪstlɪç], „Chlor“ – [klo:ʀ], „Chrom“ – [kʀo:m], „Chronik“ – [‚kʀo:nɪk], „Chlodwig“ – [‚klo:tvɪç]
  • „verchromt“ – [fɛʁ’kro:mt], gechlort“ – [gəklo:ʁt]

[k] wird am unbetonten Silbenanfang schwach behaucht gesprochen, wenn „Ch“ oder „ch“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [k] am unbetonten Silbenanfang„Melancholie“ – [melaŋko’li:], „Charakter“ – [kɑ’ʀaktəʁ], „cholerisch“ [ko’le:ʀɪʃ], „Choreograf“ [koʀeo’gʀɑ:f],
    „Choral“ – [ko’ʀɑ:l]
  • „Chlorid“ – [klo’ʀi:t], „Chromosom“ – [kʀomo’zo:m], „Chloroform“ – [kloʀo’fɔʀm], „chromatisch“ [kʀo’mɑ:tɪʃ], „Chrysantheme“ – [kʀyzan’te:mə]
  • „unchristlich“ [‚ˀʊnkʀɪstlɪç], „asynchron“ – [‚ˀɑzγnkʀo:n], „Antichrist“ – [‚ˀantikʀɪst], „anachronistisch“ – [ˀanakʀo’nɪstɪʃ]

[k] wird am betonten Silbenanfang stark behaucht gesprochen, wenn „C“ oder „c“ geschrieben wird und ein Vokal folgt, zum Beispiel in:

  • [k] am betonten Silbenanfang„Cockpit“ – [‚kɔkpɪt], „Couch“ – [ka͜ot͜ʃ], „Cocktail“ – [‚kɔkte:l], „Campus“ – [‚kampʊs], „Collie“ – [‚kɔ’li:]
  • „Decoder“ – [de’ko:dəʁ]

[k] wird am betonten Silbenanfang schwach behaucht gesprochen, wenn „C“ oder „c“ geschrieben wird und ein Konsonant folgt, zum Beispiel in:

  • [k] am betonten Silbenanfang„Clown“ – [kla͜on], „Clip“ – [klɪp], „Club“ – [klʊp], „Clique“ – [‚klɪkə], „Creme“ – [kʀe:m]
  • „gescrollt“ – [gə’skʀɔlt]

[k] wird am unbetonten Silbenanfang schwach behaucht gesprochen, wenn „C“ oder „c“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [k] am unbetonten Silbenanfang„decodieren“ – [deko’di:ʀən]
  • „clownesk“ – [‚kla͜o’nɛsk], „Croupier“ – [kru’pıe:]
  • „eingecremt“ – [‚ˀa͜engəkʀe:mt]

[k] wird am betonten Silbenanfang stark behaucht gesprochen, wenn „Qu“ oder „qu“ geschrieben wird und ein Vokal folgt, zum Beispiel in:

  • [k] am betonten Silbenanfang„Claqueur“ – [kla’kø:ʁ], „Enquete“ – [õ’kɛt]

 

[k] wird am unbetonten Silbenanfang schwach behaucht gesprochen, wenn „Qu“ oder „qu“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [k] am unbetonten Silbenanfang„Quarantäne“ – [kɑʀan’tɛ:nə], „Quartier Latin“ – [kɑʁtıe: la’tɛ̃],„Clique“ – [‚klɪkə], „Boutiquen“ – [bu’ti:kən]

[k] wird am Silbenende stark behaucht gesprochen, wenn „k“ geschrieben wird und in der Silbe kein Konsonant folgt, zum Beispiel in:

  • [k] am Silbenende„Werk“ – [vɛʁk], „Schrank“ – [ʃʀaŋk], „welk“ – [vɛlk], „Quark“ – [k͜vaʀk], „Technik“ – [‚tɛçnɪk]

[k] wird am Silbenende schwach behaucht gesprochen, wenn „k“ geschrieben wird und ein Konsonant folgt, zum Beispiel in:

  • [k] am Silbenende„Dialekt“ – [dɪɑ’lɛkt], „gedankt“ – [gə’daŋkt], „Insekt“ – [ˀɪn’zɛkt], „Produkt“ – [pʀo’dʊkt], „Punkt“ – [pʊŋkt]
  • „es spukt“ – [ˀɛs ‚ʃpu:kt], „es blökt“ [ˀɛs ‚blø:kt], „er paukt“ – [ˀe:ʁ ‚pa͜okt], „direkt“ – [di’rɛkt], „es hakt“ [ˀɛs ‚hɑ:kt]
  • „ihr parkt“ – [ˀi:ʁ paʀkt], „sie dankt“ – [zi: ‚daŋkt], „Infarkt“ – [ˀɪn’faʀkt], „er hinkt“ – [ˀe:ʁ ‚hɪŋkt], „sie melkt“ – [zi: ‚mɛlkt]

[k] wird am Silbenende stark behaucht gesprochen, wenn „c“ geschrieben wird und in der Silbe kein Konsonant folgt, zum Beispiel in:

  • [k] am Silbenende„Comic“ – [‚kɔmɪk], „metallic“ – [me’talɪk], „Marc“ – [maʁk], „chic“ – [ʃɪk], „Eric“ – [‚ˀe:ʀɪk]

[k] wird am Silbenende stark behaucht gesprochen, wenn „ck“ geschrieben wird und in der Silbe kein Konsonant folgt, zum Beispiel in:

  • [k] am Silbenende„Rock“ – [ʀɔk], „Dreck“ – [dʀɛk], „Druck“ – [dʀʊk], „schick“ – [ʃɪk], „Besteck“ – [bə’ʃtɛk]

[k] wird am Silbenende schwach behaucht gesprochen, wenn „ck“ geschrieben wird und ein Konsonant folgt, zum Beispiel in:

  • [k] am Silbenende„es tickt“ – [ˀɛs ‚tɪkt], „ihr erschreckt“ – [ˀi:ʁ ˀɛʁ’ʃʀɛkt], „es knackt“ – [ˀɛs ‚knakt], „er spuckt“ – [ˀe:ʁ ‚ʃpʊkt],
    „sie weckt“ – [zi: ‚vɛkt]

[k] wird am Silbenende stark behaucht gesprochen, wenn „g“ geschrieben wird und in der Silbe kein Konsonant folgt, zum Beispiel in:

  • [k] am Silbenende„Weg“ – [ve:k], „Antrag“ – [‚antʀɑ:k], „Betrug“ – [bə’tʀu:k], „Berg“ – [bɛʁk], „Sarg“ – [zaʀk]

[k] wird am Silbenende schwach behaucht gesprochen, wenn „g“ geschrieben wird und ein Konsonant folgt, zum Beispiel in:

  • [k] am Silbenende„er sagt“ – [e:ʁ ‚zɑ:kt], „bewegt“ – [bə’ve:kt], „ihr tagt“ – [ˀi:ʁ ‚tɑ:kt], „belegt“ – [bə’le:kt], „sie siegt“ – [zi: ‚zi:kt]
  • „sie würgt“ – [zi: ‚vγʀkt], „gebürgt“ – [gə’bγʀkt], „besorgt – [bə’zɔʀkt]“, „geborgt“ – [gə’bɔʀkt], „verfolgt“ – [fɛʁ’fɔlkt]

[k] wird schwach behaucht gesprochen, wenn am Silbenende „ig“ geschrieben wird und eine Silbe folgt, in der „ich“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [k] am Silbenende„Königreich“ – [‚kø:nɪkʀa͜eç] , „inniglich“ – [‚ˀɪnɪklɪç], „ewiglich“ – [‚ˀe:vɪklɪç], „königlich“ – [‚kø:nɪklɪç], „lediglich“ – [‚le:dɪklɪç]

[k] wird am Silbenende stark behaucht gesprochen, wenn „que“ geschrieben wird und in der Silbe kein Konsonant folgt, zum Beispiel in:

  • [k] am Silbenende„Boutique“ – [bu’tɪk], „Plaque“ – [plɑk]

[k] wird an der Silbengrenze schwach behaucht gesprochen, wenn in nichtzusam­mengesetzten Wörtern „kk“ geschrieben wird und ein Vokal folgt, zum Beispiel in:

  • [k] an der Silbengrenze„okkult“ – [ˀɔ’kʊlt], „Akkord“ – [ˀa’kɔʀt], „Sakko“ – [‚zɑko], „Mokka“ – [‚mɔkɑ], „akkurat“ – [ˀɑku’ʀɑ:t]

[k] wird an der Silbengrenze schwach behaucht gesprochen, wenn in nichtzusam­mengesetzten Wörtern „cc“ geschrieben wird und ein Vokal folgt, zum Beispiel in:

  • [k] an der Silbengrenze„Piccolo“ – [‚pikolo], „staccato“ – [ʃta’kɑ:to] „Yucca“ – [‚jʊkɑ]

[k] wird an der Silbengrenze schwach behaucht gesprochen, wenn in nichtzusam­mengesetzten Wörtern „ck“ geschrieben wird und ein Vokal folgt, zum Beispiel in:

  • [k] an der Silbengrenze„packen“ – [‚pakən], „schlucken“ – [‚ʃlᴜkən], „Rücken“ – [‚ʀγkən], „Säcke“ – [‚zɛkə], „Mücke“ – [‚mγkə]

[k] wird an der Silbengrenze doppellautend gesprochen, wenn in zusammen­gesetzten Wörtern „kk“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [k] an der Silbengrenze doppellautend„Schwenkkran“ – [‚ʃvɛŋkkʀɑ:n], „Bankkrise“ – [‚baŋkkʀi:zə], „Fachwerkkirche“ – [‚faxvɛʁkkɪʀçə] , „Plastikkarte“ – [‚plastɪkkaʀtə], „Atlantikküste“ – [ˀat’lantɪkkγstə]

Artikulation des stimmhaften Hintergaumen-VerschlusslautsBeim Sprechen des stimmhaften Hintergaumen-Verschlusslauts [g] bleiben die Lippen entspannt und der Unterkiefer senkt sich leicht. Der Ausatmungsluftstrom sprengt den an den weichen Gaumen angedrückten Zungenrücken und entweicht dann durch den spaltbreit geöffneten Mund. Die Zungenspitze liegt derweil locker an den unteren Schneidezähnen. Das Gaumensegel ist gehoben und die Stimmlippen schwingen. Das Zäpfchen bleibt passiv.

Die Stellung der Artikulation ist die gleiche wie beim stimmlosen Hintergaumen-Verschlusslaut [k].

[g] wird gesprochen, wenn „G“, „g“ oder „gg“, „Gh“ oder gh“ geschrieben wird.

[g] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „G“ oder „g“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

    • [g] am betonten Silbenanfang„Gabel“ – [‚gɑ:bəl], „gießen“ – [‚gi:sən], „Güte“ – [‚gy:tə],
      „gut“ – [gu:t], „Geld“ – [gɛlt]
    • „begehren“ – [bə’ge:ʀən], „begonnen“ – [bə’gɔnən],
      „gegart“ – [gə’gɑ:ʁt], „begierig“ – [bə’gi:ʀɪç], „gegoren“ – [gə’go:ʀən]
    • „Glut“ – [glu:t], „greifen“ – [‚gʀa͜efən], „Gnade“ – [‚gnɑ:də], „glatt“ – [glat], „Grund“ – [grʊnt]
    • „verglühen“ – [fɛʁ’gly:ən], „begrünt“ – [bə’gʀy:nt], „gegrast“ – [gə’gʀɑ:st], „verglast“ – [fɛʁ’glɑ:st], „vergleichen“ – [fɛʁ’gla͜eçən]
  • [g] am unbetonten Silbenanfang„Fliege“ – [‚fli:gə], „Frage“ – [‚fʀɑ:gə], „sagen“ – [‚zɑ:gən], „Lauge“ – [‚la͜ogə], „Neugier“ – [’nɔ͜øgi:ʁ]
  • „hinaufgehen“ – [hɪ’na͜ofge:ən], „Abgang“ – [‚ˀapgaŋ], „Vorgarten“ – [‚fo:ʁgaʀtən], „vorgaukeln“ – [‚fo:ʁga͜okəln], „Aufgeld“ – [‚ˀa͜ofgɛlt]
  • „global“ – [glo’bɑ:l], „Graffito“ – [gʀa’fɪto], „Grammatik“ – [gʀa’matɪk], „grundieren“ – [gʀʊn’di:ʀən], „Gladiator“ – [gladɪ’ˀɑ:toʁ]
  • „abgrenzen“ – [‚ˀapgʀɛnt͜sən], „anglühen“ – [‚ˀangly:ən], „Abgrund“ – [‚ˀapgʀʊnt], „Unglück“ – [‚ˀʊnglγk], „angleichen“ – [‚ˀangla͜eçən]

[g] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „Gh“ oder „gh“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

    • [g] am betonten Silbenanfang„Ghana“ – [‚gɑ:nɑ], „Afghane“ – [ˀaf’gɑ:nə], „Lamborghini“ – [lambɔʁ’gi:ni], „Spaghetti“ – [ʃpa’gɛti]

 

    • [g] am unbetonten Silbenanfang„Joghurt“ – [‚jo:gʊʁt]
    • „Maghreb“ – [‚mɑ:gʀɛp]

 

[g] wird an der Silbengrenze gesprochen, wenn in nichtzusammengesetzten Wörtern „gg“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [g] an der Silbengrenze„Egge“ – [‚ɛgə] , „suggerieren“ – [zᴜgə’ʀi:ʀən], „Flagge“ – [‚flagə], „schmuggeln“ – [‚ʃmᴜgəln], „Bagger“ – [‚bagəʁ]

Verschluss-Reibelaute

Die Konsonantengruppe der Verschluss-Reibelaute[50] besteht aus den stimmlosen Lauten [p͜f], [p͜s], [t͜s], [t͜ʃ] und [k͜s] sowie aus den stimmhaften Lauten [d͜ʒ] und [k͜v].

Beim Sprechen der Verschluss-Reibelaute ist der Übergang vom – unbehauchten – Verschluss- zum Reibelaut kaum zu hören, sie gehören deshalb zu nur einer Silbe.

Bei den Verschluss-Reibelauten [p͜f], [t͜s], [t͜ʃ] und [d͜ʒ] liegen die Artikulationsstellen eng beieinander[51], bei den Verschluss-Reibelauten [p͜s], [k͜s] und [k͜v] weniger[52].

Die echten Verschluss-Reibelaute sind stimmlos und werden an gleicher Artikulationsstelle gebildet: [p͜f], [t͜s] und [t͜ʃ]. Die unechten Verschluss-Reibelaute sind entweder stimmhaft oder werden an weniger eng beieinanderliegenden Artikulationsstellen gebildet: [d͜ʒ], [p͜s], [k͜s] und [k͜v].

Artikulation des stimmlosen Verschluss-Reibelauts [p͜f]Beim Sprechen des stimmlosen Verschluss-Reibelauts [p͜f] gleitet die Artikulationsbewegung vom stimmlosen Lippen-Verschlusslaut [p] zum stimmlosen Lippenzahn-Reibelaut [f].

[p͜f] wird gesprochen, wenn „Pf“ oder „pf“ geschrieben wird.

[p͜f] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „Pf“ oder „pf“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

    • [p͜f] am betonten Silbenanfang„Pfahl“ – [p͜fɑ:l], „Pferd“ – [p͜fe:ʁt], „pfuschen“ – [‚p͜fʊʃən], „Pfingsten“ – [‚p͜fɪŋstən], „Pforte“ – [‚p͜fɔʀtə]
    • „empfangen“ – [ˀɛm’p͜faŋən], „verpfuscht“ – [fɛʁ’p͜fʊʃt], „Empfehlung“ [ˀɛm’p͜fe:lʊŋ], „gepfändet“ – [gə’p͜fɛndət], „gepfiffen“ – [gə’p͜fɪfən]
    • „Pflanze“ – [‚p͜flant͜sə], „Pflicht“ – [p͜flɪçt], „pflücken“ – [‚p͜flγkən], „Pfropf“ – [p͜fʀɔp͜f], „Pfründe“ – [‚p͜fʀγndə]
    • „Verpflegung“ – [fɛʁ’p͜fle:gʊŋ], „Gepflogenheit“ – [gə’p͜flo:gənha͜et], „Verpflichtung“ – [fɛʁ’p͜flɪçtʊŋ], „gepflastert“ – [gə’p͜flastəʁt], „gepflegt“ – [gə’p͜fle:kt]
  • [p͜f] am unbetonten Silbenanfang„impfen“ –[‚ˀɪmp͜fən], „Opfer“ – [‚ˀɔp͜fəʁ], „rupfen“ – [‚ʀʊp͜fən], „klopfen“ – [‚klɔp͜fən], „Apfel“ – [‚ˀap͜fəl]
  • „abpfeifen“ – [‚ˀapp͜fa͜efən], „Oberpfalz“ – [‚ˀo:bəʁp͜falt͜s], „nachempfunden“ – [’nɑ:xɛmp͜fʊndən]
  • „abpflücken“ – [‚ˀapp͜flγkən], „beipflichten“ – [‚ba͜ep͜flɪçtən],
    „anpflanzen“ – [‚ˀanp͜flant͜sən], „ungepflegt“ – [‚ˀʊngəp͜fle:kt],
    „umgepflügt“ – [‚ˀʊmgəp͜fly:kt]

[p͜f] wird am Silbenende gesprochen, wenn „pf“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [p͜f] am Silbenende„Napf“ – [nap͜f], „Kopf“ – [kɔp͜f], „Dampf“ – [damp͜f], „Kampf“ – [kamp͜f], „Topf“ – [tɔp͜f]
  • „du schöpfst“ – [du: ‚ʃœp͜fst], „er kämpft“ – [ˀe:ʁ ‚kɛmp͜ft], „geschröpft“ – [gə’ʃʀœp͜ft], gezapft“ – [gə’t͜sap͜ft, „sie hüpft“ – [zi: ‚hγp͜ft]
  • „verdampft“ – [fɛʁ’damp͜ft], „gedämpft“ – [gə’dɛmp͜ft], „er impft“ [ˀe:ʁ ‚ˀɪmp͜ft], „übertrumpft“ – [ˀy:bəʁ’tʀʊmp͜ft], „geschrumpft“ – [gə’ʃʀʊmp͜ft]

[p͜f] wird an der Silbengrenze doppellautend gesprochen, wenn in zusammen­gesetzten Wörtern „pfpf“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [p͜f] an der Silbengrenze doppellautend„Topfpflanze“ – [‚tɔp͜fp͜flant͜sə], „Sumpfpfad“ – [‚zʊmp͜fp͜fɑ:t], „Dampfpfeife“ – [‚damp͜fp͜fa͜efə]

Artikulation des stimmlosen Verschluss-Reibelauts [p͜s]Beim Sprechen des stimmlosen Verschluss-Reibelauts [p͜s] gleitet die Artiku­lationsbewegung vom stimmlosen Lippen-Verschlusslaut [p] zum stimmlosen Zahn-Reibelaut [s].

[p͜s] wird gesprochen, wenn „Ps“, „ps“ oder „pps“, „bs“ oder „bbs“ geschrieben wird.

[p͜s] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „Ps“ oder „ps“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

    • [p͜s] am betonten Silbenanfang„Psyche“ – [‚p͜sy:çə], „Psalm“ – [p͜salm],
      „psychisch“ – [‚p͜sy:çɪʃ]

 

  • [p͜s] am unbetonten Silbenanfang„Pseudonym“ – [p͜sɔ͜ødo’ny:m], „Psychose“ – [p͜sy’ço:zə],
    „Psychiater“ – [p͜sy’çıɑ:təʁ]
  • „gipsen“ – [‚gɪp͜sən], „Kapsel“ – [‚kap͜səl], „Stöpsel“ – [‚ʃtœp͜səl], „Schnipsel“ – [‚ʃnɪp͜səl], „Kollapse“ – [‚kɔlap͜sə]

[p͜s] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „bs“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [p͜s] am unbetonten Silbenanfang„schubsen“ – [‚ʃʊp͜sən], „Überbleibsel“ – [‚ˀy:bəʁbla͜ep͜səl], „Erbsen“ – [‚ˀɛʁp͜sən], „Krebse“ – [‚kʀe:p͜sə]

[p͜s] wird am Silbenende gesprochen, wenn „ps“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [p͜s] am Silbenende„Schnaps“ – [ʃnap͜s], „Mops“ – [mɔp͜s], „Knirps“ – [knɪʀp͜s], „Schlips“ – [ʃlɪp͜s], „Bizeps“ – [‚bi: t͜sɛp͜s]
  • „du hopst“ – [du: ‚hɔp͜st], „du gipst“ – [du: ‚gɪp͜st], „du stupst“ – [du: ‚ʃtʊp͜st], „du tapst“ – [du: ‚tap͜st], „du knipst“ – [du: ‚knɪp͜st]
  • „du hupst“ – [du: ‚hu:p͜st], „Papst“ – [pɑ:p͜st], „du piepst“ – [du: ‚pi:p͜st], „du pupst“ – [du: ‚pu:p͜st], „du dopst“ – [du: ‚do:p͜st]
  • „du stülpst“ – [du: ‚ʃtγlp͜st], „du verschlampst“ – [du: fɛʁ’ʃlamp͜st], „du pumpst“ – [du: ‚pʊmp͜st], „du trampst“ – [du: ‚tʀɛmp͜st], „du zirpst“ – [du: ‚t͜sɪʀp͜st]

[p͜s] wird am Silbenende gesprochen, wenn „pps“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [p͜s] am Silbenende„Tipps“ – [tɪp͜s], „Stopps“ – [ʃtɔp͜s], „Nepps“ – [nɛp͜s], „des Trupps“ – [dɛs ‚tʀʊp͜s], „Krepps“ – [kʀɛp͜s]
  • „du schleppst“ – [du: ‚ʃlɛp͜st], „du stoppst“ – [du: ‚ʃtɔp͜st], „du kippst“ – [du: ‚kɪp͜st], „du schnappst“ – [du: ‚ʃnap͜st], „du schnippst“ – [du: ‚ʃnɪp͜st]

[p͜s] wird am Silbenende gesprochen, wenn „bs“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [p͜s] am Silbenende„Krebs“ – [kʀe:p͜s], „des Triebs“ – [dɛs ‚tʀi:p͜s], „des Siebs“ – [dɛs ‚zi:p͜s], des Stabs“ – [dɛs ‚ʃtɑ:p͜s], „des Korbs“ – [dɛs ‚kɔʀp͜s]
  • „du lebst“ – [du: ‚le:p͜st], „du gibst“ – [du: ‚gi:p͜st], „du schiebst“ – [du: ‚ʃi:p͜st], „Obst“ – [ˀo:p͜st], „du bleibst“ – [du: ‚bla͜ep͜st]
  • „du erbst“ – [du: ‚ˀɛʁp͜st], „du salbst“ – [du: ’salp͜st], „selbst“ – [zɛlp͜st], „du stirbst“ – [du: ‚ʃtɪʀp͜st], „du: wirbst“ – [du: ‚vɪʀp͜st]

[p͜s] wird am Silbenende gesprochen, wenn „bbs“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [p͜s] am Silbenende„du robbst“ – [du: ‚ʀɔp͜st], „du schrubbst“ – [du: ‚ʃʀʊp͜st], „du mobbst“ – [du: ‚mɔp͜st]

[p͜s] wird an der Silbengrenze doppellautend gesprochen, wenn in zusammen­gesetzten Wörtern auf „bs“ folgend „ps“geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [p͜s] an der Silbengrenze doppellautend„Betriebspsychologe“ – [bə’tʀi:p͜sp͜syçolo:gə]

Artikulation des stimmlosen Verschluss-Reibelauts [t͜s]Beim Sprechen des stimmlosen Verschluss-Reibelauts [t͜s][53] gleitet die Artikulationsbewegung vom stimmlosen Zahn-Verschlusslaut [t] zum stimmlosen Zahn-Reibelaut [s].

[t͜s] wird gesprochen, wenn „Z“, „z“, „zz“ oder „tz“, „Ts“, “ts“ oder „tts“, „ths“, „ds“ oder „dts“, „t“, „C“ oder „c“ geschrieben wird.

[t͜s] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „Z“ oder „z“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

    • [t͜s] am betonten Silbenanfang„zehn“ – [t͜se:n], „ziehen“ – [‚t͜si:ən], „zaudern“ – [‚t͜sa͜odəʁn], „Zug“ – [t͜su:k] , „Zoo“ – [t͜so:]
    • „bezahlen“ – [bə’t͜sɑ:lən], „verzeihen“ – [fɛʁ’t͜sa͜eən], „Verzug“ – [fɛʁ’t͜su:k], „gezogen“ – [gə’t͜so:gən], „beziehen“ – [bə’t͜si:ən]
  • [t͜s] am unbetonten Silbenanfang„Brezel“ – [‚bʀe:t͜səl], „Kreuzung“ – [‚kʀɔ͜øt͜sᴜŋ], „duzen“ – [‚du:t͜sən], „Grazie“ – [‚gʀɑ:t͜sıə], „kürzen“ – [‚kγʀt͜sən]
  • „abzählen“ – [‚ˀapt͜sɛ:lən], „nachziehen“ [’nɑ:xt͜si:ən], „Umzug“ – [‚ˀʊmt͜su:k], „Anzug“ – [‚ˀant͜su:k], „Aufzug“ – [‚ˀa͜oft͜su:k]

[t͜s] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „tz“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [t͜s] am unbetonten Silbenanfang„Hitze“ – [‚hɪt͜sə], „Katze“ – [‚kat͜sə], „nutzen“ – [’nʊt͜sən], „Mütze“ – [‚mγt͜sə], „putzen“ – [‚pʊt͜sən]

[t͜s] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „Ts“ oder „ts“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

    • [t͜s] am betonten Silbenanfang„Tsatsiki“ – [t͜sa’t͜sɪki:]

 

 

  • [t͜s] am unbetonten Silbenanfang„Rätsel“ – [‚ʀɛ:t͜səl], „Tsunami“ – [t͜su’nɑ:mi], „Lotse“ – [‚lo:t͜sə], „gerätselt“ – [gə’ʀɛt͜səlt]

[t͜s] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „t“ geschrieben wird und „i“ folgt, zum Beispiel in:

    • [t͜s] am betonten Silbenanfang„Nation“ – [na’t͜sıo:n], „Situation“ – [zɪtua’t͜sıo:n], „Position“ – [pozɪ’t͜sıo:n], „Station“ – [ʃta’t͜sıo:n], „Funktion“ – [fʊŋk’t͜sıo:n]
  • [t͜s] am unbetonten Silbenanfang„inflationär“ – [‚ˀɪnflat͜sıo’nɛ:ʁ], „rational“ [ʀat͜sıo’nɑ:l], „institutionell“ – [ˀɪnstɪtut͜sıo’nɛl], „Tertia“ – [‚tɛʁt͜sıɑ], „Aktionär“ – [ˀakt͜sıo’nɛ:ʁ]

[t͜s] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „c“ vor hellem Vokal geschrieben wird, zum Beispiel in:

    • [t͜s] am betonten Silbenanfang„et cetera“ – [ɛt ‚t͜sɛtəʀɑ], „Celsius“ – [‚t͜sɛlzıᴜs], „Cent“ – [t͜sɛnt]
    • „Citrusfrucht“ – [‚t͜sɪtʀʊsfʀᴜxt], „circa“ – [‚t͜sɪʀkɑ], „Circus“ – [‚t͜sɪʁkʊs]
    • „Ceylon“ – [‚t͜sa͜elɔn]
  • [t͜s] am unbetonten Silbenanfang„Cis-Moll“ – [t͜sɪs’mɔl]
  • „Cellophan“ – [t͜sɛlo’fɑ:n]

[t͜s] wird am Silbenende gesprochen, wenn „z“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [t͜s] am Silbenende„Salz“ – [zalt͜s], „Glanz“ – [glant͜s], „Schmerz“ – [ʃmɛʀt͜s], „Reiz“ – [ʀa͜et͜s], „kurz“ – [kʊʀt͜s]
  • „er geizt“- [ˀe:ʁ ‚ga͜et͜st], „geduzt“ – [gə’du:t͜st]
  • „Arzt“ – [ˀaʀt͜st], „gesalzt“ – [gə’zalt͜st], „abgeholzt“ – [‚ˀapgəhɔlt͜st], „gekürzt“ – [gə’kγʀt͜st], „begrenzt“ – [bə’gʀɛnt͜st]

[t͜s] wird am Silbenende gesprochen, wenn „zz“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [t͜s] am Silbenende„Jazz“ – [jat͜s]
  • „sie jazzt“ – [zi: ‚jat͜st]

[t͜s] wird am Silbenende gesprochen, wenn „tz“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [t͜s] am Silbenende„Satz“ – [zat͜s], „Witz“ – [vɪt͜s], „spitz“ – [ʃpɪt͜s], „Klotz“ – [klɔt͜s], „Putz“ – [pʊt͜s]
  • „gehetzt“ – [gə’hɛt͜st], „verletzt“ – [fɛʁ’lɛt͜st], „er sitzt“ – [ˀe:ʁ ‚zɪt͜st], „es platzt“ – [ˀɛs ‚plat͜st], es blitzt“ – [ˀɛs ‚blɪt͜st]

[t͜s] wird am Silbenende gesprochen, wenn „ts“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [t͜s] am Silbenende„stets“ – [ʃte:t͜s], „nichts“ – [nɪçt͜s], „des Staats“ – [dɛs ‚ʃtɑ:t͜s], „andererseits“ – [‚andəʀəʁza͜et͜s], „rückwärts“ – [‚ʀγkvɛʁt͜s]
  • „Jets“ – [d͜ʒɛt͜s]
  • „er lotst“ – [ˀe:ʁ ‚lo:t͜st], „du rätst“ – [du: ‚ʀɛ:t͜st], „du erbatst“ – [du: ˀɛʁba:t͜st], „du zertratst“ – [du: t͜sɛʁ’tʀa:t͜st], „du berietst“ – [du: bə’ʀi:t͜st]
  • „du hältst“ – [du: ‚hɛlt͜st], „du giltst“ – [du: ‚gɪlt͜st], „du schaltst“ – [du: ‚ʃalt͜st], „du behältst“ – [du: bə’hɛlt͜st], „du galtst“ – [du: ‚galt͜st]

[t͜s] wird am Silbenende gesprochen, wenn „tts“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [t͜s] am Silbenende„des Betts“ – [dɛs ‚bɛt͜s], „des Schnitts“ – [dɛs ‚ʃnɪt͜s], „des Blatts“ – [dɛs ‚blat͜s], „des Schritts“ – [dɛs ‚ʃʀɪt͜s], „des Kabinetts“ – [dɛs kabɪ’nɛt͜s]
  • „du littst“ – [du: ‚lɪt͜st], „du glittst“ – [du: ‚glɪt͜st], „du rittst“ – [du: ‚ʀɪt͜st],
    „du strittst“ – [du: ‚ʃtʀɪt͜st], „du trittst“ – [du: ‚tʀɪt͜st]

[t͜s] wird am Silbenende gesprochen, wenn „ths“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [t͜s] am Silbenende„des Labyrinths“ – [dɛs labγ’ʀɪnt͜s], „des Absinths“ – [dɛs ˀa’p͜sɪnt͜s]

[t͜s] wird am Silbenende gesprochen, wenn „ds“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [t͜s] am Silbenende„des Lands“ – [dɛs ‚lant͜s], „des Kleids“ – [dɛs ‚kla͜et͜s], „des Pfads“ – [dɛs ‚p͜fɑ:t͜s] , „abends“ – [‚ˀɑ:bənt͜s],
    „nirgends“ – [’nɪʀgənt͜s],
  • „du lädst“ – [du: ‚lɛ:t͜st], „du beludst“ – [du: bə’lu:t͜st], „du miedst“ – [du: ‚mi:t͜st], „du schiedst aus“ – [du: ‚ʃi:t͜st a͜os]
  • „du standst“ – [du: ‚ʃtant͜st], „du fandst“ – [du: ‚fant͜st], „dringendst“ – [‚dʀɪŋənt͜st], „du gestandst“ – [du: gə’ʃtant͜st], „du bandst“ – [du: ‚bant͜st]

[t͜s] wird am Silbenende gesprochen, wenn „dts“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Humboldts“ – [‚hʊmbɔlt͜s], „Schmidts“ – [ʃmɪt͜s]

[t͜s] wird an der Silbengrenze gesprochen, wenn in nichtzusammengesetzten Wörtern „zz“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [t͜s] an der Silbengrenze„jazzen“ – [‚jat͜sən], „Pizza“ – [‚pɪt͜sa], „Razzia“ – [‚ʀat͜sıa], „Mozzarella“ – [mɔt͜sa’ʀɛla], „skizzieren“ – [skɪ’t͜si:ʀən]

[t͜s] wird an der Silbengrenze doppellautend gesprochen, wenn in zusammen­gesetzten Wörtern „zz“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [t͜s] an der Silbengrenze doppellautend„Holzzaun“ – [‚hɔlt͜st͜sa͜on], „Heizzentrale“ – [‚ha͜et͜st͜sɛntʀɑ:lə],
    „herzzerreißend“ – [‚hɛʁt͜st͜sɛʁʀa͜esənt],
    „Referenzzeit“ – [ʀɛfə’ʀɛnt͜st͜sa͜et], „Bilanzzahlen“ – [bɪ’lant͜st͜sɑ:lən]

[t͜s] wird an der Silbengrenze doppellautend gesprochen, wenn auf „tz“ folgend „z“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [t͜s] an der Silbengrenze doppellautend„Satzzeichen“ – [‚zat͜st͜sa͜eçən], „Putzzeug“ – [‚pʊt͜st͜sɔ͜øk], „Schutzzoll“ – [‚ʃʊt͜st͜sɔl], „Absatzzahl“ – [‚ˀapzat͜st͜sɑ:l], „Umsatzzuwachs“ – [ˀʊmzat͜s’t͜suvaks]

[t͜s] wird an der Silbengrenze doppellautend geschrieben, wenn auf „ts“ oder „tts“ folgend „z“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [t͜s] an der Silbengrenze doppellautend„Weisheitszahn“ – [‚va͜esha͜et͜st͜sɑ:n],
    „Arbeitszimmer“ – [‚aʀba͜et͜st͜sɪməʁ],
    „Ortszulage“ – [‚ˀɔʀt͜st͜sulɑ:gə], „Gesichtszüge“ – [gə’zɪçt͜st͜sy:gə],
    „Amtszeit“ – [‚ˀamt͜st͜sa͜et]
  • „Durchschnittszahl“ – [‚dʊʀçʃnɪt͜st͜sɑ:l]

[t͜s] wird an der Silbengrenze doppellautend gesprochen, wenn auf „ds“ folgend „z“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [t͜s] an der Silbengrenze doppellautend„Mordszorn“ – [‚mɔʀt͜st͜sɔʀn],
    „Verbandszeug“ – [fɛʁ’bant͜st͜sɔ͜øk],
    „Auslandszahlung“ – [‚ˀa͜oslant͜st͜sɑ:lʊŋ], „Stillstandszeit“ – [‚ʃtɪlʃtant͜st͜sa͜et], „Inlandszinsen“ – [‚ˀɪnlant͜st͜sɪnzən]

Artikulation des stimmlosen Verschluss-Reibelauts [t͜ʃ]Beim Sprechen des stimmlosen Verschluss-Reibelauts [t͜ʃ][54] gleitet die Artikulationsbewegung vom stimmlosen Zahn-Verschlusslaut [t] zum stimmlosen Gaumen-Reibelaut [ʃ].

Die Artikulationsbewegung ist die gleiche wie beim stimmhaften Verschluss-Reibelaut [d͜ʒ].

[t͜ʃ] wird gesprochen, wenn „Tsch“ oder „tsch“, „Ch“ oder „ch“, „C“, „c“ oder „cc“ geschrieben wird.

[t͜ʃ] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „Tsch“ oder „tsch“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [t͜ʃ] am betonten Silbenanfang„Tscheche“ – [‚t͜ʃɛçə] , „Tschad“ – [t͜ʃɑ:t], „Tschüss“ – [t͜ʃγs], „Tschako“ – [‚t͜ʃako], „Tscherkesse“ – [t͜ʃɛʀ’kɛsə]
  • „getschilpt“ – [gə’t͜ʃɪlpt]
  • [t͜ʃ] am unbetonten Silbenanfang„Dolmetscher“ – [‚dɔlmɛt͜ʃəʁ], „plätschern“ – [‚plɛt͜ʃəʁn], „rutschen“ – [‚ʀʊt͜ʃən], „Wirtschaft“ – [‚vɪʁt͜ʃaft],
    „Komantsche“ – [ko’mant͜ʃə]

[t͜ʃ] wird am Silbenanfang manchmal gesprochen, wenn „Ch“ oder „ch“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [t͜ʃ] am betonten Silbenanfang„Champion“ – [‚t͜ʃɛmpıən], „Chip“ – [t͜ʃɪp], „chatten“ – [‚t͜ʃɛtən], „Chairman“ – [‚t͜ʃɛ:ʁmən], „checken“ – [‚t͜ʃɛkən]
  • „gechattet“ – [gə’t͜ʃɛtət], „gechillt“ – [gə’t͜ʃɪlt], gecheckt“ – [gə’t͜ʃɛkt], „gechartert“ – [gə’t͜ʃaʁtəʁt]
  • [t͜ʃ] am unbetonten Silbenanfang„Couches“ – [‚ka͜ot͜ʃɪs], „Bachelor“ – [‚bæt͜ʃələʁ]
  • „abchillen“ – [‚ˀapt͜ʃɪlən]

[t͜ʃ] wird am Silbenanfang manchmal gesprochen, wenn „C“ oder „c“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

    • [t͜ʃ] am betonten Silbenanfang„Cello“ – [‚t͜ʃɛlo], „Cembalo“ – [‚t͜ʃɛmbalo]

 

  • [t͜ʃ] am unbetonten Silbenanfang„Cellist“ – [t͜ʃɛ’lɪst] , „Duce“ [‚du:t͜ʃə],
    „Dolce vita“ – [‚dɔlt͜ʃə ‚vi:tɑ]

[t͜ʃ] wird am Silbenende gesprochen, wenn „tsch“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [t͜ʃ] am Silbenende„deutsch“ – [dɔ͜øt͜ʃ], „Putsch“ – [pʊt͜ʃ], „Matsch“ – [mat͜ʃ], „Klatsch“ – [klat͜ʃ], „Tratsch“ – [tʀɑ:t͜ʃ]
  • „geputscht“ – [gə’pʊt͜ʃt], „verrutscht“ – [fɛʁ’ʀʊt͜ʃt], zermatscht“ – [t͜sɛʁ’mat͜ʃt], „gequetscht“ – [gə’k͜vɛt͜ʃt], „geplatscht“ – [gə’plat͜ʃt]
  • „es quietscht“ [ˀɛs ‚k͜vi:t͜ʃt], „er latscht“ – [ˀe:ʁ ‚lɑ:t͜ʃt], „sie tratscht“ – [zi: ‚tʀɑ:t͜ʃt], „es knutscht“ – [ˀɛs ‚knu:t͜ʃt], „eingedeutscht“ – [‚ˀa͜engədɔ͜øt͜ʃt]

[t͜ʃ] wird am Silbenende manchmal gesprochen, wenn „ch“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [t͜ʃ] am Silbenende„Couch“ – [ka͜ot͜ʃ], „Touchscreen“ – [‚tat͜ʃskʀi:n]

[t͜ʃ] wird an der Silbengrenze manchmal gesprochen, wenn „cc“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [t͜ʃ] an der Silbengrenze„Cappuccino“ – [kapʊ’t͜ʃi:no]

 

Artikulation des stimmhaften Verschluss-Reibelauts [d͜ʒ]Beim Sprechen des stimmhaften Verschluss-Reibelauts [d͜ʒ][55] gleitet die Artikulations­bewegung vom stimmhaften Zahn-Verschluss­laut [d] zum stimmhaften Gaumen-Reibe­laut [ʒ].

Die Artikulationsbewegung ist die gleiche wie beim stimmlosen Verschluss-Reibelaut [t͜ʃ].

[d͜ʒ] wird gesprochen, wenn „Dsch“, „dg“, „G“ oder „g“, „gg“, „J“ oder „j“ geschrieben wird.

[d͜ʒ] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „Dsch“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

    • [d͜ʒ] am betonten Silbenanfang„Dschungel“ – [‚d͜ʒʊŋəl], „Dschingis Khan“ – [‚d͜ʒɪŋgɪs kɑ:n], „Dschunke“ – [‚d͜ʒʊŋkə]

 

  • [d͜ʒ] am unbetonten Silbenanfang„Dschihad“ – [d͜ʒɪ’hɑ:t], „Dschibuti“ – [d͜ʒɪ’bu:ti]

[d͜ʒ] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „dg“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

    • [d͜ʒ] am betonten Silbenanfang„Budget“ – [bγ’d͜ʒe:]

 

 

  • [d͜ʒ] am unbetonten Silbenanfang„Pidgin“ – [‚pɪd͜ʒɪn]

 

 

[d͜ʒ] wird am Silbenanfang manchmal gesprochen, wenn „G“ oder „g“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

    • [d͜ʒ] am betonten Silbenanfang„Gin“ – [d͜ʒɪn], „Gentleman“ – [‚d͜ʒɛntəlmən]

 

 

  • [d͜ʒ] am unbetonten Silbenanfang„Adagio“ – [a’dɑ:d͜ʒo], „Roger“ – [‚ʀɔd͜ʒəʁ]

 

[d͜ʒ] wird am Silbenanfang manchmal gesprochen, wenn „gg“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [d͜ʒ] am unbetonten Silbenanfang„Loggia“ – [‚lɔd͜ʒɑ]

 

 

[d͜ʒ] wird am Silbenanfang manchmal gesprochen, wenn „J“ oder „j“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [d͜ʒ] am betonten Silbenanfang„Job“ – [d͜ʒɔp], „Jeans“ – [d͜ʒi:ns], „joggen“ – [‚d͜ʒɔgən], „Jeep“ – [d͜ʒi:p], „Jazz“ – [d͜ʒɛs]
  • „gejobbt“ – [gə’d͜ʒɔpt]

Artikulation des stimmlosen Verschluss-Reibelauts [k͜s]Beim Sprechen des stimmlosen Verschluss-Reibelauts [k͜s] geht die Artikula­tionsbewegung vom stimmlosen Hintergaumen-Verschlusslaut [k] zum stimmlosen Zahn-Reibelaut [s].

[k͜s] wird gesprochen, wenn „X“ oder „x“, „ks“ oder „cks“, „chs“ oder „cs“, „gs“ oder „ggs“ geschrieben wird.

[k͜s] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „X“ oder „x“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

    • [k͜s] am betonten Silbenanfang„Xylofon“ – [‚k͜sγlofo:n], „Xaver“ – [‚k͜sɑ:vəʁ], „Xanten“ – [‚k͜santən], „Xenia“ – [‚k͜se:nıa]

 

  • [k͜s] am unbetonten Silbenanfang„Taxi“ – [‚tak͜si], „boxen“ – [‚bɔk͜sən], „Praxis“ – [‚pʀak͜sɪs], „Saxofon“ – [zak͜so’fo:n], „Lexikon“ – [‚lɛk͜sɪkɔn]

[k͜s] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „k“ vor „s“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [k͜s] am unbetonten Silbenanfang„piksen“ – [‚pi:k͜sən], „Ekstase“ – [ˀɛk͜s’ta:zə], „koksen“ – [‚ko:k͜sən], „Kekse“ – [‚ke:k͜sə], „schlaksig“ – [‚ʃlak͜sɪç]

[k͜s] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn in nichtzusammengesetzten Wörtern „ck“ vor „s“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [k͜s] am unbetonten Silbenanfang„Kleckse“ – [‚klɛk͜sə], „knicksen“ – [‚knɪk͜sən], „glucksen“ – [‚glʊk͜sən], „Knackse“ – [‚knak͜sə], „häckseln“ – [‚hɛk͜səln]

[k͜s] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn auf „ch“ folgend „s“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [k͜s] am unbetonten Silbenanfang„Ochse“ – [‚ɔk͜sə], „Büchse“ – [‚bγk͜sə], „Achse“ – [‚ak͜sə], „wechseln“ – [‚vɛk͜səln], „Luchse“ – [‚lʊk͜sə]

[k͜s] wird am Silbenende gesprochen, wenn „x“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [k͜s] am Silbenende„orthodox“ – [ɔʀto’dɔk͜s], „Sphinx“ – [sfɪŋk͜s] , „Sex“ – [sɛk͜s], „Index“ – [‚ɪndɛk͜s], „konvex“ – [kɔn’vɛk͜s]
  • „Text“ – [tɛkst], „verhext“ – [fɛʁ’hɛk͜st], „geboxt“ – [gə’bɔk͜st], „gemixt“ – [gə’mɪk͜st], „Axt“ – [‚ˀak͜st]

[k͜s] wird am Silbenende gesprochen, wenn auf „k“ folgend s“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [k͜s] am Silbenende„Keks“ – [ke:k͜s], „des Parks“ – [dɛs ‚paʀks] , „des Anoraks“ – [dɛs ‚ˀanoʀak͜s], „links“ – [lɪŋks], „des Streiks“ – [dɛs ‚ʃtʀa͜ek͜s]
  • „du streikst“ – [du: ‚ʃtʀa͜ek͜st], „du kokst“ – [du: ‚ko:k͜st], „du spukst“ – [du: ‚ʃpu:k͜st], „du hakst ein“ – [du: ‚hɑ:k͜st a͜en], „du: blökst“ – [du: ‚bløk͜st]
  • „du merkst“ – [du: ‚mɛʀk͜st], „du dankst“ – [du: ‚daŋk͜st], „du trinkst“ – [du: ‚tʀɪŋk͜st], „du erstarkst“ – [du: ˀɛʁ’ʃtaʀk͜st], „du denkst“ – [du: ‚dɛŋk͜st]

[k͜s] wird am Silbenende gesprochen, „wenn auf „ck“ folgend s“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [k͜s] am Silbenende„Klecks“ – [klɛk͜s], „zwecks“ – [t͜svɛk͜s], „Tricks“ – [tʀɪk͜s], „hinterrücks“ – [‚hɪntəʁʀγk͜s], „des Stocks“ – [dɛs ‚ʃtɔk͜s]
  • „du druckst“ – [du: ‚dʀʊk͜st], „du backst“ – [du: ‚bak͜st] , „du hackst“ – [du: ‚hak͜st], „du packst“ – [du: ‚pak͜st], „du bezweckst“ – [du: bə’t͜svɛk͜st]

[k͜s] wird am Silbenende gesprochen, wenn „chs“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [k͜s] am Silbenende„sechs“ – [zɛk͜s], „er wuchs“ – [ˀe:ʁ ‚vʊk͜s], „Dachs“ – [dak͜s], „Wachs“ – [vak͜s], „Gewächs“ – [gə’vɛk͜s]
  • „er wächst“ – [ˀe:ʁ ‚vɛk͜st], „sie wachst“ – [zi: ‚vak͜st], „ihr flachst“ [ˀi:ʁ ‚flak͜st],
    „ihr wuchst auf“ – [ˀi:ʁ vʊk͜st ‚ˀa͜of], „gewichst“ – [gə’vɪk͜st]

[k͜s] wird am Silbenende gesprochen, wenn „c“ vor „s“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

    • [k͜s] am Silbenende„Comics“ – [‚kɔmɪk͜s]

 

[k͜s] wird am Silbenende gesprochen, wenn „g“ vor „s“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [k͜s] am Silbenende„des Anstiegs“ – [dɛs ‚anʃti:k͜s], „montags“ – [‚mo:ntɑ:k͜s] , „des Tags“ – [dɛs ‚tɑ:k͜s], „des Krugs“ – [dɛs ‚kʀu:k͜s],
    „flugs“ – [flʊk͜s]
  • „du fliegst“ – [du: ‚fli:k͜st], „du legst“ – [du: ‚le:k͜st], „du bogst“ – [du: ‚bo:k͜st], „du fragst“ – [du: ‚fʀɑ:k͜st], „du steigst“ – [du: ‚ʃta͜ek͜st]
  • „du bürgst“ – [du: ‚bγʀk͜st], „du sorgst“ – [du: ‚zɔʀk͜st], „du würgst“ – [du: ‚vγʀk͜st], „du verbirgst“ – [du: fɛʁ’bɪʀk͜st], „du folgst“ – [du: ‚fɔlk͜st]

[k͜s] wird am Silbenende gesprochen, wenn „gg“ vor „s“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [k͜s] am Silbenende„du eggst“ – [du: ‚ˀɛk͜st], „du loggst ein“ – [du: lɔk͜st ‚ˀa͜en], „du flaggst“ – [du: ‚flak͜st], „du joggst“ – [du: ‚d͜ʒɔk͜st],
    „du taggst“ – [du: ‚tæk͜st]

Artikulation des stimmhaften Verschluss-Reibelauts [k͜v]Beim Sprechen des stimmhaften Verschluss-Reibelauts [k͜v] geht die Artikula­tionsbewegung vom stimmlosen Hintergaumen-Verschlusslaut [k] zum stimmhaften Lippenzahn-Reibelaut [v].

[k͜v] wird gesprochen, wenn „Qu“, „qu“ oder „kqu“geschrieben wird.

[k͜v] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „Qu“ oder „qu“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

    • [k͜v] am betonten Silbenanfang„Quark“ – [k͜vaʀk], „Quelle“ – [‚k͜vɛlə], „quälen“ – [‚k͜vɛ:lən], „Quittung“ – [‚k͜vɪtᴜŋ], „quer“ [k͜ve:ʁ]
    • „gequakt“ – [gə’k͜vɑ:kt], „bequem“ – [bə’k͜ve:m], „verqualmt“ – [fɛʁ’k͜valmt], „erquickend“ – [ˀɛʁ’k͜vɪkənt], „zerquetschen“ – [t͜sɛʁ’k͜vɛt͜ʃən]
  • [k͜v] am unbetonten Silbenanfang„Requisit“ – [ʀek͜vɪ’zi:t], „Requiem“ – [‚ʀe:k͜viɛm], „äquivalent“ – [ˀɛk͜vɪva’lɛnt], „Quadrat“ – [k͜vɑ’dʀɑ:t], „Inquisitor“ – [ˀɪnk͜vi’zi:to:ʁ]
    • Aber nicht in „Quarantäne“ – [kaʀan’tɛ:nə], „Quartier Latin“ – [kɑrtıe: ‚latɛ̃],
      „Claqueur“ – [kla’kø:ʁ], „Enquete“ – [õ’kɛt], „Clique“ – [‚klɪkə]
  • „hineinquetschen“ – [hi’na͜enk͜vɛt͜ʃən], „abqualifizieren“ – [‚ˀapk͜valɪfɪt͜si:ʀən], „umquartieren“ – [‚ˀʊmk͜vaʁti:ʀən], „aufquellen“ – [‚ˀa͜ofk͜vɛlən], „exquisit“ – [‚ˀɛk͜sk͜vi’zi:t],

[k͜v] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „kqu“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [k͜v] am unbetonten Silbenanfang„Akquisition“ – [ˀak͜vizɪ’t͜sıo:n], „akquirieren“ – [ˀak͜vi’ʀi:ʀən]

Quellen

  • Duden. Die Grammatik
  • Duden. Das Fremdwörterbuch
  • Duden. Das Aussprachewörterbuch
  • Heinz Fiukowski. Sprecherzieherisches Elementarbuch
  • Ingeborg Geißner-von Nida. Mimeo
  • Carl Martens, Peter Martens. Phonetik der deutschen Sprache
  • Heinrich Oberländer. Übungen zum Erlernen einer dialektfreien Aussprache
  • Hans Joachim Störig. Das große Wörterbuch der deutschen Sprache
  • Hans-Heinrich Wängler. Atlas deutscher Sprachlaute
  • Christian Winkler. Lautreines Deutsch
  • www.klangsignale.com
  • www.wikipedia.org
  • www.wiktionary.org
  • www.wordmine.info

Anmerkungen

[1] Konsonant = Mitlaut = Obstruent = Geräuschkonsonant = Geräuschlaut
2] Mit dem Ausatmungsluftstrom erzeugt = pulmonal-egressiv
[3] Lautbildung = Artikulationsart = Artikulationsmodus
[4] Fließlaut = Liquid = Schmelzlaut
[5] Nasenlaut = Nasal
[6] Reibelaut = Frikativ = Engelaut = Konstriktiv = Spirans = Spirant
[7] Zischlaut = Sibilant
[8] Verschlusslaut = Plosiv = Sprenglaut = Momentanlaut = Klusil = Okklusiv = Explosiv = Muta
[9] Verschluss-Reibelaut = Affrikate
[10] Siehe Essay „Akzentfrei artikulieren“
[11] Mit den Lippen gebildet = labial = bilabial
[12] Mit den Schneidezähnen gebildet = dental = apikodental
[13] Mit Lippen und Schneidezähnen gebildet = labiodental
[14] Mit der Zungenspitze am harten Gaumen gebildet = alveolar = apikoalveolar
[15] Mit den Seiten des Zungenrückens am Vordergaumen gebildet = palatal = dorsopalatal
[16] Mit dem Zungenrücken am weichen Gaumen gebildet = velar = dorsovelar
[17] Mit dem Zäpfchen gebildet = uvular = dorsouvular
[18] Mit den Stimmlippen gebildet = glottal = laryngal
[19] Starke Konsonanten = Fortes
[20] Schwache Konsonanten = Lenes
[21] Koartikulation = Lautsteuerung
[22] Fließlaut = Liquid = Liquida = Schmelzlaut
[23] Seitlicher Fließlaut = Seitenlaut  = Lateral = Laterallaut = alveolarer Zahndammlaut = alveolarer Lateral = alveolarer Approximant
[24] An den oberen Schneidezähnen = an den Alveolen
[25] Zäpfchen-Fließlaut = Zäpfchen-Schwinglaut = Schwinglaut = uvularer Vibrant = Vibrant = Zäpfchen-Zitterlaut = geschlagener Zäpfchenlaut = gerollter Laut = mehrschlägiger Laut = Flatterlaut
[26] Folgt der stimmhafte schwache Zäpfchen-Fließlaut in unbetonter Silbe einem schwachtonigen E-Laut [ə], können beide Laute zum fast offenen Zentralvokal [ɐ] verschmelzen.
[27] Zungenspitzen-Fließlaut = Zungenspitzen-Schwinglaut = gerollter mehrschlägiger Laut = Zitterlaut = Zahndammlaut = Zahn-Schwinglaut = geschlagener Zahnlaut = Vibrant = alveolarer Vibrant = alveolar-apikoalveolarer Vibrant
[28] Nasenlaut = Nasal = Nasalkonsonant
[29] Lippen-Nasenlaut = Labionasal = bilabialer Nasenlaut
[30] Zahn-Nasenlaut = alveolarer Nasal = alveolarer Zahndammlaut = koronal-dental-alveolarer Nasal
[31] Hintergaumen-Nasenlaut = velarer Gaumenlaut = guttural-palataler Zungenrückenlaut = dorsaler Nasal
[32] Reibelaut = Frikativ = Engelaut = Spirant = Konstriktiv
[33] Lippenzahn-Reibelaut = labiodentaler Frikativ = Lippenzahnlaut
[34] Hintergaumen-Reibelaut = velarer Gaumenlaut = guttural-palataler Gaumensegellaut = dorsaler Hintergaumenlaut = Ach-Laut = Zungenrückenlaut
[35] Dunkle Vokale: [u], [ʊ], [o], [ɔ], [a͜o]
[36] Stimmlippen-Reibelaut = Hauchlaut = Kehlkopflaut = glottaler Stimmritzenlaut = Glottal
[37] Durch die Stimmlippen gebildeter Spalt = Stimmritze = Glottis
[38] Zischlaut = Sibilant = sulkalisierter Reibelaut
[39] Zahn-Zischlaut = Zahn-Reibelaut = alveolarer Frikativ = koronal-dental-alveolarer Laut = Zahnlaut = dentaler Reibelaut
[40] Gaumen-Zischlaut = Zahndammlaut = palatoalveolarer Reibelaut = alveolarer Laut = koronal-alveolarer Laut
[41] Vordergaumen-Zischlaut = Vordergaumen-Reibelaut = palataler Gaumenlaut = guttural-palataler Laut
[42] Verschlusslaut = Sprenglaut = Momentanlaut = Klusil = Okklusiv = Explosiv = Plosiv = Muta
[43] Stimmloser Verschlusslaut = Tenuis (Plural: Tenues)
[44] Stimmhafter Verschlusslaut = Media (Plural: Mediä)
[45] Behaucht = aspiriert
[46] Behauchung = Aspiration
[47] Lippen-Verschlusslaut = bilabialer Laut = Lippenlaut
[48] Zahn-Verschlusslaut = alveolarer Zahndammlaut = koronal-dental-alveolarer Klusil = alveolarer Plosiv
[49] Hintergaumen-Verschlusslaut = dorsaler Gaumenlaut = guttural-palataler Gaumensegellaut = Hintergaumenlaut = velarer Zungenrückenlaut
[50] Verschluss-Reibelaut = Affrikate = angeriebener Laut
[51] Verschluss-Reibelaut mit gleicher Artikulationsstelle = homorgane Affrikate
[52] Verschluss-Reibelaut mit unterschiedlichen Artikulationsstellen = nicht-homorgane Affrikate
[53] Verschluss-Reibelaut [t] = koronal-dental-alveolare Affrikate
[54] Verschluss-Reibelaut [t͜ʃ] = apiko-alveolare Affrikate
[55] Verschluss-Reibelaut [d͜ʒ] = apiko-alveolare Affrikate

Akzentfrei Vokale artikulieren

Standard

Die Aussprache der Selbstlaute im Deutschen

Beim Sprechen der Vokale[1] bleibt die Artikulationsstellung konstant und die Ausatmungsluft strömt ununterbrochen durch den Mund, während die Stimmlippen gleichbleibend schwingen. In der deutschen Aussprache[2] der Vokale ist das Gaumensegel stets gehoben.

LangVokale werden im Deutschen entweder in lang oder kurz gesprochen. Lange Vokale werden in der Lautschrift[3] mit einem Doppelpunkt – [:] – gekennzeichnet, kurze Vokale ohne zusätzliche Notation, zum Beispiel:

  • Kurz[y:] in „Hüte“ – [‘hy:tə]
  • [γ] in „Hütte“ – [‘hγtə]
Die Stellung des Zungenrückens im Mundraum bestimmt, ob Vokale heller klingen oder dunkler.[4]

DunkelJe weiter hinten sich der Zungenrücken beim Sprechen wölbt, desto dunkler klingt ein Vokal. Die deutschen dunklen Vokale sind die Hinterzungenvokale:

  • Die U-Laute [u] und [ʊ], beide als Buchstabe geschrieben „U“ oder „u“
  • Die O-Laute [o] und [ɔ], beide als Buchstabe geschrieben „O“ oder „o“
  • Der Diphthong[43] [a͜o], als Buchstaben geschrieben „Au“ oder „au“
Wird in deutschen Wörtern auf einen hinteren, dunklen Vokal oder auf einen A-Laut folgend „ch“[5] geschrieben, wird der Laut [x][6] gesprochen.

HellJe weiter vorn sich der Zungenrücken beim Sprechen wölbt, desto heller klingt ein Vokal. Die deutschen hellen Vokale sind die Vorderzungenvokale:

  • Die E-Laute [e] und [ε], beide als Buchstabe geschrieben „E“ oder „e“und „Ä“ oder „ä“
  • Die I-Laute [i], [ɪ] und [ı], alle drei als Buchstabe geschrieben „I“ oder „i“
  • Die Ö-Laute [ø] und [œ], beide als Buchstabe geschrieben „Ö“ oder „ö“
  • Die Ü-Laute [y] und [γ], beide als Buchstabe geschrieben „Ü“ oder „ü“
  • Der Diphthong [a͜e], als Buchstaben geschrieben „Ei“ oder „ei“ und „ay“, „ai“ oder „ey“
  • Der Diphthong [ɔ͜ø], als Buchstaben geschrieben „Eu“ oder „eu“
Wird in deutschen Wörtern auf einen vorderen, hellen Vokal folgend „ch“ geschrieben, wird der Laut [ç][7] gesprochen.

Beim Sprechen der deutschen Zentralvokale wölbt sich der Zungenrücken in der Mitte des Mundraums. Sie klingen nicht eindeutig dunkel oder hell.

  • Die A-Laute [ɑ] und [a], beide als Buchstabe geschrieben „A“ oder „a“
  • Der E-Laut [ə], als Buchstabe geschrieben „e“

Die Stärke der Wölbung des Zungenrückens bestimmt, wie offen oder geschlossen ein Vokal klingt:

  • GeschlossenJe höher sich beim Sprechen der Zungenrücken wölbt und dabei den Raum zum Gaumen einengt, desto geschlossener klingt ein Vokal. Die geschlossenen Vokale werden im Deutschen fast immer lang gesprochen: [u:], [o:], [e:], [ø:], [i:], [y:] und [ɑ:].
  • OffenJe flacher sich beim Sprechen der Zungenrücken wölbt und dabei mehr Raum zum Gaumen lässt, desto offener klingt ein Vokal. Außer dem ungerundeten halboffenen E-Laut – [ɛ] – werden alle offenen Vokale im Deutschen nur kurz gesprochen: [ʊ], [ɔ], [œ], [ɪ], [ı], [γ] und [a].
  • Beim zentralen schwachtonigen E-Laut – [ə] – nimmt der Zungenrücken eine mittlere Wölbung ein. Auch er wird nur kurz gesprochen.
Mit der Wölbung des Zungenrückens korrespondiert die Spannung der Lippen. Bei geschlossenen Vokalen sind die Lippen intensiver gespannt als bei offenen Vokalen.

GerundetVokale, die im Deutschen mit eher gerundeten oder gestülpten Lippen[8] gesprochen werden[9]:

  • Die O-Laute [o] und [ɔ]
  • Die U-Laute [u] und [ʊ]
  • Die Ö-Laute [ø] und [œ]
  • Die Ü-Laute [y] und [γ]

GespreiztVokale, die im Deutschen mit eher gespreizten oder gespannten Lippen[10] gesprochen werden[11]:

  • Die I-Laute [i], [ɪ] und [ı]
  • Die E-Laute [e] und [ε]

EntspanntVokale, die im Deutschen mit weder gerundeten oder gestülpten noch mit markant gespreizten oder gespannten, sondern eher gelösten Lippen gesprochen werden:

  • Die A-Laute [ɑ] und [a]
  • Der E-Laut [ə]

VokalviereckEtwas vereinfacht illustriert das Vokalviereck[12] die Artikulationsstellen für das Sprechen der Vokale im Mundraum:

  • Links die Hinterzungenvokale
  • Rechts die Vorderzungenvokale
  • Dazwischen die Zentralvokale

Das Vokalviereck markiert die höchste Stellung der Zunge bei der Aussprache der Vokale.

Zum Sprechen der Vokale bewegen sich Zungenrücken und Lippen gegenläufig:

  • Wenn die Lippen sich runden oder stülpen, hebt sich der hintere Zungenrücken.
  • Wenn die Lippen sich spreizen oder anspannen, hebt sich der vordere Zungenrücken.

Vokalneueinsatz

Beim Sprechen der deutschen Sprache werden die Vokale grundsätzlich an den vorangehenden Laut, ob Vokal oder Konsonant, angebunden, auch zwischen Wörtern. Wird der Vokal von dem vorangehenden Laut getrennt gesprochen, wird er neu eingesetzt und mit vorausgehendem Verschluss der Stimmlippen gebildet, wobei ein Knacklaut[13] – [ˀ][14] – entsteht.

[ˀ] wird vor Vokal am Beginn einer Sprechsilbe[15], die mit einem Vokal beginnt, gesprochen, zum Beispiel in:

  • „Anfang“ – [‘ˀanfaŋ], „Ende“ – [‘ˀεndə], „immer“ – [‘ˀɪməʁ], „unter“ – [‘ˀʊntəʁ], „öde“ – [‘ˀødə]

[ˀ] wird in zusammengesetzten Wörtern – in Komposita – gesprochen, wenn der nachfolgende Wortteil mit einem Vokal beginnt, zum Beispiel in:

  • „Kuheuter“ – [‘ku:ˀɔ͜øtəʁ], „Hauseingang“ – [‘ha͜osˀa͜engaŋ],
    „Badeöl“ – [‘bɑ:dəˀø:l], „Betriebsurlaub“ – [bə‘tʀi: p͜sˀu:ʁla͜op],
    „Hofecke“ – [‘ho:fˀɛkə]

    • Also nicht in „Eidechse“ – [‘ˀa͜edɛk͜sə], weil die Sprechsilbe nicht mit einem Vokal beginnt.

[ˀ] wird gesprochen, wenn der Vokal auf eine Vorsilbe[16] folgt, zum Beispiel in:

  • „verändern“ – [fɛʁ‘ˀɛndəʁn], „beantworten“ – [bə‘ˀantvɔʀtən],
    „anordnen“ – [‘ˀanˀɔʀtnən], „Übereinkunft“ [ˀy:bəʁ‘ˀa͜enkʊnft], „zuerst“ – [t͜sʊ‘ˀe:ʁst], „ausarbeiten“ – [‘ˀa͜osˀaʀba͜etən]

    • Aber nicht nach den Vorsilben „vor“, „hin“ und „her“ wie „vorüber“ – [fɔ‘ʀy:bəʁ], „hinauf“ – [hɪ‘na͜of], „herab“ – [hɛ‘ʀap], „voraus“ – [fɔ‘ʀa͜os]

[ˀ] wird nicht in Nachsilben[17] nach nichtsilbischem I-Laut gesprochen, zum Beispiel nicht in:

  • „seriös“ – [zɛ‘ʀıø:s], „Celsius“ – [‘t͜sɛlzıʊs], „terziär“ – [tɛʁ‘t͜sıɛ:ʁ], „junior“ – [‘ju:nıɔʁ], „Station“ – [ʃtɑ‘t͜sıo:n]

[ˀ] wird nicht in Nachsilben mit „um“ gesprochen, zum Beispiel nicht in:

  • „Museum“ – [mu‘ze:ʊm], „Petroleum“ – [pɛ‘tʀo:leʊm], „Linoleum“ – [li‘noleʊm], „Mausoleum“ – [ma͜ozo‘leʊm], „Lyzeum“ – [ly‘t͜seʊm]

[ˀ] wird nicht in Nachsilben mit „e“ – für [ə] – gesprochen, zum Beispiel nicht in:

  • „Ehe“ – [‘e:ə], „Ruhe“ – [‘ʀu:ə], „Aue“ – [‘a͜oə], „Laie“ – [‘la͜eə], „Schuhe“ – [‘ʃu:ə]
  • „euer“ – [‘ɔ͜øəʁ], „Mauer“ – [‘ma͜oəʁ], „sauer“ – [‘za͜oəʁ], „teuer“ – [‘tɔ͜øəʁ], „Trauer“ – [‘tʀa͜oəʁ]

Rechtlautung

Was für das Schreiben mit Buchstaben die Rechtschreibung[18] ist, ist für das Sprechen der Laute die Rechtlautung[19]. Sie beschreibt die übliche einheitliche und deutliche Aussprache der Wörter in einer Sprache und regelt, wie Vokale in Wörtern gesprochen werden: mit der Dauer der Aussprache in Verbindung mit Betonung, Analoglänge und Schreibung. Wer die Schreibweise eines Wortes kennt, kann daraus die akzentfreie Aussprache des Wortes erschließen.

In der deutschen Sprache werden die geschlossenen Vokale meist lang gesprochen, die offenen Vokale kurz.

BetonungDie Dauer der Aussprache eines Vokals lässt sich an seiner Betonung erkennen. Ein Vokal wird lang gesprochen:

  • Als Träger einer betonten Silbe, zum Beispiel der I-Laut in „Igel“ – [‘ˀi:gəl]
  • Am Ende einer betonten Silbe, zum Beispiel der U-Laut in „Bude“ – [‘bu:də]

Ein Vokal wird kurz gesprochen:

  • In betonter Vorsilbe[20], zum Beispiel der A-Laut in „abfüllen“ – [‘ˀapfγlən]
  • In unbetonter Vorsilbe, zum Beispiel der E-Laut in „Gemüse“ – [gə‘my:ze]
  • In unbetonter Nachsilbe[21], zum Beispiel der E-Laut in „Sage“ – [‘zɑ:gə]]

AnaloglängeIn abgeleiteten[22] Wortformen richtet sich die Dauer der Aussprache eines Vokals nach der Grundform des Verbs[23] beziehungsweise nach dem entsprechenden Substantiv[24] im Plural[25].

Ein Vokal wird lang gesprochen:

  • In einer Verbform, wenn seine Entsprechung im Infinitiv lang gesprochen wird, zum Beispiel der A-Laut in „er lag“ – [ˀe:ʁ ‘lɑ:k] analog zu „liegen“ – [‘li:gən]
  • Im Singular eines Wortes, wenn seine Entsprechung im Plural am Ende einer betonten Silbe steht, zum Beispiel der Ä-Laut in „Gerät“ – [gə‘ʀɛ:t] analog zu „Geräte“ – [gə‘ʀɛ:tə]
  • In einer abgeleiteten Wortform, wenn seine Entsprechung im Ausgangssubstantiv lang gesprochen wird, zum Beispiel der Ü-Laut in „gemütlich“ – [gə‘my:tlɪç] analog zu „Gemüt“ – [gə‘my:t]
  • In einer abgeleiteten Wortform, wenn im Ausgangswort die Entsprechung des Umlauts lang gesprochen wird, zum Beispiel der Ö-Umlaut in „löslich“ – [‘lø:slɪç] analog zu „los“ – [lo:s]

SchreibungDie Dauer der Aussprache eines Vokals lässt sich an der Schreibung eines Wortes erkennen. Ein Vokal wird lang gesprochen:

  • Wenn der Vokal doppelt geschrieben wird, zum Beispiel der A-Laut in
    „Saal“ – [zɑ:l]
  • Wenn auf den Vokal folgend ein Dehnungsbuchstabe geschrieben wird, zum Beispiel der O-Laut in „Lohn“ – [lo:n] oder der I-Laut in „Sieg“ – [zi:k]
  • Wenn auf den Vokal folgend „ß“ – für [s] – geschrieben wird, zum Beispiel der
    U-Laut in „Ruß“ –[ʀu:s]
  • Wenn auf den betonten Vokal folgend „z“ – für [t͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel der U-Laut in „duzen“ – [‘du:t͜sən]
  • Wenn auf den Vokal folgend „r“ – für [ʁ] – geschrieben wird, zum Beispiel in
    „Wert“ – [ve:ʁt]
Nur in wenigen Wörtern finden sich Ausnahmen von den Regeln.

Ein Vokal wird kurz gesprochen:

  • Wenn auf ihn folgend mehr als nur ein Konsonant geschrieben wird, zum Beispiel der E-Laut in „Geld“ – [gɛlt]
  • Wenn auf ihn folgend ein Doppelkonsonant oder „ck“ geschrieben wird,
    zum Beispiel der O-Laut in „kommen“ – [‘kɔmən] oder der U-Laut in „zucken“ – [‘t͜sʊkən]
  • Wenn auf ihn folgend „st“ – für [st] – geschrieben wird, zum Beispiel der I-Laut in „List“ – [lɪst]
  • Wenn auf ihn folgend „ng“ – für [ŋ] – geschrieben wird, zum Beispiel der O-Laut in „Gong“ – [gɔŋ]
  • Wenn auf ihn folgend „ch“ – für [ç] – geschrieben wird, zum Beispiel der I-Laut in „mich“ – [mɪç]
  • Wenn auf ihn folgend „ch“ – für [x] – geschrieben wird, zum Beispiel der O-Laut in „doch – [dɔx]
  • Wenn auf ihn folgend „sch“ – für [ʃ] – geschrieben wird, zum Beispiel der A-Laut in „rasch“ – [ʀaʃ]
  • Wenn auf ihn folgend „tz“ – für [t͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel der A-Laut in „Katze“ – [‘kat͜sə]
  • Wenn auf ihn folgend „pf“ – für [p͜f] – geschrieben wird, zum Beispiel der A-Laut in „tapfer“ – [‘tap͜fəʁ]
  • Wenn auf ihn folgend „chs“ – für [k͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel der A-Laut in „wachsen“ – [‘vak͜sən]
  • Wenn auf ihn folgend „x“– für [k͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel der E-Laut in „Hexe“ – [‘hɛk͜sə]
  • Wenn in Fremdwörtern auf den unbetonten Vokal folgend „z“ für [t͜s] geschrieben wird, zum Beispiel der U-Laut in „reduzieren“ – [ʀedu‘t͜si:ʀən]
Die deutsche Rechtlautung regelt keineswegs eindeutig die Aussprache der Vokale in jeder Lautumgebung und manchmal lassen sich mehrere Regeln anwenden. Doch sie gibt eine praktikable Orientierung für die akzentfreie Aussprache der deutschen Sprache.

Hinterzungenvokale

Hinterzungenvokale werden hinten im Mundraum gebildet und klingen dunkel – im Deutschen die U-Laute [u] und [ʊ], die O-Laute [o] und [ɔ] sowie der Au-Laut [a͜o]. Hinterzungenvokale werden mit gestülpten Lippen gesprochen.

Geschlossener U-LautBeim Sprechen des geschlossenen U-Lauts [u][26] stülpen sich die Lippen bei minimal gesenktem Unterkiefer sehr stark nach vorn und bilden eine kleine runde Öffnung für den Ausatmungsluftstrom. Der Mund öffnet sich sehr wenig. Die Zungenspitze berührt leicht die unteren Schneidezähne. Der hintere Zungenrücken wölbt sich stark nach oben, etwas stärker als beim offenen U-Laut [ʊ]. Das Gaumensegel ist gehoben und die Stimmlippen schwingen.

Der geschlossene U-Laut wird in vielen betonten Silben lang gesprochen – [u:] – und in wenigen unbetonten Silben kurz – [u].

Betonung[u] wird lang gesprochen, wenn der Vokal allein Träger einer betonten Silbe ist, zum Beispiel in:

  • „Uhu“ – [‘ˀu:hu:], „Ufer“ – [‘ˀu:fəʁ], „Udo“ [‘ˀu:do:], „U-Bahn“ – [‘ˀu:bɑ:n], „Ute“ – [‘ˀu:tə]

[u] wird am Ende einer betonten Silbe lang gesprochen, zum Beispiel in:

  • „Lupe“ – [‘lu:pə], „Kugel“ – [‘ku:gəl], „rufen“ – [‘ʀu:fən], „Jugend“ – [‘ju:gənt], „Nudel“ – [‘nu:dəl]

[u] wird am Ende einer betonten Vorsilbe lang gesprochen, zum Beispiel in:

  • „Zustand“ – [‘t͜su:ʃtant], „zuhören“ – [‘t͜su:hø:ʀən], „Zulage“ – [‘t͜su:lɑ:gə], „Zufall“ – [‘t͜su:fal], „zugeben“ – [‘t͜su:ge:bən]

[u] wird in unbetonter Vorsilbe kurz gesprochen, zum Beispiel in:

  • „zuvor“ – [t͜su‘fo:ʁ], „zuunterst“ – [t͜su‘ˀʊntεʁst], „zuungunsten“ – [t͜su‘ˀʊngʊnstən], „zutiefst“ – [t͜su‘ti:fst], „zufolge“ – [t͜su‘fɔlgə]

[u] wird in Fremdwörtern in unbetonter Silbe kurz gesprochen, zum Beispiel in:

  • „kulant“ – [ku‘lant], „Musikant“ – [muzi‘kant], „Uniform“ – [uni‘fɔʁm], „Duell“ – [du‘ˀεl], „Unikat“ – [uni‘kɑ:t]

Analoglänge[u] wird in einer Verbform lang gesprochen, wenn seine Ent­sprechung im Infinitiv lang gesprochen wird, zum Beispiel in:

  • „du tust“ – [du: ‘tu:st] analog zu „tun“ – [tu:n], „er hupt“ – [ˀe:ʁ ‘hu:pt] analog zu „hupen“ – [‘hu:pən], „sie schlug“ – [zi: ‘ʃlu:k] analog zu „schlagen“ – [‘ʃlɑ:gən], „ihr sucht“ – [ˀi:ʁ ‘zu:xt] analog zu [‘zu:xən], „du fluchst“ [du: ‘flu:xst] analog zu „fluchen“ – [‘flu:xən]

[u] wird im Singular eines Wortes lang gesprochen, wenn seine Entsprechung im Plural am Ende einer betonten Silbe steht, zum Beispiel in:

  • „Krug“ – [kʀu:k] analog zu [‘kʀy:gə], „Hut“ – [hu:t] analog zu „Hüte“ – [‘hy:tə], „Gut“ – [gu:t] analog zu „Güter – [‘gy:təʁ], „Schnur“ – [ʃnu:ʁ] analog zu [‘ʃny:ʀə], „Spur“ – [ʃpu:ʁ] analog zu „Spuren“ – [‘ʃpu:ʀən]

[u] wird in einer abgeleiteten Wortform lang gesprochen, wenn seine Entsprechung im Ausgangssubstantiv lang gesprochen wird, zum Beispiel in:

  • „schnurlos“ – [‘ʃnu:ʁlo:s] analog zu „Schnur“ – [ʃnu:ʁ], „beruflich“ – [bə‘ʀu:flɪç] analog zu „Beruf“ [bə‘ʀu:f], „stufenlos“ – [‘ʃtu:fənlo:s] analog zu „Stufe“ – [‘ʃtu:fə], „mutig“ – [‘mu:tɪç] analog zu „Mut“ – [mu:t], „vermutlich“ – [fɛʁ‘mu:tlɪç] analog zu „Mut“ – [mu:t]

Schreibung[u] wird lang gesprochen, wenn auf den Vokal folgend ein Dehnungs-„h“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Abfuhr“ – [‘ˀapfu:ʁ], „Uhr“ – [ˀu:ʁ], „Aufruhr“ – [‘ˀa͜ofʀu:ʁ], „Huhn“ – [hu:n], „Stuhl“ – [ʃtu:l]

[u] wird lang gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „ß“ – für [s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Ruß“ – [ʀu:s], „Gruß“ – [gʀu:s], „Muße“ – [‘mu:sə], „Fuß“ – [fu:s], „Buße“ – [‘bu:sə]

[u] wird lang gesprochen, wenn auf den betonten Vokal folgend „z“ – für [t͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „duzen“ [‘du:t͜sən], „Kapuze“ – [ka‘pu: t͜sə], „Konfuzius“ – [kɔn‘fu:t͜sıʊs], „Kibbuz“ – [kɪ‘bu:t͜s]

[u] wird in Fremdwörtern kurz gesprochen, wenn auf den unbetonten Vokal folgend
„z“ – für [t͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „deduzieren“ – [dedu‘t͜si:ʀən], „induzieren“ – [ˀɪndu‘t͜si:ʀən],
    „Kapuziner“ – [kapu‘t͜si:nəʁ], „reduzieren“ – [ʀedu‘t͜si:ʀən],
    „Halluzinationtion“ – [hɑlut͜sina‘t͜sıo:n]

[u] wird lang gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „r“ – für [ʁ] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Kur“ – [ku:ʁ], „Schnur“ – [ʃnu:ʁ], „pur“ – [pu:ʁ], „Dur“ – [du:ʁ], „stur“ – [ʃtu:ʁ]

[u] wird lang gesprochen, wenn in Fremdwörtern „ou“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „amourös“ – [ˀamu:‘ʀø:s], „Boutique“ – [bu:‘tɪk], „Journal“ – [ʒu:ʁ‘nɑ:l], „Tour“ – [tu:ʁ], „Ressource“ – [ʀe‘su:ʁsə]
    • Aber nicht in Fremdwörtern, die aus dem Englischen abgeleitet sind, wie in „Layout“, „Couch“, „outen“, „Mountainbike“, „Account“

Offener U-LautBeim Sprechen des offenen U-Lauts [ʊ][27] stülpen sich die Lippen bei gering gesenktem Unterkiefer stark nach vorn und bilden eine runde Öffnung für den Ausatmungsluftstrom. Der Mund öffnet sich kaum. Die Zungenspitze berührt leicht die unteren Schneidezähne. Der hintere Zungenrücken wölbt sich deutlich nach oben, etwas weniger stark als beim geschlossenen U-Laut [u]. Das Gaumensegel ist gehoben und die Stimmlippen schwingen.

Der offene U-Laut wird stets kurz gesprochen – [ʊ].

Betonung[ʊ] wird in betonter Vorsilbe kurz gesprochen, zum Beispiel in:

  • „unnötig“ – [‘ˀʊnnø:tɪç], „unklar“ – [‘ˀʊnklɑ:ʁ], „unsicher“ – [‘ˀʊnzɪçəʁ], „Unfall“ – [‘ˀʊnfal], „Unglück“ – [‘ˀʊnglγk]
  • „umfallen“ – [‘ˀʊmfalən], „Umbau“ – [‘ˀʊmba͜o], „Umzug“ – [‘ˀʊmt͜su:k], „Umweg“ – [‘ˀʊmve:k], „umsetzen“ – [‘ˀʊmzεt͜sən]
  • „Unterricht“ – [‘ˀʊntəʁʀɪçt], „Unterlass“ – [‘ˀʊntəʁlas], „Untergang“ – [‘ˀʊntəʁgaŋ], „untergehen“ – [‘ˀʊntəʁge:ən], „untertauchen“ – [‘ˀʊntəʁta͜oxən]

[ʊ] wird in unbetonter Vorsilbe kurz gesprochen, zum Beispiel in:

  • „ungemein“ – [ˀʊngə‘ma͜en], „unsagbar“ – [ˀʊn‘zɑ:kbɑ:ʁ], „unendlich“ – [ˀʊn‘ˀεntlɪç], „unfassbar“ – [ˀʊn‘fasbɑ:ʁ], „unvorhersehbar“ – [ˀʊnfo:ʁ‘he:ʁze:bɑ:ʁ]
  • „umher“ – [ˀʊm‘he:ʁ], „umfassen“ – [ˀʊm‘fasən], „umhin“ – [ˀʊm‘hɪn], „umgarnen“ – [ˀʊm‘gaʀnən], „Umgebung“ – [ˀʊm‘ge:bʊŋ]
  • „untersuchen“ – [ˀʊntəʁ‘zu:xən], „unterbieten“ – [ˀʊntəʁ‘bi:tən], „unterbrechen“ – [ˀʊntəʁ‘bʀεçən], „unterrichten“ – [ˀʊntəʁ‘ʀɪçtən], „unterlassen“ – [ˀʊntəʁ‘lasən]

[ʊ] wird in unbetonter Nachsilbe kurz gesprochen, zum Beispiel in:

  • „Schulung“ – [‘ʃu:lʊŋ], „Lüftung“ – [‘lγftʊŋ], „Heizung“ – [‘ha͜et͜sʊŋ], „Umleitung“ – [‘ʊmla͜etʊŋ], „Erholung“ – [ˀεʁ‘ho:lʊŋ]

Schreibung[ʊ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend mehr als nur ein Konsonant geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Luft“ – [lʊft], „Huld“ –[hʊlt], „Mund“ – [mʊnt], „Kunst“ – [kʊnst], „rumpeln“ – [‘ʀʊmpəln]

[ʊ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend ein Doppelkonsonant oder „ck“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Suppe“ – [‘zʊpə], „Bulle“ – [‘bʊlə], „knurren“ – [‘knʊʀən], „Summe“ – [‘zʊmə], „Mutter“ – [‘mʊtəʁ]
  • „zucken“ – [‘t͜sʊkən], rucken“ – [‘ʀʊkən], „Stuck“ – [ʃtʊk], „Druck“ – [dʀʊk], „Schmuck“ – [ʃmʊk]

[ʊ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „st“ – für [st] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Lust“ – [lʊst], „Frustration“ – [fʀʊstʀɑ‘t͜sıo:n], „Akustik“ – [ˀɑ‘kʊstɪk], „justieren“ – [jʊs‘ti:ʀən], „Muster“ – [‘mʊstəʁ]
    • Aber nicht in „aufplustern“ – [‘ˀa͜ofplu:stəʁn], „Schuster“ – [‘ʃu:stəʁ]

[ʊ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „ng“ – für [ŋ] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Lunge“ – [‘lʊŋə], „Dung“ – [dʊŋ], „Zunge“ – [‘t͜sʊŋə], „Sprung“ – [ʃpʀʊŋ], „jung“ – [jʊŋ]

[ʊ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „ch“ – für [x] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Geruch“ – [gə‘ʀʊx], „Bruch“ – [bʀʊx], „Bucht“ – [bʊxt], „Sucht“ – [zʊxt], „Flucht“ – [flʊxt]
    • Aber nicht in „Besuch“ – [bə‘zu:x], „Versuch“ – [fεʁ‘zu:x], „suchen“ – [‘zu:xən], „Tuch“ – [tu:x], „Buch“ – [bu:x], „Eunuch“ – [ˀɔø‘nu:x], „Fluch“ – [flu:x]

[ʊ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „sch“ – für [ʃ] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Tusch“ – [tʊʃ], „pfuschen“ – [‘p͜fʊʃən], „Tusche“ – [‘tʊʃə], „kuschen“ – [‘kʊʃən], „Busch“ – [bʊʃ]

[ʊ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „tz“ – für [t͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „putzen“ – [‘pʊt͜sən], „schmutzig“ – [‘ʃmʊt͜sɪç], „Dutzend“ – [‘dʊt͜sənt], „Schutz“ – [ʃʊt͜s], „nutzen“ – [‘nʊt͜sən]

[ʊ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „pf“ – für [p͜f] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „rupfen“ – [‘ʀʊp͜fən], „tupfen“ – [‘tʊp͜fən], „zupfen“ – [‘t͜sʊp͜fən],
    „Kupfer“ – [‘kʊp͜fəʁ], „Schnupfen“ – [‘ʃnʊp͜fən]

[ʊ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „chs“ – für [k͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Buchse“ – [‘bʊk͜sə], „Wuchs“ – [vʊk͜s], „Fuchs“ – [fʊk͜s], „Luchs“ – [lʊk͜s], „Buchsbaum“ – [‘bʊk͜sba͜om]
  • Also nicht in abgeleiteten Wörtern, in denen kein [k͜s] gesprochen wird, wie in:
    „des Versuchs“ – [dεs fεʁ‘zu:xs], „eines Tuchs“ – [a͜enəs ‘tu:xs],
    „du fluchst“ – [du: ‘flu:xst], „des Besuchs“ – [dεs bə‘zu:xs],
    „eines Buchs“ – [a͜enəs ‘bu:xs]

[ʊ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „x“ – für [k͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Jux“ – [jʊk͜s], „Cuxhaven“ – [kʊk͜s‘hɑ:fən], „Luxemburg“ – [‘lʊk͜səmbʊʀk], „juxen“ – [‘jʊk͜sən], „Linux“ – [‘li:nʊk͜s]

Geschlossener O-LautBeim Sprechen des geschlossenen O-Lauts [o][28] stülpen sich die Lippen bei mäßig gesenktem Unterkiefer rund nach vorn, etwas weniger als beim geschlossenen U-Laut [u], und bilden eine ovale Öffnung für den Ausatmungsluftstrom. Der Mund öffnet sich etwas. Die Zungenspitze berührt leicht die unteren Schneidezähne. Der hintere Zungenrücken wölbt sich beträchtlich hoch, noch beträchtlicher als beim offenen O-Laut [ɔ]. Das Gaumensegel ist gehoben und die Stimmlippen schwingen.

Der geschlossene O-Laut wird in vielen betonten Silben lang gesprochen – [o:] – und in wenigen unbetonten Silben kurz – [o].

Betonung[o] wird lang gesprochen, wenn der Vokal allein Träger einer betonten Silbe ist, zum Beispiel in:

  • „Ofen“ – [‘ˀo:fən], „Oma“ – [‘ˀo:ma], „Odem“ – [‘ˀo:dəm], „oben“ – [‘ˀo:bən], „Ode“ – [‘ˀo:də]

[o] wird am Ende einer betonten Silbe lang gesprochen, zum Beispiel in:

  • „loben“ – [‘lo:bən], „Dose“ – [‘do:zə], „holen“ – [‘ho:lən], „Bote“ – [‘bo:tə], „Mode“ – [‘mo:də]

[o] wird in betonter Vorsilbe lang gesprochen, zum Beispiel in:

  • „Vorstellung“ – [‘fo:ʁʃtεlʊŋ], „Vorteil“ – [‘fo:ʁta͜el], „vorgehen“ – [‘fo:ʁge:ən], „Vorsatz“ – [‘fo:ʁzat͜s], „vorziehen“ – [‘fo:ʁt͜si:ən]
  • „Emporkömmling“ – [ˀεm‘po:ʁkœmlɪŋ], „emporarbeiten“ – [ˀεm‘po:ʁˀaʀba͜etən], „emporblicken“ – [ˀεm‘po:ʁblɪkən], „emporklettern“ – [ˀεm‘po:ʁklεtəʁn], „emporstreben“ – [ˀεm‘po:ʁʃtʀe:bən]
  • „loskommen“ – [‘lo:skɔmən], „losbinden“ – [‘lo:sbɪndən], „losbrausen“ – [‘lo:sbʀa͜ozən], „losfahren“ – [‘lo:sfɑ:ʀən], „lossagen“ – [‘lo:szɑgən]

[o] wird in unbetonter Vorsilbe lang gesprochen, zum Beispiel in:

  • „voraus“ – [fo:‘ʀa͜os], „vorüber“ – [fo:‘ʀy:bəʁ], „vorbei“ – [fo:ʁ‘ba͜e], „voran“ – [fo:‘ʀan], „vorweg“ – [fo:ʁ‘vεk]

[o] wird in betonter Nachsilbe lang gesprochen, zum Beispiel in:

  • „Portion“ – [pɔʀ‘t͜sıo:n], „Funktion“ – [fʊŋk‘t͜sıo:n], „Union“ – [ˀʊn‘ıo:n], „Million“ – [mɪ‘lıo:n], „Religion“ – [relɪ‘gıo:n]

Analoglänge[o] wird in einer Verbform lang gesprochen, wenn seine Ent­sprechung im Infinitiv lang gesprochen wird, zum Beispiel in:

  • „du lobst“ – [du: ‘lo:p͜st] analog zu „loben“ – [‘lo:bən], „er flog“ – [ˀe:ʁ ‘flo:k] analog zu „fliegen“ – [‘fli:gən], „sie log“ – [zi: ‘lo:k] analog zu „lügen“ – [‘ly:gən], „ich schob“ – [ˀɪç ‘ʃo:p] analog zu „schieben“ – [‘ʃi:bən], „es tost“ – [ˀεs ‘to:st] analog zu „tosen“ – [‘to:zən]

[o] wird im Singular eines Wortes lang gesprochen, wenn seine Entsprechung im Plural am Ende einer betonten Silbe steht, zum Beispiel in:

  • „Tod“ – [to:t] analog zu „Tode“ – [‘to:də], „Tor“ – [to:ʁ] analog zu „Tore“ – [‘to:ʀə], „Schoß“ – [ʃo:s] analog zu „Schöße“ – [‘ʃø:sə], „Los“ – [lo:s] analog zu [‘lo:ze], „Brot“ – [bʀo:t] analog zu „Brote“ – [‘bʀo:tə]

[o] wird in einer abgeleiteten Wortform lang gesprochen, wenn seine Entsprechung im Ausgangssubstantiv lang gesprochen wird, zum Beispiel in:

  • „groß“ – [gʀo:s] analog zu „Größe“ – [‘gʀø:sə], „bloß“ – [blo:s] analog zu „Blöße“ – [‘blø:sə], „notwendig“ – [‘no:tvεndɪç] analog zu „Not“ – [no:t], „rot“ – [ʀo:t] analog zu „Röte“ – [‘ʀø:tə], „idiotisch“ – [ˀɪ‘dıo:tɪʃ] analog zu „Idiot“ – [ˀɪ‘dıo:t]

Schreibung[o] wird lang gesprochen, wenn der Vokal doppelt geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Moos“ – [mo:s], „Moor“ – [mo:ʁ], „Boot“ – [bo:t], „doof“ – [do:f], „Zoo“ – [tso:]

[o] wird lang gesprochen, wenn auf den Vokal folgend ein Dehnungs-„h“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Sohn“ – [zo:n], „Mohr“ – [mo:ʁ], „ohne“ – [‘ˀo:nə], „Rohr“ – [ʀo:ʁ], „Bohrer“ – [‘bo:ʀəʁ]

[o] wird lang gesprochen, wenn auf den Vokal folgend ein Dehnungs-„e“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Itzehoe“ – [‘ˀɪt͜səho:], „Bad Oldesloe“ – [ba:t ‘ˀɔldəslo:], „Coesfeld“ – [‘ko:sfɛlt], „Soest“ – [zo:st], „Ammeloe“ – [‘ˀaməlo:]

[o] wird lang gesprochen, wenn auf den Vokal folgend ein Dehnungs-„w“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Treptow“ – [‘tʀɛpto:], „Pankow“ – [‘paŋko:], „Teltow“ – [‘tɛlto:],
    „Rathenow“ – [‘ʀɑ:təno:], „Güstrow“ – [‘gγstʀo:]

[o] wird lang gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „ß“ – für [s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Schoß“ – [ʃo:s], „bloß“ – [blo:s], „groß“ [gʀo:s], „stoßen“ – [‘ʃto:sen], „Soße“ – [‘zo:sə]

[o] wird in Fremdwörtern kurz gesprochen, wenn auf den unbetonten Vokal folgend „z“ – für [t͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Dozent“ – [do‘t͜sɛnt], „Prozess“ – [pʀo‘t͜sɛs], „Prozent“ –[pʀo‘t͜sɛnt], „sozial“ – [zo‘t͜sıɑ:l], „wozu“ – [vo‘t͜su:]

[o] wird auch diesen Wörtern lang gesprochen, obwohl auf den Vokal folgend mehr als nur ein Konsonant geschrieben wird:

  • „Obst“ – [ˀo:p͜st], „Koks“ – [ko:k͜s]

Offener O-LautBeim Sprechen des offenen O-Lauts [ɔ][29] stülpen sich die Lippen etwas weniger als beim geschlossenen O-Laut [o] bei mäßig stark gesenktem Unterkiefer fast rund nach vorn und bilden eine leicht ovale Öffnung für den Ausatmungsluftstrom. Der Mund öffnet sich. Die Zungenspitze berührt leicht die unteren Schneidezähne. Der hintere Zungenrücken wölbt sich deutlich hoch, etwas weniger beträchtlich als beim geschlossenen
O-Laut [o]. Das Gaumensegel ist gehoben und die Stimmlippen schwingen.

Der offene O-Laut wird stets kurz gesprochen – [ɔ].

Schreibung[ɔ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend mehr als nur ein Konsonant geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Mord“ – [mɔʀt], „fort“ – [fɔʀt], „Korb“ – [kɔʀp], „blond“ – [blɔnt], „holprig“ – [‘hɔlpʀɪç]

[ɔ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend ein Doppelkonsonant oder „ck“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „kommen“ – [‘kɔmən], „Sonne“ – [‘zɔnə], „wollen“ – [‘vɔlən], „hoffen“ – [‘hɔfən], „Roggen“ – [‘ʀɔgən]
  • „Rock“ – [ʀɔk], „zocken“ – [‘t͜sɔkən], „Schock“ – [ʃɔk], „Block“ – [blɔk], „stocken“ – [‘ʃtɔkən]

[ɔ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „st“ – für [st] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „kosten“ – [‘kɔstən], „Rost“ – [ʀɔst], „Most“ – [mɔst], „Osten“ [‘ˀɔstən], „Post“ – [pɔst]
    • Aber nicht in „prost“ – [pʀo:st], „Ostern“ – [‘ˀo:stəʁn]

[ɔ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „ng“ – für [ŋ] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „jonglieren“ – [ʒɔŋ‘li:ʀən], „Pingpong“ – [‘pɪŋpɔŋ], „Diphthong“ – [dɪf‘tɔŋ], „Monophthong“ – [monof‘tɔŋ], „Gong“ – [gɔŋ]

[ɔ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „ch“ – für [x] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „kochen“ – [‘kɔxən], „Loch“ – [lɔx], „noch“ – [nɔx], „Woche“ – [‘vɔxə], „Knochen“ – [‘knɔxən]

[ɔ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „sch“ – für [ʃ] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Brosche“ – [‘bʀɔʃə], „Frosch“ – [frɔʃ], „Droschke“ – [‘dʀɔʃkə],
    „Moschee“ – [mɔ‘ʃe:], „Groschen“ [‘gʀɔʃən]

[ɔ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „tz“ – für [t͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „motzen“ – [‘mɔt͜sən], „trotz“ – [tʀɔt͜s], „Klotz“ – [klɔt͜s], „protzen“ – [‘pʀɔt͜sən], „Schmarotzer“– [ʃmɑ‘ʀɔt͜səʁ]

[ɔ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „pf“ – für [p͜f] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Topf“ – [tɔp͜f], „klopfen“ – [‘klɔp͜fən], „stopfen“ – [‘ʃtɔp͜fən], „Tropfen“ – [‘tʀɔp͜fən], „Knopf“ – [knɔ p͜f]

[ɔ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „chs“ – für [k͜s] – geschrie­ben wird, zum Beispiel in:

  • „Ochse“ – [‘ˀɔk͜sə], „Hornochse“ – [‘hɔʀnˀɔk͜sə]

[ɔ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „x“ – für [k͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „boxen“ – [‘bɔk͜sən], „toxisch“ – [‘tɔk͜sɪʃ], „orthodox“ – [ˀɔʁto:‘dɔk͜s], „oxidieren“ – [ˀɔk͜sɪ‘di:ʀən], „Dioxin“ – [di:ˀɔ‘k͜si:n]

Vorderzungenvokale

Vorderzungenvokale werden vorn im Mundraum gebildet – im Deutschen die E-Laute [e] und [ɛ], die Ö-Laute [ø] und [œ], die I-Laute [i], [ɪ] und [ı] sowie die Ü-Laute [y] und [γ].

Geschlossener E-LautBeim Sprechen des geschlossenen E-Lauts [e][30] spreizen sich bei gering gesenktem Kiefer die Lippen etwas weniger als beim offenen I-Laut [ɪ] und bilden einen Spalt für den Ausatmungsluftstrom. Der Mund öffnet sich leicht. Die Zungenspitze berührt leicht die unteren Schneidezähne. Der Zungenrücken wölbt sich zum vorderen harten Gaumen wie beim offenen E-Laut [ɛ]. Das Gaumensegel ist gehoben und die Stimmlippen schwingen.

Der geschlossene E-Laut wird in vielen betonten Silben lang gesprochen – [e:] – und in wenigen unbetonten Silben kurz – [e].

Betonung[e] wird lang gesprochen, wenn der Vokal allein Träger einer betonten Silbe ist, zum Beispiel in:

  • „Efeu“ – [‘ˀe:fɔ͜ø], „eben“ – [‘ˀe:bən], „ewig“ – [‘ˀe:vɪç], „Ekel“ – [‘ˀe:kəl], „Ehe“ – [‘ˀe:ə]

[e] wird am Ende einer betonten Silbe lang gesprochen, zum Beispiel in:

  • „leben“ – [‘le:bən], „Meter“ – [‘me:təʁ], „Segel“ – [‘ze:gəl], „Besen“ – [‘be:zən], „geben“ – [‘ge:bən]

[e] wird in betonter Vorsilbe lang gesprochen, zum Beispiel in:

  • „herkommen“ – [‘he:ʁkɔmən] , „herkömmlich“ – [‘he:ʁkœmlɪç],
    „herleiten“ – [‘he:ʁla͜etən], „herfinden“ – [‘he:ʁfɪndən], „herfahren“ – [‘he:ʁfɑ:ʀən]

[e] wird in Fremdwörtern am Ende einer unbetonten Vorsilbe kurz gesprochen, zum Beispiel in:

  • „Debatte“ – [de‘batə], „Sekret“ – [ze‘kʀe:t], „dezent“ – [de‘t͜sɛnt], „Stenogramm“ – [ʃteno‘gʀam], „Meriten“ – [me‘ʀi:tən]

Analoglänge[e] wird in einer Verbform lang gesprochen, wenn seine Ent­sprechung im Infinitiv lang gesprochen wird, zum Beispiel in:

  • „du lebst“ – [du: ‘le:p͜st] analog zu „leben“ – [‘le:bən], „er strebt“ – [ˀe:ʁ ‘ʃtre:pt] analog zu „streben“ – [‘ʃtre:bən], „es klebt“ – [ˀεs ‘kle:pt], analog zu „kleben“ – [‘kle:bən], „sie regt sich“ – [zi: ‘ʀe:kt zɪç] analog zu „sich regen“ – [zɪç ‘ʀe:gən], „ihr legt“ – [ˀi:ʁ ‘le:kt] analog zu „legen“ – [‘le:gən]

[e] wird im Singular eines Wortes lang gesprochen, wenn seine Entsprechung im Plural am Ende einer betonten Silbe steht, zum Beispiel in:

  • „Steg“ – [ʃte:k] analog zu „Stege“ [‘ʃte:gə], „Weg“ – [ve:k] analog zu „Wege“ – [‘ve:gə], „Beleg“ – [bə‘le:k] analog zu „Belege“ – [bə‘le:gə], „Gen“ – [ge:n] analog zu [‘ge:nə], „Gebet“ – [gə‘be:t] analog zu „Gebete“ – [gə‘be:tə]

[e] wird in einer abgeleiteten Wortform lang gesprochen, wenn seine Entsprechung im Ausgangssubstantiv lang gesprochen wird, zum Beispiel in:

  • „redlich“ – [‘ʀe:tlɪç] analog zu „Rede“ – [‘ʀe:də], „reglos“ – [‘ʀe:klo:s] analog zu „Regung“ – [‘ʀe:gʊŋ], „leblos“ – [‘le:plo:s] analog zu „Leben“ – [‘le:bən], „beweglich“ – [bə‘ve:klɪç] analog zu „Bewegung“ – [bə‘ve:gʊŋ], „klebrig“ – [‘kle:pʀɪç] analog zu „Kleber“ – [‘kle:bəʁ]

Schreibung[e] wird lang gesprochen, wenn der Vokal doppelt geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Beet“ – [be:t], „Speer“ – [ʃpe:ʁ], „leer“ – [le:ʁ], „Seele“ – [‘ze:lə], „Meer“ – [me:ʁ]

[e] wird lang gesprochen, wenn auf den Vokal folgend ein Dehnungs-„h“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „stehlen“ – [‘ʃte:lən], „mehr“ – [me:ʁ], „Mehl“ – [me:l], „dehnen“ – [‘de:nən], „Ehre“ – [‘ˀe:ʀə]

[e] wird lang gesprochen, wenn auf den betonten Vokal folgend „z“ – für [t͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Brezel“ – [‘bʀe:t͜səl], „Trapez“ – [tʀa‘pe:t͜s], „Fez“ – [fe:t͜s]

[e] wird in Fremdwörtern kurz gesprochen, wenn auf den unbetonten Vokal folgend „z“ – für [t͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Dezember“ – [de‘t͜sεmbəʁ], „dezent“ – [de‘t͜sεnt], „Rezept“ – [ʀe‘t͜sεpt], „dezimal“ – [det͜si‘mɑ:l], „reziprok“ – [ʀet͜si‘pʀo:k]

[e] wird lang gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „r“ – für [ʁ] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Herd“ – [he:ʁt], „Wert“ – [ve:ʁt], „Erde“ – [‘ˀe:ʁdə], „Herde“ – [‘he:ʁdə], „Beschwerde“ – [bə‘ʃve:ʁdə]

Offener E-LautBeim Sprechen des offenen E-Lauts [ɛ][31] spreizen sich die Lippen leicht bei wenig gesenktem Unterkiefer und bilden einen etwas größeren Spalt als beim geschlossenen E-Laut [e] für den Ausatmungsluftstrom. Der Mund öffnet sich deutlich wie beim geschlossenen A-Laut [ɑ]. Die Zungenspitze berührt leicht die unteren Schneidezähne. Der Zungenrücken wölbt sich nach oben zum harten Gaumen wie beim geschlossenen E-Laut [e]. Das Gaumensegel ist gehoben und die Stimmlippen schwingen

Der offene E-Laut wird in einigen Silben lang gesprochen – [ɛ:] – und in anderen Silben kurz – [ɛ].

Betonung[ɛ] wird lang gesprochen, wenn der Vokal allein Träger einer betonten Silbe ist, zum Beispiel in:

  • „Äther“ – [‘ˀɛ:təʁ], „Ära“ – [‘ˀɛ:ʀɑ], „äsen“ – [‘ˀɛ:zən], „Äderchen“ – [‘ˀɛ:dəʁçən], „Äonen“ – [‘ˀɛ:ˀo:nən]

[ɛ] wird am Ende einer betonten Silbe lang gesprochen, zum Beispiel in:

  • „Säge“ – [‘zɛ:gə], „Käfig“ – [‘kɛ:fɪç], „quälen“ – [‘k͜vɛ:lən], „prägen“ – [‘pʀɛ:gən], „Dämon“ – [‘dɛ:mɔn]

[ɛ] wird in unbetonter Vorsilbe kurz gesprochen, zum Beispiel in:

  • „erlauben“ – [ˀɛʁ’‘a͜obən], „erfinden“ – [ˀɛʁ‘fɪndən], „erkennen“ – [ˀɛʁ‘kɛnən], „Erfahrung“- [ˀɛʁ‘fɑ:ʀuŋ], „Ersatz“ – [ˀɛʁ‘zat͜s]
  • „verlieren“ – [fɛʁ‘li:ʀən], „verdienen“ – [fɛʁ‘di:nən], „Verrat“ – [fɛʁ‘ʀɑ:t], „verwenden“ – [fɛʁ‘vɛndən], „Versuch“ – [fɛʁ‘zu:x]
  • „zerstören“ – [t͜sɛʁ‘ʃtø:ʀən], „zerreißen“ – [t͜sɛʁ‘ʀæzən], „zersetzen“ – [t͜sɛʁ‘zɛt͜sən], „Zerfall“ – [t͜sɛʁ‘fal], „zermürbt“ – [t͜sɛʁ‘mγʀpt]
  • „entspringen“ – [ˀɛnt‘ʃpʀɪŋən], „entlassen“ – [ˀɛnt‘lasən], „Entlastung“ – [ˀɛnt‘lastᴜŋ], „Entbehrung“ – [ˀɛnt‘be:ʀᴜŋ], „entlüften“ – [ˀɛnt‘lγftən]
  • „empfehlen“ – [ˀɛm‘p͜fe:lən], „Empfang“ – [ˀɛm‘p͜faŋ], „empfinden“ – [ˀɛm‘p͜fɪndən], „empfangen“ – [ˀɛmp͜faŋən], „Empfehlung“ – [ˀɛm‘p͜fe:lᴜŋ]
  • „präzise“ – [pʀɛ‘t͜si:zə], „Präsentation“ – [pʀɛzənta‘t͜sıo:n], „Prädikat“ – [pʀɛdɪ‘kɑ:t], „Präferenz“ – [pʀɛfə‘ʀɛnt͜s], „Präsident“ – [pʀɛzɪ‘dɛnt]
  • „herauslaufen“ – [hɛ‘ʀa͜osla͜ofən], „heranstürmen“ – [hɛ‘ʀanʃtγʀmən], „herabsinken“ – [hɛ‘ʀapzɪŋkən], „hereinrennen“ – [hɛ‘ʀa͜enʀɛnən], „herüberwinken“ – [hɛ‘ʀy:bəʁvɪŋkən]

[ɛ] wird in betonter Vorsilbe kurz gesprochen, zum Beispiel in:

  • „weggehen“ – [‘vεkge:ən], „wegfliegen“ – [‘vεkfli:gən], „wegbleiben“ – [‘vεkbla͜ebən], „wegbrechen“ – [‘vεkbʀεçən], „wegdrücken“ – [‘vεkdʀγkən]

Analoglänge[ɛ] wird in einer Verbform lang gesprochen, wenn seine Ent­sprechung im Infinitiv lang gesprochen wird, zum Beispiel in:

  • „er schält“ – [ˀe:ʁ ‘ʃɛ:lt] analog zu „schälen“ – [‘ʃɛ:lən], „sie „schlägt“ – [zi: ‘ʃlɛ:kt] analog zu „schlagen“ – [‘ʃlɑ:gən], „geprägt“ – [gə‘pʀɛ:kt] analog zu „prägen“ – [‘pʀɛ:gən], „ihr sägt“ – [ˀi:ʁ ‘zɛ:kt] analog zu „sägen“ – [‘zɛ:gən], „du rätst“ – [du: ‘ʀɛ:t͜st] analog zu „raten“ – [‘ʀɑ:tən]

[ɛ] wird im Singular eines Wortes lang gesprochen, wenn seine Entsprechung im Plural am Ende einer betonten Silbe steht, zum Beispiel in:

  • „Gerät“ – [gə‘ʀɛ:t] analog zu „Geräte“ – [gə‘ʀɛ:tə], „Bär“ – [bɛʀ] analog zu „Bären“ –[‘bɛʀən], „Banalität“ – [banalɪ‘tɛ:t] analog zu „Banalitäten“ – [banalɪ‘tɛ:tən], „inflationär“ – [ˀɪnflat͜sıo‘nɛ:ʁ] analog zu „inflationäre“ – [ˀɪnflat͜sıo‘nɛ:ʁə],
    „Diät“ – [dɪ‘ˀɛ:t] analog zu „Diäten“ – [dɪ‘ˀɛ:tən]

[ɛ] wird in einer abgeleiteten Wortform lang gesprochen, wenn seine Entsprechung im Ausgangssubstantiv lang gesprochen wird, zum Beispiel in:

  • „nämlich“ – [‘nɛ:mlɪç] analog zu „Name“ – [‘nɑ:mə], „kläglich“ – [‘klɛ:klɪç] analog zu „Klage“ – [‘klɑ:gə], „schädlich“ – [‘ʃε:tlɪç] analog zu „Schaden“ – [‘ʃɑ:dən], „untätig“ – [‘ˀᴜntɛ:tɪç] analog zu „Tat“ – [tɑ:t], „gesprächig“ – [gə‘ʃpʀɛ:çɪç] analog zu „Sprache“ – [‘ʃpʀɑ:xə]

[ɛ] wird lang gesprochen, wenn die Entsprechung des Umlauts[32] im Ausgangswort lang gesprochen wird, zum Beispiel in:

  • „Gemälde“ – [gə‘mɛ:ldə] analog zu „malen“ – [‘mɑ:lən], „kläglich“ – [‘klɛ:klɪç] analog zu „klagen“ – [‘klɑ:gən], „gäbe“ – [‘gɛ:bə] analog zu „gab“ – [gɑ:p], „läge“ – [‘lɛ:gə] analog zu „lag“ – [lɑ:k], „Gräber“ – [‘gʀɛ:bəʁ] analog zu „Grab“ – [gʀɑ:p]

Schreibung[ɛ] wird lang gesprochen, wenn auf den Vokal folgend ein Dehnungs-„h“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „lähmen“ – [‘lɛ:mən], „während“ – [‘vɛ:ʀənt], „ernähren“ – [ˀɛʁ‘nɛ:ʀən], „Mähne“ – [‘mɛ:nə], „spähen“ – [‘ʃpɛ:ən]

[ɛ] wird lang gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „ß“ – für [s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „gemäß“ – [gə‘mɛ:s] „Gefäß“ – [gə‘fε:s], „Gesäß“ – [gə‘zε:s]

[ɛ] wird in Fremdwörtern kurz gesprochen, wenn auf den unbetonten Vokal folgend „z“ – für [t͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Mäzen“ – [mɛ‘t͜se:n]

[ɛ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend mehr als nur ein Konsonant geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „selten“ – [‘zɛltən], „heftig“ – [‘hɛftɪç], „Kern“ – [kɛʁn], „Nerv“ – [nɛʁf], „Geld“ – [‚gɛlt]
  • „in Bälde“ – [ˀɪn ‘bɛldə], „Schärpe“ – [‘ʃɛʁpə] „bärtig“ – [‘bɛʁtɪç], „Ärmel“ – [‘ˀɛʁməl], „Lärm“ – [lɛʁm]

[ɛ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend ein Doppelkonsonant oder „ck“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „retten“ – [‘ʀɛtən], „kennen“ – [‘kɛnən], „schnell“ – [ʃnɛl], „trennen“ – [‘tʀɛnən], „Wetter“ – [‘vɛtəʁ]
  • „Zecke“ – [‘t͜sεkə] „Decke“ – [‘dεkə] „lecken“ – [‘lεkən] „Speck“ – [ʃpεk], „Strecke“ – [‘ʃtʀεkə]
  • „fällen“ – [‘fɛlən], „kämmen“ – [‘kɛmən], „plärren“ [‘plɛʀən], „Närrin“ – [‘nɛʀɪn], „Kärrnerarbeit“ – [‘kɛʁnəʁˀaʀba͜et]
  • „Bäcker“ – [‘bεkəʁ], „Gepäck“ – [gə‘pεk], „hartnäckig“ – [‘haʀtnεkɪç] „Gebäck“ – [gə‘bεk], „Säckchen“ – [‘zεkçən]

[ɛ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „st“ – für [st] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Rest“ – [ʀɛst], „bester“ – [‘bɛstəʁ], „gestern“ – [‘gɛstəʁn], „Nest“ – [nɛst], „testen“ – [‘tɛstən]
  • „Gäste“ – [‘gɛstə], „mästen“ – [‘mɛstən], „belästigen“ – [bə‘lɛstɪgən], „Äste“ – [‘ˀɛstə], „Kästen“ – [‘kɛstən]

[ɛ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „ng“ – für [ŋ] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Menge“ – [‘mɛŋə], „Bengel“ – [‘bɛŋəl], „Engel“ – [‘ˀɛŋəl], „eng“ – [ˀɛŋ], „Hengst“ – [hɛŋst]
  • „Gänge“ – [‘gɛŋə], „drängen“ – [‘dʀɛŋən], „abhängig“ – [‘ˀaphɛŋɪç], „Anfänger“ – [‘ˀanfɛŋəʁ], „Länge“ – [‘lɛŋə]

[ɛ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „ch“ – für [ç] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Zeche“ – [‘t͜sɛçə], „stechen“ – [‘ʃtɛçən], „Blech“ – [blɛç], „sprechen“ – [‘ʃpʀɛçən], „Rechnung“ – [‘ʀɛçnʊŋ]
  • „Wächter“ – [‘vɛçtəʁ], „mächtig“ – [‘mɛçtɪç], „Gedächtnis“ – [gə‘dɛçtnɪs], „Fläche“ – [‘flɛçə], „prächtig“ – [‘pʀɛçtɪç]
    • Aber nicht in „Gespräch“ – [gə‘ʃpʀɛ:ç] analog zu „Gespräche“ – [gə‘ʃpʀɛ:çə]

[ɛ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „sch“ – für [ʃ] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „dreschen“ – [‘dʀɛʃən], „Depesche“ – [de‘pɛʃə] „Esche“ – [‘ˀɛʃə], „fesch“ – [fɛʃ], „Kescher“ – [‘kɛʃəʁ]
  • „Wäsche“ – [‘vɛʃə], „Häscher“ – [‘hɛʃəʁ], „Täschchen“ – [‘tɛʃçən], „einäschern“ – [‘ˀa͜enˀɛʃəʁn], „Fläschchen“ – [‘flɛʃçən]

[ɛ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „tz“ – für [t͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „hetzen“ – [‘hɛt͜sən], „setzen“ – [‘zɛt͜sən], „Gesetz“ – [gə‘zɛt͜s],
    „Letzter“ – [‘lɛt͜stəʁ], „benetzt“ – [bə‘nɛt͜st]
  • „Geschwätz“ – [gə‘ʃvɛt͜s], „Plätze“ – [‘plɛt͜sə], „ätzen“ – [‘ˀɛt͜sən], „Absätze“ – [‘ˀapzɛt͜sə], „Schätze“ – [‘ʃɛt͜sə]

[ɛ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „pf“ – für [p͜f] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Schnepfe“ – [‘ʃnεp͜fə]
  • „Äpfel“ – [‘ˀɛp͜fəl], „Zäpfchen“ – [‘t͜sɛp͜fçən], „Granatäpfel“ – [gʀɑ‘nɑ:tˀɛp͜fəl], „Näpfe“ – [‘nɛp͜fə], „Saugnäpfe“ – [‘za͜oknɛp͜fə]

[ɛ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „chs“ – für [k͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „wechseln“ – [‘vɛk͜səln], „drechseln“ – [‘dʀɛk͜səln], „Echse“ – [‘ˀɛk͜sə], „sechs“ – [zɛk͜s], „Eidechse“ – [‘ˀa͜edɛk͜sə]
  • „sächsisch“ – [‘zɛk͜sɪʃ], „Gewächs“ – [gə‘vɛk͜s], „Zuwächse“ – [‘t͜su:vɛk͜sə], „Gewächshaus“ – [gə‘vɛk͜sha͜os] „er wächst“ – [ˀe:ʁ ‘vɛk͜st]
    • Aber nicht in „nächster“ – [‘nɛ:çstəʁ] analog zu „nach“ – [nɑ:x], „des Gesprächs“ – [dɛs gə‘ʃpʀɛ:çs] analog zu „Gespräch“ – [gə‘ʃpʀɛ:ç], „Schwächster“ – [‘ʃvɛçstəʁ] analog zu „schwach“ – [ʃvax]

[ɛ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „x“ – für [k͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Hexe“ – [‘hɛk͜sə], „Index“ – [‘ˀɪndɛk͜s], „Experte“ – [ˀɛk͜s‘pɛʁtə] „Text“ – [tɛk͜st], „Sex“ – [sɛk͜s]
  • „Äxte“ – [‘ˀɛk͜stə], „Streitäxte“ – [‘ʃtʀa͜etˀɛk͜stə]

Geschlossener Ö-LautBeim Sprechen des geschlossenen Ö-Lauts [ø][33] stülpen sich die Lippen bei mäßig gesenktem Unterkiefer rund nach vorn wie beim geschlossenen O-Laut [o] und bilden eine ovale Öffnung für den Ausatmungsluftstrom. Der Mund öffnet sich etwas. Die Zungenspitze berührt leicht die unteren Schneidezähne. Der Zungenrücken wölbt sich zum vorderen harten Gaumen wie beim geschlossenen E-Laut [e.] Das Gaumensegel ist gehoben und die Stimmlippen schwingen.

Der geschlossene Ö-Laut wird in betonten Silben lang gesprochen – [ø:].

Betonung[ø] wird lang gesprochen, wenn der Vokal allein Träger einer betonten Silbe ist, zum Beispiel in:

  • „Öfen“ – [‘ˀø:fən], „öde“ – [‘ˀø:də], „Öle“ – [‘ˀø:lə], „Öse“ – [‘ˀø:zə], „ölig“ – [‘ˀø:lɪç]

[ø] wird am Ende einer betonten Silbe lang gesprochen, zum Beispiel in:

  • „Löwe“ – [‘lø:və], „Röte“ – [‘ʀø:tə], „mögen“ – [‘mø:gən], „nötig“ – [‘nø:tɪç], „böse“ – [‘bø:zə]

Analoglänge[ø] wird in einer Verbform lang gesprochen, wenn seine Ent­sprechung im Infinitiv lang gesprochen wird, zum Beispiel in:

  • „ihr zögt“ – [ˀi:ʁ ‘t͜sø:kt] analog zu „ziehen“ – [‘t͜si:ən], „du schwörst“ – [du: ‘ʃvø:ʁst] analog zu „schwören“ – [‘ʃvø:ʀən], „geschönt“ [gə‘ʃø:nt], analog zu „schönen“ – [‘ʃø:nən], „getönt“ – [gə‘tø:nt] analog zu „tönen“ – [‘tø:nən], „er betört“ – [ˀe:ʁ bə‘tø:ʁt] analog zu „betören“ [bə‘tø:ʀən]

[ø] wird im Singular eines Wortes lang gesprochen, wenn seine Entsprechung im Plural am Ende einer betonten Silbe steht, zum Beispiel in:

  • „schön“ – [ʃø:n] analog zu „schöne“ – [‘ʃø:nə], „Stör“ – [ʃtø:ʁ] analog zu „Störe“ – [‘ʃtø:ʀə], „Erlös“ – [ˀεʁ‘lø:s] analog zu „Erlöse“ – [ˀεʁ‘lø:sə], „venös“ – [ve‘nø:s] analog zu „venöse“ – [ve‘nø:zə], „seriös“ – [‘zeʀɪ’ø:s] analog zu „seriöse“ – [zeʀɪ‘ø:zə]

[ø] wird in einer abgeleiteten Wortform lang gesprochen, wenn seine Entsprechung im Ausgangssubstantiv lang gesprochen wird, zum Beispiel in:

  • „höflich“ – [‘hø:flɪç] analog zu „Hof“ – [ho:f], „tröstlich“ – [‘tʀø:stlɪç] analog zu „Trost“ – [tʀo:st], „römisch“ – [‘ʀø:mɪʃ] analog zu „Rom“ – [ʀo:m], „rötlich“ – [‘ʀø:tlɪç] analog zu „Röte“ – [‘ʀø:tə], „nötig“ – [‘nø:tɪç] analog zu „Not“ – [no:t]

[ø] wird lang gesprochen, wenn die Entsprechung des Umlauts im Ausgangswort lang gesprochen wird, zum Beispiel in:

  • „löslich“ – [‘lø:slɪç] analog zu „los“ – [lo:s], „persönlich“ – [pεʁ‘zø:nlɪç] analog zu „Person“ – [pεʁ‘zo:n], „erlösbar“ – [ˀεʁ‘lø:sbɑ:ʁ] analog zu „los“ – [lo:s], „behördlich“ – [bə‘hø:ʁtlɪç] analog zu „Behörde“ – [bə‘hø:ʁdə], „Gelöbnis“ – [gə‘lø:pnɪs] analog zu „geloben“ – [gə‘lo:bən]

Schreibung[ø] wird lang gesprochen, wenn auf den Vokal folgend ein Dehnungs-„h“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Höhle“ – [‘hø:lə], „Föhn“ – [fø:n], „Söhne“ – [‘zø:nə], „stöhnen“ – [‘ʃtø:nən], „Öhr“ – [ˀø:ʁ]

[ø] wird lang gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „ß“ – für [s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Stöße“ – [‘ʃtø:sə], „Größe“ – [‘gʀøsə], „Schöße“ – [‘ʃø:sə], „Flöße“ – [‘fløsə]

[ø] wird lang gesprochen, wenn auf den betonten Vokal folgend „z“ – für [t͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Flöz“ [flø:t͜s]

Offener Ö-LautBeim Sprechen des offenen Ö-Lauts [œ][34] stülpen sich die Lippen bei mäßig stark gesenktem Unterkiefer fast rund nach vorn und bilden eine ovale Öffnung für den Ausatmungsluftstrom, wie beim offenen O-Laut [ɔ]. Der Mund öffnet sich. Die Zungenspitze berührt leicht die unteren Schneidezähne. Der Zungenrücken wölbt sich nach oben zum harten Gaumen wie beim geschlossenen
E-Laut [e]. Das Gaumensegel ist gehoben und die Stimmlippen schwingen.

Der offene Ö-Laut wird stets kurz gesprochen – [œ].

Schreibung[œ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend mehr als nur ein Konsonant geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „fördern“ – [‘fœʀdəʁn], „Pförtner“ – [‘p͜fœʀtnəʁ], „löffelförmig“ – [‘lœfəlfœʀmɪç], „Körper“ – [‘kœʀpəʁ], „Völker“ – [‘fœlkəʁ]

[œ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend ein Doppelkonsonant oder „ck“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „können“ – [‘kœnən], „Hölle“ – [‘hœlə], „dörren“ – [‘dœʀən], „Löffel“ – [‘lœfəl], „öffnen“ – [‘ˀœfnən]
  • „Röcke“ – [‘ʀœkə], „zweistöckig“ – [‘t͜sva͜eʃtœkɪç], „bröckeln“ – [‘bʀœkəln]. „Höcker“ – [‘hœkəʁ], „Böcke“ – [‘bœkə]

[œ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „st“ – für [st] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „köstlich“ – [‘kœstlɪç], „östlich“ – [‘ˀœstlɪç], „verköstigen“ – [fɛʁ‘kœstɪgən], „frösteln“ – [‘fʀœstəln], „Pöstchen“ – [‘pœstçən]
    • Aber nicht in „österlich“ – [‘ˀø:stəʁlɪç] analog zu „Ostern“ – [‘ˀo:stəʁn], „trösten“ – [‘tʀø:stən] analog zu „Trost“ – [tʀo:st]

[œ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „ch“ – für [ç] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „ich möchte“ – [ˀɪç ‘mœçtə], „Köche“ – [‘kœçə], „Töchter“ –[‘tœçtəʁ], „Löcher“ – [‘lœçəʁ], „röcheln“ – [‘ʀœçəln]
    • Aber nicht in „am höchsten“ – [ˀam ‘hø:çstən] analog zu „hoch“ – [ho:x]

[œ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „sch“ – für [ʃ] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Böschung“ – [‘bœʃᴜŋ], „löschen“ – [‘lœʃən], „Frösche“ – [‘fʀœʃə], „gelöscht“ – [gə‘lœʃt], „Knallfrösche“ – [‘knalfʀœʃə]

[œ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „tz“ – für [t͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „plötzlich“ – [‘plœt͜slɪç], „Götze“ – [‘gœt͜sə], „Klötze“ – [‘klœt͜sə], „ergötzen“ – [ˀɛʁ‘gœt͜sən], „Klötzchen“ – [‘klœt͜sçən]

[œ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „pf“ – für [p͜f] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Zöpfe“ – [‘tsœp͜fə], „Köpfe“ – [‘kœp͜fə], „töpfern“ – [‘tœp͜fəʁn],
    „Knöpfe“ – [‘knœp͜fə], „schöpfen“ – [‘ʃœp͜fən]

[œ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „x“ – für [k͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Höxter“ – [‘hœk͜stəʁ]

Geschlossener I-LautBeim Sprechen des geschlossenen I-Lauts [i][35] spreizen sich die Lippen deutlicher als beim geschlossenen E-Laut [e] und die Mundwinkel ziehen sich bei gering gesenktem Unterkiefer zurück. Der Mund lässt eine schmale Passage für den Ausatmungsluftstrom. Die Zungenspitze berührt leicht die unteren Schneidezähne. Der vordere Zungenrücken wölbt sich wie beim offenen I-Laut [ɪ] stark nach vorn. Das Gaumensegel ist gehoben und die Stimmlippen schwingen.

Der geschlossene I-Laut wird in vielen betonten Silben lang gesprochen – [i:] – und in wenigen unbetonten Silben kurz – [i].

Betonung[i] wird lang gesprochen, wenn der Vokal allein Träger einer betonten Silbe ist, zum Beispiel in:

  • „Igel“ – [‘ˀi:gəl], „Iris“ – [‘ˀi:ʀɪs], „Igor“ – [‘ˀi:gɔʁ], „Ina“ – [‘ˀi:nɑ], „Isar“ – [‘ˀi:zaʁ]

[i] wird am Ende einer betonten Silbe lang gesprochen, zum Beispiel in:

  • „Tiger“ – [‘ti:gəʁ], „wider“ – [‘vi:dəʁ], „Krise“ – [‘kʀi:zə], „Mine“ – [‘mi:nə], „piken“, – [‘pi:kən]

[i] wird in betonter Vorsilbe lang gesprochen, zum Beispiel in:

  • „widerborstig“ – [‘vi:dəʁbɔʀstɪç], „widerrechtlich“ – [‘vi:dəʁʀεçtlɪç], „Widerhaken“ – [‘vi:dəʁhɑ:kən], „Widerhall“ – [‘vi:dəʁhal], „widerlich“ – [‘vi:dəʁlɪç]

Analoglänge[i] wird in einer Verbform lang gesprochen, wenn seine Entsprechung im Infinitiv lang gesprochen wird, zum Beispiel in:

  • „du gibst“ – [du: ‘gi:pst], „er gibt“ – [ˀe:ʁ ‘gi:pt] analog zu „geben“ – [‘ge:bən], „begib dich“ – [bə‘gi:p dɪç] analog zu „begeben“ – [bə‘ge:bən], „es umgibt“ – [ˀεs ˀʊm‘gi:pt] analog zu „umgeben“ – [ˀʊm‘ge:bən]

[i] wird im Singular eines Wortes lang gesprochen, wenn seine Entsprechung im Plural am Ende einer betonten Silbe steht, zum Beispiel in:

  • „Lid“ – [li:t] analog zu „Lider“ – [‘li:dəʁ], „Stil“ – [ʃti:l] analog zu „Stile“ – [‘ʃti:lə], „Fossil“ – [fɔ‘si:l] analog zu „Fossile“ – [fɔ‘si:lə], „Profil“ – [pʀo‘fi:l] analog zu „Profile“ – [pʀo‘fi:lə], „Krokodil“ – [kʀoko‘di:l] analog zu „Krokodile“ – [kʀoko‘di:lə]

[i] wird in einer abgeleiteten Wortform lang gesprochen, wenn seine Entsprechung im Ausgangssubstantiv lang gesprochen wird, zum Beispiel in:

  • „ventillos“ – [vεn‘ti:llo:s] analog zu „Ventil“ – [vεn‘ti:l], „adjektivisch“ – [‘ˀatjεkti:vɪʃ] analog zu „Adjektiv“ – [‘ˀatjεkti:f], „monolithisch“ [mɔno‘li:tɪʃ] analog zu „Monolith“ – [mɔno‘li:t], „widersprüchlich“ – [‘vi:dəʁʃpʀγçlɪç] analog zu „Widerspruch“ – [‘vi:dəʁʃpʀʊx], „perspektivisch“ – [pεʁspεk‘ti:vɪʃ] analog zu „Perspektive“ – [pεʁspε‘ti:və]

Schreibung[i] wird lang gesprochen, wenn auf den Vokal folgend ein Dehnungs-„h“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „ihr“ – [ˀi:ʁ], „ihn“ – [ˀi:n], „ihm“ – [ˀi:m], „ihnen“ – [‚ˀi:nən], „ihrem“ – [‚ˀi:ʀəm]

[i] wird lang gesprochen, wenn auf den Vokal folgend ein Dehnungs-„e“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „lieben“ – [‘li:bən], „Miete“ – [‘mi:tə], „Biene“ – [‘bi:nə], „wieder“ – [‘vi:dəʁ], „vier“ – [fi:ʁ]
  • Aber nicht in „vierzehn“ – [‘fɪʀt͜se:n], „vierzig“ – [‘fɪʀt͜sɪç]

[i] wird lang gesprochen, wenn auf den Vokal folgend ein Dehnungs-„eh“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Vieh“ – [fi:], „du siehst“ – [du: ‘zi:st], „sie befiehlt“ – [zi: bə‘fi:lt], „geliehen“ – [gə‘li:ən], „er verzieh“ – [ˀe:ʁ fεʁ‘t͜si:]

[i] wird lang gesprochen, wenn auf den betonten Vokal folgend „z“ – für [t͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Notiz“ – [no‘ti:t͜s], „Hospiz“ – [hɔs‘pi:t͜s], „Justiz“ – [jᴜs‘ti:t͜s], „Indiz“ – [ˀɪn‘di:t͜s], „Miliz“ – [mɪ‘li:t͜s]

[i] wird in Fremdwörtern kurz gesprochen, wenn auf den unbetonten Vokal folgend „z“ – für [t͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Polizei“ – [poli‘t͜sa͜e], „bizarr“ – [bi‘t͜saʀ], „Lizenz“ – [li‘t͜sεnt͜s],
    „schizophren“ [ʃit͜so‘fʀe:n], „infizieren“ – [ˀɪnfi‘t͜si:ʀən]

[i] wird lang gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „r“ – für [ʁ] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „mir“ – [mi:ʁ], „dir“ – [di:ʁ], „wir“ – [vi:ʁ], „Kefir“ – [‘kefi:ʁ], „Geysir“ – [ga͜e‘z:ʁ]

Offener I-LautBeim Sprechen des offenen I-Lauts [ɪ][36] spreizen sich die Lippen bei etwas gesenktem Unterkiefer recht deutlich und die Mundwinkel ziehen sich zurück, weniger als beim geschlossenen I-Laut [i]. Der Mund ist leicht geöffnet und lässt eine mäßig breite Passage für den Ausatmungsluftstrom. Die Zungenspitze berührt leicht die unteren Schneidezähne. Der Zungenrücken wölbt sich wie beim geschlossenen I-Laut [i] mäßig stark nach vorn. Das Gaumensegel ist gehoben und die Stimmlippen schwingen.

Der offene I-Laut wird stets kurz gesprochen – [ɪ].

Betonung[ɪ] wird in betonter Vorsilbe kurz gesprochen, zum Beispiel in:

  • „dahineilen“ – [da‘hɪnˀa͜elən], „Zwischenfall“ – [‘t͜sv’ʃənfal], „dahinterkommen“ – [da‘hɪntəʁkɔmən], „innewohnen“ – [‘ˀɪnəvo:nən], „mitdenken“ – [‘mɪtdεŋkən]

[ɪ] wird in unbetonter Vorsilbe kurz gesprochen, zum Beispiel in:

  • „Indiz“ – [ˀɪn‘di:t͜s], „infam“ – [ˀɪn‘fɑ:m], „infantil“ – [ˀɪnfan‘ti:l], „Infekt“ – [ˀɪn‘fεkt], „Intendant“ – [ˀɪntεn‘dant]
  • „hinabreißen“ – [hɪ‘napʀa͜esən], „hinaufgehen“ – [hɪ‘na͜ofge:ən], „hindurchzwängen“ – [hɪn‘dʊʀçt͜svɛŋən], „hineinkommen“ – [hɪ‘na͜enkɔmən], „hinausrennen“ – [hɪ‘na͜osʀɛnən]

[ɪ] wird in unbetonter Nachsilbe kurz gesprochen, zum Beispiel in:

  • „sinnlich“ – [‘zɪnlɪç], „täglich“ – [‘tε:klɪç], „räumlich“ – [‘ʀɔ͜ømlɪç], „schädlich“ – [‘ʃε:tlɪç], „bläulich“ – [‘blɔ͜ølɪç]
  • „demokratisch“ – [demo‘kʀɑ:tɪʃ], „despotisch“ – [dεs‘po:tɪʃ], „politisch“ – [po‘li:tɪʃ], „kritisch“ – [‘kʀi:tɪʃ], „metallisch“ – [me‘talɪʃ]
  • „ruhig“ – [‘ʀu:ɪç], „kräftig“ – [‘kʀεftɪç], „geräumig“ – [gə‘ʀɔ͜ømɪç], „ständig“ – [‘ʃtεndɪç], „lustig“ – [‘lʊstɪç]
  • „Nachbarin“ – [‘naxbɑ:ʀɪn], „Freundin“ – [‘fʀɔ͜øndɪn], „Bäckerin“ – [‘bɛkəʀɪn], „Inhaberin“ – [‘ˀɪnhɑ:bəʀɪn], „Rivalin“ – [ʀi‘vɑ:lɪn]

Schreibung[ɪ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend mehr als nur ein Konsonant geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „mild“ – [mɪlt], „Gehirn“ – [gə‘hɪʀn], „Birne“ – [‘bɪʀnə], „Bild“ – [bɪlt], „Hilfe“ – [‘hɪlfə]

[ɪ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend ein Doppelkonsonant oder „ck“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „still“ – [ʃtɪl], „Mitte“ – [‘mɪtə], „Lippe“ – [‘lɪpə], „wirr“ – [vɪʀ], „innen“ – [‘ɪnən]
  • „ticken“ – [‘tɪkən], „sticken“ – [‘ʃtɪkən], „Knick“ – [knɪk], „Geschick“ – [gə‘ʃɪk], „Blick“ – [blɪk]

[ɪ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „st“ – für [st] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „nisten“ – [‘nɪstən], „Kiste“ – [‘kɪstə], „List“ – [lɪst], „Register“ – [ʀe‘gɪstəʁ], „Statistik“ – [ʃta‘tɪstɪk]

[ɪ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „ng“ – für [ŋ] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Ding“ – [dɪŋ], „dringend“ – [‘dʀɪŋənt], „singen“ – [‘zɪŋən], „Ring“ – [ʀɪŋ], „Säugling“ – [‘zɔ͜øklɪŋ]

[ɪ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „ch“ – für [ç] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „nicht“ – [nɪçt], „Dichter“ – [‘dɪçtəʁ], „kichern“ – [‘kɪçəʁn], „Licht“ – [lɪçt], „Nachricht“ – [‘nɑ:xʀɪçt]

[ɪ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „sch“ – für [ʃ] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „mischen“ – [‘mɪʃən], „frisch“ – [fʀɪʃ], „Tisch“ – [tɪʃ], „wischen“ – [‘vɪʃən], „artistisch“ – [ˀaʀ‘tɪstɪʃ]

[ɪ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „tz“ – für [t͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Witz“ – [vɪt͜s], „Hitze“ – [‘hɪt͜sə], „Blitz“ – [blɪt͜s], „Spitze“ – [‘ʃpɪt͜sə], „sitzen“ – [‘zɪt͜sən]

[ɪ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „pf“ – für [p͜f] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Wipfel“ – [‘vɪp͜fəl], „Zipfel“ – [‘t͜sɪp͜fəl], „Gipfeltreffen“ – [‘gɪp͜fəltʀɛfən], „Gipfel“ – [‘gɪp͜fəl], „Zipfelmütze“ – [‘t͜sɪp͜fəlmγt͜sə]

[ɪ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „chs“ – für [k͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Wichse“ – [‘vɪk͜sə], „gewichst“ – [gə‘vɪk͜st]

[ɪ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „x“ – für [k͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Nixe“ – [‘nɪk͜sə], „fix“ – [fɪk͜s], „mixen“ – [‘mɪk͜sən], „verflixt“ – [fɛʁ‘flɪk͜st], „Elixier“ – [ˀelɪ‘k͜si:ʁ]

Nichtsilbischer I-LautBeim Sprechen des nichtsilbischen I-Lauts [ı] spreizen sich die Lippen bei gering gesenktem Kiefer weniger als beim offenen I-Laut [ɪ] und die Mundwinkel ziehen sich etwas zurück. Der Mund lässt eine minimale Passage für den Ausatmungsluftstrom. Die Zungenspitze berührt leicht die unteren Schneidezähne. Der Zungenrücken wölbt sich wie beim geschlossenen I-Laut [i] mäßig stark nach vorn. Das Gaumensegel ist gehoben und die Stimmlippen schwingen.

Der nichtsilbische I-Laut wird ausschließlich vor einem Vokal gesprochen – [ı].

Schreibung[ı] wird gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „e“ – für [ə] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Pinie“ – [‘pi:nıə], „Aktie“ – [‘ˀaktıə], „Lilie“ – [‘li:lıə], „Akazie“ – [ˀa‘kɑ:ʦıə], „Familie“ –[fa‘mi:lıə]

[ı] wird gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „a“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Razzia“ – [‘ʀɑt͜sıa], „Tertia“ – [‘tɛʁt͜sıa], „jovial“ – [jo‘vıɑ:l], „medial“ – [me‘dıɑ:l], „Loggia“ – [‘lɔd͜ʒıa]

[ı] wird gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „o“ – für [o] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Aktion“ – [ˀak‘t͜sıo:n], „Laudatio“ – [la͜o‘dɑ:t͜sıo], „Studio“ – [‘ʃtu:dıo], „Radio“ – [‘ʀɑ:dıo], „rational“ – [ʀɑt͜sıo‘nɑ:l]

Geschlossener Ü-LautBeim Sprechen des geschlossenen Ü-Lauts [y][37] stülpen sich die Lippen bei wenig gesenktem Unterkiefer wie beim geschlossenen U-Laut [u] sehr stark nach vorn. Der Mund öffnet sich minimal und lässt dem Ausatmungsluftstrom nur eine sehr schmale Passage. Die Zungenspitze berührt leicht die unteren Schneidezähne. Der Zungenrücken wölbt sich wie beim geschlossenen E-Laut [e] zum vorderen harten Gaumen. Das Gaumensegel ist gehoben und die Stimmlippen schwingen.

Der geschlossene Ü-Laut wird in betonten Silben lang gesprochen – [y:].

Betonung[y] wird lang gesprochen, wenn der Vokal allein Träger einer betonten Silbe ist, zum Beispiel in:

  • „Übel“ – [‘ˀy:bəl], „üben“ – [‘ˀy:bən], „über“ – [‘ˀy:bəʁ], „Übung“ – [‘ˀy:bᴜŋ]

[y] wird am Ende einer betonten Silbe lang gesprochen, zum Beispiel in:

  • „Süden“ – [‘zy:dən], „müde“ – [‘my:də], „wütend“ – [‘vy:tənt], „Tüte“ – [‘ty:tə], „Güte“ – [‘gy:tə]

[y] wird in Fremdwörtern in betonter Silbe lang gesprochen, zum Beispiel in:

  • „Akronym“ – [ˀɑkʀo’ny:m], „synonym“ – [zγno’ny:m], „Analyse“ – [ˀɑnɑ’ly:zə], „anonym“ – [ˀɑno’ny:m], „Typ“ – [ty:p]

[y] wird in betonter Vorsilbe lang gesprochen, zum Beispiel in:

  • „hinüberfahren“ – [hɪ‘ny:bəʁfɑ:ʀən], „hinüberkommen“ – [hɪ‘ny:bəʁkɔmən], „hinüberlaufen“ – [hɪ‘ny:bəʁla͜ofən], „hinüberfliegen“ – [hɪ‘ny:bəʁfli:gən], „hinüberrennen“ – [hɪ‘ny:bəʁʀɛnən]
  • „herüberfahren“ – [hɛ‘ʀy:bəʁfɑ:ʀən], „herüberkommen – [hɛ‘ʀy:bəʁkɔmən], „herüberlaufen“ – [hɛ‘ʀy:bəʁla͜ofən], „herüberfliegen“ – [hɛ‘ʀy:bəʁfli:gən], „herüberrennen“ – [hɛ‘ʀy:bəʁʀɛnən]
  • „gegenübersitzen“ – [ge:gən‘ˀy:bəʁzɪt͜sən], „gegenüberstellen“ – ge:gən‘ˀybəʁʃtɛlən], „gegenüberliegen“ – [ge:gən‘ˀy:bəʁli:gən], „gegenübersetzen“ – [ge:gən‘ˀy:bəʁzɛt͜sən], „gegenübertreten“ – [ge:gən‘ˀy:bəʁtʀe:tən]

[y] wird in unbetonter Vorsilbe lang gesprochen, zum Beispiel in:

  • „überfallen“ – [ˀy:bəʁ‘falən], „übereinkommen“ – [ˀy:bəʁ‘ˀa͜enkɔmən], „übergehen“ – [ˀy:bəʁ‘ge:ən], „überfliegen“ – [ˀy:bəʁ‘fli:gən], „übersehen“ – [ˀy:bəʁ‘ze:ən]

Analoglänge[y] wird in einer Verbform lang gesprochen, wenn seine Ent­sprechung im Infinitiv lang gesprochen wird, zum Beispiel in:

  • „du prüfst“ – [du: ‘pʀy:fst] analog zu „prüfen“ [‘pʀy:fən], „er spürt“ – [ˀe:ʁ ‘ʃpy:ʁt] analog zu „spüren“ – [‘ʃpy:ʀən], „sie kürt“ – [zi: ‘ky:ʁt] analog zu „küren“ – [‘ky:ʀən], „ihr betrügt“ – [ˀi:ʁ bə‘tʀy:kt] analog zu „betrügen“ – [bə‘tʀy:gən], „er schürt“ – [ˀe:ʁ ‘ʃy:ʁt] analog zu „schüren“ – [‘ʃy:ʀən]

[y] wird im Singular eines Wortes lang gesprochen, wenn seine Entsprechung im Plural am Ende einer betonten Silbe steht, zum Beispiel in:

  • „Tür“ – [ty:ʁ] analog zu „Türen“ – [‘ty:ʀən], „Geschwür“ – [gə‘ʃvüʁ] analog zu „Geschwüre“ – [gə‘ʃvy:ʀə], „Gespür“ – [gə‘ʃpy:ʁ] analog zu „Gespüre“ – [gə‘ʃpy:ʀə], „Gemüt“ – [gə‘my:t] analog zu „Gemüter“ – [gə‘my:təʁ], „Kostüm“ – [kɔs‘ty:m] analog zu „Kostüme“ – [kɔs‘ty:mə]

[y] wird in einer abgeleiteten Wortform lang gesprochen, wenn seine Entsprechung im Ausgangssubstantiv lang gesprochen wird, zum Beispiel in:

  • „natürlich“ – [na‘ty:ʁlɪç] analog zu „Natur“ – [na‘tu:ʁ], „figürlich“ – [fɪ‘gy:ʁlɪç] analog zu „Figur“ – [fɪ‘gu:ʁ], „willkürlich“ – [‘vɪlky:ʁlɪç] analog zu „Willkür“ – [‘vɪlky:ʁ], „betrüblich“ [bə‘tʀy:plɪç] analog zu „Betrübnis“ – [bə‘tʀy:pnɪs],
    „vergnüglich“ – [fεʁ‘gny:klɪç] analog zu „Vergnügen“ – [fεʁ‘gny:gən]

Schreibung[y] wird lang gesprochen, wenn auf den Vokal folgend ein Dehnungs-„h“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Bühne“ – [‘by:nə], „kühlen“ – [‘ky:lən], „Mühle“ – [‘my:lə], „Hühnchen“ – [‘hy:nçən], „Kühe“ – [‘ky:ə]

[y] wird lang gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „ß“ – für [s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „büßen“ – [‘by:sən], „Grüße“ – [‘gʀy:sə], „Füße“ – [‘fy:sə], „Süße“ – [‘zy:sə], „müßig“ – [‘my:sɪç]

[y] wird lang gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „r“ – für [ʁ] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „für“ – [fy:ʁ], Gespür“ – [gə‘ʃpy:ʁ], „Willkür“ – [‘vɪlky:ʁ], „Tür“ – [ty:ʁ], „Geschwür“ – [gə‘ʃvy:ʁ]

Offener Ü-LautBeim Sprechen des offenen Ü-Lauts [γ][38] stülpen sich die Lippen bei kaum gesenktem Unterkiefer stark nach vorn und lassen dem Ausatmungsluftstrom nur eine schmale Passage. Der Mund öffnet sich wie beim offenen U-Laut [ᴜ] wenig. Die Zungenspitze berührt leicht die unteren Schneidezähne. Der Zungenrücken wölbt sich wie beim geschlossenen I-Laut [i] nach oben zum harten Gaumen. Das Gaumensegel ist gehoben und die Stimmlippen schwingen.

Der offene Ü-Laut wird stets kurz gesprochen – [γ].

Schreibung[γ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend mehr als nur ein Konsonant geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Gründe“ – [‘gʀγndə], „Hündchen“ – [‘hγntçən], „Hürde“ – [‘hγʀdə], „Sünde“ – [‘zγndə], „rümpfen“ – [‘ʀγmp͜fən]
  • „zyklisch“ – [‚t͜sγklɪʃ], „System“ – [zγs’te:m], „Gymnasium“ – [gγm’nɑ:zıʊm], „Hydrant“ – [hγˀdʀant], „Sylt“ – [zγlt]

[γ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend ein Doppelkonsonant oder „ck“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Hütte“ – [‘hγtə], „füllen“ – [‘fγlən], „dünn“ – [dγn], „flügge“ – [‘flγgə], „Küsse“ – [‘kγsə]
  • „bücken“ – [‘bγkən], „Rücken“ – [‘ʀγkən], „zücken“ – [‘t͜sγkən],
    „drücken“ – [‘dʀγkən], „Stück“ – [ʃtγk]

[γ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „st“ – für [st] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Küste“ – [‘kγstə], „flüstern“ – [‘flγstəʁn], „Rüstung“ – [‘ʀγstᴜŋ],
    „lüstern“ – [‘lγstəʁn], „Zyste“ – [‘t͜sγstə]
  • Aber nicht in „Büste“ – [‘by:stə], „hüsteln“ – [‘hy:stəln], „düster“ – [‘dy:stəʁ], „Wüste“ – [‘vy:stə]

[γ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „ng“ – für [ŋ] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Jüngling“ – [‘jγŋlɪŋ], „Schwünge“ – [‘ʃvγŋə], „düngen“ – [‘dγŋən], „Klüngel“ – [‘klγŋəl], „Sprünge“ – [‘ʃpʀγŋə]

[γ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „ch“ – für [ç] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Sprüche“ – [‘ʃpʀγçə], „anrüchig“ – [‘ˀanʀγçɪç], „berüchtigt“ – [bə‘ʀγçtɪçt], „flüchten“ – [‘flγçtən], „nüchtern“ – [‘nγçtəʁn]
    • Aber nicht in „Bücher“ – [‘by:çəʁ] analog zu „Buch“ – [bu:x], „Tücher“ – [‘ty:çəʁ] analog zu „Tuch“ – [tu:x]

[γ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „sch“ – für [ʃ] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Büsche“ – [‘bγʃə], „plüsch“ – [plγʃ], „Gebüsch“ – [gə‘bγʃ], „Büschel“ – [‘bγʃəl], „Plüschtier“ – [‘plγʃti:ʁ]
    • Aber nicht in „Rüsche“ – [‘ʀy:ʃə]

[γ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „tz“ – für [t͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Pfütze“ – [‘p͜fγt͜sə], „Mütze“ – [‘mγt͜sə], „schützen“ – [‘ʃγt͜sən],
    „stützen“ – [‘ʃtγt͜sən], „nützlich“ – [‘nγt͜slɪç]

[γ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „pf“ – für [p͜f] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „hüpfen“ – [‘hγp͜fən], „schlüpfrig“ – [‘ʃlγp͜fʀɪç], „knüpfen“ – [‘knγp͜fən], „Tüpfelchen“ – [‘tγp͜fəlçən], „anknüpfen“ – [‘ˀanknγp͜fən]

[γ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „chs“ – für [k͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Büchse“ – [‘bγk͜sə], „Füchse“ – [‘fγk͜sə], „kleinwüchsig“ – [‘kla͜envγk͜sɪç], „Füchsin“ – [‘fγk͜sɪn], „Sammelbüchse“ – [‘zaməlbγk͜sə]

[γ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „x“ – für [k͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „ausbüxen“ – [‘ˀa͜osbγk͜sən], „Onyx“ – [‘ˀo:nγk͜s]

Zentralvokale

Beim Artikulieren der Zentralvokale ruht die Zunge  fast völlig entspannt im Mundraum, nur der Zungenrücken wölbt sich leicht in der Mitte. Die drei Zentralvokale im Deutschen – [ɑ], [a] und [ə] – unterscheiden sich voneinander durch die unterschiedliche Kieferöffnung und die Lippenweitung.

Geschlossener A-LautBeim Sprechen des geschlossenen A-Lauts [ɑ][39] weiten sich die Lippen deutlich bei stark gesenktem Unterkiefer. Der Mund öffnet sich weit und lässt dem Ausatmungsluftstrom die größte Passage aller Vokale. Die Zungenspitze berührt leicht die unteren Schneidezähne. Der mittlere Zungenrücken wölbt sich gering nach hinten, weniger stark als beim offenen A-Laut [a]. Das Gaumensegel ist gehoben und die Stimmlippen schwingen.

Der geschlossene A-Laut wird in vielen betonten Silben lang gesprochen – [ɑ:] – und in wenigen unbetonten Silben kurz [ɑ].

Betonung[ɑ] wird lang gesprochen, wenn der Vokal allein Träger einer betonten Silbe ist, zum Beispiel in:

  • „Abend“ –[‘ˀɑ:bənt], „Atem“ – [‘ˀɑ:təm], „Adel“ – [‘ˀɑ:dəl], „aber“ – [‘ˀɑ:bəʁ], „Ader“ – [‘ˀɑ:dəʁ]

[ɑ] wird am Ende einer betonten Silbe lang gesprochen, zum Beispiel in:

  • „sagen“ – [‘zɑ:gən], „Ware“ – [‘vɑ:ʀə], „Gabel“ – [‘gɑ:bəl], „tragen“ – [‘tʀɑ:gən], „Haken“ – [‘hɑ:kən]

[ɑ] wird in betonter Vorsilbe lang gesprochen, zum Beispiel in:

  • „Nachsilbe“ – [‘nɑ:xzɪlbə], „Nachkomme“ – [‘nɑ:xkɔmə], „nachsehen“ – [‘nɑ:xze:ən], „nachschauen“ – [‘nɑ:xʃa͜oən], „nachlaufen“ – [‘nɑ:xla͜ofən]

[ɑ] wird in unbetonter Nachsilbe lang gesprochen, zum Beispiel in:

  • „unmittelbar“ – [‘ˀʊnmɪtəlbɑ:ʁ] , „trinkbar“ – [‘tʀɪŋkbɑ:ʁ], „atembar“ – [‘ɑ:təmbɑ:ʁ], „überschaubar“ – [ˀy:bəʁ‘ʃa͜obɑ:ʁ] „begehbar“ – [bə‘ge:bɑ:ʁ]
  • „sorgsam“ – [‘zɔʀkzɑ:m], „heilsam“ – [‘ha͜elzɑ:m], „mühsam“ – [‘my:zɑ:m], „ratsam“ – [‘ʀɑ:tzɑ:m], „sittsam“ – [‘zɪtzɑ:m]

Analoglänge[ɑ] wird in einer Verbform lang gesprochen, wenn seine Entsprechung im Infinitiv lang gesprochen wird, zum Beispiel in:

  • „du fragst“ – [du: ‘fʀɑ:kst] analog zu „fragen“ – [‘fʀɑ:gən], „sie rast“ – [zi: ‘ʀɑ:st] analog zu „rasen“ – [‘ʀɑ:zən], „es grast“ – [ˀɛs ‘gʀɑ:st], analog zu „grasen“ – [‘gʀɑ:sən], „ihr blast“ – [ˀi:ʁ ‘blɑ:st] analog zu „blasen“ – [‘blɑ:zən], „ihr tragt“ – [ˀi:ʁ ‘tʀɑ:kt] analog zu „tragen“ – [‘tʀɑ:gən]

[ɑ] wird im Singular eines Wortes lang gesprochen, wenn seine Entsprechung im Plural am Ende einer betonten Silbe steht, zum Beispiel in:

  • „Tal“ – [tɑ:l] analog zu „Täler“ [‘tɛ:ləʁ], „Qual“ – [k͜vɑ:l] analog zu „Qualen“ – [‘k͜vɑ:lən], „Tag“ – [tɑ:k] analog zu „Tage“ – [‘tɑ:gə], „Rad“ – [ʀɑ:t] analog zu „Räder“ [‘ʀɛ:dəʁ], „Schlag“ – [ʃlɑ:k] analog zu [‘ʃlɛ:gə]

[ɑ] wird in einer abgeleiteten Wortform lang gesprochen, wenn seine Entsprechung im Ausgangssubstantiv lang gesprochen wird, zum Beispiel in:

  • „maßvoll“ – [‘mɑ:sfɔl] analog zu „Maß“ – [mɑ:s], „planvoll“ – [‘plɑ:nfɔl] analog zu „Plan“ – [plɑ:n], „qualvoll“ – [‘k͜vɑ:lfɔl] analog zu „Qual“ – [k͜vɑ:l], „tatkräftig“ – [‘tɑ:tkʀεftɪç] analog zu „Tat“ – [tɑ:t], „schadhaft“ [‘ʃɑ:thaft] analog zu „Schaden“ – [‘ʃɑ:dən]

Schreibung[ɑ] wird lang gesprochen, wenn der Vokal doppelt geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Saal“ – [zɑ:l], „Staat“ – [ʃtɑ:t], „Saat“ – [zɑ:t], „Haar“ – [hɑ:ʁ], „Paar“ – [pɑ:ʁ]

[ɑ] wird lang gesprochen, wenn auf den Vokal folgend ein Dehnungs-„h“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Naht“ – [nɑ:t], „Mahl“ – [mɑ:l], „kahl“ – [kɑ:l], „Zahl“ – [t͜sɑ:l], „Fahrt“ – [fɑ:ʁt]

[ɑ] wird lang gesprochen, wenn auf den Vokal folgend ein Dehnungs-„e“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Baesweiler“ – [‘bɑ:sva͜eləʁ], „Straelen“ – [‘ʃtʀa:lən], „Kevelaer“ – [‘ke:vəlɑ:ʁ]

[ɑ] wird lang gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „ß“ – für [s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Maß“ – [mɑ:s], „Straße“ – [‘ʃtʀɑ:sə], „Maßnahme“ – [‘mɑ:snɑ:mə], „maßlos“ – [‘mɑ:slo:s], „Maßband“ – [‘mɑ:sbant]

[ɑ] wird lang gesprochen, wenn auf den betonten Vokal folgend „z“ – für [t͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „dazu“ – [‘dɑ:t͜su:], „Fazit“ – [‘fɑ:t͜sɪt], „Grazie“ – [‘gʀɑ:t͜sıə],
    „Lapislazuli“ – [lapɪs‘lɑ:t͜sᴜli:], „Pistazie“ – [pɪs‘tɑ:t͜sıə]

    • Also nicht in unbetonter Silbe wie in „spazieren“ – [ʃpa‘t͜si:ʀən]

[ɑ] wird in Fremdwörtern kurz gesprochen, wenn auf den unbetonten Vokal folgend „z“ – für [t͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Magazin“ – [magɑ‘t͜si:n], „Pazifik“ – [pɑ‘t͜si:fɪk], „Kapazität“ – [kapɑt͜sɪ‘tε:t], „Pharmazie“ – [faʀmɑ‘t͜si:], „Lazarett“ – [lɑt͜sɑ‘ʀεt]

[ɑ] wird lang gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „r“ – für [ʁ] – geschrieben wird:

  • „Art“ – [ˀɑ:ʁt], „Arzt“ – [ˀɑ:ʁt͜st], „Bar“ – [bɑ:ʁ], „Basar“ – [ba‘zɑ:ʁ], „Exemplar“ – [ˀεk͜sεm‘plɑ:ʁ]

Offener A-LautBeim Sprechen des offenen A-Lauts [a][40] weiten sich die Lippen bei gesenktem Unterkiefer recht deutlich, doch nicht ganz so weit wie beim geschlossenen A-Laut [ɑ]. Der Mund weitet sich und lässt dem Ausatmungsluftstrom eine große Passage. Die Zungenspitze berührt leicht die unteren Schneidezähne. Der mittlere Zungenrücken wölbt sich löffelförmig nach vorn, stärker als beim geschlossenen A-Laut [ɑ]. Das Gaumensegel ist gehoben und die Stimmlippen schwingen.

Der offene A-Laut wird stets kurz gesprochen – [a].

Betonung[a] wird in betonter Vorsilbe kurz gesprochen, zum Beispiel in:

  • „annehmen“ – [‘ˀanne:mən], „Angabe“ – [‘ˀangɑ:bə], „angenehm“ – [‘ˀangəne:m], „Anzug“ – [‘ˀant͜su:k], „Anklage“ – [‚‘ˀanklɑ:gə]
  • „hinabschauen“ – [hɪ‘napʃa͜oən], „hinanschreiten“ – [hɪ‘nanʃʀa͜etən], „vorangehen“ – [fɔ‘ʀange:ən], „herankommen“ – [hε‘ʀankɔmən], „entlanglaufen“ – [ˀεnt‘laŋla͜ofən]

[a] wird in unbetonter Vorsilbe kurz gesprochen, zum Beispiel in:

  • „dabeisitzen“ – [da‘ba͜ezɪt͜sən], „dagegenhalten“ – [da‘ge:gənhaltən], „daherkommen“ – [da‘he:ʁkɔmən], „dahinfließen“ – [da‘hɪnfli:sən], „danebenstehen“ – [da‘ne:bənʃte:ən], „daransetzen“ – [da‘ʀanzεt͜sən],
    „darumkommen“ – [da‘ʀʊmkɔmən], „davonlaufen“ – [da‘fɔnla͜ofən]], „dazwischenrufen“ – [da‘t͜svɪʃənʀu:fən]

Schreibung[a] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend mehr als nur ein Konsonant geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Land“ – [lant], „Tante“ – [‘tantə], „halten“ – [‘haltən], „hart“ – [haʀt], „Kampf“ – [kamp͜f]

[a] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend ein Doppelkonsonant oder „ck“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Kamm“ – [kam], „Wanne“ – [‘vanə], „er rannte“ [ˀe:ʁ ‘ʀantə], „Masse“ – [‘masə], „Ratte“ – [‘ratə]
  • „hacken“ – [‘hakən], „Nacken“ – [‘nakən], „Fackel“ – [‘fakəl], „Wrack“ – [vʀak], „Sack“ – [zak]

[a] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „st“ – für [st] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „fasten“ – [‘fastən], „Hast“ – [hast], „Ast“ – [ˀast], „basteln“ – [‘bastəln], „Rast“ – [ʀast]

[a] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „ng“ – für [ŋ] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „lange“ – [‘laŋə], „schwanger“ – [‘ʃvaŋəʁ], „Angel“ – [‘ˀaŋəl],
    „empfangen“ – [ˀɛm‘p͜faŋən], „Zwang“ – [t͜svaŋ]

[a] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „ch“ – für [x] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „lachen“ – [‘laxən], „Macht“ – [maxt], „Schachtel“ – [‘ʃaxtəl], „Krach“ – [kʀax], „machen“ – [‘maxən]

[a] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „sch“ – für [ʃ] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Masche“ – [‘maʃə], „rasch“ – [ʀaʃ], „Lasche“ – [‘laʃə], „Tasche“ – [‘taʃə], „naschen“ – [‘naʃən]

[a] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „tz“ – für [t͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Latz“ – [lat͜s], „Fratze“ – [‘fʀat͜sə], „Katze“ – [‘kat͜sə], „Schatz“ – [ʃat͜s], „Tatze“ – [‘tat͜sə]

[a] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „pf“ – für [p͜f] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Napf“ – [nap͜f], „tapfer“ – [‘tap͜fəʁ], „Zapfen“ – [‘t͜sap͜fən], „stapfen“ – [‘ʃtap͜fən], „Apfel“ – [‘ˀap͜fəl]

[a] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „chs“ – für [k͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Lachs“ – [lak͜s], „wachsen“ – [‘vak͜sən], „Dachs“ – [dak͜s], „Achse“ – [‘ˀak͜sə], „Sachse“ – [‘zak͜sə]
    • Also nicht in abgeleiteten Wörtern, in denen kein [k͜s] gesprochen wird, wie in „des Dachs“ – [dɛs ‘daxs] analog zu „Dach“ – [dax], „Gemach“ – [gə‘mɑ:x] analog zu „Gemächer“ – [gə‘mε:çəʁ]

[a] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „x“ – für [k͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Haxe – [‘hak͜sə], „Praxis“ – [‘pʀak͜sɪs], „Axt“ – [ˀak͜st], „maximal“ – [mak͜si‘mɑ:l], „Max“ – [mak͜s]

Unbetonter E-LautBeim Sprechen des schwachtonigen E-Lauts [ə][41] weiten sich die Lippen bei gering gesenktem Unterkiefer ohne Spannung. Der Mund öffnet sich leicht, weniger als beim offenen E-Laut [ɛ], für den Ausatmungsluftstrom. Die Zungenspitze berührt leicht die unteren Schneidezähne. Der Zungenrücken wölbt sich schwach in der Mitte, schwächer als beim geschlossenen E-Laut [e]. Das Gaumensegel ist gehoben und die Stimmlippen schwingen.

Der schwachtonige E-Laut wird stets kurz gesprochen [ə][42].

Betonung[ə] wird am Ende einer unbetonten Vorsilbe kurz gesprochen, zum Beispiel in:

  • „gegeben“ – [gə‘ge:bən], „Gebirge“ – [gə‘bɪʀgə] – „gelegen“ – [gə‘le:gən], „getan“ – [gə‘tɑ:n], „Gelage“ – [gə‘lɑ:gə]
  • „beheben“ – [bə‘he:bən], „behalten“ – [bə‘haltən], „beenden“ – [bə‘ˀɛndən], „Betrug“ – [bə’tʀu:k], „Betrag“ – [bə’tʀɑ:k]
  • „bevorzugen“ – [bə’fo:ʁt͜su:gən], „bevorraten“ – [bə’fo:ʁʀɑtən],
    „bevormunden“ – [bə’fo:ʁmʊndən], „bevorstehen“ – [bə’fo:ʁʃte:ən], „bevorrechtigt“ – [bə’fo:ʁʀεçtɪçt]

[ə] wird in unbetonter Nachsilbe kurz gesprochen, zum Beispiel in:

  • „Freude“ – [‘fʀɔ͜ødə], „Gebäude“ – [gə‘bɔ͜ødə], „Olympiade“ – [ˀo:lγm‘pıɑ:də], „Barde“ – [‘baʀdə], „Kunde“ – [‘kʊndə]
  • „diesem“ – [‘di:zəm], „diese“ – [‘di:zə], „dieser“ – [‘di:zəʁ], „diesen – [‘di:zən]
  • „Mädchen“ – [‘mε:tçən], „Märchen – [‘mε:ʁçən]“, „Birnchen“ – [‘bɪʀnçən], „Schildchen“ – [‘ʃɪltçən], „Hühnchen“ – [‘hy:nçən]
  • „sitzen“ – [‘zɪt͜sən], „lachen“ – [‘laxən], „sprechen“ – [‘ʃpʀεçən],
    „freuen“ – [‘fʀɔ͜øən], „erblicken“, [ˀεʁ‘blɪkən]
  • „Mutter“ –[‘mᴜtəʁ], „Vater“ – [‘fɑ:təʁ], „Leiter“ – [‘la͜etəʁ], „weiter“ – [‘va͜etəʁ], „Mauer“ – [‘ma͜oəʁ]

Diphthonge

Bei einem Diphthong werden zwei verschiedene Vokale als eine einzigen Silbe[44] gesprochen, wobei im Deutschen der erste Vokal etwas stärker betont wird. Alle anderen Vokale im Deutschen sind Monophthonge[45]. Diphthonge werden behandelt wie lang gesprochene Monophthonge.

Heller EI-DiphthongBeim Sprechen des hellen Diphthongs
EI [a͜e] gleitet
die Artikulation vom offenen
A-Laut [a] zum geschlossenen
E-Laut [e].

 

 

 

Schreibung[a͜e] wird gesprochen, wenn „ei“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Ei“ – [ˀa͜e], „nein“ – [na͜en], „Heide“ – [‘ha͜edə], „Eis“ – [ˀa͜es], „Geschrei“ – [gə‘ʃʀa͜e]
    • Aber nicht in Fremdwörtern wie „Protein“ – [pʀote’ˀi:n], „Koffein“ – [kɔfe‘ˀi:n], „Cystein“ – [t͜sγste‘ˀi:n]

[a͜e] wird gesprochen, wenn „ai“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Mai“ – [ma͜e], „Mais“ – [ma͜es], „Waise“ – [‘va͜ezə], „Saite“ – [‘za͜etə], „Laie“ – [‘la͜eə]
    • Aber nicht in Fremdwörtern wie „naiv“ – [na‘ˀi:f]

[æ] wird gesprochen, wenn „ay“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Bayern“ – [‘ba͜eəʁn], „Bayreuth“ – [ba͜e‘ʀɔ͜øt], „Ayatollah“ – [ˀa͜ea‘tɔlɑ:], „Malaysia“ – [ma‘la͜ezıɑ:], „Kay“ – [ka͜e]

[a͜e] wird gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „ß“ – für [s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „heiß“ – [ha͜es], „Fleiß“ – [fla͜es], „beißen“ – [‘ba͜esən], „heißen“ – [‘ha͜esən], „reißen“ – [‘ʀa͜esən]

[a͜e] wird gesprochen, wenn auf den betonten Vokal folgend „z“ – für [t͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Beize“ – [‘ba͜et͜sə], „reizen“ –[‘ʀa͜et͜sən], „heizen“ – [‘ha͜et͜sən],
    „Weizen“ – [‘va͜et͜sən], „Geiz“ – [ga͜et͜s]

[a͜e] wird gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „ch“ – für [ç] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Beichte“ – [‘ba͜eçtə], „leicht“ – [la͜eçt], „gleich“ – [gla͜eç], „Scheich“ – [ʃa͜eç], „Teich“ – [ta͜eç]

[a͜e] wird gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „sch“ – für [ʃ] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Fleisch“ – [fla͜eʃ], „erheischen“ – [ˀεʁ‘ha͜eʃən], „kreischen“ – [‘kʀa͜eʃən], „zerfleischen“ – [t͜sεʁ‘fla͜eʃən]
  • „Maische“ – [‘ma͜eʃə]
    • Aber nicht in „archaisch“ – [aʀ‘çɑ:ɪʃ], „prosaisch“ – [pʀo:‘zɑ:ɪʃ], „algebraisch“ – [alge‘bʀɑ:ɪʃ]

[a͜e] wird gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „chs“ – für [k͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Deichsel“ – [‘da͜ek͜səl] , „Weichsel“ – [‘va͜ek͜səl]

[a͜e] wird gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „x“ – für [k͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „feixen“ – [‘fa͜ek͜sən]

Betonung[a͜e] wird gesprochen, wenn der Vokal allein Träger einer betonten Silbe ist, zum Beispiel in:

  • „Eiche“ – [‘ˀa͜eçə], „Eifer“ – [‘ˀa͜efəʁ], „Eiter“ – [‘ˀa͜etəʁ], „eigen“ – [‘ˀa͜egən], „eilen“ – [‘ˀa͜elən]

[a͜e] wird am Ende einer betonten Silbe gesprochen, zum Beispiel in:

  • „reiten“ – [‘ʀa͜etən], „gleiten“- [‘gla͜etən], „Reise“ – [‘ʀa͜ezə], „Kreide“ – [‘kʀa͜edə], „Meise“ – [‘ma͜ezə]

[a͜e] wird am Ende einer betonten Vorsilbe gesprochen, zum Beispiel in:

  • „beistehen“ – [‘ba͜eʃte:ən], „Beihilfe“ – [‘ba͜ehɪlfə], „Beispiel“ – [‘ba͜eʃpi:l], „beibringen“ – [‘ba͜ebʀɪŋən], „Beifall“ – [‘ba͜efal]
  • „dabeisitzen“ – [da‘ba͜ezɪt͜sən], „dabeibleiben“ – [da‘ba͜ebla͜ebən], „dabeistehen“ – [da‘ba͜eʃte:ən]
  • „herbeieilen“ – [hεʁ‘ba͜eˀa͜elən], „herbeiführen“ – [hεʁ‘ba͜efy:ʀən], „herbeilocken“ – [hεʁ‘ba͜elɔkən], „herbeischaffen“ – [hεʁ‘ba͜eʃafən], „herbeirufen“ – [hεʁ‘ba͜eʀu:fən]
  • „entzweibrechen“ – [ˀεnt‘t͜sva͜ebʀεçən], „entzweigehen“ – [ˀεnt‘t͜sva͜ege:ən], „entzweireißen“ – [ˀεnt‘t͜sva͜eʀa͜esən], „entzweihauen“ – [ˀεnt‘t͜sva͜eha͜oən], „entzweischneiden“ – [ˀεnt‘t͜sva͜eʃna͜edən]

[a͜e] wird in betonter Vorsilbe gesprochen, zum Beispiel in:

  • „weiterrennen“ – [‘va͜etəʁʀεnən], „weitersagen“ – [‘va͜etəʁzɑ:gən], „weiterspielen“ – [‘va͜etəʁʃpi:lən], „weiterschlafen“ – [‘va͜etəʁʃlɑ:fən], „weiterverarbeiten“ – [‘va͜etəʁfεʁˀaʀba͜etən]
  • „hereinkommen“ – [hε‘ʀa͜enkɔmən], „hereinlassen“ – [hε‘ʀa͜enlasən], „hereinlegen“ – [hε‘ʀa͜enle:gən], „hereinregnen“ – [hε‘ʀa͜enʀe:knən], „hereinstürzen“ – [hε‘ʀa͜enʃtγʁt͜sən]

[a͜e] wird in unbetonter Nachsilbe gesprochen, zum Beispiel in:

  • „Fähnlein“ – [‘fε:nla͜en], „Männlein“ – [‘mεnla͜en], „Fräulein“ – [‘fʀɔ͜øla͜en], „Zicklein“ – [‘t͜sɪkla͜en], „Bächlein“ – [‘bεçla͜en]
  • „Gesundheit“ – [gə‘zʊntha͜et], „Klarheit“ – [‘klɑ:ʁha͜et], Sturheit“ – [‘ʃtu:ʁha͜et], „Besonderheit“ – [bə‘zɔndəʁha͜et], „Schönheit“ – [‘ʃønha͜et]
  • „Sauberkeit“ – [‘za͜obəʁka͜et], „Ehrlichkeit“ – [‘ˀe:ʀlɪçka͜et], „Fähigkeit“ – [‘fε:ɪçka͜et], „Pünktlichkeit“ – [‘pγŋktlɪçka͜et], „Möglichkeit“ – [‘mø:klɪçka͜et]

Dunkler AU-DiphthongBeim Sprechen des dunklen Diphthongs
AU [a͜o] gleitet
die Artikulation vom offenen
A-Laut [a] zum geschlossenen
O-Laut [o].

 

 

 

Schreibung[a͜o] wird gesprochen, wenn „au“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Haus“ – [ha͜os], „bauen“ – [‘ba͜oən] , „Raub“ – [ʀa͜op], „Auflauf“ – [‘ˀa͜ofla͜of], „austauschen“ – [‘ˀa͜osta͜oʃən]

[a͜o] wird gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „ß“ – für [s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Strauß“ – [ʃtʀa͜os]

[a͜o] wird gespochen, wenn auf den betonten Vokal folgend „z“ – für [t͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Kauz“ – [ka͜ot͜s]

[a͜o] wird gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „st“ – für [st] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Faust“ – [fa͜ost], „du baust“ [du: ‘ba͜ost], „du schaust“ [du: ‘ʃa͜ost], „gesaust“ – [gə‘za͜ost], „Australien“ – [ˀa͜os‘tʀɑ:lıən]

[a͜o] wird gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „ch“ – für [x] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Rauch“ – [ʀa͜ox], „auch“ – [ˀa͜ox], „stauchen“ – [‘ʃta͜oxən], „tauchen“ – [‘ta͜oxən], „brauchen“ – [‘bʀa͜oxən]

[a͜o] wird gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „sch“ – für [ʃ] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Rausch“ – [ʀa͜oʃ], „tauschen“ – [‘ta͜oʃən], „aufbauschen“ – [‘ˀa͜ofba͜oʃən], „belauschen“ – [bə‘la͜oʃən], „flauschig“ – [‘fla͜oʃɪç]

[a͜o] wird gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „x“ – für [k͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „auxiliar“ – [ˀa͜ok͜sɪ‘lıɑ:ʁ], „Bauxit“ – [ba͜o‘k͜sɪt]

Betonung[a͜o] wird gesprochen, wenn der Vokal allein Träger einer betonten Silbe ist, zum Beispiel:

  • „Aue“ – [‘ˀa͜oə], „Auerhahn“ – [‘ˀa͜oəʁhɑ:n], „Auge“ – [‘ˀa͜ogə], „audio“ – [‘ˀa͜odio:], „Aura“ – [‘ˀa͜oʀɑ:]

[a͜o] wird am Ende einer betonten Silbe gesprochen, zum Beispiel in:

  • „bauen“ – [‘ba͜oən], „raufen“ – [‘ʀa͜ofən], „saufen“ – [‘za͜ofən], „rau“ – [ʀa͜o], „blau“ – [bla͜o]

[a͜o] wird in betonter Vorsilbe gesprochen, zum Beispiel in:

  • „herauskommen“ – [hε‘ʀa͜oskɔmən], „hinausgehen“ – [hɪ‘na͜osge:ən], „hinaufschauen“ – [hɪ‘na͜ofʃa͜oən], „Voraussage“ – [fɔ‘ʀa͜oszɑ:gə], „Aufbau“ – [‘ˀa͜ofba͜o], „auslaufen“ – [‘ˀa͜osla͜ofən]

Heller EI-DiphthongBeim Sprechen des hellen Diphthongs
EU [ɔ͜ø] gleitet
die Artikulation vom offenen
O-Laut [ɔ] zum geschlossenen Ö-Laut [ø].

 

 

 

Schreibung[ɔ͜ø] wird gesprochen, wenn „eu“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „heute“ – [‘hɔ͜øtə], „scheu“ – [ʃɔ͜ø], „Beute“ – [‘bɔ͜øtə], „Euter“ – [‘ˀɔ͜øtəʁ], „Zeug“ – [t͜sɔ͜øk]

[ɔ͜ø] wird gesprochen, wenn „äu“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „träumen“ – [‘tʀɔ͜ømən], „häufig“ – [‘hɔ͜øfɪç], „Läuse“ – [‘lɔ͜øzə], „Säure“ – [‘zɔ͜øʀə], „Gebäude“ – [gə‘bɔ͜ødə]

[ɔ͜ø] wird gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „ß“ – für [s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Preußen“ – [‘pʀɔ͜øsən]
  • „äußern“ – [‘ˀɔ͜øsəʁn], „äußerst“ – [‘ˀɔ͜øsəʁst]

[ɔ͜ø] wird gesprochen, wenn auf den betonten Vokal folgend „z“ – [t͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Kreuz“ – [kʀɔ͜øt͜s], „kreuzigen“ – [‘kʀɔ͜øt͜sɪgən], „Kreuzung“ – [‘kʀɔ͜øt͜sʊŋ]
  • „schnäuzen“ – [‘ʃnɔ͜øt͜sən]

[ɔ͜ø] wird gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „st“ – für [st] – geschrieben wird, zum Besipiel in:

  • „Fäuste“ – [‘fɔ͜østə]

[ɔ͜ø] wird gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „ch“ – für [ç] geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „euch“ – [ˀɔ͜øç], „feucht“ – [fɔ͜øçt], „Seuche“ – [‘zɔ͜øçə], „leuchten“ – [‘lɔ͜øçtən], „Erleuchtung“ – [ˀɛʀ‘lɔ͜øçtʊŋ]
  • „räuchern“ – [‘ʀɔ͜øçəʁn], „Bräuche“ – [‘bʀɔ͜øçə], „Gesträuch“ – [gə‘ʃtʀɔ͜øç], „Schläuche“ – [‘ʃlɔ͜øçə], „Bäuche“ – [‘bɔ͜øçə]

[ɔ͜ø] wird gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „sch“ – für [ʃ] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „keusch“ – [kɔ͜øʃ], „Beuschel“ – [‘bɔ͜øʃəl]
  • „Geräusch“ – [gə‘ʀɔ͜øʃ], „täuschen“ – [‘tɔ͜øʃən], „Täuschung“ – [‘tɔ͜øʃʊŋ]
[ɔ͜ø] wird nicht gesprochen, wenn in Fremdwörtern auf den Vokal folgend „r“ – für [ʁ] – geschrieben wird, also nicht in:

  • „Amateur“ – [ˀɑma‘tø:ʁ], „Redakteur“ – [ʀedak‘tøʁ], „Chauffeur“ – [ʃɔ‘fø:ʁ], „Ingenieur“ – [ˀɪnʒɛ‘nıø:ʁ], „Regisseur“ – [ʀeʒɪ‘sø:ʁ]

Betonung[ɔ͜ø] wird gesprochen, wenn der Vokal allein Träger einer betonten Silbe ist, zum Beispiel in:

  • „Euter“ – [‘ˀɔ͜øtəʁ], „Eule“ – [‘ˀɔ͜ølə], „euer“ – [‘ˀɔ͜øəʁ], „Euro“ – [‘ˀɔ͜øʀo:], „Eugen“ – [‘ˀɔ͜øgən]
  • „äußerlich“ – [‘ˀɔ͜øsəʁlɪç], „beäugen“ – [bə‘ˀɔ͜øgən], „äußern“ – [‘ˀɔ͜øsəʁn], „äußerst“ – [‘ˀɔ͜øsəʁst], „Äugelchen“ – [‘ˀɔ͜øgəlçən]

[ɔ͜ø] wird am Ende einer betonten Silbe gesprochen, zum Beispiel in:

  • „heute“ – [‘hɔ͜øtə], „Leute“ – [‘lɔ͜øtə], „Reuse“ – [‘ʀɔ͜øzə], „Keule“ – [‘kɔ͜ølə], „heulen“ – [‘hɔ͜ølən]
  • „Häute“ – [‘hɔ͜øtə], „läuten“ – [‘lɔ͜øtən], „Mäuse“ – [‘mɔ͜øzə], „Säue“ – [‘zɔ͜øə], „gläubig“ – [‘glɔ͜øbɪç]

Literatur

Duden. Die Grammatik
Duden. Das Fremdwörterbuch
Duden. Das Aussprachewörterbuch
Ingeborg Geißner-von Nida. Mimeo
Carl Martens, Peter Martens. Phonetik der deutschen Sprache
Hans Joachim Störig. Das große Wörterbuch der deutschen Sprache
Hans-Heinrich Wängler. Atlas deutscher Sprachlaute
Christian Winkler. Lautreines Deutsch

www.klangsignale.com
www.wikipedia.org
www.wiktionary.org
www.wordmine.info

[1] Vokal = Selbstlaut
[2] Aussprache = Phonation = Stimmerzeugung
[3] Lautschrift = Internationales Phonetisches Alphabet = API
[4] Duden. Aussprachewörterbuch
[5] Laut der von zwei Buchstaben repräsentiert wird = Digraf
[6] [x] = stimmloser Hintergaumen-Reibelaut wie in „Schach“ – [ʃax]
[7] [ç] = stimmloser Vordergaumen-Zischlaut wie in „ich“ – [ˀɪç]
[8] Labiale
[9] Auch die Gaumen-Zischlaute [ʃ] und [ʒ] werden mit gerundeten Lippen gesprochen, wie in
„Schule“ – [‘ʃu:lə] und „Garage“ – [ga‘ʀɑ:ʒə]
[10] Nichtlabiale
[11] Auch die Vordergaumen-Zischlaute [ç] und [j] werden mit gespreizten Lippen gesprochen, wie in „Licht“ – [lɪçt] und „jung“ – [jʊŋ]
[12] Duden. Aussprachewörterbuch
[13] Knacklaut = Glottisschlag = Stimmritzenverschlusslaut
[14] [ˀ] = [│]
[15] Am Beginn einer Sprechsilbe = im Anlaut = anlautend
[16] Vorsilbe = Präfix = vor den Wortstamm angefügte Worterweiterung
[17] Nachsilbe = Suffix = nach dem Wortstamm angefügte Worterweiterung
[18] Rechtschreibung = Orthografie
[19] Rechtlautung = Orthoëpie, von altgriechisch ὀρθός, orthós: aufrecht, richtig und ἔπος, epos: Wort, Vers, Erzählung, Gedicht, Rede
[20] Siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_deutscher_Präfixe
[21] Siehe: https://de.wiktionary.org/wiki/Vorlage:Suffixe_(Deutsch)
[22] Abgeleitet = in grammatischen Formen flektiert, abgewandelt, gebeugt, dekliniert, konjugiert
[23] Grundform des Verbs = Infinitiv
[24] Substantiv = Hauptwort
[25] Plural = Mehrzahl
[26] Deutscher geschlossener U-Laut = gerundeter geschlossener U-Laut
[27] Deutscher offener U-Laut = gerundeter kaum offener U-Laut
[28] Deutscher geschlossener O-Laut = gerundeter halbgeschlossener O-Laut
[29] Deutscher offener O-Laut = gerundeter halboffener O-Laut
[30] Deutscher geschlossener E-Laut = ungerundeter halbgeschlossener E-Laut
[31] Deutscher offener E-Laut = ungerundeter halboffener E-Laut
[32] Umlaut = die Buchstaben Ä und ä, Ö und ö sowie Ü und ü
[33] Deutscher geschlossener Ö-Laut = gerundeter halbgeschlossener Ö-Laut
[34] Deutscher offener Ö-Laut = gerundeter halboffener Ö-Laut
[35] Deutscher geschlossener I-Laut = ungerundeter geschlossener I-Laut
[36] Deutscher offener I-Laut = ungerundeter kaum offener I-Laut
[37] Deutscher geschlossener Ü-Laut = gerundeter geschlossener Ü-Laut
[38] Deutscher offener Ü-Laut = gerundeter kaum offener Ü-Laut
[39] Deutscher geschlossener A-Laut = ungerundeter geschlossener A-Laut
[40] Deutscher offener A-Laut = ungerundeter offener A-Laut
[41] Deutscher schwachtoniger E-Laut = mittlerer unbetonter E-Laut = Schwalaut = Murmellaut
[42] Folgt auf einen zentralen schwachtonigen E-Laut – [ə] – in unbetonter Silbe ein schwacher stimmhafter Zäpfchen-Fließlaut – [ʁ] –, können beide Laute zum fast offenen Zentralvokal – [ɐ] – verschmelzen.
[43] Diphthong = Zwielaut, von altgriechisch δίφθογγος: dis = zweimal und phthóggos = Laut
[44] Diphthong ≠ Hiat mit zwei verschiedenen Vokalen in zwei Silben, zum Beispiel „Chaos“ – [kɑ’ˀɔs], „Ruine“ – [ʀu’ˀi:nə] oder „Boa“ – [‚bo:ɑ:]
[45] Monophthong = einfacher Laut, von altgriechisch μονόφθογγος: mónos =allein und phthóggos = Laut

Akzentfrei artikulieren

Standard

Die Aussprache im Deutschen

Die deutsche Sprache hat für das Sprechen ebenso Regeln wie für das Schreiben. Wer in der Standardsprache schreiben will, richtet sich nach der Rechtschreibung[1], wer in der Standardsprache sprechen will, richtet sich nach der Rechtlautung[2]. Beide Regelungen sind Teil der Grammatik[3], deren System sich gliedert in: Laut, Silbe, Wort, Satz und Text.

Laut

Ein Laut[4] ist ein durch eine Stimme produzierter Ton. Beim Ausatmen versetzen Artikulationsorgane den Luftstrom in Schallwellen, die als Klang zu hören sind. Sprachlaute[5] entstehen, wenn Laute mit einem definierten Sprachsignal gleich­gesetzt werden. Ein Laut ist die kleinste Einheit des Lautsystems einer Sprache, definiert durch seinen Klang und seine Funktion.

Laut versus Sprachlaut – Beispiel 1
Der R-Laut lässt sich sehr unterschiedlich erzeugen: etwa durch das Schwingen des Zäpfchens – [ʀ] – oder der Zungenspitze – [r] – oder durch die Enge zwischen Zäpfchen und hinterem Zungenrücken – [ʁ]. Auf welche Weise der R-Laut gespro­chen wird, erzeugt im Deutschen keinen Bedeutungsunterschied[6], seine Varianten werden stets als Sprachlaut /r/ interpretiert.

Laute gehören zu unterschiedlichen Sprachlauten, wenn der klangliche[7] Unterschied einem sprachlichen Bedeutungsunterschied entspricht.

Laut versus Sprachlaut – Beispiel 2
Der A-Laut lässt sich im Deutschen recht unterschiedlich erzeugen: etwa lang und offen [ɑ:] oder kurz und geschlossen [a]. Die Art seines Sprechens kann durchaus einen Bedeutungsunterschied ergeben: Die Aussage „Sie rasten.“ – [zi: ‘ʀɑ:sten] – mit der Bedeutung ‚Sie bewegten sich schnell‘ unterscheidet sich durchaus von der Aussage „Sie rasten.“ – [zi: ‘ʀasten] – mit der Bedeutung ‚Sie unterbrechen ihre Bewegung‘. Die Varianten werden verschiedenen Sprachlauten /a/ zugeordnet.

Sprachlaute sind eine Gruppe von Lauten, die von Muttersprachlern als „ungefähr gleich“ empfunden werden.[8]

Laut versus Sprachlaut – Beispiel 3
Manche Wörter unterscheiden sich von anderen nur in einem Laut. So gehören in „Sand“ – [zant], Wand – [vant], Hand – [hant], Band – [bant], Rand – [ʀant] die anlautenden Konsonanten [z], [v], [h], [b] und [ʀ] zu unterschiedlichen Sprach­lauten, weil sie zu unterschiedlichen Bedeutungen der Wörter führen.

Laute werden in der Rechtschreibung mit Buchstaben und in der Rechtlautung mit phonetischen Zeichen verschriftlicht.

Lautschrift

Im Deutschen zeigen die Buchstaben des Alphabets, wie Sprachlaute gesprochen werden, doch entspricht nicht immer ein Buchstabe nur einem Laut und nicht jeder Laut wird von nur einem Buchstaben repräsentiert, zum Beispiel:

  • „sch“ und „s“ vor „t“ und „s“ vor „p“ stehen für [ʃ] wie in „Schule“ – [‘ʃu:lə], „Stadt“ – [ʃtat], „Spiel“ – [ʃpi:l]
  • „ch“ kann für [ç] oder [x] stehen wie in „ich“ – [ɪç] oder „Macht“ – [maxt]
  • [ε] kann repräsentiert werden durch „e“ oder „ä“ wie in „nett“ – [nεt] oder „Fläche“ – [‘flɛçə]

Die Lautschrift[9] ordnet jedem Laut recht genau ein Lautzeichen zu und jedes Lautzeichen repräsentiert nur einen Sprachlaut. Zur Präzisierung verwendet die Lautschrift ergänzende phonetische Zeichen:

  • [‘] für Betonung, zum Beispiel in „Versuch“ – [fɛʁ‘zu:x]
  • [:] für Länge, zum Beispiel in „Tür“ – [ty:ʁ]
  • [ˀ] für den Knacklaut, zum Beispiel in „beantworten“ – [bə‘ˀantvɔʀtən]
  • [ʰ] für Behauchung, zum Beispiel in „Pumpe“ – [‘pʰʊmpʰə]

Um die Lautschrift nicht zu überladen, wird im Deutschen meist auf die Notation des Knacklauts und der Behauchung verzichtet.

Buchstaben und phonetische Zeichen für Vokale im Deutschen

„u“ für [u] und [ʊ] zum Beispiel in „Buch“ – [bu:x] und „Busch“ – [bʊʃ]
„o“ für [o] und [ɔ] zum Beispiel in „Mode“ – [‘mo:də] und „Motte“ – [‘mɔtə]
„e“ für [e], [ɛ] und [ə] zum Beispiel in „Herd“ – [he:ʁt], „nett“ – [nεt] und „Güte“ – [‘gy:tə]
„ä“ für [ɛ] zum Beispiel in „Bär“ – [bε:ʁ]  
„ö“ für [ø] und [œ] zum Beispiel in „lösen“ – [‘lø:zən] und „Rösser“ – [‘ʀœsəʁ]
„i“ für [i], [ɪ] und [ı] zum Beispiel in „Sieb“ – [zi:p], „Mitte“ – [‘mɪtə] und „Grazie“ – [‘gʀɑ:t͜sıə]
„ü“ für [y] und [γ] zum Beispiel in „Tücher“ – [‘ty:çəʁ] und „Küsse“ – [‘kγsə]
„a“ für [ɑ] und [a] zum Beispiel in „Schal“ – [ʃɑ:l] und „Schach“ – [ʃax]
„ei“, „ey“, „ai“ und“ay“ für [a͜e] zum Beispiel in „Reise“ – [‘ʀa͜ezə],
„Geysir“ – [‘ga͜ezɪʀ], „Maier“ – [‘ma͜eəʁ] und „Bayer“ – [‘ba͜eəʁ]
„au“ für [a͜o] zum Beispiel in „Tausch“ – [ta͜oʃ]
„eu“ und „äu“ für [ɔ͜ø] zum Beispiel in „heute“ – [‘hɔ͜øtə] und „Häute“ – [‘hɔ͜øtə]

Buchstaben und phonetische Zeichen für Konsonanten im Deutschen

„l“ für [l], zum Beispiel in „Liebe“ – [‘li:bə]
„r“ für [ʀ] und [ʁ], zum Beispiel in „Rot“ – [ʀo:t] und „Scherbe“ – [‘ʃεʁbə]
„m“ für [m], zum Beispiel in „Made“ – [‘mɑ:də]
„n“ für [n], zum Beispiel in „Naht“ – [nɑ:t]
„ng“ für [ŋ] zum Beispiel in „Ding“ – [dɪŋ]
„f“ für [f], zum Beispiel in „Fisch“ – [fɪʃ]
„w“ und „v“ für [v], zum Beispiel in „Wort“ – [vɔʀt] und „Vase“ – [‘vɑ:zə]
„ch“ für [x] und [ç], zum Beispiel in „doch“ – [dɔx] und „dich“ – [dɪç]
„s“ für [s] und [z], zum Beispiel in „das“ – [das] und „Sache“ – [‘zaxə]
„sch“ und „ch“ für [ʃ], zum Beispiel in „schön“ – [ʃø:n] und „Chauffeur“ – [ʃo‘fø:ʁ]
„j“ für [j] und [ʒ], zum Beispiel in „jetzt“ – [jεt͜st] und „Jackett“ – [ʒa‘kεt]
„p“ und „b“ für [p], zum Beispiel in „Paar“ – [pɑ:ʁ] und „Sieb“ – [zi:p]
„b“ für [b], zum Beispiel in „Bar“ – [bɑ:ʁ]
„t“ und „d“ für [t], zum Beispiel in „Tor“ – [to:ʁ] und „Kleid“ – [kla͜et]
„d“ für [d], zum Beispiel in „Dach“ – [dax]
„k“ und „g“ für [k], zum Beispiel in „kaum“ – [ka͜om] und „Flug“ – [flu:k]
„g“ für [g] und [ʒ], zum Beispiel in „gut“ – [gu:t] und „Genie“ – [ʒε‘ni:]
„h“ für [h], zum Beispiel in „Hut“ – [hu:t]
„pf“ für [p͜f], zum Beispiel in „Pforte“ – [‘p͜fɔʀtə]
„ps“ für [p͜s], zum Beispiel in „Schlips“ – [ʃlɪp͜s]
„ts“, „z“ und „tz“ für [t͜s], zum Beispiel in „nichts“ – [nɪçt͜s], „Zoo“ – [t͜so:] und „Katze“ – [‘kat͜sə]
„tsch“ für [t͜ʃ], zum Beispiel in „rutschen“ – [‘ʀʊt͜ʃən]
„dsch“ für [d͜ʒ], zum Beispiel in „Dschungel“ – [‘d͜ʒʊŋəl]
„ks“ und „x“ für [k͜s], zum Beispiel in „Keks“ – [ke:k͜s] und „mixen“ – [‘mɪk͜sən]
„qu“ für [k͜v], zum Beispiel in „quer“ – [k͜ve:ʁ]

AspirationIm Deutschen werden die stimmlosen Verschlusslaute[10] [p], [t] und [k] vor Vokalen behaucht gesprochen, also von einem leichten Hauchlaut – [ʰ] – begleitet: [pʰ], [tʰ], [kʰ]. In der deutschen Sprache ist die Behauchung[11] jedoch kein bedeutungsunterscheidendes[12] Merkmal, denn die Laute werden sowohl behaucht wie unbehaucht als Sprachlaute gleich verstanden.

Dynamischer AkzentAuch die Betonung[13], die verschieden laute Aussprache, lässt sich in phonetischer Notation verschriftlichen, zum Beispiel im Wort „Seenotübung“ – [‘zė:nò:tˀý:bʊŋ]:

  • Mit der Überschwere – ˙ – auf der ersten Silbe – [zė:]
  • Mit der Vollschwere – ´ – auf der dritten Silbe – [ˀý:]
  • Mit der Kaumschwere – ` – auf der zweiten Silbe – [nò:t]
  • Ohne Schwere auf der vierten Silbe – [bʊŋ]

In der Lautschrift wird meist auf die Notation der Betonung mit Schweren verzichtet und nur die Betonung des Akzents – [‘] – in mehrsilbigen Wörtern verwendet.

Sprechpausen an SprechabschnittenVerzichtet wird fast immer auch auf die Notation von Sprech­pausen in Texten. Unabhängig von den Zeichen der Recht­schreibung – wie Punkt, Komma, Semikolon, Gedankenstrich, Doppelpunkt – können Sprechabschnitte gegliedert werden in:

  • Schluss eines Abschnitts – || – für eine lange Sprechpause
  • Ende eines Ausspruchs – || – für eine weniger lange Sprechpause
  • Zwischen Sinnschritten – | – für eine kurze Sprechpause
  • Zwischen Wortblöcken – ‘ – für eine Staupause

Melodischer AkzentIn Texten lässt sich auch die Tonhöhenbewegung[14] für das Sprechen kennzeichnen. Auf die Notation wird jedoch verzichtet, wenn die Aufmerksamkeit auf die akzentfreie Aussprache konzentriert werden soll. Die Zeichen zur Sprechmelodie können an die Notation der Sprech­abschnitte angefügt werden:

  • Vollschluss – \ – für das vollständige Senken der Tonhöhe
  • Halbschluss – ` – für das leichte Senken der Tonhöhe
  • Schwebeton – ˉ – für das Verbleiben auf einer Tonhöhe
  • Hochschluss – ´ – für das Heben der Tonhöhe

Die hier im Essay verwendete Lautschrift ist ein Ausschnitt aus dem Internationalen Phonetischen Alphabet, angewendet auf vorwiegend nichtzusammengesetzte Wörter der deutschen Sprache und nur wenige geläufige Fremdwörter. Am Anfang von Wörtern wird der Knacklaut hier nicht verschriftlicht.

Die Rechtlautung regelt nicht die Aussprache des eigenen Namens eines Sprechers; jeder Mensch mag seinen Namen aussprechen, wie er will.

Artikulation

Beim Sprechen werden Sprachlaute durch Artikulation[15] gebildet. Die menschlichen Artikulationsorgane befinden sich im und um den Mundraum:

  • Wenn die Stimmlippen[16] beim Sprechen schwingen, sind die Laute stimmhaft: bei allen Vokalen und stimmhaften Konsonanten. Bleiben die Stimmlippen entspannt, sind die Laute stimmlos: bei allen stimmlosen Konsonanten.
  • Zungenrücken[17] und Zäpfchen[18] variieren beim Sprechen die Enge im Rachen – wie bei den Hinterzungenvokalen [o] und [ɔ] sowie [u] und [ʊ] oder bei den Zäpfchen-Fließlauten[19] [ʀ] und [ʁ] oder beim Hintergaumen-Reibelaut[20] [x] und den Hintergaumen-Verschlusslauten[21] [k] und [g]. Das Gaumensegel[22] ist beim Sprechen der deutschen Sprache meist gehoben. Es senkt sich nur bei den Nasenlauten[23] [m], [n] und [ŋ], um dem Ausatmungsluftstrom[24] den Weg durch den Nasenraum[25] freizugeben.
  • Beim Sprechen des Hintergaumen-Nasenlauts[26] [ŋ] und des Hintergaumen-Reibelauts [x] wölbt sich der Zungenrücken zum weichen Gaumen[27] und bildet für den Ausatmungsluftstrom eine enge Passage. Bei den Hintergaumen-Verschlusslauten [k] und [g] wird dort der Ausatmungsluftstrom unterbrochen.
  • Zum harten Gaumen[28] wölbt sich die Zunge beim Sprechen der Vorderzungen­vokale [i], [ɪ], [ı], [e], [ɛ], [y], [γ], [ø] und [œ] sowie bei den Vordergaumen-Zisch­lauten[29] [ç] und [j].
  • Die Lippen[30] am vorderen Mundraum[31] sind sehr beweglich, sie stülpen sich bei den O-, U-, Ö- und Ü-Lauten – [o], [ɔ], [u], [ʊ], [ø], [œ] und [y], [γ] –, spreizen sich bei den I-Lauten [i], [ɪ] [ı], den E-Lauten [e] und [ɛ] sowie bei den Vordergaumen-Zischlauten [ç] und [j] und runden sich bei den Gaumen-Zischlauten[32] [ʃ] und [ʒ].
  • Beim Sprechen aller Vokale im Deutschen berührt die Zungenspitze[33] leicht die unteren Schneidezähne[34]. Beim Sprechen der Vordergaumen-Zischlaute [ç] und [j] liegt sie an den unteren Schneidezähnen.
  • Die Zungenspitze liegt beim Fließlaut[35] [l] und beim Nasenlaut [n] an den vorderen oberen Zahntaschen[36] und schwingt gegen sie beim Zungenspitzen-Fließlaut[37] [r]. Sie bildet mit den Zahntaschen eine Enge für den Ausatmungsluftstrom bei den Zischlauten [s], [z], [ʃ] und [ʒ], während sie ihn dort bei den Verschlusslauten [t] und [d] unterbricht.

Die Artikulationsorgane können immens viele unterschiedliche Laute erzeugen, doch jede Sprache – so auch das Deutsche – beschränkt sich auf ein begrenztes Lautinventar.

Silbe

Die deutsche Sprache hat mehr als 10.000 verschiedene Sprechsilben.

Jedes Wort besteht aus einer oder mehreren Sprechsilben.[38] Sprecheinheiten aus Sprachlauten[39] bilden eine Sprechsilbe. Sie stimmen nicht immer mit Bedeutungs­silben[40] überein, auch nicht mit den Schreibsilben[41] zur orthografischen[42] Wort­trennung. Im Deutschen enthält eine Silbe immer einen Vokal[43], zumeist ergänzt durch einen oder mehrere Konsonanten[44].

Anlautend, inlautend, auslautendIn Wörtern befinden sich Silben entweder am Anfang, am Ende oder dazwischen – zum Beispiel:

  • Die Silbe [ˀa͜e] im Wort „eigenbrötlerisch“ – [‘ˀa͜egənbʀø:tlɛʀɪʃ] befindet sich am Anfang des Wortes.[45]
  • Die Silbe [ʀɪʃ] im Wort „eigenbrötlerisch“ – [‘ˀa͜egənbʀø:tlɛʀɪʃ] befindet sich am Ende des Wortes.[46]
  • Die Silbe [lɛ] im Wort „eigenbrötlerisch“ – [‘ˀa͜egənbʀø:tlɛʀɪʃ] befindet sich an vorletzter Stelle im Wort.[47]
  • Die Silbe [bʀø:t] im Wort „eigenbrötlerisch“ – [‘ˀa͜egənbʀø:tlɛʀɪʃ] befindet sich an vorvorletzter Stelle im Wort.[48]
  • Die Silben [gən], [bʀø:t] und [lɛ] im Wort „eigenbrötlerisch“ – [‘ˀa͜egənbʀø:tlɛʀɪʃ] befinden sich alle zwischen erster und letzter Silbe.[49]

Erster Laut

Silben beginnen entweder mit einem Vokal oder einem Konsonanten: mit einem Anlaut, zum Beispiel:

  • Der Anlaut im Wort „oft“ – [ˀɔft] ist der Vokal [ɔ]
  • Der Anlaut im Wort „Tor“ – [to:ʁ] ist der Konsonant [t]

Nackte Silben beginnen mit einem Vokal im Anlaut, bedeckte Silben mit einem Konsonanten – zum Beispiel:

  • Die erste, dritte und vierte Silbe des Wortes „beobachten“ – [bə‘ˀo:baxtən] – sind bedeckt: [bə], [bax] und [tən]
  • Die zweite Silbe des Wortes „beobachten“ – [bə‘ˀo:baxtən] ist nackt: [ˀo:]

Letzter LautSilben enden entweder mit einem Vokal oder einem Konsonanten: mit einem Auslaut. Offene Silben[50] enden auf einen Vokal, geschlossene Silben[51] auf mindestens einen Konsonanten, zum Beispiel:

  • Der Auslaut im Wort „so“ – [zo:] ist der Vokal [o:] in offener Silbe.

  • Der Auslaut im Wort „Saft“ – [zaft] ist der Konsonant [t] in geschlossener Silbe.

Zwischen Anlaut und AuslautLaute innerhalb einer Silbe sind Inlaute. Sie folgen auf einen Anlaut oder auf einen anderen Inlaut und werden gefolgt von einem anderen Inlaut oder von einem Auslaut. Inlaute sind entweder Vokale oder Konsonanten, zum Beispiel:

  • In dem Wort „Gelb“ – [gɛlp] sind der Vokal [ɛ] und der Konsonant [l] Inlaute.

Dynamischer AkzentSilben in Wörtern werden entweder betont[52] oder unbetont[53] gesprochen – zum Beispiel:

  • Das Wort „geben“ – [‘ge:bən] wird auf der ersten Silbe[54] betont: auf [ge:].
  • Das Wort „verderblich“ – [fɛʁ‘dɛʁplɪç] wird auf der zweiten Silbe[55] betont: auf [dɛʁp].
  • Das Wort „Aktivität“ – [ˀaktɪvɪ‘tɛ:t] wird auf der letzten Silbe[56] betont: auf [tɛ:t].

  • Das Wort „Apotheke“ – [ˀapo‘te:kə] wird auf der vorletzten Silbe[57] betont: auf [te:].

  • Das Wort „beurteilen“ – [bə‘ˀʊʀta͜elən] wird auf der vorvorletzten Silbe[58] betont: auf [ʊʀ].

Die Regeln zur Rechtlautung beziehen sich auf Silben in nichtzusammengesetzten Wörtern.

Literatur

Duden. Die Grammatik
Duden. Das Fremdwörterbuch
Duden. Das Aussprachewörterbuch
Ingeborg Geißner-von Nida. Mimeo
Carl Martens, Peter Martens. Phonetik der deutschen Sprache
Hans Joachim Störig. Das große Wörterbuch der deutschen Sprache
Hans-Heinrich Wängler. Atlas deutscher Sprachlaute
Christian Winkler. Lautreines Deutsch
www.wikipedia.org


[1] Rechtschreibung = Orthografie
[2] Rechtlautung = Orthoëpie
[3] Grammatik = Lehre vom System einer Sprache
[4 Laut = Phon, von altgriechisch „φωνή“: Laut, Ton, Stimme, Sprache
[5] Sprachlaut = Phonem
[6] Sprachlaut-Varianten, die keine Bedeutung verändern = Allophone
[7] Klanglich = phonetisch
[8] Quizlet. Linguistik – Phonologie
[9] Internationales Phonetisches Alphabet = API
[10] Verschlusslaut = Plosiv
[11] Behauchung = Aspiration; von lateinisch „aspirare“: Luft aushauchen
[12] Bedeutungsunterscheidend = adjungiert = distinktiv
[13] Betonung = dynamischer Akzent
[14] Tonhöhenbewegung = Sprechmelodie = melodischer Akzent
[15] Artikulation = Bildung menschlicher Sprachlaute, von lateinisch „artikulare“: deutlich sprechen
[16] Stimmlippe = Stimmfalte = plica vocalis
[17] Zungenrücken = dorsum linguae
[18] Zäpfchen = Gaumenzäpfchen = uvula
[19] Zäpfchen-Fließlaut = uvularer Liquid
[20] Hintergaumen-Reibelaut = gutturaler Frikativ
[21] Hintergaumen-Verschlusslaut = gutturaler Plosiv
[22] Gaumensegel = velum palatinum
[23] Nasenlaut = Nasal
[24] Ausatmungsluftstrom = Expiration
[25] Nasenraum = nasum spatium
[26] Hintergaumen-Nasenlaut = gutturaler Nasal
[27] Weicher Gaumen = Hintergaumen = palatum molle
[28] Harter Gaumen = Vordergaumen = palatum durum
[29] Vordergaumen-Zischlaut = palataler Sibilant
[30] Lippe = labium oris
[31] Mundraum = Mundhöhle = cavum oris
[32] Gaumen-Zischlaut = gutturaler Sibilant
[33] Zungenspitze = apex linguae
[34] Schneidezahn = dens incisivus
[35] Fließlaut = Liquid
[36] Zahntasche = Zahnfleischtasche = Zahndamm = Bereich der Alveolen
[37] Zungenspitzen-Fließlaut = lingualer Liquid
[38] Von lateinisch „syllaba“, griechisch „συλλαβή“: Zusammenfassung
[39] Sprachlaute = Phoneme
[40] Bedeutungssilbe = Morphemsilbe
[41] Schreibsilbe = Graphemsilbe
[42] orthografisch = der Rechtschreibung entsprechend, die Rechtschreibung betreffend
[43] Vokal = Selbstlaut
[44] Konsonant = Mitlaut
[45] Silbe am Anfang eines Wortes = syllaba prima
[46] Silbe am Ende eines Wortes = syllaba ultima
[47] Vorletzte Silbe in einem Wort = syllaba paenultima
[48] Vorvorletzte Silbe in einem Wort = syllaba antepaenultima
[49] Silben zwischen erster und letzter Silbe in einem Wort = Binnensilben = Mittelsilben
[50] Offene Silbe = syllaba aperta
[51] Geschlossene Silbe = syllaba clausa
[52] Betont = mit Überschwere gesprochen
[53] Vollschwere und Kaumschwere werden hier vernachlässigt
[54] Auf der ersten Silbe betont = prototon
[55] Auf der zweiten Silbe betont = deuteroton
[56] Auf der letzten Silbe betont = oxytonon
[57] Auf der vorletzten Silbe betont = paroxytonon
[58] Auf der vorvorletzten Silbe betont = proparoxytonon

Lernmethoden

Standard

Damit das Lernen effektiv wird

Wer effektiv lernen will, braucht geeignete Lernmethoden für das Erreichen seiner Lernziele auf der der gewünschten Lernstufe zu seinem ausgesuchten Lernthema, die zudem seiner Situation, seinen Gewohnheiten und seinen Neigungen entsprechen. Da das Lernen mit nur einer Methode schnell ermüdet, eher langweilt und auch weniger effektiv ist, wählen Lernwillige sinnvollerweise mehrere Methoden, die ihnen die Möglichkeit geben:

  • Allein zu lernen
  • Mit anderen zu lernen
  • Von anderen zu lernen
  • Durch Üben zu lernen
  • Gesteuert zu lernen
  • Dialogisch zu lernen

Mit der Wahl der individuell passenden Lernmethoden fällt anschließend leichter, sich für eine Qualifizierung zu entscheiden, in der die ausgesuchten Methoden eingesetzt werden – auch wenn vielleicht andere sie ihm zur Verfügung stellen. Erläuterungen zu den Methoden können die Auswahl erleichtern.

Allein lernen

Wer sich primär neue Kenntnisse aneignen will, wählt vornehmlich Methoden, die er allein nutzt.

Ein Lehrfilm ist didaktisch aufgebaut. Er unterstützt das Vermitteln von Kenntnissen, Fertigkeiten, und Verhaltensweisen. Lehrfilme heißen auch „Unterrichtsfilme“. – Bekannte Beispiele sind „Das Experiment“ (Deutschland 2001) zum Stanford-Prison-Experi­ment oder auch „Abraham – ein Versuch“ (Deutschland 1970) zum Milgram-Experi­ment.

Der Leittext strukturiert einen Lernprozess durch schriftlich definierte Lernziele, Fragen, Hilfen und Hinweise für das weitere Vorgehen. Seine Informationen, Aufgaben und Kontrollen dienen Lernenden für ihre theoretische und praktische Selbstqualifizierung zum Beispiel in Projekten.

Die Programmierte Unterweisung ist Wissensvermittlung in kleinen logischen und aktivierenden Lernschritten ohne Lehrenden. Auf jeden Lernschritt folgt eine Lernkontrolle. Der Lernende bestimmt Lerngeschwindigkeit und Lernintensität.

Ein Lehrbrief vermittelt Kenntnisse und Fertigkeiten ohne anwesende Lehrkraft. Er ist didaktisch aufgebaut und enthält Übungsaufgaben zur Kontrolle der Lernfortschritte und zur Anwendung des Gelernten.

Lesen erfasst geschriebene Informationen mit den Augen und dem Verstand.

Audiokurse sind Hörbücher, die didaktisch aufbereitete Kenntnisse vermitteln. Sie aktivieren Hörer durch Fragen und durch ergänzende Texte. Audiokurse werden meist für das Lernen einer Fremdsprache eingesetzt und auch als „Audiotrainings“ bezeichnet.

Suggestopädie ist ganzheitliches Lernen und Lehren in Entspannung, wobei künstlerische Ausdrucksformen und nichtverbale Kommunikationsmittel in den Lernprozess integriert sind. Suggestopädie setzt voraus, dass Lernleistung bei Verminderung des Leistungsdrucks steigt.

Superlearning – als Variante der Suggestopädie – ist ganzheitliches Lernen von Sprachen in Entspannung, wobei künstlerische Ausdrucksformen und nichtverbale Kommunikationsmittel in den Lernprozess integriert sind. Superlearning setzt voraus, dass Lernleistung bei Verminderung des Leistungsdrucks steigt.

E-Learning ist selbstgesteuertes interaktives Lernen mit einem Lernprogramm. Das Lernprogramm fragt das Wissen des Lernenden ab und leitet daraus die nächsten Lernschritte ab. Der Lernende bestimmt dadurch Geschwindigkeit, Dauer und Umfang des Lernens nach seinen individuellen Voraussetzungen selbst. E-Learning  heißt auch „Computer Based Training“ oder „Computerunterstütztes Lernen (CUL)“. In Kombination mit anderen Methoden wird das E-Learning zum „Blended Learning“.

Beim Hyperlernen verknüpft der Lernende neue Informationen bewusst mit möglichst vielen ihm bekannten Themen und Erlebnissen. Um hyperlernen zu können, muss er das Neue profund verstehen.

Mit anderen lernen

Wer eine höhere Lernstufe als Reproduktion und Reorganisation erreichen will, wählt – eventuell nach dem Lernen allein – eine oder mehrere Lernmethoden mit Beteiligung anderer.

Gruppenarbeit ist das Lernen in Kleingruppen. Mehrere Teilnehmer arbeiten gleichzeitig an einem Thema oder an mehreren Themen, vornehmlich in Diskussionen. Die Gruppenarbeit fördert das selbstständige Denken, die Zusammenarbeit und die Behaltensleistung. Außerdem schließt sie beiläufig Wissenslücken.

Gruppendynamische Übungen führen zu besserem Verstehen von Gruppenprozessen. Die Teilnehmer erleben Aktionen und Reaktionen der Gruppenmitglieder und die daraus resultierende wechselseitige Beeinflussung. Alle mit den Übungen beabsichtigten Vorgänge betreffen die Verfassung der Gruppe und ihre Aktivitäten.

In der Fallstudie wenden Teilnehmer kurz zuvor erlerntes Wissen in einer simulierten Situation praxisorientiert an. Aufgabe ist, die Situation zu analysieren. Die Methode eignet sich als Einzel- oder Gruppenarbeit. Die Fallstudie wird auch „Case Study“ oder „Fallbeispiel“ genannt.

Das Lernen durch Projektarbeit ist eine Methode der Ausbildung. Ziel, Dauer und betriebsbezogenes Thema der Projektarbeit werden gemeinsam von Ausbilder und Projektarbeitsteam festgelegt. Das Projektarbeitsteam entwickelt selbstständig sein Vorgehen zur Informationsbeschaffung, Planung, Entscheidung, Durchführung und Kontrolle.

Das Planspiel ist eine Simulation realer Zusammenhänge von Entscheidungen und deren Auswirkungen. Die Teilnehmer spielen über mehrere Runden in einem fortlaufenden Prozess. Die Wechselwirkungen von Aktion und Reaktion im Planspiel sind geeignet, Entscheidungsfindungen zu trainieren.

In Rollenübungen proben Personen vermittelte Verhaltensweisen in Beispielsituationen, um gelernte Fertigkeiten und Kenntnisse für die Praxis zu festigen. Die Rollenübung wird oft mit einem Tonträger oder per Video aufgezeichnet. Jede Rollenübung wird analysiert, um den an ihr Beteiligten konstruktive Hinweise für ihr Verhalten zu geben. Die Rollenübung wird auch „Rollenspiel“ genannt.

Die Simulation ist die realitätsnahe Übung von Situationen – zum Beispiel von Verhandlungsgesprächen.

Das Szenario ist ein Entwurf für einen Handlungsablauf mit dem Ziel, in kreativer Arbeit Handlungszusammenhänge zu erfassen und zu generalisieren. Ein Szenario wird von den Teilnehmern einer Lerneinheit entwickelt. Es enthält Angaben über die Entwicklung einer Situation und Beschreibungen von Handlungen.

In der Zukunftswerkstatt lernen die Teilnehmer, Entscheidungen kreativ zu entwickeln. Die Gruppe formuliert Wünsche und entwickelt Vorschläge, wie sie zu erfüllen sind. Die Zukunftswerkstatt besteht aus drei Phasen:

  1. In der Beschwerde- und Kritik-Phase äußern die Teilnehmer Unmut, Kritik und negative Erfahrungen zum Werkstattthema und ordnen sie zu Themenbereichen.
  2. In der Fantasie- und Utopie-Phase entwickelt die Teilnehmergruppe für die Ergebnisse der ersten Phase Wünsche, Vorstellungen und alternative Ideen, entscheidet sich für die interessantesten Einfälle und arbeitet sie in kleinen Arbeitsgruppen zu Lösungsvorschlägen aus.
  3. In der Verwirklichungs- und Praxis-Phase prüft die Teilnehmergruppe die Durchsetzungschancen der Entwürfe, nennt Hinderungsgründe und projektiert deren Überwindung.

Ziel der Zukunftswerkstatt ist, konstruktiv Ideen zu entwickeln und sie auf ihre Realisierungsmöglichkeiten zu prüfen.

In Exkursionen lernen die Teilnehmer mit einem hohen Praxisbezug. Sie erhalten für ihre Erkundung präzise Aufgaben, die sie anschließend gemeinsam reflektieren.

Von anderen lernen

Das Lernen von anderen braucht keine oder nur sehr geringe Steuerung – vielleicht eingangs eine Anleitung oder eine Moderation. Die Inhalte entwickeln die Teilnehmer ohne äußeren Einfluss. Da die Teilnehmer durch ihr eigenes Tun lernen, erzielen sie sehr nachhaltige Lernleistungen.

Bei der Kartenabfrage stellt der Moderator eine Arbeitsfrage und die Teilnehmer schreiben ihre Antworten auf Karten. Anschließend liest jeder seine Antworten vor und pinnt seine Karten an die Moderationswand. Danach entscheiden die Teilnehmer, welche Karten zusammengehören, und gruppieren die Karten thematisch. Die so gebildeten Themengruppen werden eingerahmt und mit Überschriften versehen, die das Gemeinsame der Beiträge widerspiegeln und mit denen weitergearbeitet werden kann – beispielsweise als Arbeitsaufgaben für Kleingruppen.

Das Best Practice ist der Austausch von während der Arbeit erworbenen Kenntnissen, Eindrücken und Erfahrungen – ohne Steuerung von außen.

Konstruktive Kritik ist die detaillierte sachliche Stellungnahme zu einer Leistung oder einem Vorschlag. Sie zielt auf Veränderung und formuliert Vorzüge und Bedenken. Sie stellt Mittel und Wege dar, die Vorzüge zu wahren und die Bedenken auszuräumen. Konstruktive Kritik endet stets mit einer Vereinbarung.

Im Feedback beschreibt der Feedbackgeber dem Feedbacknehmer seine Eindrücke und seine Empfindungen zu dessen Verhalten, ohne es zu bewerten, und schlägt Änderungen vor. Der Feedbacknehmer rechtfertigt sich nicht. Anschließend wird der Feedbackgeber zum Feedbacknehmer.

Beim Testkauf simulieren Teilnehmer einer Qualifizierung die Kundenrolle bei einem nicht eingeweihten Verkäufer eines anderen Unternehmens. Sie beobachten den Verkäufer anhand vorgegebener Kriterien. Anschließend beschreiben sie ihre Beobachtungen und analysieren sie mit den anderen Teilnehmern. Der Testkauf sensibilisiert die Teilnehmer für das Verkaufen.

Durch Üben lernen

Wer weiß, er lernt eher durch Praxis als durch das Aneignen von Theorie und vermittelten Informationen, wählt eine Lernmethode mit der er sein bereits vorhandenes Wissen selbst erweitern und viel ausprobieren kann.

Das Training ist das Einüben von Fertigkeiten und Verhaltensweisen. Es kann auch am Arbeitsplatz eingesetzt werden. Training wird synonym zu „Übung“ gebraucht.

Verhaltenstraining ist das Training von Verhaltensweisen – zum Beispiel für den freundlichen Umgang mit Kunden.

Die Videoanalyse ist das Einüben von Fertigkeiten und Verhaltensweisen unter Einsatz audiovisueller Medien: Videorekorder, Monitor, Kamera und Mikrofon. Die Videoanalyse wird auch „AV-Training“ genannt.

Brainstorming regt das kreative Denken in Gruppen an: Die Gruppe ist aufgefordert, ihre Gedanken zu einem vorgegebenen Thema spontan zu äußern. Kritik ist nicht erlaubt. Die Einfälle werden für alle sichtbar gesammelt. Brainstorming eignet sich, um das gemeinsame Entwickeln von Lösungen zu üben.

Beim Mindmap wird ein Thema in der Mitte einer Fläche eingekreist. Hauptäste mit Unterthemen gehen vom Thema nach allen Seiten ab. Von den Hauptästen führen Zweige mit Detailthemen weg, von denen wiederum thematische Nebenzweige sich abgabeln können. Eventuell wird ein Hauptast mit seinen Zweigen als Komplex eingekreist, um sich mit ihm näher zu befassen.

Die Diskussion ist ein Gespräch mit dem Ziel, Themen zu klären. Dazu tauschen die Beteiligten Meinungen und Informationen aus und begründen sie. Ihr Bestreben ist, gleiche und unterschiedliche Bewertungen zu verdeutlichen und zu einem zuvor nicht festgelegten Konsens zu führen.

Der Kontrollierte Dialog ist eine Übung zum aktiven Zuhören und zum genauen Verstehen: Zwei Dialogpartner sprechen über ein zuvor festgelegtes Thema. Die Dialogbeiträge sind zweigeteilt: Zuerst ist immer der vorangegangene Beitrag sinngemäß zu wiederholen, dann folgt die eigene Stellungnahme. Eine dritte Person kontrolliert, ob die Beiträge vollständig und genau wiederholt werden, ob die Beiträge jeweils mindestens ein neues Argument enthalten und ob das Thema eingehalten wird.

Gesteuert lernen

Wer viel Anleitung für sein Lernen wünscht oder benötigt oder sich viele Kenntnisse in kompakter Darstellung aneignen will, bevorzugt Methoden, bei denen die Wissensvermittler den Verlauf des Lernens stark bestimmen.

Unterricht ist systematische Wissensvermittlung ausschließlich über den Wissensvermittler. Unterschiedliche Lernvoraussetzungen in der Gruppe werden nicht genutzt.

Ein Vortrag vermittelt im Monolog Fachwissen und fachliche Zusammenhänge adressatengerecht. Thema und Dauer des Vortrags sind zuvor vereinbart. Der Vortrag wird auch „Referat“ genannt. Ein Vortrag mit vorbereiteten Visualisierungen ist eine „Präsentation“.

Die Podiumsdiskussion ist ein moderiertes Gespräch unter Experten vor Zuhörern – auf einem Podium. Die Zuhörer beteiligen sich normalerweise nicht an dem Gespräch.

Im Lehrgespräch erarbeitet der Lehrende gemeinsam mit den Lernenden den Lernstoff. Er gibt ihnen durch Fragen Anstoß zum beabsichtigten Denk- und Lernprozess. – Auch Führungskräfte führen manchmal Lehrgespräche mit ihren Mitarbeitern. Lehrgespräche heißen manchmal auch „Unterrichtsgespräche“.

Moderation ist das strukturierte Leiten von Lerngruppen. Die Moderation führt das themenbezogene Wissen der Gruppe zu einem gemeinsamen – nicht vorgegebenen – konkreten Ergebnis. Der Moderator gibt die Arbeitsweise vor.

Ganzheitliches Lernen bezieht möglichst alle Sinne des Menschen ein, um die Intensität des Lernens zu steigern.

Dialogisch lernen

Wer für sein Lernen und die Kontrolle seiner Lernfortschritte individuelle Anleitung sucht, greift nach dialogischen Methoden, die Wertschätzung, Kenntnisse und Fertigkeiten vermitteln.

Partnerarbeit ist intensiver und manchmal emotionaler als das Lernen in größeren Gruppen. In 2er-Gruppen bearbeiten die Teilnehmer als Lernpaare – Tandems – vorgegebene Themen. Die beiden Partner unterstützen sich wechselseitig und geben sich Feedback.

Die Unterweisung vermittelt in der Ausbildung Kenntnissen, Fertigkeiten und Verhaltensweisen am Arbeitsplatz des Unterweisers oder am Ausbildungsplatz. Die Unterweisung vollzieht sich in vier Schritten: erklären, vormachen, begleitend nachmachen, selbstständig durchführen.

Labortraining findet in einem speziell dafür vorgesehenen Arbeitsraum statt – zum Beispiel an Geräten zur Sprachkontrolle. Die Lernenden steuern Lerngeschwindigkeit und Lernintensität selbst. Der Trainer überprüft ausschließlich die einzelnen Lernfortschritte.

Bei der Beobachtung on the job wird der Lernende an seinem Arbeitsplatz von einer kompetenten Person begleitet, die ihm Feedback zu seinem Verhalten gibt.

Ein strukturiertes Interview wird meist von zwei Interviewern durchgeführt: von der Führungskraft oder einem Vertreter der Fachabteilung und einem Mitarbeiter der Personalabteilung. Schriftliche Fragen geben den Interviewern eine Formulierungshilfe und vermeiden, dass der Interviewte bereits durch den Wortlaut einer Frage die opportune Antwort erahnt. Alle Informationen des Interviews werden in einem Protokoll dokumentiert. Strukturierte Interviews zum Lernen thematisieren die Lernentwicklung vor und nach einer Qualifizierung.

Die Stärken-Schwächen-Analyse ist ein deutschsprachiges Synonym für „Profiling“, „Assessment“ und „Potenzialanalyse“. Sie untersucht die berufliche Motivation und berufliche Kompetenzen. Zweck der Stärken-Schwächen-Analyse ist die Planung beruflicher Entwicklung sowie des Transfers und die Analyse realisierter Qualifizierungen.

Nach der Wahl der geeigneten Lernmethoden kann der Lernwillige sein Lernen effektiv gestalten. Er kennt seine Anforderungen an seine Qualifizierung und kann sie kompetent gegenüber Qualifizierern vertreten – zum Beispiel im Gespräch mit seiner Führungskraft oder mit einem Personalentwickler. Schließlich wird er die für ihn geeigneten Lernmethoden als Kriterien nutzen, um sich für einen passenden Qualifizierungsprozess zu entscheiden.

Peter Hilbert

Angriff oder Flucht

Standard

Wie sich Verhalten unter Stress radikalisiert

Stress ist Anspannung, die positiv oder negativ wirken kann. Positiv wirkt Anspannung, wenn sie zu angenehmer und produktiver Aktivität führt, negativ wirkt sie, wenn sie angenehme Aktivitäten und die Leistung beeinträchtigt.

Stress ist die Verbindung von Anspannungsfaktoren – Stressoren – mit
psychisch-physischen Auswirkungen.

Welche und wie viele Anspannungsfaktoren Stress auslösen, ist abhängig von der individuellen Disposition einer Person, ihrem Verhaltensprofil und ihrer aktuellen Situation.

Wenige Stressoren mit geringer Wirkungsstärke empfinden die meisten Menschen als komfortabel, sie fühlen sich mit ihnen in ihrer Komfortzone. Umgangssprachlich bezeichnen sie die Situation gemeinhin als „stressfrei“.

Mehr oder stärkere Stressoren führen Menschen zunächst in ihre Kompromisszone. Leistungs­anforderungen sind mit ihnen noch erfüllbar, wenn auch die Situation nicht mehr als gemütlich empfunden wird. Umgangssprachlich ist dann die Rede von „kaum“, „ein bisschen“  oder nur von „Stress“.

Werden die Stressoren zu zahlreich oder zu mächtig, rutschen Menschen in ihre Panikzone: Ihre Leistungen nehmen rapide ab, ihre Fehlerquote steigt, sie werden misslaunig und ungerecht. Manche werden aggressiv, andere ziehen sich zurück. Spätestens jetzt bezeichnen sie ihre Situation als „ultrastressig“, „katastrophal“ oder ähnlich. Dauert die überstarke Belastung länger an, werden sie womöglich krank – paralysiert, leistungs- und handlungsunfähig.

Eu-Stress und Dis-Stress

Ist die Anzahl der Stressoren oder ihre Intensität nur gering, ermöglichen oder steigern sie die Leistungsfähigkeit. Die Anspannung wird als Eu-Stress erlebt – in der Komfortzone und der Kompromisszone. Mit zunehmender Stärke oder Häufigkeit der Stressoren steigt die Leistungsfähigkeit – und bleibt zunächst in der Kompromisszone. Bei Erreichen einer kritischen Stärke, beim Übergang in die Panikzone, fällt die Leistungsfähigkeit abrupt ab und kann sich bis zur Unfähigkeit, produktiv zu handeln, entwickeln. Ein zu niedriges Stressniveau verhindert hohe Leistungsfähigkeit, ein zu hohes Stressniveau hat das gleiche Resultat.

Eu-Stress – euphorisierender Stress – ist der innere Antrieb eines Menschen, etwas zu tun, das für ihn lohnend, nützlich oder sinnvoll ist. Bei wachsender innerer Anspannung steigen Leistungsfähigkeit und Produktivität.

Wenn Menschen geringen Stressoren ausgesetzt sind oder sie selbst erzeugen, sind sie im Eu-Stress mit sich im Einklang. Zu hohe Anspannung mündet im Dis-Stress.Der Übergang vom Eu-Stress zum Dis-Stress findet sich bei jeder Person woanders und verschiebt sich mit den aktuellen situativen Umständen.

Dis-Stress – zerstörerischer Stress – bezeichnet die Belastung, in der die innere Anspannung eines Menschen seine Leistungsfähigkeit und Produktivität einschränkt, bis die Stressreaktionen für ihn unerträglich werden.

Verhalten unter Dis-Stress

Bei Dis-Stress werden die Verhaltensprofile noch deutlicher sichtbar als unter geringer Anspannung. Wird der Dis-Stress erreicht, handeln Menschen nahezu ausschließlich emotional und tendieren zu zwei Verhaltensweisen: Angriff oder Flucht.

Stärker bestimmende Menschen zeigen bei Dis-Stress eher Angriffsverhalten.

Expressive werden unter Dis-Stress zu tobenden Angreifern. Sie regulieren ihre übergroße Anspannung, indem sie versuchen, andere durch Emotionen unter ihre Kontrolle zu bringen – manchmal auch laut und unkontrolliert, zum Beispiel so:

  • „Wenn ich Ihre Arbeit nicht bis morgen habe, werden Sie hier keine ruhige Minute mehr haben.“

Macher werden unter Dis-Stress zu energischen Autokraten. Sie bringen ihre übergroße Anspannung unter Kontrolle, indem sie andere mit Fakten, Logik und Verstand bedrängen, zum Beispiel so:

  • „Bis morgen Nachmittag ist diese Arbeit fehlerfrei bei mir auf dem Schreibtisch.“
Weniger bestimmende Menschen zeigen bei Dis-Stress eher Fluchtverhalten.

Verbindliche geben unter Dis-Stress zu nach. Sie regulieren ihre übergroße Anspannung, indem sie einlenken, zum Beispiel so:

  • „Um des lieben Friedens willen erledige ich das auch noch.“

Analytiker weichen unter Dis-Stress aus. Sie steuern ihre übergroße Anspannung, indem sie ihre Kontakte mit anderen begrenzen. Sie äußern sich dann zum Beispiel so:

  • „Ich werde alles versuchen, um diesen Termin einzuhalten.“

Empathische Hinwendung

[1]Das Verhalten von Expressiven und Machern signalisiert überdeutlich, wann sie unter Dis-Stress stehen. Darauf angemessen zu reagieren verlangt situative Resilienz und ausgeprägte empathische Hinwendung.

Falsch wäre, ihnen in der gleichen aggressiven Weise zu begegnen. Besser ist stattdessen, ihnen aufmerksam und aufgeschlossen mit ermunternden Kommentaren zuzuhören, damit sie sich abreagieren können. Eine zugewandte Körperhaltung und fester Blickkontakt mit verstehendem Nicken können unterstützend wirken.

Hilfreich ist, Anteil an ihrer Erregung zu nehmen, Mitgefühl zu signalisieren und ihre persönlichen Gründe für ihre Gereiztheit zu akzeptieren. Die Anteilnahme billigt nicht ihr Verhalten, sondern zeigt ausschließlich das Interesse an ihrer Situation.

Die Situation entschärfen kann manchmal, die Gründe für ihre Anspannung herauszufinden und zu verstehen, vielleicht sogar zu helfen, durch Fragen zu ihrer Situation selbst mehr Klarheit zu gewinnen.

Wenn ihnen bewusst geworden ist, was zu ihrer Erregung geführt hat, kann mit ihnen, sofern sie dazu bereit sind, nach Lösungen dafür gesucht werden. Eigene Gedanken, Ideen und Vorschläge zu den Ursachen lassen sich mit ihnen diskutieren. Manchmal zeigen sie sich dankbar, wenn sie Unterstützung angeboten bekommen.

[2]Bei Verbindlichen und Analytikern ist oft kaum wahrnehmbar, wann sie unter Dis-Stress stehen, ihr Verhalten verändert nur unwesentlich. Verbindliche werden innerlich unruhig und geben nach, ohne überzeugt zu sein. Analytiker ziehen sich zurück und sagen immer weniger. Empathische Hinwendung kann zur Entspannung beitragen.

Entlastend können Fragen wirken: was verkehrt gelaufen ist, wer zu ihrer Verstimmung beigetragen hat und wodurch. Sie brauchen das Gefühl, Sorgen oder Kritik äußern zu können. Eine Aufforderung zum Sprechen kann ihnen dafür den Impuls geben.

Da weder Verbindliche noch Analytiker besonders risikofreudig sind, benötigen sie wohlmeinende Versicherungen, bevor sie sich zu ihrer Situation äußern.

Weil für Verbindliche wichtig ist, dass ihre Beziehungen zu anderen Menschen nicht gefährdet werden, wenn sie ihre Meinung sagen, und sie nicht möchten, dass jemand ihnen böse ist oder ihnen Nachteile entstehen, wenn sie sich offen und ehrlich äußern, brauchen sie starke Signale diskreten und redlichen Interesses an ihnen, ihrer Meinung, ihrer Anspannung, um ihre Befürchtungen zu überwinden.

Analytiker äußern sich zu ihrer Anspannung, wenn sie den Eindruck haben, sie werden angemessen respektiert und gewürdigt. Sie brauchen die Versicherung, jemand setzt sich ernsthaft mit ihrer Meinung und ihrer Situation auseinander.

Dis-Stress radikalisiert die Verhaltensprofile, verstärkt die Verhaltenstendenzen. Wer seine Neigungen, wie er sich unter zu viel Stress verhält, kennt, kann sich bewusst gegen die Radikalisierung wehren – durch das Reduzieren der Anspannungsfaktoren oder durch rationales Einwirken auf seine emotionalen Impulse. Wer bei anderen Auswirkungen von Dis-Stress erlebt, kann versuchen, allzu stark radikalisiertes Verhalten zu mindern – empathisch und dem Verhaltensprofil entsprechend.

Peter Hilbert

Quelle

[1][2] Wilson Learning

Mit Empathie andere für sich gewinnen

Standard

Die Platinregel anwenden

Andere auf seiner Seite zu haben, ist angenehm und sinnvoll, erleichtert die Zusammenarbeit immens: Synergien lassen sich erreichen, die Produktivität lässt sich steigern und nicht zuletzt wird die psychische und physische Gesundheit aller Beteiligter erhalten. Organisationen können dauerhaft nur effizient funktionieren, wenn die Funktionsträger sich wechselseitig konstruktiv unterstützen.

Da Menschen jedoch unterschiedlich sind, verschiedene Werte haben, ungleiche Prioritäten setzen, andersartige Erfahrungen und Gewohnheiten haben, divergente Wünsche und Ziele verfolgen und sich durchaus disparat verhalten, verlangt das Miteinander – beruflich wie privat – eine gewisse Anstrengung, geleitet von zumindest einem Minimum an Moral, die oft als Goldene Regel auf dem kategorischen Imperativ[1] von Immanuel Kant fußt: Behandle andere so, wie du behandelt werden möchtest.

Das Modell der Verhaltensprofile, das zeigt, wie andere Menschen gewonnen werden können, steigert das Kantsche Prinzip zur Platin-Regel und propagiert:

Behandele andere so, wie sie behandelt werden möchten.

Wer die Verhaltensprofile[2] kennt und weiß, zu welchem Verhalten Verbindliche, Expressive, Macher und Analytiker tendieren, kann sich bewusst auf andere einstellen, um die Interaktion mit ihnen gewinnend zu gestalten – sofern er das will. Je genauer er den primären und den sekundären Verhaltensstil anderer identifiziert, umso erfolgreicher kann er sich auf andere einstellen.

Für Verbindliche ist das empathische Sich-Einstellen, die Hinwendung zu anderen meist ein selbstverständlicher Akt innerhalb ihrer Komfortzone. Expressive stellen sich gerne auf ihre Interaktionspartner ein, damit sie deren Aufmerksamkeit bekommen. Macher sind zwar nur schwer in der Lage, sich auf andere empathisch einzustellen, doch für das Erreichen ihrer Ziele können sie sich durchaus in ihre Kompromisszone begeben. Analytikern ist die Hinwendung zu anderen eher fremd und gehört oft genug zu ihrer Panikzone.

Hinwendung

Sich auf andere Menschen, auf ihr Denken, Fühlen und Handeln einzulassen, kostet Überwindung und Mühe. Die eigene Art zu leben scheint den meisten doch die bessere, praktischere, zweckmäßigere zu sein. Menschen neigen dazu, die Art und Weise, wie sie selbst ihre Arbeit erledigen, für die beste zu halten. Schwer zu akzeptieren oder gar zu internalisieren ist deshalb, wenn ein anderer etwas anders macht.

Es scheint, wenn die eigenen Handlungen richtig sind, müssten andere Handlungen doch falsch sein, womöglich sogar negativ zu beurteilen sein. Anders denkende, anders empfindende und anders handelnde Menschen wären als Rivalen des eigenen Verhaltens zu betrachten. Sie wären womöglich zu missionieren oder zu bekämpfen.

Mit dem Wissen um die Verhaltensprofile, die individuelle menschliche Stärken und Grenzen benennen und von unterschiedlichen Motiven, Erfahrungen und Gewohnheiten ableiten, lässt sich das eigene Verhalten und das Verhalten anderer besser verstehen und akzeptieren – sofern auch die Fähigkeit und die Bereitschaft vorhanden sind, sich zu anderen Menschen empathisch hinzuwenden.

Hinwendung ist das wahrnehmbare Ausmaß, in dem jemand auf die Erwartungen und Bedürfnisse anderer eingeht, damit sie sich wohler fühlen.[3]

Sich anderen Menschen hinzuwenden heißt nicht, den eigenen Standpunkt aufzugeben, sondern heißt vielmehr, die eigene Sichtweise zu ergänzen. Zum Hinwenden gehört, die eigene Komfortzone zu erweitern oder sie zeitweise zu verlassen.

[4]Hinwendung braucht drei wichtigen Voraussetzungen:

  • Die erlernte Fähigkeit, das Verhaltensprofil anderer Personen zu identifizieren und Rückschlüsse zu ziehen auf die damit verbundenen Motive, Bedürfnisse und Erwartungen
  • Die momentane Situation – mit den Personen sowie Ort und Zeitpunkt – als geeignet einzuschätzen, das eigene Verhalten zu modifizieren
  • Den festen Entschluss, sich hinwenden zu wollen

Mit Hinwendung gelingt, andere für sich zu gewinnen und zu Ergebnissen zu kommen, die den eigenen Interessen und den Interessen anderer nutzen. Das Sich-Einstellen auf die Bedürfnisse anderer gelingt mal besser, mal weniger gut.

Menschen mit dem Verhaltensprofil der Verbindlichen begegnen anderen etwas zurückhaltend, zögerlich und vorsichtig. Sie lassen durch ihre Warmherzigkeit und Gutgläubigkeit ein entspanntes Klima entstehen, erkennbar als Teamorientierung, manchmal auch als Nachgiebigkeit. Ihre Offenheit, Toleranz, Geduld und Integrität erleichtern anderen die Hinwendung. Gleichwohl erschweren ihre oft mangelnde Klarheit, ihre geringe Strukturiertheit und ihr mitweilen wenig überlegtes Verhalten sowie ihre Ablehnung von Anstrengung und ihre Tendenz, schnell überfordert zu sein, anderen die empathische Hinwendung.

Menschen mit dem Verhaltensprofil der Expressiven erleichtern durch ihre außerordentliche Kontaktfreude anderen die Hinwendung. Zudem wenden sie sich selbst anderen mit mitreißender Begeisterung zu und erzeugen mit Ideenreichtum, gestenreichem Ausdruck und eloquenter Originalität selbst empathische Klarheit, die auch bei emotionalen Irritationen anhält, weil sie nicht nachtragend sind. Andererseits stehen ihre etwas chaotische Sprunghaftigkeit und ihre Stimmungsschwankungen der Empathie anderer ebenso oft genug entgegen wie ihre Neigung zu Lautheit, zu Rechthaberei und zu Übertreibungen und manchmal auch ihre cholerische Aggressivität.

Menschen mit dem Verhaltensprofil der Macher erleichtern anderen den Umgang mit ihnen einerseits durch ihre Prägnanz, durch ihre aufgabenbezogene klare Zielstrebigkeit, durch ihre Schnelligkeit beim Entscheiden und nicht zuletzt durch ihre Bereitschaft, Risiken einzugehen und Verantwortung zu übernehmen. Andererseits erschweren ihre Dominanz, ihre geringe Empathie und ihre geringe Bereitschaft, sich in ein Team zu integrieren, die Hinwendung anderer, zumal sie sich meist ungeduldig und eigensinnig zeigen und ihre Hartnäckigkeit manchmal bis zu autokratischer Rücksichtslosigkeit steigern.

Sich Menschen mit dem Verhaltensstil der Analytiker hinzuwenden, fällt einerseits leicht, weil ihre ernste und ruhige Sachlichkeit, ihre sachbezogene Disziplin sowie ihr strukturiertes Vorgehen bestechen und ihre Zuverlässigkeit und Genauigkeit Respekt zeigen und abverlangen. Andererseits schrecken ihre geringe Begeisterungsfähigkeit, ihre kühle Verschlossenheit wie auch ihr Misstrauen und ihre Skepsis oft ab, die sie als eher ausweichend erscheinen lassen, vor allem wenn sie einhergehen mit und penetranter Kontrolle, die aus ihrem Drang zu Perfektionismus resultieren.

Verbindliche für sich gewinnen

[5]Die Hinwendung zu Verbindlichen lässt sich mit Verhaltensweisen erleichtern, die zum verbindlichen Profil passen, ohne sich zu verstellen.

Menschen mit verbindlichem Verhaltensprofil möchten anderen vertrauen. Sie streben nach Akzeptanz und Zustimmung. Sie suchen Sicherheit und Zugehörigkeit zu einer Gruppe. Um sich wohlzufühlen, brauchen sie eine freundliche Atmosphäre. Ihr stärkstes Bedürfnis ist die Harmonie.

Wer eine verbindliche Person für sich gewinnen will, nimmt mit einer freundlichen, persönlichen Bemerkung Kontakt mit ihr auf, lächelt und bewegt sich zwanglos und locker. Er lässt sich Zeit, hört aktiv zu. und bleibt so lange bei allgemeinen, persönlichen Themen, bis sich die verbindliche Person offensichtlich wohlfühlt. Er handelt langsam und vorhersehbar und betont die gute Atmosphäre, das Gemeinsame, das Miteinander. Er bringt sein Anliegen in kurzen Sätzen ruhig vor, fragt nach ihrer Sichtweise und Meinung und zeigt, dass er Vertrauen zu ihr hat. Er geht auf ihre Gefühle und Bedürfnisse ein, zeigt sein aufrichtiges Interesse und besonders bei Meinungsverschiedenheiten seine Empathie. Er spricht persönliche Sicherheiten für sie an und versichert, Risiken zu minimieren. Er vermittelt seine Absicht, dass alle Beteiligten zufrieden sein sollen.

Keinesfalls stürzt er sich sofort ins Thema und er vermeidet alles, was drohend wirken könnte. Er redet weder zu forsch, zu laut, zu schnell oder zu dominierend noch agiert er abrupt oder hastig. Er spricht nicht nur über Sachliches, streitet nicht über Zahlen und Fakten und vermeidet vage Aussagen. Er drängt nicht, manipuliert nicht, übt keinen Druck aus. Er vermeidet Spannungen, gibt ihr keine Schuld und zeigt sich nie verärgert über die verbindliche Person – allenfalls über ihr Verhalten. Er verhält sich nicht gönnerhaft und zwingt sie nicht zu einer Entscheidung.

Themen, über die Verbindliche gerne sprechen:

  • Vergnügliches
  • Risikovermeidung
  • Empfehlungen
  • Vertrauen
  • Garantien
Äußerungen für Gespräche mit Verbindlichen

  • „Wie war Ihr Wochenende?“
  • „Wie fühlen Sie sich?“
  • „Was ist Ihnen wichtig?“
  • „Sind Sie damit einverstanden?“
  • „Ich bin Ihnen sehr dankbar, dass Sie gekommen sind.“
  • „Ich weiß, ich kann mich auf Sie verlassen.“
  • „Sie waren freundlicherweise bereit, das zu erledigen.“
  • „Ich bin darüber auch nicht ganz glücklich.“
  • „Lassen Sie uns das Beste daraus machen.“
  • „Wenn Sie Fragen habe, können Sie gerne zu mir kommen.“
  • „Ich bin überzeugt, dass Sie die Sache gut machen.“
  • „Mir ist wichtig, dass alle zufrieden sind.“

Expressive für sich gewinnen

[6]Die Hinwendung zu Expressiven lässt sich mit Verhaltensweisen erleichtern, die zum expressiven Profil passen, ohne sich zu verstellen.

Menschen mit expressivem Verhaltensprofil möchten Abwechslung und Spaß. Sie wollen von ihrem Publikum wahrgenommen und bewundert werden. Um sich wohlzufühlen, brauchen sie ein zumindest leicht chaotisches Umfeld. Ihr stärkstes Bedürfnis ist der Applaus.

Wer eine expressive Person für sich gewinnen will, geht gut gelaunt, lebhaft und spontan auf sie zu, lässt sich von ihr begeistern und folgt mit Interesse ihren Abschweifungen, ihrer Intuition und ihren Visionen. Er geht auf ihre Späße ein und nimmt ihre Herausforderungen schlagfertig an. Er fragt nach ihrer Meinung, ihren Gefühlen und ihren Träumen und ruhig auch nach privaten Aktivitäten. Er spricht ausdrucksstark, argumentiert mit ihrem Image und unterstreicht ihre Vorteile und ihren Nutzen. Er unterstützt ihre Ideen und verhilft ihr zu sichtbarem Erfolg und Applaus und sorgt dafür, dass sie die Erste, Größte, Beste ist. Er spricht über große, zukunftsweisende Zusammenhänge und motiviert sie zu schnellen Entschlüssen.

Keinesfalls verhält er sich der expressiven Person gegenüber steif, übersachlich oder unpersönlich und langweilt sie nicht mit Details, Fakten und Bedenken. Er lässt sie nie unbeachtet, isoliert sie nicht, übergeht ihre Späße nicht und nimmt ihr nie das Publikum weg. Er kritisiert sie nicht wegen Kleinigkeiten und erinnert sie möglichst nicht an Vereinbarungen. Er nimmt nicht alles wörtlich und gibt ihr nie das Gefühl, er könne größer, stärker, besser sein als sie. Er argumentiert nicht dogmatisch oder mit Prinzipien oder langweilig systematisch, hält sie nicht hin und gibt ihr nicht zu viel Zeit für Entscheidungen.

Themen, über die Expressive gerne sprechen:

  • Neuigkeiten
  • Lustiges
  • Aufregendes
  • Status
  • Superlative
Äußerungen für Gespräche mit Expressiven:

  • „Wie geht es Ihnen?“
  • „Was geht Ihnen dabei durch den Kopf?“
  • „Was sagt Ihr Gefühl?“
  • „Was wünschen Sie sich am meisten?“
  • „Das ist faszinierend.“
  • „Das ist eine Spitzenidee.“
  • „Das klingt ausgesprochen vielversprechend.“
  • „Das haben Sie hervorragend ausgedrückt.“
  • „Sie haben alle begeistert.“
  • „Sie sind der Beste auf dem Gebiet.“
  • „Sie haben das alleine geschafft.“
  • „Das machen wir am besten sofort.“

Macher für sich gewinnen

[7]Die Hinwendung zu Machern lässt sich mit Verhaltensweisen erleichtern, die zum Macher-Profil passen, ohne sich zu verstellen.

Menschen mit Macher-Verhaltensprofil streben nach Unabhängigkeit. Sie brauchen Freiraum – auch für ihre Entscheidungen. Sie wollen Klarheit und Schnelligkeit und verlangen von sich und anderen ökonomisches Verhalten. Sie suchen stets das Wesentliche. Ihr stärkstes Bedürfnis ist Macht.

Wer eine Person mit Macher-Profil für sich gewinnen will, nimmt nur gut vorbereitet Kontakt mit ihr auf und kündigt an, dass er sich kurz fassen wird. Er kommt sofort zum Thema, hält sich an das Geschäftliche und präsentiert systematisch seine Ziele und Vorstellungen: kurz, klar und direkt. Er spricht sachlich, eher etwas distanziert und bezieht eindeutig Stellung. Er zeigt sich aktiv und nennt Fakten und Zahlen zu Entwicklungen, die die Ziele seines Gegenübers unterstützen. Er begründet mit knappen Analysen. Er vermittelt seine Initiative und Stärke, seine Kompetenz und Effizienz und hält kritischen Fragen und Blicken stand. Er stellt präzise Fragen nach Fakten, Ergebnissen und Entscheidungen und argumentiert bei Meinungsverschiedenheiten leidenschaftslos. Er vermittelt, dass er sich auf sein Gegenüber verlässt. Er achtet auf die vereinbarte Zeit und beendet das Gespräch formlos. Anschließend hält er sämtliche Termine und Vereinbarungen ein.

Keinesfalls versucht er, mit Höflichkeitsfloskeln eine freundliche Beziehung aufzubauen, und fragt nicht nach privaten Dingen wie Familie oder Hobby. Er erwartet keine Geduld, lässt sich aber auch nicht einschüchtern. Er zeigt keine Schwächen, doch er geht auf Forderungen ein. Er vergeudet keine Zeit und lässt Gefühle aus dem Spiel, spricht nicht blumig oder umständlich. Er berichtet nicht von Absichten, sondern von Ergebnissen. Er geht nicht zu sehr in Details, lässt aber auch nichts offen. Er fragt nicht zu häufig um Rat und stellt seine Fragen nicht allgemein oder gar nur rhetorisch. Niemals versucht er, für sein Gegenüber zu entscheiden. Nachdem das Thema behandelt ist, hält er keinen Epilog.

Themen, über die Macher gerne sprechen:

  • Einfluss
  • Leistung
  • Ergebnisse
  • Rentabilität
  • Profite
Äußerungen für Gespräche mit Machern:

  • „Ich brauche fünf Minuten Ihrer Zeit.“
  • „Ich habe drei Themen.“
  • „Ich habe eine Tischvorlage mitgebracht.“
  • „Ich habe mir das angeschaut.“
  • „Die Chancen überwiegen die Risiken bei Weitem.“
  • „Auf fünf Jahre gesehen ist das Ergebnis positiv.“
  • „Das sind die Fakten.“
  • „So übertreffen Sie die Ziele.“
  • „So geht das am schnellsten.“
  • „Sie haben drei Möglichkeiten.“
  • „Was ist Ihnen am wichtigsten?“
  • „Wofür entscheiden Sie sich?“

Analytiker für sich gewinnen

[8]Die Hinwendung zu Analytikern lässt sich mit Verhaltensweisen erleichtern, die zum analytischen Profil passen, ohne sich zu verstellen.

Menschen mit analytischem Verhaltensprofil streben nach Genauigkeit, möglichst Perfektion. Sie wollen Risiken vermeiden. Sie suchen Sachlichkeit und Systematik. Für ihr Handeln suchen sie das strukturierte Vorgehen und die plausible Beweisführung. Um sich wohlzufühlen, brauchen sie Details. Ihr stärkstes Bedürfnis ist, Respekt von anderen zu bekommen.

Wer eine analytische Person für sich gewinnen will, zeigt ihr, dass er sich sorgfältig und gewissenhaft mit dem Thema befasst hat, und erklärt einleitend, was er will und wie er sich den Ablauf vorstellt. Er stellt eine Gliederung voran und spricht klar, deutlich und prägnant. Er nimmt sich viel Zeit, bleibt geduldig und bleibt auf Distanz. Er zeigt seinen Respekt vor der analytischen Person – besonders vor ihrer Fachkenntnis und ihrem durchdachten Vorgehen – und seine Bewunderung für ihre Präzision. Er nennt sachlich und realistisch in logischer Abfolge die Fakten. Er hält sich an etablierte Verfahren und vermittelt, dass Strukturen, Ordnung und klare Gliederungen für ihn wichtig sind und ein Zeichen von Professionalität darstellen. Er behandelt jedes Thema – mit Vorteilen und Nachteilen – gründlich und detailliert, bevor er zum nächsten übergeht. Wenn er anderer Meinung ist als sein analytischer Gegenüber, begründet er systematisch und plausibel und bringt fundierte Beweise. Nach dem Gespräch hält er sämtliche Vereinbarungen penibel ein.

Keinesfalls kommt er unangemeldet zu einer analytischen Person. Er gibt sich nicht zu locker, nachlässig oder gar leichtsinnig und zeigt sich nicht enthusiastisch oder zu optimistisch. Er unterlässt unrealistische und emotionsgeladene Aussagen, argumentiert nicht mit Meinungen und Einschätzungen anderer und gibt keine Versprechungen, die er nicht halten kann. Er vermeidet Ungenauigkeiten und Übertreibungen, macht keine Gedankensprünge, improvisiert nicht. Einwände und ins Detail gehende Fragen der analytischen Person ignoriert er niemals. Er übt keinen Druck aus und versucht nicht, sein Gegenüber auf etwas besonders hinzuweisen oder gar zu drängen.

Themen, über die Analytiker gerne sprechen:

  • Qualität
  • Werte
  • Analysen
  • Studien
  • Schlussfolgerungen
Äußerungen für Gespräche mit Analytikern:

  • „Wir haben den Termin vereinbart, um die Einzelheiten zu besprechen.“
  • „Ich habe für Sie die Fakten recherchiert.“
  • „Als erstes möchte ich einen Überblick geben.“
  • „Ihre Tabelle ist sehr übersichtlich.“
  • „Ich sehe, Sie haben alle Details berücksichtigt.“
  • „Sie haben die Inhalte hervorragend zusammengefasst.“
  • „Das ist perfekt.“
  • „Am wichtigsten ist: Die Zahlen stimmen.“
  • „Sie bestimmen, wie viel Zeit Sie dafür brauchen.“
  • „Welche Fragen haben Sie?“
  • „Welche Möglichkeiten sehen Sie?“
  • „Woher haben Sie Ihr umfangreiches Fachwissen?“

Wer sich bewusst einstellt auf die Verhaltensprofile, ihre Bedürfnisse und Erwartungen, Gewohnheiten und Emotionen berücksichtigt, vielleicht auch hilft, eventuell vorhandene Spannungen abzubauen, kann – im beruflichen wie im privaten Umfeld – mit Empathie Menschen für sich gewinnen, weil er sich und ihnen anderen den Umgang miteinander erleichtert: Mitarbeitern, Kollegen, Führungskräften, Kunden, Nachbarn, Familie, …

Peter Hilbert

Quellen

[1] Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.
[2] Ausführlich in: Verräterisches Verhalten
[3], [4][5], [6], [7], [8] Wilson Learning

Was Farben bewirken

Standard

Beim Anschauen erleben

Scheint die Sonne am Gewitterhimmel, entsteht im Gegenlicht ein Regenbogen in leuchtenden Farben – immer in derselben Reihenfolge. Sind Tautropfen oder Regentropfen im Gras, auf dem Rasen, auf Blumen und scheint die Sonne darauf, so fangen die Tropfen an zu glitzern und leuchten in den sieben Regenbogenfarben.

Das Licht der Sonne enthält die sieben Spektralfarben, die Regenbogenfarben, in der Reihenfolge Rot – Orange – Gelb – Grün – Hellblau – Indigo – Violett.

Bereits 1676 zerlegte Isaak Newton weißes Licht in die sieben unterschiedlichen Farben des Spektrums. Er führte einen weißen Lichtstrahl durch ein Glasprisma: Der Strahl wurde zweimal gebrochen, das erste Mal beim Übergang vom optisch dünneren zum optisch dichteren Medium – von der Luft zum Glas – und das zweiten Mal beim Übergang vom optisch dichteren zum optisch dünneren Medium – vom Glas zur Luft.[1]

Die verschiedenen Wellenlängen des Lichs werden unterschiedlich stark gebrochen.

Kommen die Farben des Spektrums – zum Beispiel durch eine Linse – wieder zusammen, entsteht wieder weißes Licht.

Nachdem Newton das Licht in einzelne Farben zerlegt hatte, verband er die Farben zu einem Kreis.

Er nahm Schwarz und Weiß aus der Sortierung der Farben, schob die Farbe Purpur, die bei der Spektralzerlegung von weißem Licht nicht vorkommt, zwischen das violette Ende und den roten Anfang des Spektrums und schuf den Farbkreis.[2] Später sortierten andere die Farben mit alternativen Systematiken.

So legt etwa das in den 1930er Jahren entwickelte Natural Colour System (NCS) – die Grundfarben Gelb, Rot, Blau und Grün in einem Kreis an die Enden eines rechtwinkligen Achsenkreuzes.[3] Die Ergänzung von Weiß und Schwarz lässt eine dreidimensionale Darstellung entstehen: einen Doppelkegel, der jeder Farbe einen festen Platz im Verhältnis zu den anderen Farben zuordnet. – Je mehr Weißanteile eine Farbe hat, umso mehr positioniert sie nach oben. Je mehr Schwarzanteile eine Farbe hat, umso mehr positioniert sie sich nach unten.

Im sechsteiligen Farbenkreis bilden die drei Primärfarben Gelb, Blau und Rot als Oberflächenfarben die Grundelemente aller Farben: die Farben erster Ordnung.

Die drei Sekundärfarben – die Farben zweiter Ordnung – Grün, Violett und Orange mischen sich aus den Primärfarben[4]:

  • Aus Blau und Gelb entsteht Grün.
  • Rot und Blau ergeben Violett.
  • Gelb mit Rot gemischt ergibt Orange.

Aus dem Mischen einer Sekundärfarbe mit der nächsten Primärfarbe im Farbenkreis entsteht eine Tertiärfarbe. So ergibt zum Beispiel die Mischung aus der Primärfarbe Gelb und der Sekundärfarbe Grün die Tertiärfarbe Gelbgrün. Primär- und Sekundärfarben gelten als reine Farben, die Tertiärfarben als schmutzige Farben dritter Ordnung.

Johann Wolfgang von Goethe unterteilte die Farben in aktiv und passiv:

  • Aktive Farben sind Rot, Gelb, Orange.
  • Passive Farben sind Blau, Grün, Violett.

Als gleich helle Buntfarben wirken passive Farben leichter. Aktive Farben wirken schwerer. Innerhalb eines Farbtons wirkt die hellere Nuance leichter als die vollgesättigte – so wirkt etwa Rosa leichter als Rot.

Die Wirkung von schwer und leicht im Raum wird deutlich zum Beispiel im Nebeneinander von Wand- und Deckenfarbe: Eine hellblaue Decke ist nicht leicht, wenn ihr eine weiße Wand zugeordnet ist. Eine hellblaue Decke wirkt jedoch leicht über einer ockerfarbigen oder gar braunen Wand.[5]

Die Wahrnehmung heller und dunkler Farben bewirkt die scheinbare Erhöhung oder Erniedrigung eines Raums. Zudem wirken helle Farben sauberer.

Völlig anders gestaltet ist das RAL-Farbregister. RAL steht für „Reichsausschuss für Lieferbedingungen“. Das Register ist eine Sammlung gebräuchlicher Farben, die jeder Farbe eine vierstellige Zahl zuordnet, zum Beispiel:

5xxx = Blau
6xxx = Grün
6011 = Resedagrün

Für ihre elektronische Darstellung werden Farben durch das RGB-System (Rot-Grün-Blau-System) definiert, also durch ihre additiven Anteile an den drei Farbwerten Rot, Grün und Blau. Jeder der drei Farbwerte Rot, Grün und Blau wird durch ein Byte (8 Bit) dargestellt, also einer Zahl zwischen 0 und 255. Wird ein Farbwert zur Darstellung des Farbtons nicht benötigt, beträgt ihr Zahlenwert 0, während der Zahlenwert 255 dem maximalen Anteil des Farbwerts entspricht.[6]

Die Primärfarbe Gelb [7] [8] [9]

Gelb ist eine warme positive Farbe. Gelb ist verwandt mit seiner höheren Oktave, dem Gold.

 

 

 

 

Gelb lässt sich gut darstellen, doch es verliert beim Mischen sehr leicht seinen Farbcharakter. Unter Einwirkung von Licht reduziert sich schnell sein Farbton.

Gelb lenkt die Aufmerksamkeit und warnt, es wirkt exzentrisch wie Rot, doch fehlt dessen intensive Dichte. Gelb überflutet alle Schatten, wirkt hell und heiter, strahlend und klar, energiereich und kraftvoll, munter und anregend, sanft reizend und harmonisch, angstmindernd und optimistisch. Gelb fördert die Konzentration. Durch zu viel Anregung kann Gelb nervös machen.

Gelb steht für Wärme und Offenheit, für Empfindung und Austausch, für Selbstentfaltung und Kommunikation, für Weite und Ausweitung, für Geist und Intellekt, für Ideen und Kreativität, für Reflexion und Wissensdurst, für Forscherdrang und Erkenntnis, für Optimismus und Lösungen, für Autorität und Kontrolle, für Veränderung und Freiheit, für Licht und Luft, für Weiblichkeit.

Gelb verkörpert Optimismus, Heiterkeit, Licht und Lebenskraft. Gelb wird verbunden mit Glück, Glückserwartung, Hoffnung auf Erlösung und Befreiung. Die Dynamik des Gelb weist vorwärts, zu Neuem, in die Zukunft. Gelb steht auch für geistiges Gut, für Information. Großzügigkeit und Leichtigkeit sind die positiven Seiten von Gelb. – Grünlich-blässlich steht Gelb für Neid, Verrat, Abschaum, Wahnsinn.

Symbolisch findet sich Gelb zum Beispiel in:

  • Gelbe Ampel
  • Gelber Judenstern
  • Gelbes Ketzerkreuz

Von oben wirkt Gelb leicht, leuchtend und anregend. Von der Seite wirkt es erregend, irritierend und wärmend. Von unten wirkt Gelb ablenkend, trennend, fordernd und hebend. Als Akzent wirkt es steuernd.

 

Gelb (RAL 1004) mahnt zu Vorsicht und warnt vor verdeckten Gefahren wie Anstoßen, Quetschen oder Stürzen – zum Beispiel bei Rutschgefahr, Explosionsgefahr oder Radioaktivität.

Menschen, die Gelb als ihre Lieblingsfarbe bezeichnen, sind meist optimistisch, geistvoll und intellektuell, aufgeschlossen und präsent, voller Temperament und Humor. Sie spüren in sich den Wunsch nach freier Entfaltung und Loslösung und wollen sich mitteilen. Sie sind offen für neue Kontakte und sehen ihrer Zukunft mit großen Erwartungen entgegen. Sie geben sich heiter und unbeschwert und begegnen anderen offen und wach. Ihr Drang nach Freiheit treibt sie oft zu weiten Reisen, mitunter auch zu haltlosen Ausschweifungen. Übertriebene Vorliebe für Gelb kann auf illusionäre Selbstflucht hinweisen, dann zeigen sich Hemmungen, Zynismus und Geiz oder aber Verschwendungssucht.

Wer Gelb trägt, strahlt Lebensfreude und Selbstbewusstsein aus und zeigt lockere, legere Schlichtheit.

Räumen schenkt Gelb eine sonnige und freundliche Aura. Sein Strahlen lässt sie heller und großzügiger erscheinen. Gelb wirkt anregend und belebend und passt in Esszimmer und Küche. Da Gelb die Konzentration steigert, passt ein leicht rot gebrochenes Gelb ins Arbeitszimmer.[10]

Bei Ängsten, Spannungen oder Mutlosigkeit kann das Meditieren mit Gelb Kraft geben – etwa beim Betrachten einer Fläche in warmem Gelb und dem Sinnieren zu Themen wie:

  • Die schönen Dinge im Leben
  • Ängstlichkeit, Eifersucht, Neid
  • Über das Loslassen
  • Die Akzeptanz von Veränderungen

Gelb – ein gelber Jaspis, ein Bad mit einem gelben Zusatz – kann die Selbstheilungskräfte unterstützen bei:

  • Verdauungsschwierigkeiten, Erkrankungen im oberen Darmbereich
  • Gastritis, Magen-, Leber-, Gallenproblemen
  • Arthritis, Arthrose, Rheuma
  • Bandscheibenbeschwerden
  • Zerstreutheit, Angst, Depressionen

Kontraproduktiv wirkt Gelb bei Esssucht oder Gewichtsproblemen.

Die Primärfarbe Rot [11] [12]

Rot ist eine warme aktive Farbe. Es gilt als Blickfang und als Alarmfarbe. In der Werbung stützt Rot die Attraktivität eines Produkts.

 

 

 

Rot deckt stark und wirkt schwer. Es verliert beim Mischen nur mäßig seinen Farbcharakter. Rot wirkt mittelhell und ist höchst lichtecht.

Rot ist eine spannungsvolle exzentrische Farbe. Es wirkt aktiv und anregend, wärmend und brennend, energiegeladen und energisch, kraftvoll und gesund, stimulierend und erregend, schreiend und extrovertiert, roh und gewaltsam, feurig und aggressiv, optimistisch und lebendig. Rot reizt emotional und versetzt in Alarmstimmung. Es stärkt das Durchsetzungsvermögen und ermuntert zu motorischem Tun, zu Sport, Kampf und Unternehmergeist. – Purpurrot wirkt würdevoll und ernst, anmutig, huldvoll und machtvoll.

Rot steht für Potenz und Revolution, für Liebe und Hass, für Blut und Kampf, für Sexualität und Erregung, für Verführung und Eroberung, für Bewegung und Aktivität, für Aggressivität und Sieg, für Kraft und Wille, für Anfang und Initiative, für Hitze und Feuer, für Selbstachtung und Lebenskraft, für Dynamik und Intensität, für Schamlosigkeit und Sünde, für Veränderung und Umwälzung, für Selbstvertrauen und Männlichkeit. Rot wird verbunden mit Liebe, Leidenschaft und Romantik.

Symbolisch findet sich Rot zum Beispiel in:

  • Rote Ampel
  • Rote Karte
  • Rotes Kreuz, Roter Halbmond
  • Roter Faden
  • Rotlichtbezirk
  • Rote Rosen
  • Rote Revolutionsfahne
  • Rotes Feuerwehrauto

Von oben wirkt Rot eingreifend, beunruhigend, schwer, abschließend. Von der Seite wirkt es einerseits beengend, andererseits aggressiv und kraftvoll. Von unten wirkt Rot bewusst machend und solide. Als Akzent wirkt es alarmierend und aktivierend.

Rosa, Mischfarbe aus Rot und Weiß, wirkt von oben intim und tröstlich. Von der Seite wirkt es schwächlich, aggressionshemmend, süßlich. Von unten wirkt Rosa überzart und befremdlich. Als Akzent ist Rosa ungeeignet, außer für den Intimbereich.

Rot (RAL 3000) steht für unmittelbare Gefahr und fordert: Halt! – zum Beispiel bei Verboten oder Notschaltern.

Menschen, die Rot als ihre Lieblingsfarbe bezeichnen, sind meist Powertypen, die das Leben lieben, sehr sinnlich sind und ihre Interessen durchsetzen. Sie zeigen sich stark und voller Selbstvertrauen, sind schlagfertig und reaktionsschnell. Sie sind anspruchsvolle Tatmenschen, die viel von sich selbst verlangen und sich leicht zu viel zumuten. Sie wirken kraftvoll und extrovertiert, manchmal sogar sendungsbewusst. Sie sind meist sportlich und führungsstark und fühlen sich selbstständig am wohlsten. Sie streben nach Selbstbestätigung und sind bereit, auf etwas zu verzichten oder etwas herzugeben. Übertriebene Vorliebe für Rot kann auf Herrschsucht oder sogar Gewalttätigkeit hinweisen.

Wer Rot trägt, wirkt avantgardistisch und modern, manchmal auch provokant. Kleine rote Akzente reichen schon, um auf sich aufmerksam zu machen, um dynamisch zu wirken. Ein rotes Einstecktuch, eine rotgrundige Krawatte, eine rote Bluse ziehen die Aufmerksamkeit auf sich.

Anhalterinnen werden öfter und schneller mitgenommen, wenn sie rote Kleidung tragen. Bedienungen in einem Restaurant bekommen mehr Trinkgeld, wenn sie ein rotes T-Shirt tragen anstelle eines identisch geschnittenen Oberteils in Weiß, Gelb, Grün, Blau oder Schwarz.

Menschen, die zum blasseren Rosa tendieren, wirken eher zurückhaltend, zart und sensibel. Sie leben oft zurückgezogen und beschäftigen sich gerne mit ästhetisch Anspruchsvollem. Viele sind gestalterisch tätig. Sie ergreifen nicht gerne die Initiative, sondern wollen erobert werden. Von anderen werden sie als schwächlich und kränklich eingeschätzt und ihre Akribie wird belächelt.

In Räumen weckt Rot positive Gefühle. Für kommunikative Bereiche – wie Küche, Wohnzimmer, Esszimmer – ist Rot gut geeignet, denn es regt an. Wegen seiner sehr dominanten Wirkung ist Rot jedoch mit Bedacht einzusetzen. Neutralisierendes Weiß oder helles Grau schwächen die Dominanz.[13]

Bei Müdigkeit oder Minderwertigkeitsgefühlen kann das Meditieren mit Rot Kraft geben – etwa beim Betrachten einer Fläche in angenehmem Rotton und dem Sinnieren zu Themen wie:

  • Wirkungen der Farbe Rot
  • Kraft und Stärke im Leben
  • Positive Kontakte mit anderen Menschen

Rot – das Betrachten eines Rubins, ein Bad mit einem roten Zusatz – kann die Selbstheilungskräfte unterstützen bei:

  • Niedrigem Puls
  • Mutlosigkeit, Phlegma, Depressionen
  • Hypotonie
  • Fußkälte
  • Durchblutungsstörungen
  • Orgasmus- und Potenzschwierigkeiten
  • Erkrankungen der Prostata
  • Eierstock- und Eileitererkrankungen
  • Blasenerkrankungen

Rot wirkt kontraproduktiv bei:

  • Hohem Blutdruck
  • Akuten Entzündungen
  • Akne
  • Nervosität
  • Schlafschwierigkeiten
  • Aggressivität, Erregbarkeit

Die Primärfarbe Blau [14] [15]

Blau ist eine kalte Farbe. Blau wird als Ordnungsfarbe genutzt.

 

 

 

 

Blau verliert beim Mischen nur schwer seinen Farbcharakter und verblasst schnell.

Blau vereinigt Ferne und Tiefe. Es wirkt ruhig und still, sanft und dämpfend, beschützend und beruhigend, entspannend und befriedigend, friedlich und schlaffördernd, introvertiert und harmonisch, passiv und starr, unempfindlich und emotionalisierend. Blau unterstützt das Rationale, das Überlegen und das Entscheiden. Es erhöht die Bereitschaft zur Introspektion und gibt das Gefühl von Sicherheit.

Blau steht für Erfrischung und Wasser, für Ernährung und Fruchtbarkeit, für Distanz und Unendlichkeit, für Kühle und Klarheit, für Vertrauen und Beständigkeit, für Ruhe und Zufriedenheit, für Seele und Übersinnliches, für Glaube und Hoffnung, für Verbundenheit und Schutz, für Reinheit und Kostbarkeit, für Sensibilität und Gefühl, für Niedergeschlagenheit und Depression, für Hingabe und Sehnsucht, für Ferne und Reiselust, für Betrug und Torheit, für Finsternis und Unbekanntes, für Treue und Entspannung, für Tradition und Vergangenheit, für Freiheit und Weite.

Blau ist die Farbe der Zurückgezogenheit und der Empfindsamkeit, der Ruhe und Zufriedenheit. Blau repräsentiert Einheit, Verbundenheit und vertrauende Freundschaft, Liebe und Hingabe. Es wird verbunden mit der Geborgenheit in der Familie und im Elternhaus und mit verweilender Zärtlichkeit. Blau steht symbolisch für das blaue Meer und den blauen Himmel.

Dunkelblau wirkt von oben drückend und schwer. Von der Seite wirkt es beruhigend und erweitert den Raum. Von unten vertieft Dunkelblau den Raum. Als Akzent wirkt es rational.

 

 

Hellblau wirkt von oben erhöhend, wenig greifbar. Von der Seite wirkt es kühl und ermutigend, vertiefend und erweiternd. Von unten wirkt Hellblau erhebend und verfremdend und regt zu Bewegung an. Auch Hellblau wirkt als Akzent rational.

Als Lichtzeichen alarmiert Blau. Blau (RAL 5010) steht für Gebote und Erlaubnisse – zum Beispiel für Rauch- oder Parkerlaubnis oder für die Empfehlung, Kopfschutz oder Maske zu tragen.

Menschen, die Blau als ihre Lieblingsfarbe bezeichnen, streben meist nach Ausgeglichenheit und finden immer wieder seelischen Halt. Sie sind loyal, gelassen und hilfsbereit, wirken aber manchmal wegen ihrer analytischen Denkweise ein bisschen distanziert. Sie sind friedliebend und verständnisvoll, fürsorglich und einfühlsam. Sie begegnen anderen wach und ausdrucksstark. Übertriebene Vorliebe für Blau kann auf innere Unruhe hinweisen, auf das Zermürben in Selbstaufopferung oder auf Lustfeindlichkeit, auf Gefühllosigkeit und Strenge.

Blau ist die ideale Bekleidungsfarbe, die schlicht, gediegen und zuverlässig aussehen lässt. Wer Blau trägt, ist stets korrekt gekleidet. Blaue Kleidung steht für Ehrlichkeit und Kompetenz.

Menschen die zum tiefblauen Indigo tendieren, verhalten sich meist weltoffen und intuitiv. Der Kontakt mit ihnen ist unkompliziert. Sie mögen das Unnormale und identifizieren sich sehr mit dem, was sie tun. Sie brauchen keine bürgerlichen Familienstrukturen und stellen Gerechtigkeit über alles.

In der Wohnung wirkt Blau sehr gediegen, kann aber einem Raum auch zu viel Kühle geben.

In Wohnräumen sorgt Blau für Ruhe und Klarheit. Blau eignet sich für Räume, die der Entspannung dienen.[16]

 

Bei Unruhe, Gereiztheit und Aggressivität kann das Meditieren mit  Blau zu mehr Ausgeglichenheit und Zufriedenheit führen – etwa beim Betrachten einer blauen Fläche und dem Sinnieren zu Themen wie:

  • Die Stille der Farbe Blau
  • Ruhe und Entspannung
  • Harmonie und Gelassenheit

Blau kann die Selbstheilungskräfte unterstützen bei:

  • Lungen- und Kehlkopferkrankungen
  • Hals-, Kiefern- und Zahnproblemen oder Nebenhöhlen- und Mittelohrentzündung
  • Über- und Unterfunktion der Schilddrüse
  • Hohem Blutdruck und Puls
  • Fieber, Vergiftungen, Nervosität

Blau wirkt kontraproduktiv bei Lethargie und Müdigkeit.

Die Sekundärfarbe Orange [17] [18]

Orange ist eine warme Mischfarbe – als Rotgelb oder Gelbrot. Orange ist der Wärmepol des Farbkreises.

 

 

 

Orange verliert beim Mischen nur allmählich seinen Farbcharakter. Es ist die Komplementärfarbe zu Blau.

Orange wirkt hell und sonnig, anregend und fröhlich, kraftvoll und energievoll, extrovertiert und kommunikativ, entkrampfend und öffnend, heiter und aktivierend, auffallend und appetitanregend. Orange ist die Farbe der gezähmten Vitalität und der Lebensfreude, des Glücksgefühls und der Inspiration sowie der Lebensqualität. Orange regt geistig an und fördert Begeisterungsfähigkeit und Selbstsicherheit.

Auf Menschen, die stets den Kampf zwischen Vernunft und Gefühl mit sich ausfechten, kann Orange eine heilsame Wirkung haben. Orange kann Aggressionen mildern und Ängste besänftigen. Orange beseitigt Trägheit und steigert das Sexualempfinden.

Orange steht für Selbstsicherheit und Selbstvertrauen, für Mut und Abenteuerlust, für Freude und Lebensfreude, für Aufgeschlossenheit und Extraversion, für Geselligkeit und Gemütlichkeit, für die Vereinigung von Körper und Geist, für Wärme und Erotik.

Symbolisch findet sich Orange zum Beispiel in:

  • Agent Orange
  • Orangene Revolution

Von oben wirkt Orange anregend und fördert die Konzentration. Von der Seite wirkt es wärmend, leuchtend und kommunikativ. Von unten regt Orange die Motorik an. Als Akzent wirkt es aktivierend und führt den Blick.

 

Menschen, die Orange als ihre Lieblingsfarbe bezeichnen, haben meist künstlerische Interessen, sind kreativ und kommunikativ. Sie wirken erotisch, sinnlich, emotional und lebendig. Sie sprühen voller Lebensenergie, nicht selten allerdings in vergeistigter Form. Bei körperlichen Tätigkeiten fühlen sie sich wohl. Übertriebene Vorliebe für Orange kann auf die Neigung hinweisen, andere emotional zu sehr einzuengen.

Da Orange als Bekleidungsfarbe am wenigsten professionell wirkt, passt es nicht zu Geschäftlichem. Orange provoziert und wird oft von Exzentrikern getragen.

Orange lässt Räume wärmer erscheinen. Die Mischung aus sonnigem Gelb und sinnlichem Rot schafft Gemütlichkeit und regt den Appetit an. Räume, die wenig Tageslicht abbekommen, wirken in Orange warm und sonnig. In Kombination mit gedecktem Grau und Brauntönen strahlt Orange besonders. [19]

Wer mit Orange meditiert, betrachtet sich zum Beispiel eine Fläche in einem nicht zu dunklen Orangeton und stellt sich vor, er sei in eine orangene Farbwolke gehüllt, und sinniert zu Themen wie:

  • Wie lässt sich mehr Lebensqualität erreichen?
  • In welchen Situationen ist besser, auf den Kopf zu hören, in welchen auf das Gefühl?
  • Ist im Augenblick eine Entscheidung angesagt oder liegt die Kraft eher im Nichthandeln, im Wachsenlassen?
  • Ließe sich ein Problem vielleicht auch mal von einer ganz anderen Warte sehen?

Orange kann die Selbstheilungskräfte unterstützen bei:

  • Gebärmutterbeschwerden
  • Eierstock- und Eileitererkrankungen
  • Menstruationskrämpfen
  • Erkrankungen im unteren Darmbereich
  • Mineralstoffmangel
  • Ödembildungen im Körper
  • Antriebsstörungen
  • Depressionen
  • Kältegefühl

Orange wirkt kontraproduktiv bei Stress und Schlaflosigkeit.

Die Sekundärfarbe Violett [20]

Violett ist eine kalte negative Mischfarbe – als Rotblau und Blaurot. In unterschiedlicher Beleuchtung kann Violett grau, braun, rot oder blau wirken.

 

 

Violett verändert seinen Farbcharakter beim Mischen nur langsam – von Indigo bis Brillant Purpur – und ist Komplementärfarbe zu Gelb. Violett wirkt dunkel bis mittelhell und deckt gut als Oberflächenfarbe.

Violett wirkt unruhig und lebhaft, uneinheitlich und zwiespältig, schwankend und fragend, ernst und konzentriert, aggressiv und entmutigend, unempfindlich und kalt, geheimnisvoll und anregend. Violett stärkt Intuition und Kontemplation sowie die Konzentration und das Selbstvertrauen

Violett steht für königlichen Pomp und für Heiligkeit, für Bewusstwerdung und Erleuchtung, für Uneindeutigkeit und Neuanfang, für Aufbegehren und Umkehr. In der katholischen Kirche steht Violett für Demut und Spiritualität.

Von oben wirkt Violett bedrückend. Von der Seite wirkt es traurig. Von unten wirkt Violett verschlingend.

 

 

Menschen, die Violett als ihre Lieblingsfarbe bezeichnen, sind meist religiös und verhalten sich weise. Übertriebene Vorliebe für Violett kann auf weltfremdes Verhalten hinweisen oder auf die Übernahme der Rolle eines Dieners Gottes oder gar eines geistlichen Führers. Violette Kleidung signalisiert weniger Mode als vielmehr Selbstachtung, Würde und Selbstsicherheit, aber auch raffinierte Eleganz und Extravaganz.

Violette Räume wirken eng und beklemmend, sie sind als Schlaf- oder Esszimmer weniger geeignet. Als Akzent  wirkt Violett regenerierend und fördert das innere Gleichgewicht. Um einem Raum mit Violett eine Betonung zu geben, reichen zehn Prozent der Fläche, dreißig Prozent dürfen die sanfteren Lila und Flieder einnehmen, der Hauptanteil bleibt für neutrales Grau oder Weiß.[21]

Violett gilt allgemein als gute Meditationshilfe – etwa mit einem Amethystquarz.

Violett kann die Selbstheilungskräfte unterstützen bei:

  • Seelischen Verstimmungen und geistiger Verwirrung
  • Persönlichen Krisen
  • Zu großem Appetit
  • Cellulitis

Violett wirkt kontraproduktiv bei fehlender Bodenständigkeit, geringer sexueller Lust und egoistischen Tendenzen.

Die Sekundärfarbe Grün [22] [23] [24]

Grün ist als Oberflächenfarbe eine Mischfarbe. Grün wirkt mittelhell und wenig bunt.

 

 

 

 

Grün ist das Ergebnis der Mischung von Gelb und Blau. Grün ist die Komplementärfarbe zu Rot und behält beim Mischen lange seinen Farbcharakter.

Grün wirkt natürlich und erholsam, ausgleichend und vermittelnd, entspannend und befriedigend, stressmindernd und harmonisierend, sehr beruhigend und besänftigend, beharrend und fest, temperaturneutral und frisch, unempfindlich und ermutigend, logisch und kritisch, analytisch und formalistisch. Grün bietet die Vorstellung von Zuflucht, Frieden und Sicherheit – emotional wie rational. Grün zeigt Defensive nach außen und Schutz nach innen – gegen verletzende Einflüsse. Grün erzeugt Harmonie und beruhigt, es stabilisiert physiologisch und psychisch. Grün ist Ausdruck harter Festigkeit und stabiler Beharrung. Grün signalisiert Willenskraft, aber auch für Angst als sensible Gehemmtheit.

Grün steht für Hoffnung und Wachstum, für Fruchtbarkeit und Leben, für Liebe und Nächstenliebe, für Wünsche und Träume, für Beharrung und Stabilität, für Pflanzen und Natur, für Ideen und Pläne, für Schutz und Konstanz, für Zuversicht und Gewissheit, für Heilung und Erneuerung, für Selbstachtung und Vorsätze, für Selbstvertrauen und Selbstsicherheit, für Frieden und Konzentration auf das Wesentliche. Grün signalisiert Behauptung im Besitzen und Verwalten von Gütern und Selbstbehauptung. Grün gilt als Farbe der immer wiederkehrenden Erneuerung. Im Islam und im Judentum gilt Grün als die Farbe der Barmherzigkeit Gottes; deshalb ist das Banner des Propheten grün.

Symbolisch findet sich Grün zum Beispiel in:

  • Grüne Ampel
  • Grün hinter den Ohren sein
  • Im Grünen Bereich sein
  • Die Partei „Die Grünen“

Von oben wirkt Grün pflegend und deckend. Von der Seite wirkt es einerseits kalt und irritierend, andererseits sichernd und beruhigend, aber auch erweiternd. Von unten wirkt Grün natürlich und erholsam, weich und trittfreudig und regt zu Bewegung an. Als Akzent vermittelt es Sicherheit.

Als Lichtzeichen erregt Grün Aufmerksamkeit. Grün (RAL 6001) steht für Gefahrlosigkeit und Rettung – zum Beispiel für Notausgänge oder Erste Hilfe.

Menschen, die Grün als ihre Lieblingsfarbe bezeichnen, fühlen sich fast immer eng mit der Natur verbunden. Sie sind aus Weisheit bescheiden und zudem herzlich und opferbereit. Sie sind sehr auf Sicherheit bedacht und legen Wert auf stabile, gefestigte Verhältnisse. Sie zeigen Sinn fürs Praktische und haben eine heitere, menschenfreundliche Art. Sie bemühen sich stets, ihren Überzeugungen treu zu bleiben und versuchen, nach Grundsätzen zu handeln, die auch für die Allgemeinheit gelten könnten. Das Ergebnis ihrer Bemü­hungen um Wahrhaftigkeit zeigt sich dann im Grad ihrer Selbstachtung. Übertriebene Vorliebe für Grün kann auf Träumerei und Sentimentalität hinweisen, die oft auch einengen.

Grüne Kleidung drückt Harmonie und Gleichgewicht aus. Sie wirkt beruhigend, ausgleichend und eher konventionell. Sie steht für Naturverbundenheit, Gesundheit und Sicherheit.

Grüne Räume wirken beruhigend und ausgleichend. Die wohltuende Wirkung von Grün passt ins Schlafzimmer. Grünnuancen im Arbeitszimmer fördern die Kreativität. Grüne Pflanzen im Raum sorgen für Ruhe.[25]

 

Bei Mutlosigkeit kann das Meditieren mit Grün beruhigen und helfen, sich und anderen zu vergeben – etwa beim Betrachten einer frühlingsgrünen Fläche oder bei einem Spaziergang im Park und dem Sinnieren zu Themen wie:

  • Die Ruhe eines Waldspaziergangs
  • Das Einsseins mit sich selbst
  • Das Abfallen von Ängste und Sorgen, um Platz zu schaffen für Neues

Grün kann die Selbstheilungskräfte unterstützen bei:

  • Erkrankungen des Herzens
  • Liebeskummer
  • Stress
  • Trauer
  • Wut

Die Tertiärfarbe Türkis

Türkis ist eine kalte Mischfarbe. Der Name Türkis ist stammt vom Türkisstein.

 

 

 

 

Türkis wirkt schützend und erfrischend, dynamisch und klar, jugendlich und offen.Türkis weckt Interesse und bringt Klarheit ins Denken und Fühlen.

Türkis steht für Schutz und Abwehr und für offene Kommunikation.

Menschen, die Grün als ihre Lieblingsfarbe bezeichnen, lieben meist die Unabhängigkeit und wirken wachsam und beschützend; sie wollen selbstständig sein. Ihr Handeln erscheint anderen oft eigenwillig oder auch extravagant. Übertriebene Vorliebe für Türkis kann auf Sarkasmus und rigide Macht­besessenheit hinweisen.

Türkise Kleidung wirkt schlicht und attraktiv. Schon kleine Accessoires betonen das Gesamte.

Pastelltürkis, wie auch Rosé, Himmelblau, Vanillegelb oder Mintgrün, wirkt fröhlich, weil zarte Pastellfarben ausgleichend und beruhigend erscheinen und Leichtigkeit vermitteln. Reines Weiß und Naturmaterialien sind ideale Ergänzungen zu Pastellfarben. [26]

Türkis kann die Selbstheilungskräfte unterstützen bei:

  • Bronchitis und Lungenentzündung
  • Grippalen Infekten
  • Lymphdrüsenentzündung
  • Immunschwäche
  • Speise- und Luftröhrenerkrankung

Die Tertiärfarbe Braun [27]

Braun ist eine warme, wenig helle Farbe und hat eine geringe Sättigung.

 

 

 

 

Braun ist das Ergebnis der Mischung von Grün und Rot. Es umfasst in Farbräumen ein großes Spektrum.

Braun wirkt temperaturneutral, ernsthaft und solide, selbstsicher und anregend.

Braun symbolisiert die Erde und die Stabilität. Es ist die Farbe der menschlichen Herkunft und  steht für Treue und feste Verwurzelung, für Organisation und Autorität.

Von oben wirkt Braun deckend, aber auch drückend. Von der Seite wirkt es einerseits einengend, andererseits sichernd. Von unten wirkt Braun wohlig und trittsicher. Als Akzent stellt es keine Forderung.

Menschen, die Braun als ihre Lieblingsfarbe bezeichnen, sind meist sesshaft und treu, familiär und häuslich. Sie wollen sich sicher fühlen. Sie führen gern ein alternatives Leben mit viel Bezug zur Natur. Mit ihnen umzugehen ist unkompliziert. Sie wirken gesund, manchmal etwas schwerfällig.

In Räumen wirkt Braun ruhig, harmonisch und warm. Wo Braun den Ton angibt, entstehen positive Assoziationen. Braun verleiht Sicherheit und Geborgenheit. Akzente in klarem Weiß oder in Limone beleben Braun – zum Beispiel mit weißen Bilderrahmen.[28]

Unbunte Farben

Die unbunten Farben von Schwarz bis Weiß werden linear auf einem Streifen dargestellt, der idealerweise feinste Grautonübergänge zeigt.[29]

 

 

Die unbunte Farbe Weiß [30]

Weiß ist eine kalte Farbe.

 

 

 

 

 

 

Weiß verliert bereits bei geringster Mischung seinen Farbcharakter.

Weiß wirkt neutral und sachlich, aggressiv und gruselig, anregend und heilig, edel und klassisch elegant. Weiß gibt Weite und regt den Intellekt an. Weiß vertreibt Müdigkeit und richtet auf.

Weiß steht für Sauberkeit und Reinheit, für Vollendung und Vollkommenheit, für Helligkeit und Klarheit, für Unschuld, Kompetenz und Männlichkeit. In östlichen Kulturen repräsentiert Weiß Trauer und Tod.

Symbolisch findet sich Weiß zum Beispiel in:

  • Weiße Fahne
  • Halbgott in Weiß
  • Weiße Lilie

Von oben wirkt Weiß leer. Von der Seite wirkt es neutral, leer und unlebendig. Von unten wirkt Weiß abweisend, fremd und sauber. Als Akzent fordert es auf, es nicht zu betreten.

 

 

Nur wenige Menschen fühlen sich in einer weiß dominierten Farbumgebung wohl. Kaum eine Kombination wirkt so ausdrucksstark und elegant wie Weiß und Schwarz. Der Designklassiker ist für Menschen geeignet, die wissen, was sie wollen und im Leben einen kühlen Kopf bewahren. Der Kontrast der beiden unbunten Farben lässt sich abschwächen durch unterschiedliche Muster, wie Blumen und Streifen, und durch die Kombination mit Möbeln aus naturbelassenem Holz. Das Ergebnis ist ein edles Farbkonzept mit raffinierten Akzenten.[31]

Die unbunte Farbe Schwarz [32]

Schwarz ist eine kalte Farbe.

 

 

 

 

 

 

Beim Mischen mit anderen Farben erhält Schwarz lange seinen Farbcharakter.

Schwarz wirkt neutral und sachlich, geheimnisvoll und interessant, melancholisch und beruhigend, edel und klassisch elegant, eigenwillig und weiblich. Schwarz blockiert alle Energien. Es engt ein und wirkt auf großen Flächen deprimierend. Schwarze Kleidung wirkt edel.

Schwarz steht für Trauer und Tod, für Leben und Kreativität, für Ungeheuerlichkeit und Geheimnis, für Nacht und Böses, für Möglichkeiten und Exklusivität, für höchste Kompetenz.

Symbolisch findet sich Schwarz zum Beispiel in:

  • Schwarze Trauerkleidung
  • SS-Uniform
  • Schwarzes Loch
  • Schwarzer Humor
  • Das kleine Schwarze

Von oben wirkt Schwarz drückend und löchrig. Von der Seite wirkt es wie in einem Verlies. Von unten wirkt Schwarz abstrakt, vertiefend und befremdend. Als Akzent ist es gegen Helligkeit ein Informationsträger.

 

Grau, Mischfarbe aus Schwarz und Weiß, wirkt von oben Schatten spendend. Von der Seite wirkt es langweilig. Von unten wirkt Grau neutral. Als Akzent ist es untauglich.

 

Psychologie der Farben

Die Wahl der Autofarbe lässt einer britischen Studie zufolge psychologische Schlüsse auf den Besitzer zu.[33]

  • Besitzer pastellfarbener Autos leiden achtmal häufiger an Depressionen als Menschen, die kräftige Autofarben bevorzugen. Fahrer fliederfarbener und zitronengelber Autos waren im Jahr drei Tage länger krank als andere. Das scheint aber nicht zu schrecken, denn 63 % von ihnen erklärten, sie würden wieder einen Wagen der gleichen Farbe kaufen.
  • Besitzer von weißen Fahrzeugen hingegen wirken distanziert und zurückhaltend.
  • Am glücklichsten fühlen sich die Besitzer silberner oder metallicblauer Wagen.
  • Wer hingegen Schwarz oder Rot bevorzugt, verrät sich als dominanter Kämpfertyp – zumindest im Straßenverkehr.

 

 

 

In einer Versuchsreihe wurde Testpersonen Kaffee in verschiedenfarbigen Kannen serviert.

  • Den Kaffee aus der braunen Kanne werteten sie als zu stark.
  • Den Kaffee aus der roten Kanne beschrieben sie als kräftig und aromatisch.
  • Der Kaffee aus der blauen Kanne hatte für sie einen milden Geschmack.
  • Der Kaffee aus der gelben Kanne war ihnen zu schwach.

Selbstverständlich war nur eine einzig große Portion Kaffee auf die vier Kannen verteilt worden. Der Kaffee war jeweils derselbe.[34]

Versuchen Sie, den Text nicht zu beachten und benennen Sie nacheinander möglichst schnell die Farben der einzelnen Wörter.[35]

Peter Hilbert

Quellen

[1] [6] www.lehrerfortbildung-bw.de
[2] [4] [29] Klausbernd Vollmar. Sprache und Macht der Farben
[3] [5] [9] [24] Heinrich Frieling. Licht und Farbe am Arbeitsplatz
[7] [11] [14] [17] [20] [22] Johannes Pawlik. Theorie der Farbe
[8] [12] [15] [18] [23] Edda Constantini-Röbel
[10] [13] [16] [19] [21] [25] [26] [28] [31] DKV. Impulse
[27] [30] [32] Rainer Kreutzmann. Farbe und Kleidung
[33] Conrad King. In: Frankfurter Rundschau
[34] Siegfried Künstle. Lebensfreude durch Farbe
[35] Elmar Fischer

Die beliebtesten Farben

Standard

 

Die Lieblingsfarben laut einer Umfrage bei 1888 Männern und Frauen in Deutschland: [1]
Farbe Durchschnitt Frauen Männer
Blau        38 %        36 %        40 %
Rot        20 %        20 %        20 %
Grün        12 %        12 %        12 %
Schwarz          8 %          8 %          8 %
Rosa          5 %          8 %          2 %
Gelb          5 %          4 %          5 %
Weiß          3 %          3 %          3 %
Violett          3 %          5 %          1 %
Gold          2 %          1 %          2 %
Braun          2 %          2 %          1 %
Grau          1 %          0 %          3 %
Silber          0 %          0 %          1 %
Orange          0 %          1 %          0 %

 

[1] Eva Heller. Wie Farben wirken

Die unbeliebtesten Farben

Standard

 

Die unbeliebtesten Farben laut einer Umfrage bei 1888 Männern und Frauen in Deutschland: [1]
Farbe Durchschnitt Frauen Männer
Braun        27 %        29 %        24 %
Orange        11 %        14 %          9 %
Violett        11 %        10 %        12 %
Rosa          9 %          7 %        12 %
Grün          9 %          8 %        10 %
Grau          9 %          7 %        10 %
Schwarz          8 %          9 %          7 %
Gelb          6 %          6 %          5 %
Gold          4 %          3 %          4 %
Rot          2 %          3 %          2 %
Silber          2 %          2 %          2 %
Blau          2 %          1 %          2 %
Weiß          0 %          0 %          1 %

[1] Eva Heller. Wie Farben wirken

Verräterisches Verhalten

Standard

Profile erleichtern das Verstehen

Wie verhalten sich Menschen, wenn sie sich wohlfühlen? Wie verhalten sie sich, wenn ihnen etwas weniger angenehm ist? Wie verhalten sie sich, wenn sie sehr angespannt sind? – Welche Menschen können gut und produktiv zusammenarbeiten, welche Menschen kommen weniger gut miteinander aus? Woran liegt das und wie lässt sich die Zusammenarbeit verbessern? Welche Hinweise lassen erkennen, wer mit wem gut auskommt und wer nicht? Verhaltensprofile geben Antworten auf die Fragen.

Verhaltensprofile sind ein Modell und wie jedes Modell vereinfachen Profile zwar die Wirklichkeit und erfassen nicht alle Attribute menschlichen Verhaltens, doch sie verdeutlichen komplexe Zusammenhänge des menschlichen Miteinanders.

Das Modell der Verhaltensprofile hat seine Wurzeln in der humanistischen Psychologie, die jedem Einzelnen für die Qualität seiner Beziehungen zu anderen Menschen selbst die Verantwortung gibt. Das Modell beantwortet Fragen wie:

  • Wie verhalte ich mich und wie erleben mich meine Mitmenschen?
  • Welche Stärken, Bedürfnisse und Erwartungen habe ich und haben andere?
  • Was kann und will ich tun, damit andere sich mit mir zusammen wohlfühlen und die Zusammenarbeit erfreulicher und produktiver wird?

Das Modell der Verhaltensprofile bewertet menschliches Verhalten nicht, vielmehr zeigt es verschiedene Tendenzen menschlichen Verhaltens und welche Stärken, Bedürfnisse und Erwartungen damit verbunden sind, die es zu respektieren gilt.

Das Modell der Verhaltensprofile beabsichtigt, tolerante, offene und partnerschaftliche Grundeinstellungen zu verwirklichen. Es erweitert die Variationsmöglichkeiten der zwischenmenschlichen Kommunikation – wichtig sowohl für den Einzelnen wie auch für die Interaktion zwischen Menschen.

Gewohnheiten

Schon früh im Leben lernen Menschen Dinge zu tun, über die sie als Erwachsene nicht mehr nachdenken. Menschen lernen zu sprechen und nehmen dabei vielleicht einen Dialekt an. Sie lernen zu schreiben und entwickeln mit der Zeit ihre eigene unverwechselbare Handschrift. Sie lernen, bestimmte Handgriffe auf ganz individuelle Weise auszuführen und vieles mehr. So entstehen individuelle Verhaltensweisen, die für jeden Einzelnen normal, bequem und auch effizient sind.

Menschen fühlen sich wohl mit ihren erworbenen Verhaltensweisen, die sie Gewohnheiten oder auch Komfortzone nennen. Auch für die Interaktion mit anderen haben Menschen schon frühzeitig Verhaltensweisen erlernt, mit denen sie auf ihre persönliche Weise in Beziehungen eintreten und mit denen sie bei anderen unterschiedliche Reaktionen hervorrufen.

Die Komfortzone ist das Spektrum der jeweils eigenen individuellen Verhaltensweisen, Bedürfnisse, Erwartungen, Stärken und Schwächen. Jeder Mensch hat seine individuelle Komfortzone, in der er sein kann, wie er sich aktuell fühlt, und in der er sich verhält, wie er es gewohnt ist, so wie er es mag. In seiner Komfortzone gebraucht jeder seine im Verlauf seines Lebens erworbenen Fähigkeiten. In ihrer Komfortzone sind Menschen effektiv, sie handeln nach ihren vertrauten Techniken, die sich als praktisch und angenehm herausgestellt haben.

Jeder Mensch hat das Recht auf seine persönliche Komfortzone. In seiner Komfortzone fühlt sich jeder besonders fit, nutzt seine schöpferische, kreative Energie und setzt seine Fähigkeiten und Fertigkeiten unmittelbar frei.

Jeder Mensch ist in der Lage, seine Komfortzone zu verlassen, wenn er das will. Es gibt unzählige Situationen, in denen Menschen für eine gewisse Zeit gern und freiwillig ihre Komfortzone verlassen – etwa um Ziele zu erreichen oder um mit anderen gesellschaftlich adäquat umzugehen. Auch wenn diese Fähigkeit meist unbewusst eingesetzt wird, hilft sie, besser mit anderen zu kommunizieren. Um die eigene Kommunikationsfähigkeit noch weiter zu verbessern, brauchen Menschen die Fähigkeit, ihre Komfortzone situativ und bewusst zu verlassen, auch wenn es manchmal schwerfällt.

Wenn sie ihre Komfortzone verlassen, kommen Menschen in ihre Kompromisszone, in der sie sich höflich, einfühlsam und freundlich verhalten – wenn sie das wollen. In ihrer Kompromisszone befinden sich Menschen zwischen einem guten und einem schlechten Zustand. Ihre Kompromisszone erlaubt ihnen, Sachverhalte neu zu sehen und Handlungen auszuprobieren.

Der Kompromisszone folgt die Panikzone. In ihr fühlen sich Menschen gestresst, angespannt, unglücklich. Wenn Menschen in ihre Panikzone gedrängt werden, lassen sich Konflikte nicht vermeiden. In der Panikzone sind die sonst vorhandenen positiven Fähigkeiten und Fertigkeiten blockiert.

Menschen neigen dazu, sich von anderen Menschen ein Vorurteil zu bilden – bereits während sie sie zum ersten Mal sehen. Aus ihrer Komfortzone heraus vergleichen sie das Verhalten anderer – oft unbewusst – mit ihrem eigenen Verhalten oder mit ihren Erwartungen. Inwieweit das Verhalten anderer den eigenen Vorstellungen und Erwartungen entspricht, so fällt das Urteil aus: positiv oder negativ.

Ihrem ersten Urteil folgend – das sehr häufig einer kaum erklärbaren Intuition entspringt – signalisieren Menschen ihr Vorurteil durch ihr Kommunikationsverhalten. Ob sie es wollen oder nicht: Ihr Gegenüber spürt, ob sie ihn positiv oder negativ sehen. Zudem tendieren Menschen dazu – ohne sich dessen immer bewusst zu sein –, vornehmlich die Signale zu empfangen, die ihren ersten Eindruck bestätigen.

Das Verhalten der Menschen wird bestimmt von ihrer Persönlichkeit, von ihren Einstellungen und von ihren Gefühlen. Ihr Verhalten – das andere sehen und hören – entspricht nicht unbedingt dem, was Personen denken oder fühlen. Wer sich mit dem Denken und Fühlen einer Person beschäftigt, betreibt Psychologie. Die Verhaltensprofile beurteilen weder die Persönlichkeit, noch die Intelligenz, noch die Fähigkeit von Menschen. Sie beziehen sich ausschließlich auf beobachtbares Verhalten. Verhaltensprofile sind keine Persönlichkeitstests.[1]

Persönlichkeit

  • Sie besteht aus menschlichen Werten, Talenten und Einstellungen sowie der Motivationsstruktur.
  • Sie ist nach der Pubertät weitgehend stabil und kann nur bedingt beeinflusst werden.
  • Änderungen der Persönlichkeit gehören nicht zu den Führungsaufgaben.
Verhalten

  • Es wird geprägt durch Erfahrungen, Routinen und Lernprozesse.
  • Es verändert sich durch die Interaktion mit der Umgebung und ist lebenslang trainierbar.
  • Verhaltensänderungen gehören zu den Führungsaufgaben.

Das Modell der Verhaltensprofile analysiert zunächst zwei Verhaltenstendenzen:

  • Verhält sich eine Person eher stärker bestimmend oder weniger bestimmend?
  • Verhält sich die Person eher stärker gefühlsbetont oder weniger gefühlsbetont?

Bestimmendes Verhalten

Bestimmendes Verhalten ist das wahrnehmbare Ausmaß, in dem eine Person durch ihre Haltung, Gestik, Mimik, Stimme und Sprache auf andere Einfluss nimmt.[2]

Weniger bestimmendes Verhalten lässt eine Person eher introvertiert und nach Beständigkeit strebend erscheinen: Sie fragt mehr als sie behauptet, formuliert eher indirekt und vorsichtig. Sie verhält sich eher abwägend und zurückhaltend. Andere erleben sie als belastbar und zuverlässig, oft als etwas gemächlich.

Stärker bestimmendes Verhalten lässt eine Person eher extrovertiert und nach Veränderungen strebend erscheinen: Sie ist eloquent und ausdrucksstark, sagt anderen direkt ihre Meinung. Sie interessiert sich für alles Neue und wirkt oft ungeduldig. Sie ist entscheidungsfreudig und dabei risikobereit. Sie strebt nach Freiheit und Unabhängigkeit.

Wenn die beiden Pfeile jeweils das Ausmaß weniger bestimmenden und stärker bestimmenden Verhaltens verbildlichen, wo auf welchem Pfeil sehen Sie tenden­ziell Ihr Verhalten? Bitte markieren Sie die Stelle.

[3]Personen, die sich tendenziell stärker bestimmend verhalten, sind meist charmant, haben eine starke Anziehungskraft und andere Menschen fühlen sich in ihrer Umgebung spontan wohl. Allerdings beharren sie sehr auf ihrer Meinung und ihre Mitmenschen gewinnen leicht den Eindruck, dass ihre erhaltene Zuwendung nicht wirklich ihnen persönlich galt, und fühlen sich enttäuscht.

Mit Misserfolgen gehen stärker bestimmende Personen gelassen um, auch weil sie gern anderen die Schuld dafür geben. Sie haben erstaunlich oft Glück und neigen auch deshalb dazu, mehr zu riskieren als ihr Kenntnisstand eigentlich erlaubt. Sie sind schnell zu begeistern, jedoch verlieren sie dann schnell die Lust.

Am liebsten würden sie alles können, doch ihre Ungeduld lässt ihnen meist keine Zeit, erst zu lernen. Sie sind talentiert und haben eine schnelle Auffassungsgabe, andererseits laufen sie Gefahr, nie fundierte Kenntnisse und Fertigkeiten zu erwerben, solange sie methodisches Vorgehen als altmodisch, überholt und ungenial betrachten.

Stärker Bestimmende streben nach Veränderung, sind risikobereit und entschei­dungsfreudig. Sie kommunizieren eloquent, direkt und ausdrucksvoll. Auf andere wirken sie ungeduldig und dominant.[4]

[5]Personen, die sich tendenziell weniger bestimmend verhalten, sind meist zuverlässig, genau und belastbar; doch ihr allzu starres Beharren auf Regeln macht ihre Mitmenschen oft ärgerlich. Sie sind durchweg ausdauernd und geduldig, was dazu führt, dass sie sich zu viel gefallen lassen.

Weniger bestimmende Personen erledigen alles gerne perfekt und wegen ihres Perfektionismus werden sie manchmal mit ihren Aufgaben nicht rechtzeitig fertig. Ihre Ergebnisse sind immer umfassend abgesichert, allerdings sind sie wenig flexibel und wenig spontan, weil Sie sich zu sehr absichern. Entscheidungen fallen ihnen schwer, doch sind ihre Entscheidungen immer fundiert. Sie provozieren keine Auseinandersetzungen, denn sie haben große Scheu vor Aggressionen. Sie hören kaum auf ihr Gefühl, da sie sich durch Rationalität steuern lassen.

Weniger Bestimmende streben nach Beständigkeit. Sie verhalten sich vorsichtig, manchmal gemächlich und entscheiden langsam. Sie kommunizieren aufmerksam und fragen eher geduldig oder deuten an als zu behaupten. Sie wirken zurückhaltend und ruhig, introvertiert.[6]

Gefühlsbetontes Verhalten

Gefühlsbetontes Verhalten ist das wahrnehmbare Ausmaß, in dem eine Person durch ihre Haltung, Gestik, Mimik, Stimme und Sprache die eigenen Gefühle ausdrückt. [7]

Stärker gefühlsbetontes Verhalten lässt eine Person eher offen, menschenorientiert und emotional erscheinen. Sie sorgt sich um ihre Mitmenschen und genießt das Leben. Auf andere wirkt sie entspannt und aufgeschlossen.

Weniger gefühlsbetontes Verhalten lässt eine Person eher reserviert, aufgabenorientiert und rational erscheinen. Sie arbeitet gern unabhängig, systematisch und rational. Sie konzentriert sich auf ihre Aufgaben und wirkt eher reserviert, oft gar distanziert. Ihr Auftreten ist stets überzeugend.

Wenn die beiden Pfeile jeweils
das Ausmaß weniger gefühlsbetonten
und stärker gefühlsbetonten
Verhaltens verbildlichen, wo auf
welchem Pfeil sehen Sie
tendenziell Ihr Verhalten?
Bitte markieren Sie die Stelle.

[8]Personen, die sich tendenziell stärker gefühlsbetont verhalten, kümmern sich sehr um andere; dabei neigen sie dazu, andere zu bemuttern und zu verwöhnen. Von ihnen kann jeder alles haben, denn sie können schlecht nein sagen. Von anderen fordern sie wenig, denn sie haben Schwierigkeiten zu sagen, was sie von anderen wollen.

Ihre Sinnlichkeit und Beständigkeit sind sehr ausgeprägt, doch sie neigen dazu, ihnen nahestehende Menschen allzu sehr einzuengen. Zwar sind sie flexibel und anpassungsfähig, doch sie erleben die Interessen anderer als Missvergnügen.

Stärker gefühlsbetonte Personen identifizieren sich stark mit ihren Aufgaben, dabei überfordern sie sich oft selbst und gehen sehr großzügig mit ihrer Zeit und Kraft und mit ihrem Geld um. Normalerweise sind sie leicht zufriedenzustellen, jedoch in Auseinandersetzungen ist ihre Reaktion manchmal unangemessen heftig.

Stärker Gefühlsbetonte sind offen und aufgeschlossen für verschiedene Meinungen. Sie wirken entspannt, warmherzig und locker. Ihre Beziehungen zu anderen sind emotional und geprägt von Spontaneität.[9]

[10]Personen, die sich tendenziell weniger gefühlsbetont verhalten, faszinieren andere mit ihrem kritischen klaren Sachverstand und ihrer Intellektualität; allerdings überfordern sie ihre Mitmenschen leicht mit ihrem Intellekt, weil sie meinen, sie müssten alles mitteilen, was Sie wissen.

Weniger gefühlsbetonte Personen halten eher Distanz zu ihren Mitmenschen und beengen sie nicht, sie lösen dadurch aber bei anderen oft Distanz aus. Sie tragen gerne Verantwortung, aber sie neigen dazu, andere zu unterdrücken. Sie haben Schwierigkeiten, Menschen zu verstehen; deshalb sind sie oft isoliert.

Von Problemen lassen sie sich nicht beeindrucken, sie lösen sie. Positive Gefühle bringen sie nicht durcheinander, doch sie können nur schwer Gefühle in Worte fassen. Bei Kränkungen und Widerspruch zeigen sie ihre Gefühle, dann sind sie empfindlich, aggressiv und verletzend. Sie haben Kraft und überzeugen durch Sachargumente.

Weniger Gefühlsbetonte verhalten sich korrekt und formell. Sie kommunizieren faktenbezogen und aufgabenorientiert. Sie wirken reserviert, diszipliniert und rational. Sie handeln planend und kontrolliert.[11]

Bevorzugtes Verhalten

Indem die beiden Einschätzungen zum Ausmaß des bestimmenden Verhaltens sowie des gefühlsbetonten Verhaltens miteinander verbunden werden, lassen sich die Verhaltensstile von Personen genauer fassen.

Bildlich werden die zuvor markierten Pfeile aufeinandergelegt, so dass vier Quadranten entstehen, die jeweils eine Bezeichnung für ein spezielles Verhaltensprofil erhalten:

  • „Verbindlicher“ für das tendenziell weniger bestimmende und stärker gefühlsbetonte Verhalten
  • „Expressiver“ für das tendenziell stärker bestimmende und stärker gefühlsbetonte Verhalten
  • „Macher“ für das tendenziell stärker bestimmende und weniger gefühlsbetonte Verhalten
  • „Analytiker“ für das tendenziell weniger bestimmende und weniger gefühlsbetonte Verhalten

Mit einigen Betrachtungen von Gestik und Mimik oder von angesprochenen Themen einer Person lässt sich ihr Verhaltensprofil recht treffend einschätzen, zum Beispiel das bevorzugte Verhalten einer Freundin oder eines Freundes, einer Kollegin oder eines Kollegen.

Bei der Einschätzung des Profils sind die Perspektiven zum Verhalten strikt voneinander zu trennen: Zunächst ist das bestimmende Verhalten und dann das gefühlsbetonte Verhalten zu betrachten.

Die beiden Polaritätsprofile können die Einschätzung erleichtern, wenn in jeder Zeile angekreuzt wird, was am besten zum Verhalten der Person passt.

Die Summen der Einschätzungen A bis D sowie 1 bis 4 ergeben die Auswertung:

  • Ist die Summe der Spalten A und B höher als die von C und D, ist der linke Teil relevant, anderenfalls der rechte.
  • Ist die Summe der Spalten 3 und 4 höher als die von 1 und 2, ist der obere Teil relevant, anderenfalls der untere.

Zusammen genommen ergibt sich aus den vertikalen und horizontalen Summen ein Verhaltensprofil in einem der Quadranten.

Ist die Summe der Spalten A beziehungsweise D und die Summe der Spalten 1 beziehungsweise 4 größer als von B beziehungsweise C und von 2 beziehungsweise 3, ist der Verhaltensstil stärker ausgeprägt, anderenfalls geringer.

Verbindliche[12] [13] [14]

Personen mit dem Verhaltensprofil eines Verbindlichen, die sich also weniger bestimmend und stärker gefühlsbetont verhalten, werden als angenehme Menschen empfunden. Sie wirken zurückhaltend, warmherzig und rücksichtsvoll. Sie sind geduldig, tolerant und bescheiden, sie müssen nicht im Mittelpunkt stehen. Sie vertrauen anderen Menschen. Sie handeln überlegt, eher zögernd. Sie sind einfühlsam und können eine gute Atmosphäre schaffen, man mag sie einfach.

Verbindliche mögen andere Menschen und das Leben. Sie schätzen die schönen Seiten des Lebens, was man ihnen auch ansieht: Sie wirken meist eher rundlich und gemütlich. Verbindliche haben eine einladende Körpersprache. Ihre Bewegungen und Gesten wirken stets freundlich und harmonisch. Sie begegnen anderen mit offenem Blick und sprechen meist mit leiser, sanfter Stimme, eher langsam und vorsichtig. Auf Äußerlichkeiten legen Verbindliche keinen großen Wert, auch bei ihrer eher legeren Kleidung nicht, denn nicht alles muss immer perfekt sein.

Verbindliche suchen Zustimmung und Stabilität, sie vermeiden Risiken und mögen keine plötzlichen Veränderungen. Sie sind glücklich über Konsens, Konflikte und Unsensibilität sind ihnen zuwider. Sie wollen freundlich behandelt, akzeptiert und ausführlich gelobt werden. Angetrieben werden sie von dem Wunsch dazuzugehören und ihrem Bedürfnis nach Sicherheit. Ihr Hauptmotiv ist das Herstellen von Harmonie.

Sie sind gute und angenehme Zuhörer, nur selten unterbrechen sie ihre Gesprächspartner. Sie kommunizieren stets höflich, manchmal etwas umständlich. Sie fragen viel und bitten freundlich. Verbindliche möchten anderen nicht wehtun, deshalb kritisieren sie selten und vermeiden verletzende Aussagen oder Stellungnahmen.

Unter Druck leiden Verbindliche. Sie geben dann vordergründig nach und ärgern sich hinterher darüber. Später „rächen“ sie sich dann. Überhaupt ist das freundliche Verhalten der Verbindlichen nicht falsch zu interpretieren: Sie sind zäh und ausdauernd und erreichen ihre Ziele am Ende doch, wenn auch oft auf Umwegen.

Initiativ zu sein fällt Verbindlichen schwer, genauso wie sich zu entscheiden und ihre Entscheidungen konsequent durchzusetzen. Am liebsten hätten sie Garantien, dass sich alle mit ihren Entscheidungen wohlfühlen.

Anderen Menschen machen sie es leicht, in Kontakt mit ihnen zu treten. Sie reagieren freundlich, geben sich warm und offenherzig. Sie stellen Beziehungen über alles andere, sind liebenswert, oft etwas schüchtern. Sie stellen schnell eine herzliche Atmosphäre her, in der es sich gut und vertrauensvoll arbeiten lässt.

Verbindliche sind zuverlässig und loyal, ideale Teamarbeiter, denen Vertrauen und eine gute Atmosphäre Voraussetzung für gute Leistungen sind; dann arbeiten sie gewissenhaft und beständig. Sie ordnen sich leicht ein, sind hilfsbereit und unterstützen andere gern, dabei stellen sie eigene Wünsche zunächst zurück.

Durch ihre Empathie sind Verbindliche gut im Vermitteln gegensätzlicher Auffassungen und Positionen, sie schaffen es oft besser als andere, gegensätzliche Meinungen auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen und Kompromisse zu erzielen, die von den Beteiligten akzeptiert werden. In gespannten Situationen können sie die Gemüter beruhigen.

Verbindliche bleiben in ihrer Komfortzone, wenn sie auch in ihrem Beruf sich warmherzig, zurückhaltend, tolerant zeigen können. Sie fühlen sich wohl, wenn sie in einem Team arbeiten, anderen zuhören und ihnen helfen können, wenn sich ihre vorsichtige Zögerlichkeit nicht nachteilig auswirkt und ihre Nachgiebigkeit nicht überstrapaziert wird – zum Beispiel als Erzieher, Seelsorger, Mediziner oder Pfleger.

In ihrem Büro sind Verbindliche zufrieden mit einer Standardeinrichtung. An den gerne in warmen Pastelltönen gehaltenen Wänden hängen Bilder und Urlaubskarten, vielleicht ein Familienfoto. Der Schreibtisch ist ordentlich und sauber. Im Raum steht eine Pflanze. Nippes, oft Plüschtiere, geben einen privaten Akzent, womöglich ergänzt durch Hinweise auf ein Hobby. Für Besucher stehen Süßigkeiten bereit.

Verbindliche wollen niemanden verletzen, also vermeiden sie Sportarten, zu denen intensiver Körperkontakt gehört. Sie entscheiden sich lieber für einen Sport, der andere auf Abstand hält, zum Beispiel Tischtennis oder Bowling. Als Gesellschaftsspiel mögen sie das klassische „Mensch ärgere dich nicht“, bei dem sie anderen auch mal den Vortritt lassen können.

Im Umgang mit anderen wirkt ihre ausgeprägte Empfindsamkeit und ihre Unentschlossenheit manchmal hinderlich. Ihre Umgebung wünscht sich oft von ihnen mehr Spontaneität und Aktivität. Doch Verbindliche nehmen nur ungern eindeutig Stellung, sagen nicht gern klar ihre Meinung und entscheiden nur schwer. Sie wollen es jedem recht machen. Auch wünschen sich ihre Mitmenschen mehr Fähigkeit, Druck auszuhalten, statt nachzugeben und unproduktiv zu werden. Verbindliche könnten sich und anderen den Umgang miteinander vereinfachen, wenn sie neben dem Persönlichen auch das Sachliche akzeptieren würden.

Verbindliche könnten sich das Leben erleichtern, wenn sie darauf achteten, mit wem sie über Gefühle sprechen und mit wem nicht, und ihre Aufgaben erledigten, ohne den Gefühlen anderer oberste Priorität einzuräumen, wenn sie öfter nein sagen, mehr delegieren und ihre Wünsche klarer äußern würden. In ihrer Kompromisszone könnten sie lernen, selbstbewusster aufzutreten, entschlossener zu handeln und sich mehr durchzusetzen. Würden sie Neuem offener gegenüberstehen und sachlicher sein, könnten sie mehr Risiken eingehen.

Expressive[15] [16] [17]

Personen mit dem Verhaltensprofil eines Expressiven, die sich also stärker bestimmend und stärker gefühlsbetont verhalten, werden als anregende Menschen empfunden. Sie lieben Spaß und Abwechslung, sind leicht zugänglich und gehen aus sich heraus. Sie haben Geschmack und Sinn für Stil. Sie packen Dinge sofort an, sind initiativ und spontan. Expressive sind extrovertiert, optimistisch und leicht zu begeistern. Sie sind originell in Sprache, Auftreten und Denken. Es ist ein Vergnügen, sie um sich zu haben.

Expressive sprechen lebhaft, bewegungsintensiv, mit lebhaften, umfangreichen und ausladenden Gesten und ausgeprägter, meist amüsanter Mimik. Expressive Männer sind oft athletisch und bullig. Expressive Frauen hingegen sind nicht selten zierlich, aber unwiderstehlich in ihrer geballten Energie. Expressive sprechen mit lauter Stimme, schnell und bestimmend, schwungvoll und mit starker Modulation. Sie tragen gern nonkonforme, auffällige und doch modische Kleidung; außergewöhnlich soll sie sein.

Expressive streben nach Prestige und sind glücklich über erhaltenen Beifall. Gleichförmigkeit und Routine sind ihnen zuwider. Sie strengen sich nicht gerne an und ihnen fällt schwer, Sachverhalte ausführlich von allen Seiten zu betrachten. Sie brauchen Anreize. Hierarchie, Prominenz, Vorbilder sind ihnen wichtig – und Sichtbarkeit. Andere sollen ruhig wissen, wer Spitzenleistungen erbringt und wer der Beste ist. Sie wollen beliebt sein, gelobt und bewundert werden. Angetrieben werden sie von ihrem Bedürfnis nach Anerkennung. Ihr Hauptmotiv ist, Applaus zu erhalten.

Wenn ein Expressiver die Szene betritt, dann merkt jeder sofort: Er oder sie ist da! Expressive stehen gerne im Mittelpunkt, sie haben etwas zu sagen und sie sagen es auch, und zwar auf eine Weise, die andere zum Zuhören zwingt. Sie sprudeln vor Ideen und reden gerne und viel – am liebsten über sich selbst. Sie können hinreißend erzählen mit einer originellen, oft recht blumigen Sprache. Sie sind Weltmeister in dramatischer Darstellung. Sie lieben Konversation, lachen viel und machen gern Komplimente. Sie zeigen ihre Emotionen: Sie sind entweder euphorisch oder todunglücklich. Sie können aufbrausend, verletzend und beleidigend werden, aber sie sind nicht nachtragend und vergessen schnell.

Expressive entscheiden schnell, intuitiv und mit Fantasie. Sie haben Mut zum Risiko und brauchen nicht sämtliche relevanten Fakten, eher orientieren sie sich an Vorbildern.

Sie sind schnell, energisch und ausgesprochen kreativ. Das Gewöhnliche, Gestrige langweilt sie. Sie blicken gerne visionär in die Zukunft und wollen sie mit Großzügigkeit und Innovationsgeist gestalten. Für alles Neue und Ungewöhnliche treten sie mit ausgeprägtem Enthusiasmus und großer Überzeugungskraft ein und begeistern andere, reißen sie mit.

Expressive sind außerordentlich kontaktfreudig, initiieren Beziehungen und Geschäfte. Sie gehen auf andere zu oder blicken interessiert in die Runde. Sie können gut mit anderen umgehen.

Sie arbeiten gern mit Menschen zusammen, mit lockeren Sprüchen und guter Stimmung. Sie messen sich gern mit anderen, spielen gern, aber müssen dabei selbstverständlich gewinnen. Um Zeitrestriktionen und Einzelheiten kümmern sie sich nicht gern, aber wenn sie es tun, dann fürchten andere die Auswirkungen. Sie reagieren empfindlich auf kleinliche Kritik und sind dann leicht beleidigt.

Expressive bleiben in ihrer Komfortzone, wenn sie auch in ihrem Beruf mit Menschen zu tun haben, wenn sie ihre Eloquenz einsetzen können, ihre gestenreiche Ausdrucksstärke. Sie fühlen sich wohl mit möglichst vielen unterschiedlichen persönlichen Kontakten zu anderen. Sie brauchen ein Umfeld, das ihre Aggressivität und ihre gelegentlichen cholerischen Entgleisungen toleriert – zum Beispiel im Marketing, als Verkäufer, als Designer oder Künstler.

Expressive haben ihr Büro am liebsten individualisiert ausgestattet: etwa mit einem besonderen Telefon. Auf ihrem großen Schreibtisch herrscht Unordnung und liegen exklusive Schreibutensilien. An den in möglichst grellen Farben gehaltenen Wänden hängen Urkunden, wahrscheinlich ein Familienfoto und möglicherweise auch Bilder, die auf ihr Hobby hinweisen. Stehen Pflanzen im Raum, sind sie vermutlich welk. Durch die meist geöffnete Tür ist ein einladender Besprechungstisch zu sehen.

Expressive mögen beim Sport das Schnelle, Wilde, Laute. Risiko darf gerne dabei sein und auch Schweiß. Als ihren Sport wählen sie deshalb gerne Squash oder Autorennen. Als Spiel am Tisch freuen sie sich, wenn es hoch hergeht und genügend Gelegenheit für Spaß und Konversation bleibt, was etwa beim Würfeln möglich ist.

Ihre Emotionalität steht Expressiven manchmal im Weg. Auf andere wirken ihre Showeffekte mithin übertrieben und ihr Umfeld wünscht sich von ihnen manchmal leisere Töne, weniger Phrasen und kürzere Monologe. Ihre Impulsivität macht Expressive allzu empfindlich und hindert sie, Geduld und Beständigkeit zu entwickeln. Mit weniger Nachlässigkeit, mehr Disziplin und mehr Interesse an Details könnten sie besser organisieren.

Expressive könnten sich und anderen das Leben erleichtern, wenn sie ihre Gefühle besser kontrollierten, Kritik annähmen, sich weniger ablenken ließen und überlegter, logischer und vorhersehbarer handelten, auch wenn sie schneller zur Sache kämen. Wären sie etwas zurückhaltender und würden sie versuchen, objektiver zu sein, wären sie zufriedener. In Ihrer Kompromisszone könnten sie lernen, systematischer vorzugehen und ihre Zeit besser zu planen, mehr Zeit darauf zu verwenden zu organisieren, Fortschritte zu überwachen und Angefangenes zu Ende zu führen. Dann fiele ihnen auch leichter, ihre Versprechen einzuhalten.

Macher[18] [19] [20]

Personen mit dem Verhaltensprofil eines Machers, die sich also stärker bestimmend und weniger gefühlsbetont verhalten, werden als dominant und aggressiv empfunden. Sie wirken geradlinig, energisch und effektiv. Sie betrachten sich und ihre Umgebung außerordentlich objektiv und realistisch und handeln zielgerichtet und schnell.

Die Körpersprache der Macher wirkt souverän, überzeugt und überzeugend. Sie stehen mit festem Stand, fast militärisch. Ihre Gesten sind knapp und klar, ihre Mimik ist sachlich und konzentriert, ihr Blick fest. Sie sprechen klar und sachlich, oft mit lauter Stimme und wenig Modulation. Ihre Diktion wirkt aggressiv und bestimmend. Sie kleiden sich meist konservativ-exklusiv und geschmackvoll.

Macher sind aus sich heraus motiviert, progressiv und streben nach Produktivität und Kontrolle, nach Einfluss. Sie wollen unabhängig sein und brauchen Freiheit. Sie sparen gerne Zeit, deshalb sind ihnen Unklarheit und Unentschlossenheit zuwider. Sie reagieren ärgerlich, wenn jemand versucht, sie zu bevormunden. Angetrieben werden sie von dem Willen zu gewinnen. Wenn sie Ziele erreicht haben, akzeptieren sie auch Lob. Ihr Hauptmotiv ist, Macht auszuüben.

Sie kommen schnell zum Thema und sagen deutlich, was sie wollen. Sie unterbrechen ihre Gesprächspartner häufig. Wegen ihrer Ungeduld fällt ihnen schwer, intensiv zuzuhören. Ihre Inhalte vermitteln sie kurz und eindeutig. Sie sprechen eine klare Sprache.

Macher sind stark und arbeiten hart. Sie nehmen Aufgaben als Herausforderungen und erfüllen sie selbstbewusst und konkurrenzorientiert. Dabei legen sie Wert auf Ergebnisse. Sie lieben alles, was sie vorwärtsbringen können.

Macher lieben neue Ideen und Risiken und das Entscheiden aufgrund von Optionen. Ihre Entschlüsse setzen sie zielstrebig und mit großem Durchsetzungsvermögen um.

Wenig ausgeprägt ist ihre Bereitschaft zur Teamarbeit. Macher ordnen sich ungern unter. Sie gestalten ihre Beziehung zu anderen sachlich und ergebnisorientiert. Sie ergreifen die Initiative, reagieren schnell auf andere und zögern nicht, die Äußerungen und Handlungen anderer zu korrigieren, zu modifizieren oder ihnen zu widersprechen.

Macher wollen Verantwortung, sie sind geborene Führungspersönlichkeiten. Ihre Ungeduld und Eile stoßen zwar oft auf Unverständnis, doch sie lassen keinen Zweifel daran, wer das Sagen hat. Sie definieren Ziele und erwarten, dass sie erreicht werden. Sie verlangen eher die Umsetzung ihrer Entscheidungen als andere dafür zu gewinnen.

Macher bleiben in ihrer Komfortzone, wenn sie auch in ihrem Beruf herausfordernde Aufgaben sehen, wenn sie ihre Dominanz einsetzen, für das Erreichen von Zielen sorgen und überhaupt erfolgreich sein können. Sie brauchen Menschen um sich, die sie klar und prägnant informieren und die ihr autokratisches Verhalten verkraften. – Sie fühlen sich wohl als Führungskraft, Selbstständige oder Manager.

Macher richten ihr Büro gerne individuell ein, am liebsten mit einer schallgedämmten Tür. Der Raum wird von eher kühlen Farben dominiert, er macht einen aufgeräumten, gepflegten Eindruck. Eventuell hängen abstrakte Bilder an den Wänden, eher jedoch findet sich dort Arbeitsmaterial. Besondere Gegenstände ziehen die Aufmerksamkeit auf sich.

Macher mögen exklusive Sportarten, bei denen sie autark agieren können; wenn ein Helfer sie dabei begleitet und unterstützt, umso besser. Deshalb gehören Golf und Schießen zu ihren sportlichen Favoriten. Bei Brettspielen sind sie gerne in der Managerrolle, was ihnen zum Beispiel „Monopoly“ gut ermöglicht.

Ihre Unsensibilität hindert sie, sich geduldig und rücksichtsvoll ihren Mitmenschen gegenüber zu verhalten. Würden sie mehr auf das Miteinander achten und Rücksicht nehmen, ihre Entscheidungen erklären, hätten sie in ihren Beziehungen womöglich mehr Gefühlswärme. Auch wäre der Umgang mit ihnen leichter, würden sie auf Einschüchterung anderer verzichten.

Macher könnten sich und anderen das Leben erleichtern, wenn sie mehr Gelassenheit zeigten und ihr Tempo zügelten, wenn sie Richtlinien nicht wie Dogmen behandeln würden und insgesamt überlegter und vorsichtiger handelten. Wenn sie Zeit sparen würden, indem sie gelegentlich eine schnelle Lösung anwenden, könnten sie mehr Sensibilität und Empathie entwickeln. In ihrer Kompromisszone könnten sie lernen, offener und geduldiger zuzuhören und Meinungen anderer zu akzeptieren, vielleicht sogar anderen aufrichtige Anerkennung auszusprechen.

Analytiker[21] [22] [23]

Personen mit dem Verhaltensprofil eines Analytikers, die sich also weniger bestimmend und weniger gefühlsbetont verhalten, werden als zurückhaltend und schwer zugänglich empfunden. Sie wirken kontrolliert und sachlich, recht kühl und unpersönlich. Sie beeindrucken mit ihrer Präzision und ihrem Perfektionismus.

Die Körpersprache der Analytiker strahlt Gradlinigkeit aus. Sie zeigen kaum Emotionen. Ihre Haltung wirkt insgesamt eher verschlossen, abweisend und steif. Ihre Mimik und Gestik beschränkt sich auf das Nötigste. Ihr Gesichtsausdruck bleibt eher stoisch und streng. Da sie kaum Blickkontakt suchen, erscheinen sie anderen oft ernst oder hart oder distanziert. Sie sprechen sachlich, mit leiser Stimme und nur geringer Modulation. Ihre eher konservative, aber situationsgerechte und zweckmäßige Kleidung halten sie in gedeckten Farben, sie ist nicht immer geschmackvoll und oft abgetragen.

Analytiker streben nach Genauigkeit und Sorgfalt, dabei neigen sie zu Pedanterie. Sie mögen gar nicht, kritisiert zu werden, doch sie selbst tendieren dazu, überkritisch zu sein. Ausgeprägt sind ihre Fähigkeiten, zu planen und zu analysieren; auf Überraschungen reagieren sie negativ. Glücklich sind sie über logische Erklärungen, Unordnung ist ihnen zuwider. Sie benötigen Klarheit und wollen für ihre Detailtreue gelobt werden. Angetrieben werden sie von ihrem Wunsch nach Fortschritt. Ihr Hauptmotiv ist, Respekt zu erwirken.

Sie mögen keine leichte Konversation, deshalb kommen sie schnell zum Thema. Ihre Kommunikation ist ruhig und ausgeglichen. Sie sprechen wenig, sie stellen eher Fragen. Sie bemühen sich stets um die richtigen Worte und zuweilen neigen dazu, sich sehr detailliert auszudrücken. Ihre Sprache ist sehr präzise und logisch.

Analytiker konzentrieren sich auf möglichst nur eine Sache und geben Prozess und Methode Priorität vor der bloßen Zielerreichung. Sie haben ein scharfes Wahrnehmungsvermögen für Kleinigkeiten. Mit Grundsatztreue und Realitätssinn lösen sie ihre Aufgaben präzise, gründlich und erschöpfend. Emotionen sondern sie als unsachlich aus.

Sich zu entscheiden fällt Analytikern schwer. Sie sind skeptisch und vorsichtig. Um sich zu etwas zu entschließen, benötigen sie logische Beweise und eindeutige Kausalitäten.

Mit Analytikern Kontakt aufzunehmen gestaltet sich schwierig – wegen ihres grundsätzlichen Misstrauens. Ihre sozialen Kontakte sind geprägt von Förmlichkeit und Sachlichkeit. Ihre wenigen etablierten Beziehungen sind dauerhaft und belastbar.

Analytiker arbeiten diszipliniert und umsichtig, strukturiert und systematisch – zwar für ihren Chef und die Sache, aber gerne unabhängig. Sie sammeln Informationen, klären und überprüfen sie. Sie verlassen sich lieber auf Analysen als auf Emotionen. Sie kennen alle einschlägigen Vorschriften und halten sie ein. Sie kontrollieren sich und andere.

Analytiker bleiben in ihrer Komfortzone, wenn sie auch in ihrem Beruf sachorientiert und ruhig arbeiten können, wenn sie Kontrolle über die Abläufe haben und sich alle diszipliniert verhalten. Kontakt mit anderen brauchen sie wenig; wenn Informationsaustausch notwendig ist, dann soll er ernsthaft, eher kühl und unpersönlich gestaltet sein, und niemand soll sich an ihren manchmal ausweichenden Auskünften stören. – Sie fühlen sich zum Beispiel wohl als beamtete Sachbearbeiter, Controller oder Physiker, können sich aber auch mit Buchhaltung oder Steuerfragen befassen.

Analytiker nutzen in ihrem Büro eine Standardeinrichtung. An den weißen Wänden hängen keine Bilder. Der Raum wirkt kahl und aufgeräumt, extrem ordentlich. Sämtliche Ordnerrücken sind sauber beschriftet und alle benötigten Utensilien liegen wohlgeordnet zum Gebrauch bereit.

Analytiker brauchen, wenn sie Sport treiben, keine anderen, die mitmachen, sie sind lieber unabhängig; sprechen wollen sie dabei ohnehin nicht. Also entscheiden sie sich gerne für Ausdauer-Sportarten, zum Beispiel für Laufen oder Schwimmen. Spiele der Wahl für Analytiker, sofern sie sich überhaupt aufs Spielen einlassen, sind zum Beispiel Dame, Halma oder am liebsten Schach.

Ihr Realitätssinn behindert ihre Kreativität. Wenn sie nicht immer auf gründlichen, schlüssigen Informationen bestehen würden, bevor sie eine Aufgabe beginnen, könnten sie schneller Entscheidungen treffen oder sogar improvisieren. Der Umgang mit ihnen wäre leichter, würden sie lernen, mit Gefühlen anderer umzugehen, Druck standzuhalten, oder gar Beziehungen zu anderen aufbauen und nicht unbedingt Präzision und Details auch von anderen erwarten. Auch wäre der Umgang mit ihnen leichter, würden sie in der Zusammenarbeit mehr nach Gemeinsamkeiten suchen.

Analytiker könnten sich und anderen das Leben erleichtern, wenn sie offener zeigten, dass sie andere wahrnehmen und respektieren. Wenn sie ihre Emotionen besser beachten würden, könnten sie mehr Lebensfreude zeigen und selbstsicherer auftreten. In ihrer Kompromisszone könnten sie lernen, schneller zu handeln, Entscheidungen nicht hinauszuschieben und mutiger zu sein. Wenn Sie großzügiger dächten und mehr Übersicht zeigten, könnten sie mehr Kreativität entwickeln und vielleicht sogar neue Projekte vorschlagen.

Interaktion

Menschen nehmen ihr eigenes Verhalten anders wahr als ihre Mitmenschen. Deshalb unterscheiden sich Selbstbild und Fremdbild einer Person.

Vor allem Einschätzungen des eigenen Verhaltens, die potenziell den Selbstwert erhöhen oder herabsetzen können, werden nicht in gleicher Weise verarbeitet: Als positiv bewertete Verhaltensweisen werden auf eigene Fähigkeiten zurückgeführt, negative Verhaltensweisen auf externe Faktoren.[24]

Einschätzungen des Verhaltens einer anderen Person entstehen nur aus einem Ausschnitt von deren Verhaltensweisen und sind geprägt von den Werten der einschätzenden Person. Was einer Person an sich selbst positiv erscheint, kann von einer anderen Person negativ bewertet werden – und umgekehrt.

Verbindliche, Expressive, Macher und Analytiker sehen sich und ihr Verhalten anders als ihre Mitmenschen. Ihr Verhalten bewerten sie normalerweise eher positiver als andere.

Selbstbild der Verbindlichen

  • loyal
  • leicht einzuschätzen
  • teamfähig
  • zuverlässig
  • geduldig
Fremdbild der Verbindlichen

  • unterwürfig
  • unflexibel
  • opportunistisch
  • unselbstständig
  • leicht auszunutzen
Selbstbild der Expressiven

  • ideenreich
  • enthusiastisch
  • emotional
  • großzügig
  • einflussreich
Fremdbild der Expressiven

  • sprunghaft
  • theatralisch
  • unsachlich
  • verschwenderisch
  • manipulierend
Selbstbild der Macher

  • entschieden
  • schnell
  • energisch
  • anspruchsvoll
  • selbstbewusst
Fremdbild der Macher

  • beherrschend
  • unterdrückend
  • autoritär
  • überfordernd
  • arrogant
Selbstbild der Analytiker

  • genau
  • systematisch
  • diplomatisch
  • beherrscht
  • analytisch
Fremdbild der Analytiker

  • pedantisch
  • unflexibel
  • umständlich
  • unbeteiligt
  • bremsend

Im alltäglichen Umgang harmonieren die verschiedenen Verhaltensstile durchaus unterschiedlich miteinander. Die Komfortzone des einen kann für einen anderen bereits Kompromisszone sein oder sogar Panikzone.

Beste soziale Harmonie entsteht meist zwischen gleichen Verhaltensprofilen. Sie verstehen einander und fühlen sich verstanden.

  • Expressive harmonieren bestens mit Expressiven. Ihr gemeinsames Vergnügen an Spaß und Abwechslung, ihre spontane Begeisterung für alles Neue und ihr origineller Ideenreichtum sind immer Grund genug für wechselseitigen Applaus.
  • Verbindliche harmonieren bestens mit Verbindlichen. Ihr offenherziges Vertrauen zueinander, ihre ruhige Beständigkeit und ihre freundliche Kommunikation schaffen und erhalten die angenehme Atmosphäre, in der sie sich wohlfühlen.
  • Analytiker harmonieren bestens mit Analytikern. Ihre detaillierte Genauigkeit, ihre präzise Ordnung und Ihre kommunikative Zurückhaltung respektieren sie jeweils auch beim anderen.

Mittlere soziale Harmonie entwickeln Verhaltensstile zueinander, wenn die Komfortzone des einen eher in der Kompromisszone des anderen liegt.

  • Zwischen Machern entsteht Konkurrenz. Trotz des Verständnisses für den jeweils anderen stößt das Dominanzbedürfnis auf die Abneigung gegen Bevormundung. Unterschiedliche Ziele sorgen für Reibungen. Gewinnen kann nur einer.
  • Zwischen Verbindlichen und Analytikern entstehen kaum Konflikte, weil sie beide nicht immer bestimmen müssen. Doch die sprachliche Ungenauigkeit kann sich mit dem Streben nach sprachlicher Präzision reiben und Diskrepanzen können sich beim Aufeinandertreffen von Emotionalität und Sachlichkeit ergeben. Die gemeinsame soziale Basis ist eher gering, ebenso wie die Entschlossenheit, sie zu erweitern.
  • Den geballten Elan der Expressiven empfinden Verbindliche oft als Druck. Das Bedürfnis nach Veränderung trifft auf das Streben nach Beständigkeit, Unsensi­bilität auf Sensibilität, Risikobereitschaft auf Vorsicht. Diese Konstellation ist auch bei hoher Integrationsfähigkeit anstrengend.
  • Treffen Expressive auf Macher, begegnen sich Sprunghaftigkeit und Zielstrebig­keit, Nachlässigkeit und das Streben nach Klarheit. Emotionalität und Sachlichkeit trennen sie und beide wollen gewinnen.

Am wenigsten passen Verhaltensprofile zueinander, deren Komfortzone in die Panikzone des jeweils anderen reicht:

  • Die indifferente Unentschlossenheit Verbindlicher steht der unbeugsamen Zielstrebigkeit der Macher diametral entgegen. Die Empfindsamkeit leidet unter der ausgeprägten Dominanz. Langsamkeit und Schnelligkeit im Handeln passen so wenig zusammen wie der freundliche Altruismus und die egozentrische Willensstärke.
  • Wenn Expressive mit Analytikern zusammenkommen, trifft Darstellungsfreude auf Zurückgezogenheit. Enthusiasmus und disziplinierte Rationalität stoßen einander ab. Die Freude an legerer Konversation verträgt sich nicht mit vernunftgetriebenem Informationsaustausch. Die grundsätzliche Abneigung, kritisiert zu werden, ist völlig inkompatibel mit dem Drang zu kritisieren.
  • Beim sozialen Miteinander von Machern und Analytikern kontrastieren ergebnisgetriebene Schnelligkeit mit pedantischer Fundiertheit, der Hang zur Übersicht mit dem Drang nach Details. Die stetig antreibende Initiative verträgt sich schlecht mit der zeitaufwendigen Akribie.

Auch für die Produktivität gibt es günstigere und weniger günstige Kombinationen der Verhaltensprofile.

Für die beste Produktivität sorgen meist die Verbindlichen, weil sie ihre Absichten hinter die der anderen zurückstellen und auch auf eigene Kosten Harmonie herstellen:

  • Verbindlichen tolerieren das Ausschweifen Expressiver. Sie unterstützen ihre immer wieder neuen Ideen, auch wenn sie um die Kürze deren Relevanz wissen. Sie spenden Expressiven den gewünschten Applaus, auch für Winzigkeiten.
  • Auch wenn sensible Verbindliche unter dem permanenten Antreiben der Macher leiden, so gebietet ihre Loyalität doch, sie nach besten Kräften zufriedenzustellen. Sie entlasten Macher von allem scheinbar Unwichtigem und erfüllen sämtliche Aufträge mit geduldiger Zuverlässigkeit.
  • Verbindliche unterstützen Analytiker, die ihre Aufgaben nicht schnell genug bewältigen. Sie stören die für das Arbeit notwendige Ordnung nicht. Sie beteuern ihren Respekt vor ihren Leistungen, die Analytiker von anderen nicht erfahren.

Nur mittlere Produktivität erreichen Kombinationen von Verhaltensstilen, deren Initiative weniger ausgeprägt ist und die sich nicht unbedingt auf Leistung fokussieren:

  • Verbindliche untereinander sind sehr beschäftigt mit ihrer Harmonie und mit dem Ambiente ihrer Situation, weniger mit ihrer Produktivität. Die Befindlichkeiten anderer sind interessanter als ihre Arbeitsaufgaben.
  • Analytiker untereinander sind mit ihrer Perfektion beschäftigt, dabei stören sie sich nicht. Wichtiger als das Tempo sind Ergebnisse, die jegliche Kritik aushalten – allumfassend und abgesichert bis ins Kleinste. Zudem brauchen sie viel Zeit, um Ordnung zu halten und systematisch zu planen.
  • Die scheinbar oberflächliche Nachlässigkeit und die schnell nachlassende Euphorie Expressiver ergänzt sich nur schwer mit der pedantischen Perfektion und der geduldigen Beständigkeit von Analytikern. Die wechselseitige Kritik am Verhalten des jeweils anderen schmälert die Möglichkeiten sich ergänzender Leistung.

Ausgeprägte Dominanz hindert produktives Arbeiten, wenn sie nicht von anderen Verhaltensstilen abgefedert wird:

  • Expressive untereinander bleiben in ihrer Komfortzone, die sich mehr mit sich selbst als mit anstehenden Aufgaben beschäftigt. Sie haben Spaß miteinander und ihre umfangreiche Kommunikation nimmt viel Zeit in Anspruch. Ihre sprunghafte, kurzfristige Begeisterung verhindert notwendige Gründlichkeit.
  • In der Zusammenarbeit von Expressiven und Machern stößt großspurige Darstellung auf knappe Prägnanz. Auseinandersetzungen schmälern die Produktivität, sie kosten den Beteiligten zu viel Energie. Die Konzentration auf das Binnenverhältnis hindert den Blick auf das Gesamte.
  • Ein produktives Miteinander von Machern wird gelähmt von der Frage: Wer hat das Sagen? Auseinandersetzungen um Ziele und das richtige Vorgehen stehen im Vordergrund. Der Kampf um die Macht schiebt die Produktivität in den Hintergrund. Gewinnt ein Macher die Oberhand, schiebt er einen anderen Macher in dessen Panikzone.
  • Sachlichkeit und klare Rollenverteilung zwischen Machern und Analytikern könnte ihre Produktivität fördern. Doch die für den Analytiker notwendige Detailorientierung ist für das schnelle und risikobereite Handeln des Machers strapaziös. Die als Unterdrückung empfundene Dominanz des Machers führt Analytiker zum Rückzug oder gar zum Boykott.

Modifikation des Verhaltens

In jedem Menschen schlummert das Verhaltensreservoir von Verbindlichen, Expressiven, Machern und Analytikern. Sie sind nur unterschiedlich gewohnt, Verhaltenstendenzen einzusetzen und fühlen sich mit ihnen unterschiedlich wohl.[25] Da Gewohnheiten veränderbar sind, lässt sich Verhalten modifizieren. In der Kompromisszone kann Verhalten ausprobiert werden, zu dem die Komfortzone zunächst nicht tendiert.

Bestimmendes Verhalten lässt sich so verstärken:

  • Früher zum Wesentlichen kommen
  • Von sich aus informieren
  • Eigene Ansichten klarer vertreten
  • Aus eigener Überzeugung handeln
  • Konversation beginnen

Bestimmendes Verhalten lässt sich so abschwächen:

  • Nach Meinung anderer fragen
  • Vor Entschlüssen verhandeln
  • Zuhören, ohne zu unterbrechen
  • Auf den Rhythmus anderer einstellen
  • Andere auch mal führen lassen

Gefühlsbetontes Verhalten lässt sich so verstärken:

  • Über Gefühle sprechen
  • Persönliche Komplimente machen
  • Sich auf Konversation einlassen
  • Geselliger sein
  • Mehr Zeit für Beziehungen verwenden
  • Auf freundlichere Körpersignale achten

Gefühlsbetontes Verhalten lässt sich so abschwächen:

  • Weniger sprechen
  • Begeisterung zurückhalten
  • Entscheidungen auf Fakten gründen
  • Mehr nachdenken
  • Anerkennen, was andere denken

Um ihre Interaktion, das Miteinander mit anderen und anderer mit ihnen, noch harmonischer zu gestalten, könnten Verbindliche versuchen, selbstbewusster aufzutreten, Wünsche zu äußern und öfter mal Nein zu sagen. Sie könnten mehr darauf achten, mit wem sie über Gefühle sprechen und mit wem nicht. Sie wären womöglich in der Lage, ihre Aufgaben zu erledigen, ohne den Gefühlen anderer oberste Priorität einzuräumen, vielleicht sogar mehr zu delegieren. Wenn sie versuchten, sachlicher zu sein, könnten sie entschlossener handeln und sich mehr durchsetzen. Wenn sie Neuem offener gegenüberstünden, könnten sie ihre Bereitschaft steigern, mehr Risiken einzugehen.

Um noch mehr Beifall für ihr Auftreten und ihre Interaktion mit anderen zu erhalten, könnten Expressive versuchen, ihre Gefühle etwas mehr zu kontrollieren und zu stabilisieren, überlegter zu handeln und objektiver zu sein. Sie könnten sich bemühen, schneller zum Wesentlichen zu kommen, sich nicht ablenken zu lassen, ihre Zeit besser zu planen und Angefangenes zu Ende zu führen. Sie könnten systematischer vorgehen, logischer und damit vorhersehbarer handeln und einfach mehr Zeit darauf verwenden zu organisieren. Sie wären vielleicht in der Lage, Kritik anzunehmen und ihre Versprechen auch einzuhalten. Wenn sie sich etwas zurückhaltender verhielten, könnten sie womöglich mehr Zufriedenheit finden.

Um ihren Einfluss auf andere zu stärken, könnten Macher versuchen, mehr auf das Miteinander zu achten, mehr Menschlichkeit zu zeigen, Rücksicht zu nehmen. Sie könnten mehr Geduld, Sensibilität und Empathie entwickeln, sich gelassener geben, wenn sie ihr Tempo etwas zügelten. Sie könnten sich Zeit nehmen, um ihre Entscheidungen zu erklären und ihre Erwartungen zu kommunizieren. Sie wären vielleicht in der Lage, offener und geduldiger zuzuhören und Meinungen anderer zu akzeptieren, ihnen womöglich aufrichtige Anerkennung auszusprechen. Wenn sie sich gar in andere hineinversetzten, könnten sie womöglich vorsichtiger und überlegter handeln.

Um sich noch mehr Respekt zu verschaffen könnten Analytiker versuchen, selbstsicherer aufzutreten und offener zu zeigen, dass sie andere wahrnehmen und respektieren, indem sie sie zum Beispiel um ihre Meinung fragen. Sie könnten vielleicht großzügiger denken und kreativer werden, wenn sie in der Zusammenarbeit nach einem gemeinsamen Nenner suchten oder gar neue Projekte vorschlügen. Sicher könnten sie schneller handeln, wenn sie Entscheidungen nicht hinausschöben. Wenn sie etwas mehr Mut zeigten und die eigenen Emotionen und die anderer beachteten, könnten sie womöglich mehr Lebensfreude entwickeln.

Jeder entscheidet selbst, welches Verhalten er modifizieren will, was umso leichter fällt, wenn bewusst ist, welcher Verhaltensstil der primäre ist und welcher der sekundäre.

Peter Hilbert

Quellen

[1] Pecaso
[2] Wilson Learning
[3] Konzepte. Das Riemann-Thomann-Modell
[4] Tony Alessandra, Michael J. O‘Connor. Die Platin-Regel
[5] Konzepte. Das Riemann-Thomann-Modell
[6] Tony Alessandra, Michael J. O‘Connor. Die Platin-Regel
[7] Wilson Learning
[8] Konzepte. Das Riemann-Thomann-Modell
[9] Tony Alessandra, Michael J. O‘Connor. Die Platin-Regel
[10] Konzepte. Das Riemann-Thomann-Modell
[11] Tony Alessandra, Michael J. O‘Connor. Die Platin-Regel
[12] Marston, Geier
[13] Wilson Learning
[14] Tony Alessandra, Michael J. O‘Connor. Die Platin-Regel
[15] Marston, Geier
[16] Wilson Learning
[17] Tony Alessandra, Michael J. O‘Connor. Die Platin-Regel
[18] Marston, Geier
[19] Wilson Learning
[20] Tony Alessandra, Michael J. O‘Connor. Die Platin-Regel
[21] Marston, Geier
[22] Wilson Learning
[23] Tony Alessandra, Michael J. O‘Connor. Die Platin-Regel
[24] Lars-Eric Petersen, Dagmar Stahlberg, Dieter Frey. Selbstwertgefühl
[25] Wilson Learning