Der Mimik ansehen

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Gefühle und Gedanken im Gesicht gezeigt

„Ich sehe es deinem Gesicht an.“ – Wer hat diesen Satz noch nicht gehört? Gemeint ist, eine subjektive – vielleicht richtige, vielleicht fasche – Interpretation wird mit der Mimik der angesprochenen Person begründet oder bestärkt. Vorausgesetzt wird dabei einerseits, Gefühle, Bewertungen, Gedanken ließen sich im Gesicht ablesen, und andererseits, Gefühle und Gedanken ließen sich nicht hindern, sich im Gesicht zu zeigen.

KommunikationMimik ist untrennbarer verbunden mit mündlicher Kommunikation: als Ausdruck und als Eindruck. Kleinkinder verknüpfen sehr früh Extension und Intension der Mimik: Sie nehmen die Gesichtsausdrücke – oft gleichzeitig mit Äußerungen des Entzückens – der Menschen in ihrem visuellen Umfeld wahr und erleben, wie andere auf ihre, zunächst emotional geprägte, Mimik reagieren.

ExtensionMimik modifiziert die Physiognomie eines Menschen. Als Ausdruck Sprechender stützt oder konterkariert sie unwillkürlich das gesprochene Wort, als Eindruck bei Hörenden löst sie unwillkürlich Deutungen aus. Sie ist äußerst variationsreich und passt zu den Inhalten von mündlichen Äußerungen oder nicht. Auch wer schweigt, zeigt Mimik – vielleicht mit „guter Miene zum bösen Spiel“. Mimik drückt mehr aus, als es Worte allein könnten.

IntensionDie aktuelle Mimik eines Menschen lässt sich schnell interpretieren, allerdings auch schnell fehlinterpretieren. In die Interpretation fließen subjektive Erfahrungen ein – zum Beispiel aus Erlebnissen mit vergleichbaren Situationen oder Personen.

BewegungMimik ist selten völlig starr, sondern entsteht aus dem bewegten Zusammenwirken vieler Gesichtsmuskeln, wobei Mund und Augen besonders ausdrucksstark sind. Sofern die Haare die Mimik nicht verdecken, ist zum Beispiel zu sehen, ob die Stirn glatt bleibt oder sich in Falten legt, ob die Brauen gehoben sind oder zusammengezogen, wie weit die Augen geöffnet sind, ob die Nase gebläht oder gerümpft wird, ob die Wangen aufgeblasen werden oder nicht, ob der Mund geschlossen ist oder nicht, ob die Lippen zusammengepresst werden oder vielleicht gerundet, ob das Kinn vorschoben wird oder nach unten rutscht, ob der Hals gestreckt wird oder gedrückt.

  • KopfHaare
  • Stirn
  • Brauen
  • Augen
  • Nase
  • Wangen
  • Mund
  • Lippen
  • Kinn
  • Hals

Kopfhaltung

Schon die Haltung des Kopfs kann als Signal interpretiert werden, das auf eine Regung hinweist, auch weil aus der Neigung des Kopfs die Blickrichtung auf die anderen Anwesenden resultiert. Vor allem auf größere Entfernung, wenn Einzelheiten der Mimik schwer zu erkennen sind, oder beim ersten Kennenlernen, wenn sehr viele visuelle Informationen zu verarbeiten sind, kann die Kopfhaltung ein vorläufiges Indiz für die Einschätzung geben, zum Beispiel[1]:

  • Senkrecht als Sicherheit
  • Zurückgeneigt als Überheblichkeit
  • Nach unten geneigt als Unsicherheit
  • Nach vorn gestreckt als Engagement.
  • Zur Seite geneigt als Hinwendung

Blicke

Augenfällig registriert wird Mimik, wenn sie als Blick wahrgenommen wird, zum Beispiel als scharfer, ablehnender oder freundlicher Blick. Blicke sind wirkungsmächtig, sie können emotionale Regungen zeigen oder Interpretationen aktueller Gefühle und Absichten auslösen, sie können verführen oder verletzen. Menschen sind gewohnt, Blicke zu deuten:

  • Gesenkt vermeidet ein Blick Kontakt.
  • Von der Seite signalisiert ein Blick ein distanziertes Abschätzen.
  • Ein von Blinzeln unterbrochener oder unsteter Blick lässt Unsicherheit oder Nervosität vermuten.
  • Überzeugend wirkt ein ruhiger Blick.
  • Der Blick hinaus aus dem Fenster zeigt Desinteresse.

AnblickWer das Gesicht eines Menschen aus der Nähe anschaut, dessen Blick ruht nicht lange auf einem Punkt, sondern die Augen suchen das ganze Gesicht der anderen Person ab – besonders konzentriert die Augen und den Mund[2] – als gäbe es in dem Antlitz Wichtiges zu finden und müsste nur entdeckt werden.

DauerIn manchen Situationen fühlt sich ein Blick unangenehm lange an. Der störende Eindruck stellt sich umso später ein, je mehr Menschen im Raum sind, je weiter die blickende Person entfernt ist und je bekannter und sympathischer sie der angeblickten Person ist. Deshalb schauen sich Menschen im Fahrstuhl nie lange an und in öffentlichen Verkehrsmitteln schauen sie niemandem ins Gesicht, sondern möglichst geradeaus. Denn eine fremde Person unverwandt anzustarren wird allzu leicht als Belästigung oder gar Drohung verstanden.

Im Gespräch schauen sich Menschen länger an. Drei bis fünf Sekunden Blickkontakt[3] werden als angemessen empfunden, sofern das Interesse aneinander aufrichtig ist. Außerdem bleibt das Besprochene den Beteiligten besser im Gedächtnis als bei Gesprächen mit weniger Blickkontakt. Der Blickkontakt zeigt: Hier treffen zwei Gleichberechtigte aufeinander, die sich füreinander interessieren. Zusammen mit freundlicher, entspannter Mimik steigen mit dem Blickkontakt der Respekt voreinander, die empfundene Sicherheit und die Bereitschaft, sich überzeugen zu lassen.

PhasenIm Verlauf eines Gesprächs oder einer anderen Kommunikationssituation entwickelt sich die Art des Blickkontakts:

  1. In der Anbahnungsphase prüfen die Beteiligten den Ausdruck des Blicks der anderen.
  2. In der Ausbauphase intensivieren die Beteiligten ihre Blicke und erzeugen so Aufmerksamkeit und Interesse.
  3. In der Kontrollphase prüfen sie die Resonanz der Wirkung ihrer Blicke, um das weitere Vorgehen zu entscheiden.
  4. In der Überzeugungsphase initiiert ein Blickkontakt die Entscheidung für Zustimmung oder Ablehnung.

Lächeln

WirkungMit einem Lächeln erzeugt der Mund stets positive Wirkung. Menschen fällt schwer, wohlmeinendem Lächeln mit strikter Ablehnung zu begegnen. Ein Lächeln lässt Freundlichkeit und Sympathie entstehen. Es lockert die Stimmung auf und wird als Ausdruck zuversichtlicher Haltung interpretiert. Beim Begrüßen ist das Lächeln ein besonders bedeutsames Signal für freundliche Absichten.

Ein Lächeln ist auch am Telefon zu hören.

DauerAllerdings kann der positive Eindruck ins Negative kippen, wenn das Lächeln zu lange anhält. Es wirkt dann nicht mehr authentisch. – Fortwährendes, unaufrichtiges und aufgesetztes Lächeln ist allzu oft zu beobachten bei Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen. Menschen, die immer lächeln, wirken unehrlich.

Miene

Mimik variiert in der Vielfalt, Intensität und Tempo. Ihre Wirkung entsteht aus dem Zusammenspiel aller Gesichtspartien. Zum Beispiel wirkt ein Augenaufschlag von unten nach oben mit wenigen kaum ausgeprägten, angespannten Bewegungen der Miene unsicher und schwach, andererseits wirken offene Augen mit harmonischen Mienenbewegungen sicher und souverän, oder halb geschlossene Augen, die von oben mit gehobenen Brauen und Querfalten auf der Stirn schauen, eher aggressiv oder gar drohend. – Bewegungen der Miene lassen sich als unausgesprochene Regungen deuten:

ZurückhaltungWie zeigt sich Zurückhaltung?

  • Die Stirn zeigt leichte Falten.
  • Die Brauen gehen in der Mitte nach oben.
  • Die Augen sind nicht ganz geöffnet.
  • Der Nasenrücken ist leicht gespannt.
  • Die Wangen bleiben entspannt.
  • Der Mund ist locker geschlossen.
  • Die Lippen liegen aufeinander.
  • Das Kinn ist zurückgenommen.

 

VerschlossenheitWie zeigt sich Verschlossenheit?

  • Die Stirn zeigt leichte vertikale Falten.
  • Die Brauen gehen in der Mitte nach unten.
  • Die Augen vermeiden Blickkontakt.
  • Die Nase bleibt unbewegt.
  • Die Wangen bleiben entspannt.
  • Der Mund bleibt geschlossen.
  • Die Lippen liegen fest aufeinander.
  • Das Kinn ist vorgeschoben.

 

OffenheitWie zeigt sich Offenheit?

  • Die Stirn bleibt glatt, entspannt.
  • Die Brauen gehen etwas nach oben.
  • Die Augen suchen Blickkontakt.
  • Die Nase bleibt entspannt.
  • Die Wangen schieben sich deutlich nach oben.
  • Der Mund lächelt freundlich.
  • Die Lippenwinkel gleiten in Richtung Ohren.
  • Das Kinn bleibt gerade.

 

ÜberheblichkeitWie zeigt sich Überheblichkeit?

  • Die Stirn zeigt Querfalten.
  • Die Brauen gehen weit nach oben.
  • Die Augen schauen von oben, die oberen Lider senken sich.
  • Die Nase wird gerümpft.
  • Die Wangen spannen sich.
  • Die Mundwinkel gehen nach unten.
  • Die Oberlippe bewegt sich hoch.
  • Das Kinn gleitet vor.

 

UnterordnungWie zeigt sich Unterordnung?

  • Vertikale Falten entstehen auf der Stirn.
  • Die Brauen heben sich und ziehen sich zusammen.
  • Die Augen öffnen sich. Die Lider senken sich.
  • Die Nase bleibt entspannt.
  • Die Wangen zeigen Spannung.
  • Die Mundwinkel ziehen sich seitwärts.
  • Die Lippen bleiben geschlossen.
  • Das Kinn tendiert nach unten.

 

AnschaulichkeitWie zeigt sich Anschaulichkeit?

  • Vertikale und horizontale Stirnfalten wechseln sich ab.
  • Die Brauen gleiten hoch und zurück.
  • Die Augen finden Blickkontakt.
  • Die Nase bewegt sich dezent.
  • Die Wangen sind in Bewegung.
  • Der Mund bewegt sich umfangreich.
  • Die Lippen spannen und entspannen sich.
  • Das Kinn bewegt sich.

 

ZornWie zeigt sich Zorn?

  • Auf der Stirn entstehen vertikale Falten.
  • Die Brauen ziehen sich nach unten zusammen.
  • Die Augen öffnen sich, die Lider straffen sich.
  • Die Nasenflügel blähen sich.
  • Die Wangen spannen sich.
  • Der Mund wird schmal.
  • Die Lippen werden aufeinandergepresst.
  • Das Kinn schiebt sich vor.

 

FreudeWie zeigt sich Freude?

  • Die Stirn bleibt entspannt.
  • Die Brauen heben sich.
  • Die Augen werden enger, an den Augenwinkeln entstehen strahlenförmige Fältchen.
  • Die Nasenflügel weiten sich.
  • Die Wangen schieben sich hoch.
  • Die Mundwinkel ziehen sich nach hinten.
  • Die Lippen öffnen sich.
  • Das Kinn spannt sich.

 

AblehnungWie zeigt sich Ablehnung?

  • Auf der Stirnmitte entstehen vertikale Falten.
  • Die Brauen ziehen sich zusammen und senken sich über der Nase.
  • Die Augen sind fast geschlossen.
  • Die Nase wir gerümpft.
  • Die Wangen erstarren.
  • Der Mund ist gespannt geschlossen.
  • Die Lippen werden aufeinandergedrückt.
  • Das Kinn bewegt sich vor.

 

SkepsisWie zeigt sich Skepsis?

  • Die Stirn bildet Querfalten.
  • Die Brauen schieben sich nach oben.
  • Die Augen verengen sich.
  • Die Nase wird leicht gerümpft.
  • Die Wangen gleiten hoch.
  • Der Mund schließt sich gespannt.
  • Die Unterlippe schiebt sich vor.
  • Das Kinn bewegt sich nach vorn.

 

ÄrgerWie zeigt sich Ärger?

  • Vertikale Falten entstehen auf der Stirn.
  • Die Brauen ziehen sich in der Mitte zusammen.
  • Der Blick erstarrt.
  • Die Nase wendet sich der Quelle des Ärgers zu.
  • Die Muskulatur der Wangen spannt sich an.
  • Der Mund wird schmal, die Mundwinkel rutschen nach unten.
  • Die Lippen pressen sich aufeinander.
  • Das Kinn gleitet nach vorn.

 

DesinteresseWie zeigt sich Desinteresse?

  • Die Stirn zeigt kaum Falten.
  • Die Brauen bewegen sich minimal nach oben.
  • Der Blick schweift.
  • Die Nase bleibt ruhig.
  • Die Wangen bleiben entspannt.
  • Der Mund öffnet sich nur zum Gähnen.
  • Die Lippen sind entspannt.
  • Das Kinn bleibt indifferent.

 

NachdenklichkeitWie zeigt sich Nachdenklichkeit?

  • Falten entstehen auf der Stirn.
  • Die Brauen gehen mittig nach oben und zusammen.
  • Der Blick scheint fokussiert.
  • Die Nase wird leicht gehoben.
  • Die Wangen bleiben entspannt.
  • Der Mund bleibt geschlossen.
  • Die Lippen liegen gespannt aufeinander.
  • Das Kinn tendiert minimal nach vorn.

 

AufmerksamkeitWie zeigt sich Aufmerksamkeit? 16-25

  • Die Stirn bleibt nahezu faltenfrei.
  • Die Brauen bleiben stehen.
  • Die Augen richten sich auf das Interessante.
  • Die Nase bleibt entspannt.
  • Die Wangen sind minimal gespannt.
  • Der Mund bleibt meistens geschlossen.
  • Die Lippen liegen locker aufeinander.
  • Das Kinn schiebt sich etwas nach vorn.

 

UnmutWie zeigt sich Unmut?

  • Auf der Stirn entstehen vertikale Falten.
  • Die Brauen rutschen zusammen.
  • Die Augen starren.
  • Die Nasenflügel blähen sich.
  • Die Wangen gleiten nach unten.
  • Der Mund schließt sich fest.
  • Die Lippen pressen aufeinander.
  • Das Kinn schiebt sich vor.

 

GeringschätzungWie zeigt sich Geringschätzung?

  • Horizontale Falten erscheinen auf der Stirn.
  • Die Brauen ziehen sich nach oben.
  • Die oberen Lider öffnen sich weniger weit als die Augen.
  • An den Nasenseiten entstehen Falten.
  • Die Falten neben dem Mund vertiefen sich.
  • Die Mundwinkel ziehen sich leicht nach unten.
  • Die Unterlippe schiebt sich vor.
  • Das Kinn rutscht nach vorn.

 

ÜberraschungWie zeigt sich Überraschung?

  • Horizontale Falten entstehen auf der Stirn.
  • Die Brauen werden gehoben.
  • Die Augen öffnen sich weit.
  • Die Nase schiebt sich nach oben.
  • Die Wangen spannen sich.
  • Der Mund öffnet sich, die Mundwinkel bleiben entspannt.
  • Die Lippen spannen sich.
  • Das Kinn senkt sich.

 

BesorgtheitWie zeigt sich Besorgtheit?

  • Auf der Stirn entstehen horizontale und vertikale Falten.
  • Die Brauen ziehen sich zusammen.
  • Die oberen Lider verengen die Augen.
  • Die Nase hebt sich.
  • Die Wangen spannen sich noch oben.
  • Die Mundwinkel ziehen sich leicht nach unten.
  • Die Lippen dehnen sich.
  • Das Kinn schiebt sich vor.

 

NeugierWie zeigt sich Neugier?

  • Leichte Querfalten erscheinen auf der Stirn.
  • Die Brauen heben sich.
  • Der Blick sucht.
  • Die Nasenflügel weiten sich.
  • Die Wangen gleiten leicht nach oben.
  • Der Mund ist geöffnet.
  • Die Lippen spannen sich zu einem Oval.
  • Das Kinn schiebt sich vor.

 

EntschlossenheitWie zeigt sich Entschlossenheit?

  • Die Stirn ist gespannt.
  • Die Brauen rutschen in der Mitte zusammen.
  • Der Blick fixiert.
  • Die Nase wird von den Wangen gestrafft.
  • Die Wangen drängen nach unten.
  • Außer beim Sprechen ist der Mund geschlossen.
  • Die Lippen pressen aufeinander.
  • Das Kinn schiebt sich vor.

Authentizität

Mimik belebt die mündliche Kommunikation, im Dialog wie im Monolog, aber sie muss passen, das gesprochene Wort unterstützen, ergänzen. Zu viel Mimik schadet der Wirkung ebenso wie zu wenig. Übersteigerte Mimik schadet ebenso wie allzu zurückgenommene. Mimik wirkt durch ihre spontane Natürlichkeit.

Mimik, die nicht aufgesetzt wirkt, sondern harmonisch zu den Inhalten passt, steigert die Überzeugungskraft der sprechenden Person und das Interesse der Zuhörenden. Nur wenn sie authentisch ist, belebt sie die Stimmung.

Der Einsatz der Mimik lässt sich steuern, zumindest indirekt. Wer gewohnt ist, zu viel Mimik einzusetzen, kann sie zurücknehmen. Wer gewohnt ist, zu wenig Mimik einzusetzen, kann mehr zulassen. Wer sich wohlfühlt und anderen positiv begegnet, braucht sich nicht viel um die eigene Mimik zu kümmern, sie wird zur Situation passen.

Peter Hilbert

Literatur

Susanne Dölz. Sich durchsetzen
Paul Ekman. Gesichtsausdruck und Gefühl
Desmond Morris. Der Mensch mit dem wir leben
Horst Rückle. Körpersprache verstehen und deuten
Harald Scherer. Wie Sie durch Ihr Sprechen gewinnen

Quellen

[1] Horst Rückle
[2] Desmond Morris
[3] Harald Scherer

Gesten bewegen

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Die Kommunikation anschaulich unterstützen

Gesten begleiten oder ersetzen Worte. Sprache und Gestik ergänzen einander und steigern Ausdruck und Eindruck während der Kommunikation. Das gesprochene Wort und die Körpersignale bilden bei jedem Menschen eine individuelle Einheit. Schon bevor Kleinkinder Wörter sprechen können, nutzen sie zielgerichtet Gesten, die sie meist mit vorsprachlichen Laute verbinden. Im Verlauf des Spracherwerbs verknüpfen sich Sprache und Gestik untrennbar miteinander.

Gestik hat für sprechende Personen andere Zwecke als für hörende. Gesten beim Sprechen können Nervosität, Aufregung und Stress abbauen sowie die gesprochenen Worte untermalen und die Inhalte veranschaulichen. Andererseits können Gesten, bei denen, die die Gestik sehen, die Vorstellungskraft steigern, das Verstehen erleichtern oder auch Emotionen hervorrufen oder verstärken.

Gestik nutzt die beweglichen Teile des Körpers, vor allem Arme und Hände. Sie bewegt variationsreich ihre Richtung, ihr Tempo und ihren Umfang:

WirkungselementeKopf

Schultern

Brust

Arme

Hände

Finger

Bauch

Becken

Beine

Füße

SpannungGestik ist unwillkürlicher Ausdruck mentaler Spannung und reguliert sie. Zur Spannungsregulierung kann sich eine Person zum Beispiel über den Kopf streichen oder kurz an die Nase fassen oder die Hände falten, reiben oder zu Fäusten ballen, ohne dass die Bewegung ihr bewusst wird. Gesten haben stärkere oder geringere Spannung und wirken dementsprechend angespannter oder entspannter.

Je stärker die mentale Spannung, desto intensiver die Gestik.

ArmeAnspannung und Entspannung zeigen sich besonders in den Bewegungen der Arme. Kämpft eine Person mit Nervosität, bleiben ihre Arme enger am Körper. Je sicherer sich eine Person fühlt, umso weiter greifen ihre Arme aus.

Verschränkte Arme wirken als Barriere, als wolle die Person ihre Brust schützen, sie kann nur schwer Gestik einsetzen, ihre motorischen Impulse werden behindert.[1]

Normalerweise bewegen sich Arme und Hände im Bereich zwischen Hüfte und Schultern, nur bei hoher Emotionalität über die Schultern hinaus.

Die Hände jedoch sprechen eine eigene Sprache. Mit ihnen fragen wir, versprechen wir, lehnen wir ab, drohen wir, bitten wir, tadeln wir; wir drücken Ängste aus, Freude, Trauer, Zweifel, Zustimmung, Reue; wir demonstrieren Mäßigung und Verschwendung; wir veranschaulichen Zahlen und Zeit.[2]

HändeDie Hände, und ganz offensichtlich die Handflächen, weisen die Richtung. Ihre Bewegungen lassen erfahrungsgestützte Interpretationen zu:

  • Richten sich die Handflächen bei geöffneten Fingern nach oben, erläutert die Person etwas, wenn sie nicht ein wertvolles Geschenk überreicht oder Platz anbietet.
  • Wenden sich die Handflächen bei geöffneten Fingern nach vorn, grenzt sich die Person meist ab oder wehrt sich.
  • Drehen sich die Handflächen bei geöffneten Fingern nach unten, signalisiert die Geste Ablehnung, wie beim Abwinken. Begleitet diese Geste eine Schilderung, ist sie als Dementi der Aussage zu interpretieren.[3]
  • Zeigen die Handflächen zur Brust der sprechenden Person, beteuert sie, was sie sagt, und wirbt um Vertrauen.

FingerDie einzelnen Finger geben jeweils eigene Möglichkeiten zur Interpretation[4]:

  • Der Daumen vermittelt Dominanz und Machtbewusstsein. Aufgerichtet zeigt er Zustimmung und Nachdruck, abwärts gerichtet zeigt er Ablehnung.
  • Der Zeigefinger weist die Richtung, heischt Aufmerksamkeit, klagt an, belehrt oder zeigt Aggressivität. Der aufgerichtete Zeigefinger gilt als Typisierung autoritären Verhaltens.
  • Der Mittelfinger symbolisiert das Ego des Menschen. Das Pochen mit dem Mittelfinger auf eine Unterlage zeigt Nachdrücklichkeit.
  • Der Ringfinger steht für die emotionale Bindung zwischen Menschen.
  • Der kleine Finger steht für soziale Beziehungen. Geschmückt zeigt er, wie die Person gesehen werden möchte.

KonventionenFür manche Gesten haben sich feste Bedeutungen etabliert, die in einem begrenzten sozialen Umfeld eindeutig eingesetzt und verstanden werden, zum Beispiel:

Geste Bedeutung
  • Nicken
Zustimmung
  • Klatschen
Anerkennung
  • Eine Hand heben
Suche nach Beachtung oder Schwur
  • Nach vorn winken
Abschied
  • Zum Körper winken
Aufforderung zu kommen
  • Die rechte Hand reichen
Gruß oder Abschied
  • Die Hände reiben
Zufriedenheit oder Kälte
  • Eine Faust ballen
Ärger, Wut oder Anspannung
  • Daumen und Zeigefinger reiben
Geld
  • Zeigefinger zum Mund führen
Ruhe

Andere Gesten signalisieren erst in ihrem Zusammenwirken eine Bedeutung oder rufen einen Eindruck hervor, der sich aus mehreren Körpersignalen zu einer Interpretation zusammenfügt. Wenn sich die Konstellation der wahrgenommenen Bewegungen ändert, wandelt sich der Eindruck.[5]

ZurückhaltungGestik, die eine Person zurückhaltend wirken lässt, erlaubt auch ähnliche Interpretation, zum Beispiel Unsicherheit, Verlegenheit oder Ratlosigkeit.

Die Person bleibt vor der Tür stehen, bevor sie zögerlich eintritt und nach wenigen Schritten stehenbleibt. Ihre Schultern tendieren nach vorn und nach unten. Ihre Arme und Hände hält sie eng am Körper. Ihr Blick ist auf den Boden vor sich gerichtet. Sie hält Abstand und wartet, bis sie angesprochen wird, dann erst grüßt sie mit von unten nach oben geführter Handbewegung und schwachem Händedruck.

Beim Zuhören im Stehen kreuzt sie gern die Füße und ihre Arme hängen meist spannungslos neben ihrem Körper. Wechselt sie die Stellung, etwa wenn sie sich dem nächsten Sprecher zuwendet, berühren sich ihre Hände vor ihrem Becken oder sie verschränkt die Arme vor ihrer Brust. Ihren Kopf beugt sie nach vorn. Ihr Mund bleibt geschlossen: Manchmal beißt sie sich auf die Lippen, mal oben, mal unten. Ihre Hände scheinen Halt zu suchen. Anhaltend nestelt sie mit einem Stift, betastet die Knöpfe ihrer Jacke oder ihre Armbanduhr. Hin und wieder greift sie an ihre Nase oder legt einen Finger kurz an ihren Mund.

Beim Sprechen nutzt sie kaum die Möglichkeiten der Gestik. Arme und Hände bewegt sie langsam und mit geringem Umfang, meist zu sich selbst gerichtet. Nur manchmal blitzen Gesten etwas hektisch auf. Ab und zu ordnet sie ihre Haare und wischt über ihr Gesicht, als wolle sie dort etwas entfernen. Sie spricht wenig und meidet Blickkontakt.

Im Sitzen halten ihre Hände die Armlehnen oder die Tischkante fest. Manchmal hebt sie die Fersen oder ihre Füße umklammern die vorderen Stuhlbeine. Ihren Kopf neigt sie zur Seite und sie schaut auf den Tisch vor sich.

VerschlossenheitGestik, die eine Person verschlossen wirken lässt, erlaubt auch ähnliche Interpretationen zu, zum Beispiel Starrsinn, Schüchternheit oder Ängstlichkeit.

Die Person zögert, bevor sie bedächtig mit leicht geneigtem Kopf eintritt. Sie bleibt mit deutlichem Abstand von den anderen stehen, scheint aber sofort wieder weggehen zu wollen. Ihre Schultern hat sie hochgezogen, der übrige Körper macht einen schlaffen Eindruck. Wenn sie begrüßt wird, stockt sie, bevor sie die Hand von unten nach oben gibt. Ihr Händedruck ist kaum spürbar. Blickkontakt vermeidet sie. Ihr Mund wirkt schmal, weil sie die Lippen zusammenpresst.

Beim Zuhören im Stehen hält sie ihre Beine eng aneinander oder sie kreuzt ihre Füße. Ihre Arme verschränkt sie, so dass ihre Hände nicht zu sehen sind. Dann wieder legen sich ihre Hände hinter dem Rücken ineinander oder umfassen sich vor dem Becken. Zwischendurch zieht sie sich an den Haaren oder zupft an ihren Brauen.

Beim Sprechen bewegt sie sich wenig, ihre gering ausgeprägten Gesten sind unruhig mit immer gleichen fahrigen Abläufen der Arme und Hände. Ihr Blick sucht einen Fixpunkt auf Brusthöhe der anderen, als spräche sie nur für sich.

Im Sitzen halten ihre Hände die Armlehnen fest, dann wieder ringen sie miteinander und ballen sich zu Fäusten. Ihr Blick ruht auf dem Tisch. Zwischendurch verbirgt sie ihr Gesicht hinter ihren Händen. Ihre Füße stehen eng nebeneinander oder umklammern die vorderen Stuhlbeine.

OffenheitGestik, die eine Person offen wirken lässt, erlaubt auch ähnliche Interpretationen, zum Beispiel Souveränität, Sicherheit oder Wohlbehagen.

Die Person kommt flott herein, mit lockerem, entspanntem Schritt. Eine Hand steckt womöglich in der Hosen- oder Jackentasche. Mit aufrechtem Blick sucht sie Kontakt. Ihre Schultern und ihren Kopf hält sie gerade. Zur Begrüßung bewegt sie ihre Hand waagrecht, ihr Händedruck ist angemessen. Sie stellt sich nah zu den Anwesenden, ohne aufdringlich zu wirken. Sie lächelt freundlich.

Beim Zuhören im Stehen neigt sie ihren Kopf leicht zur Seite und hält Blickkontakt. Ihre Körperfront wendet sie jeweils zur sprechenden Person. Ihre Arme verlängern entspannt ihre gelösten Schultern. Ihre Hände bleiben entfaltet und ziemlich bald öffnet sie ihre Jacke. Ihr Stand ist fest, ihre Fußspitzen weisen in spitzem Winkel nach außen.

Beim Sprechen bewegt sie sich lebhaft, immer harmonisch, und schaut ihren Zuhörern in die Augen. Ihre Gesten bleiben im Raum zwischen Mund und Nabel. Sie passen zum gesprochenen Wort, auch wenn sie manchmal die Arme ausbreitet. Ausgehend von ihren nach oben geöffneten Händen variiert sie ihre Gestik: Sie legt sich eine Hand auf die Brust, streichelt ihr Kinn. Immer wieder berühren sich die Fingerspitzen einer Hand. Manchmal schnippt sie mit den Fingern.

Im Sitzen lehnt sie sich zurück und schlägt gern die Beine übereinander. Ihre Unterarme liegen locker an der Tischkante. Meist hat sie ihre Hände geöffnet, doch gelegentlich verschränkt sie sie hinter ihrem Kopf. Ihr Füße stehen recht weit auseinander und manchmal wippt sie mit einem Fuß.

ÜberheblichkeitGestik, die eine Person überheblich wirken lässt, erlaubt auch andere Interpretationen, zum Beispiel Arroganz, Selbstgefälligkeit oder Belehrung.

Die Person betritt gemessenen Schrittes den Raum. Entweder stecken beide Hände in den Hosentaschen oder eine Hand steckt in der Hosen- oder Jackentasche. Breitbeinig und mit gerader Körperhaltung bleibt sie stehen. Womöglich stemmt sie die Hände in die Hüften. Sie begrüßt die Anwesenden mit von oben kommender Hand und festem Händedruck.

Beim Zuhören im Stehen neigt sie Körper und Kopf leicht nach hinten und hebt die Brauen. Ihr Blick trifft andere von oben. Ihre Schultern rutschen leicht nach hinten. Meist verschränkt sie die Arme und oft streichelt sie ihr Kinn. Manchmal legt sie die Hände hinter ihrem Rücken ineinander. Ihre ziemlich weit auseinandergestellten Füße geben ihr festen Stand.

Sie spricht mit weit ausholenden, wischenden Bewegungen, die bis über Scheitelhöhe gehen. Immer wieder reibt sie ihre Hände aneinander und hebt den nach oben gestreckten Zeigefinger. Gern berührt sie andere am Arm oder an der Schulter und schaut sie von oben herab an.

Sie setzt sich bequem hin, lehnt sich weit zurück, oft auch mit im Nacken verschränkten Händen. Dann wieder lehnt sie sich vor, legt die Unterarme auf den Tisch und öffnet die Hände. Bisweilen trommelt sie mit den Fingern auf den Tisch oder pocht darauf und formt anschließend die Hände zu einem Dach. Gern legt sie den Knöchel eines Beins auf das Knie ihres anderen Beins. Zwischendurch wippt sie mit einem Fuß.

UnterordnungGestik, die eine Person wirken lässt, als ordne sie sich unter, erlaubt auch ähnliche Interpretationen, zum Beispiel Passivität, Unbeholfenheit, oder Schutzsuche.

Nach Aufforderung betritt die Person zögerlich den Raum. Den Kopf hält sie gesenkt, auf ihrer Stirn zeigen sich Querfalten. Ihre Schultern hängen, ebenso ihre Arme und Hände. Wenn sie begrüßt wird, blickt sie hoch und gibt die Hand von unten, erwidert kaum den Händedruck. Danach wendet sie ihren spannungslosen Körper zur Seite, weicht oft einen Schritt zurück und nimmt ihre Hände hinter das Becken.

Beim Zuhören im Stehen weisen ihre Schultern leicht nach hinten. Ihre Arme hängen schlaff herunter oder sie verschränkt sie vor ihrer Brust. Ihr Stand scheint instabil. Hin und wieder kaut sie Fingernägel. Ihren Kopf neigt sie leicht nach vorn. Ihren Mund hält sie geschlossen, zieht ihn leicht zusammen. Ihr Blick geht zum Boden, meist mit niedergeschlagenen Lidern. Nur selten schaut sie unruhig hin und her. Hin und wieder hält sie eine Hand vor das Gesicht, als wolle sie etwas verbergen.

Wenn sie gefragt wird, antwortet sie langsam, mit wenigen indifferenten Gesten und hält die Arme eng am Körper. Ihre Hände bewegen sich unruhig, sie kreuzt sie manchmal vor ihrer Brust, dann wieder nimmt sie sie hinter ihr Becken. Blickkontakt vermeidet sie.

Im Sitzen hält sie ihren Oberkörper aufrecht, ein wenig steif. Ihre Hände legt sie ineinander und hält sie ruhig. Ihre Schuhsohlen hält sie am Boden, die Muskulatur ihrer Beine ist gespannt.

AnschaulichkeitGestik, die das Sprechen einer Person anschaulich wirken lässt, erlaubt auch ähnliche Interpretationen, zum Beispiel Vitalität, Begeisterung oder Beteuerung.

Die Person kommt flott und dennoch konzentriert in den Raum, wendet sich den Anwesenden sofort mit aufrechter Körperspannung zu und findet Blickkontakt. Schultern und Arme sind locker. Vielleicht hat sie eine Hand in der Hosentasche. Sie begrüßt mit gerader Bewegung der Hand und angemessenem Händedruck. Sie lächelt. Ihr Abstand zu den anderen ist eher zu nah.

Beim Zuhören im Stehen wendet sie sich zur sprechenden Person. schaut sie mit leicht schräg geneigtem Kopf an und signalisiert deutlich ihre Zustimmung oder auch ihre Ablehnung. Ihre Füße geben ihr festen Stand. Ihre Arme hält sie angewinkelt, um sie jederzeit sofort einsetzen zu können. Gern nutzt sie Sprechpausen der anderen, um mit Ergänzungen zum Gesagten zu unterbrechen.

Während sie mit klaren Worten schnell, doch nicht zu schnell spricht, bewegt sie ihre Arme in harmonischem Rhythmus in Richtung Zuhörer, unterstreicht ihre Worte. Ihr intensiver Blick wandert von einem zum anderen. Ihre Handflächen dreht sie häufig nach oben. Immer wieder führt sie beteuernd eine geöffnete Hand an ihre Brust. Inhalte und Gesten bilden eine Einheit in engagiertem Tempo. An akzentuierten Stellen ihrer Ausführungen presst sie die Fingerkuppen aneinander oder ballt eine Hand zur Faust.

Im Sitzen beugt sie sich vor, hält ihren Kopf aufrecht. Ihre Unterarme berühren den Tisch, damit sie ihre nach oben geöffneten Hände ungehemmt bewegen kann. Ihre Füße stehen fest auf dem Boden.

ZornGestik, die eine Person zornig wirken lässt, erlaubt auch ähnliche Interpretationen, zum Beispiel Aggressivität, Drohung oder Angriff.

Die Person stürmt in hohem Tempo herein. Alle ihre Muskeln sind angespannt. Die Begrüßung entfällt. Mit festem Blick fixiert sie eine anwesende Person oder mehrere und baut sich unmittelbar vor ihr auf. Breitbeinig bleibt sie dort stehen. Ihre Arme hält sie in rechtem Winkel.

Sie hört nicht zu. Sie spricht entweder überaus laut oder zischend mit gepressten Lippen. Ihre ausladenden und schnellen Armbewegungen sind auf ihr Gegenüber gerichtet, touchieren ihn fast. Immer wieder ballt sie in Kopfhöhe die Hände zu Fäusten und nimmt zwischendurch die Brille ab.

Eine Sitzgelegenheit verschmäht sie meist. Setzt sie sich doch, bleibt ihr Körper wie zum Sprung gespannt nach vorn gebeugt, mit geballten Fäusten.

FreudeGestik, die eine Person erfreut wirken lässt, erlaubt auch ähnliche Interpretationen, zum Beispiel Heiterkeit, Spaß oder Vergnügen.

Leichtfüßig, fast tänzelnd betritt die Person den Raum. Ihr Bewegungsablauf ist geschmeidig. Ihr aufrechter Gang verharrt, wenn sie sich umschaut. Sie hat ihren Kopf hochgenommen, minimal nach hinten geneigt. Ihre zurückgenommenen Schultern betonen ihre Brust. Lächelnd oder gar lachend geht sie auf Anwesende zu, ganz nahe, um ausgiebig ihre Hände zu schütteln. Unter ihrer glatten Stirn sind ihre Augen lebhaft weit geöffnet und finden Kontakt.

Zuhören kann sie nur kurz, dann platzt ein Wortschwall aus ihr heraus. Sie spricht schnell und laut, etwas chaotisch, mit leicht ausgebreiteten Armen und geöffneten Händen, die nach vorn und nach oben tendieren, punktuell auch über den leicht zur Seite geneigten Kopf. Sie steht stabil, aber unruhig. Sie lacht ungewöhnlich häufig und klatscht manchmal oder ballt ihre Hände zu Fäusten.

Im Sitzen beugt sie ihren Körper weit, nach vorn oder zurück. Mit in deutlichem Abstand voneinander stehenden Füßen bringt sie manchmal den Stuhl zum Schaukeln. Mit geöffnetem Mund neigt sie ihren Kopf leicht zur Seite. Ihre Arme berühren den Tisch beim Sprechen nicht. Ihre Hände weisen nach oben.

AblehnungGestik, die eine Person ablehnend wirken lässt, erlaubt auch ähnliche Interpretationen, zum Beispiel Abwehr, Verteidigung oder Ungläubigkeit.

Die Person kommt mit leicht zurückgeneigtem Oberkörper herein und begrüßt die Anwesenden höflich, indem sie mit einem flüchtigen Blick die Hand von oben gibt, ohne viel Druck auszuüben. Dann wendet sie sich mit deutlicher Drehung in der Vertikalen ab, verschränkt die Arme vor ihrer Brust und kreuzt die Füße. Ihre Schultern spannen sich und sie hält Abstand zu den anderen.

Beim Zuhören im Stehen bleiben ihre Arme verschränkt. Ihren Kopf neigt sie leicht nach hinten. Ihre Lippen presst sie aufeinander. Von Zeit zu Zeit zieht sie die Oberlippe hoch und rümpft die Nase. Sie geht einen halben Schritt nach hinten. Sie sucht keinen Blickkontakt.

Sie spricht bedächtig, knarrend, und nimmt dabei öfters ihre Brille ab. Manchmal rutscht ihr Kopf zurück. Ihr Oberkörper tendiert nach hinten. Ihre Gesten bewegen sich in angemessenem Tempo und bleiben zwischen Kinn und Nabel. Ihre Arme winkelt sie nur leicht an. Ihre Handflächen mit nach vorn unten weisenden geöffneten Fingern zeigen vorwiegend zu ihren Zuhörern. Ihre Hände formen gern ein Dach oder ballen sich zu Fäusten.

Im Sitzen stellt sie die Füße zum Schritt, als ob sie gleich wieder aufstehen und weggehen wollte. Mit ihren Schultern berührt sie die Stuhllehne. Ihren Kopf neigt sie schräg nach hinten und dreht ihn leicht zur Seite. Sie schaut niemanden an. Arme und Hände hält sie wie im Stehen.

SkepsisGestik, die eine Person skeptisch wirken lässt, erlaubt auch ähnliche Interpretationen, zum Beispiel Zweifel, Argwohn oder Misstrauen.

Die Person betritt den Raum ruhig und leise, mit vorgeschobenem Becken. Oberkörper und Schultern zieht sie zurück. Die Anwesenden sieht sie mit in der Vertikalen gedrehtem Kopf von der Seite an. Ihre Arme hält sie etwas angespannt am Körper. Ihrem Händedruck zur Begrüßung fehlt der Druck. Sie hält Abstand zu den anderen.

Beim Zuhören im Stehen neigt sich der weiterhin vertikal gedrehte Kopf zur Seite. Ihr Blick aus den zusammengekniffenen Augen trifft nicht den der sprechenden Person. Eine Schulter nimmt sie nach hinten. Einen Arm winkelt sie mehr an als den anderen, doch beide Handflächen weisen nach unten, mit leicht gebogenen Fingern. Ihre Füße verlassen die Parallele, sodass ihr Becken schräg zur sprechenden Person zeigt.

Sie spricht kehlig, manchmal knarrend, und langsam, nicht laut. Dabei zeigen ihre Handflächen meist nach vorn zu ihren Zuhörern oder neben sie, mit halboffenen, oft nach oben weisenden Fingern. Ihre Schultern bleiben zurückgespannt. Ihr Blick geht auf Augenhöhe in Richtung ihrer Zuhörer, nimmt jedoch keinen Kontakt auf.

Im Sitzen neigt sie ihren Kopf schräg nach hinten. Sie dreht sie ihren Körper in der Vertikalen, indem sie eine Schulter deutlich nach hinten nimmt und den Arm auf die Lehen oder auf den Sitz legt. Die andere Schulter führt sie nach vorn mit auf den Tisch gelegtem Arm. Beide Hände schließt sie halb zu Fäusten, die Fingerspitzen berühren sich. Ihre Füße stehen auseinander, in Schrittstellung.

ÄrgerGestik, die eine Person verärgert wirken lässt, erlaubt auch ähnliche Interpretationen, zum Beispiel Nervosität, Ungeduld oder Unmut.

Bevor die Person den Raum betritt, richtet sie ihre Kleidung, streicht sie glatt, rückt die Krawatte zurecht, sofern sie eine trägt, und ordnet ihre Haare. Sie kommt festen Schritts herein mit leicht hochgezogenen Schultern, den Blick auf den Boden gerichtet, und bleibt mit verschränkten Armen stehen. Ihre Anspannung ist ihrem Körper anzusehen. Ihren Kopf hat sie etwas vorgeschoben. Wiederwillig erwidert sie kurz den Händedruck zum Gruß. Sie hält Abstand zu den Anwesenden.

Beim Zuhören im Stehen legt sie gern die Hände an ihren Gürtel, hakt die Daumen ein. Manchmal führt sie eine Hand zum Ohr oder sie legt einen Finger an ihre Lippen und kaut an einem Fingernagel. Dann wieder ringen die Hände krampfhaft miteinander, mit verzahnten Fingern. Ihr Kopf bleibt gesenkt. Sie steht etwas abgewendet von ihren Gesprächspartnern. Löst sie die verschränkten Arme, betastet sie einen Gegenstand – Knöpfe an ihrer Kleidung, ihre Uhr –, dreht einen Ring am Finger oder zupft an ihrer Kleidung.

Beim Sprechen bleiben ihre angespannten schnellen Gesten eng am Körper. Manchmal nimmt sie ihre Brille ab, greift sich an die Nase und wischt sich mit einer Hand über ihr Gesicht. Häufig räuspert sie sich. Ihr Stand ist fest.

Im Sitzen umfassen ihre Hände gern die Armlehnen, als wolle sie sich am Stuhl festklammern. Sie löst ihre Hände, um auf der Tischplatte zu trommeln. Sie rutscht auf der Sitzfläche hin und her. Sie verschränkt ihre Beine und wippt immer wieder mit einem Fuß.

DesinteresseGestik, die eine Person desinteressiert wirken lässt, erlaubt auch ähnliche Interpretationen, zum Beispiel Gleichgültigkeit, Teilnahmslosigkeit oder Trägheit.

Die Person kommt mit leicht nach hinten geneigtem Oberkörper herein. Womöglich stecken beide Hände in den Hosentaschen. Ihr Körper zeigt keine Spannung, ihre Schultern hängen. Ihr Blick ist unstet. Sie wartet, bis sie angesprochen wird. Ihr Händedruck bleibt bei der Begrüßung kraftlos. Ihre Füße finden einen soliden Stand, den sie dauerhaft beibehält.

Beim Zuhören bleibt ihre Mimik ausdruckslos, ihr Kopf ruht. Nur ihr Blick schweift durch den Raum. Bewegungen der Arme sind nicht zu erkennen, auch weil sie meist die Arme vor der Brust verschränkt hält. Sie dreht sich von den Anwesenden weg und bleibt auf Abstand.

Wenn sie sich äußert, dann nur kurz und leise, ohne erkennbares Engagement. Ihre Gesten sind schwach ausgeprägt, zeigen zu sich selbst. Ihr Kopf neigt sie nach vorn, ihr Blick geht nach unten.

Im Sitzen schlägt sie die Beine so übereinander, dass die Knie von ihren Gesprächspartnern wegzeigen. Oder sie stützt ihre Arme mit nach vorn gezogenen Schultern auf dem Tisch ab, wobei die Beine in Schrittstellung gehen. Handbewegungen zeigt sie kaum.

NachdenklichkeitGestik, die eine Person nachdenklich wirken lässt, erlaubt auch ähnliche Interpretationen, zum Beispiel Arglist, Ernst oder Konzentration.

Die Person betritt den Raum langsam, fast schleichend. Ihr Blick geht in die Ferne, fast starr. Körperspannung ist kaum zu erkennen. Ihr Kopf ist leicht zur Seite geneigt. Arme und Hände hält sie am Körper. Wortkarg erwidert sie Begrüßungen mit schwachem Händedruck. Zu den Anwesenden hält sie Abstand.

Sie schweigt, hört zu – nicht immer mit Blickkontakt. Ihre Lippen sind schmal, etwas aufeinandergepresst, mitunter beißt sie sich auf eine Lippe. Sie führt eine Hand zu ihrem Kinn und legt einen Finger über den Mund. Ihre Arme bleiben am Körper. Bisweilen reibt sie ihre Nase und schiebt ihre Brille hoch. Sie nimmt einen unverkrampften, leicht abgewandten Stand ein, den sie nicht verlässt.

Wenn sie sich einmal äußert, bleiben ihre Beiträge kurz, prägnant. Ihre Ausführungen begleitet sie kaum mit Gesten, und wenn, dann nur in geringem Umfang, bedächtig und ungerichtet. Ihr Kopf bleibt zur Seite geneigt. Ihr Blick erreicht nur selten ihre Zuhörer.

Im Sitzen beugt sie ihren Körper nach vorn und schlägt zunächst ihre Beine übereinander. Später stellt sie ihre Füße auseinander und führt ihre Knie zueinander. Ihren Kopf neigt sie wie im Stehen leicht zur Seite. Ihre Ellenbogen stützt sie auf den Tisch. Eine Hand berührt ihr Gesicht.

AufmerksamkeitGestik, die eine Person aufmerksam wirken lässt, erlaubt auch ähnliche Interpretationen, zum Beispiel Interesse, Freundlichkeit oder Zuwendung.

Aufrecht betritt die Person erhobenen Hauptes den Raum. Festen Blicks schaut sie die Anwesenden an und stellt sich in angemessener Distanz auf. Fest sind auch ihre Körperspannung und ihr Händedruck, den sie mit gerade geführter Hand reicht. Ihre Arme geben ihr eine offene Haltung. Ihre Schultern hält sie gelöst.

Sie schweigt, hört mit zur Seite geneigtem Kopf zu. Der jeweils sprechenden Person begegnet sie mit offenem Blick und wendet sich ihr zu. Mit der Ausnahme, wenn sie mal ihre Hände im Nacken verschränkt, sind Körperbewegungen sonst kaum zu erkennen. Ihre Füße geben ihr stabilen Stand, ihre Fußspitzen zeigen zum Sprecher.

Ihre Anmerkungen und Fragen richtet sie jeweils an die Person, die gesprochen hat – kurz und unaufgeregt, immer passend zum Thema. Sie wendet sich an sie und schaut ihr in die Augen. Ihre eigenen Äußerungen unterstützt sie mit dezenten Bewegungen ihrer Arme und Hände, unaufgeregt, weder zu schnell noch zu langsam.

Wenn sie sitzt, zeigen die Knie ihrer übereinandergeschlagenen Beine zu ihrem Gegenüber oder sie stellt ihre Füße etwas auseinander auf den Boden. Ihr Kopf dreht sich um wenige Grade und ihr Blick nimmt Anwesende in den Fokus. Arme und Hände legt sie leger auf den Tisch.

GeringschätzungGestik, die eine Person geringschätzig wirken lässt, erlaubt auch ähnliche Interpretationen, zum Beispiel Provokation, Anmaßung oder Verachtung.

Die Person betritt mit leicht nach hinten geneigtem Körper und zurückgenommenen Schultern den Raum. Vielleicht hat einen Daumen oder beide an ihrem Gürtel. Zur Begrüßung reicht sie die Hand von oben und gibt einen festen Händedruck und weicht dann einen halben Schritt zurück. Nach kurzem Blick auf die Anwesenden schaut sie in die Ferne. Ihre auseinandergestellten Füße lassen sie breitbeinig dastehen.

Beim Zuhören schaut sie die sprechende Person nicht an, sie wendet sich mit einer leichten Drehung ab. Ihre Hände bleiben an ihrem Körper. Ihren Kopf neigt sie zurück. Immer wieder zieht sie ihre Oberlippe hoch, rümpft die Nase. Manchmal schwankt sie vor und zurück.

Sie spricht mit geschürzten Lippen und dehnt ihre etwas kehlige Lautung. Ihre langsamen, betonten und ausladenden Gesten bewegen sich mit geöffneten Händen von oben nach unten und scheinen einem rhythmischen Takt zu folgen. Mit nach hinten geneigtem Oberkörper blickt sie ihre Zuhörer von oben an.

Im Sitzen lehnt sich weit nach hinten und streckt die Beine aus und kreuzt die Füße oder legt den Knöchel des einen Beins auf das Knie des anderen. Ihre Schultern weichen zurück. Ihre Hände liegen an ihrem Becken oder samt Armen auf dem Tisch, manchmal verschränkt sie sie im Nacken.

ÜberraschungGestik, die eine Person überrascht wirken lässt, erlaubt auch ähnliche Interpretationen, zum Beispiel Erstaunen, Verwunderung oder die Absicht zu unterbrechen.

Die Person spannt plötzlich ihre Muskeln an. Im Reflex öffnet sich ihr Mund, rutschen ihre Brauen nach oben, öffnen sich weit ihre Augen. Ihr Oberkörper neigt sich zurück. Ihr Kopf dreht sich spontan zur Quelle.

Durch ihre Schultern geht ein Ruck, ebenso durch ihre Beine. Spontan legt sie eine Hand auf den Mund oder sie zuckt ihre Arme nach oben, mit geöffneten Händen und gespreizten Fingern.

BesorgtheitGestik, die eine Person besorgt wirken lässt, erlaubt auch ähnliche Interpretationen, zum Beispiel Fürsorglichkeit, Hilfsbereitschaft oder Gram.

Langsam kommt die Person herein, ihre Schuhe schleifen über den Boden. Oberkörper, Kopf und Schultern neigt sie nach vorn. Ihre Arme bleiben spannungslos. Ihren Blick senkt sie apathisch zum Boden. Ihre Grußhand kommt von unten, ihr Händedruck ist kaum spürbar. Zu den Anwesenden hält sie Abstand.

Für andere ist kaum zu erkennen, ob sie zuhört, denn sie steht etwas abgewandt unbeweglich mit gebeugtem Körper und in sich gekehrtem Blick. Selten schaut sie zur sprechenden Person. Arme und Hände hält sie eng am Körper. Ihr Stand wirkt instabil, in den Knien schwach, die Füße eng beieinander.

Wenn sie einmal spricht, dann langsam mit leiser Stimme und vielen Pausen, als spräche sie mehr mit sich selbst als zu den anderen. Ihren Blick hebt sie beim Sprechen kaum. Ihre Hände halten einander vor ihrem Becken, nur manchmal löst sich eine Hand für eine knappe, kurze Bewegung nach oben.

Im Sitzen beugt sie sich vor, ihre Unterarme nehmen den Tisch als Halt, die Hände aufeinandergelegt oder ineinander verschränkt. Ihren Kopf lässt sie nach vorn geneigt, den Blick unbewegt vor sich gerichtet. Ihre Füße stehen fest am Boden, manchmal schlägt sie die Beine übereinander.

NeugierGestik, die eine Person neugierig wirken lässt, erlaubt auch ähnliche Interpretationen, zum Beispiel Taktlosigkeit, Indiskretion oder Vorfreude.

Die Person kommt flotten Schrittes in den Raum. Die Augen weit geöffnet schweift ihr Blick in die Runde und fixiert Auffälligkeiten. Schultern und Kopf weisen nach vorn. Sie bewegt sich schnell, doch ihre Arme bleiben untätig. Sie geht auf Anwesende zu, vielleicht einen halben Schritt zu nah, begrüßt sie mit gerader Handbewegung und angemessenem Händedruck.

Beim Zuhören im Stehen wendet sie sich den Sprechenden zu und schaut ihnen geraden Blicks in die Augen, mit zur Seite geneigtem Kopf, oft mit leicht geöffnetem Mund. Ihre Füße stehen nahe beieinander. Die Arme hält sie angewinkelt, die Hände geöffnet.

Beim Sprechen nimmt sie ihre Schultern und Arme nach vorn. Sie bewegt ihre Hände mit geöffneten Fingern in Richtung Zuhörer, manchmal nach außen, schnell und eher weit. Gelegentlich unterbricht sie sich und hält kurz den Atem an. Ihr Blick beobachtet und fragt.

Im Sitzen reckt sie ihren Kopf. Gern spricht sie mit der Person, die neben ihr sitzt. Ihren Körper hält sie aufrecht, ihre Ellenbogen stützt sie auf den Tisch und ihre Hände sind in Bewegung. Ihre Fußspitzen zeigen zueinander.

EntschlossenheitGestik, die eine Person entschlossen wirken lässt, erlaubt auch ähnliche Interpretationen, zum Beispiel Aktivität, Nachdruck oder Überzeugung.

Die Person kommt flott mit festen Schritten herein, wendet sich den Anwesenden zu und begrüßt sie mit geradem, kräftigem Händedruck. Ihr Körper sowie ihre Arme und Hände stehen unter muskulärer Spannung. Ihre durchgedrückten Beine geben ihr stabilen Stand.

Beim Zuhören im Stehen schaut sie den Sprechenden mit zugewandtem Körper und ernster Miene in die Augen. Oberarm und Unterarm bilden jeweils einen spitzen Winkel. Begleitet von kleinen Rucken in ihren Extremitäten hebt und senkt ihr Atem ihren Brustkorb, jederzeit bereit zu unterbrechen oder auch nur für eine Zwischenbemerkung.

Beim Sprechen fixiert ihr Blick Anwesende oder einen Punkt in Augenhöhe neben ihnen. Manchmal geht sie einen Schritt auf sie zu. Ihre Arme bewegt sie schnell und dynamisch in Richtung Zuhörer. Immer wieder ballt sie die Hände zu Fäusten. Ihre Stimme ist laut und kraftvoll.

Wenn sie sitzt und spricht, beugt sie sich vor, stützt ihre Ellenbogen auf, ballt die Fäuste und pocht immer wieder mit einem Finger auf den Tisch. Ihre Füße stellt sie auseinander.

AuthentizitätAntrainierte Gesten wirken seltsam unharmonisch. Sie passen nicht in den Ablauf der sonstigen Körperbewegungen, zum Beispiel wenn auf die wiederholt geäußerte Sequenz „In diesem unserem Lande“ die Faust auf Tisch oder Pult geschlagen wird.

Gesten gewollt einzusetzen birgt das Risiko, unauthentisch zu wirken. Sie wirken dann nicht kongruent mit anderen Komponenten der Situation. Jedoch können Menschen sich bemühen, etwa den Umfang ihrer Gestik zu reduzieren oder mehr Gestik zuzulassen.

Peter Hilbert

Literatur

Michael Argyle. Körpersprache und Kommunikation
Susanne Dölz. Sich durchsetzen
Julius Fast. Körpersprache
Sabine Hense-Ferch. Die richtigen Fragen bei Einstellungsgesprächen
Samy Molcho. Körpersprache
Desmond Morris. Der Mensch mit dem wir leben
Horst Rückle. Körpersprache verstehen und deuten

Quellen

[1] Horst Rückle
[2] Quintilian
[3] Eckert Lohse
[4] Horst Rückle
[5] Michael Argyle, Susanne Dölz, Desmond Morris, Rolf Ruhleder

Der Körperausdruck beeindruckt

Standard

Das eigene Befinden zeigen und das Empfinden anderer erkennen

Wenn Menschen sich begegnen, kommunizieren sie – immer körpersprachlich, vielleicht zusätzlich sprachlich. Ihre Blicke treffen sich oder sie vermeiden den Blickkontakt. Sie wenden sich einander zu oder voneinander ab. Sie schauen sich freundlich an oder verharren in stoischer Mimik. Sie halten Abstand voneinander oder rücken zueinander. Sie geben einander permanent Signale, ob sie dabei sprechen oder nicht.

Menschen, die miteinander sprechen, teilen immer auch Nichtsprachliches mit: ihre aktuellen Emotionen, ihre momentane Stimmung, ihre innere Haltung. Und sie lassen erkennen, in welcher Beziehung sie sich zu ihren Kommunikationspartnern sehen: überlegen, partnerschaftlich oder nachrangig.

Auf die Zuhörenden wirkt das Gesagte immer gleichzeitig mit sprachbegleitenden Elementen. Kleidung, Schmuck, Körperhaltung, Gestik, Mimik lösen Reaktionen aus, etwa Sympathie oder Antipathie, Anerkennung oder Ablehnung, Achtung oder Geringschätzung, Respekt oder Distanzlosigkeit. Ebenfalls reflektieren die Körpersignale der Zuhörenden auf die sprechende Person.

Mit der nonverbalen Kommunikation entsteht eine Wechselbeziehung zwischen den Beteiligten, die sie nicht vermeiden können. Sie können sie ignorieren oder beachten oder auch bewusst nutzen.

Wer sich auf die Körpersignale konzentriert, kann ihre Wirkung erkennen, kann sie vorsichtig und verantwortungsvoll aufnehmen und einsetzen, kann die Körpersprache verstehen.

Körpersignale interpretieren ist wie zwischen den Zeilen lesen.

OutfitAugenfällige Signale sind Äußerlichkeiten wie Kleidung, Frisur, Schminke oder Schmuck. Je nach Kultur, Geschmack und individuellen wie sozialen Gewohnheiten gilt das Outfit als angemessen oder unpassend, als angenehm oder anstößig, als attraktiv oder fade. Dabei mögen die Trägerinnen und Träger des Outfits ihre äußere Erscheinung völlig anders sehen als die Betrachter.

Welchen Stil eine Person für ihr Outfit wählt, entscheidet sie im Alltag auch nach der Situation. Sie legt vielleicht Wert darauf, ordentlich zu wirken oder Farben nicht zu aufdringlich erscheinen zu lassen, sie will etwa Sauberkeit präsentieren oder als unvorteilhaft empfundene Körperstellen kaschieren, sie mag vielleicht keine zu enge oder gar ramponierte Kleidung. Oder sie möchte das Gegenteil. Sie orientiert sich wahrscheinlich am Outfit anderer, mit denen sie sich beispielsweise im Restaurant trifft oder bei einer Sportveranstaltung oder im beruflichen Kontext.

So mögen dunkler Anzug mit dunklem Gürtel, hellem Hemd und dezenter Krawatte beziehungsweise dunkles Kostüm mit weißer Bluse und Lederschuhen einmal den gesellschaftlichen Gepflogenheiten entsprechen, in anderen Situationen eher T-Shirt oder Comic-Krawatte, Pullover mit Jeans oder kurzer Hose sowie Sportschuhen und bunten Socken.

Im geschäftlichen Umfeld werden als Accessoires eher eine hochwertige Armbanduhr und designte Visitenkarten akzeptiert. In der Freizeit können sie getauscht werden mit sichtbaren Piercings und Hals- oder Armkettchen.

Als respektlos und abstoßend gilt wohl überall das Auftreten mit vernachlässigter Hygiene: fettige Haare, unrasiertes Gesicht, zerknitterte oder schmutzige Kleidung, dreckige Fingernägel oder gar eine Alkoholfahne. Für viele beginnen die Signale der Sauberkeit beim Auto, dessen Eintreffen auf dem Parkplatz gesehen wird.

GestaltAuch ohne Konfektion wirkt der Körper, durch seine schiere Gestalt. Mit ihrem Körpervolumen beeindrucken Personen sich und andere, je nachdem wie es als dick oder dünn, als muskulös, schlaff oder rundlich wahrgenommen wird – fast unabhängig vom messbaren Ausmaß. Gleiches gilt für die Körperlänge: Ein großer Mensch wirkt anders als ein kleiner Mensch, wobei der Effekt oft beeinflusst wird von der eigenen Größe. Hinzu kommt nicht zuletzt die Wirkung der Proportionen, etwa das Verhältnis des Umfangs von Brust und Taille.

Die Kopfform, rundlich oder elliptisch, wirkt ebenfalls wie auch Einzelheiten des Kopfes; sind Nase, Mund und Ohren groß oder klein, sind die Lippen voll oder schmal. Dazu kommt die Hautfarbe; ist sie heller oder dunkler; und die Haarfarbe, ist sie eher blond, brünett, schwarz oder rötlich.

Regungen sein, die das natürliche Geschlecht hervorruft, müssten allseits geläufig sein, wenn Männer mit Männern, Männer mit Frauen, Frauen mit Frauen zusammenkommen. Vorurteile, Erfahrungen und Hormone lösen mehr oder weniger starke Einflüsse aus.

Ebenfalls nicht zu leugnen ist die Wirkung des Alters. Die Wirkung einer sehr alten Person ist so evident wie die Wirkung eines sehr jungen Menschen. Die erzeugten Eindrücke der dazwischenliegenden Altersgruppen sind Abweichungen von den beiden Extremen.

Welche Gestalt als mehr oder weniger angenehm vielleicht auch mehr oder weniger beeindruckend empfunden wird, lässt sich nicht generalisieren. Doch mit ein bisschen Selbstreflexion lassen sich die eigenen Vorlieben und Abneigungen gut erkennen.

KörperbewegungBewegungen ergänzen den körperlichen Ausdruck respektive den Eindruck, den sie hervorrufen. Selbst wenn die Bewegung stillsteht – stehend, sitzend oder liegend –, wirkt sie als Haltung, beispielsweise als gebeugte oder gerade, als zugewandte und weggewandte Haltung. Welche innere Haltung die äußere Haltung zeigt, ist der Interpretation ebenso überlassen wie der Ausdruck einer aufrechten Haltung.

Wird aus der ruhenden Haltung erkennbare Bewegung, wird es spannend, weil deutlich wird, mit welcher Spannung, in welchem Tempo, in welchem Umfang und in welche Richtung jemand sich bewegt. Vor allem die Harmonie der Bewegung bestimmt, ob sie angenehme oder unangenehme Empfindungen auslöst.

Eindrücke körperlicher Bewegung sind allseits bekannt, zum Beispiel:

  • Eine Person kann locker gehen oder steif. Der lockere Gang wirkt entspannter als der steife.
  • Die Richtung der Bewegung kann zum Betrachter hinführen oder von ihm weg – mit jeweils situativer Wirkung.
  • Das Tempo der Bewegung kann schnell und hektisch sein oder langsam und gemächlich; oder es liegt dazwischen. Es löst jeweils bei verschiedenen Betrachtern unterschiedliche Regungen aus.

Verstärkt werden die Eindrücke von Gestalt und Bewegung des Körpers, wenn sie von anderen kinesischen Elementen begleitet werden, etwa von Händen in der Hosen- oder Jackentasche.

GestikBewegungen der Arme und Hände zählen zur Gestik. Wie bei der Bewegung des gesamten Körpers wirken auch bei der Gestik Spannung, Richtung und Tempo. Hinzu kommt noch ihr Umfang: Sind die Gesten ausladend oder gering, sind sie harmonisch oder steif?

Gesten können auf vielfache Weise wirken, zum Beispiel zustimmungsheischend oder ablehnend, authentisch oder antrainiert, hektisch oder gelassen, respektvoll oder abwertend, ausdrucksvoll oder kümmerlich.

Begrüßungsgesten zum Beispiel können sich zu Begrüßungsritualen ausweiten. Während der einfache Händedruck geschäftliche Höflichkeit ausdrückt, ist das stärkere Händeschütteln bereits am Übergang zum Kumpelhaften. Die Freundlichkeit wird gesteigert, wenn die andere Hand hinzukommt und die Begrüßungshand umfasst, und weiter gesteigert, wenn sie den Unterarm umschließt, und noch weiter verstärkt, wenn sich die Hand auf die Schulter der begrüßten Person legt. Die Begrüßung lässt sich noch intensivieren durch das Umarmen, eventuell begleitet durch einen oder mehrere Küsse auf die Wangen. – Weitere Begrüßungsvarianten sind definierte Abläufe innerhalb sozialer Gruppen.

MimikDie Bewegungen der Gesichtsmuskulatur ergeben die Mimik. Ihre Mannigfaltigkeit reicht vom regungslosen Gesichtsausdruck bis zur übertriebenen Grimasse. Muskuläre Spannung und Tempo bestimmen die Intensität der Mimik. Die Augen- und Mundpartien sind besonders variabel, ihr Bewegungsumfang entsprechend ausdrucksstark und eindrucksvoll.

Manche mimische Veränderungen sind unkontrollierbare Reflexe, etwa das Weiten der Augen und das Öffnen des Munds beim Erschrecken oder das Naserümpfen und das Blähen der Nasenlöcher beim Ekeln oder das Heben der Brauen beim Erstaunen.

Ob sprachbegleitend oder nonverbal, die Mimik vermittelt etliche Facetten von Emotionen und Intensionen, zum Beispiel Freundlichkeit, Ablehnung, Interesse, Aufmerksamkeit, Grauen, Skepsis, Wut, Begeisterung, Überraschung, Trauer, Freude, Spaß, Zorn oder Verwunderung.

BlickkontaktWerden Blicke ausgetauscht, entsteht Blickkontakt, der meist intensiv empfunden wird, etwa als Schärfe, Ablehnung oder Wohlwollen, hervorgerufen von unsteten oder ruhigen Blicken.

Dauert der Blickkontakt zu lange, fühlen sich viele Menschen unwohl und unterbrechen ihn. Wie lange der Blickkontakt aufrechterhalten wird, um noch als angenehm oder auch nur erträglich verspürt zu werden, ergibt sich nicht unwesentlich aus der Situation, in der sich die Beteiligten befinden, zum Beispiel aus:

  • Der Anzahl der Anwesenden
  • Ihrer Entfernung zueinander
  • Ihrer Bekanntheit miteinander
In entspannter Atmosphäre wird ein Blickkontakt von drei bis fünf Sekunden Dauer als angemessen empfunden.[1]

In Gesprächen schauen sich die Beteiligten meist länger an. Im Fahrstuhl oder in öffentlichen Verkehrsmitteln dagegen blicken die meisten Menschen an den anderen vorbei – es sei denn, sie wollen Kontakt aufnehmen.

StimmeSprachbegleitend beim Sprechen wirkt selbstverständlich auch die Stimme. Sie vermittelt die Stimmung der sprechenden Person und erzeugt Stimmung bei den Hörenden. Sie kann selbstsicher oder schüchtern wirken, scharf oder sanft, anmutig oder sachlich, geduldig oder dominant, originell oder nüchtern, ernst oder fröhlich.

  • Die Stimmfarbe bewegt sich zwischen schrill und melodisch, zwischen dünn und sonor sowie zwischen hoch und tief.
  • Die Stimmkraft spannt sich zwischen leise und laut, zwischen monoton und akzentuiert sowie zwischen locker und angespannt.
  • Das von der Stimme getragene Sprechtempo ist mehr oder weniger schnell beziehungsweise langsam und hastig beziehungsweise ruhig.[2]

Klingt die Stimme nicht, entstehen Pausen beim Sprechen – entweder erholsam, weil sie Zeit geben, das Gehörte zu verarbeiten, oder enervierend, wenn sie sich quälend in die Länge ziehen.

DistanzJe nach Kommunikationssituation und Kommunikationsgewohnheiten empfinden Menschen unterschiedliche Abstände zu anderen Menschen als mehr oder weniger angenehm. Eher Extravertierte lassen mehr Nähe zu und gehen auch näher zu anderen. Eher Introvertierte brauchen mehr Abstand zu anderen, sie gehen mehr auf Distanz.

Wie Blasen umgeben Menschen Distanzzonen, die Signalwirkung haben für den Grad an Zuneigung oder Abneigung, für Vertraulichkeit oder Abgrenzung:

  • Die engste Distanzzone ist der Intimität vorbehalten, in sie dürfen andere nur, wenn für sie innige Freundschaft empfunden wird, oder in zärtlicher Partnerschaft.
  • In der persönlichen Distanzzone werden gute Bekannte und als sympathisch empfundene Kolleginnen und Kollegen als angenehm gesehen.
  • Die gesellschaftliche Distanzzone ist Fremden vorbehalten oder Personen, die als weniger sympathisch empfunden werden.
  • In der öffentlichen Distanzzone sollen alle Menschen bleiben, die unbekannt sind, mit denen noch kein Wort gewechselt wurde. [3]
          Extravertierte            Introvertierte
Intime Distanz           bis 0,4 Meter           bis 1,5 Meter
Persönliche Distanz     0,4 bis 1,5 Meter     1,5 bis 2,0 Meter
Gesellschaftliche Distanz     1,5 bis 3,0 Meter     2,0 bis 4,0 Meter
Öffentliche Distanz            ab 3,0 Meter            ab 4,0 Meter

Als der sowjetische Psychologe Dobrogaev 1931 Versuchspersonen aufforderte, während des Sprechens Gesten soweit möglich zu unterdrücken, konnte niemand diese Unterdrückung vollständig ausführen und das Sprechen klang abgehackt, verlor seine Intonation, seine Dynamik und Ausdrucksfülle. Sogar die Wortwahl wurde anstrengend und die Anzahl der verwendeten Worte war stark reduziert.[4]

Der körperliche Ausdruck ist eng verbunden mit dem sprachlichen Ausdruck.

Nonverbale Signale beeinflussen die Kommunikation auf vielfältigste Weise. Im Alltag ist kaum möglich, permanent die Regungen des Körpers bei sich selbst bis ins Detail zu kontrollieren und bei anderen bis ins Einzelne zu analysieren. Doch wer die Körpersignale kennt, kann sie auch in der Alltagskommunikation finden und prüfen, inwieweit sie mit anderen Indizien für die eigene Befindlichkeit und für empathisch aufgenommene Empfindungen übereinstimmen.

Im Stehen

In vielen Situationen kommunizieren die Beteiligten stehend miteinander, etwa beim Vortragen einer Rede oder einer Präsentation, vor einer Konferenz oder Versammlung, bei einem Empfang oder am Büffet bei einer Feier, bei zufälligen Treffen im öffentlichen Raum oder auf dem Flur im Unternehmen oder mit Nachbarn im Treppenhaus.

Wenn Personen stehen, ist mehr von ihrem Körperausdruck zu sehen, als wenn sie sitzen. Sie geben einerseits mehr von sich preis, können andererseits mehr von anderen erkennen.

Beim Kommunizieren fällt manchen leicht, ihre Befindlichkeit auszudrücken, anderen schwer und einige wollen es nicht. Manche sind gewohnt, das Empfinden ihrer Kommunikationspartner zu erkennen, andere nicht.

Auf Ausdruck und Eindruck der Körpersignale zu achten, schärft den Blick für das Zusammenwirken ihrer Vielfältigkeit und steigert die Fähigkeit, ihre Wirkung bewusst aufzunehmen. Hier einige Beispiele:

ZurückhaltungWie zeigt sich Zurückhaltung?

  • Der Körper wirkt etwas steif.
  • Der Kopf senkt sich leicht nach vorn.
  • Die Mimik bewegt sich nicht.
  • Kein Blickkontakt entsteht.
  • Die Schultern entspannen sich.
  • Die Arme sind angewinkelt.
  • Die Hände berühren einander.
  • Die Füße stehen nahe beieinander.
  • Die Person bleibt auf Distanz.

VerschlossenheitWie zeigt sich Verschlossenheit?

  • Der Körper wirkt starr.
  • Der Kopf neigt sich nach vorn.
  • Die Mimik bleibt stoisch.
  • Kein Blickkontakt entsteht.
  • Die Schultern wirken verkrampft.
  • Die Arme sind vorn verschränkt.
  • Die Hände verschwinden in der Verschränkung.
  • Die Füße stehen fest auf dem Boden.
  • Die Person bleibt auf Distanz.

OffenheitWie zeigt sich Offenheit?

  • Der Körper wirkt locker entspannt.
  • Der Kopf bildet eine gerade Linie mit dem Körper.
  • Der Mund lächelt freundlich.
  • Die Augen suchen Blickkontakt.
  • Die Schultern wirken gelöst.
  • Die Arme bilden einen stumpfen Winkel.
  • Die Handflächen öffnen sich nach oben.
  • Die Fußspitzen weisen leicht nach außen.
  • Die Person geht auf angemessene Distanz.

ÜberheblichkeitWie zeigt sich Überheblichkeit?

  • Der Körper wirkt etwas gespannt.
  • Der Kopf neigt sich leicht schräg zurück.
  • Der Mund lächelt spöttisch.
  • Der Blickkontakt kommt von oben.
  • Die Schultern sind nach hinten gezogen.
  • Die Ellenbogen weisen nach außen.
  • Die Hände stemmen sich gegen die Hüfte.
  • Der Stand ist breitbeinig.
  • Die Person beachtet keine Distanzzonen.

UnterordnungWie zeigt sich Unterordnung?

  • Der Körper wirkt etwas angespannt.
  • Der Kopf neigt sich leicht schräg nach vorn.
  • Die Mimik bewegt sich nicht.
  • Kein Blickkontakt entsteht.
  • Die Schultern weisen leicht nach hinten.
  • Die Arme sind fast gerade.
  • Die Hände verschwinden hinter dem Körper.
  • Die Füße stehen fast geschlossen nebeneinander.
  • Die Person bleibt auf Distanz.

AnschaulichkeitWie zeigt sich Anschaulichkeit?

  • Der Körper wirkt stark gespannt.
  • Der Kopf neigt sich leicht schräg nach vorn.
  • Die Mundpartie ist offen und gespannt.
  • Der Blick hält intensiv Kontakt.
  • Die Schultermuskulatur ist aktiv.
  • Die Arme weisen deutlich nach vorn.
  • Die Hände bewegen sich intensiv.
  • Die Beine geben festen Stand.
  • Die Person verkürzt die Distanz.

ZornWie zeigt sich Zorn?

  • Der Körper ist äußerst angespannt.
  • Die Halsmuskulatur ist sehr angespannt.
  • Die Mimik verkrampft.
  • Der Blick ist fixiert.
  • Die Schultern sind stark gespannt.
  • Die Armmuskulatur spannt sich deutlich.
  • Die Hände ballen sich zu Fäusten.
  • Die Füße geben festen Stand.
  • Die Person bleibt auf ihrem Platz.

FreudeWie zeigt sich Freude?

  • Die Körperspannung wirkt locker.
  • Der Kopf ist leicht zur Seite geneigt.
  • Der Mund lächelt offen.
  • Der Blick sucht gelöst Kontakt.
  • Die Schultern bleiben enspannt.
  • Die Arme bewegen sich nach vorn und leicht hoch.
  • Die Hände öffnen sich nach oben.
  • Die Füße stehen in leichtem Abstand voneinander.
  • Die Person bleibt auf ihrem Platz.

AblehnungWie zeigt sich Ablehnung?

  • Der Körper dreht sich leicht um die Vertikalachse.
  • Der Kopf neigt sich leicht nach schräg hinten.
  • Die Nase rümpft sich erkennbar.
  • Die Augen verkleinern sich.
  • Die Schultern spannen sich.
  • Die Arme sind nur leicht angewinkelt.
  • Die Hände öffnen sich nach vorn unten.
  • Die Beine nehmen einen halben Schritt nach hinten.
  • Die Person vergrößert die Distanz.

SkepsisWie zeigt sich Skepsis?

  • Der Körper spannt sich etwas.
  • Der Kopf verlässt die Vertikale.
  • Der Mund schließt sich leicht gespannt.
  • Die leicht gerümpfte Nase verkleinert die Augen.
  • Die Schultern bewegen sich leicht nach hinten.
  • Die Muskulatur der Arme aktiviert sich leicht.
  • Die Hände öffnen sich nach vorn unten.
  • Die Füße tendieren nach hinten.
  • Die Distanz vergrößert sich etwas.

ÄrgerWie zeigt sich Ärger?

  • Der Körper spannt sich deutlich.
  • Die Stirn rutscht nach vorn.
  • Der Mund schließt sich fest.
  • Die Brauen rutschen zusammen.
  • Die Schultern tendieren nach vorn.
  • Die Arme verkrampfen in stumpfem Winkel.
  • Die Hände schließen sich.
  • Die Beinmuskulatur spannt sich.
  • Die Distanz bleibt konstant.

DesinteresseWie zeigt sich Desinteresse?

  • Die Körperspannung ist gelöst.
  • Der Kopf ruht.
  • Die Mimik bleibt ausdruckslos.
  • Der Blick schweift.
  • Die Schultern hängen ohne Spannung.
  • Die Arme hängen locker.
  • Die Hände sind gelöst.
  • Die Füße öffnen leicht die Beine.
  • Die Distanz bleibt konstant.

NachdenklichkeitWie zeigt sich Nachdenklichkeit?

  • Der Körper ist indifferent gespannt.
  • Der Kopf neigt sich leicht zur Seite.
  • Die Stirn runzelt sich.
  • Der Blick scheint fokussiert.
  • Die Schultern bleiben ungespannt.
  • Die Arme rutschen zusammen.
  • Eine Hand geht zum Kinn.
  • Die Füße geben gelösten Stand.
  • Die Distanz bleibt konstant.

Im Sitzen

In sehr vielen Kommunikationssituationen sitzen die Beteiligten, etwa beim gemeinsamen Essen, in Konferenzen und Workshops, bei Feiern und Partys, in größeren und kleineren Gruppen oder bei Zwiegesprächen. Nur wenn sehr viele Personen teilnehmen, sitzen sie nebeneinander beziehungsweise einander gegenüber, sonst im Kreis oder über Eck.

Ist der Blick nicht durch beispielsweise einen Tisch versperrt, wird der gesamte Körperausdruck erkennbar und seine Signale lassen sich wie Indizien interpretieren.

ZurückhaltungWie zeigt sich Zurückhaltung?

  • Der Körper wirkt gestaucht.
  • Der Kopf senkt sich leicht zur Seite.
  • Die Mimik bewegt sich nicht.
  • Kein Blickkontakt entsteht.
  • Die Schultern entspannen sich.
  • Die Hände liegen auf.
  • Die Fersen sind vielleicht angehoben.
  • Hinten bleibt ein Streifen der Sitzfläche frei.
  • Die Person nutzt die Rückenlehne.

VerschlossenheitWie zeigt sich Verschlossenheit?

  • Der Körper wirkt schlaff.
  • Der Kopf neigt sich nach vorn.
  • Die Mimik bleibt stoisch.
  • Der Blick geht nach unten.
  • Die Schultern wirken verkrampft.
  • Die Hände umfassen einander.
  • Die Füße stehen eng aneinander.
  • Die gesamte Sitzfläche wird genutzt.
  • Die Person lehnt fest an der Rückenlehne.

OffenheitWie zeigt sich Offenheit?

  • Der Körper wirkt locker entspannt.
  • Der Kopf bildet eine gerade Linie mit dem Körper.
  • Der Mund lächelt leicht.
  • Die Augen suchen Blickkontakt.
  • Schultern und Arme wirken gelöst.
  • Die Hände liegen auf, berühren einander nicht.
  • Die Füße stehen recht weit auseinander.
  • Die Sitzfläche wird fast vollständig genutzt.
  • Nur die obere Rückenlehne stützt.

ÜberheblichkeitWie zeigt sich Überheblichkeit?

  • Der Oberkörper lehnt sich weit zurück.
  • Der Kopf neigt sich schräg zurück.
  • Der Mund öffnet sich locker.
  • Der Blickkontakt kommt von oben.
  • Die Schultern sind nach hinten gezogen.
  • Die Hände öffnen sich aufliegend.
  • Ein Knöchel liegt auf dem Knie des anderen Beins.
  • Die Sitzfläche wird nur halb genutzt.
  • Die obere Rückenlehne stützt.

UnterordnungWie zeigt sich Unterordnung?

  • Der Körper wirkt schlaff.
  • Der Kopf bleibt starr, bewegungslos.
  • Die Mimik bewegt sich nicht.
  • Blickkontakt entsteht nur kurz.
  • Die Schultern bleiben energielos.
  • Die Hände liegen auf.
  • Die Füße wirken leicht angespannt.
  • Die Sitzfläche wird nicht ganz genutzt.
  • Die Rückenlehne wird leicht berührt.

AnschaulichkeitWie zeigt sich Anschaulichkeit?

  • Der Körper beugt sich vor.
  • Der Kopf verlässt die Vertikale nach vorn.
  • Die Mundpartie ist offen und voller Bewegung.
  • Der Blick hält intensiv Kontakt.
  • Die Schultermuskulatur ist aktiv.
  • Die Hände bewegen sich intensiv.
  • Die Beine geben festen Stand.
  • Die Sitzfläche wird halb genutzt.
  • Die Rückenlehne bleibt ungenutzt.

ZornWie zeigt sich Zorn?

  • Der Körper beugt sich sehr angespannt vor.
  • Die Halsmuskulatur verkrampft sich.
  • Die Mimik verzerrt sich.
  • Der Blick ist fixiert.
  • Die Schultern sind stark gespannt.
  • Die Hände ballen sich zu Fäusten.
  • Die Füße geben festen Stand.
  • Die Sitzfläche stützt zum Sprung.
  • Die Rückenlehne wird kaum genutzt.

FreudeWie zeigt sich Freude?

  • Der Körper lehnt sich leicht zurück.
  • Der Kopf neigt sich etwas zur Seite.
  • Der Mund lächelt offen.
  • Der Blick sucht gelöst Kontakt.
  • Die Schultern bleiben locker.
  • Die Hände öffnen sich nach oben.
  • Die Füße stehen in deutlichem Abstand voneinander.
  • Die Sitzfläche wird nicht ganz genutzt.
  • Die Rückenlehne stützt leicht.

AblehnungWie zeigt sich Ablehnung?

  • Der Körper lehnt sich schräg nach hinten.
  • Der Kopf neigt sich leicht seitwärts.
  • Die Nase rümpft sich erkennbar.
  • Die Augen verkleinern sich.
  • Die Schultern spannen sich.
  • Die Hände öffnen sich nach vorn unten.
  • Die Beine gehen in Schrittstellung.
  • Die Sitzposition rutscht nach vorn.
  • Nur der oberste Teil der Rückenlehne wird genutzt.

SkepsisWie zeigt sich Skepsis?

  • Der Körper dreht sich leicht.
  • Der Kopf neigt sich schräg nach hinten.
  • Der Mund schließt sich, etwas gespannt.
  • Die leicht gerümpfte Nase verkleinert die Augen.
  • Die Schultern erhöhen die Spannung.
  • Die Fingerspitzen berühren einander.
  • Die Füße gehen in Schrittstellung.
  • Die Sitzfläche wird nicht ganz genutzt.
  • Nur die obere Rückenlehne wird berührt.

ÄrgerWie zeigt sich Ärger?

  • Der Körper spannt sich nach vorn.
  • Die Stirn bekommt Falten.
  • Der Mund schließt sich fest.
  • Die Brauen rutschen zusammen.
  • Die Schultern tendieren nach vorn.
  • Die Hände schließen sich.
  • Die Beinmuskulatur spannt sich.
  • Die Sitzfläche stützt zum Sprung.
  • Die Füße gehen in Schrittstellung.

DesinteresseWie zeigt sich Desinteresse?

  • Die Körperspannung ist gelöst.
  • Der Kopf ruht.
  • Die Mimik bleibt ausdruckslos.
  • Der Blick schweift.
  • Die Schultern hängen ohne Spannung.
  • Die Hände liegen locker auf.
  • Die Füße öffnen leicht die Beine.
  • Die Sitzfläche wird nicht voll genutzt.
  • Die Rückenlehne wird zum Stützen gebraucht.

NachdenklichkeitWie zeigt sich Nachdenklichkeit?

  • Der Körper ist indifferent gespannt.
  • Der Kopf neigt sich leicht zur Seite.
  • Die Stirn runzelt sich.
  • Der Blick scheint fokussiert.
  • Die Schultern bleiben ungespannt.
  • Eine Hand geht zum Kinn.
  • Die Beine sind übereinandergeschlagen.
  • Die Sitzfläche wird genutzt.
  • Die Rückenlehne wird fast vollständig gebraucht.

AufmerksamkeitWie zeigt sich Aufmerksamkeit?

  • Der Körper wirkt locker angespannt.
  • Der Kopf dreht sich um wenige Grade.
  • Die Mimik entspannt sich freundlich.
  • Der Blick fokussiert sich leicht.
  • Die Schulter lockern sich.
  • Die Hände liegen leger auf.
  • Die Füße gehen etwas auseinander.
  • Die Sitzfläche wird fast vollständig genutzt.
  • Die Rückenlehne stützt flächig.

UnmutWie zeigt sich Unmut?

  • Der Körper krümmt sich nach vorn.
  • Der Kopf schiebt sich vor.
  • Der Mund schließt sich fest.
  • Die Brauen rutschen zusammen.
  • Die Schultern bewegen sich nach vorn.
  • Die Hände greifen.
  • Die Muskulatur der Beine wird aktiviert.
  • Die Sitzfläche wird genutzt.
  • Nur die Mitte der Rückenlehne stützt.

GeringschätzungWie zeigt sich Geringschätzung?

  • Der Oberkörper tendiert zurück.
  • Der Kopf neigt sich schräg nach hinten.
  • Der Mund spannt sich an nur einer Seite.
  • Der Blick kommt von oben.
  • Die Schulterblätter rutschen leicht zusammen.
  • Die Hände liegen locker am Becken.
  • Die Beine sind übereinandergeschlagen.
  • Nur die vordere Sitzfläche wird genutzt.
  • Nur die obere Rückenlehne stützt.

ÜberraschungWie zeigt sich Überraschung?

  • Der Körper spannt sich plötzlich.
  • Der Kopf dreht sich spontan zur Quelle.
  • Der Mund öffnet sich deutlich.
  • Die Brauen rutschen nach oben.
  • Die Schultern spannen sich.
  • Die Hände öffnen sich und gehen nach oben.
  • Die Beinmuskulatur wird aktiviert.
  • Ein geringerer Teil der Sitzfläche wird genutzt.
  • Nur die obere Rückenlehne stützt.

BesorgtheitWie zeigt sich Besorgtheit?

  • Der Körper beugt sich nach vorn.
  • Die Stirn neigt sich vor.
  • Die Brauen rutschen zusammen.
  • Die Mundwinkel bewegen sich nach unten.
  • Die Schultern schieben sich nach vorn.
  • Die Hände liegen locker auf.
  • Die Beine sind eventuell übereinandergeschlagen.
  • Die Sitzfläche wird voll genutzt.
  • Die Rückenlehne bleibt ohne Funktion.

EntschlossenheitWie zeigt sich Entschlossenheit?

  • Der Körper ist erkennbar gespannt.
  • Der Kopf richtet sich aufrecht nach vorn.
  • Die Mimik ist fest und gespannt.
  • Der Blick fixiert.
  • Die Schultern gehen nach vorn.
  • Die Hände bilden offene Fäuste.
  • Die Füße geben auseinandergestellt festen Halt.
  • Die Sitzfläche wird nicht völlig genutzt.
  • Nur die untere Rückenlehne stützt.

Körpersignale sind unterschiedlich intensiv und variieren individuell und situativ. Doch ihre Analyse kann, sofern sie nicht generalisiert, nützlich sein, um eigene Gemütsregungen deutlicher auszudrücken und die anderer besser zu erkennen.

Wer Regungen interpretiert, lässt sich nicht von einem einzigen Körpersignal verleiten, sondern sucht nach drei oder mehr Signalen, um die Wahrscheinlichkeit zutreffender Deutung zu erhöhen, die jedoch nie eindeutig sein kann – weil die konkrete aktuelle Stimmung der beobachteten Person unbekannt ist und weil das eigene Befinden und die eigenen Gewohnheiten in die Interpretation hineinwirken. Niemals sind gleiche Äußerlichkeiten zu verwechseln mit gleichem Charakter.

Peter Hilbert

Quellen

[1] Harald Scheerer. Wie Sie durch Ihr Sprechen gewinnen
[2] Rupert Lay. Dialektik für Manager
[3] Rolf Ruhleder
[4] Harald G. Wallbott. Nonverbales Verhalten und Sprechausdruck

SOS – Nicht suchen, sondern finden

Standard

Struktur, Organisation, System

Wenn Sie alles sofort finden würden, was Sie gerade brauchen, wie viel Zeit würden Sie einsparen? Und wie lange würden Sie benötigen, um alles so zurechtzulegen, damit Sie es sofort finden? Falls die Differenz des Zeitaufwands zwischen beiden Vorgängen zuungunsten des Suchens ausfällt, lesen Sie bitte weiter.

ZeitdiebAkzeptieren Sie: Der effektivste Zeitdieb sind Sie selbst. Sie legen Dinge dorthin, wo sie nicht hingehören. Sie lassen vieles liegen, wo Sie es benutzt haben, und Sie bringen nicht alles zurück, was Sie geholt haben. Sie bewahren Dinge auf, die Sie nie mehr benutzen werden.

UnbrauchbaresSie brauchen vielleicht ein wenig mehr Übersicht zu den Dingen, die Sie verwenden. Sie müssen nicht alles aufheben, nur weil es möglicherweise irgendwann einmal noch nützlich sein könnte. Benötigen Sie wirklich sämtliche Kugelschreiber, die sich bei Ihnen angesammelt haben und von denen einige bereits vertrocknet sind? Benötigen Sie wirklich alle Unterlagen in Ihren Ordnern, deren Inhalte veraltet sind, noch bevor Sie sie noch einmal in die Hand nehmen? Sind wirklich sämtliche E-Mails und Dokumente, die Sie gespeichert haben, so wichtig, dass Sie sie archivieren müssen? Werfen Sie die unbrauchbaren Sachen weg, löschen Sie die veralteten Dokumente.

Ohne VerlustSchauen Sie sich in Ihrem Raum um. Sehen Sie nicht einen Gegenstand, auf den Sie ohne Verlust verzichten könnten? Nicht gemeint sind Ihre Solitäre, die als Besonderheiten einen Akzent setzt oder mit denen Sie eine Erinnerung verbinden. Aber wenn Sie zu viele Solitäre haben, sind sie nicht mehr besonders. Wenn Sie eine prächtige Pflanze stehen haben, die Sie gerne sehen, pflegen Sie sie weiter; ist die Pflanze unansehnlich, vielleicht sogar vertrocknet, entsorgen Sie sie.

ÜberflüssigesWenn Sie wüssten, wie viel Energie Sie täglich für das Suchen verschwenden, hätten Sie wohl schon längst vieles Überflüssige entsorgt und eine vernünftige Struktur in das Übrige gebracht. Genervt hat Sie das Suchen sicher immer wieder, nur getan haben Sie dagegen bisher zu wenig. Womöglich sollten Sie Ihre Abneigung gegen die Vorstellung überwinden, wie anstrengend es wäre, mehr Ordnung zu halten und ein bisschen mehr Disziplin zu entwickeln. Jetzt ist die Zeit dafür reif.

Welch ein Unsinn, den Gedanken zu fürchten,
man könne sein Leben auf einmal wegwerfen,
und doch bedenkenlos beim Suchen
Stück für Stück davon zu verschleudern.[1]

Konzentration

10 MinutenStehen Sie jetzt nicht auf, um mit dem Ordnungmachen und dem Wegwerfen anzufangen. Beginnen Sie mit der Konzentration auf die Veränderung, die Sie erreichen wollen: Nehmen Sie sich zehn Minuten Zeit für Ihr Vorhaben – plus fünf Minuten, falls Sie etwas länger brauchen. Lassen Sie sich nicht ablenken, schalten Sie so lange Ihr Telefon aus und schließen Sie die Tür.

WiederfindenErinnern Sie sich zunächst an eine Gelegenheit, in der Sie sich über lästiges Suchen geärgert haben. Denken Sie an das gewohnte Chaos, in dem Sie sich befunden haben. Irgendwann haben Sie das Gesuchte gefunden. – Nehmen Sie in Gedanken das Teil in die Hand und legen Sie es an einen Platz, von dem Sie glauben, Sie würden es dort beim nächsten Mal suchen. Nachdem Sie das geschafft haben, sind Sie schon auf einem guten Weg zu weniger Verdruss ob Ihrer Fahndungen nach scheinbar Verlorenem.

Der beste OrtBedenken Sie: Sie müssen nicht gleich perfekt sein und alles sofort wiederfinden. Schauen Sie sich in dem Raum um, in dem Sie sich im Augenblick befinden. Wählen Sie drei Gegenstände aus, die Sie beiseitelegen wollen, um etwas Ordnung zu schaffen. Überlegen Sie für jeden der drei Gegenstände, an welchem Ort er jeweils am besten aufgehoben wäre. – Jetzt stehen Sie auf und stellen Sie die drei Gegenstände an die gewählten Plätze. Danach setzen Sie sich wieder.

GemeinsamkeitStrapazieren sie noch einmal Ihr Gedächtnis: Wurden Sie als Kind oft angehalten aufzuräumen, obwohl Sie keine Lust darauf hatten? Haben Sie eine solche Situation noch in Erinnerung, eine die möglichst weit in der Vergangenheit liegt? – Stellen Sie sich jetzt vor, Sie hätten damals gesagt: „Wir räumen gemeinsam auf!“ Verändern Sie die Vergangenheit und fantasieren Sie: Sie machten zusammen Ordnung.

EntsorgungFällt Ihnen das Wegwerfen schwer? Meinen Sie, es wäre doch schade, wenn Sie das heute Entsorgte morgen gebrauchen könnten: E-Mails, ausrangierte Geräte, Notizen, … Alles hat doch seinen Wert. Aber schauen Sie einmal kritisch auf Ihre Sammlung: Der Aufwand, sie zu verwalten, der Platz, den sie einnimmt, beides ist immens. – Stehen Sie auf und entsorgen Sie fünf Elemente aus Ihrer Sammlung. Beginnen Sie mit Unnötigem, das Sie im vergangenen Jahr nicht mehr genutzt haben. Das machen Sie ab sofort ein- bis zweimal pro Woche.

OrdnungssystemÜberlegen Sie: Sind Sie der einzige Mensch, der sich in Ihrem Ordnungssystem auskennt, das anderen chaotisch erscheint? Fürchten Sie, jemand anderes könnte Ihr System durcheinanderbringen? – Dann rufen Sie jetzt eine Kollegin oder einen Kollegen, eine Freundin oder einen Freund an und vereinbaren Sie einen Termin, an dem Sie Ihr Ordnungssystem präsentieren und diskutieren. Bei Ihrem Treffen lassen Sie sich von Ideen, die Sie gemeinsam entwickeln, inspirieren. Sie werden feststellen: Ihr Ordnungssystem wird danach auch für Sie durchschaubarer. Entlasten Sie sich.

InteresseVielleicht ist Ihnen Ordnung zu halten einfach unwichtig, weil es Sie nur von Ihren bedeutsamen Gedanken und Ihrem produktiven Handeln abhält. Doch wenden Sie einmal kurz Ihre Genialität auf die Antithese: Ist es nicht die Unordnung, die Ihre geistige Arbeit ablenkt und sie allzu oft zwingt, sich mit profanen Gegebenheiten zu beschäftigen? Wenn Sie nur einen kleinen Teil Ihrer Aufmerksamkeit der Strukturierung des Vorhandenen widmeten, hätten Sie im Ergebnis mehr Kapazität, sich mit dem zu beschäftigen, was Sie wirklich interessiert.

IdeensammlungVielleicht sind Sie unkonventionell, kreativ und rebellisch und halten Ordnung für den Ausdruck von Engstirnigkeit, Borniertheit und Beschränktheit. – Dann betrachten Sie doch einmal die Ergebnisse Ihres schöpferischen Ideenreichtums. Finden Sie darin nicht auch Strukturen, Systeme innovativer Ordnung? Sicher ist Ihr Talent in der Lage, auch für das Alltägliche Neues zu erschaffen. Probieren Sie es aus: Beginnen Sie mit einer Idee, wo Sie Ihre spontanen Eingebungen aufheben.

Damit müssten die 10 bis 15 Minuten verstrichen sein, die Sie für Ihre Konzentration und Ihren Beginn des Prozesses zum künftigen Finden genutzt haben. Machen Sie weiter.

Arbeitsraum

RealitätLehnen Sie sich einmal kurz zurück und schauen Sie auf Ihren Arbeitsplatz. Ein gewohnter Anblick. Doch befinden sich vielleicht Dinge darauf, die dort nicht hingehören? Stapelt sich dort womöglich Papier und wachsen die Stapel? Bewegen Sie manchmal Ihre Papierstapel hin und her, um etwas zu finden? Liegen eventuell Vorgänge auf Ihrem Tisch ohne Kennzeichnung von Prioritäten und kommen Vorgänge durcheinander, wenn Sie Platz brauchen? Suchen Sie manchmal wichtige Unterlagen im letzten Moment zusammen und stellen fest, dass Sie nicht alle zur Hand haben?[2]

WachtraumStellen Sie sich vor, Sie kommen in Ihren Arbeitsraum und es ist aufgeräumt. Alles ist an seinem Platz und Sie können sofort mit dem beginnen, was Sie sich vorgenommen haben. Das ist ein Traum, den Sie selbst verwirklichen können, indem Sie mit ein klein wenig Organisation die Unordnung besiegen.

ReihenfolgeWidersprechen Sie nicht sofort, sondern halten Sie sich vor Augen, wie Sie sich immer wieder vor dem Aufräumen drücken: Sie holen sich Kaffee, Sie surfen im Internet, Sie plaudern mit anderen, Sie telefonieren privat … Das alles ist wichtig und angenehm und soll Ihnen erhalten bleiben – doch erst nachdem Sie etwas Ordnung gemacht haben: nachdem Sie ein Papier in den Ordner zurückgelegt haben, nachdem Sie eine E-Mail kurz beantwortet und archiviert haben, nachdem Sie sich von drei Kleinigkeiten getrennt haben, die Sie sowieso noch nie benutzt haben. Wenn Sie das tun – und Ihre benutzte Kaffeetasse mitnehmen –, können Sie sich mit gutem Gewissen ein Päuschen gönnen.

Zwei StapelEmpfinden Sie als zu viel, was so alles am Tag auf Sie zukommt: Anrufe, E-Mails, Briefe, Termine, Besprechungen, Routine, Konflikte, Sorgen, Änderungen, Aufgaben, Probleme … Und schieben Sie einiges davon, was nicht so dringlich erscheint, beiseite mit der Absicht, es später zu erledigen – wohl wissend, es wird wahrscheinlich liegenbleiben? Dann nehmen Sie sich eine halbe Stunde Zeit und sortieren Sie alles, was sich so angesammelt hat, in zwei Stapel: ein Stapel für die Vorgänge, die Sie innerhalb von fünf Minuten erledigen können, der andere Stapel für alles, was länger als fünf Minuten zum Bearbeiten braucht. Den Fünf-Minuten-Stapel fangen Sie dann an abzuarbeiten. Sie werden bemerken, nicht der Stress beherrscht Sie weiterhin, sondern Sie beherrschen jetzt den Stress.

Ins ArchivVielleicht gehören Sie zu den Menschen, die keine Zeit zum Aufräumen haben. Nie. Ihre Zeit ist auch sonst knapp. Sie sind immer in Eile. – Dann schnell: Investieren Sie 15 Minuten Ihrer Zeit und archivieren Sie E-Mails. Nur die wirklich wichtigen, die übrigen löschen Sie. Wenn die Viertelstunde um ist, legen Sie einen Termin fest für die nächste Aufräumaktion. Dann sind die Papiere in Ihrer Umgebung dran oder noch einmal Ihre E-Mails oder Ihre Dateien oder Ihre Fotos oder Ihre Apps.

Nur WenigesNehmen Sie sich nicht zu viel auf einmal vor, sonst verlieren Sie zu schnell die Lust. Eine Schublade, ein halber Stapel Papier, die unbearbeiteten E-Mails von einer Woche oder ein Teil eines Ordners können schon genug sein, um einen ersten Erfolg bemerken. Den Termin für den nächsten Schritt tragen Sie dann in Ihren Kalender ein. Und: Sie haben sich eine kleine Belohnung verdient, eine Tasse Tee oder ein kurzes privates Telefonat oder einen Scherz mit einer Kollegin oder einem Kollegen.

GewöhnungOhne Sie bremsen zu wollen: Sie müssen jetzt nicht innerhalb weniger Tage alles Aufräumen nachholen, das Sie über lange Zeit vernachlässigt haben. Lassen Sie sich Zeit und schauen Sie, ob sich nicht alle ein bis zwei Tage eine Lücke in Ihren gewohnten Abläufen findet, in der Sie Ihr Aufräumen fortsetzen. Allmählich werden Sie ein Maß an Ordnung erreicht haben, das für Sie richtig ist. Außerdem gewöhnen Sie sich durch das häufigere Organisieren Ihrer Ordnung an den aufgeräumten Anblick und womöglich sogar daran, nach Gebrauch Dokumente, Notizen, Gegenstände und alles andere dort zu deponieren, wo sie hingehören.

PlanungWenn Ihre Unordnung Ihnen oder anderen allzu sehr zuwider ist, planen Sie: Setzen Sie sich Ziele, bestimmen Sie Prioritäten und definieren Sie Aktivitäten, mit denen Sie Ihre Ziere erreichen. Wenn Sie zum Beispiel dem Inhalt Ihres Schreibtischs eine vernünftige Struktur geben wollten, wäre das ein Ziel. Sie könnten dann das Aufräumen der Schubladen in eine von Ihnen priorisierte Reihenfolge bringen. Aktiv werden können Sie sofort, indem Sie mit der Schublade, der Sie die höchste Priorität zugeordnet haben, beginnen.

Arbeitsplatz

Vor AugenEin übersichtlicher Arbeitsplatz fördert die Konzentration: Alle nicht aktuellen digitalen und analogen Informationen haben einen überlegt gewählten Platz – in einer Datei, in der Wiedervorlage, in der Ablage. Auf die Arbeitsfläche vor Augen gehört immer nur ein Vorgang, auf Papier oder auf dem Monitor.

OrganisationFür das Bearbeiten aller arbeitsrelevanten Vorgänge brauchen Sie ein praktikables und effizientes System, um sie ökonomisch zu erledigen. Mit drei einfachen Elementen haben Sie die Informationen auf Ihrem Schreibtisch im Griff:

  • Mit der Vorlage für die Ordnung nach Priorität
  • Mit der Wiedervorlage für die Ordnung nach Termin
  • Mit der Ablage für die Ordnung zur Archivierung

ArbeitsplatzUm Ihr System zu etablieren, räumen Sie zunächst alles Papier und alle Utensilien auf Ihrem Schreibtisch beiseite, bis außer den angeschlossenen Geräten, wie Telefon, Monitor, Tastatur und Drucker, nichts mehr auf Ihrem Schreibtisch steht oder liegt. Wenn Sie Rechtshänder sind, steht das Telefon links, damit Sie den Hörer mit der linken Hand nehmen und die rechte Hand zum Schreiben frei haben. Der Monitor steht vor Ihrem Sitzplatz und ist ergonomisch auf Ihre Bedürfnisse eingestellt. Der Drucker steht so, dass Sie Papiere leicht aus dem Ausgabeschacht entnehmen können.

Im ZugriffFür Rechtshänder liegt rechts ein ausreichend großer Notizblock – DIN A5 oder DIN A4 – mit Ihrem Lieblingskugelschreiber. (Bei Linkshändern tauschen Telefon und Notizblock die Plätze.) Alle anderen Utensilien, wie Locher, Hefter, Schere, Stifte, Büroklammern und was Sie sonst noch immer wieder mal benutzen, bleiben zwar im Zugriff, doch sie verschwinden in der obersten Schublade Ihres Schreibtischs.

Nur NotwendigesDa wohl die meisten Informationen, die Sie benötigen, auf dem Monitor aufrufbar sind, ist Ihr Schreibtisch für das Arbeiten bereit. Sollten Sie dennoch Informationen auf Papier zum Arbeiten brauchen, legen Sie ausschließlich solche Dokumente neben die Tastatur, die Sie für die aktuelle Bearbeitung als notwendig ansehen – keinesfalls irgendein anderes Papier, niemals.

VorlageWenden Sie sich wieder den Papieren zu, die Sie weggelegt haben, um Ihren Schreibtisch freizuräumen, und sortieren Sie sie in zwei Stapel: ein Stapel für alles, was Sie heute noch erledigen wollen, der andere Stapel für alles, was Sie später bearbeiten.

PrioritätJetzt ordnen Sie den ersten Stapel nach Priorität: das Wichtigste und Dringlichste nach oben, das am wenigsten Wichtige und noch nicht Dringliche nach unten. Bitte achten Sie darauf, sich nur so viel für heute vorzunehmen, wie Sie realistischerweise auch bearbeiten können. Auch Notizen für Ihre Telefonate sind in diesem Stapel.

Wider die Priorität:

Erledigen Sie zuerst …

… was Ihnen gefällt vor dem, was Ihnen nicht gefällt,

… was schnell geht vor dem, was lange braucht,

… was leicht ist vor Schwerem,

… was Sie schon können vor dem, was Ihnen neu ist,

… was dringend ist vor Wichtigem,

… was andere Ihnen auferlegt haben vor dem, was Sie selbst gewählt haben.

MappeDen sortierten ersten Stapel könnten Sie in einen Postkorb legen, damit Sie permanent sehen, was Sie noch alles zu tun haben. Weniger Stress erzeugt, den Stapel in eine Vorlage- oder Unterschriftsmappe einzuordnen, in der Rangfolge Ihrer Prioritäten. Diese Mappe, in der jetzt Ihre Handakten liegen, legen Sie griffbereit zur Seite oder, sofern Sie nichts davon für erwartete Telefonate benötigen, in eine Schublade Ihres Schreibtischs.

Zum NachschauenBevor Sie sich dem zweiten Stapel zuwenden, befassen Sie sich kurz mit Ordnern, Büchern, Nachschlagewerken und anderen umfangreichen Dokumenten, die Sie öfter heranziehen oder die Sie gerne um sich haben. Nicht auf Ihrem Schreibtisch, sondern daneben auf einem Sideboard oder in einem Regal finden sie ihren Platz.

WiedervorlageAlle Informationen und Vorgänge, die Sie nicht heute, sondern erst später weiterbearbeiten können, oder für die andere etwas beizusteuern haben, sortieren Sie in die Wiedervorlage: Notizen und Dokumente für versprochene Lieferungen, für vereinbarte Telefonate, zu wichtigen Vorhaben, … Auch für die Wiedervorlage gibt es eine Mappe.

MappeEine Wiedervorlagemappe hat 31 Fächer zur tagesgenauen Zuordnung, eine andere Wiedervorlagemappe hat zwölf Fächer zur monatlichen Zuordnung. Reicht eine Mappe für die vielen Papiere Ihrer Wiedervorlage nicht aus, ergänzen Sie sie mit einer Hängeregistratur im Schreibtisch. Sobald die Wiedervorlagemappe gefüllt ist, verschwindet sie in einer Schreibtischschublade.

DateimanagerAls elektronische Wiedervorlage nutzen Sie das Programm, mit dem Sie Ihre E-Mails verwalten oder Ihren Dateimanager, indem Sie Dokumenten und E-Mails, gespeicherten Aufgaben und Notizen Termine zuweisen.

TerminkalenderIhre Wiedervorlage ergänzt Ihren Terminkalender. Für jeden eingegebenen Termin wird zu diesem Datum in der Mappe aufgehoben, was für ihn gebraucht wird. Unproduktives Suchen entfällt, nichts wird vergessen, Sie haben zur Hand, was Sie brauchen.

Jeden MorgenJeden Morgen als erstes sortieren Sie die Dokumente aus dem Fach mit dem Tagesdatum Ihrer Wiedervorlage nach Priorität in Ihre Vorlagemappe, damit Sie wissen, was Sie sich für den Tag vorgenommen haben. Berücksichtigen Sie auch die Termine und zur Nachverfolgung gekennzeichneten E-Mails, Notizen, Dokumente und Aufgaben Ihres elektronischen Verwaltungsprogramms.

AblageAuf Ihrem Rechner speichern Sie ausschließlich die bedeutsamen elektronischen Dokumente, also nur solche, die Sie auch später noch einmal verwenden wollen. Speicherort ist der Dateimanager, in dem beliebig Ordner und Unterordner angelegt und benannt werden können.

DateimanagerObwohl der Dateimanager eine Suchfunktion hat, bietet sich an, die Ordner und Unterordner nach einer übersichtlichen, nachvollziehbaren und wirtschaftlichen Systematik anzulegen, wie sie auch für papierne Ordner gilt: nach einem Ablageplan. Sofern Ihr Unternehmen einen für alle Beschäftigten verbindlichen Ablageplan erstellt hat, richtet sich jeder danach, damit die elektronischen Dokumente unternehmensweit schnell zu finden sind.

Analog zu OrdnernExistiert kein verbindlicher Ablageplan, orientieren Sie sich an der Ordnung, die Sie für Ihre papiernen Akten festgelegt haben. Im Ergebnis ist der Dateimanager das Abbild der analogen Ordnerstruktur. Die Reihenfolge im Dateimanager muss nicht alphabetisch sein, sie lässt sich durch Nummerierung wunschgemäß durchsetzen. Ihr Dateimanager repräsentiert Ihren individuellen Ablageplan zur Anleitung für das schnelle Finden von Informationen.

OrdnerstrukturOb verbindlich für alle oder individuell: Der Ablageplan gilt auch für die Systematik Ihrer Ordner für die papiernen Dokumente, es sei denn, Sie scannen sämtliche Informationen und arbeiten ausschließlich am Bildschirm.

RegisterRegister in Ordnern behandeln Sie wie Unterordner im Dateimanager. Nicht allein hübsch, sondern hilfreich zur Orientierung beim Finden sind farbige Ordnerrücken, sofern die Farben die Struktur des Ablageplans signalisieren.

Ins ArchivOrdner, die Sie manchmal benötigen, stellen Sie in Ihrem Arbeitsraum in einen Schrank oder ein Regal – ansonsten verschwinden sie im Archiv.

Informationsverarbeitung

Ihr Arbeitsraum und Ihr Arbeitsplatz können so aufgeräumt sein, wie Sie wollen, immer wieder kommen Informationen, Aufgaben, Aufträge per Telefon, E-Mail oder Post zu Ihnen. Alles landet auf Ihrem virtuellen oder realen Schreibtisch und will erledigt werden. Am besten heute noch. Mit der Menge der eintreffenden Informationen steigt die Gefahr, dass sich wieder Unordnung einschleicht. – Bewahren Sie Ruhe und gehen Sie systematisch vor:

Informationsverarbeitung

BetrifftIhre erste Frage ist stets:
Wen betrifft die Information? – Ist die Information für Sie bestimmt oder ist die Information für jemand anderen bestimmt?

WichtigkeitFühlen Sie sich angesprochen, entscheiden Sie als nächstes:
Wie wichtig ist die Information? – Ist die Information wirklich wichtig oder ist die Information weniger wichtig?

NützlichkeitFühlen Sie sich nicht angesprochen, beurteilen Sie den Wert der Information:
Wie nützlich ist die Information für andere? – Für wen ist die Information nützlich oder ist die Information für andere wertlos?

AbgebenKennen Sie eine Person, für die die Information wohl hilfreich ist, leiten Sie die Information sofort an sie weiter. Haben Sie keine Vorstellung, wer mit der Information etwas Nützliches anfangen kann, entsorgen Sie die Information oder löschen sie und vergessen Sie sie.

AufwandWenn Sie eine Vorstellung haben, wie wichtig die Information für Sie ist, kalkulieren Sie den Aufwand:
Wie viel Ihrer Zeit und Energie benötigt das Erledigen? – Braucht das Bearbeiten viel Aufwand oder braucht das Bearbeiten wenig Aufwand?

ErledigenIst der Aufwand zum Erledigen gering, bearbeiten Sie die Information sofort, egal ob sie sehr oder nur weniger wichtig für Sie ist. Ist die Information für Sie weniger wichtig, doch ihre Bearbeitung wäre für Sie aufwändig, entsorgen Sie sie oder löschen sie und vergessen Sie sie.

DringlichkeitIst die Information für Sie wirklich wichtig, doch mit hohem Aufwand verbunden, taxieren Sie, wie dringend die Bearbeitung ist:
Wie dringlich ist das Bearbeiten der Information? – Eilt die Bearbeitung oder hat die Bearbeitung Zeit?

TerminierenKann das Erledigen der Information warten, legen Sie sie auf Wiedervorlage. Muss nach Ihrer Einschätzung die Information sofort bearbeitet werden, erledigen Sie sie.

Für jede ankommende Informationen haben Sie einen Entscheidungsprozess für die Bearbeitung. Sie leiten die Information weiter, legen sie auf Termin, bearbeiten sie oder Sie vergessen sie. So sparen Sie Zeit und Nerven.

Es ist nicht genug zu wissen, man muss auch anwenden;
es ist nicht genug zu wollen, man muss auch tun.[3]

Was Sie an Ordnung realisiert haben, indem Sie Struktur, Organisation und System in Ihre Arbeit gebracht haben, das können Sie auch in Ihre privaten Angelegenheiten übertragen. Sie können sich das Leben dort ebenfalls erleichtern, indem Sie immer und wieder aufräumen. Die Menschen in Ihrem Umfeld werden es Ihnen danken.

Quellen

[1] Nach: John Howe
[2] Frank Döttling. Von der Idee zur Tat
[3] Johann Wolfgang Goethe

Akzentfrei Konsonanten artikulieren

Standard

Die Aussprache der Mitlaute im Deutschen

Beim Sprechen der deutschen Konsonanten[1] wird der Ausatmungsluftstrom[2] gehemmt oder unterbrochen. Konsonanten sind eher Geräusche als Töne – im Unterschied zu Vokalen, die eher Töne als Geräusche sind. Die Konsonanten bilden Lautgruppen nach der Art ihrer Aussprache, nach ihrer Lautbildung[3], und sie unterscheiden sich aufgrund der Artikulationsstelle, an der sie gebildet werden.

Lautgruppen

Je nach Art der Aussprache entstehen beim Sprechen der Konsonanten andere Klangeindrücke: Fließlaute, die an das Fließen einer Flüssigkeit erinnern; Nasenlaute, die den Einsatz des Resonanzraums der Nase hören lassen; Reibelaute, die ein Geräusch erzeugen wie beim Aufeinanderreiben von Gegenständen; Zischlaute, die klingen wie das Zischen eines entweichenden Gases; oder Verschlusslaute, die sich ähnlich anhören wie das Öffnen einer Flasche.

Die Fließlaute im DeutschenBeim Sprechen der Fließlaute[4] wird der Ausatmungsluftstrom von der Zunge beziehungsweise dem Zäpfchen leicht gehemmt. Die Fließlaute im Deutschen sind:

  • Der stimmhafte seitliche Fließlaut [l] – in Buchstaben geschrieben „L“, „l“ oder „ll“, zum Beispiel in „Lupe“ – [‚lu:pə], in „leise“ – [‚la͜ezə] und in „schnell“ – [ʃnɛl]
  • Der starke stimmhafte Zäpfchen-Fließlaut [ʀ] – in Buchstaben geschrieben „R“, „r“ oder “rr“ sowie „Rh“, „rh“ oder „rrh“, zum Beispiel in „Rad“ – [ʀɑ:t], in
    „raten“ – [‚ʀɑ:tən] und in „Narr“ – [naʀ] sowie in „Rhythmus“ – [‚ʀγtmʊs], in „rhetorisch“ – [ʀe’to:ʀɪʃ] und in „Katarrh“ – [kɑ’taʀ]
  • Der schwache stimmhafte Zäpfchen-Fließlaut [ʁ] – in Buchstaben geschrieben „r“, zum Beispiel in „leer“ – [le:ʁ]
  • Der stimmhafte Zungenspitzen-Fließlaut [r] – in Buchstaben geschrieben „R“ , „r“
    oder „rr“ sowie als „Rh“, „rh“ oder „rrh“, zum Beispiel in „Rad“ – [rɑ:t], in
    „raten“ – [‚rɑ:tən] und in „Narr“ – [nar] sowie in „Rhythmus“ – [‚rγtmʊs], in „rhetorisch“ – [re’to:rɪʃ] und in „Katarrh“ – [kɑ’tar] sowie in „leer“ – [le:r]

Die Nasenlaut im DeutschenBeim Sprechen der Nasenlaute[5] wird der Ausatmungsluftstrom durch die Nase geleitet. Die Nasenlaute im Deutschen sind:

  • Der stimmhafte Lippen-Nasenlaut [m] – in Buchstaben geschrieben „M“, „m“
    oder „mm“, zum Beispiel in „Mode“ – [‚mo:də], in „malen“ – [‚mɑlən] und in
    „Schlamm“ – [ʃlam]
  • Der stimmhafte Zahn-Nasenlaut [n] – in Buchstaben geschrieben „N“, „n“ oder „nn“, zum Beispiel in „Naht“ – [nɑ:t], in „neu“ – [nɔ͜ø] und in „rennen“ – [‚ʀɛnən]
  • Der stimmhafte Hintergaumen-Nasenlaut [ŋ] – in Buchstaben geschrieben „ng“ oder „n“, zum Beispiel in „eng“ – [ˀɛŋ] und in „Bank“ – [baŋk]

Die Reibelaute im DeutschenBeim Sprechen der Reibelaute[6] wird der Ausatmungsluftstrom stark gehemmt. Die Reibelaute im Deutschen sind:

  • Der stimmlose Lippenzahn-Reibelaut [f] – in Buchstaben geschrieben „F“, „f“ oder „ff“ sowie „V“ oder „v“ sowie „Ph“ oder „ph“, zum Beispel in „Feuer“ – [‚fɔ͜øəʁ], in
    „faul“ – [fa͜ol] und in „Affe“ – [‚ˀafə] sowie in „Vater“ – [‚fɑ:təʁ] und in „viel“ – [fi:l] sowie in „Phase“ – [‚fɑ:zə] und in „Sphäre“ – [’sfɛ:ʀə]
  • Der stimmhafte Lippenzahn-Reibelaut [v] – in Buchstaben geschrieben „W“ oder „w“ sowie „V“ oder „v“, zum Beispiel in „Wort“ – [vɔʀt] und in „wie“ – [vi:] sowie in „Vase“ – [‚vɑ:zə] und in „Kurve“ – [‚kʊʀvə]
  • Der stimmlose Hintergaumen-Reibelaut [x] – in Buchstaben geschrieben „ch“, zum Beispiel in „Macht“ – [maxt]
  • Der stimmlose Stimmlippen-Reibelaut [h] – in Buchstaben geschrieben „H“ oder „h“, zum Beispiel in „Hof“ – [ho:f] und in „heute“ – [‚hɔ͜øtə]

Die Zischlaute im DeutschenBeim Sprechen der Zischlaute[7] bildet die Zunge eine Längsrille, durch die der Ausatmungsluftstrom geführt wird. Die Zischlaute, als Teilgruppe der Reibelaute, sind im Deutschen:

  • Der stimmlose Zahn-Zischlaut [s] – in Buchstaben geschrieben „S“, „s“ oder „ss“, „ß“ sowie „C“ oder „c“, zum Beispiel in „Skat“ – [skɑ:t], in „los“ – [lo:s] und in „Masse“ – [‚masə], in Straße“ – [‚ʃtʀɑ:sə], sowie in „Cent“ – [sɛnt], und in
    „Balance“ – [bɑ’lãsə]
  • Der stimmhafte Zahn-Zischlaut [z] – in Buchstaben geschrieben „S“ oder „s“, zum Beispiel in „Sieb“ – [zi:p] und in „süß“ – [zy:s]
  • Der stimmlose Gaumen-Zischlaut [ʃ] – in Buchstaben geschrieben „Sch“ oder „sch“ sowie „S“ oder „s“ sowie „Ch“ oder „ch“, zum Beispiel in „Schal“ – [ʃɑ:l] und in „schon“ – [ʃo:n] sowie in „Stuhl“ – [ʃtu:l] und in „spielen“ – [‚ʃpi:lən] sowie in
    „Chef“ – [ʃɛf] und in „Branche“ – [‚bʀãʃə]
  • Der stimmhafte Gaumen-Zischlaut [ʒ] – in Buchstaben geschrieben „G“ oder „g“ sowie „J“ oder „j“, zum Beispiel in „Gendarm“ – [ʒan’daʀm] und in
    „Regie“ – [ʀe’ʒi:] sowie in „Jargon“ – [ʒaʀ’gõ] und in „Sujet“- [zy’ʒe:]
  • Der stimmlose Vordergaumen-Zischlaut [ç] – in Buchstaben geschrieben „Ch“ oder „ch“ sowie „g“, zum Beispiel in „Chemie“ – [çe’mi:] und in „ich“ – [ɪç] sowie in „ruhig“ – [‚ʀu:ɪç]
  • Der stimmhafte Vordergaumen-Zischlaut [j] – in Buchstaben geschrieben „J“ oder „j“ sowie „Y“ und „y“, zum Beispiel in „Jagd“ – [jɑ:kt] und in „jung“ – [jʊŋ] sowie in „Yoga“ – [‚jo:gɑ] und in „Foyer“ – [fo̯a’je:]

Die Verschlusslaute im DeutschenBeim Sprechen der Verschlusslaute[8] wird der Ausatmungsluftstrom kurz unterbrochen. Die Verschlusslaute im Deutschen sind:

  • Der stimmlose Lippen-Verschlusslaut [p] – in Buchstaben geschrieben „P“, „p“ oder „pp“ sowie „b“, zum Beispiel in „Pate“ – [‚pɑ:tə], in „pur“ – [pu:ʁ], und in „Lappen“ – [‚lapən] sowie in „Dieb“ – [di:p]
  • Der stimmhafte Lippen-Verschlusslaut [b] – in Buchstaben geschrieben „B“, „b“ oder „bb“, zum Beispiel in „Blut“ – [blu:t], und in „braten“ – [‚bʀɑ:tən] sowie in „Ebbe“ – [‚ˀɛbə]
  • Der stimmlose Zahn-Verschlusslaut [t] – in Buchstaben geschrieben „T“, „t“ oder „tt“ sowie „Th“ oder „th“ sowie „d“ oder „dt“, zum Beispiel in „Tal“ – [tɑ:l], in
    „tun“ – [tu:n] und in „Motte“ – [‚mɔtə] sowie in „Theater“ – [te’ɑ:təʁ] und in „Labyrinth“ – [lɑby’ʀɪnt] sowie in „Bild“ – [bɪlt] und in „Stadt“ – [ʃtat]
  • Der stimmhafte Zahn-Verschlusslaut [d] – in Buchstaben geschrieben „D“, „d“ oder „dd“, zum Beispiel in „Docht“ – [dɔxt], in „du“ – [du:] und in „Paddel“ – [‚padəl]
  • Der stimmlose Hintergaumen-Verschlusslaut [k] – in Buchstaben geschrieben „K“, „k“ oder „kk“ sowie „Ch“ oder „ch“ sowie „C“, „c“ oder „cc“ sowie „ck“ oder „g“ sowie „Qu“, „qu“ oder „que“, zum Beispiel in „Kuh“ – [ku:], in „krumm“ – [kʀʊm] und in „okkult“ – [ˀɔ’kʊlt] sowie in „Chor“ – [ko:ʁ] und „chronisch“ – [‚kʀo:nɪʃ] sowie in „Café“ – [kɑ’fe;], in „decodieren“ – [deko’di:ʀən] und in „Piccolo“ – [‚pɪkolo] sowie in „Zweck“ – [t͜svɛk] und in „Weg“ – [ve:k] sowie in „Quarantäne“ – [karan’tɛnə], in „Clique“ – [‚klɪkə] und in „Boutique“ – [bu’tɪk]
  • Der stimmhafte Hintergaumen-Verschlusslaut [g] – in Buchstaben geschrieben „G“, „g“ oder „gg“ sowie „gh“, zum Beispiel in „Gas“ – [gɑ:s], „gut“ – [gu:t],
    „Bagger“ – [‚bagəʁ], „Joghurt“ – [‚jo:gʊʀt]

Die Verschluss-Reibelaute im DeutschenBeim Sprechen der Verschluss-Reibelaute[9] wird der Ausatmungsluftstrom zunächst unterbrochen, um dann in einen Reibelaut überzugehen. Die Verschluss-Reibelaute im Deutschen sind:

  • Der stimmlose Verschluss-Reibelaut [p͜f] – in Buchstaben geschrieben „Pf“ oder „pf“, zum Beispiel in „Pforte“ – [‚p͜fɔʀtə] und in „Topf“ – [tɔp͜f]
  • Der stimmlose Verschluss-Reibelaut [p͜s] – in Buchstaben geschrieben „Ps“ oder „ps“ sowie „bs“, zum Beispiel in „Psalm“ – [p͜salm], in „Schlips“ – [ʃlɪp͜s] und in „schubsen“ – [‚ʃʊp͜sən]
  • Der stimmlose Verschluss-Reibelaut [t͜s] – in Buchstaben geschrieben „Z“ oder „z“ sowie „zz“ oder „tz“ sowie „Ts“ oder „ts“ sowie „ds“ oder „dts“, zum Beispiel in „Zorn“ – [t͜sɔʀn] und in „zu“ – [t͜su:] sowie in „Pizza“ – [‚pɪt͜sɑ:] und in
    „Katze“ – [‚kat͜sə] sowie in „Tsunami“ – [t͜su’nɑ:mi] und in „Rätsel“ – [‚ʀɛ:t͜səl] sowie in „abends“ – [‚ˀɑbənt͜s] und in „Schmidts“ – [ʃmɪt͜s]
  • Der stimmlose Verschluss-Reibelaut [t͜ʃ] – in Buchstaben geschrieben „Tsch“ oder „tsch“ sowie „Ch“ oder „ch“ sowie „C“, „c“ oder „cc“, zum Beispiel in
    „Tscheche“ – [‚t͜ʃɛçə] und in „Putsch“ – [pʊt͜ʃ] sowie in „Chip“ – [t͜ʃɪp] und in
    „Couch“ – [ka͜ot͜ʃ] sowie in „Cello“ – [‚t͜ʃɛlo] in „Duce“ – [‚du:t͜ʃə] und in
    „Capuccino“ – [kɑpu’t͜ʃi:no]
  • Der stimmhafte Verschluss-Reibelaut [d͜ʒ] – in Buchstaben geschrieben „Dsch“ oder „dg“ sowie „G“, „g“ oder „gg“ sowie „J“ oder „j“, zum Beispiel in
    „Dschungel“ – [‚d͜ʒʊŋəl], „Budget“ – [bγ’d͜ʒe:], „Gin“ – [d͜ʒɪn], „adagio“ – [ˀa’dɑ:ʒo], „Loggia“ – [‚lɔd͜ʒɑ], „Job“ – [d͜ʒɔp], „Pyjama“ – [pγ’d͜ʒɑ:ma]
  • Der stimmlose Verschluss-Reibelaut [k͜s] – in Buchstaben geschrieben „X“ oder „x“ sowie „ks“, „cks“ oder „chs“ sowie „gs“ oder „ggs“, zum Beispiel in
    „Xylofon“ – [k͜sylo’fo:n], „boxen“ – [‚bɔk͜sən], „Keks“ – [ke:k͜s], „Klecks“ – [klɛk͜s], „Dachs“ – [dak͜s], „flugs“ – [flʊk͜s], „du joggst“ – [du: ‚d͜ʒɔk͜st]
  • Der stimmhafte Verschluss-Reibelaut [k͜v] – in Buchstaben geschrieben „Qu“ oder „qu“, zum Beispiel in „Qual“ – [k͜vɑ:l], „quer“ – [k͜ve:ʁ]

Artikulationsstellen

Die Sonorität der KonsonantenDie Konsonanten werden mit den Artikulationsorganen[10] an unterschiedlichen Artikulationsstellen gebildet – entweder stimmlos oder stimmhaft. Beim Sprechen der stimmhaften Konsonanten schwingen die Stimmlippen, beim Sprechen der stimmlosen Konsonanten sind die Stimmlippen geöffnet.

Die Lippenlaute im DeutschenFür die Artikulation der Lippenlaute sind die Lippen[11] ausschlaggebend:

  • Beim stimmlosen Lippen-Verschlusslaut [p] und seiner stimmhaften Entsprechung [b] sprengt der Ausatmungsluftstrom die aufeinandergelegten Lippen, zum Beispiel in „Paar“ – [pɑ:ʁ] und in „Bar“ – [bɑ:ʁ]
  • Beim stimmhaften Lippen-Nasenlaut [m] verschließen die Lippen den Mund, zum Beispiel in „Mut“ – [mu:t]

Die Zahnlaute im DeutschenFür die Artikulation der Zahnlaute sind die Schneidezähne[12] ausschlaggebend:

  • Beim stimmlosen Zahn-Zischlaut [s] und seiner stimmhaften Entsprechung [z] fließt der Ausatmungsluftstrom zwischen oberen und unteren Schneidezähnen hindurch, zum Beispiel in „Gas“ – [gɑ:s] und in „Sieg“ – [zi:k]

Die Lippen-Zahnlaute im DeutschenFür die Artikulation der Lippen-Zahnlaute werden Unterlippe und obere Schneidezähne[13] eingesetzt:

  • Beim stimmlosen Lippenzahn-Reibelaut [f] und seiner stimmhaften Entsprechung [v] hemmt die Enge zwischen Unterlippe und oberen Schneidezähnen den Ausatmungsluftstrom, zum Beispiel in „Fach“ – [fax] und in „Vase“ – [‚vɑ:zə]

Die Gaumenlaute im DeutschenFür die Artikulation der Gaumenlaute werden Zunge und Gaumen genutzt:

  • Beim stimmlosen Gaumen-Zischlaut [ʃ] und seiner stimmhaften Entsprechung [ʒ] strömt die Ausatmungsluft durch die Enge zwischen Zungenspitze und hartem Gaumen[14] eine Enge, zum Beispiel in „Schal“ – [ʃɑ:l] und in „Genie“ – [ʒe’ni:]
  • Beim stimmlosen Zahn-Verschlusslaut [t] und seiner stimmhaften Entsprechung [d] sprengt der Ausatmungsluftstrom die Zungenspitze vom harten Gaumen, zum Beispiel in „Turm“ – [tʊʀm] und in „Dach“ – [dax]
  • Beim stimmhaften seitlichen Fließlaut [l] liegt die Zungenspitze am harten Gaumen, zum Beispiel in „Los“ – [lo:s]
  • Beim stimmhaften Zungenspitzen-Fließlaut [r] schwingt die Zungenspitze am harten Gaumen, zum Beispiel in „Ring“ – [rɪŋ]
  • Beim stimmhaften Zahn-Nasenlaut [n] liegt die Zungenspitze am harten Gaumen, zum Beispiel in „Not“ – [no:t]
  • Beim stimmlosen Vordergaumen-Zischlaut [ç] und seiner stimmhaften Entsprechung [j] wölben sich die Seiten des Zungenrückens zum Vordergaumen[15], zum Beispiel in „ich“ – [ɪç] und in „ja“ – [jɑ:]
  • Beim stimmlosen Hintergaumen-Reibelaut [x] wölbt sich der Zungenrücken zum weichen Gaumen[16], zum Beispiel in „Schach“ – [ʃax]
  • Beim stimmlosen Hintergaumen-Verschlusslaut [k] und seiner stimmhaften Entsprechung [g] sprengt der Ausatmungsluftstrom den Zungenrücken vom weichen Gaumen, zum Beispiel in „Kanne“ – [‚kanə] und in „gut“ – [gu:t]
  • Beim stimmhaften Hintergaumen-Nasenlaut [ŋ] liegt der hintere Zungenrücken am weichen Gaumen, zum Beispiel in „Gong“ – [gɔŋ]

Die Zäpfchenlaute im DeutschenFür die Artikulation der Zäpfchenlaute ist das Zäpfchen[17] ausschlaggebend:

  • Beim stimmhaften starken Zäpfchen-Fließlaut [ʀ] schwingt das Zäpfchen, zum Beispiel in „Rot“ – [ʀo:t] und in „Wort“ –[vɔʀt]
  • Beim stimmhaften schwachen Zäpfchen-Fließlaut [ʁ] strömt die Ausatmungsluft durch die Enge zwischen Zäpfchen und Zungenrücken, zum Beispiel in
    „Tor“ – [to:ʁ]

Der Stimmlippenlaut im DeutschenFür die Artikulation des Stimmlippenlauts sind die Stimmlippen[18] ausschlaggebend:

  • Beim stimmlosen Stimmlippen-Reibelaut [h] strömt die Ausatmungsluft durch die eng aneinanderliegenden Stimmlippen, zum Beispiel in „Hut“ – [hu:t]

Die deutschen Konsonanten mit ihren charakteristischen Artikulationsstellen und in ihren Lautgruppen:

Artikulationsstelle

Lautgruppe

Lippen Schneide-zähne Harter Gaumen Vorder­gaumen Weicher Gaumen Zäpfchen Stimm­lippen
Fließlaute Stimmhaft [l], [r] [ʀ], [ʁ]
Nasenlaute Stimmhaft [m] [n] [ŋ]
Reibelaute Stimmlos             [f] [x] [h]
Stimmhaft             [v]
Zischlaute Stimmlos [s] [ʃ] [ç]
Stimmhaft [z] [ʒ] [j]
Verschlusslaute Stimmlos [p] [t] [k]
Stimmhaft [b] [d] [g]

KoartikulationsstelleKonsonanten können stark[19] oder schwach[20] gesprochen werden, mit mehr Intensität oder mit weniger. Im Deutschen sind die starken Konsonanten stimmlos und die schwachen sind stimmhaft, doch wenn auf einen stimmlosen ein stimmhafter Konsonant folgt, werden beide Laute etwas reduziert gesprochen[21], zum Beispiel in:

  • „entdecken“ – [ˀɛnt’dɛkən], „aufwischen“ – [‚ˀa͜ofvɪʃən], „aussuchen“ – [‚ˀa͜oszu:xən], „Durchsage“ – [‚dʊʁçzɑ:gə], „abbauen“ – [‚ˀapba͜oən]

BeispielAufeinanderfolgende Konsonanten werden im Deutschen miteinander verbunden, zum Beispiel in:

  • „Die Motte ist ein bescheidenes Tier, denn sie frisst nur Löcher.“
    [di: ‚mɔtə ɪst ˀa͜en bə’ʃa͜edənəs ti:ʁ dɛn zi: fʀɪst nu:ʁ ‚lœçəʁ]

Fließlaute

Die Konsonantengruppe der Fließlaute[22] besteht aus dem seitlichen Fließlaut [l], den Zäpfchen-Fließlauten [ʀ] und [ʁ] sowie aus dem Zungenspitzen-Fließlaut [r]. Beim Sprechen der Fließlaute strömt die Ausatmungsluft fließend aus dem Mund. Alle Fließlaute werden stimmhaft gesprochen.

Artikulation des stimmhaften seitlichen FließlautsBeim Sprechen des stimmhaften seitlichen Fließlauts[23] [l] bleiben die Lippen entspannt und der Unterkiefer senkt sich kaum. Der Mund öffnet sich spaltbreit. Die Zungenspitze legt sich hinter die oberen Schneidezähne[24] und der Ausatmungsluftstrom fließt beiderseits am entspannten Zungenrücken vorbei. Das Gaumensegel ist gehoben, die Stimmlippen schwingen. Das Zäpfchen bleibt passiv.

[l] wird gesprochen, wenn „L“, „l“ oder „ll“ geschrieben wird.

[l] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „L“ oder „l“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [l] am betonten Silbenanfang„Leben“ – [‚le:bən], „Los“ – [lo:s], „lügen“ – [ly:gən], „Luft“ – [lʊft], „lieben“ – [‚li:bən]
  • „beleidigen“ – [bə’la͜edigən], „verlassen“ – [fɛʁ’lasən], „gelingen“ – [gə’lɪŋən], „zerlumpt“ – [t͜sɛʁ’lʊmpt], „entlang“ – [ˀɛnt’laŋ]
  • „Blau“ – [bla͜o], „Kloß“ – [klo:s], „pflügen“ – [‚p͜fly:gən], „schlicht“ – [ʃlɪçt], „glimmen“ – [‚glɪmən]
  • „beglücken“ – [bə’glγkən], „geglaubt“ – [gə’gla͜opt], „verschlissen“ – [fɛʁ’ʃlɪsən], „verblasst“ – [fɛʁ’blast], „geplant“ – [gə’plɑ:nt]
  • [l] am unbetonten Silbenanfang„malen“ – [‚mɑ:lən], „Aula“ – [‚ˀa͜ola], „neulich“ – [’nɔ͜ølɪç], „melken“ – [‚mɛlkən], „Silber“ – [‚zɪlbəʁ]
  • „nachlaufen“ – [’nɑ:xla͜ofən], „umlegen“ – [‚ˀʊmle:gən], „Anliegen“ – [‚ˀanli:gən], „anlügen“ – [‚ˀanly:gən], „einlassen“ – [‚ˀa͜enlasən]
  • „abpflücken“ – [‚ˀapp͜flγkən], „Unglück“ – [‚ˀʊnglγk], „Nachklang“ – [’nɑ:xklaŋ], „abblättern“ – [‚ˀapblɛtəʁn], „ausplündern“ – [‚ˀa͜osplγndəʁn]

[l] wird am Silbenende gesprochen, wenn „l“ oder „ll“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [l] am Silbenende„Säbel“ – [‚zɛ:bəl], „Tadel“ – [‚tɑ:dəl], „Vogel“ – [‚fo:gəl], „Schal“ – [ʃɑ:l], „fahl“ – [fɑ:l]
  • „Gelb“ – [gɛlp], „Wild“ – [vɪlt], „wedeln“ – [‚ve:dəln], „Schuld“ – [ʃʊlt], „halb“ – [halp]
  • „er malt“ – [ˀe:ʁ ‚mɑ:lt], „sie zahlt“ – [zi: ‚t͜sɑ:lt], „er stiehlt“ – [ˀe:ʁ ‚ʃti:lt],
    „sie holt“ – [zi: ‚ho:lt], gezählt“ – [gə’t͜sɛ:lt]
  • „es perlt“ – [ˀɛs ‚pɛʁlt], „gequirlt“ – [gə’k͜vɪʀlt]
  • „Fell“ – [fɛl], „Ball“ – [bal], „Schall“ – [ʃal], „toll“ – [tɔl], „Geröll“ – [gə’ʀœl]
  • „bestellt“ – [bə’ʃtɛlt], „gefüllt“ – [gə’fγlt], „gerollt“ – [gə’ʀɔlt], „er fällt“ – [ˀe:ʁ fɛlt],
    „sie grillt“ – [zi: ‚gʀɪlt]

[l] wird gesprochen, wenn in nichtzusammengesetzten Wörtern „ll“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [l] an der Silbengrenze„stellen“ – [‚ʃtɛlən], „Wille“ – [‚vɪlə], „knallen“ – [‚knalən], „alle“ – [‚ˀalə], „Ställe“ – [‚ʃtɛlə]

[l] wird an der Silbengrenze doppellautend, aber nicht abgesetzt gesprochen, wenn in zusammengesetzten Wörtern “ll“ oder „lll“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [l] an der Silbengrenze doppellautend„Stapellauf“ – [‚ʃtɑ:pəlla͜of], „Hotellobby“ – [hɔ’tɛllɔbɪ], „Kugellager“ – [‚ku:gəllɑ:gəʁ], „übellaunig“ – [‚ˀy:bəlla͜oniç], „Doppellaut“ – [‚dɔpəlla͜ot]
  • „schnelllebig“ – [‚ʃnɛlle:bɪç], „Bestellliste“ – [bə’ʃtɛllɪstə], „stilllegen“ – [‚ʃtɪlle:gən], „Wolllappen“ – [‚vɔllapən], „Rollladen“ – [‚ʀɔllɑ:dən]

Beim Sprechen des stimmhaften starken Zäpfchen-Fließlauts[25] [ʀ] bleiben die Lippen entspannt und der Unterkiefer senkt sich. Die Zungenspitze legt sich an die unteren Schneidezähne und der hintere Zungenrücken wölbt sich hoch. Der Ausatmungsluftstrom lässt das Zäpfchen gegen den hinteren Zungenrücken vibrieren und fließt zwischen den Schwingungen aus dem geöffneten Mund. Das Gaumensegel ist gehoben und die Stimmlippen schwingen.

[ʀ] wird gesprochen, wenn „R“, „r“ oder „rr“, „Rh“, „rh“ oder „rrh“ geschrieben wird.

[ʀ] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „R“ oder „r“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

    • [ʀ] am betonten Silbenanfang„raten“ – [‚ʀɑ:tən], „Riese“ – [‚ʀi:zə], „retten“ – [‚ʀɛtən], „rechtlich“ – [‚ʀɛçtlɪç], „Rasen“ – [‚ʀɑ:zən]
    • „entrinnen“ – [ˀɛnt’ʀɪnən], „beraten“ – [bə’ʀɑ:tən],
      „berühmt“ – [bə’ʀy:mt], „geraucht“ – [gə’ʀa͜oxt], „geronnen“ – [gə’ʀɔnən]
    • „sprechen“ – [‚ʃpʀɛçən], „prächtig“ – [‚pʀɛçtɪç], „brutal“ – [bʀʊ’tɑ:l],
      „krank“ – [kʀaŋk], „trinken“ – [‚tʀɪŋkən]
    • „betrachten“ – [bə’tʀaxtən], „getragen“ – [gə’tʀɑ:gən], „Vertrag“ – [fɛʁ’tʀɑ:k], „begrüßen“ – [bə’gʀy:sən], „bekriegen“ – [bə’kʀi:gən]
  • [ʀ] am unbetonten Silbenanfang„Lehre“ – [‚le:ʀə], „bohren“ – [‚bo:ʀən], „schwierig“ – [‚ʃvi:ʀɪç], „Uhren“ – [‚ˀu:ʀən], „Nahrung“ – [’nɑ:ʀᴜŋ]
  • „Nachrede“ – [’nɑ:xʀe:də] „anrufen“ – [‚ˀanʀu:fən],
    „Ausrede“ – [‚ˀa͜osʀe:də], „abrollen“ – [‚ˀapʀɔlən], „hinrasen“ – [‚hɪnʀɑ:zən]
  • „Abbruch“ – [‚ˀapbʀʊx], „abtragen“ – [‚ˀaptʀɑ:gən], „hinkrabbeln“ – [‚hɪnkʀabəln], „anprobieren“ – [‚ˀanpʀobi: ʀən], „umgraben“ – [‚ˀʊmgʀɑ:bən]

[ʀ] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „Rh“ oder „rh“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

      • [ʀ] am betonten Silbenanfang„Rheuma“ – [‚ʀɔ͜øma:], „Rhythmus“ – [‚ʀγtmʊs],
        „Rhein“ – [ʀa͜en], „Rhetor“ – [‚ʀe:toʁ], „Rhombus“ – [‚ʀɔmbʊs]

     

  • „rhetorisch“ – [ʀe’to:ʀɪʃ], „Rhabarber“ – [ʀɑ’baʁbəʁ], „Rhapsodie“ – [ʀɑp͜so’di:], „Rhodesien“ – [ʀo’de:zıən], „rheumatisch“ – [ʀɔ͜ø’mɑ:tɪʃ]

[ʀ] wird am Silbenende gesprochen, wenn „r“ oder „rr“ geschrieben wird, und auf einen kurzen betonten Vokal folgt, zum Beispiel in:

  • [ʀ] am Silbenende„Horn“ – [hɔʀn], „Wort“ – [vɔʀt], „Geburt“ – [gə’bᴜʀt],
    „stark“ – [ʃtaʀk], „Arm“ – [aʀm]
  • „Narr“ – [naʀ], „wirr“ – [vɪʀ], „Herr“ – [hɛʀ], „Gewirr“ – [gə’vɪʀ], „Geschirr“ – [gə’ʃɪʀ]
  • „geklirrt“ – [gə’klɪʀt], „verwirrt“ – [fɛʁ’vɪʀt], „gesperrt“ – [gə’ʃpɛʀt],
    „verdorrt“ – [fɛʁ’dɔʀt], „ausgeharrt“ – [‚ˀa͜osgəhaʀt]

[ʀ] wird am Silbenende gesprochen, wenn „rrh“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [ʀ] am Silbenende„Katarrh“ – [kɑ’taʀ]

[ʀ] wird an der Silbengrenze gesprochen, wenn in nichtzusammengesetzten Wörtern „rr“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [ʀ] an der Silbengrenze„knarren“ – [‚knaʀən], „knurren“ – [knʊʀən] ,
    „Pfarrer“ – [‚p͜faʀəʁ], „sperren“ – [‚ʃpɛʀən],
    „störrisch“ – [‚ʃtœʀɪʃ]

[ʀ] wird an der Silbengrenze doppellautend, aber nicht abgesetzt gesprochen, wenn in zusammengesetzten Wörtern „rrr“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [ʀ] an der Silbengrenze doppellautend„Geschirrreiniger“ – [gə’ʃiʀʀa͜enɪgəʁ] ,
    „Sperrriegel“ – [‚ʃpɛʀʀi:gəl]

Artikulation des stimmhaften schwachen Zäpfchen-FließlautsBeim Sprechen des stimmhaften schwachen Zäpfchen-Fließlauts [ʁ] bleiben die Lippen entspannt und der Unterkiefer senkt sich. Die Zungenspitze legt sich an die unteren Schneidezähne und der hintere Zungenrücken wölbt sich hoch. Der Ausatmungsluftstrom fließt durch die Enge zwischen Zungenrücken und Zäpfchen und dann durch den geöffneten Mund. Das Gaumensegel ist gehoben und die Stimmlippen schwingen.

[ʁ] wird gesprochen, wenn „r“ geschrieben wird.[26]

[ʁ] wird am Silbenende gesprochen, wenn „r“ geschrieben wird und auf einen langen Vokal folgt, zum Beispiel in:

  • [ʁ] am Silbenende„leer“ – [le:ʁ], „vor“ – [fo:ʁ], „wir“ – [vi:ʁ], „nur“ – [nu:ʁ], „rar“ – [ʀɑ:ʁ]
  • „des Meers“ – [dɛs ‚me:ʁs], „des Altars“ – [dɛs ˀal’tɑ:ʁs], „des Bärs“ – [dɛs ‚bɛ:ʁs], „des Inventars“ – [dɛs ˀɪnvɛn’tɑ:ʁs] „des Autors“ – [dɛs ˀa͜o’to:ʁs]

[ʁ] wird gesprochen, wenn am Silbenende „r“ geschrieben wird und auf einen kurzen unbetonten Vokal folgt, zum Beispiel in:

  • [ʁ] am Silbenende„versagen“ – [fɛʁ’zɑ:gən], „zerschneiden“ – [t͜sɛʁ’ʃna͜edən], „hervor“ – [hɛʁ’fo:ʀ], „erzeugen“ – [ˀɛʁ’t͜sɔ͜øgən],
    „Versuch“ – [fɛʁ’zu:x]
  • „Vers“ – [fɛʁs], „des Dollars“ – [dɛs ‚dɔlaʁs], „des Motors“ – [dɛs ‚mo:toʁs],
    „des Faktors“ – [dɛs ‚faktoʁs], „des Agitators“ – [dɛs ˀagɪ’tɑ:toʁs]

[ʁ] wird gesprochen, wenn „r“ am Ende einer Silbe geschrieben wird und auf einen schwachtonigen E-Laut – [ə] – folgt, zum Beispiel in:

  • [ʁ] am Silbenende„Vater“ – [‚fɑ:təʁ], „Leber“ – [‚le:bəʁ], „Liter“ – [‚li:təʁ],
    „leider“ – [‚la͜edəʁ], „oder“ – [‚ˀo:dəʁ]
  • „ändern“ – [‚ˀɛndəʁn], „er rudert“ – [ˀe:ʁ ‚ʀu:dəʁt], „des Steckers“ [dɛs ‚ʃtɛkəʁs],
    „du klammerst“ – [du: ‚klaməʁst], „den Mardern“ – [de:n ‚maʀdəʁn]

Artikulation des stimmhaften Zungenspitzen-FließlautsBeim Sprechen des stimmhaften Zungenspitzen-Fließlauts[27] [r] bleiben die Lippen entspannt und der Unterkiefer senkt sich. Die Zunge bleibt locker am Mundboden, nur die Zungenspitze hebt sich an die oberen Schneidezähne. Der Ausatmungsluftstrom lässt die Zungenspitze gegen den harten Gaumen vibrieren und fließt zwischen den Schwingungen aus dem geöffneten Mund. Das Gaumensegel ist gehoben und die Stimmlippen schwingen. Das Zäpfchen bleibt passiv.

[r] wird im Deutschen nur selten gesprochen, vornehmlich von Berufsschauspielern und Kunstsängern sowie in einigen Mundarten.

[r] kann gesprochen werden, wenn „R“, „r“ oder „rr“, „Rh“, „rh“ oder „rrh“ geschrieben wird.

[r] kann am Silbenanfang gesprochen werden, wenn „R“ oder „r“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

    • [r] am betonten Silbenanfang„raten“ – [‚rɑ:tən], „Riese“ – [‚ri:zə], „reisen“ – [‚ra͜ezən],
      „Rot“ – [ro:t], „rau“ – [ra͜o]
    • „entrinnen“ – [ˀɛnt’rɪnən], „geronnen“ – [gə’rɔnən],
      „Beruf“ – [bə’ru:f], „gerade“ – [gə’rɑ:də], „berühmt“ – [bə’ry:mt]
    • „bringen“ – [‚brɪŋən], „trotzig“ – [‚trɔt͜sɪç], „prächtig“ – [‚prɛçtɪç], „Krach“ – [krax], „graben“ – [‚grɑ:bən]
    • „betrügen“ – [bə’try:gən], „getragen“ – [gə’trɑ:gən], „Vertrag“ – [fɛʁ’trɑ:k], „begrüßen“ – [bə’gry:sən], „bekriegen“ – [bə’kri:gən]
  • [r] am unbetonten Silbenanfang„Lehre“ – [‚le:rə], „bohren“ – [‚bo:rən], „schwierig“ – [‚ʃvi:rɪç], „hören“ – [‚hø:rən], „Stare“ – [‚ʃtɑ:rə]
  • „zurufen“ – [‚t͜suru:fən], „anrichten“ – [‚ˀanrɪçtən],
    „Nachrede“ – [’nɑ:xre:də], „abrollen“ – [‚ˀaprɔlən], „hinrasen“ – [‚hɪnrɑ:zən]
  • „abtragen“ – [‚ˀaptrɑ:gən], „Zubringer“ – [‚t͜subrɪŋər], „aufbrechen“ – [‚ˀa͜ofbrɛçən], „ankreuzen“ – [‚ˀankrɔ͜øt͜sən], „hervorkriechen“ – [hɛr’fo:rkri:çən]

[r] kann am Silbenanfang gesprochen werden, wenn „Rh“ oder „rh“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

    • [r] am betonten Silbenanfang„Rheuma“ – [‚rɔ͜ømɑ] , „Rhön“ – [rø:n], „Rhetor“ – [‚re:to:r], „Rhombus“ – [‚rɔmbᴜs], „Rhythmus“ – [‚rγtmʊs]
  • [r] am unbetonten Silbenanfang„linksrheinisch“ – [‚lɪŋksra͜enɪʃ], „rhetorisch“ – [re’to:rɪʃ], „Rhabarber“ – [rɑ’barbər], „Rhapsodie“ – [rɑp͜so’di:], „rheumatisch“ – [rɔ͜ø’mɑ:tɪʃ]

[r] kann am Silbenende gesprochen, wenn „r“ oder „rr“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [r] am Silbenende„leer“ – [le:r], „wir“ – [vi:r], „sehr“ – [ze:r], „klar“ – [klɑ:r], „Schar“ – [ʃɑ:r]
  • „Horn“ – [hɔrn], „stark“ – [ʃtark], „fort“ – [fɔrt], „Burg“ – [bʊrk], „Wirt“ – [vɪrt]
  • „Wert“ – [ve:rt], „Herd“ – [he:rt], „verklärt“ – [fɛr’klɛ:rt], „gebohrt“ – [gə’bo:rt], „gepaart“ – [gə’pɑ:rt]
  • „Narr“ – [nar], „wirr“ – [vɪr], „bizarr“ – [bi’t͜sar], „Herr“ – [hɛr], „Geschirr“ – [gə’ʃɪr]
  • „geklirrt“ – [gə’klɪrt], „versperrt“ – [fɛr’ʃpɛrt], „erstarrt“ – [ˀɛr’ʃtart],
    „gedörrt“ – [gə’dœrt], verirrt“ – [fɛr’ˀɪrt]

[r] kann am Silbenende gesprochen werden, wenn „rrh“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [r] am Silbenende„Katarrh“ – [kɑ’tar]

[r] kann an der Silbengrenze gesprochen werden, wenn in nichtzusammengesetzten Wörtern „rr“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [r] an der Silbengrenze„sperren“ – [‚ʃpɛrən], „störrisch“ – [‚ʃtœrɪʃ],
    „Narren“ – [’narən], „herrisch“ – [‚hɛrɪʃ], „skurril“ – [sku’ri:l]

[r] kann an der Silbengrenze doppellautend, aber nicht abgesetzt gesprochen werden, wenn in zusammengesetzten Wörtern oder in Wörtern mit Vorsilbe „rr“ oder „rrr“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [r] an der Silbengrenze doppellautend„verraten“ – [fɛr’rɑ:tən], „Vorrichtung“ – [‚fo:rrɪçtᴜŋ], „Abenteuerroman“ – [‚ɑ:bəntɔ͜øərro’mɑ:n], „darreichen“ – [‚dɑ:rra͜eçən], „erregen“ – [ˀɛr’re:gən]
  • „Sperrriegel“ – [‚ʃpɛrri:gəl], „Geschrrreiniger“ – [gə’ʃɪrra͜enɪgər],
    „Sperrrad“ – [‚ʃpɛrrɑ:t]

Nasenlaute

Die Konsonantengruppe der Nasenlaute[28] besteht aus den Lauten [m], [n] und [ŋ].

Beim Sprechen der Nasenlaute strömt die Ausatmungsluft nicht durch den Mund, sondern bei gesenktem Gaumensegel durch die Nase. Alle Nasenlaute werden stimmhaft gesprochen.

Artikulation des stimmhaften Lippen-NasenlautsBeim Sprechen des stimmhaften Lippen-Nasen­lauts[29] [m] liegen die Lippen leicht aufeinander und der Unterkiefer bleibt passiv. Die Zungenspitze ist unbeteiligt, die Zunge liegt entspannt am Mund­boden. Das Gaumensegel senkt sich und öffnet dem Ausatmungsluftstrom den Weg durch den Nasenraum. Das Zäpfchen bleibt passiv und die Stimmlippen schwingen.

[m] wird gesprochen, wenn „M“, „m“ oder „mm“ geschrieben wird.

[m] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „M“ oder „m“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

    • [m] am betonten Silbenanfang„Meter“ – [‚me:təʁ], „meinen“ – [‚ma͜enən], „Mann“ – [man], „Most“ – [mɔst], „Milch“ – [mɪlç]
    • „bemalen“ – [bə’mɑ:lən], „vermutlich“ – [fɛʁ’mu:tlɪç],
      „Gemüt“ – [gə’my:t], „entmündigen“ – [ˀɛnt’mγndɪgən],
      „entmachten“ – [ˀɛnt’maxtən]
  • [m] am unbetonten Silbenanfang„Dame“ – [‚dɑ:mə], „Samen“ – [‚zɑ:mən], „Blume“ – [‚blu:mə], „Eimer“ – [‚ˀa͜eməʁ], „niemand“ – [’ni:mant]
  • „demotiviert“ – [‚de:mɔtɪvi:ʁt], „Freimaurer“ – [‚fʀa͜ema͜oʀəʁ], „aufmuntern“ – [‚ˀa͜ofmʊntəʁn], „abmontieren“ – [‚ˀapmɔnti:ʀən],
    „nachmachen“ – [’nɑ:xmaxən]

[m] wird am Silbenende gesprochen, wenn „m“ oder „mm“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [m] am Silbenende„Reim“ – [ʀa͜em], „lahm“ – [lɑ:m], „Sturm“ – [ʃtʊʀm],
    „zum“ – [t͜sʊm], „Dom“ – [do:m]
  • „Samt“ – [zamt], „Amt“ – [ˀamt], „Pump“ – [pʊmp], „gezäumt“ – [gə’t͜sɔ͜ømt]
    „Zimt“ – [t͜sɪmt]
  • „ihr kamt“ – [ˀi:ʁ ‚kɑ:mt], „berühmt“ – [bə’ʀy:mt], „verschämt“ – [fɛʁ’ʃɛ:mt],
    „geträumt“ – [gə’tʀɔ͜ømt], „es keimt“ – [ˀɛs ‚ka͜emt]
  • „beschirmt“ – [bə’ʃɪʀmt], „gewärmt“ – [gə’vɛʀmt], behelmt“ – [bə’hɛlmt],
    „sie filmt“ – [zi: ‚fɪlmt], „verformt“ – [fɛʁ’fɔʀmt]
  • „Damm“ – [dam], „stumm“ – [ʃtʊm], „es glomm“ – [ˀɛs ‚glɔm], „Kamm“ – [kam], „fromm“ – [fʀɔm]
  • „stimmt“ – [ʃtɪmt], „du kommst“ – [du: ‚kɔmst], „sie rammt“ – [zi: ‚ʀamt],
    „es summt“ – [ˀɛs ‚zʊmt], „er nimmt“ – [ˀe:ʁ ’nɪmt]

[m] wird an der Silbengrenze gesprochen, wenn in nichtzusammengesetzten Wörtern „mm“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [m] an der Silbengrenze„zusammen“ – [t͜su’zamən] , „schwimmen“ – [‚ʃvɪmən], „Hammer“ – [‚haməʁ], „Kummer“ – [‚kʊməʁ],
    „sammeln“ – [‚zaməln],

[m] wird an der Silbengrenze doppellautend, aber nicht abgesetzt gesprochen, wenn in zusammengesetzten Wörtern „mm“ oder „mmm“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [m] an der Silbengrenze doppellautend„ummantelt“ – [ˀʊm’mantəlt], „ummauern“ – [ʊm’ma͜oəʁn], „Atommacht“ – [ˀa’to:mmaxt], „Strommarkt“ – [‚ʃtʀo:mmaʀkt], „Heimmannschaft“ –[‚ha͜emmanʃaft]
  • „Klemmmappe“ – [‚klɛmmapə], „Programmmacher“ – [pʀo’gʀammaxəʁ], „Kammmuschel“ – [‚kammʊʃəl], „Schlammmasse“ – [‚ʃlammasə],
    „Programmmodul“ – [pʀo’grammo’du:l]

Artikulation des stimmhaften Zahn-NasenlautsBeim Sprechen des stimmhaften Zahn-Nasenlauts[30] [n] bleiben die Lippen entspannt. Der Unterkiefer senkt sich kaum und der Mund öffnet sich leicht. Die Zunge liegt locker am Mundboden, nur die Zungenspitze drückt sich fest an den harten Gaumen hinter den oberen Schneidezähnen. Das Gaumensegel senkt sich und öffnet dem Ausatmungsluftstrom den Weg durch den Nasenraum. Die Stimmlippen schwingen und das Zäpfchen bleibt passiv.

[n] wird gesprochen, wenn „N“, „n“ oder „nn“ geschrieben wird.

[n] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „N“ oder „n“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

    • [n] am betonten Silbenanfang„Nase“ – [’nɑ:zə], „Not“ – [no:t], „nicht“ – [nɪçt], „nur“ – [nu:ʁ], „nehmen“ – [’ne:mən]
    • „benehmen“ – [bə’ne:mən], „genau“ – [gə’na͜o],
      „Vernunft“ – [fɛʁ’nʊnft], „vernetzen“ – [fɛʁ’nɛt͜sən], „benebelt“ – [bə’ne:bəlt]
    • „Pneu“ – [pnɔ͜ø]
  • [n] am unbetonten Silbenanfang„Zone“ – [‚t͜so:nə], Planung“ – [‚plɑ:nʊŋ], „Sterne“ – [‚ʃtɛʀnə], „keiner“ – [‚ka͜enəʁ], „Jena“ – [‚je:nɑ:]
  • „Ausnahme“ – [‚ˀa͜osnɑ:mə], „Aufnahme“ – [‚ˀa͜ofnɑ:mə], „abnutzen“ – [‚ˀapnʊt͜sən], „Nachname“ – [’nɑ:xnɑ:mə], „abnehmen“ – [‚ˀapne:mən]
  • „pneumatisch“ – [pnɔ͜ø’mɑ:tɪʃ]
  • „Apnoe“ – [‚ˀɑpno:ə]

[n] wird am Silbenende gesprochen, wenn „n“ oder „nn“ geschrieben wird und kein „g“ oder „k“ folgt, zum Beispiel in:

  • [n] am Silbenende„Bein“ – [ba͜en], „wen“ – [ve:n], „Grün“ – [gʀy:n], „Plan“ – [plɑ:n], „ihn“ – [i:n]
    • Aber nicht in „Beton“ – [be’tɔŋ]
  • „bunt“ – [bʊnt], „Rand“ – [ʀant], „Zins“ – [t͜sɪns], „Horizont“ – [hoʀi’t͜sɔnt], „morgens“ – [‚mɔʀgəns]
  • „er weint“ – [ˀe:ʁ ‚va͜ent], „gesehnt“ – [gə’ze:nt], „des Plans“ – [dɛs ‚plɑ:ns],
    „des Mikrofons“ – [dɛs mɪkʀo’fo:ns], „Mond“ – [mo:nt]
  • „entkernt“ – [ˀɛnt’kɛʀnt], „gespornt“ – [gə’ʃpɔʀnt], „entfernt“ – [ˀɛnt’fɛʀnt],
    „sie tarnt“ – [zi: ‚taʀnt], „er lernt“ . [ˀe:ʁ ‚lɛʀnt]
  • „Mann“ – [man], „denn“ – [dɛn], „Gewinn“ – [gə’vɪn], „Spann“ – [ʃpan], „Sinn“ – [zɪn]
  • „du kannst“ – [du: ‚kanst], „ihr könnt“ – [ˀi:ʁ ‚kœnt], „er rennt“ – [ˀe:ʁ ‚ʀɛnt],
    „es brennt“ [ˀɛs ‚bʀɛnt], „sie spinnt“ – [zi: ‚ʃpɪnt]

[n] wird an der Silbengrenze gesprochen, wenn in nichtzusammengesetzten Wörtern „nn“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [n] an der Silbengrenze„Sonne“ – [‚zɔnə], „nennen“ – [’nɛnən], „rinnen“ – [‚ʀɪnən], „Kanne“ – [‚kanə], „Tunnel“ – [‚tʊnəl]

[n] wird an der Silbengrenze doppellautend, aber nicht abgesetzt gesprochen, wenn in zusammengesetzten Wörtern „nn“ oder „nnn“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [n] an der Silbengrenze doppellautend„unnötig“ – [‚ˀʊnnø:tɪç], „annehmen“ – [‚ˀanne:mən], „Kornnatter“ [‚kɔʀnnatəʁ], „Spinnennetz“ – [‚ʃpɪnənnɛt͜s], „Hakennase“ – [‚hɑ:kənnɑ:zə]
  • „Brennnessel“ – [‚bʀɛnnɛsəl], „Kennnummer“ – [‚kɛnnʊməʁ],
    „Gewinnnummer“ – [gə’vɪnnʊməʁ]

Artikulation des stimmhaften Hintergaumen-NasenlautsBeim Sprechen des stimmhaften Hintergaumen-Nasenlauts[31] [ŋ] bleiben die Lippen entspannt. Der Unterkiefer senkt sich und der Mund öffnet sich etwa fingerbreit. Während die Zungenspitze entspannt bleibt, legt sich der hintere Zungenrücken an den weichen Gaumen. Das Gaumensegel senkt sich und öffnet dem Ausatmungsluftstrom den Weg durch den Nasenraum. Die Stimmlippen schwingen und das Zäpfchen bleibt passiv.

[ŋ] wird gesprochen, wenn „ng“ oder „n“ geschrieben wird.

[ŋ] wird am Silbenende gesprochen, wenn „ng“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [ŋ] am Silbenende„Gesang“ – [gə’zaŋ], „Jüngling“ – [‚jγŋlɪŋ], „Ring“ – [ʀɪŋ], „Bedeutung“ – [bə’dɔ͜øtʊŋ], „lang“ – [laŋ]
  • „längst“ – [lɛŋst], „Angst“ – [ˀaŋst], „beschwingt“ – [bə’ʃvɪŋt], „er fängt“ – [ˀe:ʁ ‚fɛŋt], „es klingt“ – [ˀɛs ‚klɪŋt]

[ŋ] wird manchmal am Silbenende gesprochen, wenn „n“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [ŋ] am Silbenende„Beton“ – [bɛ’tɔŋ], „Balkon“ – [bal’kɔŋ], „Salon“ – [zɑ’lɔŋ]

[ŋ] wird am Silbenende gesprochen, wenn auf „n“ folgend „k“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [ŋ] am Silbenende„Bank“ – [baŋk], „Geschenk“ – [gə’ʃɛŋk], „flink“ – [flɪŋk], „krank“ – [kʀaŋk], „Schrank“ – [ʃʀaŋk]
  • „er schenkt“ – [ˀe:ʁ ‚ʃɛŋkt], „du lenkst“ – [du: ‚lɛŋkst], „ihr denkt“ [ˀi:ʁ ‚dɛŋkt], „sie versinkt“ – [zi: fɛʁ’zɪŋkt], „es stinkt“ – [ˀɛs ‚ʃtɪŋkt]

[ŋ] wird an der Silbengrenze gesprochen, wenn auf „n“ folgend „g“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [ŋ] an der Silbengrenze„lange“ – [‚laŋə], „Menge“ – [‚mɛŋə], „drängen“ – [‚dʀɛŋən], „klingeln“ – [‚klɪŋəln], „düngen“ – [‚dγŋən]

[ŋ] wird manchmal an der Silbengrenze mit nachfolgendem [g] gesprochen, wenn auf „n“ folgend „g“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [ŋ] an der Silbengrenze„Singular“ – [‚zɪŋgʊlɑ:ʁ] , „Tangente“ – [taŋ’gɛntə],
    „lingual“ – [lɪŋgʊ’ɑ:l], „Mongole“ – [mɔŋ’go:lə],
    „Bungalow“ – [‚bʊŋgalo:]

[ŋ] wird an der Silbengrenze gesprochen, wenn auf „n“ folgend „k“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [ŋ] an der Silbengrenze„lenken“ – [‚lɛŋkən], „Onkel“ – [‚ˀɔŋkəl], „Bankett“ – [baŋ’kɛt], „Schinken“ – [‚ʃɪŋkən], „Pranke“ – [‚pʀaŋkə]

Reibelaute

Die Konsonantengruppe der Reibelaute[32] besteht aus den Lauten [f], [v], [x] und [h] sowie aus der Konsonantengruppe der Zischlaute.

Beim Sprechen der Reibelaute bilden die Artikulationsorgane eine Enge, die den Ausatmungsluftstrom verwirbelt, wobei ein Reibegeräusch entsteht. Bei den stimmhaften Reibelauten schwingen die Stimmlippen, bei den stimmlosen Reibelauten sind die Stimmlippen geöffnet.

Artikulation des stimmlosen Lippenzahn-ReibelautsBeim Sprechen des stimmlosen Lippenzahn-Reibelauts[33] [f] schließt sich der Unterkiefer an den Oberkiefer und der Mund öffnet sich spaltbreit. Die Unterlippe legt sich sanft an die oberen Schneidezähne, wodurch der Ausatmungsluftstrom gehemmt wird. Der Zungenrücken bleibt entspannt, die Zungenspitze legt sich an die unteren Schneidezähne. Das Gaumensegel ist gehoben und die Stimmlippen sind geöffnet. Das Zäpfchen bleibt passiv.

Die Stellung der Artikulation ist die gleiche wie beim stimmhaften Lippenzahn-Reibelaut [v]. Mit vorangehendem [p] verschmilzt [f] zum Verschluss-Reibelaut [p͜f].

[f] wird gesprochen, wenn „F“, „f“ oder „ff“, „V“ oder „v“, „Ph“ oder „ph“ geschrieben wird.

[f] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „F“ oder „f“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

    • [f] am betonten Silbenanfang„Feige“ – [‚fa͜egə], „Farbe“ – [‚faʀbə], „fürchten“ – [‚fγʀçtən], „Fehler“ – [‚fe:ləʁ], „Fisch“ – [fɪʃ]
    • „Befehl“ – [bə’fe:l] , „Gefahr“ – [gə’fɑ:ʁ], „Gefühl“ – [gə’fy:l], „Verfahren“ – [fɛʁ’fɑ:ʀən], „entfachen“ – [ˀɛnt’faxən]
    • „flach“ – [flax], „frieren“ – [‚fʀi:ʀən], „frei“ – [fʀa͜e], „frisch“ – [fʀɪʃ], „flugs“ – [flʊk͜s]
    • „befreien“ – [bə’fʀa͜eən], „gefressen“ – [gə’fʀɛsən], „befriedigt“ – [bə’fʀi:dɪçt], „befrachtet“ – [bə’fʀaxtət], „befruchten“ – [bə’fʀʊxtən]
  • [f] am unbetonten Silbenanfang„schlafen“ – [‚ʃlɑ:fən], „Schäfer“ – [‚ʃɛ:fəʁ], „Strafe“ – [‚ʃtʀɑ:fə], „laufen“ – [‚la͜ofən], „Gräfin“ – [‚gʀɛ:fɪn]
  • „nachfassen“ – [’nɑ:xfasən], „abfangen“ – [‚ˀapfaŋən], „herführen“ – [‚he:ʁfy:ʀən], „vorbeifahren“ – [fɔʀ’ba͜efɑ:ʀən],
    „herausfischen“ – [hɛ’ʀa͜osfɪʃən]
  • „Safran“ – [‚zafʀɑ:n], „Inflation“ – [ɪnflɑ’t͜sıo:n], „Afrika“ – [‚ˀɑ:fʀɪkɑ],
    „Fragment“ – [fʀak’mɛnt], „frappant“ – [fʀɑ’pant]
  • „Einfluss“ – [‚ˀa͜enflʊs], „Anflug“ – [‚ˀanflu:k], „abfragen“ – [‚ˀapfʀɑ:gən],
    „abfliegen“ – [‚ˀapfli:gən], „Nachfrist“ – [’nɑ:xfʀɪst]

[f] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „V“ oder „v“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

    • [f] am betonten Silbenanfang„Vater“- [‚fɑ:təʁ], „voll“ – [fɔl], „vier“ – [fi:ʁ], „vor“ – [fo:ʁ], „Vieh“ – [fi:]
    • „bevor“ – [bə’fo:ʁ], „entvölkert“ – [‚ɛnt’fœlkəʁt], „hervorragend“ – [hɛʁ’fo:ʁʀɑ:gənt], „übervorteilen“ – [ˀy:bəʁ’fɔʀta͜elən],
      „geviertelt“ – [gə’fɪʀtəlt]
    • „Vlies“ – [fli:s]
  • [f] am unbetonten Silbenanfang„Larve“ – [‚laʀfə], „Eva“ – [‚ˀe:fɑ:], „Nerven“ – [’nɛʁfən], „vernehmen“ – [fɛʁ’ne:mən], „vertrauen“ – [fɛʁ’tʀa͜oən]
  • „Zuversicht“ – [‚t͜sufɛʁzɪçt], „anvertrauen“ – [‚ˀanfɛʁtʀa͜oən], „missvergnügt“ – [‚mɪsfɛʁgny:kt], „abverlangen“ – [‚apfɛʁlaŋən],
    „unvorsichtig“ – [ˀʊnfo:ʁzɪçtɪç]

[f] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „Ph“ oder „ph“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

    • [f] am betonten Silbenanfang„Phase“ – [‚fɑ:zə], „Amphore“ – [am’fo:ʀə],
      „Amphibie“ – [am’fi:bıə], „Sarkophag“ – [zaʀko’fɑ:k], „frankophil“ – [fʀaŋko’fi:l]
    • „Sphäre“ – [’sfɛ:ʀə], „Sphinx“ – [sfiŋk͜s]
    • „Phrase“ – [‚fʀɑ:zə], „Phlegma“ – [‚flɛgma:], „Pamphlet“ – [pam’fle:t],
      „schizophren“ – [ʃɪt͜so’fʀe:n], „Diaphragma“ – [dɪɑ’fʀagmɑ]
  • [f] am unbetonten Silbenanfang„Physik“ – [fy’zi:k], „Katastrophe“ – [kɑta’stʀo:fə], „philosophisch“ – [filo’zo:fɪʃ], „Phonetik“ – [fo’ne:tɪk], „Pharmazie“ – [faʁmɑ’t͜si:]

[f] wird am Silbenende gesprochen, wenn „f“ oder „ff“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [f] am Silbenende„Schaf“ – [ʃɑ:f], „Beruf“ – [bə’ʀu:f], „Schilf“ – [ʃɪlf], „Dorf“ – [dɔʀf], „auf“ – [a͜of]
  • „Lift“ – [lɪft], „Luft“ – [lʊft], „Schrift“ – [ʃʀɪft], „Haft“ – [haft], „Mannschaft“ – [‚manʃaft]
  • „des Briefs“ – [dɛs ‚bʀi:fs] „er schläft“ – [ˀe:ʁ ‚ʃlɛ:ft], „bestraft“ – [bə’ʃtʀɑ:ft], du rufst“ – [du: ʀu:fst], „gereift“ – [gəʀa͜eft]
  • „des Torfs“ – [dɛs ‚tɔʀfs], „geschürft“ – [gə’ʃγʀft], „sie wirft“ – [zi: ‚vɪʀft], „er hilft“ – [e:ʁ ‚hɪlft], „zu zwölft“ – [t͜su ‚t͜svœlft]
  • „schlaff“ – [ʃlaf], „Griff“ – [gʀɪf], „Stoff“ – [ʃtɔf], „Auspuff“ – [‚ˀa͜ospʊf], „Schiff“ – [ʃɪf]
  • „geschafft“ – [gə’ʃaft], „betrifft“ – [bə’tʀɪft], „es klafft“ – [ˀɛs ‚klaft], „gestrafft“ – [gə’ʃtʀaft], „du hoffst“ – [du: ‚hɔfst]

[f] wird am Silbenende gesprochen, wenn „v“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [f] am Silbenende„Nerv“ – [nɛʀf], „aktiv“ – [ˀak’ti:f], „brav“ – [bʀɑ:f],
    „Stativ“ – [ʃtɑ’ti:f], „Oktav“ – [ˀɔk’tɑ:f]
  • „des Archivs“ – [dɛs ˀaʀ’çi:fs], „versklavt“ – [fɛʁ’sklɑ:ft], „des Motivs“ [dɛs mo’ti:fs], „des Genitivs“ – [dɛs ‚ge:nɪti:fs], „gehievt“ – [gə’hi:ft]
  • „genervt“ – [gə’nɛʀft], „entlarvt“ – [ˀɛnt’laʀft] „du kurvst“ – [du: ‚kʊʀfst]

[f] wird am Silbenende gesprochen, wenn „ph“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [f] am Silbenende„Triumph“ – [triʊmf], „Seraph“ – [‚ze:ʀaf], „Ralph“ – [ʀalf], „Philosoph“ – [filo’zo:f], „amorph“ – [ˀɑ’mɔʀf]
  • „Christophs“ – [‚kʀɪstɔfs]
  • „des Apostrophs“ – [dɛs ˀapo’stʀo:fs]
  • „des Triumphs“ – [dɛs tʀi’ʊmfs], „Ralphs“ – [ʀalfs]

[f] wird an der Silbengrenze gesprochen, wenn in nichtzusammengesetzten Wörtern „ff“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [f] an der Silbengrenze„Neffe“ – [’nɛfə], „schaffen“ – [‚ʃafən], „treffen“ – [‚tʀɛfən], „Effekt“ – [ˀe’fɛkt], „Ziffer“ – [‚t͜sɪfəʁ]

[f] wird an der Silbengrenze doppellautend, aber nicht abgesetzt gesprochen, wenn in zusammengesetzten Wörtern“ff“ oder „fff“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [f] an der Silbengrenze doppellautend„auffordern“ – [‚ˀa͜offɔʀdəʁn], „auffangen“ – [‚ˀa͜offaŋən], „lauffähig“ – [‚la͜offɛɪç], „fünffach“ – [‚fγnffax],
    „hinaufführen“ – [hɪ’na͜offy:ʀən]
  • „Schifffahrt“ – [‚ʃɪffɑ:ʁt], „Stofffetzen“ – [‚ʃtɔffɛt͜sən], „grifffest“ – [‚gʀɪffɛst], „Stofffarbe“ – [‚ʃtɔffaʀbə], „Baustofffirma“ – [‚ba͜oʃtɔffɪʀmɑ]

[f] wird an der Silbengrenze doppellautend, aber nicht abgesetzt gesprochen, wenn in zusammengesetzten Wörtern“vv“ geschrieben wird und das zweite „v“ als [f] zu sprechen ist, zum Beispiel in:

  • [f] an der Silbengrenze doppellautend„Alternativvorschlag“ – [ˀaltəʁna’ti:ffo:ʁʃlɑ:k],
    „Exklusivvertrag“ – [ˀɛk͜sklu’zi:ffɛʁtʀɑ:k],
    „Effektivverzinsung“ – [ˀɛfɛk’ti:ffɛʁt͜sɪnzʊŋ],
    „Produktivvermögen“ – [pʀodʊk’ti:ffɛʁmøgən]

[f] wird an der Silbengrenze doppellautend, aber nicht abgesetzt gesprochen, wenn in zusammengesetzten Wörtern an der inneren Wortgrenze „fv“ geschrieben wird und „v“ als [f] zu sprechen ist, zum Beispiel in:

  • [f] an der Silbengrenze doppellautend„Strafverfolgung“ – [‚ʃtʀɑ:ffɛʁfɔlgᴜŋ], „Dorfvettel“ – [‚dɔʀffɛtəl], „Schafvlies“ – [‚ʃɑ:ffli:s], „Laufvogel“ – [‚la͜offo:gəl], „Hanfverkauf“ – [‚hanffɛʁka͜of]

Artikulation des stimmhaften Lippenzahn-ReibelautsBeim Sprechen des stimmhaften Lippenzahn-Reibelauts [v] schließt sich der Unterkiefer an den Oberkiefer und der Mund öffnet sich spaltbreit. Die Unterlippe legt sich sanft an die oberen Schneidezähne, wodurch der Ausatmungsluftstrom gehemmt wird. Der Zungenrücken bleibt entspannt, die Zungenspitze legt sich an die unteren Schneidezähne. Das Gaumensegel ist gehoben und die Stimmlippen schwingen. Das Zäpfchen bleibt passiv.

Die Stellung der Artikulation ist die gleiche wie beim stimmlosen Lippenzahn-Reibelaut [f]. Mit vorangehendem [k] verschmilzt [v] zum Verschluss-Reibelaut [k͜v].

[v] wird gesprochen, wenn „W“ oder„w“, „V“ oder „v“ geschrieben wird.

[v] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „W“ oder „w“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

    • [v] am betonten Silbenanfang„waschen“ – [‚vaʃən], „Wille“ – [‚vɪlə], „Lawine“ – [la’vi:nə], „Wort“ – [vɔʀt], „Wert“ – [ve:ʁt]
    • „bewegen“ – [bə’ve:gən], „gewesen“ – [gə’ve:zən], „gewagt“ – [gə’vɑ:kt], „bewusst“ – [bə’vʊst], „erweisen“ – [ˀɛʁ’va͜ezən]
    • „schwer“ – [ʃve:ʁ], „Schwarz“ – [ʃvaʀt͜s], „Zwang“ – [t͜svaŋ], „zwischen“ – [‚t͜svɪʃən], „zwölf“ – [t͜svœlf]
    • „beschwören“ – [bə’ʃvø:ʀən], „gezwungen“ – [gə’t͜svʊŋən],
      „dazwischen“ – [da’t͜svɪʃən], „erschweren“ – [ˀɛʁ’ʃve:ʀən],
      „verschwinden“ – [fɛʁ’ʃvɪndən]
    • „wringen“ – [‚vʀɪŋən], „Wrack“ – [vʀak], „Wladimir“ – [vla’di:mi:ʁ]
    • „gewrungen“ – [gə’vʀʊŋən]
  • [v] am unbetonten Silbenanfang„Löwe“ – [‚lø:və], „Slawe“ – [’slɑ:və], „Witwer“ – [‚vɪtvəʁ], „etwa“ – [‚ˀɛtvɑ:], „Ingwer“ – [‚ˀɪŋv’əʁ]
  • „abwägen“ – [‚ˀapvɛ:gən], „Umweg“ – [‚ˀʊmve:k], „aufwischen“ – [‚ˀa͜ofwɪʃən], „rückwärts“ – [‚ʀγkvɛʀt͜s], „vorwiegend“ – [‚fo:ʁvi:gənt]
  • „Abschwung“ – [‚ˀapʃvʊŋ], „anzweifeln“ – [‚ˀant͜sva͜efəln],
    „aufschwingen“ – [‚ˀa͜ofʃvɪŋən], „hindurchzwängen“ – [hɪn’dʊʀçt͜svɛŋən], „wegschwimmen“ – [‚vɛkʃvɪmən]
  • „auswringen“ – [‚ˀa͜osvʀɪŋən], „abwracken“ – [‚ˀapvʀakən],
    „aufzwingen“ – [‚ˀa͜oft͜svɪŋən], „ungezwungen“ – [‚ˀʊngət͜svʊŋən],
    „Selbstzweck“ – [‚zɛlp͜stt͜svɛk]

[v] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „V“ oder „v“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

    • [v] am betonten Silbenanfang„Vase“ – [‚vɑ:zə], „Votum“ – [‚vo:tʊm], „Villa“ – [‚vɪlɑ:], „Vakuum“ – [‚vɑkuʊm], „Klavier“ [kla’vi:ʁ]
  • „Sven“ – [svɛn], „Svenja“ – [’svɛnjɑ]
  • [v] am unbetonten Silbenanfang„Pulver“ – [‚pʊlvəʁ], „Kurve“ – [‚kʊʀvə], „Ventil“ – [vɛn’ti:l], „venös“ – [ve’nø:s], „Vulkan“ – [vʊl’kɑ:n]
  • „anvisieren“ – [‚ˀanvɪzi:ʀən]

Artikulation des stimmlosen Hintergaumen-ReibelautsBeim Sprechen des stimmlosen Hintergaumen-Reibelauts[34] [x ] bleiben die Lippen entspannt und der Unterkiefer bleibt unbeteiligt. Der Mund öffnet sich. Die Zungenspitze liegt an den unteren Schneidezähnen und der hintere Zungenrücken wölbt sich zum weichen Gaumen, wodurch der Ausatmungsluftstrom gehemmt wird. Das Gaumensegel ist gehoben und die Stimmlippen sind geöffnet. Das Zäpfchen bleibt passiv.

[x] wird gesprochen, wenn „ch“ geschrieben wird.

[x] wird am Silbenanfang nach dunklem Vokal[35] oder A-Laut gesprochen, wenn „ch“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [x] am unbetonten Silbenanfang„suchen“ – [‚zu:xən], „Versuche“ – [fɛʁ’zu:xə], „Kuchen“ – [‚ku:xən], „buchen“ – [‚bu:xən], „Wucher“ – [‚vu:xəʁ]
  • „Woche“ – [‚vɔxə], „gesprochen“ – [gə’pʃʀɔxən], „kochen“ – [‚kɔxən],
    „gebrochen“ – [gə’bʀɔxən], „Zahnstocher“ – [‚t͜sɑ:nʃtɔxəʁ]
  • „Taucher“ – [‚ta͜oxəʁ], „brauchen“ – [‚bʀa͜oxən], „hauchen“ – [‚ha͜oxən],
    „Jauche“ – [‚ja͜oxə], „verstauchen“ – [fɛʁ’ʃta͜oxən]
  • „Sprache“ – [‚ʃpʀɑ:xə], „sie stachen“ – [zi: ‚ʃtɑ:xən], „Lache“ – [‚lɑ:xə],
    „Brache“ – [‚bʀɑ:xə], „Almanache“ – [‚ˀalmanɑ:xə]
  • „lachen“ – [‚laxən], „Sache“ – [‚zaxə], „machen“ – [‚maxən], „Rache“ – [‚ʀaxə], „wachen“ – [‚vaxən]

[x] wird am Silbenende nach dunklem Vokal oder A-Laut gesprochen, wenn „ch“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Tuch“ – [tu:x], „Buch“ – [bu:x], „Fluch“ – [flu:x], „Gesuch“ – [gə’zu:x], „Besuch“ – [bə’zu:x]
  • „Bruch“ – [bʀʊx], „Anspruch“ – [‚ˀanʃpʀʊx], „Geruch“ – [gə’ʀʊx], „wuchtig“ – [‚vʊxtɪç], „juchzen“ – [‚jʊxt͜sən]
  • „hoch“ – [ho:x]
  • „noch“ – [nɔx], „Koch“ – [kɔx], „Loch“ – [lɔx], „Joch“ – [jɔx], „jedoch“ – [je:’dɔx]
  • „auch“ – [a͜ox], „Brauch“ – [bʀa͜ox], „Schlauch“ – [ʃla͜ox], „Lauch“ – [la͜ox], „Bauch“ – [ba͜ox]
  • „nach“ – [nɑ:x], „Schmach“ – [ʃmɑ:x], „sie brach“ – [zi: ‚bʀɑ:x],
    „er sprach“ – [e:ʁ ‚ʃpʀɑ:x], „Gemach“ – [gə’mɑ:x]
  • „Dach“ – [dax], „Krach“ – [kʀax], „einfach“ – [‚ˀa͜enfax], „Bach“ – [bax], „Fach“ – [fax]
  • „Zucht“ – [t͜sʊxt] „Flucht“ – [flʊxt], „Sucht“ [zʊxt], „Schlucht – [ʃlʊxt], „Bucht“ – [bʊxt]
    • Aber nicht in „Fuchs“ – [fʊk͜s]
  • „du kochst“ – [du: ‚kɔxst], „ihr krocht“ – [ˀi:ʁ ‚kʀɔxt], „gelocht“ – [gə’lɔxt],
    „Docht“ – [dɔxt], „sie pocht“ – [zi: ‚pɔxt]
  • „Verdacht“ – [fɛʁ’daxt], „Schacht“ – [ʃaxt], „bewacht“ – [bə’vaxt], „Fracht“ – [fʀaxt], „Macht“ – [maxt]
    • Aber nicht in „Flachs“ – [flak͜s] und „Dachs“ – [dak͜s]
  • „er flucht“ – [ˀe:ʁ ‚flu:xt], „du suchst“ – [du: ‚zu:xst], „sie bucht“ – [zi: ‚bu:xt], „verrucht“ – [fɛʁ’ʀu:xt], „betucht“ – [bə’tu:xt]
  • „er malocht“ – [ˀe:ʁ ma’lo:xt]
  • „gebraucht“ – [gə’bʀa͜oxt], „sie raucht“ – [zi: ‚ʀa͜oxt], „du jauchzst“ – [du: ‚ja͜oxt͜sst], „es schmaucht“ – [ˀɛs ‚ʃma͜oxt], „des Verbrauchs“ – [dɛs fɛʁ’bʀa͜oxs]

Artikulation des stimmlosen Stimmlippen-ReibelautsBeim Sprechen des stimmlosen Stimmlippen-Reibelauts[36] [h] bleiben die Lippen entspannt und der Unterkiefer senkt sich leicht. Zunge und Zungenspitze liegen locker am Mundboden. Die Stimmlippen legen sich eng aneinander und bilden einen Spalt[37], wodurch der Ausatmungsluftstrom leicht gehemmt wird, der dann durch den spaltbreit geöffneten Mund entweicht. Das Gaumensegel ist gehoben und das Zäpfchen bleibt passiv.

[h] wird gesprochen, wenn „H“ oder „h“ geschrieben wird.

[h] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „h“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

    • [h] am betonten Silbenanfang„hier“ – [hi:ʁ], „behalten“ – [bə’haltən], „Hut“ – [hu:t], „erhitzen“ – [ˀɛʁ’hɪt͜sən], „heilen“ – [‚ha͜elən]
    • „behüten“ – [bə’hy:tən], „gehalten“ – [gə’haltən], „überholt“ – [ˀy:bəʁ’ho:lt], „erheben“ – [ˀɛʁ’he:bən], „er erhielt“ – [ˀe:ʁ ˀɛʁhi:lt]
  • [h] am unbetonten Silbenanfang„Ahorn“ – [‚ˀɑ:hɔʀn], „Uhu“ – [‚ˀu:hu:], „Oheim“ – [‚ˀo:ha͜em]
    • Aber nicht in „Ehe“ – [‚ˀe:ə] und „eher“ – [‚ˀe:əʁ]
  • „Freiheit“ – [‚fʀa͜eha͜et], „Gesundheit“ – [gə’zʊntha͜et], „Mehrheit“ – [‚me:ʁha͜et], „Sicherheit“ – [‚zɪçəʁha͜et],
    „Gelegenheit“ – [gə’le:gənha͜et]
  • „habhaft“ – [‚hɑ:phaft], „schadhaft“ – [‚ʃɑ:thaft], „glaubhaft“ – [‚gla͜ophaft], „dauerhaft“ – [‚da͜oəʁhaft], „lachhaft“ – [‚laxhaft]

Nicht gesprochen wird [h], wenn „h“ als Dehnungszeichen nach einem Vokal geschrieben wird, zum Beispiel in:

      • „gehen“ – [‚ge:ən], „sie sahen“ – [zi: ‚zɑ:ən], „gelehrt“ – [gə’le:ʁt], „wahr“ – [vɑ:ʀ], „sie sieht“ – [zi: ‚zi:t]

Zischlaute

Die Konsonantengruppe der Zischlaute[38] ist eine Gruppe der Reibelaute und besteht aus den Lauten [s], [z], [ʃ], [ʒ], [ç] und [j].

Beim Sprechen der Zischlaute bilden die Artikulationsorgane eine Enge, durch die zischend die Ausatmungsluft strömt. Bei den stimmhaften Zischlauten schwingen die Stimmlippen, bei den stimmlosen Zischlauten sind die Stimmlippen geöffnet.

Artikulation des stimmlosen Zahn-ZischlautsBeim Sprechen des stimmlosen Zahn-Zischlauts[39] [s] spannen sich die Lippen leicht und der Unterkiefer schließt sich an den Oberkiefer. Die Zähne legen sich fast aufeinander. Der Zungenrücken bleibt locker und die Zungenspitze bildet eine Enge mit den unteren Schneidezähnen, durch die der Ausatmungsluftstrom gehemmt wird, der dann durch den spaltbreit geöffneten Mund entweicht. Das Gaumensegel ist gehoben und die Stimmlippen sind geöffnet. Das Zäpfchen bleibt passiv.

Die Stellung der Artikulation ist die gleiche wie beim stimmhaften Zahn-Zischlaut [z]. Mit vorangehendem [p] verschmilzt [s] zum Verschluss-Reibelaut [p͜s], mit vorangehendem [t] zum Verschluss-Reibelaut [t͜s] und mit vorangehendem [k] zum Verschluss-Reibelaut [k͜s].

[s] wird gesprochen, wenn „S“,„s“ oder „ss“, „ß“, „C“ oder „c“ geschrieben wird.

[s] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „S“ oder „s“ geschrieben wird und nicht auf „p“, „t“ oder „k“ folgt und kein „p“ oder „t“ folgt, zum Beispiel in:

    • [s] am betonten Silbenanfang„Set“ – [sɛt], „Song“ – [sɔŋ], „Sex“ – [sɛk͜s], „Said“ – [sa’it], „Serge“ – [sɛʀʒ]
    • „Skat“ – [skɑ:t], „Snob“ – [snɔp], „Slawe“ – [’slɑ:və],
      „Skala“ – [skɑ:lɑ], „Sphäre“ – [’sfɛʀə]
    • „versklaven“ – [fɛʁ’sklɑ:vən], „versnobt“ – [fɛʁ’snɔpt], „gescannt“ – [gə’skɛnt], „gescrollt“ – [gə’skʀɔlt]
  • [s] am unbetonten Silbenanfang„unisex“ – [‚ˀʊnɪsɛk͜s], „Offsetdruck“ – [‚ˀɔfsɛtdʀʊk]
  • „skurril“ – [skʊ’ʀi:l], „snobistisch“ – [snɔ’bɪstɪʃ], „skalieren“ – [ska’li:ʀən]

[s] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „ß“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [s] am unbetonten Silbenanfang„Grüße“ – [‚gʀy:sə], „Straße“ – [‚ʃtʀɑ:sə], „außer“ – [‚ˀa͜osəʁ], „größer“ – [‚gʀø:səʁ], „Füße“ – [‚fy:sə]

[s] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „C“ oder „c“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

      • [s] am betonten Silbenanfang„Cent“ – [sɛnt], „City“ – [’sɪti:], „Cindy“ – [’sɪndi:], „Cidre“ – [’si:dʀə], „lancieren“ – [lã’si:ʁən]

 

  • [s] am unbetonten Silbenanfang„Cineast“ – [sine’ast], „Annonce“ – [ˀa’nõ:sə]
  • „hochscrollen“ – [‚ho:xskʀɔlən], „abscannen“ – [‚apskɛnən]

[s] wird am Silbenende gesprochen, wenn „s“ oder „ss“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [s] am Silbenende„das“ – [das], „Haus“ – [ha͜os], „Bus“ – [bʊs], „bis“ – [bɪs], „haltlos“ – [‚haltlo:s]
  • „List“ – [lɪst], „Last“ – [last], „Hast“ – [hast, „Mast“ – [mast], „Lust“ – [lʊst]
  • „vereist“ – [fɛʁ’a͜est], „du schreist“ – [du: ‚ʃʀa͜est], „verglast“ – [fɛʁ’glɑ:st],
    „gerast“ – [gə’ʀɑ:st], „du schaust“ – [du: ‚ʃa͜ost]
  • „du änderst“ – [du: ‚ˀɛndəʁst], „du kühlst“ – [du: ‚ky:lst], „verzinst“ – [fɛʁ’t͜sɪnst],
    „du rufst“ – [du: ‚ʀu:fst], „du bremst“ – [du: ‚bʀɛmst]
  • „Kuss“ – [kʊs], „Fass“ – [fas], „Riss“ – [ʀɪs], „kess“ – [kɛs], „Ross“ – [ʀɔs]
  • „ihr müsst“ – [ˀi:ʁ ‚mγst], „du küsst“ – [du: ‚kγst], „es frisst“ – [ˀɛs ‚fʀɪst],
    „sie lässt“ – [zi: ‚lɛst], „er hasst“ – [ˀe:ʁ ‚hast]

[s] wird am Silbenende gesprochen, wenn „ß“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [s] am Silbenende„Fuß“ – [fu:s], „groß“ – [gʀo:s], „Gefäß“ – [gə’fɛ:s], „süß“ – [zy:s], „Ruß“ – [ʀu:s]
  • „es rußt“ – [ˀɛs ‚ʀu:st], „du gießt“ – [du: ‚gi:st], „er fußt“ – [ˀe:ʁ ‚fu:st], „angemaßt“ – [ˀangə’mɑ:st], „sie begrüßt“ [zi: bə’gʀy:st]

s] wird an der Silbengrenze gesprochen, wenn in nichtzusammengesetzten Wörtern „ss“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [s] an der Silbengrenze„Risse“ – [‚ʀɪsə], „müssen“ – [‚mγsən], „Schlösser“ – [‚ʃlœsəʁ], „Wasser“ – [‚vasəʁ], „Klasse“ – [‚klasə]

Artikulation des stimmhaften Zahn-ZischlautsBeim Sprechen des stimmhaften Zahn-Zischlauts [z] spannen sich die Lippen leicht und der Unterkiefer schließt sich an den Oberkiefer. Die Zähne legen sich fast aufeinander. Der Zungenrücken bleibt locker und die Zungenspitze bildet eine Enge mit den unteren Schneidezähnen, durch die der Ausatmungsluftstrom gehemmt wird, der dann durch den spaltbreit geöffneten Mund entweicht. Das Gaumensegel ist gehoben und die Stimmlippen schwingen. Das Zäpfchen bleibt passiv.

Die Stellung der Artikulation ist die gleiche wie beim stimmlosen Zahn-Zischlaut [s].

[z] wird gesprochen, wenn „S“ oder „s“ geschrieben wird.

[z] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „S“ oder „s“ geschrieben wird und ein Vokal folgt, zum Beispiel in:

    • [z] am betonten Silbenanfang„sagen“ – [‚zɑ:gən], „Sucht“ – [zʊxt], „Saft“ – [zaft], „sehen“ – [‚ze:ən], „sie“ – [zi:]
      • Aber nicht in Fremdwörtern wie „Set“ – [sɛt], „Song“ – [sɔŋ]
    • „entsagen“ – [ˀɛnt’zɑ:gən], „besorgen“ – [bə’zɔʁgən], „zersägen“ – [t͜sɛʁ’zɛ:gən], „zusammen“ – [t͜su’zamən], „gesucht“ – [gə’zu:xt]
  • [z] am unbetonten Silbenanfang„Felsen“ – [‚fɛlzən], „gelesen“ – [gə’le:zən], „verweisen“ – [fɛʁ’va͜ezən], „Mäuse“ – [‚mɔ͜øzə], „Gläser“ – [‚glɛ:zəʁ]
  • „Hinsicht“ – [‚hɪnzɪçt], „Nachsorge“ – [’nɑ:xzɔʀgə], „sogar“ – [zo’gɑ:ʁ], „aufsagen“ – [‚ˀa͜ofzɑ:gən], „vorsehen“ – [‚fo:ʁze:ən]

Artikulation des stimmlosen Gaumen-ZischlautsBeim Sprechen des stimmlosen Gaumen-Zischlauts[40] [ʃ] stülpen sich die Lippen und der Unterkiefer schließt sich an den Oberkiefer. Der Zungenrücken beschreibt einen nach oben offenen Bogen und die Zungenspitze bildet mit dem harten Gaumen eine Enge, durch die der Ausatmungsluftstrom gehemmt wird, der dann durch den geöffneten Mund entweicht. Das Gaumensegel ist gehoben und die Stimmlippen sind geöffnet. Das Zäpfchen bleibt passiv.

Die Stellung der Artikulation ist die gleiche wie beim stimmhaften Gaumen-Zischlaut [ʒ]. Mit vorangehendem [t] verschmilzt [ʃ] zum Verschluss-Reibelaut [t͜ʃ].

[ʃ] wird gesprochen, wenn „Sch“ oder „sch“, „S“ oder „s“, „Sh“ oder „sh“, „Ch“ oder „ch“ geschrieben wird.

[ʃ] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „Sch“ oder „sch“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

    • [ʃ] am betonten Silbenanfang„schaffen“ – [‚ʃafən], „Schiff“ – [ʃɪf], „Schutz“ – [ʃʊt͜s], „schon“ – [ʃo:n], „schön“ – [ʃø:n]
    • „geschont“ – [gə’ʃo:nt], entscheiden“ – [ˀɛnt’ʃa͜edən], „verschieden“ – [fɛʁ’ʃi:dən], „Beschuss“ – [bə’ʃʊs], „Geschenk“ – [gə’ʃɛŋk]
    • „Schlitz“ – [ʃlɪt͜s], „Schrift“ – [ʃʀɪft], „schlau“ – [ʃla͜o], „schließen“ – [‚ʃli:sən], „Schlucht“ – [ʃlʊxt]
    • „Entschluss“ – [ˀɛnt’ʃlʊs], „beschrieben“ – [bə’ʃʀi:bən], „verschleißen“ – [fɛʁ’ʃla͜esən], „geschlossen“ – [gə’ʃlɔsən], „geschlachtet“ – [gə’ʃlaxtət]
  • [ʃ] am unbetonten Silbenanfang„Tusche“ – [‚tʊʃə], „Fische“ – [‚fɪʃə] , „tauschen“ – [‚ta͜oʃən], „Menschen“ – [‚mɛnʃən], „Wünsche“ – [‚vγnʃə]
  • „hinschauen“ – [‚hɪnʃa͜oən], „Abschuss“ – [‚ˀapʃʊs], „aufschieben“ – [‚ˀa͜ofʃi:bən], „nachschauen“ – [’nɑ:xʃa͜oən], „umschalten“ – [‚ˀʊmʃaltən]
  • „Schlamassel“ – [ʃlɑ’masəl], „Schlawiner“ – [ʃlɑ’vi:nəʁ], „schraffieren“ – [ʃra’fi:ʀən], „schwadronieren“ – [ʃvadʀo’ni:ʀən], Schlaraffenland – [ʃlɑ’ʀafənlant]
  • „Abschluss“ – [‚ˀapʃlʊs], „ausschließen“ – [‚ˀa͜osʃli:sən], „anschwellen“ – [‚ˀanʃvɛlən], „anschleichen“ – [‚ˀanʃla͜eçən], „aufschreiben“ – [‚ˀa͜ofʃʀa͜ebən]

[ʃ] am betonten Silbenanfang[ʃ] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „s“ geschrieben wird und „t“ folgt, zum Beispiel in:

    • „stur“ – [ʃtu:ʀ], „stechen“ – [‚ʃtɛçən], „Stoß“ – [ʃto:s],
      „Stich“ – [ʃtɪç], „Stau“ – [ʃta͜o]
    • „Strafe“ – [‚ʃtʀɑ:fə], „streunen“ – [‚ʃtʀɔ͜ønən], „Strich“ – [ʃtʀɪç], „Strophe“ – [‚ʃtʀo:fə], „streben“ – [‚ʃtʀe:bən]
    • „bestellen“ – [bə’ʃtɛlən], „gestoßen“ – [gə’ʃto:sən], „verstaucht“ – [fɛʁ’ʃta͜oxt], „entstehen“ – [ˀɛnt’ʃte:ən], „verstanden“ – [fɛʁ’ʃtandən]
    • „zerstreuen“ – [t͜sɛʁ’ʃtʀɔ͜øən], „bestrafen“ – [bə’ʃtʀɑ:fən], „bestrebt“ – [bə’ʃtʀe:pt], „gestrandet“ – [gə’ʃtʀandət], „gestritten“ – [gə’ʃtʀɪtən]
  • [ʃ] am unbetonten Silbenanfang„stagnieren“ – [ʃta’gni:ʀən], „stilisieren“ – [ʃtilɪ’zi:ʀən],
    „Stativ“ – [ʃtɑ’ti:f], „stabil“ – [ʃtɑ’bi:l], „stornieren“ – [ʃtɔʀ’ni:ʀən]
  • „strapazieren“ – [ʃtʀapɑ’t͜si:ʀən], „Strategie“ – [ʃtʀɑte’gi:], „Struktur“ – [ʃtʀʊk’tu:ʁ], „Stratosphäre“ – [ʃtʀɑtɔ’sfɛ:ʀə],
    „Stroboskop“ – [ʃtʀobo’sko:p]
  • „herstellen“ – [‚he:ʁʃtɛlən], „anstacheln“ – [‚ˀanʃtaxəln], „Abstand“ – [‚ˀapʃtant], „aufstehen“ – [‚ˀa͜ofʃte:ən], „umstimmen“ – [‚ˀʊmʃtɪmən]
  • „Anstrich“ – [‚ˀanʃtʀɪç], „Vorstrafe“ – [fo:ʁʃtʀɑ:fə], „anstrengen“ – [‚ˀanʃtʀɛŋən], „umherstreunen“ – [ˀʊm’he:ʁʃʀɔ͜ønən], „anstreichen“ – [‚ˀanʃtʀa͜eçən]

[ʃ] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „s“ geschrieben wird und „p“ folgt, zum Beispiel in:

    • [ʃ] am betonten Silbenanfang„sparen“ – [‚ʃpɑ:ʀən], „Spur“ – [ʃpu:ʁ], „Spaß“ – [ʃpɑ:s], „sperren“ – [‚ʃpɛʀən], „Spiel“ – [ʃpi:l]
    • „spritzig“ – [‚ʃpʀɪt͜sɪç], „sprudeln“ – [‚ʃpʀu:dəln], „spreizen“ – [‚ʃpʀa͜et͜sən], „Sprache“ – [‚ʃpʀɑ:xə], „sprechen“ – [‚ʃpʀɛçən]
    • „entspannen“ – [ˀɛnt’ʃpanən], „verspielt“ – [fɛʁ’ʃpi:lt], „gespült“ – [gə’ʃpy;lt], „gesponnen“ – [gə’ʃpɔnən], „verspotten“ – [fɛʁ’ʃpɔtən]
    • „versprechen“ – [fɛʁ’ʃpʀɛçən], „gesprüht“ – [ˀgə’ʃpʀy:t],
      „gesprungen“ – [gə’ʃpʀʊŋən], „versprengt“ – [fɛʁ’ʃpʀɛŋt], „verspritzt“ – [fɛʁ’ʃpʀɪt͜st]
  • [ʃ] am unbetonten Silbenanfang„spekulieren“ – [ʃpɛku’li:ʀən], „spendieren“ – [ʃpɛn’di: ʀən], „speziell“ – [ʃpɛ’t͜sıɛl], „Spirale“ – [ʃpɪ’ʀɑ:lə], „Spion“ – [ʃpi’o:n]
    • Aber nicht in: „Raspel“ – [‚ʀaspəl], räuspern – [‚ʀɔ͜øspəʁn, „lispeln“ – [‚lɪspəln], „knuspern“ – [‚knʊspəʁn], „Sphäre“ – [’sfɛ:ʀə]
  • „abspulen“ – [‚ˀapʃpu:lən], „Nachspiel“ – [’nɑ:xʃpi:l], „ausspähen“ – [‚ˀa͜osʃpɛ:ən], „zusperren“ – [‚t͜su:’ʃpɛʀən], „vorspiegeln“ – [fo:ʁʃpi:gəln]
  • „vorspringen“ – [‚fo:ʁʃpʀɪŋən], „hochspringen“ – [‚ho:xʃpʀɪŋən],
    „Anspruch“ – [‚ˀanʃpʀʊx], „nachsprechen“ – [’nɑ:xʃpʀɛçən],
    „anspritzen“ – [‚ˀanʃpʀɪt͜sən]

[ʃ] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „Sh“ oder „sh“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [ʃ] am betonten Silbenanfang„Sherry“ – [‚ʃɛʀi], „Shorts“ – [ʃɔʁʦ], „Show“ – [ʃoᴜ], „Shaker“ – [‚ʃeɪkəʁ], „Shareware“ [‚ʃɛʁvɛ:ʁ]
  • „Shrimps“ – [ʃʀɪmp͜s]

[ʃ] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „Ch“ oder „ch“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

    • [ʃ] am betonten Silbenanfang„Chef“ – [ʃɛf], „Chance“ – [‚ʃã:sə], „Charme“ – [ʃaʁm], „Chuzpe“ [‚ʃγspə], „Champignon“ – [‚ʃampɪnjɔŋ]

 

  • [ʃ] am unbetonten Silbenanfang„Branche“ – [‚bʀã:ʃə], „recherchieren“ – [ʀeʃɛʁ’ʃi:ʀən], „Chauvinist“ – [ʃo:vi’nɪst]
  • „dechiffrieren“ – [‚deʃɪfʀi:ʀən], „uncharmant“ – [‚ˀʊnʃaʁmant]

[ʃ] wird am Silbenende gesprochen, wenn „sch“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [ʃ] am Silbenende„Marsch“ – [maʀʃ], „Tusch“ – [tʊʃ], „Rausch“ – [ʀa͜oʃ], „Abwasch“ – [‚ˀapvaʃ], „moralisch“ – [mo’ʀɑ:lɪʃ]
  • „gelöscht“ – [gə’lœʃt], „entwischt“ – [ˀɛnt’vɪʃt], „du duschst“ – [du: ‚dʊʃst], „sie fischt“ – [zi: ‚fɪʃt], „vermischt“ – [fɛʁ’mɪʃt]
  • „belauscht“ – [bə’la͜oʃt], „es rauscht“ – [ɛs ‚ʀa͜oʃt], „du kreischst“ – [du: ‚kʀa͜eʃst], „sie tauscht“ – [zi: ‚ta͜oʃt], zerfleischt“ – [t͜sɛʁ’fla͜eʃt]
  • „verramscht“ – [fɛʁ’ʀamʃt], „gewünscht“ – [gə’vγnʃt], „sie planscht“ – [zi: ‚planʃt], „er pirscht“ – [e:ʁ ‚pɪʀʃt], „gefälscht“ – [gə’fɛlʃt]

[ʃ] wird an der Silbengrenze doppellautend, aber nicht abgesetzt gesprochen, wenn in zusammengesetzten Wörtern “schsch“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [ʃ] an der Silbengrenze doppellautend„Fischschleuse“ – [‚fɪʃʃlɔ͜øzə], „Fischschwarm“ – [‚fɪʃʃvaʀm],
    „Glückwunschschreiben“ – [‚glγkvʊnʃʃʀa͜ebən], „Waschschüssel“ – [‚vaʃʃγsəl], „Froschschenkel“ – [‚fʀɔʃʃɛŋkəl]

Artikulation des stimmhaften Gaumen-ZischlautsBeim Sprechen des stimmhaften Gaumen-Zischlauts [ʒ] stülpen sich die Lippen und der Unterkiefer schließt sich an den Oberkiefer. Der Zungenrücken beschreibt einen nach oben offenen Bogen und die Zungenspitze bildet mit dem harten Gaumen eine Enge, durch die der Ausatmungsluftstrom gehemmt wird, der dann durch den geöffneten Mund entweicht. Das Gaumensegel ist gehoben und die Stimmlippen schwingen. Das Zäpfchen bleibt passiv.

Die Stellung der Artikulation ist die gleiche wie beim stimmlosen Gaumen-Zischlaut [ʃ]. Mit vorangehendem [d] verschmilzt [ʒ] zum Verschluss-Reibelaut [d͜ʒ].

[ʒ] wird gesprochen, wenn „G“ oder „g“, „J“ oder „j“ geschrieben wird.

[ʒ] wird manchmal am Silbenanfang gesprochen, wenn in Fremdwörtern „G“ oder „g“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [ʒ] am betonten Silbenanfang„Genre“ – [‚ʒã:ʀə], „Regie“ – [ʀɛ’ʒi:],
    „Etagere“ – [etɑ’ʒɛʀə], „Giro“ – [‚ʒi:ʀo]

 

  • [ʒ] am unbetonten Silbenanfang„Gendarm – [ʒan’daʀm]. „genant“ – [ʒe’nant], „Regisseur“ – [ʀɛʒi’sø:ʁ], „Gelee“ – [ʒe’le:], „Genie“ – [ʒɛ’ni:]
  • „Tonnage“ – [tɔ’nɑ:ʒə], „Blamage“ – [bla’mɑ:ʒə], „Garage“ – [ga’ʀɑ:ʒə], „Leckage“ – [lɛ’kɑ:ʒə], „Loge“ – [‚lo:ʒə]

[ʒ] wird manchmal am Silbenanfang gesprochen, wenn in Fremdwörtern „J“ oder „j“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

    • [ʒ] am betonten Silbenanfang„Jury“ – [‚ʒy:ʀi]

 

 

  • [ʒ] am unbetonten Silbenanfang„Journal“ – [ʒʊʀ’nɑ:l], „Jackett“ – [ʒa’kɛt], „Jalousie“ – [ʒalʊ’si:], „Jargon“ – [ʒaʁ’gõ:], „jonglieren“ – [ʒõŋ’li:ʀən]

Artikulation des stimmlosen Vordergaumen-ZischlautsBeim Sprechen des stimmlosen Vordergaumen-Zischlauts[41] [ç] spreizen sich die Lippen und der Unterkiefer senkt sich leicht. Die Zungenspitze legt sich an die unteren Schneidezähne. Der vordere Zungenrücken wölbt sich zum harten Gaumen, wodurch eine Enge entsteht, die den Ausatmungsluftstrom hemmt, der dann durch den spaltbreit geöffneten Mund entweicht. Das Gaumensegel ist gehoben und die Stimmlippen sind geöffnet. Das Zäpfchen bleibt passiv.

Die Stellung der Artikulation ist die gleiche wie beim stimmhaften Vordergaumen-Zischlaut [j].

[ç] wird gesprochen, wenn „Ch“, „ch“ oder „g“ geschrieben wird.

[ç] wird manchmal am Silbenanfang gesprochen, wenn in Fremdwörtern „Ch“ oder „ch“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

    • [ç] am betonten Silbenanfang„China“ – [‚çi:na], „Chiasmus“ – [‚çiasmʊs], „Cherub“ – [‚çe:ʀʊp]

 

    • [ç] am unbetonten Silbenanfang„Chinin“ – [çi’ni:n], „Chirurg“ – [çi’ʀʊʁk], „Chemie“ – [çe’mi:], „Chiropraktik“ – [çiʀo’pʀaktɪk], „Chimäre“ – [çi’mɛʀə]

[ç] wird am Silbenanfang nach hellem Vokal gesprochen, wenn „ch“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [ç] am unbetonten Silbenanfang„sprechen“ – [‚ʃpʀɛçən], „Becher“ – [‚bɛçəʁ], „zechen“ – [‚t͜sɛçən], „stechen“ – [‚ʃtɛçən], „Bleche“ – [‚blɛçə]
  • „lächeln“ – [‚lɛçəln], „Fächer“ – [‚fɛçəʁ], „Fläche“ – [‚flɛçə], „Gespräche“ – [gə’ʃpʀɛ:çə], „Schwäche“ – [‚ʃvɛçə]
  • „Löcher“ – [‚lœçəʁ], „sie kröche“ – [zi: ‚kʀœçə], „knöchern“ – [‚knœçəʁn], „röcheln“ – [‚ʀœçəln], „Köchin“ – [‚kœçɪn]
  • „riechen“ – [‚ʀi:çən], „Grieche“ – [‚gʀi:çə], „siechen“ – [‚zi:çən],
    „kriechen“ – [‚kʀi:çən]
  • „Tücher“ – [‚ty:çəʁ], „Bücher“ – [‚by:çəʁ], „Gerüche“ – [gə’ʀγçə], „Brüche“ – [‚bʀγçə], „Küche“ – [‚kγçə]
  • „erbleichen“ – [ˀɛʁ’bla͜eçən], „schmeicheln“ – [‚ʃma͜eçəln], „Zeichen“ – [‚t͜sa͜eçən], „Speicher“ – [‚ʃpa͜eçəʁ], „gleichen“ – [‚gla͜eçən]
  • „laichen“ – [‚la͜eçən]
  • „er heuchelt“ – [e:ʁ ‚hɔ͜øçəlt], „Seuche“ – [‚zɔ͜øçə], „scheuchen“ – [‚ʃɔ͜øçən], „gemeuchelt“ – [gə’mɔ͜øçəlt], „keuchen“ – [‚kɔ͜øçən]
  • „Bäuche“ – [‚bɔ͜øçə], „räuchern“ – [‚ʀɔ͜øçəʁn], „Schläuche“ – [‚ʃlɔ͜øçə], „Bräuche“ – [‚bʀɔ͜øçə], „Sträucher“ – [‚ʃtʀɔ͜øçəʁ]

[ç] wird am Silbenende nach hellem Vokal gesprochen, wenn „ch“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [ç] am Silbenende„Blech“ – [blɛç], „Gefechte“ – [gə’fɛçtə], „Pech“ – [pɛç], „frech“ – [fʀɛç], „Rechte“ – [‚ʀɛçtə]
  • „gerecht“ – [gə’ʀɛçt], „schlecht“ – [ʃlɛçt], „Geschlecht“ – [gə’ʃlɛçt], „aufrecht“ – [‚ˀa͜ofʀɛçt], „Specht“ – [ʃpɛçt]
  • „Nächte“ – [’nɛçtə], „sächlich“ – [‚zɛçlɪç], „prächtig“ – [‚pʀɛçtɪç], „ächten“ – [‚ˀɛçtən], „Gespräch“ – [gə’ʃpʀɛ:ç]
  • „gerächt“ – [gə’ʀɛçt], „geschwächt“ – [gə’ʃvɛçt], „Gemächt“ – [gə’mɛçt]
  • „möchte“ [‚mœçtə], „Töchter“ – [‚tœçtəʁ], „höchster“ – [‚hø:çstəʁ], „er föchte“ – [ˀe:ʁ ‚fœçtə]
  • „ich“ – [ˀɪç], „sich“ – [zɪç], „Abstrich“ – [‚ˀapʃtʀɪç], „üblich“ – [‚ˀy:plɪç], „Teppich“ – [‚tɛpɪç]
  • „nicht“ – [nɪçt], „Licht“ – [lɪçt], „Gesicht“ – [gə’zɪçt], „schlicht“ – [ʃlɪçt], „Pflicht“ – [p͜flɪçt]
  • „züchten“ – [‚t͜sγçtən], „süchtig“ – [‚zγçtɪç], „schüchtern“ – [‚ʃγçtəʁn], „Früchte“ – [‚fʀγçtə], „nüchtern“ – [’nγçtəʁn]
  • „Gerücht“ – [gə’ʀγçt]
  • „Teich“ [ta͜eç], „gleich“ – [gla͜eç], „weich“ – [va͜eç], „Bereich“ – [bə’ʀa͜eç],
    „reich“ – [ʀa͜eç]
  • „es reicht“ – [ˀɛs ‚ʀa͜eçt], „du eichst“ – [du: ‚ˀa͜eçst], „leicht“ – [la͜eçt],
    „gebleicht“ – [gə’bla͜eçt], „seicht“ – [za͜eçt]
  • „Laich“ – [la͜eç]
  • „er laicht“ – [ˀe:ʁ ‚la͜eçt]
  • „euch“ – [ˀɔ͜øç], „leuchten“ – [‚lɔ͜øçtən], „sie scheuchten“ – [zi: ‚ʃɔ͜øçtən], „aufleuchten“ – [‚ˀa͜oflɔ͜øçtən], „befeuchten“ – [bə’fɔ͜øçtən]
  • „feucht“ – [fɔ͜øçt], „du keuchst“ – [du: ‚kɔ͜øçst], „verseucht“ – [fɛʁ’zɔ͜øçt],
    „sie scheucht“ – [zi: ‚ʃɔ͜øçt], „entfleucht“ – [ˀɛnt’flɔ͜øçt]
  • „Gesträuch“ – [gə’ʃtʀɔ͜øç]

[ç] wird am Silbenende gesprochen, wenn „ch“ nach „l“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [ç] am Silbenende„Milch“ – [mɪlç], „Dolch“ – [dɔlç], „Kelch“ – [kɛlç],
    „Strolch“ – [ʃtʀɔlç], „Molch“ – [mɔlç]
  • „erdolcht“ – [ˀɛʁ’dɔlçt], „er strolcht“ – [ˀe:ʁ ‚ʃtʀɔlçt], „sie mulcht“ – [zi: ‚mʊlçt]

[ç] wird am Silbenende gesprochen, wenn „ch“ nach „r“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [ç] am Silbenende„durch“ – [dʊʀç], „Monarch“ – [mo’naʀç], „Lurch“ – [lʊʀç], „Storch“ – [ʃtɔʀç], „Zwerchfell“ – [‚t͜svɛʀçfɛl]
  • „eingepfercht“ – [‚a͜engəp͜fɛʀçt], „Furcht“ – [fʊʀçt], „du schnarchst“ – [du: ‚ʃnaʀçst], „er gehorcht“ – [ˀe:ʁ gəhɔʀçt], „des Storchs“ – [dɛs ‚ʃtɔʀçs]

[ç] wird am Silbenende gesprochen, wenn „ch“ nach „n“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [ç] am Silbenende„manchmal“ – [‚mançmɑ:l], „Mönch“ – [mœnç], „manch einer“ – [‚manç ˀa͜enəʁ], „Lynchjustiz“ – [‚lγnçjʊsti:t͜s]
  • „gelyncht“ – [gə’lγnçt], „sie tüncht“ – [zi: ‚tγnçt]

[ç] wird am Silbenende gesprochen, wenn auf „i“ folgend „g“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [ç] am Silbenende„ruhig“ – [‚ʀu:ɪç], „achtzig“ – [‚ˀaxt͜sɪç], „König“ – [‚kø:nɪç], „Ewigkeit“ – [‚ˀe:vɪçka͜et], „ranzig“ – [‚ʀant͜sɪç]
    • Aber nicht wenn anschließend eine Silbe folgt, in der „ich“ geschrieben wird: „Königreich“ – [‚kø:nɪkʀa͜eç], „ewiglich“ – [‚ˀe:vɪklɪç], „königlich“ – [‚kø:nɪklɪç], „lediglich“ – [‚le:dɪklɪç], „inniglich“ – [‚ˀɪnɪklɪç]
  • „du beruhigst“ – [du: bə’ʀu:ɪçst], „belustigt“ – [bə’lʊstɪçt], gekündigt“ – [gə’kγndɪçt], „sie berichtigt“ – [zi: bə’ʀɪçtɪçt], „beschädigt“ – [bə’ʃɛ:dɪçt]

Artikulation des stimmhaften Vordergaumen-ZischlautsBeim Sprechen des stimmhaften Vordergaumen-Zischlauts [j] spreizen sich die Lippen und der Unterkiefer senkt sich leicht. Die Zungenspitze legt sich an die unteren Schneidezähne. Der vordere Zungenrücken wölbt sich zum harten Gaumen, wodurch eine Enge entsteht, die den Ausatmungsluftstrom hemmt, der dann durch den spaltbreit geöffneten Mund entweicht. Das Gaumensegel ist gehoben und die Stimmlippen schwingen. Das Zäpfchen bleibt passiv.

Die Stellung der Artikulation ist die gleiche wie beim stimmlosen Vordergaumen-Zischlaut [ç].

[j] wird gesprochen, wenn „J“ oder „j“, „Y“ oder „y“ geschrieben wird.

[j] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „J“ oder „j“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

    • [j] am betonten Silbenanfang„Junge“ – [‚jʊŋə], „jeder“ – [‚je:dəʁ], „jagen“ – [‚jɑ:gən], „just“ – [jʊst], „jubeln“ – [‚ju:bəln]
    • „bejahen“ – [bə’jɑ:ən], „bejubeln“ – [bə’ju:bəln], „gejuckt“ – [gə’jʊkt], „verjagt“ – [fɛʁ’jɑ:kt], „gejodelt“ – [gə’jo:dəlt]
  • [j] am unbetonten Silbenanfang„Koje“ – [‚ko:jə], „Majestät“ – [mɑjəs’tɛ:t], „Soja“ – [‚zo:jɑ], „Adjektiv“ – [‚ˀatjɛkti:f] , „Bajonett“ – [bɑjo’nɛt]
  • „abjagen“ – [‚ˀapjɑ:gən], „präjudiziert“ – [pʀɛ:ju:dɪ’t͜si:ʁt], „Vorjahr“ – [‚fo:ʁjɑ:ʁ], „mitjubeln“ – [‚mɪtju:bəln], „volljährig“ – [‚fɔljɛ:ʀɪç]

[j] wird manchmal am Silbenanfang gesprochen, wenn in Fremdwörtern „Y“ oder „y“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

    • [j] am betonten Silbenanfang„Yoga“ – [‚jo:gɑ:], „Yak“ – [jak], „Yang“ – [jaŋ], „Yen“ – [jɛn], „loyal“ – [lo̯a’jɑ:l]
  • [j] am unbetonten Silbenanfang„Mayonnaise“ – [majo’nɛ:zə] , „Papaya“ – [pa’pɑ:jɑ], „Canyon“ – [‚kænjən], „voyeuristisch“ – [vo̯ajø:ʀɪstɪç], „Maya“ – [‚mɑ:jɑ]

Verschlusslaute

Die Konsonantengruppe der Verschlusslaute[42] besteht aus den stimmlosen Lauten[43] [p], [t] und [k] sowie aus den stimmhaften Lauten[44] [b], [d] und [g].

Beim Sprechen der Verschlusslaute wird der Ausatmungsluftstrom kurz unterbrochen. Bei den stimmhaften Verschlusslauten schwingen die Stimmlippen, bei den stimmlosen Verschlusslauten sind die Stimmlippen geöffnet.

Starke und schwache BehauchungDie stimmlosen Verschlusslaute werden im Deutschen behaucht[45] gesprochen: Auf die Sprengung des Verschlusses folgt ein Schwung frei ausströmender Atemluft, zum Beispiel in „Pass“ – [phas], „Tor“ – [tho:ʀ], „Kuh“ – [khu:].

Werden stimmlose Verschlusslaute ohne Behauchung[46] gesprochen, ergibt sich im Deutschen nie ein anderes Wort als mit Behauchung.

Die Stärke der Behauchung richtet sich nach der Lautumgebung. Die stimmlosen Verschlusslaute werden mit starker Behauchung gesprochen:

  • Wenn dem Verschlusslaut am betonten Silbenanfang ein Vokal folgt, wie in
    „Pute“ – [‚phu:tə], „Tante“ – [‚thantə], „gekauft“ – [gə’kha͜oft]
  • Wenn der Verschlusslaut am Ende einer Silbe ohne nachfolgenden Konsonanten gesprochen wird, wie in „Lump“ – [lʊmph], „Draht“ – [dʀɑ:th], „Schalk“ – [ʃalkh]

Mit schwächerer Behauchung werden die stimmlosen Verschlusslaute gesprochen:

  • Wenn der Verschlusslaut am Anfang einer betonten Silbe gesprochen wird und ein Konsonant folgt, wie in „prächtig“ – [‚phʀɛçtɪç], „betrachten“ – [bə’thʀaxtən],
    „klein“ – [khla͜en]
  • Wenn der Verschlusslaut in einer unbetonten Silbe gesprochen wird, wie in „Tropen“ – [‚tʀo:phən], „beten“ – [‚be:thən], „Schaukel“ – [‚ʃa͜okhəl]
  • Wenn der Verschlusslaut am Ende einer Silbe gesprochen wird und ein Konso­nant folgt, wie in „es klumpt“ – [ˀɛs ‚khlʊmphth], „ein Lichtchen“ – [ˀa͜en ‚lɪçthçən], „sie dankt“ – [zi: ‚daŋkhth]

Stimmhafte Verschlusslaute werden zu stimmlosenIm Deutschen werden die stimmhaften Verschlusslaute am Silbenende zu stimmlosen Verschlusslauten. Der sonst relevante Unterschied zwischen stimmhaften und stimmlosen Laut wird als Auslautverhärtung neutralis iert: Zum Beispiel werden „Bund“ und „bunt“ identisch ausgesprochen – als [bʊnth], ebenso wie „Mob“ und „Mopp“ – als [mɔph] sowie
„Blog“ und „Block“ – als [blɔkh].

Um die Lautschrift nicht zu überlasten, wird auf die Notation der Behauchung verzichtet.

Artikulation des stimmlosen Lippen-VerschlusslautsBeim Sprechen des stimmlosen Lippen-Verschlusslauts[47] [p] sprengt der Ausatmungsluftstrom die aufeinandergelegten Lippen. Der Unterkiefer senkt sich kaum. Die Zunge bleibt entspannt, ebenso die Zungenspitze. Das Gaumensegel ist gehoben, die Stimmlippen sind geöffnet. Das Zäpfchen bleibt passiv.

Die Stellung der Artikulation ist die gleiche wie beim stimmhaften Lippen-Verschlusslaut [b]. Die Stärke seiner Behauchung richtet sich nach seiner Lautumgebung. Mit nachfolgendem [f] verschmilzt [p] zum Verschluss-Reibelaut [p͜f], mit nachfolgendem [s] zum Verschluss-Reibelaut [p͜s].

[p] wird gesprochen, wenn „P“, „p“, „pp“ oder „b“ geschrieben wird.

[p] wird am betonten Silbenanfang stark behaucht gesprochen, wenn „P“ oder „p“ geschrieben wird und ein Vokal folgt, zum Beispiel in:

  • [p] am betonten Silbenanfang„Pute“ – [‚pu:tə], „pellen“ – [‚pɛlən], „pachten“ – [‚paxtən], „Pendel“ – [‚pɛndəl], „Polster“ – [‚pɔlstəʁ]
  • „verpacken“ – [fɛʁ’pakən], „gepustet“ – [gə’pu:stət],
    „gepaart“ – [gə’pa:ʁt], „gepökelt“ – [gə’pø:kəlt], „erpicht“ – [ˀɛʁ’pɪçt]
  • „Spalt“ – [ʃpalt], „spülen“ – [‚ʃpy:lən], „Spiel“ – [ʃpi:l], „Sport“ – [ʃpɔʀt], „sputen“ – [‚ʃpu:tən]
  • „erspähen“ – [ˀɛʁ’ʃpɛ:ən], „bespielen“ – [bə’ʃpi:lən], „gespornt“ – [gə’ʃpɔʀnt], „gesperrt“ – [gə’ʃpɛʀt], „überspannen“ – [ˀy:bəʁ’ʃpanən]

[p] wird am betonten Silbenanfang schwach behaucht gesprochen, wenn „p“ geschrieben wird und ein Konsonant folgt, zum Beispiel in:

  • [p] am betonten Silbenanfang„Probe“ – [‚pʀo:bə], „Plan“ – [plɑ:n], „plaudern“ – [‚pla͜odəʁn], „prima“ – [‚pʀi:mɑ:], „prallen“ – [‚pʀalən]
  • „erpressen“ – [ˀɛʁ’pʀɛsən], „zerplatzen“ – [t͜sɛʁ’plat͜sən], „verprellen“ – [fɛʁ’pʀɛlən], „geplant“ – [gə’plɑ:nt], „gepriesen“ – [gə’pʀi:zən]
  • „spritzen“ – [‚ʃpʀɪt͜sən], „Sprache“ – [‚ʃpʀɑ:xə], „Spruch“ – [ʃpʀʊx], „Spreu“ – [ʃpʀɔ͜ø], „Splitter“ – [‚ʃplɪtəʁ]
  • „besprechen“ – [bə’ʃpʀɛçən], „ersprießlich“ – [ˀɛʁ’ʃpʀi:slɪç], „Gespräch“ – [gə’ʃpʀɛ:ç], „zersplittern“ – [t͜sɛʁ’ʃplɪtəʁn], „versprengt“ – [fɛʁ’ʃpʀɛŋt]

[p] wird am unbetonten Silbenanfang schwach behaucht gesprochen, wenn „p“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [p] am unbetonten Silbenanfang„Lupe“ – [‚lu:pə], „Oper“ – [‚ˀo:pəʁ], „Kapital“ – [kapi’tɑ:l] „Lampe“ – [‚lampə], „Stapel“ – [‚ʃtɑ:pəl]
  • „einpacken“ – [‚ˀa͜enpakən], „anpassen“ – [‚ˀanpasən], „Auspuff“ – [‚ˀa͜ospʊf], „nachpolieren“ – [’nɑ:xpoli:ʀən], „aufpassen“ – [‚ˀa͜ofpasən]
  • „Alpen“ – [‚ˀalpən], „stolpern“ – [‚ʃtɔlpəʁn], „holpern“ – [‚hɔlpəʁn], „Planet“ – [plɑ’ne:t], „stülpen“ – [‚ʃtγlpən]
  • „räuspern“ – [‚ʀɔ͜øspəʁn], „lispeln“ – [‚lɪspəln], „Raspel“ – [‚ʀaspəl], „knuspern“ – [‚knʊspəʁn], „Kasper“ – [‚kaspəʁ]
  • „Beispiel“ – [‚ba͜eʃpi:l], „Ansporn“ – [‚ˀanʃpɔʀn], „anspitzen – [‚ˀanʃpɪt͜sən], „angespuckt“ – [‚ˀangəʃpʊkt], „eingesperrt“ [‚ˀa͜engəʃpɛʀt]
  • „Paprika“ – [‚papʀɪkɑ:], „Zypriot“ – [t͜sγpʀɪ’o:t], „Provinz“ – [pʀo’vɪnt͜s], „privat“ – [pʀi’vɑ:t] „Plantage“ – [plan’tɑ:ʒə]
  • „anpreisen“ – [‚ˀanpʀa͜ezən], „Anprobe“ – [‚ˀanpʀo:bə], „aufplatzen“ [‚ˀa͜ofplat͜sən], „unpräzise“ – [‚ˀʊnpʀɛt͜si:zə], „ausplündern“ – [‚ˀa͜osplγndəʁn],
  • „knusprig“ – [‚knʊspʀɪç]
  • „Ursprung“ – [‚ˀu:ʁʃpʀʊŋ] „Einspruch“ – [‚ˀa͜enʃpʀʊx], „Absprache“ – [‚ˀapʃʀɑ:xə], „zurückspringen“ – [t͜su’ʀγkʃpʀɪŋən] „anspritzen“ – [‚anʃpʀɪt͜sən]

[p] wird am Silbenende stark behaucht gesprochen, wenn „p“ oder „pp“ geschrieben wird und in der Silbe kein Konsonant folgt, zum Beispiel in:

  • [p] am Silbenende„Typ“ – [ty:p], „Prinzip“ – [pʀɪn’t͜si:p], „Lump“ – [lʊmp], „Teleskop“ – [te:lə’sko:p] „Kap“ – [kap]
  • „schlapp“ – [ʃlap] – „knapp“ – [knap], „Nepp“ – [nɛp], „Stopp“ – [ʃtɔp], „Gestrüpp“ – [gə’ʃtʀγp]

[p] wird am Silbenende stark behaucht gesprochen, wenn „b“ geschrieben wird und in der Silbe kein Konsonant folgt, zum Beispiel in:

  • [p] am Silbenende„ob“ – [ˀɔp], „halb“ – [halp], „Laub“ – [la͜op], „Staub“ – [ʃta͜op], „Urlaub“ – [‚u:ʁla͜op]

[p] wird am Silbenende schwach behaucht gesprochen, wenn „p“ oder „pp“ geschrieben wird und ein Konsonant folgt, zum Beispiel in:

  • [p] am Silbenende„abrupt“ – [‚ˀap’ʀʊpt], „Konzept“ – [kɔn’t͜sɛpt], „Rezept“ – [ʀe’t͜sɛpt]
  • „er hupt“ – [ˀe:ʁ ‚hu:pt], „Haupt“ – [ha͜opt], „gepiept“ – [gə’pi:pt]
  • „geschlampt“ – [gə’ʃlampt], „sie pumpt“ – [zi: ‚pʊmpt], verklumpt“ – [fɛʁ’klʊmpt], „er stülpt“ – [ˀe:ʁ ‚ʃtγlpt], „es zirpt“ – [ˀɛs ‚t͜sɪʀpt]
  • „er tippt“ – [ˀe:ʁ ‚tɪpt], „verschleppt“ – [fɛʁ’ʃlɛpt], „es klappt“ – [ˀɛs ‚klapt], „entpuppt“ – [ˀɛnt’pʊpt], „du schnappst“ – [du: ‚ʃnapst]

[p] wird am Silbenende schwach behaucht gesprochen, wenn „b“ oder „bb“ geschrieben wird und ein Konsonant folgt, zum Beispiel in:

  • [p] am Silbenende„Abt“ – [ˀapt], „er stirbt“ [ˀe:ʁ ‚ʃtɪʀpt], „sie wirbt“ – [zi: ‚vɪʀpt], „ihr erbt“ – [ˀi:ʁ ˀɛʀpt], „gefärbt“ – [gə’fɛʀpt]
  • „es staubt“ – [ˀɛs ‚ʃta͜opt], „ihr gebt“ – [ˀi:ʁ ‚ge:pt], „bestäubt“ – [bə’ʃtɔ͜øpt], „du siebst“ – [du: ‚zi:pst], „es schabt“ – [ˀɛs ‚ʃɑ:pt]
  • „zerbombt“ – [t͜sɛʁ’bɔmpt], „gesalbt“ – [gə’zalpt], „vergilbt“ – [fɛʁ’gɪlpt], „gewölbt“ – [gə’vœlpt], „er stirbt“ – [ˀe:ʁ ‚ʃtɪʀpt]
  • „gejobbt“ – [gə’d͜ʒɔpt], „verebbt“ – [fɛʁ’ɛpt], „er schrubbt“ – [ˀe:ʁ ‚ʃʀʊpt], „es robbt“ – [ˀɛs ‚ʀɔpt]

[p] wird an der Silbengrenze schwach behaucht gesprochen, wenn in nicht­zusammengesetzten Wörtern „pp“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [p] an der Silbengrenze„Gruppe“ – [‚gʀʊpə], „Sippe“ – [‚zɪpə], „Wappen“ – [‚vapən], „schleppen“ – [‚ʃlɛpən], „Klappe“ – [‚klapə]

[p] wird an der Silbengrenze doppellautend, aber nicht abgesetzt gesprochen, wenn in zusammengesetzten Wörtern „pp“ oder „ppp“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [p] an der Silbengrenze doppellautend„Typprüfung“ – [‚ty:ppʀy:fʊŋ], „Biotoppass“ – [bɪo’to:ppas]
  • „Krepppapier“ – [‚kʀɛppapi:ʁ] , „Tipppate“ – [‚tɪppɑ:tə], „Atomstoppplakat“ – [ˀa’to:mʃtɔpplakɑ:t]

[p] wird an der Silbengrenze doppellautend gesprochen, wenn in zusammen­gesetzten Wörtern „bp“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [p] an der Silbengrenze doppellautend„grobporig“ – [‚gʀo:ppo:ʀɪç], „abpassen“ – [‚ˀappasən], „abputzen“ – [‚ˀappʊt͜sən], „Schreibpapier“ – [‚ʃʀa͜eppapi:ʁ], „Lobpreisung“ – [‚lo:ppʀa͜ezʊŋ]

Artikulation des stimmhaften Lippen-VerschlusslautsBeim Sprechen des stimmhaften Lippen-Verschlusslauts [b] sprengt der Ausatmungsluftstrom die aufeinandergelegten Lippen. Der Unterkiefer senkt sich kaum. Die Zunge bleibt entspannt, ebenso die Zungenspitze. Das Gaumensegel ist gehoben, die Stimmlippen schwingen. Das Zäpfchen bleibt passiv.

Die Stellung der Artikulation ist die gleiche wie beim stimmlosen Lippen-Verschlusslaut [p].

[b] wird gesprochen, wenn „B“, „b“ oder „bb“ geschrieben wird.

[b] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „B“ oder „b“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

    • [b] am betonten Silbenanfang„baden“ – [‚bɑ:dən], „Boden“ – [‚bo:dən], „Buch“ – [bu:x], „Bar“ – [bɑ:ʁ], „Bier“ – [bi:ʁ]
    • „entbehren“ – [ˀɛnt’be:ʀən], „gebären“ – [gə’bɛ:ʀən], „geboren“ – [gə’bo:ʀən], „Gebäck“ – [gə’bɛk], „entbehrlich“ – [ˀɛnt’be:ʁlɪç]
    • „Bruder“ – [‚bʀu:dəʁ], „Blut“ – [blu:t], „blasen“ – [‚blɑ:zən], „Braten“ – [‚bʀɑ:tən], „brechen“ – [‚bʀɛçən]
    • „gebraten“ – [gə’bʀɑ:tən], „verbrannt“ – [fɛʁ’bʀant], „gebrochen“ – [gə’bʀɔxən], „unterbrechen“ – [ˀʊntəʁ’bʀɛçən], „verbringen“ – [fɛʁ’bʀɪŋən]
  • [b] am unbetonten Silbenanfang„Leben“ – [‚le:bən], „Abend“ – [‚ˀɑ:bənt], „Tube“ – [‚tu:bə], „proben“ – [‚pʀo:bən], „weben“ – [‚ve:bən]
  • „anbahnen“ – [‚ˀanbɑ:nən], „Vorbote“ – [‚fo:ʁbo:tə], „anbieten“ – [‚ˀanbi:tən], „aufbahren“ – [‚ˀa͜ofbɑ:ʀən], „aufbinden“ – [‚ˀa͜ofbɪndən]
  • „Fabrikat“ – [fabʀɪ’kɑ:t], „Algebra“ – [‚ˀalge:bʀɑ:], „Zebra“ – [‚t͜se:bʀɑ:], „brillieren“ – [bʀɪ’li:ʀən], „erübrigen“ – [ˀɛʁ’y:bʀɪgən]
  • „anbringen“ – [‚ˀanbʀɪŋən], „Einbruch“ – [‚ˀa͜enbʀʊx], „vorbraten“ – [fo:ʁ’bʀɑ:tən], „anbrennen“ – [‚ˀanbʀɛnən], „ausbreiten“ – [‚ˀa͜osbʀa͜etən]

[b] wird an der Silbengrenze gesprochen, wenn in nichtzusammengesetzten Wörtern „bb“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [b] an der Silbengrenze„blubbern“ – [‚blʊbəʁn], „Krabbe“ – [‚kʀabə], „Ebbe“ – [‚ˀɛbə], „knabbern“ – [‚knabəʁn], „Robbe“ – [‚ʀɔbə]

Artikulation des stimmlosen Zahn-VerschlusslautsBeim Sprechen des stimmlosen Zahn-Verschlusslauts[48] [t] bleiben die Lippen entspannt und der Unterkiefer senkt sich leicht. Der

Ausatmungsluftstrom sprengt die hinter die oberen Schneidezähne gedrückte Zungenspitze vom harten Gaumen und entweicht durch den spaltbreit geöffneten Mund. Der Zungenrücken bleibt entspannt. Das Gaumensegel ist gehoben und die Stimmlippen sind geöffnet. Das Zäpfchen bleibt passiv.

Die Stellung der Artikulation ist die gleiche wie beim stimmhaften Zahn-Verschlusslaut [d]. Die Stärke der Aspiration richtet sich nach der Lautumgebung. Mit nachfolgendem [s] verschmilzt [t] zum Verschluss-Reibelaut [t͜s], mit nachfolgendem [ʃ] zum Verschluss-Reibelaut [t͜ʃ].

[t] wird gesprochen, wenn „T“, „t“ oder „tt“, „Th“ oder „th“, „d“ oder „dt“ geschrieben wird.

[t] wird am betonten Silbenanfang stark behaucht gesprochen, wenn „T“ oder „t“ geschrieben wird und ein Vokal folgt, zum Beispiel in:

  • [t] am betonten Silbenanfang„Tür“ – [ty:ʁ], „Tor“ – [to:ʁ], „Tier“ – [ti:ʁ], „tanken“ – [‚taŋkən], „taufen“ – [‚ta͜ofən]
  • „getan“ – [gə’tɑ:n], „geteert“ – [gə’te:ʁt], „getickt“ – [gə’tɪkt], „betören“ – [bə’tø:ʀən], „geturnt“ – [gə’tʊʀnt]
  • „stur“ – [ʃtu:ʁ], „Stand“ – [ʃtant], „Stier“ – [ʃti:ʁ], „stehen“ – [‚ʃte:ən], „stolpern“ – [‚ʃtɔlpəʁn]
  • „gestehen“ – [gə’ʃte:ən], „verstanden“ – [fɛʁ’ʃtandən], „umstellen“ – [ˀʊm’ʃtɛlən], „entstören“ – [ˀɛnt’ʃtø:ʀən], „Bestand“ – [bə’ʃtant]

[t] wird am betonten Silbenanfang schwach behaucht gesprochen, wenn „t“ geschrieben wird und ein Konsonant folgt, zum Beispiel in:

  • [t] am betonten Silbenanfang„Traube“ – [‚tʀa͜obə], „tragen“ – [‚tʀɑ:gən], „Tross“ – [tʀɔs], „Betrug“ – [bə’tʀu:k], „Trommel“ – [‚tʀɔməl]
  • „getragen“ – [gə’tʀɑ:gən], „betrügen“ – [bə’tʀy:gən], „getroffen“ – [gə’tʀɔfən], „getrieben“ – [gə’tʀi:bən], „Vertrag“ – [fɛʁ’tʀɑ:k]
  • „Strafe“ – [‚ʃtʀɑ:fə], „Streifen“ – [‚ʃtʀa͜efən], „Strophe“ – [‚ʃtʀo:fə], „Strich“ – [ʃtʀɪç], „strömen“ – [‚ʃtʀø:mən]
  • „bestreichen“ – [bə’ʃtʀa͜eçən], „zerstritten“ – [t͜sɛʁ’ʃtʀɪtən], „gestrafft“ – [gə’ʃtʀaft], „verstrickt“ – [fɛʁ’ʃtʀɪkt], „Gestrüpp“ – [gə’ʃtʀγp]

[t] wird am unbetonten Silbenanfang schwach behaucht gesprochen, wenn „t“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [t] am unbetonten Silbenanfang„Pute“ – [‚pu:tə], „Braten“ – [‚bʀɑ:tən], „Bote“ – [‚bo:tə], „Güter“ – [‚gy:təʁ], „Röte“ – [‚ʀø:tə]
  • umtauschen“ – [‚ˀʊmta͜oʃən], „zuteilen – [‚t͜su:ta͜elən], „vorturnen“ – [‚fo:ʁtʊʀnən], „auftauen“ – [‚ˀa͜ofta͜oən], „abtauchen“ – [‚ˀapta͜oxən]
  • „umstoßen“ – [‚ˀʊmʃto:sən], „herstellen“ – [‚he:ʁʃtɛlən], „abstauben“ – [‚ˀapʃta͜obən], „Vorstand“ – [‚fo:ʁʃtant], „abstillen“ – [‚ˀapʃtɪlən]
  • „Metronom“ – [metʀo’no:m], „Atrium“ – [‚ˀa:tʀɪʊm], „Spektrum“ – [‚ʃpɛktʀʊm], „Mantra“ – [‚mantʀɑ:], „Zentrifuge“ – [t͜sɛntʀɪ’fu:gə]
  • „eintragen“ – [‚ˀa͜entʀɑ:gən], „nachtrauern“ – [’nɑ:xtʀa͜oəʁn], „Beitritt“ – [‚ba͜etʀɪt], „vortreten“ – [‚fo:ʁtʀe:tən], „nachträglich“ – [’nɑ:xtʀɛklɪç]
  • „anstrahlen“ – [‚ˀanʃtʀɑ:lən], „Beistrich“ – [‚ba͜eʃtʀɪç], „einströmen“ – [‚ˀa͜enʃtʀø:mən], „abstreiten“ – [‚ˀapʃtʀa͜etən] „abstrafen“ – [‚ˀapʃtʀɑ:fən]

[t] wird am betonten Silbenanfang stark behaucht gesprochen, wenn „Th“ oder „th“ geschrieben wird und ein Vokal folgt, zum Beispiel in:

  • [t] am betonten Silbenanfang„Theke“ – [‚te:kə], „Thema“ – [‚te:ma], „These“ – [‚te:zə], „Apotheke“ – [ˀapo’te:kə], „Bibliothek“ – [bɪblɪo’te:k]

[t] wird am betonten Silbenanfang schwach behaucht gesprochen, wenn „th“ geschrieben wird und ein Konsonant folgt, zum Beispiel in:

  • [t] am betonten Silbenanfang„Thron“ – [tʀo:n], „Thraker“ – [‚tʀɑ:kəʁ], „Thrombus“ – [‚tʀɔmbᴜs], „Arthrose“ – [ˀaʁ‘tʀo:zə]
  • „gethront“ – [gə’tʀo:nt]

[t] wird am unbetonten Silbenanfang schwach behaucht gesprochen, wenn „Th“ oder „th“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [t] am unbetonten Silbenanfang„Orthografie“ – [ˀɔʀtogʀa’fi:], „Anästhesie“ – [ˀɑnɛste’zi:], „Lethargie“ – [letaʁ’gi:], „Theater“ – [te’ˀɑ:təʁ],
    „Theorie“ – [teo’ʀi:]
  • „Unterthema“ – [‚ʊntəʁte:ma], „Antithese“ – [‚ˀantɪte:zə]
  • „Thrombose“ – [tʀɔm’bo:zə], „Anthrazit“ – [ˀantʀɑ’t͜sɪt], „Erythrozyt“ – [ˀeʀγtʀo’t͜sy:t], „Anthropologe“ – [ˀantʀopo’lo:gə], „Lothringen“ – [‚lo:tʀɪŋən]
  • „inthronisieren“ – [ˀɪntʀonɪzi:ʀən]

[t] wird am Silbenende stark behaucht gesprochen, wenn „t“ oder „tt“ geschrieben wird und in der Silbe kein Konsonant folgt, zum Beispiel in:

  • [t] am Silbenende„Wut“ – [vu:t], „Mast“ – [mast], „Boot“ – [bo:t], „Wort“ – [vɔʀt], „er lernt“ – [ˀe:ʁ ‚lɛʀnt]
  • „Bett“ – [bɛt], „er tritt“ – [ˀe:ʁ ‚tʀɪt], „matt“ – [mat], „Schritt“ – [ʃʀɪt], „glatt“ – [glat]

[t] wird am Silbenende stark behaucht gesprochen, wenn „th“ geschrieben wird und in der Silbe kein Konsonant folgt, zum Beispiel in:

  • [t] am Silbenende„Rhythmus“ – [‚ʀγtmᴜs], „Arithmetik“ – [‚ˀa:ʀɪtme:tɪk], „Athlet“ – [ˀat’le:t], „Psychopath“ – [p͜sγço’pɑ:t], „Monolith“ – [mono’li:t]

[t] wird am Silbenende stark behaucht gesprochen, wenn „d“ geschrieben wird und in der Silbe kein Konsonant folgt, zum Beispiel in:

  • [t] am Silbenende„Tod“ – [to:t], „Geduld“ – [gə’dʊlt], „Mord“ – [mɔʀt], „Kleid“ – [kla͜et], „Grad“ – [gʀɑ:t]

[t] wird am Silbenende stark behaucht gesprochen, wenn „dt“ geschrieben wird und in der Silbe kein Konsonant folgt, zum Beispiel in:

  • [t] am Silbenende„Stadt“ – [ʃtat], „beredt“ – [bə’ʀe:t], „entsandt“ – [ɛnt’zant], „angewandt“ – [‚angəvant], „falls sie einlädt“ [fals zi: ‚a͜enlɛ:t]

[t] wird an der Silbengrenze schwach behaucht gesprochen, wenn in nicht­zusammengesetzten Wörtern „tt“ oder „dt“ geschrieben wird und ein Vokal folgt, zum Beispiel in:

  • [t] an der Silbengrenze„wetten“ – [‚vɛtən], „rütteln“ – [‚ʀγtəln], „Sattel“ – [‚zatəl], „Mitte“ – [‚mɪtə], „Grotte“ – [‚gʀɔtə]
  • „Städte“ – [‚ʃtɛtə], „Verwandte“ – [fɛʁ’vantə], „Gesandter“ – [gə’zantəʁ], „ihm zugewandte“ – [ˀi:m ‚t͜sugəvantə] – „euch abgewandte“ – [ˀɔ͜øç ‚apgəvantə]

[t] wird an der Silbengrenze doppellautend gesprochen, wenn in zusammengesetzten Wörtern „tt“ oder „ttt“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [t] an der Silbengrenze doppellautend„Bluttat“ – [‚blu:ttɑ:t], „breittreten“ – [‚bʀa͜ettʀe:tən], „enttäuschen“ – [‚ˀɛnttɔ͜øʃən], „Gewalttäter“ – [gə’valttɛ:təʁ], „Hauptthema“ – [‚ha͜optte:mɑ]
  • „Betttuch“ – [‚bɛttu:x], „Baletttänzer“ – [ba’lɛttɛnt͜səʁ], „Schritttempo“ – [‚ʃʀɪttɛmpo], „Wettturnen“ – [‚vɛttʊʀnən], „Blatttrieb“ – [‚blattʀi:p]

[t] wird an der Silbengrenze doppellautend gesprochen, wenn in zusammengesetzten Wörtern „dt“ oder „dtt“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [t] an der Silbengrenze doppellautend„Rundtausch“ – [‚ʀʊntta͜oʃ], „Abendtafel“ – [‚ˀɑ:bənttɑ:fəl], „Wandteil“ – [‚vantta͜el], „Jugendtag“ – [‚ju:gənttɑ:k], „Versandtasche“ – [fɛʁ’zanttaʃə]
  • „Stadttor“ – [‚ʃtatto:ʁ], „Stadtteil“ – [‚ʃtatta͜el], „Stadttheater“ – [‚ʃtatteˀɑ:təʁ]

Artikulation des stimmhaften Zahn-VerschlusslautsBeim Sprechen des stimmhaften Zahn-Verschlusslauts [d] bleiben die Lippen entspannt und der Unterkiefer senkt sich leicht. Der Ausatmungsluftstrom sprengt die hinter die oberen Schneidezähnen gedrückte Zungenspitze vom harten Gaumen und entweicht durch den spaltbreit geöffneten Mund. Der Zungenrücken bleibt entspannt. Das Gaumensegel ist gehoben und die Stimmlippen schwingen. Das Zäpfchen bleibt passiv.

Die Stellung der Artikulation ist die gleiche wie beim stimmlosen Zahn-Verschlusslaut [t]. Mit nachfolgendem [ʒ] verschmilzt [d] zum Verschluss-Reibelaut [d͜ʒ].

[d] wird gesprochen, wenn „D“, „d“ oder „dd“ geschrieben wird.

[d] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „D“ oder „d“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

    • [d] am betonten Silbenanfang„da“ – [dɑ:], „dumpf“ – [dᴜmp͜f], „Dorf“ – [dɔʀf], „du“ – [du:], „Dame“ – [‚dɑ:mə]
    • „entdecken“ – [ˀɛnt’dɛkən], „überdauern“ – [ˀy:bəʁ’da͜oəʁn], „zudem“ – [t͜su’de:m], „durchdenken“ – [dʊʀç’dɛŋkən], „gedeckelt“ – [gə’dɛkəlt]
    • „drohen“ – [dʀo:ən], „drücken“ – [‚dʀγkən], „draußen“ – [‚dʀa͜osən], „dringend“ – [‚dʀɪŋənt], „drehen“ – [‚dʀe:ən]
    • „verdrehen“ – [fɛʁ’dʀe:ən], „bedrückt“ – [bə’dʀγkt], „gedrängt“ – [gə’dʀɛŋt], „bedrängen“ – [bə’dʀɛŋən], „bedrohen“ – [bə’dʀo:ən]
  • [d] am unbetonten Silbenanfang„Nudel“ – [’nu:dəl], „Made“ – [‚mɑ:də], „Sendung“ – [‚zɛndᴜŋ], „leider“ – [‚la͜edəʁ], „ändern“ – [‚ˀɛndəʁn]
  • „andocken“ – [‚ˀandɔkən], „andauern“ – [‚ˀanda͜oəʁn], „wegducken“ – [‚vɛkdʊkən], „abdanken“ – [‚ˀapdaŋkən], „undicht“ – [‚ˀʊndɪçt]
  • „Hydroxid“ – [hydʀɔ’k͜si:t], „Baldrian“ – [‚baldʀiɑ:n], „zylindrisch“ – [t͜sy’lɪndʀɪʃ], „adrig“ – [‚ˀɑ:dʀɪç], „widrig“ – [‚vi:dʀɪç]
  • „Andrang“ – [‚ˀandʀaŋ], „abdriften“ – [‚ˀapdʀɪftən], „nachdrücklich“ – [’nɑ:xdʀγklɪç], „wegdrängen“ – [‚vɛkdʀɛŋən], „ausdrucken“ – [‚ˀa͜osdʀʊkən]

[d] wird an der Silbengrenze gesprochen, wenn in nichtzusammengesetzten Wörtern „dd“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [d] an der Silbengrenze„verheddert“ – [fɛʁ’hɛdəʁt], „addieren“ – [ˀɑ’di:ʀən] ,
    „Widder“ – [‚vɪdəʁ], „Pudding“ – [‚pʊdɪŋ], „paddeln“ – [‚padəln]

Artikulation des stimmlosen Hintergaumen-VerschlusslautsBeim Sprechen des stimmlosen Hintergaumen-Verschlusslauts [49] [k] bleiben die Lippen entspannt und der Unterkiefer senkt sich leicht. Der Ausatmungsluftstrom sprengt den an den weichen Gaumen angedrückten Zungenrücken und entweicht dann durch den spaltbreit geöffneten Mund. Die Zungenspitze liegt derweil locker an den unteren Schneidezähnen. Das Gaumensegel ist gehoben und die Stimmlippen sind geöffnet. Das Zäpfchen bleibt passiv.

Die Stellung der Artikulation ist die gleiche wie beim stimmhaften Hintergaumen-Verschlusslaut [g]. Die Stärke seiner Aspiration richtet sich nach seiner Lautumgebung. Mit nachfolgendem [s] verschmilzt [k] zum Verschluss-Reibelaut [k͜s], mit nachfolgendem [v] zum Verschluss-Reibelaut [k͜v].

[k] wird gesprochen, wenn „K“, „k“ oder „kk“ „Ch“ oder „ch“, „C“ oder „c“, „ck“ oder „g“, „Qu“, „qu“ oder „que“ geschrieben wird.

[k] wird am betonten Silbenanfang stark behaucht gesprochen, wenn „K“ oder „k“ geschrieben wird und ein Vokal folgt, zum Beispiel in:

  • [k] am betonten Silbenanfang„Kabel“ – [‚kɑ:bəl], „Kuchen“ – [‚ku:xən], „kurz“ – [kʊʀt͜s], „kichern“ – [‚kɪçəʁn], „Käse“ – [‚kɛ:zə]
  • „bekehren“ – [bə’ke:ʀən], „verkehrt“ – [fɛʁ’ke:ʀt], „zerkauen“ – [t͜sɛʁ’ka͜oən], „entkernt“ – [ˀɛnt’kɛʁnt], „bekannt“ – [bə’kant]
  • „Skat“- [skɑ:t], „Skizze“ – [’skɪt͜sə], „skeptisch“ – [’skɛptɪʃ], „Skonto“ – [’skɔnto], „Sketch“ – [skɛt͜ʃ]
  • „obskur“ – [ˀop’sku:ʁ], „Diskurs“ – [dɪs’kʊʀs], „Diskont“ – [dɪs’kɔnt], „Mikroskop“ – [mikʀo’sko:p], „Eskorte“ – [ˀɛs’kɔʀtə]

[k] wird am betonten Silbenanfang schwach behaucht gesprochen, wenn „k“ geschrieben wird und ein Konsonant folgt, zum Beispiel in:

  • [k] am betonten Silbenanfang„Kloster“ – [‚klo:stəʁ], „Krug“ – [kʀu:k], „Knabe“ – [‚knɑ:bə], „kriechen“ – [‚kʀi:çən], „klingen“ – [‚klɪŋən]
  • „beklagen“ – [bə’klɑ:gən], „verkriechen“ – [fɛʁ’kʀi:çən], „Enklave“ – [ˀɛn’klɑ:və], „gekracht“ – [gə’kʀaxt], „erklären“ – [ˀɛʁ’klɛ:ʀən]
  • „Sklave“ – [’sklɑ:və], „Skrupel“ – [skʀu:pəl], „Skript“ – [skʀɪpt]
  • „versklavt“ –[fɛʁ’sklɑ:ft], „diskret“ – [dɪs’kre:t]

[k] wird am unbetonten Silbenanfang schwach behaucht gesprochen, wenn „K“ oder „k“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [k] am unbetonten Silbenanfang„Laken“ – [‚lɑ:kən], „Balken“ – [‚balkən], „lenken“ – [‚lɛŋkən], „Orakel“ – [ˀo’ʀɑ:kəl], „pökeln“ – [‚pø:kəln]
  • „Nachkomme“ – [’nɑ:xkɔmə], „Herkunft“ – [‚he:ʁkʊnft], „auskennen“ – [‚a͜oskɛnən], „heimkommen“ – [‚ha͜emkɔmən], „Hochkultur“ – [‚ho:xkʊltu:ʁ]
  • „Skelett“ – [ske’lɛt], „Skandal“ – [skan’dɑ:l], „Episkopat“ – [ˀepɪsko’pɑ:t]], „skurril“ – [sku’ʀi:l], „Skorbut“ – [skɔʀ’bu:t]
  • „Sakrament“ – [zakʀa’mɛnt], „Akrobat“ – [ˀakʀo’bɑ:t], „Kroate“ – [kʀo’ˀɑ:tə], „Mikrofon“ – [mikʀo’fo:n], „Makler“ – [‚mɑ:kləʁ]
  • „ankleiden“ – [‚ˀankla͜edən], „ausklappen“ – [‚ˀa͜osklapən],
    „festklammern“ – [‚fɛstklaməʁn], „breitklopfen“ – [‚bʀa͜etklɔp͜fən],
    „hochkrempeln“ – [‚ho:xkʀɛmpəln]

[k] wird am betonten Silbenanfang stark behaucht gesprochen, wenn „Ch“ oder „ch“ geschrieben wird und ein Vokal folgt, zum Beispiel in:

  • [k] am betonten Silbenanfang„Orchester“ – [ˀɔʁ’kɛstəʁ], „Charisma“ – [‚kɑʀɪsmɑ], „Chor“ – [ko:ʁ], „Chaos“ – [‚kɑɔs], „Cholera“ – [‚ko:ləʀɑ]

[k] wird am betonten Silbenanfang schwach behaucht gesprochen, wenn „Ch“ oder „ch“ geschrieben wird und ein Konsonant folgt, zum Beispiel in:

  • [k] am betonten Silbenanfang„christlich“ – [‚kʀɪstlɪç], „Chlor“ – [klo:ʀ], „Chrom“ – [kʀo:m], „Chronik“ – [‚kʀo:nɪk], „Chlodwig“ – [‚klo:tvɪç]
  • „verchromt“ – [fɛʁ’kro:mt], gechlort“ – [gəklo:ʁt]

[k] wird am unbetonten Silbenanfang schwach behaucht gesprochen, wenn „Ch“ oder „ch“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [k] am unbetonten Silbenanfang„Melancholie“ – [melaŋko’li:], „Charakter“ – [kɑ’ʀaktəʁ], „cholerisch“ [ko’le:ʀɪʃ], „Choreograf“ [koʀeo’gʀɑ:f],
    „Choral“ – [ko’ʀɑ:l]
  • „Chlorid“ – [klo’ʀi:t], „Chromosom“ – [kʀomo’zo:m], „Chloroform“ – [kloʀo’fɔʀm], „chromatisch“ [kʀo’mɑ:tɪʃ], „Chrysantheme“ – [kʀyzan’te:mə]
  • „unchristlich“ [‚ˀʊnkʀɪstlɪç], „asynchron“ – [‚ˀɑzγnkʀo:n], „Antichrist“ – [‚ˀantikʀɪst], „anachronistisch“ – [ˀanakʀo’nɪstɪʃ]

[k] wird am betonten Silbenanfang stark behaucht gesprochen, wenn „C“ oder „c“ geschrieben wird und ein Vokal folgt, zum Beispiel in:

  • [k] am betonten Silbenanfang„Cockpit“ – [‚kɔkpɪt], „Couch“ – [ka͜ot͜ʃ], „Cocktail“ – [‚kɔkte:l], „Campus“ – [‚kampʊs], „Collie“ – [‚kɔ’li:]
  • „Decoder“ – [de’ko:dəʁ]

[k] wird am betonten Silbenanfang schwach behaucht gesprochen, wenn „C“ oder „c“ geschrieben wird und ein Konsonant folgt, zum Beispiel in:

  • [k] am betonten Silbenanfang„Clown“ – [kla͜on], „Clip“ – [klɪp], „Club“ – [klʊp], „Clique“ – [‚klɪkə], „Creme“ – [kʀe:m]
  • „gescrollt“ – [gə’skʀɔlt]

[k] wird am unbetonten Silbenanfang schwach behaucht gesprochen, wenn „C“ oder „c“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [k] am unbetonten Silbenanfang„decodieren“ – [deko’di:ʀən]
  • „clownesk“ – [‚kla͜o’nɛsk], „Croupier“ – [kru’pıe:]
  • „eingecremt“ – [‚ˀa͜engəkʀe:mt]

[k] wird am betonten Silbenanfang stark behaucht gesprochen, wenn „Qu“ oder „qu“ geschrieben wird und ein Vokal folgt, zum Beispiel in:

  • [k] am betonten Silbenanfang„Claqueur“ – [kla’kø:ʁ], „Enquete“ – [õ’kɛt]

 

[k] wird am unbetonten Silbenanfang schwach behaucht gesprochen, wenn „Qu“ oder „qu“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [k] am unbetonten Silbenanfang„Quarantäne“ – [kɑʀan’tɛ:nə], „Quartier Latin“ – [kɑʁtıe: la’tɛ̃],„Clique“ – [‚klɪkə], „Boutiquen“ – [bu’ti:kən]

[k] wird am Silbenende stark behaucht gesprochen, wenn „k“ geschrieben wird und in der Silbe kein Konsonant folgt, zum Beispiel in:

  • [k] am Silbenende„Werk“ – [vɛʁk], „Schrank“ – [ʃʀaŋk], „welk“ – [vɛlk], „Quark“ – [k͜vaʀk], „Technik“ – [‚tɛçnɪk]

[k] wird am Silbenende schwach behaucht gesprochen, wenn „k“ geschrieben wird und ein Konsonant folgt, zum Beispiel in:

  • [k] am Silbenende„Dialekt“ – [dɪɑ’lɛkt], „gedankt“ – [gə’daŋkt], „Insekt“ – [ˀɪn’zɛkt], „Produkt“ – [pʀo’dʊkt], „Punkt“ – [pʊŋkt]
  • „es spukt“ – [ˀɛs ‚ʃpu:kt], „es blökt“ [ˀɛs ‚blø:kt], „er paukt“ – [ˀe:ʁ ‚pa͜okt], „direkt“ – [di’rɛkt], „es hakt“ [ˀɛs ‚hɑ:kt]
  • „ihr parkt“ – [ˀi:ʁ paʀkt], „sie dankt“ – [zi: ‚daŋkt], „Infarkt“ – [ˀɪn’faʀkt], „er hinkt“ – [ˀe:ʁ ‚hɪŋkt], „sie melkt“ – [zi: ‚mɛlkt]

[k] wird am Silbenende stark behaucht gesprochen, wenn „c“ geschrieben wird und in der Silbe kein Konsonant folgt, zum Beispiel in:

  • [k] am Silbenende„Comic“ – [‚kɔmɪk], „metallic“ – [me’talɪk], „Marc“ – [maʁk], „chic“ – [ʃɪk], „Eric“ – [‚ˀe:ʀɪk]

[k] wird am Silbenende stark behaucht gesprochen, wenn „ck“ geschrieben wird und in der Silbe kein Konsonant folgt, zum Beispiel in:

  • [k] am Silbenende„Rock“ – [ʀɔk], „Dreck“ – [dʀɛk], „Druck“ – [dʀʊk], „schick“ – [ʃɪk], „Besteck“ – [bə’ʃtɛk]

[k] wird am Silbenende schwach behaucht gesprochen, wenn „ck“ geschrieben wird und ein Konsonant folgt, zum Beispiel in:

  • [k] am Silbenende„es tickt“ – [ˀɛs ‚tɪkt], „ihr erschreckt“ – [ˀi:ʁ ˀɛʁ’ʃʀɛkt], „es knackt“ – [ˀɛs ‚knakt], „er spuckt“ – [ˀe:ʁ ‚ʃpʊkt],
    „sie weckt“ – [zi: ‚vɛkt]

[k] wird am Silbenende stark behaucht gesprochen, wenn „g“ geschrieben wird und in der Silbe kein Konsonant folgt, zum Beispiel in:

  • [k] am Silbenende„Weg“ – [ve:k], „Antrag“ – [‚antʀɑ:k], „Betrug“ – [bə’tʀu:k], „Berg“ – [bɛʁk], „Sarg“ – [zaʀk]

[k] wird am Silbenende schwach behaucht gesprochen, wenn „g“ geschrieben wird und ein Konsonant folgt, zum Beispiel in:

  • [k] am Silbenende„er sagt“ – [e:ʁ ‚zɑ:kt], „bewegt“ – [bə’ve:kt], „ihr tagt“ – [ˀi:ʁ ‚tɑ:kt], „belegt“ – [bə’le:kt], „sie siegt“ – [zi: ‚zi:kt]
  • „sie würgt“ – [zi: ‚vγʀkt], „gebürgt“ – [gə’bγʀkt], „besorgt – [bə’zɔʀkt]“, „geborgt“ – [gə’bɔʀkt], „verfolgt“ – [fɛʁ’fɔlkt]

[k] wird schwach behaucht gesprochen, wenn am Silbenende „ig“ geschrieben wird und eine Silbe folgt, in der „ich“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [k] am Silbenende„Königreich“ – [‚kø:nɪkʀa͜eç] , „inniglich“ – [‚ˀɪnɪklɪç], „ewiglich“ – [‚ˀe:vɪklɪç], „königlich“ – [‚kø:nɪklɪç], „lediglich“ – [‚le:dɪklɪç]

[k] wird am Silbenende stark behaucht gesprochen, wenn „que“ geschrieben wird und in der Silbe kein Konsonant folgt, zum Beispiel in:

  • [k] am Silbenende„Boutique“ – [bu’tɪk], „Plaque“ – [plɑk]

[k] wird an der Silbengrenze schwach behaucht gesprochen, wenn in nichtzusam­mengesetzten Wörtern „kk“ geschrieben wird und ein Vokal folgt, zum Beispiel in:

  • [k] an der Silbengrenze„okkult“ – [ˀɔ’kʊlt], „Akkord“ – [ˀa’kɔʀt], „Sakko“ – [‚zɑko], „Mokka“ – [‚mɔkɑ], „akkurat“ – [ˀɑku’ʀɑ:t]

[k] wird an der Silbengrenze schwach behaucht gesprochen, wenn in nichtzusam­mengesetzten Wörtern „cc“ geschrieben wird und ein Vokal folgt, zum Beispiel in:

  • [k] an der Silbengrenze„Piccolo“ – [‚pikolo], „staccato“ – [ʃta’kɑ:to] „Yucca“ – [‚jʊkɑ]

[k] wird an der Silbengrenze schwach behaucht gesprochen, wenn in nichtzusam­mengesetzten Wörtern „ck“ geschrieben wird und ein Vokal folgt, zum Beispiel in:

  • [k] an der Silbengrenze„packen“ – [‚pakən], „schlucken“ – [‚ʃlᴜkən], „Rücken“ – [‚ʀγkən], „Säcke“ – [‚zɛkə], „Mücke“ – [‚mγkə]

[k] wird an der Silbengrenze doppellautend gesprochen, wenn in zusammen­gesetzten Wörtern „kk“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [k] an der Silbengrenze doppellautend„Schwenkkran“ – [‚ʃvɛŋkkʀɑ:n], „Bankkrise“ – [‚baŋkkʀi:zə], „Fachwerkkirche“ – [‚faxvɛʁkkɪʀçə] , „Plastikkarte“ – [‚plastɪkkaʀtə], „Atlantikküste“ – [ˀat’lantɪkkγstə]

Artikulation des stimmhaften Hintergaumen-VerschlusslautsBeim Sprechen des stimmhaften Hintergaumen-Verschlusslauts [g] bleiben die Lippen entspannt und der Unterkiefer senkt sich leicht. Der Ausatmungsluftstrom sprengt den an den weichen Gaumen angedrückten Zungenrücken und entweicht dann durch den spaltbreit geöffneten Mund. Die Zungenspitze liegt derweil locker an den unteren Schneidezähnen. Das Gaumensegel ist gehoben und die Stimmlippen schwingen. Das Zäpfchen bleibt passiv.

Die Stellung der Artikulation ist die gleiche wie beim stimmlosen Hintergaumen-Verschlusslaut [k].

[g] wird gesprochen, wenn „G“, „g“ oder „gg“, „Gh“ oder gh“ geschrieben wird.

[g] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „G“ oder „g“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

    • [g] am betonten Silbenanfang„Gabel“ – [‚gɑ:bəl], „gießen“ – [‚gi:sən], „Güte“ – [‚gy:tə],
      „gut“ – [gu:t], „Geld“ – [gɛlt]
    • „begehren“ – [bə’ge:ʀən], „begonnen“ – [bə’gɔnən],
      „gegart“ – [gə’gɑ:ʁt], „begierig“ – [bə’gi:ʀɪç], „gegoren“ – [gə’go:ʀən]
    • „Glut“ – [glu:t], „greifen“ – [‚gʀa͜efən], „Gnade“ – [‚gnɑ:də], „glatt“ – [glat], „Grund“ – [grʊnt]
    • „verglühen“ – [fɛʁ’gly:ən], „begrünt“ – [bə’gʀy:nt], „gegrast“ – [gə’gʀɑ:st], „verglast“ – [fɛʁ’glɑ:st], „vergleichen“ – [fɛʁ’gla͜eçən]
  • [g] am unbetonten Silbenanfang„Fliege“ – [‚fli:gə], „Frage“ – [‚fʀɑ:gə], „sagen“ – [‚zɑ:gən], „Lauge“ – [‚la͜ogə], „Neugier“ – [’nɔ͜øgi:ʁ]
  • „hinaufgehen“ – [hɪ’na͜ofge:ən], „Abgang“ – [‚ˀapgaŋ], „Vorgarten“ – [‚fo:ʁgaʀtən], „vorgaukeln“ – [‚fo:ʁga͜okəln], „Aufgeld“ – [‚ˀa͜ofgɛlt]
  • „global“ – [glo’bɑ:l], „Graffito“ – [gʀa’fɪto], „Grammatik“ – [gʀa’matɪk], „grundieren“ – [gʀʊn’di:ʀən], „Gladiator“ – [gladɪ’ˀɑ:toʁ]
  • „abgrenzen“ – [‚ˀapgʀɛnt͜sən], „anglühen“ – [‚ˀangly:ən], „Abgrund“ – [‚ˀapgʀʊnt], „Unglück“ – [‚ˀʊnglγk], „angleichen“ – [‚ˀangla͜eçən]

[g] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „Gh“ oder „gh“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

    • [g] am betonten Silbenanfang„Ghana“ – [‚gɑ:nɑ], „Afghane“ – [ˀaf’gɑ:nə], „Lamborghini“ – [lambɔʁ’gi:ni], „Spaghetti“ – [ʃpa’gɛti]

 

    • [g] am unbetonten Silbenanfang„Joghurt“ – [‚jo:gʊʁt]
    • „Maghreb“ – [‚mɑ:gʀɛp]

 

[g] wird an der Silbengrenze gesprochen, wenn in nichtzusammengesetzten Wörtern „gg“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [g] an der Silbengrenze„Egge“ – [‚ɛgə] , „suggerieren“ – [zᴜgə’ʀi:ʀən], „Flagge“ – [‚flagə], „schmuggeln“ – [‚ʃmᴜgəln], „Bagger“ – [‚bagəʁ]

Verschluss-Reibelaute

Die Konsonantengruppe der Verschluss-Reibelaute[50] besteht aus den stimmlosen Lauten [p͜f], [p͜s], [t͜s], [t͜ʃ] und [k͜s] sowie aus den stimmhaften Lauten [d͜ʒ] und [k͜v].

Beim Sprechen der Verschluss-Reibelaute ist der Übergang vom – unbehauchten – Verschluss- zum Reibelaut kaum zu hören, sie gehören deshalb zu nur einer Silbe.

Bei den Verschluss-Reibelauten [p͜f], [t͜s], [t͜ʃ] und [d͜ʒ] liegen die Artikulationsstellen eng beieinander[51], bei den Verschluss-Reibelauten [p͜s], [k͜s] und [k͜v] weniger[52].

Die echten Verschluss-Reibelaute sind stimmlos und werden an gleicher Artikulationsstelle gebildet: [p͜f], [t͜s] und [t͜ʃ]. Die unechten Verschluss-Reibelaute sind entweder stimmhaft oder werden an weniger eng beieinanderliegenden Artikulationsstellen gebildet: [d͜ʒ], [p͜s], [k͜s] und [k͜v].

Artikulation des stimmlosen Verschluss-Reibelauts [p͜f]Beim Sprechen des stimmlosen Verschluss-Reibelauts [p͜f] gleitet die Artikulationsbewegung vom stimmlosen Lippen-Verschlusslaut [p] zum stimmlosen Lippenzahn-Reibelaut [f].

[p͜f] wird gesprochen, wenn „Pf“ oder „pf“ geschrieben wird.

[p͜f] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „Pf“ oder „pf“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

    • [p͜f] am betonten Silbenanfang„Pfahl“ – [p͜fɑ:l], „Pferd“ – [p͜fe:ʁt], „pfuschen“ – [‚p͜fʊʃən], „Pfingsten“ – [‚p͜fɪŋstən], „Pforte“ – [‚p͜fɔʀtə]
    • „empfangen“ – [ˀɛm’p͜faŋən], „verpfuscht“ – [fɛʁ’p͜fʊʃt], „Empfehlung“ [ˀɛm’p͜fe:lʊŋ], „gepfändet“ – [gə’p͜fɛndət], „gepfiffen“ – [gə’p͜fɪfən]
    • „Pflanze“ – [‚p͜flant͜sə], „Pflicht“ – [p͜flɪçt], „pflücken“ – [‚p͜flγkən], „Pfropf“ – [p͜fʀɔp͜f], „Pfründe“ – [‚p͜fʀγndə]
    • „Verpflegung“ – [fɛʁ’p͜fle:gʊŋ], „Gepflogenheit“ – [gə’p͜flo:gənha͜et], „Verpflichtung“ – [fɛʁ’p͜flɪçtʊŋ], „gepflastert“ – [gə’p͜flastəʁt], „gepflegt“ – [gə’p͜fle:kt]
  • [p͜f] am unbetonten Silbenanfang„impfen“ –[‚ˀɪmp͜fən], „Opfer“ – [‚ˀɔp͜fəʁ], „rupfen“ – [‚ʀʊp͜fən], „klopfen“ – [‚klɔp͜fən], „Apfel“ – [‚ˀap͜fəl]
  • „abpfeifen“ – [‚ˀapp͜fa͜efən], „Oberpfalz“ – [‚ˀo:bəʁp͜falt͜s], „nachempfunden“ – [’nɑ:xɛmp͜fʊndən]
  • „abpflücken“ – [‚ˀapp͜flγkən], „beipflichten“ – [‚ba͜ep͜flɪçtən],
    „anpflanzen“ – [‚ˀanp͜flant͜sən], „ungepflegt“ – [‚ˀʊngəp͜fle:kt],
    „umgepflügt“ – [‚ˀʊmgəp͜fly:kt]

[p͜f] wird am Silbenende gesprochen, wenn „pf“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [p͜f] am Silbenende„Napf“ – [nap͜f], „Kopf“ – [kɔp͜f], „Dampf“ – [damp͜f], „Kampf“ – [kamp͜f], „Topf“ – [tɔp͜f]
  • „du schöpfst“ – [du: ‚ʃœp͜fst], „er kämpft“ – [ˀe:ʁ ‚kɛmp͜ft], „geschröpft“ – [gə’ʃʀœp͜ft], gezapft“ – [gə’t͜sap͜ft, „sie hüpft“ – [zi: ‚hγp͜ft]
  • „verdampft“ – [fɛʁ’damp͜ft], „gedämpft“ – [gə’dɛmp͜ft], „er impft“ [ˀe:ʁ ‚ˀɪmp͜ft], „übertrumpft“ – [ˀy:bəʁ’tʀʊmp͜ft], „geschrumpft“ – [gə’ʃʀʊmp͜ft]

[p͜f] wird an der Silbengrenze doppellautend gesprochen, wenn in zusammen­gesetzten Wörtern „pfpf“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [p͜f] an der Silbengrenze doppellautend„Topfpflanze“ – [‚tɔp͜fp͜flant͜sə], „Sumpfpfad“ – [‚zʊmp͜fp͜fɑ:t], „Dampfpfeife“ – [‚damp͜fp͜fa͜efə]

Artikulation des stimmlosen Verschluss-Reibelauts [p͜s]Beim Sprechen des stimmlosen Verschluss-Reibelauts [p͜s] gleitet die Artiku­lationsbewegung vom stimmlosen Lippen-Verschlusslaut [p] zum stimmlosen Zahn-Reibelaut [s].

[p͜s] wird gesprochen, wenn „Ps“, „ps“ oder „pps“, „bs“ oder „bbs“ geschrieben wird.

[p͜s] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „Ps“ oder „ps“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

    • [p͜s] am betonten Silbenanfang„Psyche“ – [‚p͜sy:çə], „Psalm“ – [p͜salm],
      „psychisch“ – [‚p͜sy:çɪʃ]

 

  • [p͜s] am unbetonten Silbenanfang„Pseudonym“ – [p͜sɔ͜ødo’ny:m], „Psychose“ – [p͜sy’ço:zə],
    „Psychiater“ – [p͜sy’çıɑ:təʁ]
  • „gipsen“ – [‚gɪp͜sən], „Kapsel“ – [‚kap͜səl], „Stöpsel“ – [‚ʃtœp͜səl], „Schnipsel“ – [‚ʃnɪp͜səl], „Kollapse“ – [‚kɔlap͜sə]

[p͜s] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „bs“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [p͜s] am unbetonten Silbenanfang„schubsen“ – [‚ʃʊp͜sən], „Überbleibsel“ – [‚ˀy:bəʁbla͜ep͜səl], „Erbsen“ – [‚ˀɛʁp͜sən], „Krebse“ – [‚kʀe:p͜sə]

[p͜s] wird am Silbenende gesprochen, wenn „ps“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [p͜s] am Silbenende„Schnaps“ – [ʃnap͜s], „Mops“ – [mɔp͜s], „Knirps“ – [knɪʀp͜s], „Schlips“ – [ʃlɪp͜s], „Bizeps“ – [‚bi: t͜sɛp͜s]
  • „du hopst“ – [du: ‚hɔp͜st], „du gipst“ – [du: ‚gɪp͜st], „du stupst“ – [du: ‚ʃtʊp͜st], „du tapst“ – [du: ‚tap͜st], „du knipst“ – [du: ‚knɪp͜st]
  • „du hupst“ – [du: ‚hu:p͜st], „Papst“ – [pɑ:p͜st], „du piepst“ – [du: ‚pi:p͜st], „du pupst“ – [du: ‚pu:p͜st], „du dopst“ – [du: ‚do:p͜st]
  • „du stülpst“ – [du: ‚ʃtγlp͜st], „du verschlampst“ – [du: fɛʁ’ʃlamp͜st], „du pumpst“ – [du: ‚pʊmp͜st], „du trampst“ – [du: ‚tʀɛmp͜st], „du zirpst“ – [du: ‚t͜sɪʀp͜st]

[p͜s] wird am Silbenende gesprochen, wenn „pps“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [p͜s] am Silbenende„Tipps“ – [tɪp͜s], „Stopps“ – [ʃtɔp͜s], „Nepps“ – [nɛp͜s], „des Trupps“ – [dɛs ‚tʀʊp͜s], „Krepps“ – [kʀɛp͜s]
  • „du schleppst“ – [du: ‚ʃlɛp͜st], „du stoppst“ – [du: ‚ʃtɔp͜st], „du kippst“ – [du: ‚kɪp͜st], „du schnappst“ – [du: ‚ʃnap͜st], „du schnippst“ – [du: ‚ʃnɪp͜st]

[p͜s] wird am Silbenende gesprochen, wenn „bs“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [p͜s] am Silbenende„Krebs“ – [kʀe:p͜s], „des Triebs“ – [dɛs ‚tʀi:p͜s], „des Siebs“ – [dɛs ‚zi:p͜s], des Stabs“ – [dɛs ‚ʃtɑ:p͜s], „des Korbs“ – [dɛs ‚kɔʀp͜s]
  • „du lebst“ – [du: ‚le:p͜st], „du gibst“ – [du: ‚gi:p͜st], „du schiebst“ – [du: ‚ʃi:p͜st], „Obst“ – [ˀo:p͜st], „du bleibst“ – [du: ‚bla͜ep͜st]
  • „du erbst“ – [du: ‚ˀɛʁp͜st], „du salbst“ – [du: ’salp͜st], „selbst“ – [zɛlp͜st], „du stirbst“ – [du: ‚ʃtɪʀp͜st], „du: wirbst“ – [du: ‚vɪʀp͜st]

[p͜s] wird am Silbenende gesprochen, wenn „bbs“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [p͜s] am Silbenende„du robbst“ – [du: ‚ʀɔp͜st], „du schrubbst“ – [du: ‚ʃʀʊp͜st], „du mobbst“ – [du: ‚mɔp͜st]

[p͜s] wird an der Silbengrenze doppellautend gesprochen, wenn in zusammen­gesetzten Wörtern auf „bs“ folgend „ps“geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [p͜s] an der Silbengrenze doppellautend„Betriebspsychologe“ – [bə’tʀi:p͜sp͜syçolo:gə]

Artikulation des stimmlosen Verschluss-Reibelauts [t͜s]Beim Sprechen des stimmlosen Verschluss-Reibelauts [t͜s][53] gleitet die Artikulationsbewegung vom stimmlosen Zahn-Verschlusslaut [t] zum stimmlosen Zahn-Reibelaut [s].

[t͜s] wird gesprochen, wenn „Z“, „z“, „zz“ oder „tz“, „Ts“, “ts“ oder „tts“, „ths“, „ds“ oder „dts“, „t“, „C“ oder „c“ geschrieben wird.

[t͜s] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „Z“ oder „z“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

    • [t͜s] am betonten Silbenanfang„zehn“ – [t͜se:n], „ziehen“ – [‚t͜si:ən], „zaudern“ – [‚t͜sa͜odəʁn], „Zug“ – [t͜su:k] , „Zoo“ – [t͜so:]
    • „bezahlen“ – [bə’t͜sɑ:lən], „verzeihen“ – [fɛʁ’t͜sa͜eən], „Verzug“ – [fɛʁ’t͜su:k], „gezogen“ – [gə’t͜so:gən], „beziehen“ – [bə’t͜si:ən]
  • [t͜s] am unbetonten Silbenanfang„Brezel“ – [‚bʀe:t͜səl], „Kreuzung“ – [‚kʀɔ͜øt͜sᴜŋ], „duzen“ – [‚du:t͜sən], „Grazie“ – [‚gʀɑ:t͜sıə], „kürzen“ – [‚kγʀt͜sən]
  • „abzählen“ – [‚ˀapt͜sɛ:lən], „nachziehen“ [’nɑ:xt͜si:ən], „Umzug“ – [‚ˀʊmt͜su:k], „Anzug“ – [‚ˀant͜su:k], „Aufzug“ – [‚ˀa͜oft͜su:k]

[t͜s] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „tz“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [t͜s] am unbetonten Silbenanfang„Hitze“ – [‚hɪt͜sə], „Katze“ – [‚kat͜sə], „nutzen“ – [’nʊt͜sən], „Mütze“ – [‚mγt͜sə], „putzen“ – [‚pʊt͜sən]

[t͜s] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „Ts“ oder „ts“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

    • [t͜s] am betonten Silbenanfang„Tsatsiki“ – [t͜sa’t͜sɪki:]

 

 

  • [t͜s] am unbetonten Silbenanfang„Rätsel“ – [‚ʀɛ:t͜səl], „Tsunami“ – [t͜su’nɑ:mi], „Lotse“ – [‚lo:t͜sə], „gerätselt“ – [gə’ʀɛt͜səlt]

[t͜s] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „t“ geschrieben wird und „i“ folgt, zum Beispiel in:

    • [t͜s] am betonten Silbenanfang„Nation“ – [na’t͜sıo:n], „Situation“ – [zɪtua’t͜sıo:n], „Position“ – [pozɪ’t͜sıo:n], „Station“ – [ʃta’t͜sıo:n], „Funktion“ – [fʊŋk’t͜sıo:n]
  • [t͜s] am unbetonten Silbenanfang„inflationär“ – [‚ˀɪnflat͜sıo’nɛ:ʁ], „rational“ [ʀat͜sıo’nɑ:l], „institutionell“ – [ˀɪnstɪtut͜sıo’nɛl], „Tertia“ – [‚tɛʁt͜sıɑ], „Aktionär“ – [ˀakt͜sıo’nɛ:ʁ]

[t͜s] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „c“ vor hellem Vokal geschrieben wird, zum Beispiel in:

    • [t͜s] am betonten Silbenanfang„et cetera“ – [ɛt ‚t͜sɛtəʀɑ], „Celsius“ – [‚t͜sɛlzıᴜs], „Cent“ – [t͜sɛnt]
    • „Citrusfrucht“ – [‚t͜sɪtʀʊsfʀᴜxt], „circa“ – [‚t͜sɪʀkɑ], „Circus“ – [‚t͜sɪʁkʊs]
    • „Ceylon“ – [‚t͜sa͜elɔn]
  • [t͜s] am unbetonten Silbenanfang„Cis-Moll“ – [t͜sɪs’mɔl]
  • „Cellophan“ – [t͜sɛlo’fɑ:n]

[t͜s] wird am Silbenende gesprochen, wenn „z“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [t͜s] am Silbenende„Salz“ – [zalt͜s], „Glanz“ – [glant͜s], „Schmerz“ – [ʃmɛʀt͜s], „Reiz“ – [ʀa͜et͜s], „kurz“ – [kʊʀt͜s]
  • „er geizt“- [ˀe:ʁ ‚ga͜et͜st], „geduzt“ – [gə’du:t͜st]
  • „Arzt“ – [ˀaʀt͜st], „gesalzt“ – [gə’zalt͜st], „abgeholzt“ – [‚ˀapgəhɔlt͜st], „gekürzt“ – [gə’kγʀt͜st], „begrenzt“ – [bə’gʀɛnt͜st]

[t͜s] wird am Silbenende gesprochen, wenn „zz“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [t͜s] am Silbenende„Jazz“ – [jat͜s]
  • „sie jazzt“ – [zi: ‚jat͜st]

[t͜s] wird am Silbenende gesprochen, wenn „tz“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [t͜s] am Silbenende„Satz“ – [zat͜s], „Witz“ – [vɪt͜s], „spitz“ – [ʃpɪt͜s], „Klotz“ – [klɔt͜s], „Putz“ – [pʊt͜s]
  • „gehetzt“ – [gə’hɛt͜st], „verletzt“ – [fɛʁ’lɛt͜st], „er sitzt“ – [ˀe:ʁ ‚zɪt͜st], „es platzt“ – [ˀɛs ‚plat͜st], es blitzt“ – [ˀɛs ‚blɪt͜st]

[t͜s] wird am Silbenende gesprochen, wenn „ts“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [t͜s] am Silbenende„stets“ – [ʃte:t͜s], „nichts“ – [nɪçt͜s], „des Staats“ – [dɛs ‚ʃtɑ:t͜s], „andererseits“ – [‚andəʀəʁza͜et͜s], „rückwärts“ – [‚ʀγkvɛʁt͜s]
  • „Jets“ – [d͜ʒɛt͜s]
  • „er lotst“ – [ˀe:ʁ ‚lo:t͜st], „du rätst“ – [du: ‚ʀɛ:t͜st], „du erbatst“ – [du: ˀɛʁba:t͜st], „du zertratst“ – [du: t͜sɛʁ’tʀa:t͜st], „du berietst“ – [du: bə’ʀi:t͜st]
  • „du hältst“ – [du: ‚hɛlt͜st], „du giltst“ – [du: ‚gɪlt͜st], „du schaltst“ – [du: ‚ʃalt͜st], „du behältst“ – [du: bə’hɛlt͜st], „du galtst“ – [du: ‚galt͜st]

[t͜s] wird am Silbenende gesprochen, wenn „tts“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [t͜s] am Silbenende„des Betts“ – [dɛs ‚bɛt͜s], „des Schnitts“ – [dɛs ‚ʃnɪt͜s], „des Blatts“ – [dɛs ‚blat͜s], „des Schritts“ – [dɛs ‚ʃʀɪt͜s], „des Kabinetts“ – [dɛs kabɪ’nɛt͜s]
  • „du littst“ – [du: ‚lɪt͜st], „du glittst“ – [du: ‚glɪt͜st], „du rittst“ – [du: ‚ʀɪt͜st],
    „du strittst“ – [du: ‚ʃtʀɪt͜st], „du trittst“ – [du: ‚tʀɪt͜st]

[t͜s] wird am Silbenende gesprochen, wenn „ths“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [t͜s] am Silbenende„des Labyrinths“ – [dɛs labγ’ʀɪnt͜s], „des Absinths“ – [dɛs ˀa’p͜sɪnt͜s]

[t͜s] wird am Silbenende gesprochen, wenn „ds“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [t͜s] am Silbenende„des Lands“ – [dɛs ‚lant͜s], „des Kleids“ – [dɛs ‚kla͜et͜s], „des Pfads“ – [dɛs ‚p͜fɑ:t͜s] , „abends“ – [‚ˀɑ:bənt͜s],
    „nirgends“ – [’nɪʀgənt͜s],
  • „du lädst“ – [du: ‚lɛ:t͜st], „du beludst“ – [du: bə’lu:t͜st], „du miedst“ – [du: ‚mi:t͜st], „du schiedst aus“ – [du: ‚ʃi:t͜st a͜os]
  • „du standst“ – [du: ‚ʃtant͜st], „du fandst“ – [du: ‚fant͜st], „dringendst“ – [‚dʀɪŋənt͜st], „du gestandst“ – [du: gə’ʃtant͜st], „du bandst“ – [du: ‚bant͜st]

[t͜s] wird am Silbenende gesprochen, wenn „dts“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Humboldts“ – [‚hʊmbɔlt͜s], „Schmidts“ – [ʃmɪt͜s]

[t͜s] wird an der Silbengrenze gesprochen, wenn in nichtzusammengesetzten Wörtern „zz“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [t͜s] an der Silbengrenze„jazzen“ – [‚jat͜sən], „Pizza“ – [‚pɪt͜sa], „Razzia“ – [‚ʀat͜sıa], „Mozzarella“ – [mɔt͜sa’ʀɛla], „skizzieren“ – [skɪ’t͜si:ʀən]

[t͜s] wird an der Silbengrenze doppellautend gesprochen, wenn in zusammen­gesetzten Wörtern „zz“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [t͜s] an der Silbengrenze doppellautend„Holzzaun“ – [‚hɔlt͜st͜sa͜on], „Heizzentrale“ – [‚ha͜et͜st͜sɛntʀɑ:lə],
    „herzzerreißend“ – [‚hɛʁt͜st͜sɛʁʀa͜esənt],
    „Referenzzeit“ – [ʀɛfə’ʀɛnt͜st͜sa͜et], „Bilanzzahlen“ – [bɪ’lant͜st͜sɑ:lən]

[t͜s] wird an der Silbengrenze doppellautend gesprochen, wenn auf „tz“ folgend „z“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [t͜s] an der Silbengrenze doppellautend„Satzzeichen“ – [‚zat͜st͜sa͜eçən], „Putzzeug“ – [‚pʊt͜st͜sɔ͜øk], „Schutzzoll“ – [‚ʃʊt͜st͜sɔl], „Absatzzahl“ – [‚ˀapzat͜st͜sɑ:l], „Umsatzzuwachs“ – [ˀʊmzat͜s’t͜suvaks]

[t͜s] wird an der Silbengrenze doppellautend geschrieben, wenn auf „ts“ oder „tts“ folgend „z“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [t͜s] an der Silbengrenze doppellautend„Weisheitszahn“ – [‚va͜esha͜et͜st͜sɑ:n],
    „Arbeitszimmer“ – [‚aʀba͜et͜st͜sɪməʁ],
    „Ortszulage“ – [‚ˀɔʀt͜st͜sulɑ:gə], „Gesichtszüge“ – [gə’zɪçt͜st͜sy:gə],
    „Amtszeit“ – [‚ˀamt͜st͜sa͜et]
  • „Durchschnittszahl“ – [‚dʊʀçʃnɪt͜st͜sɑ:l]

[t͜s] wird an der Silbengrenze doppellautend gesprochen, wenn auf „ds“ folgend „z“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [t͜s] an der Silbengrenze doppellautend„Mordszorn“ – [‚mɔʀt͜st͜sɔʀn],
    „Verbandszeug“ – [fɛʁ’bant͜st͜sɔ͜øk],
    „Auslandszahlung“ – [‚ˀa͜oslant͜st͜sɑ:lʊŋ], „Stillstandszeit“ – [‚ʃtɪlʃtant͜st͜sa͜et], „Inlandszinsen“ – [‚ˀɪnlant͜st͜sɪnzən]

Artikulation des stimmlosen Verschluss-Reibelauts [t͜ʃ]Beim Sprechen des stimmlosen Verschluss-Reibelauts [t͜ʃ][54] gleitet die Artikulationsbewegung vom stimmlosen Zahn-Verschlusslaut [t] zum stimmlosen Gaumen-Reibelaut [ʃ].

Die Artikulationsbewegung ist die gleiche wie beim stimmhaften Verschluss-Reibelaut [d͜ʒ].

[t͜ʃ] wird gesprochen, wenn „Tsch“ oder „tsch“, „Ch“ oder „ch“, „C“, „c“ oder „cc“ geschrieben wird.

[t͜ʃ] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „Tsch“ oder „tsch“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [t͜ʃ] am betonten Silbenanfang„Tscheche“ – [‚t͜ʃɛçə] , „Tschad“ – [t͜ʃɑ:t], „Tschüss“ – [t͜ʃγs], „Tschako“ – [‚t͜ʃako], „Tscherkesse“ – [t͜ʃɛʀ’kɛsə]
  • „getschilpt“ – [gə’t͜ʃɪlpt]
  • [t͜ʃ] am unbetonten Silbenanfang„Dolmetscher“ – [‚dɔlmɛt͜ʃəʁ], „plätschern“ – [‚plɛt͜ʃəʁn], „rutschen“ – [‚ʀʊt͜ʃən], „Wirtschaft“ – [‚vɪʁt͜ʃaft],
    „Komantsche“ – [ko’mant͜ʃə]

[t͜ʃ] wird am Silbenanfang manchmal gesprochen, wenn „Ch“ oder „ch“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [t͜ʃ] am betonten Silbenanfang„Champion“ – [‚t͜ʃɛmpıən], „Chip“ – [t͜ʃɪp], „chatten“ – [‚t͜ʃɛtən], „Chairman“ – [‚t͜ʃɛ:ʁmən], „checken“ – [‚t͜ʃɛkən]
  • „gechattet“ – [gə’t͜ʃɛtət], „gechillt“ – [gə’t͜ʃɪlt], gecheckt“ – [gə’t͜ʃɛkt], „gechartert“ – [gə’t͜ʃaʁtəʁt]
  • [t͜ʃ] am unbetonten Silbenanfang„Couches“ – [‚ka͜ot͜ʃɪs], „Bachelor“ – [‚bæt͜ʃələʁ]
  • „abchillen“ – [‚ˀapt͜ʃɪlən]

[t͜ʃ] wird am Silbenanfang manchmal gesprochen, wenn „C“ oder „c“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

    • [t͜ʃ] am betonten Silbenanfang„Cello“ – [‚t͜ʃɛlo], „Cembalo“ – [‚t͜ʃɛmbalo]

 

  • [t͜ʃ] am unbetonten Silbenanfang„Cellist“ – [t͜ʃɛ’lɪst] , „Duce“ [‚du:t͜ʃə],
    „Dolce vita“ – [‚dɔlt͜ʃə ‚vi:tɑ]

[t͜ʃ] wird am Silbenende gesprochen, wenn „tsch“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [t͜ʃ] am Silbenende„deutsch“ – [dɔ͜øt͜ʃ], „Putsch“ – [pʊt͜ʃ], „Matsch“ – [mat͜ʃ], „Klatsch“ – [klat͜ʃ], „Tratsch“ – [tʀɑ:t͜ʃ]
  • „geputscht“ – [gə’pʊt͜ʃt], „verrutscht“ – [fɛʁ’ʀʊt͜ʃt], zermatscht“ – [t͜sɛʁ’mat͜ʃt], „gequetscht“ – [gə’k͜vɛt͜ʃt], „geplatscht“ – [gə’plat͜ʃt]
  • „es quietscht“ [ˀɛs ‚k͜vi:t͜ʃt], „er latscht“ – [ˀe:ʁ ‚lɑ:t͜ʃt], „sie tratscht“ – [zi: ‚tʀɑ:t͜ʃt], „es knutscht“ – [ˀɛs ‚knu:t͜ʃt], „eingedeutscht“ – [‚ˀa͜engədɔ͜øt͜ʃt]

[t͜ʃ] wird am Silbenende manchmal gesprochen, wenn „ch“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [t͜ʃ] am Silbenende„Couch“ – [ka͜ot͜ʃ], „Touchscreen“ – [‚tat͜ʃskʀi:n]

[t͜ʃ] wird an der Silbengrenze manchmal gesprochen, wenn „cc“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [t͜ʃ] an der Silbengrenze„Cappuccino“ – [kapʊ’t͜ʃi:no]

 

Artikulation des stimmhaften Verschluss-Reibelauts [d͜ʒ]Beim Sprechen des stimmhaften Verschluss-Reibelauts [d͜ʒ][55] gleitet die Artikulations­bewegung vom stimmhaften Zahn-Verschluss­laut [d] zum stimmhaften Gaumen-Reibe­laut [ʒ].

Die Artikulationsbewegung ist die gleiche wie beim stimmlosen Verschluss-Reibelaut [t͜ʃ].

[d͜ʒ] wird gesprochen, wenn „Dsch“, „dg“, „G“ oder „g“, „gg“, „J“ oder „j“ geschrieben wird.

[d͜ʒ] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „Dsch“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

    • [d͜ʒ] am betonten Silbenanfang„Dschungel“ – [‚d͜ʒʊŋəl], „Dschingis Khan“ – [‚d͜ʒɪŋgɪs kɑ:n], „Dschunke“ – [‚d͜ʒʊŋkə]

 

  • [d͜ʒ] am unbetonten Silbenanfang„Dschihad“ – [d͜ʒɪ’hɑ:t], „Dschibuti“ – [d͜ʒɪ’bu:ti]

[d͜ʒ] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „dg“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

    • [d͜ʒ] am betonten Silbenanfang„Budget“ – [bγ’d͜ʒe:]

 

 

  • [d͜ʒ] am unbetonten Silbenanfang„Pidgin“ – [‚pɪd͜ʒɪn]

 

 

[d͜ʒ] wird am Silbenanfang manchmal gesprochen, wenn „G“ oder „g“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

    • [d͜ʒ] am betonten Silbenanfang„Gin“ – [d͜ʒɪn], „Gentleman“ – [‚d͜ʒɛntəlmən]

 

 

  • [d͜ʒ] am unbetonten Silbenanfang„Adagio“ – [a’dɑ:d͜ʒo], „Roger“ – [‚ʀɔd͜ʒəʁ]

 

[d͜ʒ] wird am Silbenanfang manchmal gesprochen, wenn „gg“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [d͜ʒ] am unbetonten Silbenanfang„Loggia“ – [‚lɔd͜ʒɑ]

 

 

[d͜ʒ] wird am Silbenanfang manchmal gesprochen, wenn „J“ oder „j“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [d͜ʒ] am betonten Silbenanfang„Job“ – [d͜ʒɔp], „Jeans“ – [d͜ʒi:ns], „joggen“ – [‚d͜ʒɔgən], „Jeep“ – [d͜ʒi:p], „Jazz“ – [d͜ʒɛs]
  • „gejobbt“ – [gə’d͜ʒɔpt]

Artikulation des stimmlosen Verschluss-Reibelauts [k͜s]Beim Sprechen des stimmlosen Verschluss-Reibelauts [k͜s] geht die Artikula­tionsbewegung vom stimmlosen Hintergaumen-Verschlusslaut [k] zum stimmlosen Zahn-Reibelaut [s].

[k͜s] wird gesprochen, wenn „X“ oder „x“, „ks“ oder „cks“, „chs“ oder „cs“, „gs“ oder „ggs“ geschrieben wird.

[k͜s] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „X“ oder „x“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

    • [k͜s] am betonten Silbenanfang„Xylofon“ – [‚k͜sγlofo:n], „Xaver“ – [‚k͜sɑ:vəʁ], „Xanten“ – [‚k͜santən], „Xenia“ – [‚k͜se:nıa]

 

  • [k͜s] am unbetonten Silbenanfang„Taxi“ – [‚tak͜si], „boxen“ – [‚bɔk͜sən], „Praxis“ – [‚pʀak͜sɪs], „Saxofon“ – [zak͜so’fo:n], „Lexikon“ – [‚lɛk͜sɪkɔn]

[k͜s] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „k“ vor „s“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [k͜s] am unbetonten Silbenanfang„piksen“ – [‚pi:k͜sən], „Ekstase“ – [ˀɛk͜s’ta:zə], „koksen“ – [‚ko:k͜sən], „Kekse“ – [‚ke:k͜sə], „schlaksig“ – [‚ʃlak͜sɪç]

[k͜s] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn in nichtzusammengesetzten Wörtern „ck“ vor „s“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [k͜s] am unbetonten Silbenanfang„Kleckse“ – [‚klɛk͜sə], „knicksen“ – [‚knɪk͜sən], „glucksen“ – [‚glʊk͜sən], „Knackse“ – [‚knak͜sə], „häckseln“ – [‚hɛk͜səln]

[k͜s] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn auf „ch“ folgend „s“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [k͜s] am unbetonten Silbenanfang„Ochse“ – [‚ɔk͜sə], „Büchse“ – [‚bγk͜sə], „Achse“ – [‚ak͜sə], „wechseln“ – [‚vɛk͜səln], „Luchse“ – [‚lʊk͜sə]

[k͜s] wird am Silbenende gesprochen, wenn „x“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [k͜s] am Silbenende„orthodox“ – [ɔʀto’dɔk͜s], „Sphinx“ – [sfɪŋk͜s] , „Sex“ – [sɛk͜s], „Index“ – [‚ɪndɛk͜s], „konvex“ – [kɔn’vɛk͜s]
  • „Text“ – [tɛkst], „verhext“ – [fɛʁ’hɛk͜st], „geboxt“ – [gə’bɔk͜st], „gemixt“ – [gə’mɪk͜st], „Axt“ – [‚ˀak͜st]

[k͜s] wird am Silbenende gesprochen, wenn auf „k“ folgend s“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [k͜s] am Silbenende„Keks“ – [ke:k͜s], „des Parks“ – [dɛs ‚paʀks] , „des Anoraks“ – [dɛs ‚ˀanoʀak͜s], „links“ – [lɪŋks], „des Streiks“ – [dɛs ‚ʃtʀa͜ek͜s]
  • „du streikst“ – [du: ‚ʃtʀa͜ek͜st], „du kokst“ – [du: ‚ko:k͜st], „du spukst“ – [du: ‚ʃpu:k͜st], „du hakst ein“ – [du: ‚hɑ:k͜st a͜en], „du: blökst“ – [du: ‚bløk͜st]
  • „du merkst“ – [du: ‚mɛʀk͜st], „du dankst“ – [du: ‚daŋk͜st], „du trinkst“ – [du: ‚tʀɪŋk͜st], „du erstarkst“ – [du: ˀɛʁ’ʃtaʀk͜st], „du denkst“ – [du: ‚dɛŋk͜st]

[k͜s] wird am Silbenende gesprochen, „wenn auf „ck“ folgend s“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [k͜s] am Silbenende„Klecks“ – [klɛk͜s], „zwecks“ – [t͜svɛk͜s], „Tricks“ – [tʀɪk͜s], „hinterrücks“ – [‚hɪntəʁʀγk͜s], „des Stocks“ – [dɛs ‚ʃtɔk͜s]
  • „du druckst“ – [du: ‚dʀʊk͜st], „du backst“ – [du: ‚bak͜st] , „du hackst“ – [du: ‚hak͜st], „du packst“ – [du: ‚pak͜st], „du bezweckst“ – [du: bə’t͜svɛk͜st]

[k͜s] wird am Silbenende gesprochen, wenn „chs“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [k͜s] am Silbenende„sechs“ – [zɛk͜s], „er wuchs“ – [ˀe:ʁ ‚vʊk͜s], „Dachs“ – [dak͜s], „Wachs“ – [vak͜s], „Gewächs“ – [gə’vɛk͜s]
  • „er wächst“ – [ˀe:ʁ ‚vɛk͜st], „sie wachst“ – [zi: ‚vak͜st], „ihr flachst“ [ˀi:ʁ ‚flak͜st],
    „ihr wuchst auf“ – [ˀi:ʁ vʊk͜st ‚ˀa͜of], „gewichst“ – [gə’vɪk͜st]

[k͜s] wird am Silbenende gesprochen, wenn „c“ vor „s“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

    • [k͜s] am Silbenende„Comics“ – [‚kɔmɪk͜s]

 

[k͜s] wird am Silbenende gesprochen, wenn „g“ vor „s“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [k͜s] am Silbenende„des Anstiegs“ – [dɛs ‚anʃti:k͜s], „montags“ – [‚mo:ntɑ:k͜s] , „des Tags“ – [dɛs ‚tɑ:k͜s], „des Krugs“ – [dɛs ‚kʀu:k͜s],
    „flugs“ – [flʊk͜s]
  • „du fliegst“ – [du: ‚fli:k͜st], „du legst“ – [du: ‚le:k͜st], „du bogst“ – [du: ‚bo:k͜st], „du fragst“ – [du: ‚fʀɑ:k͜st], „du steigst“ – [du: ‚ʃta͜ek͜st]
  • „du bürgst“ – [du: ‚bγʀk͜st], „du sorgst“ – [du: ‚zɔʀk͜st], „du würgst“ – [du: ‚vγʀk͜st], „du verbirgst“ – [du: fɛʁ’bɪʀk͜st], „du folgst“ – [du: ‚fɔlk͜st]

[k͜s] wird am Silbenende gesprochen, wenn „gg“ vor „s“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [k͜s] am Silbenende„du eggst“ – [du: ‚ˀɛk͜st], „du loggst ein“ – [du: lɔk͜st ‚ˀa͜en], „du flaggst“ – [du: ‚flak͜st], „du joggst“ – [du: ‚d͜ʒɔk͜st],
    „du taggst“ – [du: ‚tæk͜st]

Artikulation des stimmhaften Verschluss-Reibelauts [k͜v]Beim Sprechen des stimmhaften Verschluss-Reibelauts [k͜v] geht die Artikula­tionsbewegung vom stimmlosen Hintergaumen-Verschlusslaut [k] zum stimmhaften Lippenzahn-Reibelaut [v].

[k͜v] wird gesprochen, wenn „Qu“, „qu“ oder „kqu“geschrieben wird.

[k͜v] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „Qu“ oder „qu“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

    • [k͜v] am betonten Silbenanfang„Quark“ – [k͜vaʀk], „Quelle“ – [‚k͜vɛlə], „quälen“ – [‚k͜vɛ:lən], „Quittung“ – [‚k͜vɪtᴜŋ], „quer“ [k͜ve:ʁ]
    • „gequakt“ – [gə’k͜vɑ:kt], „bequem“ – [bə’k͜ve:m], „verqualmt“ – [fɛʁ’k͜valmt], „erquickend“ – [ˀɛʁ’k͜vɪkənt], „zerquetschen“ – [t͜sɛʁ’k͜vɛt͜ʃən]
  • [k͜v] am unbetonten Silbenanfang„Requisit“ – [ʀek͜vɪ’zi:t], „Requiem“ – [‚ʀe:k͜viɛm], „äquivalent“ – [ˀɛk͜vɪva’lɛnt], „Quadrat“ – [k͜vɑ’dʀɑ:t], „Inquisitor“ – [ˀɪnk͜vi’zi:to:ʁ]
    • Aber nicht in „Quarantäne“ – [kaʀan’tɛ:nə], „Quartier Latin“ – [kɑrtıe: ‚latɛ̃],
      „Claqueur“ – [kla’kø:ʁ], „Enquete“ – [õ’kɛt], „Clique“ – [‚klɪkə]
  • „hineinquetschen“ – [hi’na͜enk͜vɛt͜ʃən], „abqualifizieren“ – [‚ˀapk͜valɪfɪt͜si:ʀən], „umquartieren“ – [‚ˀʊmk͜vaʁti:ʀən], „aufquellen“ – [‚ˀa͜ofk͜vɛlən], „exquisit“ – [‚ˀɛk͜sk͜vi’zi:t],

[k͜v] wird am Silbenanfang gesprochen, wenn „kqu“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • [k͜v] am unbetonten Silbenanfang„Akquisition“ – [ˀak͜vizɪ’t͜sıo:n], „akquirieren“ – [ˀak͜vi’ʀi:ʀən]

Quellen

  • Duden. Die Grammatik
  • Duden. Das Fremdwörterbuch
  • Duden. Das Aussprachewörterbuch
  • Heinz Fiukowski. Sprecherzieherisches Elementarbuch
  • Ingeborg Geißner-von Nida. Mimeo
  • Carl Martens, Peter Martens. Phonetik der deutschen Sprache
  • Heinrich Oberländer. Übungen zum Erlernen einer dialektfreien Aussprache
  • Hans Joachim Störig. Das große Wörterbuch der deutschen Sprache
  • Hans-Heinrich Wängler. Atlas deutscher Sprachlaute
  • Christian Winkler. Lautreines Deutsch
  • www.klangsignale.com
  • www.wikipedia.org
  • www.wiktionary.org
  • www.wordmine.info

Anmerkungen

[1] Konsonant = Mitlaut = Obstruent = Geräuschkonsonant = Geräuschlaut
2] Mit dem Ausatmungsluftstrom erzeugt = pulmonal-egressiv
[3] Lautbildung = Artikulationsart = Artikulationsmodus
[4] Fließlaut = Liquid = Schmelzlaut
[5] Nasenlaut = Nasal
[6] Reibelaut = Frikativ = Engelaut = Konstriktiv = Spirans = Spirant
[7] Zischlaut = Sibilant
[8] Verschlusslaut = Plosiv = Sprenglaut = Momentanlaut = Klusil = Okklusiv = Explosiv = Muta
[9] Verschluss-Reibelaut = Affrikate
[10] Siehe Essay „Akzentfrei artikulieren“
[11] Mit den Lippen gebildet = labial = bilabial
[12] Mit den Schneidezähnen gebildet = dental = apikodental
[13] Mit Lippen und Schneidezähnen gebildet = labiodental
[14] Mit der Zungenspitze am harten Gaumen gebildet = alveolar = apikoalveolar
[15] Mit den Seiten des Zungenrückens am Vordergaumen gebildet = palatal = dorsopalatal
[16] Mit dem Zungenrücken am weichen Gaumen gebildet = velar = dorsovelar
[17] Mit dem Zäpfchen gebildet = uvular = dorsouvular
[18] Mit den Stimmlippen gebildet = glottal = laryngal
[19] Starke Konsonanten = Fortes
[20] Schwache Konsonanten = Lenes
[21] Koartikulation = Lautsteuerung
[22] Fließlaut = Liquid = Liquida = Schmelzlaut
[23] Seitlicher Fließlaut = Seitenlaut  = Lateral = Laterallaut = alveolarer Zahndammlaut = alveolarer Lateral = alveolarer Approximant
[24] An den oberen Schneidezähnen = an den Alveolen
[25] Zäpfchen-Fließlaut = Zäpfchen-Schwinglaut = Schwinglaut = uvularer Vibrant = Vibrant = Zäpfchen-Zitterlaut = geschlagener Zäpfchenlaut = gerollter Laut = mehrschlägiger Laut = Flatterlaut
[26] Folgt der stimmhafte schwache Zäpfchen-Fließlaut in unbetonter Silbe einem schwachtonigen E-Laut [ə], können beide Laute zum fast offenen Zentralvokal [ɐ] verschmelzen.
[27] Zungenspitzen-Fließlaut = Zungenspitzen-Schwinglaut = gerollter mehrschlägiger Laut = Zitterlaut = Zahndammlaut = Zahn-Schwinglaut = geschlagener Zahnlaut = Vibrant = alveolarer Vibrant = alveolar-apikoalveolarer Vibrant
[28] Nasenlaut = Nasal = Nasalkonsonant
[29] Lippen-Nasenlaut = Labionasal = bilabialer Nasenlaut
[30] Zahn-Nasenlaut = alveolarer Nasal = alveolarer Zahndammlaut = koronal-dental-alveolarer Nasal
[31] Hintergaumen-Nasenlaut = velarer Gaumenlaut = guttural-palataler Zungenrückenlaut = dorsaler Nasal
[32] Reibelaut = Frikativ = Engelaut = Spirant = Konstriktiv
[33] Lippenzahn-Reibelaut = labiodentaler Frikativ = Lippenzahnlaut
[34] Hintergaumen-Reibelaut = velarer Gaumenlaut = guttural-palataler Gaumensegellaut = dorsaler Hintergaumenlaut = Ach-Laut = Zungenrückenlaut
[35] Dunkle Vokale: [u], [ʊ], [o], [ɔ], [a͜o]
[36] Stimmlippen-Reibelaut = Hauchlaut = Kehlkopflaut = glottaler Stimmritzenlaut = Glottal
[37] Durch die Stimmlippen gebildeter Spalt = Stimmritze = Glottis
[38] Zischlaut = Sibilant = sulkalisierter Reibelaut
[39] Zahn-Zischlaut = Zahn-Reibelaut = alveolarer Frikativ = koronal-dental-alveolarer Laut = Zahnlaut = dentaler Reibelaut
[40] Gaumen-Zischlaut = Zahndammlaut = palatoalveolarer Reibelaut = alveolarer Laut = koronal-alveolarer Laut
[41] Vordergaumen-Zischlaut = Vordergaumen-Reibelaut = palataler Gaumenlaut = guttural-palataler Laut
[42] Verschlusslaut = Sprenglaut = Momentanlaut = Klusil = Okklusiv = Explosiv = Plosiv = Muta
[43] Stimmloser Verschlusslaut = Tenuis (Plural: Tenues)
[44] Stimmhafter Verschlusslaut = Media (Plural: Mediä)
[45] Behaucht = aspiriert
[46] Behauchung = Aspiration
[47] Lippen-Verschlusslaut = bilabialer Laut = Lippenlaut
[48] Zahn-Verschlusslaut = alveolarer Zahndammlaut = koronal-dental-alveolarer Klusil = alveolarer Plosiv
[49] Hintergaumen-Verschlusslaut = dorsaler Gaumenlaut = guttural-palataler Gaumensegellaut = Hintergaumenlaut = velarer Zungenrückenlaut
[50] Verschluss-Reibelaut = Affrikate = angeriebener Laut
[51] Verschluss-Reibelaut mit gleicher Artikulationsstelle = homorgane Affrikate
[52] Verschluss-Reibelaut mit unterschiedlichen Artikulationsstellen = nicht-homorgane Affrikate
[53] Verschluss-Reibelaut [t] = koronal-dental-alveolare Affrikate
[54] Verschluss-Reibelaut [t͜ʃ] = apiko-alveolare Affrikate
[55] Verschluss-Reibelaut [d͜ʒ] = apiko-alveolare Affrikate

Akzentfrei Vokale artikulieren

Standard

Die Aussprache der Selbstlaute im Deutschen

Beim Sprechen der Vokale[1] bleibt die Artikulationsstellung konstant und die Ausatmungsluft strömt ununterbrochen durch den Mund, während die Stimmlippen gleichbleibend schwingen. In der deutschen Aussprache[2] der Vokale ist das Gaumensegel stets gehoben.

LangVokale werden im Deutschen entweder in lang oder kurz gesprochen. Lange Vokale werden in der Lautschrift[3] mit einem Doppelpunkt – [:] – gekennzeichnet, kurze Vokale ohne zusätzliche Notation, zum Beispiel:

  • Kurz[y:] in „Hüte“ – [‘hy:tə]
  • [γ] in „Hütte“ – [‘hγtə]
Die Stellung des Zungenrückens im Mundraum bestimmt, ob Vokale heller klingen oder dunkler.[4]

DunkelJe weiter hinten sich der Zungenrücken beim Sprechen wölbt, desto dunkler klingt ein Vokal. Die deutschen dunklen Vokale sind die Hinterzungenvokale:

  • Die U-Laute [u] und [ʊ], beide als Buchstabe geschrieben „U“ oder „u“
  • Die O-Laute [o] und [ɔ], beide als Buchstabe geschrieben „O“ oder „o“
  • Der Diphthong[43] [a͜o], als Buchstaben geschrieben „Au“ oder „au“
Wird in deutschen Wörtern auf einen hinteren, dunklen Vokal oder auf einen A-Laut folgend „ch“[5] geschrieben, wird der Laut [x][6] gesprochen.

HellJe weiter vorn sich der Zungenrücken beim Sprechen wölbt, desto heller klingt ein Vokal. Die deutschen hellen Vokale sind die Vorderzungenvokale:

  • Die E-Laute [e] und [ε], beide als Buchstabe geschrieben „E“ oder „e“und „Ä“ oder „ä“
  • Die I-Laute [i], [ɪ] und [ı], alle drei als Buchstabe geschrieben „I“ oder „i“
  • Die Ö-Laute [ø] und [œ], beide als Buchstabe geschrieben „Ö“ oder „ö“
  • Die Ü-Laute [y] und [γ], beide als Buchstabe geschrieben „Ü“ oder „ü“
  • Der Diphthong [a͜e], als Buchstaben geschrieben „Ei“ oder „ei“ und „ay“, „ai“ oder „ey“
  • Der Diphthong [ɔ͜ø], als Buchstaben geschrieben „Eu“ oder „eu“
Wird in deutschen Wörtern auf einen vorderen, hellen Vokal folgend „ch“ geschrieben, wird der Laut [ç][7] gesprochen.

Beim Sprechen der deutschen Zentralvokale wölbt sich der Zungenrücken in der Mitte des Mundraums. Sie klingen nicht eindeutig dunkel oder hell.

  • Die A-Laute [ɑ] und [a], beide als Buchstabe geschrieben „A“ oder „a“
  • Der E-Laut [ə], als Buchstabe geschrieben „e“

Die Stärke der Wölbung des Zungenrückens bestimmt, wie offen oder geschlossen ein Vokal klingt:

  • GeschlossenJe höher sich beim Sprechen der Zungenrücken wölbt und dabei den Raum zum Gaumen einengt, desto geschlossener klingt ein Vokal. Die geschlossenen Vokale werden im Deutschen fast immer lang gesprochen: [u:], [o:], [e:], [ø:], [i:], [y:] und [ɑ:].
  • OffenJe flacher sich beim Sprechen der Zungenrücken wölbt und dabei mehr Raum zum Gaumen lässt, desto offener klingt ein Vokal. Außer dem ungerundeten halboffenen E-Laut – [ɛ] – werden alle offenen Vokale im Deutschen nur kurz gesprochen: [ʊ], [ɔ], [œ], [ɪ], [ı], [γ] und [a].
  • Beim zentralen schwachtonigen E-Laut – [ə] – nimmt der Zungenrücken eine mittlere Wölbung ein. Auch er wird nur kurz gesprochen.
Mit der Wölbung des Zungenrückens korrespondiert die Spannung der Lippen. Bei geschlossenen Vokalen sind die Lippen intensiver gespannt als bei offenen Vokalen.

GerundetVokale, die im Deutschen mit eher gerundeten oder gestülpten Lippen[8] gesprochen werden[9]:

  • Die O-Laute [o] und [ɔ]
  • Die U-Laute [u] und [ʊ]
  • Die Ö-Laute [ø] und [œ]
  • Die Ü-Laute [y] und [γ]

GespreiztVokale, die im Deutschen mit eher gespreizten oder gespannten Lippen[10] gesprochen werden[11]:

  • Die I-Laute [i], [ɪ] und [ı]
  • Die E-Laute [e] und [ε]

EntspanntVokale, die im Deutschen mit weder gerundeten oder gestülpten noch mit markant gespreizten oder gespannten, sondern eher gelösten Lippen gesprochen werden:

  • Die A-Laute [ɑ] und [a]
  • Der E-Laut [ə]

VokalviereckEtwas vereinfacht illustriert das Vokalviereck[12] die Artikulationsstellen für das Sprechen der Vokale im Mundraum:

  • Links die Hinterzungenvokale
  • Rechts die Vorderzungenvokale
  • Dazwischen die Zentralvokale

Das Vokalviereck markiert die höchste Stellung der Zunge bei der Aussprache der Vokale.

Zum Sprechen der Vokale bewegen sich Zungenrücken und Lippen gegenläufig:

  • Wenn die Lippen sich runden oder stülpen, hebt sich der hintere Zungenrücken.
  • Wenn die Lippen sich spreizen oder anspannen, hebt sich der vordere Zungenrücken.

Vokalneueinsatz

Beim Sprechen der deutschen Sprache werden die Vokale grundsätzlich an den vorangehenden Laut, ob Vokal oder Konsonant, angebunden, auch zwischen Wörtern. Wird der Vokal von dem vorangehenden Laut getrennt gesprochen, wird er neu eingesetzt und mit vorausgehendem Verschluss der Stimmlippen gebildet, wobei ein Knacklaut[13] – [ˀ][14] – entsteht.

[ˀ] wird vor Vokal am Beginn einer Sprechsilbe[15], die mit einem Vokal beginnt, gesprochen, zum Beispiel in:

  • „Anfang“ – [‘ˀanfaŋ], „Ende“ – [‘ˀεndə], „immer“ – [‘ˀɪməʁ], „unter“ – [‘ˀʊntəʁ], „öde“ – [‘ˀødə]

[ˀ] wird in zusammengesetzten Wörtern – in Komposita – gesprochen, wenn der nachfolgende Wortteil mit einem Vokal beginnt, zum Beispiel in:

  • „Kuheuter“ – [‘ku:ˀɔ͜øtəʁ], „Hauseingang“ – [‘ha͜osˀa͜engaŋ],
    „Badeöl“ – [‘bɑ:dəˀø:l], „Betriebsurlaub“ – [bə‘tʀi: p͜sˀu:ʁla͜op],
    „Hofecke“ – [‘ho:fˀɛkə]

    • Also nicht in „Eidechse“ – [‘ˀa͜edɛk͜sə], weil die Sprechsilbe nicht mit einem Vokal beginnt.

[ˀ] wird gesprochen, wenn der Vokal auf eine Vorsilbe[16] folgt, zum Beispiel in:

  • „verändern“ – [fɛʁ‘ˀɛndəʁn], „beantworten“ – [bə‘ˀantvɔʀtən],
    „anordnen“ – [‘ˀanˀɔʀtnən], „Übereinkunft“ [ˀy:bəʁ‘ˀa͜enkʊnft], „zuerst“ – [t͜sʊ‘ˀe:ʁst], „ausarbeiten“ – [‘ˀa͜osˀaʀba͜etən]

    • Aber nicht nach den Vorsilben „vor“, „hin“ und „her“ wie „vorüber“ – [fɔ‘ʀy:bəʁ], „hinauf“ – [hɪ‘na͜of], „herab“ – [hɛ‘ʀap], „voraus“ – [fɔ‘ʀa͜os]

[ˀ] wird nicht in Nachsilben[17] nach nichtsilbischem I-Laut gesprochen, zum Beispiel nicht in:

  • „seriös“ – [zɛ‘ʀıø:s], „Celsius“ – [‘t͜sɛlzıʊs], „terziär“ – [tɛʁ‘t͜sıɛ:ʁ], „junior“ – [‘ju:nıɔʁ], „Station“ – [ʃtɑ‘t͜sıo:n]

[ˀ] wird nicht in Nachsilben mit „um“ gesprochen, zum Beispiel nicht in:

  • „Museum“ – [mu‘ze:ʊm], „Petroleum“ – [pɛ‘tʀo:leʊm], „Linoleum“ – [li‘noleʊm], „Mausoleum“ – [ma͜ozo‘leʊm], „Lyzeum“ – [ly‘t͜seʊm]

[ˀ] wird nicht in Nachsilben mit „e“ – für [ə] – gesprochen, zum Beispiel nicht in:

  • „Ehe“ – [‘e:ə], „Ruhe“ – [‘ʀu:ə], „Aue“ – [‘a͜oə], „Laie“ – [‘la͜eə], „Schuhe“ – [‘ʃu:ə]
  • „euer“ – [‘ɔ͜øəʁ], „Mauer“ – [‘ma͜oəʁ], „sauer“ – [‘za͜oəʁ], „teuer“ – [‘tɔ͜øəʁ], „Trauer“ – [‘tʀa͜oəʁ]

Rechtlautung

Was für das Schreiben mit Buchstaben die Rechtschreibung[18] ist, ist für das Sprechen der Laute die Rechtlautung[19]. Sie beschreibt die übliche einheitliche und deutliche Aussprache der Wörter in einer Sprache und regelt, wie Vokale in Wörtern gesprochen werden: mit der Dauer der Aussprache in Verbindung mit Betonung, Analoglänge und Schreibung. Wer die Schreibweise eines Wortes kennt, kann daraus die akzentfreie Aussprache des Wortes erschließen.

In der deutschen Sprache werden die geschlossenen Vokale meist lang gesprochen, die offenen Vokale kurz.

BetonungDie Dauer der Aussprache eines Vokals lässt sich an seiner Betonung erkennen. Ein Vokal wird lang gesprochen:

  • Als Träger einer betonten Silbe, zum Beispiel der I-Laut in „Igel“ – [‘ˀi:gəl]
  • Am Ende einer betonten Silbe, zum Beispiel der U-Laut in „Bude“ – [‘bu:də]

Ein Vokal wird kurz gesprochen:

  • In betonter Vorsilbe[20], zum Beispiel der A-Laut in „abfüllen“ – [‘ˀapfγlən]
  • In unbetonter Vorsilbe, zum Beispiel der E-Laut in „Gemüse“ – [gə‘my:ze]
  • In unbetonter Nachsilbe[21], zum Beispiel der E-Laut in „Sage“ – [‘zɑ:gə]]

AnaloglängeIn abgeleiteten[22] Wortformen richtet sich die Dauer der Aussprache eines Vokals nach der Grundform des Verbs[23] beziehungsweise nach dem entsprechenden Substantiv[24] im Plural[25].

Ein Vokal wird lang gesprochen:

  • In einer Verbform, wenn seine Entsprechung im Infinitiv lang gesprochen wird, zum Beispiel der A-Laut in „er lag“ – [ˀe:ʁ ‘lɑ:k] analog zu „liegen“ – [‘li:gən]
  • Im Singular eines Wortes, wenn seine Entsprechung im Plural am Ende einer betonten Silbe steht, zum Beispiel der Ä-Laut in „Gerät“ – [gə‘ʀɛ:t] analog zu „Geräte“ – [gə‘ʀɛ:tə]
  • In einer abgeleiteten Wortform, wenn seine Entsprechung im Ausgangssubstantiv lang gesprochen wird, zum Beispiel der Ü-Laut in „gemütlich“ – [gə‘my:tlɪç] analog zu „Gemüt“ – [gə‘my:t]
  • In einer abgeleiteten Wortform, wenn im Ausgangswort die Entsprechung des Umlauts lang gesprochen wird, zum Beispiel der Ö-Umlaut in „löslich“ – [‘lø:slɪç] analog zu „los“ – [lo:s]

SchreibungDie Dauer der Aussprache eines Vokals lässt sich an der Schreibung eines Wortes erkennen. Ein Vokal wird lang gesprochen:

  • Wenn der Vokal doppelt geschrieben wird, zum Beispiel der A-Laut in
    „Saal“ – [zɑ:l]
  • Wenn auf den Vokal folgend ein Dehnungsbuchstabe geschrieben wird, zum Beispiel der O-Laut in „Lohn“ – [lo:n] oder der I-Laut in „Sieg“ – [zi:k]
  • Wenn auf den Vokal folgend „ß“ – für [s] – geschrieben wird, zum Beispiel der
    U-Laut in „Ruß“ –[ʀu:s]
  • Wenn auf den betonten Vokal folgend „z“ – für [t͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel der U-Laut in „duzen“ – [‘du:t͜sən]
  • Wenn auf den Vokal folgend „r“ – für [ʁ] – geschrieben wird, zum Beispiel in
    „Wert“ – [ve:ʁt]
Nur in wenigen Wörtern finden sich Ausnahmen von den Regeln.

Ein Vokal wird kurz gesprochen:

  • Wenn auf ihn folgend mehr als nur ein Konsonant geschrieben wird, zum Beispiel der E-Laut in „Geld“ – [gɛlt]
  • Wenn auf ihn folgend ein Doppelkonsonant oder „ck“ geschrieben wird,
    zum Beispiel der O-Laut in „kommen“ – [‘kɔmən] oder der U-Laut in „zucken“ – [‘t͜sʊkən]
  • Wenn auf ihn folgend „st“ – für [st] – geschrieben wird, zum Beispiel der I-Laut in „List“ – [lɪst]
  • Wenn auf ihn folgend „ng“ – für [ŋ] – geschrieben wird, zum Beispiel der O-Laut in „Gong“ – [gɔŋ]
  • Wenn auf ihn folgend „ch“ – für [ç] – geschrieben wird, zum Beispiel der I-Laut in „mich“ – [mɪç]
  • Wenn auf ihn folgend „ch“ – für [x] – geschrieben wird, zum Beispiel der O-Laut in „doch – [dɔx]
  • Wenn auf ihn folgend „sch“ – für [ʃ] – geschrieben wird, zum Beispiel der A-Laut in „rasch“ – [ʀaʃ]
  • Wenn auf ihn folgend „tz“ – für [t͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel der A-Laut in „Katze“ – [‘kat͜sə]
  • Wenn auf ihn folgend „pf“ – für [p͜f] – geschrieben wird, zum Beispiel der A-Laut in „tapfer“ – [‘tap͜fəʁ]
  • Wenn auf ihn folgend „chs“ – für [k͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel der A-Laut in „wachsen“ – [‘vak͜sən]
  • Wenn auf ihn folgend „x“– für [k͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel der E-Laut in „Hexe“ – [‘hɛk͜sə]
  • Wenn in Fremdwörtern auf den unbetonten Vokal folgend „z“ für [t͜s] geschrieben wird, zum Beispiel der U-Laut in „reduzieren“ – [ʀedu‘t͜si:ʀən]
Die deutsche Rechtlautung regelt keineswegs eindeutig die Aussprache der Vokale in jeder Lautumgebung und manchmal lassen sich mehrere Regeln anwenden. Doch sie gibt eine praktikable Orientierung für die akzentfreie Aussprache der deutschen Sprache.

Hinterzungenvokale

Hinterzungenvokale werden hinten im Mundraum gebildet und klingen dunkel – im Deutschen die U-Laute [u] und [ʊ], die O-Laute [o] und [ɔ] sowie der Au-Laut [a͜o]. Hinterzungenvokale werden mit gestülpten Lippen gesprochen.

Geschlossener U-LautBeim Sprechen des geschlossenen U-Lauts [u][26] stülpen sich die Lippen bei minimal gesenktem Unterkiefer sehr stark nach vorn und bilden eine kleine runde Öffnung für den Ausatmungsluftstrom. Der Mund öffnet sich sehr wenig. Die Zungenspitze berührt leicht die unteren Schneidezähne. Der hintere Zungenrücken wölbt sich stark nach oben, etwas stärker als beim offenen U-Laut [ʊ]. Das Gaumensegel ist gehoben und die Stimmlippen schwingen.

Der geschlossene U-Laut wird in vielen betonten Silben lang gesprochen – [u:] – und in wenigen unbetonten Silben kurz – [u].

Betonung[u] wird lang gesprochen, wenn der Vokal allein Träger einer betonten Silbe ist, zum Beispiel in:

  • „Uhu“ – [‘ˀu:hu:], „Ufer“ – [‘ˀu:fəʁ], „Udo“ [‘ˀu:do:], „U-Bahn“ – [‘ˀu:bɑ:n], „Ute“ – [‘ˀu:tə]

[u] wird am Ende einer betonten Silbe lang gesprochen, zum Beispiel in:

  • „Lupe“ – [‘lu:pə], „Kugel“ – [‘ku:gəl], „rufen“ – [‘ʀu:fən], „Jugend“ – [‘ju:gənt], „Nudel“ – [‘nu:dəl]

[u] wird am Ende einer betonten Vorsilbe lang gesprochen, zum Beispiel in:

  • „Zustand“ – [‘t͜su:ʃtant], „zuhören“ – [‘t͜su:hø:ʀən], „Zulage“ – [‘t͜su:lɑ:gə], „Zufall“ – [‘t͜su:fal], „zugeben“ – [‘t͜su:ge:bən]

[u] wird in unbetonter Vorsilbe kurz gesprochen, zum Beispiel in:

  • „zuvor“ – [t͜su‘fo:ʁ], „zuunterst“ – [t͜su‘ˀʊntεʁst], „zuungunsten“ – [t͜su‘ˀʊngʊnstən], „zutiefst“ – [t͜su‘ti:fst], „zufolge“ – [t͜su‘fɔlgə]

[u] wird in Fremdwörtern in unbetonter Silbe kurz gesprochen, zum Beispiel in:

  • „kulant“ – [ku‘lant], „Musikant“ – [muzi‘kant], „Uniform“ – [uni‘fɔʁm], „Duell“ – [du‘ˀεl], „Unikat“ – [uni‘kɑ:t]

Analoglänge[u] wird in einer Verbform lang gesprochen, wenn seine Ent­sprechung im Infinitiv lang gesprochen wird, zum Beispiel in:

  • „du tust“ – [du: ‘tu:st] analog zu „tun“ – [tu:n], „er hupt“ – [ˀe:ʁ ‘hu:pt] analog zu „hupen“ – [‘hu:pən], „sie schlug“ – [zi: ‘ʃlu:k] analog zu „schlagen“ – [‘ʃlɑ:gən], „ihr sucht“ – [ˀi:ʁ ‘zu:xt] analog zu [‘zu:xən], „du fluchst“ [du: ‘flu:xst] analog zu „fluchen“ – [‘flu:xən]

[u] wird im Singular eines Wortes lang gesprochen, wenn seine Entsprechung im Plural am Ende einer betonten Silbe steht, zum Beispiel in:

  • „Krug“ – [kʀu:k] analog zu [‘kʀy:gə], „Hut“ – [hu:t] analog zu „Hüte“ – [‘hy:tə], „Gut“ – [gu:t] analog zu „Güter – [‘gy:təʁ], „Schnur“ – [ʃnu:ʁ] analog zu [‘ʃny:ʀə], „Spur“ – [ʃpu:ʁ] analog zu „Spuren“ – [‘ʃpu:ʀən]

[u] wird in einer abgeleiteten Wortform lang gesprochen, wenn seine Entsprechung im Ausgangssubstantiv lang gesprochen wird, zum Beispiel in:

  • „schnurlos“ – [‘ʃnu:ʁlo:s] analog zu „Schnur“ – [ʃnu:ʁ], „beruflich“ – [bə‘ʀu:flɪç] analog zu „Beruf“ [bə‘ʀu:f], „stufenlos“ – [‘ʃtu:fənlo:s] analog zu „Stufe“ – [‘ʃtu:fə], „mutig“ – [‘mu:tɪç] analog zu „Mut“ – [mu:t], „vermutlich“ – [fɛʁ‘mu:tlɪç] analog zu „Mut“ – [mu:t]

Schreibung[u] wird lang gesprochen, wenn auf den Vokal folgend ein Dehnungs-„h“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Abfuhr“ – [‘ˀapfu:ʁ], „Uhr“ – [ˀu:ʁ], „Aufruhr“ – [‘ˀa͜ofʀu:ʁ], „Huhn“ – [hu:n], „Stuhl“ – [ʃtu:l]

[u] wird lang gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „ß“ – für [s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Ruß“ – [ʀu:s], „Gruß“ – [gʀu:s], „Muße“ – [‘mu:sə], „Fuß“ – [fu:s], „Buße“ – [‘bu:sə]

[u] wird lang gesprochen, wenn auf den betonten Vokal folgend „z“ – für [t͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „duzen“ [‘du:t͜sən], „Kapuze“ – [ka‘pu: t͜sə], „Konfuzius“ – [kɔn‘fu:t͜sıʊs], „Kibbuz“ – [kɪ‘bu:t͜s]

[u] wird in Fremdwörtern kurz gesprochen, wenn auf den unbetonten Vokal folgend
„z“ – für [t͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „deduzieren“ – [dedu‘t͜si:ʀən], „induzieren“ – [ˀɪndu‘t͜si:ʀən],
    „Kapuziner“ – [kapu‘t͜si:nəʁ], „reduzieren“ – [ʀedu‘t͜si:ʀən],
    „Halluzinationtion“ – [hɑlut͜sina‘t͜sıo:n]

[u] wird lang gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „r“ – für [ʁ] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Kur“ – [ku:ʁ], „Schnur“ – [ʃnu:ʁ], „pur“ – [pu:ʁ], „Dur“ – [du:ʁ], „stur“ – [ʃtu:ʁ]

[u] wird lang gesprochen, wenn in Fremdwörtern „ou“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „amourös“ – [ˀamu:‘ʀø:s], „Boutique“ – [bu:‘tɪk], „Journal“ – [ʒu:ʁ‘nɑ:l], „Tour“ – [tu:ʁ], „Ressource“ – [ʀe‘su:ʁsə]
    • Aber nicht in Fremdwörtern, die aus dem Englischen abgeleitet sind, wie in „Layout“, „Couch“, „outen“, „Mountainbike“, „Account“

Offener U-LautBeim Sprechen des offenen U-Lauts [ʊ][27] stülpen sich die Lippen bei gering gesenktem Unterkiefer stark nach vorn und bilden eine runde Öffnung für den Ausatmungsluftstrom. Der Mund öffnet sich kaum. Die Zungenspitze berührt leicht die unteren Schneidezähne. Der hintere Zungenrücken wölbt sich deutlich nach oben, etwas weniger stark als beim geschlossenen U-Laut [u]. Das Gaumensegel ist gehoben und die Stimmlippen schwingen.

Der offene U-Laut wird stets kurz gesprochen – [ʊ].

Betonung[ʊ] wird in betonter Vorsilbe kurz gesprochen, zum Beispiel in:

  • „unnötig“ – [‘ˀʊnnø:tɪç], „unklar“ – [‘ˀʊnklɑ:ʁ], „unsicher“ – [‘ˀʊnzɪçəʁ], „Unfall“ – [‘ˀʊnfal], „Unglück“ – [‘ˀʊnglγk]
  • „umfallen“ – [‘ˀʊmfalən], „Umbau“ – [‘ˀʊmba͜o], „Umzug“ – [‘ˀʊmt͜su:k], „Umweg“ – [‘ˀʊmve:k], „umsetzen“ – [‘ˀʊmzεt͜sən]
  • „Unterricht“ – [‘ˀʊntəʁʀɪçt], „Unterlass“ – [‘ˀʊntəʁlas], „Untergang“ – [‘ˀʊntəʁgaŋ], „untergehen“ – [‘ˀʊntəʁge:ən], „untertauchen“ – [‘ˀʊntəʁta͜oxən]

[ʊ] wird in unbetonter Vorsilbe kurz gesprochen, zum Beispiel in:

  • „ungemein“ – [ˀʊngə‘ma͜en], „unsagbar“ – [ˀʊn‘zɑ:kbɑ:ʁ], „unendlich“ – [ˀʊn‘ˀεntlɪç], „unfassbar“ – [ˀʊn‘fasbɑ:ʁ], „unvorhersehbar“ – [ˀʊnfo:ʁ‘he:ʁze:bɑ:ʁ]
  • „umher“ – [ˀʊm‘he:ʁ], „umfassen“ – [ˀʊm‘fasən], „umhin“ – [ˀʊm‘hɪn], „umgarnen“ – [ˀʊm‘gaʀnən], „Umgebung“ – [ˀʊm‘ge:bʊŋ]
  • „untersuchen“ – [ˀʊntəʁ‘zu:xən], „unterbieten“ – [ˀʊntəʁ‘bi:tən], „unterbrechen“ – [ˀʊntəʁ‘bʀεçən], „unterrichten“ – [ˀʊntəʁ‘ʀɪçtən], „unterlassen“ – [ˀʊntəʁ‘lasən]

[ʊ] wird in unbetonter Nachsilbe kurz gesprochen, zum Beispiel in:

  • „Schulung“ – [‘ʃu:lʊŋ], „Lüftung“ – [‘lγftʊŋ], „Heizung“ – [‘ha͜et͜sʊŋ], „Umleitung“ – [‘ʊmla͜etʊŋ], „Erholung“ – [ˀεʁ‘ho:lʊŋ]

Schreibung[ʊ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend mehr als nur ein Konsonant geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Luft“ – [lʊft], „Huld“ –[hʊlt], „Mund“ – [mʊnt], „Kunst“ – [kʊnst], „rumpeln“ – [‘ʀʊmpəln]

[ʊ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend ein Doppelkonsonant oder „ck“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Suppe“ – [‘zʊpə], „Bulle“ – [‘bʊlə], „knurren“ – [‘knʊʀən], „Summe“ – [‘zʊmə], „Mutter“ – [‘mʊtəʁ]
  • „zucken“ – [‘t͜sʊkən], rucken“ – [‘ʀʊkən], „Stuck“ – [ʃtʊk], „Druck“ – [dʀʊk], „Schmuck“ – [ʃmʊk]

[ʊ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „st“ – für [st] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Lust“ – [lʊst], „Frustration“ – [fʀʊstʀɑ‘t͜sıo:n], „Akustik“ – [ˀɑ‘kʊstɪk], „justieren“ – [jʊs‘ti:ʀən], „Muster“ – [‘mʊstəʁ]
    • Aber nicht in „aufplustern“ – [‘ˀa͜ofplu:stəʁn], „Schuster“ – [‘ʃu:stəʁ]

[ʊ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „ng“ – für [ŋ] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Lunge“ – [‘lʊŋə], „Dung“ – [dʊŋ], „Zunge“ – [‘t͜sʊŋə], „Sprung“ – [ʃpʀʊŋ], „jung“ – [jʊŋ]

[ʊ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „ch“ – für [x] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Geruch“ – [gə‘ʀʊx], „Bruch“ – [bʀʊx], „Bucht“ – [bʊxt], „Sucht“ – [zʊxt], „Flucht“ – [flʊxt]
    • Aber nicht in „Besuch“ – [bə‘zu:x], „Versuch“ – [fεʁ‘zu:x], „suchen“ – [‘zu:xən], „Tuch“ – [tu:x], „Buch“ – [bu:x], „Eunuch“ – [ˀɔø‘nu:x], „Fluch“ – [flu:x]

[ʊ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „sch“ – für [ʃ] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Tusch“ – [tʊʃ], „pfuschen“ – [‘p͜fʊʃən], „Tusche“ – [‘tʊʃə], „kuschen“ – [‘kʊʃən], „Busch“ – [bʊʃ]

[ʊ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „tz“ – für [t͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „putzen“ – [‘pʊt͜sən], „schmutzig“ – [‘ʃmʊt͜sɪç], „Dutzend“ – [‘dʊt͜sənt], „Schutz“ – [ʃʊt͜s], „nutzen“ – [‘nʊt͜sən]

[ʊ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „pf“ – für [p͜f] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „rupfen“ – [‘ʀʊp͜fən], „tupfen“ – [‘tʊp͜fən], „zupfen“ – [‘t͜sʊp͜fən],
    „Kupfer“ – [‘kʊp͜fəʁ], „Schnupfen“ – [‘ʃnʊp͜fən]

[ʊ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „chs“ – für [k͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Buchse“ – [‘bʊk͜sə], „Wuchs“ – [vʊk͜s], „Fuchs“ – [fʊk͜s], „Luchs“ – [lʊk͜s], „Buchsbaum“ – [‘bʊk͜sba͜om]
  • Also nicht in abgeleiteten Wörtern, in denen kein [k͜s] gesprochen wird, wie in:
    „des Versuchs“ – [dεs fεʁ‘zu:xs], „eines Tuchs“ – [a͜enəs ‘tu:xs],
    „du fluchst“ – [du: ‘flu:xst], „des Besuchs“ – [dεs bə‘zu:xs],
    „eines Buchs“ – [a͜enəs ‘bu:xs]

[ʊ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „x“ – für [k͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Jux“ – [jʊk͜s], „Cuxhaven“ – [kʊk͜s‘hɑ:fən], „Luxemburg“ – [‘lʊk͜səmbʊʀk], „juxen“ – [‘jʊk͜sən], „Linux“ – [‘li:nʊk͜s]

Geschlossener O-LautBeim Sprechen des geschlossenen O-Lauts [o][28] stülpen sich die Lippen bei mäßig gesenktem Unterkiefer rund nach vorn, etwas weniger als beim geschlossenen U-Laut [u], und bilden eine ovale Öffnung für den Ausatmungsluftstrom. Der Mund öffnet sich etwas. Die Zungenspitze berührt leicht die unteren Schneidezähne. Der hintere Zungenrücken wölbt sich beträchtlich hoch, noch beträchtlicher als beim offenen O-Laut [ɔ]. Das Gaumensegel ist gehoben und die Stimmlippen schwingen.

Der geschlossene O-Laut wird in vielen betonten Silben lang gesprochen – [o:] – und in wenigen unbetonten Silben kurz – [o].

Betonung[o] wird lang gesprochen, wenn der Vokal allein Träger einer betonten Silbe ist, zum Beispiel in:

  • „Ofen“ – [‘ˀo:fən], „Oma“ – [‘ˀo:ma], „Odem“ – [‘ˀo:dəm], „oben“ – [‘ˀo:bən], „Ode“ – [‘ˀo:də]

[o] wird am Ende einer betonten Silbe lang gesprochen, zum Beispiel in:

  • „loben“ – [‘lo:bən], „Dose“ – [‘do:zə], „holen“ – [‘ho:lən], „Bote“ – [‘bo:tə], „Mode“ – [‘mo:də]

[o] wird in betonter Vorsilbe lang gesprochen, zum Beispiel in:

  • „Vorstellung“ – [‘fo:ʁʃtεlʊŋ], „Vorteil“ – [‘fo:ʁta͜el], „vorgehen“ – [‘fo:ʁge:ən], „Vorsatz“ – [‘fo:ʁzat͜s], „vorziehen“ – [‘fo:ʁt͜si:ən]
  • „Emporkömmling“ – [ˀεm‘po:ʁkœmlɪŋ], „emporarbeiten“ – [ˀεm‘po:ʁˀaʀba͜etən], „emporblicken“ – [ˀεm‘po:ʁblɪkən], „emporklettern“ – [ˀεm‘po:ʁklεtəʁn], „emporstreben“ – [ˀεm‘po:ʁʃtʀe:bən]
  • „loskommen“ – [‘lo:skɔmən], „losbinden“ – [‘lo:sbɪndən], „losbrausen“ – [‘lo:sbʀa͜ozən], „losfahren“ – [‘lo:sfɑ:ʀən], „lossagen“ – [‘lo:szɑgən]

[o] wird in unbetonter Vorsilbe lang gesprochen, zum Beispiel in:

  • „voraus“ – [fo:‘ʀa͜os], „vorüber“ – [fo:‘ʀy:bəʁ], „vorbei“ – [fo:ʁ‘ba͜e], „voran“ – [fo:‘ʀan], „vorweg“ – [fo:ʁ‘vεk]

[o] wird in betonter Nachsilbe lang gesprochen, zum Beispiel in:

  • „Portion“ – [pɔʀ‘t͜sıo:n], „Funktion“ – [fʊŋk‘t͜sıo:n], „Union“ – [ˀʊn‘ıo:n], „Million“ – [mɪ‘lıo:n], „Religion“ – [relɪ‘gıo:n]

Analoglänge[o] wird in einer Verbform lang gesprochen, wenn seine Ent­sprechung im Infinitiv lang gesprochen wird, zum Beispiel in:

  • „du lobst“ – [du: ‘lo:p͜st] analog zu „loben“ – [‘lo:bən], „er flog“ – [ˀe:ʁ ‘flo:k] analog zu „fliegen“ – [‘fli:gən], „sie log“ – [zi: ‘lo:k] analog zu „lügen“ – [‘ly:gən], „ich schob“ – [ˀɪç ‘ʃo:p] analog zu „schieben“ – [‘ʃi:bən], „es tost“ – [ˀεs ‘to:st] analog zu „tosen“ – [‘to:zən]

[o] wird im Singular eines Wortes lang gesprochen, wenn seine Entsprechung im Plural am Ende einer betonten Silbe steht, zum Beispiel in:

  • „Tod“ – [to:t] analog zu „Tode“ – [‘to:də], „Tor“ – [to:ʁ] analog zu „Tore“ – [‘to:ʀə], „Schoß“ – [ʃo:s] analog zu „Schöße“ – [‘ʃø:sə], „Los“ – [lo:s] analog zu [‘lo:ze], „Brot“ – [bʀo:t] analog zu „Brote“ – [‘bʀo:tə]

[o] wird in einer abgeleiteten Wortform lang gesprochen, wenn seine Entsprechung im Ausgangssubstantiv lang gesprochen wird, zum Beispiel in:

  • „groß“ – [gʀo:s] analog zu „Größe“ – [‘gʀø:sə], „bloß“ – [blo:s] analog zu „Blöße“ – [‘blø:sə], „notwendig“ – [‘no:tvεndɪç] analog zu „Not“ – [no:t], „rot“ – [ʀo:t] analog zu „Röte“ – [‘ʀø:tə], „idiotisch“ – [ˀɪ‘dıo:tɪʃ] analog zu „Idiot“ – [ˀɪ‘dıo:t]

Schreibung[o] wird lang gesprochen, wenn der Vokal doppelt geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Moos“ – [mo:s], „Moor“ – [mo:ʁ], „Boot“ – [bo:t], „doof“ – [do:f], „Zoo“ – [tso:]

[o] wird lang gesprochen, wenn auf den Vokal folgend ein Dehnungs-„h“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Sohn“ – [zo:n], „Mohr“ – [mo:ʁ], „ohne“ – [‘ˀo:nə], „Rohr“ – [ʀo:ʁ], „Bohrer“ – [‘bo:ʀəʁ]

[o] wird lang gesprochen, wenn auf den Vokal folgend ein Dehnungs-„e“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Itzehoe“ – [‘ˀɪt͜səho:], „Bad Oldesloe“ – [ba:t ‘ˀɔldəslo:], „Coesfeld“ – [‘ko:sfɛlt], „Soest“ – [zo:st], „Ammeloe“ – [‘ˀaməlo:]

[o] wird lang gesprochen, wenn auf den Vokal folgend ein Dehnungs-„w“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Treptow“ – [‘tʀɛpto:], „Pankow“ – [‘paŋko:], „Teltow“ – [‘tɛlto:],
    „Rathenow“ – [‘ʀɑ:təno:], „Güstrow“ – [‘gγstʀo:]

[o] wird lang gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „ß“ – für [s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Schoß“ – [ʃo:s], „bloß“ – [blo:s], „groß“ [gʀo:s], „stoßen“ – [‘ʃto:sen], „Soße“ – [‘zo:sə]

[o] wird in Fremdwörtern kurz gesprochen, wenn auf den unbetonten Vokal folgend „z“ – für [t͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Dozent“ – [do‘t͜sɛnt], „Prozess“ – [pʀo‘t͜sɛs], „Prozent“ –[pʀo‘t͜sɛnt], „sozial“ – [zo‘t͜sıɑ:l], „wozu“ – [vo‘t͜su:]

[o] wird auch diesen Wörtern lang gesprochen, obwohl auf den Vokal folgend mehr als nur ein Konsonant geschrieben wird:

  • „Obst“ – [ˀo:p͜st], „Koks“ – [ko:k͜s]

Offener O-LautBeim Sprechen des offenen O-Lauts [ɔ][29] stülpen sich die Lippen etwas weniger als beim geschlossenen O-Laut [o] bei mäßig stark gesenktem Unterkiefer fast rund nach vorn und bilden eine leicht ovale Öffnung für den Ausatmungsluftstrom. Der Mund öffnet sich. Die Zungenspitze berührt leicht die unteren Schneidezähne. Der hintere Zungenrücken wölbt sich deutlich hoch, etwas weniger beträchtlich als beim geschlossenen
O-Laut [o]. Das Gaumensegel ist gehoben und die Stimmlippen schwingen.

Der offene O-Laut wird stets kurz gesprochen – [ɔ].

Schreibung[ɔ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend mehr als nur ein Konsonant geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Mord“ – [mɔʀt], „fort“ – [fɔʀt], „Korb“ – [kɔʀp], „blond“ – [blɔnt], „holprig“ – [‘hɔlpʀɪç]

[ɔ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend ein Doppelkonsonant oder „ck“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „kommen“ – [‘kɔmən], „Sonne“ – [‘zɔnə], „wollen“ – [‘vɔlən], „hoffen“ – [‘hɔfən], „Roggen“ – [‘ʀɔgən]
  • „Rock“ – [ʀɔk], „zocken“ – [‘t͜sɔkən], „Schock“ – [ʃɔk], „Block“ – [blɔk], „stocken“ – [‘ʃtɔkən]

[ɔ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „st“ – für [st] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „kosten“ – [‘kɔstən], „Rost“ – [ʀɔst], „Most“ – [mɔst], „Osten“ [‘ˀɔstən], „Post“ – [pɔst]
    • Aber nicht in „prost“ – [pʀo:st], „Ostern“ – [‘ˀo:stəʁn]

[ɔ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „ng“ – für [ŋ] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „jonglieren“ – [ʒɔŋ‘li:ʀən], „Pingpong“ – [‘pɪŋpɔŋ], „Diphthong“ – [dɪf‘tɔŋ], „Monophthong“ – [monof‘tɔŋ], „Gong“ – [gɔŋ]

[ɔ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „ch“ – für [x] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „kochen“ – [‘kɔxən], „Loch“ – [lɔx], „noch“ – [nɔx], „Woche“ – [‘vɔxə], „Knochen“ – [‘knɔxən]

[ɔ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „sch“ – für [ʃ] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Brosche“ – [‘bʀɔʃə], „Frosch“ – [frɔʃ], „Droschke“ – [‘dʀɔʃkə],
    „Moschee“ – [mɔ‘ʃe:], „Groschen“ [‘gʀɔʃən]

[ɔ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „tz“ – für [t͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „motzen“ – [‘mɔt͜sən], „trotz“ – [tʀɔt͜s], „Klotz“ – [klɔt͜s], „protzen“ – [‘pʀɔt͜sən], „Schmarotzer“– [ʃmɑ‘ʀɔt͜səʁ]

[ɔ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „pf“ – für [p͜f] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Topf“ – [tɔp͜f], „klopfen“ – [‘klɔp͜fən], „stopfen“ – [‘ʃtɔp͜fən], „Tropfen“ – [‘tʀɔp͜fən], „Knopf“ – [knɔ p͜f]

[ɔ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „chs“ – für [k͜s] – geschrie­ben wird, zum Beispiel in:

  • „Ochse“ – [‘ˀɔk͜sə], „Hornochse“ – [‘hɔʀnˀɔk͜sə]

[ɔ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „x“ – für [k͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „boxen“ – [‘bɔk͜sən], „toxisch“ – [‘tɔk͜sɪʃ], „orthodox“ – [ˀɔʁto:‘dɔk͜s], „oxidieren“ – [ˀɔk͜sɪ‘di:ʀən], „Dioxin“ – [di:ˀɔ‘k͜si:n]

Vorderzungenvokale

Vorderzungenvokale werden vorn im Mundraum gebildet – im Deutschen die E-Laute [e] und [ɛ], die Ö-Laute [ø] und [œ], die I-Laute [i], [ɪ] und [ı] sowie die Ü-Laute [y] und [γ].

Geschlossener E-LautBeim Sprechen des geschlossenen E-Lauts [e][30] spreizen sich bei gering gesenktem Kiefer die Lippen etwas weniger als beim offenen I-Laut [ɪ] und bilden einen Spalt für den Ausatmungsluftstrom. Der Mund öffnet sich leicht. Die Zungenspitze berührt leicht die unteren Schneidezähne. Der Zungenrücken wölbt sich zum vorderen harten Gaumen wie beim offenen E-Laut [ɛ]. Das Gaumensegel ist gehoben und die Stimmlippen schwingen.

Der geschlossene E-Laut wird in vielen betonten Silben lang gesprochen – [e:] – und in wenigen unbetonten Silben kurz – [e].

Betonung[e] wird lang gesprochen, wenn der Vokal allein Träger einer betonten Silbe ist, zum Beispiel in:

  • „Efeu“ – [‘ˀe:fɔ͜ø], „eben“ – [‘ˀe:bən], „ewig“ – [‘ˀe:vɪç], „Ekel“ – [‘ˀe:kəl], „Ehe“ – [‘ˀe:ə]

[e] wird am Ende einer betonten Silbe lang gesprochen, zum Beispiel in:

  • „leben“ – [‘le:bən], „Meter“ – [‘me:təʁ], „Segel“ – [‘ze:gəl], „Besen“ – [‘be:zən], „geben“ – [‘ge:bən]

[e] wird in betonter Vorsilbe lang gesprochen, zum Beispiel in:

  • „herkommen“ – [‘he:ʁkɔmən] , „herkömmlich“ – [‘he:ʁkœmlɪç],
    „herleiten“ – [‘he:ʁla͜etən], „herfinden“ – [‘he:ʁfɪndən], „herfahren“ – [‘he:ʁfɑ:ʀən]

[e] wird in Fremdwörtern am Ende einer unbetonten Vorsilbe kurz gesprochen, zum Beispiel in:

  • „Debatte“ – [de‘batə], „Sekret“ – [ze‘kʀe:t], „dezent“ – [de‘t͜sɛnt], „Stenogramm“ – [ʃteno‘gʀam], „Meriten“ – [me‘ʀi:tən]

Analoglänge[e] wird in einer Verbform lang gesprochen, wenn seine Ent­sprechung im Infinitiv lang gesprochen wird, zum Beispiel in:

  • „du lebst“ – [du: ‘le:p͜st] analog zu „leben“ – [‘le:bən], „er strebt“ – [ˀe:ʁ ‘ʃtre:pt] analog zu „streben“ – [‘ʃtre:bən], „es klebt“ – [ˀεs ‘kle:pt], analog zu „kleben“ – [‘kle:bən], „sie regt sich“ – [zi: ‘ʀe:kt zɪç] analog zu „sich regen“ – [zɪç ‘ʀe:gən], „ihr legt“ – [ˀi:ʁ ‘le:kt] analog zu „legen“ – [‘le:gən]

[e] wird im Singular eines Wortes lang gesprochen, wenn seine Entsprechung im Plural am Ende einer betonten Silbe steht, zum Beispiel in:

  • „Steg“ – [ʃte:k] analog zu „Stege“ [‘ʃte:gə], „Weg“ – [ve:k] analog zu „Wege“ – [‘ve:gə], „Beleg“ – [bə‘le:k] analog zu „Belege“ – [bə‘le:gə], „Gen“ – [ge:n] analog zu [‘ge:nə], „Gebet“ – [gə‘be:t] analog zu „Gebete“ – [gə‘be:tə]

[e] wird in einer abgeleiteten Wortform lang gesprochen, wenn seine Entsprechung im Ausgangssubstantiv lang gesprochen wird, zum Beispiel in:

  • „redlich“ – [‘ʀe:tlɪç] analog zu „Rede“ – [‘ʀe:də], „reglos“ – [‘ʀe:klo:s] analog zu „Regung“ – [‘ʀe:gʊŋ], „leblos“ – [‘le:plo:s] analog zu „Leben“ – [‘le:bən], „beweglich“ – [bə‘ve:klɪç] analog zu „Bewegung“ – [bə‘ve:gʊŋ], „klebrig“ – [‘kle:pʀɪç] analog zu „Kleber“ – [‘kle:bəʁ]

Schreibung[e] wird lang gesprochen, wenn der Vokal doppelt geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Beet“ – [be:t], „Speer“ – [ʃpe:ʁ], „leer“ – [le:ʁ], „Seele“ – [‘ze:lə], „Meer“ – [me:ʁ]

[e] wird lang gesprochen, wenn auf den Vokal folgend ein Dehnungs-„h“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „stehlen“ – [‘ʃte:lən], „mehr“ – [me:ʁ], „Mehl“ – [me:l], „dehnen“ – [‘de:nən], „Ehre“ – [‘ˀe:ʀə]

[e] wird lang gesprochen, wenn auf den betonten Vokal folgend „z“ – für [t͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Brezel“ – [‘bʀe:t͜səl], „Trapez“ – [tʀa‘pe:t͜s], „Fez“ – [fe:t͜s]

[e] wird in Fremdwörtern kurz gesprochen, wenn auf den unbetonten Vokal folgend „z“ – für [t͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Dezember“ – [de‘t͜sεmbəʁ], „dezent“ – [de‘t͜sεnt], „Rezept“ – [ʀe‘t͜sεpt], „dezimal“ – [det͜si‘mɑ:l], „reziprok“ – [ʀet͜si‘pʀo:k]

[e] wird lang gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „r“ – für [ʁ] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Herd“ – [he:ʁt], „Wert“ – [ve:ʁt], „Erde“ – [‘ˀe:ʁdə], „Herde“ – [‘he:ʁdə], „Beschwerde“ – [bə‘ʃve:ʁdə]

Offener E-LautBeim Sprechen des offenen E-Lauts [ɛ][31] spreizen sich die Lippen leicht bei wenig gesenktem Unterkiefer und bilden einen etwas größeren Spalt als beim geschlossenen E-Laut [e] für den Ausatmungsluftstrom. Der Mund öffnet sich deutlich wie beim geschlossenen A-Laut [ɑ]. Die Zungenspitze berührt leicht die unteren Schneidezähne. Der Zungenrücken wölbt sich nach oben zum harten Gaumen wie beim geschlossenen E-Laut [e]. Das Gaumensegel ist gehoben und die Stimmlippen schwingen

Der offene E-Laut wird in einigen Silben lang gesprochen – [ɛ:] – und in anderen Silben kurz – [ɛ].

Betonung[ɛ] wird lang gesprochen, wenn der Vokal allein Träger einer betonten Silbe ist, zum Beispiel in:

  • „Äther“ – [‘ˀɛ:təʁ], „Ära“ – [‘ˀɛ:ʀɑ], „äsen“ – [‘ˀɛ:zən], „Äderchen“ – [‘ˀɛ:dəʁçən], „Äonen“ – [‘ˀɛ:ˀo:nən]

[ɛ] wird am Ende einer betonten Silbe lang gesprochen, zum Beispiel in:

  • „Säge“ – [‘zɛ:gə], „Käfig“ – [‘kɛ:fɪç], „quälen“ – [‘k͜vɛ:lən], „prägen“ – [‘pʀɛ:gən], „Dämon“ – [‘dɛ:mɔn]

[ɛ] wird in unbetonter Vorsilbe kurz gesprochen, zum Beispiel in:

  • „erlauben“ – [ˀɛʁ’‘a͜obən], „erfinden“ – [ˀɛʁ‘fɪndən], „erkennen“ – [ˀɛʁ‘kɛnən], „Erfahrung“- [ˀɛʁ‘fɑ:ʀuŋ], „Ersatz“ – [ˀɛʁ‘zat͜s]
  • „verlieren“ – [fɛʁ‘li:ʀən], „verdienen“ – [fɛʁ‘di:nən], „Verrat“ – [fɛʁ‘ʀɑ:t], „verwenden“ – [fɛʁ‘vɛndən], „Versuch“ – [fɛʁ‘zu:x]
  • „zerstören“ – [t͜sɛʁ‘ʃtø:ʀən], „zerreißen“ – [t͜sɛʁ‘ʀæzən], „zersetzen“ – [t͜sɛʁ‘zɛt͜sən], „Zerfall“ – [t͜sɛʁ‘fal], „zermürbt“ – [t͜sɛʁ‘mγʀpt]
  • „entspringen“ – [ˀɛnt‘ʃpʀɪŋən], „entlassen“ – [ˀɛnt‘lasən], „Entlastung“ – [ˀɛnt‘lastᴜŋ], „Entbehrung“ – [ˀɛnt‘be:ʀᴜŋ], „entlüften“ – [ˀɛnt‘lγftən]
  • „empfehlen“ – [ˀɛm‘p͜fe:lən], „Empfang“ – [ˀɛm‘p͜faŋ], „empfinden“ – [ˀɛm‘p͜fɪndən], „empfangen“ – [ˀɛmp͜faŋən], „Empfehlung“ – [ˀɛm‘p͜fe:lᴜŋ]
  • „präzise“ – [pʀɛ‘t͜si:zə], „Präsentation“ – [pʀɛzənta‘t͜sıo:n], „Prädikat“ – [pʀɛdɪ‘kɑ:t], „Präferenz“ – [pʀɛfə‘ʀɛnt͜s], „Präsident“ – [pʀɛzɪ‘dɛnt]
  • „herauslaufen“ – [hɛ‘ʀa͜osla͜ofən], „heranstürmen“ – [hɛ‘ʀanʃtγʀmən], „herabsinken“ – [hɛ‘ʀapzɪŋkən], „hereinrennen“ – [hɛ‘ʀa͜enʀɛnən], „herüberwinken“ – [hɛ‘ʀy:bəʁvɪŋkən]

[ɛ] wird in betonter Vorsilbe kurz gesprochen, zum Beispiel in:

  • „weggehen“ – [‘vεkge:ən], „wegfliegen“ – [‘vεkfli:gən], „wegbleiben“ – [‘vεkbla͜ebən], „wegbrechen“ – [‘vεkbʀεçən], „wegdrücken“ – [‘vεkdʀγkən]

Analoglänge[ɛ] wird in einer Verbform lang gesprochen, wenn seine Ent­sprechung im Infinitiv lang gesprochen wird, zum Beispiel in:

  • „er schält“ – [ˀe:ʁ ‘ʃɛ:lt] analog zu „schälen“ – [‘ʃɛ:lən], „sie „schlägt“ – [zi: ‘ʃlɛ:kt] analog zu „schlagen“ – [‘ʃlɑ:gən], „geprägt“ – [gə‘pʀɛ:kt] analog zu „prägen“ – [‘pʀɛ:gən], „ihr sägt“ – [ˀi:ʁ ‘zɛ:kt] analog zu „sägen“ – [‘zɛ:gən], „du rätst“ – [du: ‘ʀɛ:t͜st] analog zu „raten“ – [‘ʀɑ:tən]

[ɛ] wird im Singular eines Wortes lang gesprochen, wenn seine Entsprechung im Plural am Ende einer betonten Silbe steht, zum Beispiel in:

  • „Gerät“ – [gə‘ʀɛ:t] analog zu „Geräte“ – [gə‘ʀɛ:tə], „Bär“ – [bɛʀ] analog zu „Bären“ –[‘bɛʀən], „Banalität“ – [banalɪ‘tɛ:t] analog zu „Banalitäten“ – [banalɪ‘tɛ:tən], „inflationär“ – [ˀɪnflat͜sıo‘nɛ:ʁ] analog zu „inflationäre“ – [ˀɪnflat͜sıo‘nɛ:ʁə],
    „Diät“ – [dɪ‘ˀɛ:t] analog zu „Diäten“ – [dɪ‘ˀɛ:tən]

[ɛ] wird in einer abgeleiteten Wortform lang gesprochen, wenn seine Entsprechung im Ausgangssubstantiv lang gesprochen wird, zum Beispiel in:

  • „nämlich“ – [‘nɛ:mlɪç] analog zu „Name“ – [‘nɑ:mə], „kläglich“ – [‘klɛ:klɪç] analog zu „Klage“ – [‘klɑ:gə], „schädlich“ – [‘ʃε:tlɪç] analog zu „Schaden“ – [‘ʃɑ:dən], „untätig“ – [‘ˀᴜntɛ:tɪç] analog zu „Tat“ – [tɑ:t], „gesprächig“ – [gə‘ʃpʀɛ:çɪç] analog zu „Sprache“ – [‘ʃpʀɑ:xə]

[ɛ] wird lang gesprochen, wenn die Entsprechung des Umlauts[32] im Ausgangswort lang gesprochen wird, zum Beispiel in:

  • „Gemälde“ – [gə‘mɛ:ldə] analog zu „malen“ – [‘mɑ:lən], „kläglich“ – [‘klɛ:klɪç] analog zu „klagen“ – [‘klɑ:gən], „gäbe“ – [‘gɛ:bə] analog zu „gab“ – [gɑ:p], „läge“ – [‘lɛ:gə] analog zu „lag“ – [lɑ:k], „Gräber“ – [‘gʀɛ:bəʁ] analog zu „Grab“ – [gʀɑ:p]

Schreibung[ɛ] wird lang gesprochen, wenn auf den Vokal folgend ein Dehnungs-„h“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „lähmen“ – [‘lɛ:mən], „während“ – [‘vɛ:ʀənt], „ernähren“ – [ˀɛʁ‘nɛ:ʀən], „Mähne“ – [‘mɛ:nə], „spähen“ – [‘ʃpɛ:ən]

[ɛ] wird lang gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „ß“ – für [s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „gemäß“ – [gə‘mɛ:s] „Gefäß“ – [gə‘fε:s], „Gesäß“ – [gə‘zε:s]

[ɛ] wird in Fremdwörtern kurz gesprochen, wenn auf den unbetonten Vokal folgend „z“ – für [t͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Mäzen“ – [mɛ‘t͜se:n]

[ɛ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend mehr als nur ein Konsonant geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „selten“ – [‘zɛltən], „heftig“ – [‘hɛftɪç], „Kern“ – [kɛʁn], „Nerv“ – [nɛʁf], „Geld“ – [‚gɛlt]
  • „in Bälde“ – [ˀɪn ‘bɛldə], „Schärpe“ – [‘ʃɛʁpə] „bärtig“ – [‘bɛʁtɪç], „Ärmel“ – [‘ˀɛʁməl], „Lärm“ – [lɛʁm]

[ɛ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend ein Doppelkonsonant oder „ck“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „retten“ – [‘ʀɛtən], „kennen“ – [‘kɛnən], „schnell“ – [ʃnɛl], „trennen“ – [‘tʀɛnən], „Wetter“ – [‘vɛtəʁ]
  • „Zecke“ – [‘t͜sεkə] „Decke“ – [‘dεkə] „lecken“ – [‘lεkən] „Speck“ – [ʃpεk], „Strecke“ – [‘ʃtʀεkə]
  • „fällen“ – [‘fɛlən], „kämmen“ – [‘kɛmən], „plärren“ [‘plɛʀən], „Närrin“ – [‘nɛʀɪn], „Kärrnerarbeit“ – [‘kɛʁnəʁˀaʀba͜et]
  • „Bäcker“ – [‘bεkəʁ], „Gepäck“ – [gə‘pεk], „hartnäckig“ – [‘haʀtnεkɪç] „Gebäck“ – [gə‘bεk], „Säckchen“ – [‘zεkçən]

[ɛ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „st“ – für [st] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Rest“ – [ʀɛst], „bester“ – [‘bɛstəʁ], „gestern“ – [‘gɛstəʁn], „Nest“ – [nɛst], „testen“ – [‘tɛstən]
  • „Gäste“ – [‘gɛstə], „mästen“ – [‘mɛstən], „belästigen“ – [bə‘lɛstɪgən], „Äste“ – [‘ˀɛstə], „Kästen“ – [‘kɛstən]

[ɛ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „ng“ – für [ŋ] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Menge“ – [‘mɛŋə], „Bengel“ – [‘bɛŋəl], „Engel“ – [‘ˀɛŋəl], „eng“ – [ˀɛŋ], „Hengst“ – [hɛŋst]
  • „Gänge“ – [‘gɛŋə], „drängen“ – [‘dʀɛŋən], „abhängig“ – [‘ˀaphɛŋɪç], „Anfänger“ – [‘ˀanfɛŋəʁ], „Länge“ – [‘lɛŋə]

[ɛ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „ch“ – für [ç] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Zeche“ – [‘t͜sɛçə], „stechen“ – [‘ʃtɛçən], „Blech“ – [blɛç], „sprechen“ – [‘ʃpʀɛçən], „Rechnung“ – [‘ʀɛçnʊŋ]
  • „Wächter“ – [‘vɛçtəʁ], „mächtig“ – [‘mɛçtɪç], „Gedächtnis“ – [gə‘dɛçtnɪs], „Fläche“ – [‘flɛçə], „prächtig“ – [‘pʀɛçtɪç]
    • Aber nicht in „Gespräch“ – [gə‘ʃpʀɛ:ç] analog zu „Gespräche“ – [gə‘ʃpʀɛ:çə]

[ɛ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „sch“ – für [ʃ] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „dreschen“ – [‘dʀɛʃən], „Depesche“ – [de‘pɛʃə] „Esche“ – [‘ˀɛʃə], „fesch“ – [fɛʃ], „Kescher“ – [‘kɛʃəʁ]
  • „Wäsche“ – [‘vɛʃə], „Häscher“ – [‘hɛʃəʁ], „Täschchen“ – [‘tɛʃçən], „einäschern“ – [‘ˀa͜enˀɛʃəʁn], „Fläschchen“ – [‘flɛʃçən]

[ɛ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „tz“ – für [t͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „hetzen“ – [‘hɛt͜sən], „setzen“ – [‘zɛt͜sən], „Gesetz“ – [gə‘zɛt͜s],
    „Letzter“ – [‘lɛt͜stəʁ], „benetzt“ – [bə‘nɛt͜st]
  • „Geschwätz“ – [gə‘ʃvɛt͜s], „Plätze“ – [‘plɛt͜sə], „ätzen“ – [‘ˀɛt͜sən], „Absätze“ – [‘ˀapzɛt͜sə], „Schätze“ – [‘ʃɛt͜sə]

[ɛ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „pf“ – für [p͜f] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Schnepfe“ – [‘ʃnεp͜fə]
  • „Äpfel“ – [‘ˀɛp͜fəl], „Zäpfchen“ – [‘t͜sɛp͜fçən], „Granatäpfel“ – [gʀɑ‘nɑ:tˀɛp͜fəl], „Näpfe“ – [‘nɛp͜fə], „Saugnäpfe“ – [‘za͜oknɛp͜fə]

[ɛ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „chs“ – für [k͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „wechseln“ – [‘vɛk͜səln], „drechseln“ – [‘dʀɛk͜səln], „Echse“ – [‘ˀɛk͜sə], „sechs“ – [zɛk͜s], „Eidechse“ – [‘ˀa͜edɛk͜sə]
  • „sächsisch“ – [‘zɛk͜sɪʃ], „Gewächs“ – [gə‘vɛk͜s], „Zuwächse“ – [‘t͜su:vɛk͜sə], „Gewächshaus“ – [gə‘vɛk͜sha͜os] „er wächst“ – [ˀe:ʁ ‘vɛk͜st]
    • Aber nicht in „nächster“ – [‘nɛ:çstəʁ] analog zu „nach“ – [nɑ:x], „des Gesprächs“ – [dɛs gə‘ʃpʀɛ:çs] analog zu „Gespräch“ – [gə‘ʃpʀɛ:ç], „Schwächster“ – [‘ʃvɛçstəʁ] analog zu „schwach“ – [ʃvax]

[ɛ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „x“ – für [k͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Hexe“ – [‘hɛk͜sə], „Index“ – [‘ˀɪndɛk͜s], „Experte“ – [ˀɛk͜s‘pɛʁtə] „Text“ – [tɛk͜st], „Sex“ – [sɛk͜s]
  • „Äxte“ – [‘ˀɛk͜stə], „Streitäxte“ – [‘ʃtʀa͜etˀɛk͜stə]

Geschlossener Ö-LautBeim Sprechen des geschlossenen Ö-Lauts [ø][33] stülpen sich die Lippen bei mäßig gesenktem Unterkiefer rund nach vorn wie beim geschlossenen O-Laut [o] und bilden eine ovale Öffnung für den Ausatmungsluftstrom. Der Mund öffnet sich etwas. Die Zungenspitze berührt leicht die unteren Schneidezähne. Der Zungenrücken wölbt sich zum vorderen harten Gaumen wie beim geschlossenen E-Laut [e.] Das Gaumensegel ist gehoben und die Stimmlippen schwingen.

Der geschlossene Ö-Laut wird in betonten Silben lang gesprochen – [ø:].

Betonung[ø] wird lang gesprochen, wenn der Vokal allein Träger einer betonten Silbe ist, zum Beispiel in:

  • „Öfen“ – [‘ˀø:fən], „öde“ – [‘ˀø:də], „Öle“ – [‘ˀø:lə], „Öse“ – [‘ˀø:zə], „ölig“ – [‘ˀø:lɪç]

[ø] wird am Ende einer betonten Silbe lang gesprochen, zum Beispiel in:

  • „Löwe“ – [‘lø:və], „Röte“ – [‘ʀø:tə], „mögen“ – [‘mø:gən], „nötig“ – [‘nø:tɪç], „böse“ – [‘bø:zə]

Analoglänge[ø] wird in einer Verbform lang gesprochen, wenn seine Ent­sprechung im Infinitiv lang gesprochen wird, zum Beispiel in:

  • „ihr zögt“ – [ˀi:ʁ ‘t͜sø:kt] analog zu „ziehen“ – [‘t͜si:ən], „du schwörst“ – [du: ‘ʃvø:ʁst] analog zu „schwören“ – [‘ʃvø:ʀən], „geschönt“ [gə‘ʃø:nt], analog zu „schönen“ – [‘ʃø:nən], „getönt“ – [gə‘tø:nt] analog zu „tönen“ – [‘tø:nən], „er betört“ – [ˀe:ʁ bə‘tø:ʁt] analog zu „betören“ [bə‘tø:ʀən]

[ø] wird im Singular eines Wortes lang gesprochen, wenn seine Entsprechung im Plural am Ende einer betonten Silbe steht, zum Beispiel in:

  • „schön“ – [ʃø:n] analog zu „schöne“ – [‘ʃø:nə], „Stör“ – [ʃtø:ʁ] analog zu „Störe“ – [‘ʃtø:ʀə], „Erlös“ – [ˀεʁ‘lø:s] analog zu „Erlöse“ – [ˀεʁ‘lø:sə], „venös“ – [ve‘nø:s] analog zu „venöse“ – [ve‘nø:zə], „seriös“ – [‘zeʀɪ’ø:s] analog zu „seriöse“ – [zeʀɪ‘ø:zə]

[ø] wird in einer abgeleiteten Wortform lang gesprochen, wenn seine Entsprechung im Ausgangssubstantiv lang gesprochen wird, zum Beispiel in:

  • „höflich“ – [‘hø:flɪç] analog zu „Hof“ – [ho:f], „tröstlich“ – [‘tʀø:stlɪç] analog zu „Trost“ – [tʀo:st], „römisch“ – [‘ʀø:mɪʃ] analog zu „Rom“ – [ʀo:m], „rötlich“ – [‘ʀø:tlɪç] analog zu „Röte“ – [‘ʀø:tə], „nötig“ – [‘nø:tɪç] analog zu „Not“ – [no:t]

[ø] wird lang gesprochen, wenn die Entsprechung des Umlauts im Ausgangswort lang gesprochen wird, zum Beispiel in:

  • „löslich“ – [‘lø:slɪç] analog zu „los“ – [lo:s], „persönlich“ – [pεʁ‘zø:nlɪç] analog zu „Person“ – [pεʁ‘zo:n], „erlösbar“ – [ˀεʁ‘lø:sbɑ:ʁ] analog zu „los“ – [lo:s], „behördlich“ – [bə‘hø:ʁtlɪç] analog zu „Behörde“ – [bə‘hø:ʁdə], „Gelöbnis“ – [gə‘lø:pnɪs] analog zu „geloben“ – [gə‘lo:bən]

Schreibung[ø] wird lang gesprochen, wenn auf den Vokal folgend ein Dehnungs-„h“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Höhle“ – [‘hø:lə], „Föhn“ – [fø:n], „Söhne“ – [‘zø:nə], „stöhnen“ – [‘ʃtø:nən], „Öhr“ – [ˀø:ʁ]

[ø] wird lang gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „ß“ – für [s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Stöße“ – [‘ʃtø:sə], „Größe“ – [‘gʀøsə], „Schöße“ – [‘ʃø:sə], „Flöße“ – [‘fløsə]

[ø] wird lang gesprochen, wenn auf den betonten Vokal folgend „z“ – für [t͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Flöz“ [flø:t͜s]

Offener Ö-LautBeim Sprechen des offenen Ö-Lauts [œ][34] stülpen sich die Lippen bei mäßig stark gesenktem Unterkiefer fast rund nach vorn und bilden eine ovale Öffnung für den Ausatmungsluftstrom, wie beim offenen O-Laut [ɔ]. Der Mund öffnet sich. Die Zungenspitze berührt leicht die unteren Schneidezähne. Der Zungenrücken wölbt sich nach oben zum harten Gaumen wie beim geschlossenen
E-Laut [e]. Das Gaumensegel ist gehoben und die Stimmlippen schwingen.

Der offene Ö-Laut wird stets kurz gesprochen – [œ].

Schreibung[œ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend mehr als nur ein Konsonant geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „fördern“ – [‘fœʀdəʁn], „Pförtner“ – [‘p͜fœʀtnəʁ], „löffelförmig“ – [‘lœfəlfœʀmɪç], „Körper“ – [‘kœʀpəʁ], „Völker“ – [‘fœlkəʁ]

[œ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend ein Doppelkonsonant oder „ck“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „können“ – [‘kœnən], „Hölle“ – [‘hœlə], „dörren“ – [‘dœʀən], „Löffel“ – [‘lœfəl], „öffnen“ – [‘ˀœfnən]
  • „Röcke“ – [‘ʀœkə], „zweistöckig“ – [‘t͜sva͜eʃtœkɪç], „bröckeln“ – [‘bʀœkəln]. „Höcker“ – [‘hœkəʁ], „Böcke“ – [‘bœkə]

[œ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „st“ – für [st] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „köstlich“ – [‘kœstlɪç], „östlich“ – [‘ˀœstlɪç], „verköstigen“ – [fɛʁ‘kœstɪgən], „frösteln“ – [‘fʀœstəln], „Pöstchen“ – [‘pœstçən]
    • Aber nicht in „österlich“ – [‘ˀø:stəʁlɪç] analog zu „Ostern“ – [‘ˀo:stəʁn], „trösten“ – [‘tʀø:stən] analog zu „Trost“ – [tʀo:st]

[œ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „ch“ – für [ç] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „ich möchte“ – [ˀɪç ‘mœçtə], „Köche“ – [‘kœçə], „Töchter“ –[‘tœçtəʁ], „Löcher“ – [‘lœçəʁ], „röcheln“ – [‘ʀœçəln]
    • Aber nicht in „am höchsten“ – [ˀam ‘hø:çstən] analog zu „hoch“ – [ho:x]

[œ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „sch“ – für [ʃ] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Böschung“ – [‘bœʃᴜŋ], „löschen“ – [‘lœʃən], „Frösche“ – [‘fʀœʃə], „gelöscht“ – [gə‘lœʃt], „Knallfrösche“ – [‘knalfʀœʃə]

[œ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „tz“ – für [t͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „plötzlich“ – [‘plœt͜slɪç], „Götze“ – [‘gœt͜sə], „Klötze“ – [‘klœt͜sə], „ergötzen“ – [ˀɛʁ‘gœt͜sən], „Klötzchen“ – [‘klœt͜sçən]

[œ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „pf“ – für [p͜f] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Zöpfe“ – [‘tsœp͜fə], „Köpfe“ – [‘kœp͜fə], „töpfern“ – [‘tœp͜fəʁn],
    „Knöpfe“ – [‘knœp͜fə], „schöpfen“ – [‘ʃœp͜fən]

[œ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „x“ – für [k͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Höxter“ – [‘hœk͜stəʁ]

Geschlossener I-LautBeim Sprechen des geschlossenen I-Lauts [i][35] spreizen sich die Lippen deutlicher als beim geschlossenen E-Laut [e] und die Mundwinkel ziehen sich bei gering gesenktem Unterkiefer zurück. Der Mund lässt eine schmale Passage für den Ausatmungsluftstrom. Die Zungenspitze berührt leicht die unteren Schneidezähne. Der vordere Zungenrücken wölbt sich wie beim offenen I-Laut [ɪ] stark nach vorn. Das Gaumensegel ist gehoben und die Stimmlippen schwingen.

Der geschlossene I-Laut wird in vielen betonten Silben lang gesprochen – [i:] – und in wenigen unbetonten Silben kurz – [i].

Betonung[i] wird lang gesprochen, wenn der Vokal allein Träger einer betonten Silbe ist, zum Beispiel in:

  • „Igel“ – [‘ˀi:gəl], „Iris“ – [‘ˀi:ʀɪs], „Igor“ – [‘ˀi:gɔʁ], „Ina“ – [‘ˀi:nɑ], „Isar“ – [‘ˀi:zaʁ]

[i] wird am Ende einer betonten Silbe lang gesprochen, zum Beispiel in:

  • „Tiger“ – [‘ti:gəʁ], „wider“ – [‘vi:dəʁ], „Krise“ – [‘kʀi:zə], „Mine“ – [‘mi:nə], „piken“, – [‘pi:kən]

[i] wird in betonter Vorsilbe lang gesprochen, zum Beispiel in:

  • „widerborstig“ – [‘vi:dəʁbɔʀstɪç], „widerrechtlich“ – [‘vi:dəʁʀεçtlɪç], „Widerhaken“ – [‘vi:dəʁhɑ:kən], „Widerhall“ – [‘vi:dəʁhal], „widerlich“ – [‘vi:dəʁlɪç]

Analoglänge[i] wird in einer Verbform lang gesprochen, wenn seine Entsprechung im Infinitiv lang gesprochen wird, zum Beispiel in:

  • „du gibst“ – [du: ‘gi:pst], „er gibt“ – [ˀe:ʁ ‘gi:pt] analog zu „geben“ – [‘ge:bən], „begib dich“ – [bə‘gi:p dɪç] analog zu „begeben“ – [bə‘ge:bən], „es umgibt“ – [ˀεs ˀʊm‘gi:pt] analog zu „umgeben“ – [ˀʊm‘ge:bən]

[i] wird im Singular eines Wortes lang gesprochen, wenn seine Entsprechung im Plural am Ende einer betonten Silbe steht, zum Beispiel in:

  • „Lid“ – [li:t] analog zu „Lider“ – [‘li:dəʁ], „Stil“ – [ʃti:l] analog zu „Stile“ – [‘ʃti:lə], „Fossil“ – [fɔ‘si:l] analog zu „Fossile“ – [fɔ‘si:lə], „Profil“ – [pʀo‘fi:l] analog zu „Profile“ – [pʀo‘fi:lə], „Krokodil“ – [kʀoko‘di:l] analog zu „Krokodile“ – [kʀoko‘di:lə]

[i] wird in einer abgeleiteten Wortform lang gesprochen, wenn seine Entsprechung im Ausgangssubstantiv lang gesprochen wird, zum Beispiel in:

  • „ventillos“ – [vεn‘ti:llo:s] analog zu „Ventil“ – [vεn‘ti:l], „adjektivisch“ – [‘ˀatjεkti:vɪʃ] analog zu „Adjektiv“ – [‘ˀatjεkti:f], „monolithisch“ [mɔno‘li:tɪʃ] analog zu „Monolith“ – [mɔno‘li:t], „widersprüchlich“ – [‘vi:dəʁʃpʀγçlɪç] analog zu „Widerspruch“ – [‘vi:dəʁʃpʀʊx], „perspektivisch“ – [pεʁspεk‘ti:vɪʃ] analog zu „Perspektive“ – [pεʁspε‘ti:və]

Schreibung[i] wird lang gesprochen, wenn auf den Vokal folgend ein Dehnungs-„h“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „ihr“ – [ˀi:ʁ], „ihn“ – [ˀi:n], „ihm“ – [ˀi:m], „ihnen“ – [‚ˀi:nən], „ihrem“ – [‚ˀi:ʀəm]

[i] wird lang gesprochen, wenn auf den Vokal folgend ein Dehnungs-„e“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „lieben“ – [‘li:bən], „Miete“ – [‘mi:tə], „Biene“ – [‘bi:nə], „wieder“ – [‘vi:dəʁ], „vier“ – [fi:ʁ]
  • Aber nicht in „vierzehn“ – [‘fɪʀt͜se:n], „vierzig“ – [‘fɪʀt͜sɪç]

[i] wird lang gesprochen, wenn auf den Vokal folgend ein Dehnungs-„eh“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Vieh“ – [fi:], „du siehst“ – [du: ‘zi:st], „sie befiehlt“ – [zi: bə‘fi:lt], „geliehen“ – [gə‘li:ən], „er verzieh“ – [ˀe:ʁ fεʁ‘t͜si:]

[i] wird lang gesprochen, wenn auf den betonten Vokal folgend „z“ – für [t͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Notiz“ – [no‘ti:t͜s], „Hospiz“ – [hɔs‘pi:t͜s], „Justiz“ – [jᴜs‘ti:t͜s], „Indiz“ – [ˀɪn‘di:t͜s], „Miliz“ – [mɪ‘li:t͜s]

[i] wird in Fremdwörtern kurz gesprochen, wenn auf den unbetonten Vokal folgend „z“ – für [t͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Polizei“ – [poli‘t͜sa͜e], „bizarr“ – [bi‘t͜saʀ], „Lizenz“ – [li‘t͜sεnt͜s],
    „schizophren“ [ʃit͜so‘fʀe:n], „infizieren“ – [ˀɪnfi‘t͜si:ʀən]

[i] wird lang gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „r“ – für [ʁ] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „mir“ – [mi:ʁ], „dir“ – [di:ʁ], „wir“ – [vi:ʁ], „Kefir“ – [‘kefi:ʁ], „Geysir“ – [ga͜e‘z:ʁ]

Offener I-LautBeim Sprechen des offenen I-Lauts [ɪ][36] spreizen sich die Lippen bei etwas gesenktem Unterkiefer recht deutlich und die Mundwinkel ziehen sich zurück, weniger als beim geschlossenen I-Laut [i]. Der Mund ist leicht geöffnet und lässt eine mäßig breite Passage für den Ausatmungsluftstrom. Die Zungenspitze berührt leicht die unteren Schneidezähne. Der Zungenrücken wölbt sich wie beim geschlossenen I-Laut [i] mäßig stark nach vorn. Das Gaumensegel ist gehoben und die Stimmlippen schwingen.

Der offene I-Laut wird stets kurz gesprochen – [ɪ].

Betonung[ɪ] wird in betonter Vorsilbe kurz gesprochen, zum Beispiel in:

  • „dahineilen“ – [da‘hɪnˀa͜elən], „Zwischenfall“ – [‘t͜sv’ʃənfal], „dahinterkommen“ – [da‘hɪntəʁkɔmən], „innewohnen“ – [‘ˀɪnəvo:nən], „mitdenken“ – [‘mɪtdεŋkən]

[ɪ] wird in unbetonter Vorsilbe kurz gesprochen, zum Beispiel in:

  • „Indiz“ – [ˀɪn‘di:t͜s], „infam“ – [ˀɪn‘fɑ:m], „infantil“ – [ˀɪnfan‘ti:l], „Infekt“ – [ˀɪn‘fεkt], „Intendant“ – [ˀɪntεn‘dant]
  • „hinabreißen“ – [hɪ‘napʀa͜esən], „hinaufgehen“ – [hɪ‘na͜ofge:ən], „hindurchzwängen“ – [hɪn‘dʊʀçt͜svɛŋən], „hineinkommen“ – [hɪ‘na͜enkɔmən], „hinausrennen“ – [hɪ‘na͜osʀɛnən]

[ɪ] wird in unbetonter Nachsilbe kurz gesprochen, zum Beispiel in:

  • „sinnlich“ – [‘zɪnlɪç], „täglich“ – [‘tε:klɪç], „räumlich“ – [‘ʀɔ͜ømlɪç], „schädlich“ – [‘ʃε:tlɪç], „bläulich“ – [‘blɔ͜ølɪç]
  • „demokratisch“ – [demo‘kʀɑ:tɪʃ], „despotisch“ – [dεs‘po:tɪʃ], „politisch“ – [po‘li:tɪʃ], „kritisch“ – [‘kʀi:tɪʃ], „metallisch“ – [me‘talɪʃ]
  • „ruhig“ – [‘ʀu:ɪç], „kräftig“ – [‘kʀεftɪç], „geräumig“ – [gə‘ʀɔ͜ømɪç], „ständig“ – [‘ʃtεndɪç], „lustig“ – [‘lʊstɪç]
  • „Nachbarin“ – [‘naxbɑ:ʀɪn], „Freundin“ – [‘fʀɔ͜øndɪn], „Bäckerin“ – [‘bɛkəʀɪn], „Inhaberin“ – [‘ˀɪnhɑ:bəʀɪn], „Rivalin“ – [ʀi‘vɑ:lɪn]

Schreibung[ɪ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend mehr als nur ein Konsonant geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „mild“ – [mɪlt], „Gehirn“ – [gə‘hɪʀn], „Birne“ – [‘bɪʀnə], „Bild“ – [bɪlt], „Hilfe“ – [‘hɪlfə]

[ɪ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend ein Doppelkonsonant oder „ck“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „still“ – [ʃtɪl], „Mitte“ – [‘mɪtə], „Lippe“ – [‘lɪpə], „wirr“ – [vɪʀ], „innen“ – [‘ɪnən]
  • „ticken“ – [‘tɪkən], „sticken“ – [‘ʃtɪkən], „Knick“ – [knɪk], „Geschick“ – [gə‘ʃɪk], „Blick“ – [blɪk]

[ɪ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „st“ – für [st] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „nisten“ – [‘nɪstən], „Kiste“ – [‘kɪstə], „List“ – [lɪst], „Register“ – [ʀe‘gɪstəʁ], „Statistik“ – [ʃta‘tɪstɪk]

[ɪ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „ng“ – für [ŋ] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Ding“ – [dɪŋ], „dringend“ – [‘dʀɪŋənt], „singen“ – [‘zɪŋən], „Ring“ – [ʀɪŋ], „Säugling“ – [‘zɔ͜øklɪŋ]

[ɪ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „ch“ – für [ç] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „nicht“ – [nɪçt], „Dichter“ – [‘dɪçtəʁ], „kichern“ – [‘kɪçəʁn], „Licht“ – [lɪçt], „Nachricht“ – [‘nɑ:xʀɪçt]

[ɪ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „sch“ – für [ʃ] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „mischen“ – [‘mɪʃən], „frisch“ – [fʀɪʃ], „Tisch“ – [tɪʃ], „wischen“ – [‘vɪʃən], „artistisch“ – [ˀaʀ‘tɪstɪʃ]

[ɪ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „tz“ – für [t͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Witz“ – [vɪt͜s], „Hitze“ – [‘hɪt͜sə], „Blitz“ – [blɪt͜s], „Spitze“ – [‘ʃpɪt͜sə], „sitzen“ – [‘zɪt͜sən]

[ɪ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „pf“ – für [p͜f] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Wipfel“ – [‘vɪp͜fəl], „Zipfel“ – [‘t͜sɪp͜fəl], „Gipfeltreffen“ – [‘gɪp͜fəltʀɛfən], „Gipfel“ – [‘gɪp͜fəl], „Zipfelmütze“ – [‘t͜sɪp͜fəlmγt͜sə]

[ɪ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „chs“ – für [k͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Wichse“ – [‘vɪk͜sə], „gewichst“ – [gə‘vɪk͜st]

[ɪ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „x“ – für [k͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Nixe“ – [‘nɪk͜sə], „fix“ – [fɪk͜s], „mixen“ – [‘mɪk͜sən], „verflixt“ – [fɛʁ‘flɪk͜st], „Elixier“ – [ˀelɪ‘k͜si:ʁ]

Nichtsilbischer I-LautBeim Sprechen des nichtsilbischen I-Lauts [ı] spreizen sich die Lippen bei gering gesenktem Kiefer weniger als beim offenen I-Laut [ɪ] und die Mundwinkel ziehen sich etwas zurück. Der Mund lässt eine minimale Passage für den Ausatmungsluftstrom. Die Zungenspitze berührt leicht die unteren Schneidezähne. Der Zungenrücken wölbt sich wie beim geschlossenen I-Laut [i] mäßig stark nach vorn. Das Gaumensegel ist gehoben und die Stimmlippen schwingen.

Der nichtsilbische I-Laut wird ausschließlich vor einem Vokal gesprochen – [ı].

Schreibung[ı] wird gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „e“ – für [ə] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Pinie“ – [‘pi:nıə], „Aktie“ – [‘ˀaktıə], „Lilie“ – [‘li:lıə], „Akazie“ – [ˀa‘kɑ:ʦıə], „Familie“ –[fa‘mi:lıə]

[ı] wird gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „a“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Razzia“ – [‘ʀɑt͜sıa], „Tertia“ – [‘tɛʁt͜sıa], „jovial“ – [jo‘vıɑ:l], „medial“ – [me‘dıɑ:l], „Loggia“ – [‘lɔd͜ʒıa]

[ı] wird gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „o“ – für [o] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Aktion“ – [ˀak‘t͜sıo:n], „Laudatio“ – [la͜o‘dɑ:t͜sıo], „Studio“ – [‘ʃtu:dıo], „Radio“ – [‘ʀɑ:dıo], „rational“ – [ʀɑt͜sıo‘nɑ:l]

Geschlossener Ü-LautBeim Sprechen des geschlossenen Ü-Lauts [y][37] stülpen sich die Lippen bei wenig gesenktem Unterkiefer wie beim geschlossenen U-Laut [u] sehr stark nach vorn. Der Mund öffnet sich minimal und lässt dem Ausatmungsluftstrom nur eine sehr schmale Passage. Die Zungenspitze berührt leicht die unteren Schneidezähne. Der Zungenrücken wölbt sich wie beim geschlossenen E-Laut [e] zum vorderen harten Gaumen. Das Gaumensegel ist gehoben und die Stimmlippen schwingen.

Der geschlossene Ü-Laut wird in betonten Silben lang gesprochen – [y:].

Betonung[y] wird lang gesprochen, wenn der Vokal allein Träger einer betonten Silbe ist, zum Beispiel in:

  • „Übel“ – [‘ˀy:bəl], „üben“ – [‘ˀy:bən], „über“ – [‘ˀy:bəʁ], „Übung“ – [‘ˀy:bᴜŋ]

[y] wird am Ende einer betonten Silbe lang gesprochen, zum Beispiel in:

  • „Süden“ – [‘zy:dən], „müde“ – [‘my:də], „wütend“ – [‘vy:tənt], „Tüte“ – [‘ty:tə], „Güte“ – [‘gy:tə]

[y] wird in Fremdwörtern in betonter Silbe lang gesprochen, zum Beispiel in:

  • „Akronym“ – [ˀɑkʀo’ny:m], „synonym“ – [zγno’ny:m], „Analyse“ – [ˀɑnɑ’ly:zə], „anonym“ – [ˀɑno’ny:m], „Typ“ – [ty:p]

[y] wird in betonter Vorsilbe lang gesprochen, zum Beispiel in:

  • „hinüberfahren“ – [hɪ‘ny:bəʁfɑ:ʀən], „hinüberkommen“ – [hɪ‘ny:bəʁkɔmən], „hinüberlaufen“ – [hɪ‘ny:bəʁla͜ofən], „hinüberfliegen“ – [hɪ‘ny:bəʁfli:gən], „hinüberrennen“ – [hɪ‘ny:bəʁʀɛnən]
  • „herüberfahren“ – [hɛ‘ʀy:bəʁfɑ:ʀən], „herüberkommen – [hɛ‘ʀy:bəʁkɔmən], „herüberlaufen“ – [hɛ‘ʀy:bəʁla͜ofən], „herüberfliegen“ – [hɛ‘ʀy:bəʁfli:gən], „herüberrennen“ – [hɛ‘ʀy:bəʁʀɛnən]
  • „gegenübersitzen“ – [ge:gən‘ˀy:bəʁzɪt͜sən], „gegenüberstellen“ – ge:gən‘ˀybəʁʃtɛlən], „gegenüberliegen“ – [ge:gən‘ˀy:bəʁli:gən], „gegenübersetzen“ – [ge:gən‘ˀy:bəʁzɛt͜sən], „gegenübertreten“ – [ge:gən‘ˀy:bəʁtʀe:tən]

[y] wird in unbetonter Vorsilbe lang gesprochen, zum Beispiel in:

  • „überfallen“ – [ˀy:bəʁ‘falən], „übereinkommen“ – [ˀy:bəʁ‘ˀa͜enkɔmən], „übergehen“ – [ˀy:bəʁ‘ge:ən], „überfliegen“ – [ˀy:bəʁ‘fli:gən], „übersehen“ – [ˀy:bəʁ‘ze:ən]

Analoglänge[y] wird in einer Verbform lang gesprochen, wenn seine Ent­sprechung im Infinitiv lang gesprochen wird, zum Beispiel in:

  • „du prüfst“ – [du: ‘pʀy:fst] analog zu „prüfen“ [‘pʀy:fən], „er spürt“ – [ˀe:ʁ ‘ʃpy:ʁt] analog zu „spüren“ – [‘ʃpy:ʀən], „sie kürt“ – [zi: ‘ky:ʁt] analog zu „küren“ – [‘ky:ʀən], „ihr betrügt“ – [ˀi:ʁ bə‘tʀy:kt] analog zu „betrügen“ – [bə‘tʀy:gən], „er schürt“ – [ˀe:ʁ ‘ʃy:ʁt] analog zu „schüren“ – [‘ʃy:ʀən]

[y] wird im Singular eines Wortes lang gesprochen, wenn seine Entsprechung im Plural am Ende einer betonten Silbe steht, zum Beispiel in:

  • „Tür“ – [ty:ʁ] analog zu „Türen“ – [‘ty:ʀən], „Geschwür“ – [gə‘ʃvüʁ] analog zu „Geschwüre“ – [gə‘ʃvy:ʀə], „Gespür“ – [gə‘ʃpy:ʁ] analog zu „Gespüre“ – [gə‘ʃpy:ʀə], „Gemüt“ – [gə‘my:t] analog zu „Gemüter“ – [gə‘my:təʁ], „Kostüm“ – [kɔs‘ty:m] analog zu „Kostüme“ – [kɔs‘ty:mə]

[y] wird in einer abgeleiteten Wortform lang gesprochen, wenn seine Entsprechung im Ausgangssubstantiv lang gesprochen wird, zum Beispiel in:

  • „natürlich“ – [na‘ty:ʁlɪç] analog zu „Natur“ – [na‘tu:ʁ], „figürlich“ – [fɪ‘gy:ʁlɪç] analog zu „Figur“ – [fɪ‘gu:ʁ], „willkürlich“ – [‘vɪlky:ʁlɪç] analog zu „Willkür“ – [‘vɪlky:ʁ], „betrüblich“ [bə‘tʀy:plɪç] analog zu „Betrübnis“ – [bə‘tʀy:pnɪs],
    „vergnüglich“ – [fεʁ‘gny:klɪç] analog zu „Vergnügen“ – [fεʁ‘gny:gən]

Schreibung[y] wird lang gesprochen, wenn auf den Vokal folgend ein Dehnungs-„h“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Bühne“ – [‘by:nə], „kühlen“ – [‘ky:lən], „Mühle“ – [‘my:lə], „Hühnchen“ – [‘hy:nçən], „Kühe“ – [‘ky:ə]

[y] wird lang gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „ß“ – für [s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „büßen“ – [‘by:sən], „Grüße“ – [‘gʀy:sə], „Füße“ – [‘fy:sə], „Süße“ – [‘zy:sə], „müßig“ – [‘my:sɪç]

[y] wird lang gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „r“ – für [ʁ] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „für“ – [fy:ʁ], Gespür“ – [gə‘ʃpy:ʁ], „Willkür“ – [‘vɪlky:ʁ], „Tür“ – [ty:ʁ], „Geschwür“ – [gə‘ʃvy:ʁ]

Offener Ü-LautBeim Sprechen des offenen Ü-Lauts [γ][38] stülpen sich die Lippen bei kaum gesenktem Unterkiefer stark nach vorn und lassen dem Ausatmungsluftstrom nur eine schmale Passage. Der Mund öffnet sich wie beim offenen U-Laut [ᴜ] wenig. Die Zungenspitze berührt leicht die unteren Schneidezähne. Der Zungenrücken wölbt sich wie beim geschlossenen I-Laut [i] nach oben zum harten Gaumen. Das Gaumensegel ist gehoben und die Stimmlippen schwingen.

Der offene Ü-Laut wird stets kurz gesprochen – [γ].

Schreibung[γ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend mehr als nur ein Konsonant geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Gründe“ – [‘gʀγndə], „Hündchen“ – [‘hγntçən], „Hürde“ – [‘hγʀdə], „Sünde“ – [‘zγndə], „rümpfen“ – [‘ʀγmp͜fən]
  • „zyklisch“ – [‚t͜sγklɪʃ], „System“ – [zγs’te:m], „Gymnasium“ – [gγm’nɑ:zıʊm], „Hydrant“ – [hγˀdʀant], „Sylt“ – [zγlt]

[γ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend ein Doppelkonsonant oder „ck“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Hütte“ – [‘hγtə], „füllen“ – [‘fγlən], „dünn“ – [dγn], „flügge“ – [‘flγgə], „Küsse“ – [‘kγsə]
  • „bücken“ – [‘bγkən], „Rücken“ – [‘ʀγkən], „zücken“ – [‘t͜sγkən],
    „drücken“ – [‘dʀγkən], „Stück“ – [ʃtγk]

[γ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „st“ – für [st] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Küste“ – [‘kγstə], „flüstern“ – [‘flγstəʁn], „Rüstung“ – [‘ʀγstᴜŋ],
    „lüstern“ – [‘lγstəʁn], „Zyste“ – [‘t͜sγstə]
  • Aber nicht in „Büste“ – [‘by:stə], „hüsteln“ – [‘hy:stəln], „düster“ – [‘dy:stəʁ], „Wüste“ – [‘vy:stə]

[γ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „ng“ – für [ŋ] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Jüngling“ – [‘jγŋlɪŋ], „Schwünge“ – [‘ʃvγŋə], „düngen“ – [‘dγŋən], „Klüngel“ – [‘klγŋəl], „Sprünge“ – [‘ʃpʀγŋə]

[γ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „ch“ – für [ç] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Sprüche“ – [‘ʃpʀγçə], „anrüchig“ – [‘ˀanʀγçɪç], „berüchtigt“ – [bə‘ʀγçtɪçt], „flüchten“ – [‘flγçtən], „nüchtern“ – [‘nγçtəʁn]
    • Aber nicht in „Bücher“ – [‘by:çəʁ] analog zu „Buch“ – [bu:x], „Tücher“ – [‘ty:çəʁ] analog zu „Tuch“ – [tu:x]

[γ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „sch“ – für [ʃ] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Büsche“ – [‘bγʃə], „plüsch“ – [plγʃ], „Gebüsch“ – [gə‘bγʃ], „Büschel“ – [‘bγʃəl], „Plüschtier“ – [‘plγʃti:ʁ]
    • Aber nicht in „Rüsche“ – [‘ʀy:ʃə]

[γ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „tz“ – für [t͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Pfütze“ – [‘p͜fγt͜sə], „Mütze“ – [‘mγt͜sə], „schützen“ – [‘ʃγt͜sən],
    „stützen“ – [‘ʃtγt͜sən], „nützlich“ – [‘nγt͜slɪç]

[γ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „pf“ – für [p͜f] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „hüpfen“ – [‘hγp͜fən], „schlüpfrig“ – [‘ʃlγp͜fʀɪç], „knüpfen“ – [‘knγp͜fən], „Tüpfelchen“ – [‘tγp͜fəlçən], „anknüpfen“ – [‘ˀanknγp͜fən]

[γ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „chs“ – für [k͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Büchse“ – [‘bγk͜sə], „Füchse“ – [‘fγk͜sə], „kleinwüchsig“ – [‘kla͜envγk͜sɪç], „Füchsin“ – [‘fγk͜sɪn], „Sammelbüchse“ – [‘zaməlbγk͜sə]

[γ] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „x“ – für [k͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „ausbüxen“ – [‘ˀa͜osbγk͜sən], „Onyx“ – [‘ˀo:nγk͜s]

Zentralvokale

Beim Artikulieren der Zentralvokale ruht die Zunge  fast völlig entspannt im Mundraum, nur der Zungenrücken wölbt sich leicht in der Mitte. Die drei Zentralvokale im Deutschen – [ɑ], [a] und [ə] – unterscheiden sich voneinander durch die unterschiedliche Kieferöffnung und die Lippenweitung.

Geschlossener A-LautBeim Sprechen des geschlossenen A-Lauts [ɑ][39] weiten sich die Lippen deutlich bei stark gesenktem Unterkiefer. Der Mund öffnet sich weit und lässt dem Ausatmungsluftstrom die größte Passage aller Vokale. Die Zungenspitze berührt leicht die unteren Schneidezähne. Der mittlere Zungenrücken wölbt sich gering nach hinten, weniger stark als beim offenen A-Laut [a]. Das Gaumensegel ist gehoben und die Stimmlippen schwingen.

Der geschlossene A-Laut wird in vielen betonten Silben lang gesprochen – [ɑ:] – und in wenigen unbetonten Silben kurz [ɑ].

Betonung[ɑ] wird lang gesprochen, wenn der Vokal allein Träger einer betonten Silbe ist, zum Beispiel in:

  • „Abend“ –[‘ˀɑ:bənt], „Atem“ – [‘ˀɑ:təm], „Adel“ – [‘ˀɑ:dəl], „aber“ – [‘ˀɑ:bəʁ], „Ader“ – [‘ˀɑ:dəʁ]

[ɑ] wird am Ende einer betonten Silbe lang gesprochen, zum Beispiel in:

  • „sagen“ – [‘zɑ:gən], „Ware“ – [‘vɑ:ʀə], „Gabel“ – [‘gɑ:bəl], „tragen“ – [‘tʀɑ:gən], „Haken“ – [‘hɑ:kən]

[ɑ] wird in betonter Vorsilbe lang gesprochen, zum Beispiel in:

  • „Nachsilbe“ – [‘nɑ:xzɪlbə], „Nachkomme“ – [‘nɑ:xkɔmə], „nachsehen“ – [‘nɑ:xze:ən], „nachschauen“ – [‘nɑ:xʃa͜oən], „nachlaufen“ – [‘nɑ:xla͜ofən]

[ɑ] wird in unbetonter Nachsilbe lang gesprochen, zum Beispiel in:

  • „unmittelbar“ – [‘ˀʊnmɪtəlbɑ:ʁ] , „trinkbar“ – [‘tʀɪŋkbɑ:ʁ], „atembar“ – [‘ɑ:təmbɑ:ʁ], „überschaubar“ – [ˀy:bəʁ‘ʃa͜obɑ:ʁ] „begehbar“ – [bə‘ge:bɑ:ʁ]
  • „sorgsam“ – [‘zɔʀkzɑ:m], „heilsam“ – [‘ha͜elzɑ:m], „mühsam“ – [‘my:zɑ:m], „ratsam“ – [‘ʀɑ:tzɑ:m], „sittsam“ – [‘zɪtzɑ:m]

Analoglänge[ɑ] wird in einer Verbform lang gesprochen, wenn seine Entsprechung im Infinitiv lang gesprochen wird, zum Beispiel in:

  • „du fragst“ – [du: ‘fʀɑ:kst] analog zu „fragen“ – [‘fʀɑ:gən], „sie rast“ – [zi: ‘ʀɑ:st] analog zu „rasen“ – [‘ʀɑ:zən], „es grast“ – [ˀɛs ‘gʀɑ:st], analog zu „grasen“ – [‘gʀɑ:sən], „ihr blast“ – [ˀi:ʁ ‘blɑ:st] analog zu „blasen“ – [‘blɑ:zən], „ihr tragt“ – [ˀi:ʁ ‘tʀɑ:kt] analog zu „tragen“ – [‘tʀɑ:gən]

[ɑ] wird im Singular eines Wortes lang gesprochen, wenn seine Entsprechung im Plural am Ende einer betonten Silbe steht, zum Beispiel in:

  • „Tal“ – [tɑ:l] analog zu „Täler“ [‘tɛ:ləʁ], „Qual“ – [k͜vɑ:l] analog zu „Qualen“ – [‘k͜vɑ:lən], „Tag“ – [tɑ:k] analog zu „Tage“ – [‘tɑ:gə], „Rad“ – [ʀɑ:t] analog zu „Räder“ [‘ʀɛ:dəʁ], „Schlag“ – [ʃlɑ:k] analog zu [‘ʃlɛ:gə]

[ɑ] wird in einer abgeleiteten Wortform lang gesprochen, wenn seine Entsprechung im Ausgangssubstantiv lang gesprochen wird, zum Beispiel in:

  • „maßvoll“ – [‘mɑ:sfɔl] analog zu „Maß“ – [mɑ:s], „planvoll“ – [‘plɑ:nfɔl] analog zu „Plan“ – [plɑ:n], „qualvoll“ – [‘k͜vɑ:lfɔl] analog zu „Qual“ – [k͜vɑ:l], „tatkräftig“ – [‘tɑ:tkʀεftɪç] analog zu „Tat“ – [tɑ:t], „schadhaft“ [‘ʃɑ:thaft] analog zu „Schaden“ – [‘ʃɑ:dən]

Schreibung[ɑ] wird lang gesprochen, wenn der Vokal doppelt geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Saal“ – [zɑ:l], „Staat“ – [ʃtɑ:t], „Saat“ – [zɑ:t], „Haar“ – [hɑ:ʁ], „Paar“ – [pɑ:ʁ]

[ɑ] wird lang gesprochen, wenn auf den Vokal folgend ein Dehnungs-„h“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Naht“ – [nɑ:t], „Mahl“ – [mɑ:l], „kahl“ – [kɑ:l], „Zahl“ – [t͜sɑ:l], „Fahrt“ – [fɑ:ʁt]

[ɑ] wird lang gesprochen, wenn auf den Vokal folgend ein Dehnungs-„e“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Baesweiler“ – [‘bɑ:sva͜eləʁ], „Straelen“ – [‘ʃtʀa:lən], „Kevelaer“ – [‘ke:vəlɑ:ʁ]

[ɑ] wird lang gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „ß“ – für [s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Maß“ – [mɑ:s], „Straße“ – [‘ʃtʀɑ:sə], „Maßnahme“ – [‘mɑ:snɑ:mə], „maßlos“ – [‘mɑ:slo:s], „Maßband“ – [‘mɑ:sbant]

[ɑ] wird lang gesprochen, wenn auf den betonten Vokal folgend „z“ – für [t͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „dazu“ – [‘dɑ:t͜su:], „Fazit“ – [‘fɑ:t͜sɪt], „Grazie“ – [‘gʀɑ:t͜sıə],
    „Lapislazuli“ – [lapɪs‘lɑ:t͜sᴜli:], „Pistazie“ – [pɪs‘tɑ:t͜sıə]

    • Also nicht in unbetonter Silbe wie in „spazieren“ – [ʃpa‘t͜si:ʀən]

[ɑ] wird in Fremdwörtern kurz gesprochen, wenn auf den unbetonten Vokal folgend „z“ – für [t͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Magazin“ – [magɑ‘t͜si:n], „Pazifik“ – [pɑ‘t͜si:fɪk], „Kapazität“ – [kapɑt͜sɪ‘tε:t], „Pharmazie“ – [faʀmɑ‘t͜si:], „Lazarett“ – [lɑt͜sɑ‘ʀεt]

[ɑ] wird lang gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „r“ – für [ʁ] – geschrieben wird:

  • „Art“ – [ˀɑ:ʁt], „Arzt“ – [ˀɑ:ʁt͜st], „Bar“ – [bɑ:ʁ], „Basar“ – [ba‘zɑ:ʁ], „Exemplar“ – [ˀεk͜sεm‘plɑ:ʁ]

Offener A-LautBeim Sprechen des offenen A-Lauts [a][40] weiten sich die Lippen bei gesenktem Unterkiefer recht deutlich, doch nicht ganz so weit wie beim geschlossenen A-Laut [ɑ]. Der Mund weitet sich und lässt dem Ausatmungsluftstrom eine große Passage. Die Zungenspitze berührt leicht die unteren Schneidezähne. Der mittlere Zungenrücken wölbt sich löffelförmig nach vorn, stärker als beim geschlossenen A-Laut [ɑ]. Das Gaumensegel ist gehoben und die Stimmlippen schwingen.

Der offene A-Laut wird stets kurz gesprochen – [a].

Betonung[a] wird in betonter Vorsilbe kurz gesprochen, zum Beispiel in:

  • „annehmen“ – [‘ˀanne:mən], „Angabe“ – [‘ˀangɑ:bə], „angenehm“ – [‘ˀangəne:m], „Anzug“ – [‘ˀant͜su:k], „Anklage“ – [‚‘ˀanklɑ:gə]
  • „hinabschauen“ – [hɪ‘napʃa͜oən], „hinanschreiten“ – [hɪ‘nanʃʀa͜etən], „vorangehen“ – [fɔ‘ʀange:ən], „herankommen“ – [hε‘ʀankɔmən], „entlanglaufen“ – [ˀεnt‘laŋla͜ofən]

[a] wird in unbetonter Vorsilbe kurz gesprochen, zum Beispiel in:

  • „dabeisitzen“ – [da‘ba͜ezɪt͜sən], „dagegenhalten“ – [da‘ge:gənhaltən], „daherkommen“ – [da‘he:ʁkɔmən], „dahinfließen“ – [da‘hɪnfli:sən], „danebenstehen“ – [da‘ne:bənʃte:ən], „daransetzen“ – [da‘ʀanzεt͜sən],
    „darumkommen“ – [da‘ʀʊmkɔmən], „davonlaufen“ – [da‘fɔnla͜ofən]], „dazwischenrufen“ – [da‘t͜svɪʃənʀu:fən]

Schreibung[a] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend mehr als nur ein Konsonant geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Land“ – [lant], „Tante“ – [‘tantə], „halten“ – [‘haltən], „hart“ – [haʀt], „Kampf“ – [kamp͜f]

[a] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend ein Doppelkonsonant oder „ck“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Kamm“ – [kam], „Wanne“ – [‘vanə], „er rannte“ [ˀe:ʁ ‘ʀantə], „Masse“ – [‘masə], „Ratte“ – [‘ratə]
  • „hacken“ – [‘hakən], „Nacken“ – [‘nakən], „Fackel“ – [‘fakəl], „Wrack“ – [vʀak], „Sack“ – [zak]

[a] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „st“ – für [st] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „fasten“ – [‘fastən], „Hast“ – [hast], „Ast“ – [ˀast], „basteln“ – [‘bastəln], „Rast“ – [ʀast]

[a] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „ng“ – für [ŋ] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „lange“ – [‘laŋə], „schwanger“ – [‘ʃvaŋəʁ], „Angel“ – [‘ˀaŋəl],
    „empfangen“ – [ˀɛm‘p͜faŋən], „Zwang“ – [t͜svaŋ]

[a] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „ch“ – für [x] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „lachen“ – [‘laxən], „Macht“ – [maxt], „Schachtel“ – [‘ʃaxtəl], „Krach“ – [kʀax], „machen“ – [‘maxən]

[a] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „sch“ – für [ʃ] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Masche“ – [‘maʃə], „rasch“ – [ʀaʃ], „Lasche“ – [‘laʃə], „Tasche“ – [‘taʃə], „naschen“ – [‘naʃən]

[a] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „tz“ – für [t͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Latz“ – [lat͜s], „Fratze“ – [‘fʀat͜sə], „Katze“ – [‘kat͜sə], „Schatz“ – [ʃat͜s], „Tatze“ – [‘tat͜sə]

[a] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „pf“ – für [p͜f] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Napf“ – [nap͜f], „tapfer“ – [‘tap͜fəʁ], „Zapfen“ – [‘t͜sap͜fən], „stapfen“ – [‘ʃtap͜fən], „Apfel“ – [‘ˀap͜fəl]

[a] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „chs“ – für [k͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Lachs“ – [lak͜s], „wachsen“ – [‘vak͜sən], „Dachs“ – [dak͜s], „Achse“ – [‘ˀak͜sə], „Sachse“ – [‘zak͜sə]
    • Also nicht in abgeleiteten Wörtern, in denen kein [k͜s] gesprochen wird, wie in „des Dachs“ – [dɛs ‘daxs] analog zu „Dach“ – [dax], „Gemach“ – [gə‘mɑ:x] analog zu „Gemächer“ – [gə‘mε:çəʁ]

[a] wird kurz gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „x“ – für [k͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Haxe – [‘hak͜sə], „Praxis“ – [‘pʀak͜sɪs], „Axt“ – [ˀak͜st], „maximal“ – [mak͜si‘mɑ:l], „Max“ – [mak͜s]

Unbetonter E-LautBeim Sprechen des schwachtonigen E-Lauts [ə][41] weiten sich die Lippen bei gering gesenktem Unterkiefer ohne Spannung. Der Mund öffnet sich leicht, weniger als beim offenen E-Laut [ɛ], für den Ausatmungsluftstrom. Die Zungenspitze berührt leicht die unteren Schneidezähne. Der Zungenrücken wölbt sich schwach in der Mitte, schwächer als beim geschlossenen E-Laut [e]. Das Gaumensegel ist gehoben und die Stimmlippen schwingen.

Der schwachtonige E-Laut wird stets kurz gesprochen [ə][42].

Betonung[ə] wird am Ende einer unbetonten Vorsilbe kurz gesprochen, zum Beispiel in:

  • „gegeben“ – [gə‘ge:bən], „Gebirge“ – [gə‘bɪʀgə] – „gelegen“ – [gə‘le:gən], „getan“ – [gə‘tɑ:n], „Gelage“ – [gə‘lɑ:gə]
  • „beheben“ – [bə‘he:bən], „behalten“ – [bə‘haltən], „beenden“ – [bə‘ˀɛndən], „Betrug“ – [bə’tʀu:k], „Betrag“ – [bə’tʀɑ:k]
  • „bevorzugen“ – [bə’fo:ʁt͜su:gən], „bevorraten“ – [bə’fo:ʁʀɑtən],
    „bevormunden“ – [bə’fo:ʁmʊndən], „bevorstehen“ – [bə’fo:ʁʃte:ən], „bevorrechtigt“ – [bə’fo:ʁʀεçtɪçt]

[ə] wird in unbetonter Nachsilbe kurz gesprochen, zum Beispiel in:

  • „Freude“ – [‘fʀɔ͜ødə], „Gebäude“ – [gə‘bɔ͜ødə], „Olympiade“ – [ˀo:lγm‘pıɑ:də], „Barde“ – [‘baʀdə], „Kunde“ – [‘kʊndə]
  • „diesem“ – [‘di:zəm], „diese“ – [‘di:zə], „dieser“ – [‘di:zəʁ], „diesen – [‘di:zən]
  • „Mädchen“ – [‘mε:tçən], „Märchen – [‘mε:ʁçən]“, „Birnchen“ – [‘bɪʀnçən], „Schildchen“ – [‘ʃɪltçən], „Hühnchen“ – [‘hy:nçən]
  • „sitzen“ – [‘zɪt͜sən], „lachen“ – [‘laxən], „sprechen“ – [‘ʃpʀεçən],
    „freuen“ – [‘fʀɔ͜øən], „erblicken“, [ˀεʁ‘blɪkən]
  • „Mutter“ –[‘mᴜtəʁ], „Vater“ – [‘fɑ:təʁ], „Leiter“ – [‘la͜etəʁ], „weiter“ – [‘va͜etəʁ], „Mauer“ – [‘ma͜oəʁ]

Diphthonge

Bei einem Diphthong werden zwei verschiedene Vokale als eine einzigen Silbe[44] gesprochen, wobei im Deutschen der erste Vokal etwas stärker betont wird. Alle anderen Vokale im Deutschen sind Monophthonge[45]. Diphthonge werden behandelt wie lang gesprochene Monophthonge.

Heller EI-DiphthongBeim Sprechen des hellen Diphthongs
EI [a͜e] gleitet
die Artikulation vom offenen
A-Laut [a] zum geschlossenen
E-Laut [e].

 

 

 

Schreibung[a͜e] wird gesprochen, wenn „ei“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Ei“ – [ˀa͜e], „nein“ – [na͜en], „Heide“ – [‘ha͜edə], „Eis“ – [ˀa͜es], „Geschrei“ – [gə‘ʃʀa͜e]
    • Aber nicht in Fremdwörtern wie „Protein“ – [pʀote’ˀi:n], „Koffein“ – [kɔfe‘ˀi:n], „Cystein“ – [t͜sγste‘ˀi:n]

[a͜e] wird gesprochen, wenn „ai“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Mai“ – [ma͜e], „Mais“ – [ma͜es], „Waise“ – [‘va͜ezə], „Saite“ – [‘za͜etə], „Laie“ – [‘la͜eə]
    • Aber nicht in Fremdwörtern wie „naiv“ – [na‘ˀi:f]

[æ] wird gesprochen, wenn „ay“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Bayern“ – [‘ba͜eəʁn], „Bayreuth“ – [ba͜e‘ʀɔ͜øt], „Ayatollah“ – [ˀa͜ea‘tɔlɑ:], „Malaysia“ – [ma‘la͜ezıɑ:], „Kay“ – [ka͜e]

[a͜e] wird gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „ß“ – für [s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „heiß“ – [ha͜es], „Fleiß“ – [fla͜es], „beißen“ – [‘ba͜esən], „heißen“ – [‘ha͜esən], „reißen“ – [‘ʀa͜esən]

[a͜e] wird gesprochen, wenn auf den betonten Vokal folgend „z“ – für [t͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Beize“ – [‘ba͜et͜sə], „reizen“ –[‘ʀa͜et͜sən], „heizen“ – [‘ha͜et͜sən],
    „Weizen“ – [‘va͜et͜sən], „Geiz“ – [ga͜et͜s]

[a͜e] wird gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „ch“ – für [ç] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Beichte“ – [‘ba͜eçtə], „leicht“ – [la͜eçt], „gleich“ – [gla͜eç], „Scheich“ – [ʃa͜eç], „Teich“ – [ta͜eç]

[a͜e] wird gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „sch“ – für [ʃ] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Fleisch“ – [fla͜eʃ], „erheischen“ – [ˀεʁ‘ha͜eʃən], „kreischen“ – [‘kʀa͜eʃən], „zerfleischen“ – [t͜sεʁ‘fla͜eʃən]
  • „Maische“ – [‘ma͜eʃə]
    • Aber nicht in „archaisch“ – [aʀ‘çɑ:ɪʃ], „prosaisch“ – [pʀo:‘zɑ:ɪʃ], „algebraisch“ – [alge‘bʀɑ:ɪʃ]

[a͜e] wird gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „chs“ – für [k͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Deichsel“ – [‘da͜ek͜səl] , „Weichsel“ – [‘va͜ek͜səl]

[a͜e] wird gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „x“ – für [k͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „feixen“ – [‘fa͜ek͜sən]

Betonung[a͜e] wird gesprochen, wenn der Vokal allein Träger einer betonten Silbe ist, zum Beispiel in:

  • „Eiche“ – [‘ˀa͜eçə], „Eifer“ – [‘ˀa͜efəʁ], „Eiter“ – [‘ˀa͜etəʁ], „eigen“ – [‘ˀa͜egən], „eilen“ – [‘ˀa͜elən]

[a͜e] wird am Ende einer betonten Silbe gesprochen, zum Beispiel in:

  • „reiten“ – [‘ʀa͜etən], „gleiten“- [‘gla͜etən], „Reise“ – [‘ʀa͜ezə], „Kreide“ – [‘kʀa͜edə], „Meise“ – [‘ma͜ezə]

[a͜e] wird am Ende einer betonten Vorsilbe gesprochen, zum Beispiel in:

  • „beistehen“ – [‘ba͜eʃte:ən], „Beihilfe“ – [‘ba͜ehɪlfə], „Beispiel“ – [‘ba͜eʃpi:l], „beibringen“ – [‘ba͜ebʀɪŋən], „Beifall“ – [‘ba͜efal]
  • „dabeisitzen“ – [da‘ba͜ezɪt͜sən], „dabeibleiben“ – [da‘ba͜ebla͜ebən], „dabeistehen“ – [da‘ba͜eʃte:ən]
  • „herbeieilen“ – [hεʁ‘ba͜eˀa͜elən], „herbeiführen“ – [hεʁ‘ba͜efy:ʀən], „herbeilocken“ – [hεʁ‘ba͜elɔkən], „herbeischaffen“ – [hεʁ‘ba͜eʃafən], „herbeirufen“ – [hεʁ‘ba͜eʀu:fən]
  • „entzweibrechen“ – [ˀεnt‘t͜sva͜ebʀεçən], „entzweigehen“ – [ˀεnt‘t͜sva͜ege:ən], „entzweireißen“ – [ˀεnt‘t͜sva͜eʀa͜esən], „entzweihauen“ – [ˀεnt‘t͜sva͜eha͜oən], „entzweischneiden“ – [ˀεnt‘t͜sva͜eʃna͜edən]

[a͜e] wird in betonter Vorsilbe gesprochen, zum Beispiel in:

  • „weiterrennen“ – [‘va͜etəʁʀεnən], „weitersagen“ – [‘va͜etəʁzɑ:gən], „weiterspielen“ – [‘va͜etəʁʃpi:lən], „weiterschlafen“ – [‘va͜etəʁʃlɑ:fən], „weiterverarbeiten“ – [‘va͜etəʁfεʁˀaʀba͜etən]
  • „hereinkommen“ – [hε‘ʀa͜enkɔmən], „hereinlassen“ – [hε‘ʀa͜enlasən], „hereinlegen“ – [hε‘ʀa͜enle:gən], „hereinregnen“ – [hε‘ʀa͜enʀe:knən], „hereinstürzen“ – [hε‘ʀa͜enʃtγʁt͜sən]

[a͜e] wird in unbetonter Nachsilbe gesprochen, zum Beispiel in:

  • „Fähnlein“ – [‘fε:nla͜en], „Männlein“ – [‘mεnla͜en], „Fräulein“ – [‘fʀɔ͜øla͜en], „Zicklein“ – [‘t͜sɪkla͜en], „Bächlein“ – [‘bεçla͜en]
  • „Gesundheit“ – [gə‘zʊntha͜et], „Klarheit“ – [‘klɑ:ʁha͜et], Sturheit“ – [‘ʃtu:ʁha͜et], „Besonderheit“ – [bə‘zɔndəʁha͜et], „Schönheit“ – [‘ʃønha͜et]
  • „Sauberkeit“ – [‘za͜obəʁka͜et], „Ehrlichkeit“ – [‘ˀe:ʀlɪçka͜et], „Fähigkeit“ – [‘fε:ɪçka͜et], „Pünktlichkeit“ – [‘pγŋktlɪçka͜et], „Möglichkeit“ – [‘mø:klɪçka͜et]

Dunkler AU-DiphthongBeim Sprechen des dunklen Diphthongs
AU [a͜o] gleitet
die Artikulation vom offenen
A-Laut [a] zum geschlossenen
O-Laut [o].

 

 

 

Schreibung[a͜o] wird gesprochen, wenn „au“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Haus“ – [ha͜os], „bauen“ – [‘ba͜oən] , „Raub“ – [ʀa͜op], „Auflauf“ – [‘ˀa͜ofla͜of], „austauschen“ – [‘ˀa͜osta͜oʃən]

[a͜o] wird gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „ß“ – für [s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Strauß“ – [ʃtʀa͜os]

[a͜o] wird gespochen, wenn auf den betonten Vokal folgend „z“ – für [t͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Kauz“ – [ka͜ot͜s]

[a͜o] wird gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „st“ – für [st] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Faust“ – [fa͜ost], „du baust“ [du: ‘ba͜ost], „du schaust“ [du: ‘ʃa͜ost], „gesaust“ – [gə‘za͜ost], „Australien“ – [ˀa͜os‘tʀɑ:lıən]

[a͜o] wird gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „ch“ – für [x] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Rauch“ – [ʀa͜ox], „auch“ – [ˀa͜ox], „stauchen“ – [‘ʃta͜oxən], „tauchen“ – [‘ta͜oxən], „brauchen“ – [‘bʀa͜oxən]

[a͜o] wird gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „sch“ – für [ʃ] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Rausch“ – [ʀa͜oʃ], „tauschen“ – [‘ta͜oʃən], „aufbauschen“ – [‘ˀa͜ofba͜oʃən], „belauschen“ – [bə‘la͜oʃən], „flauschig“ – [‘fla͜oʃɪç]

[a͜o] wird gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „x“ – für [k͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „auxiliar“ – [ˀa͜ok͜sɪ‘lıɑ:ʁ], „Bauxit“ – [ba͜o‘k͜sɪt]

Betonung[a͜o] wird gesprochen, wenn der Vokal allein Träger einer betonten Silbe ist, zum Beispiel:

  • „Aue“ – [‘ˀa͜oə], „Auerhahn“ – [‘ˀa͜oəʁhɑ:n], „Auge“ – [‘ˀa͜ogə], „audio“ – [‘ˀa͜odio:], „Aura“ – [‘ˀa͜oʀɑ:]

[a͜o] wird am Ende einer betonten Silbe gesprochen, zum Beispiel in:

  • „bauen“ – [‘ba͜oən], „raufen“ – [‘ʀa͜ofən], „saufen“ – [‘za͜ofən], „rau“ – [ʀa͜o], „blau“ – [bla͜o]

[a͜o] wird in betonter Vorsilbe gesprochen, zum Beispiel in:

  • „herauskommen“ – [hε‘ʀa͜oskɔmən], „hinausgehen“ – [hɪ‘na͜osge:ən], „hinaufschauen“ – [hɪ‘na͜ofʃa͜oən], „Voraussage“ – [fɔ‘ʀa͜oszɑ:gə], „Aufbau“ – [‘ˀa͜ofba͜o], „auslaufen“ – [‘ˀa͜osla͜ofən]

Heller EI-DiphthongBeim Sprechen des hellen Diphthongs
EU [ɔ͜ø] gleitet
die Artikulation vom offenen
O-Laut [ɔ] zum geschlossenen Ö-Laut [ø].

 

 

 

Schreibung[ɔ͜ø] wird gesprochen, wenn „eu“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „heute“ – [‘hɔ͜øtə], „scheu“ – [ʃɔ͜ø], „Beute“ – [‘bɔ͜øtə], „Euter“ – [‘ˀɔ͜øtəʁ], „Zeug“ – [t͜sɔ͜øk]

[ɔ͜ø] wird gesprochen, wenn „äu“ geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „träumen“ – [‘tʀɔ͜ømən], „häufig“ – [‘hɔ͜øfɪç], „Läuse“ – [‘lɔ͜øzə], „Säure“ – [‘zɔ͜øʀə], „Gebäude“ – [gə‘bɔ͜ødə]

[ɔ͜ø] wird gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „ß“ – für [s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Preußen“ – [‘pʀɔ͜øsən]
  • „äußern“ – [‘ˀɔ͜øsəʁn], „äußerst“ – [‘ˀɔ͜øsəʁst]

[ɔ͜ø] wird gesprochen, wenn auf den betonten Vokal folgend „z“ – [t͜s] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „Kreuz“ – [kʀɔ͜øt͜s], „kreuzigen“ – [‘kʀɔ͜øt͜sɪgən], „Kreuzung“ – [‘kʀɔ͜øt͜sʊŋ]
  • „schnäuzen“ – [‘ʃnɔ͜øt͜sən]

[ɔ͜ø] wird gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „st“ – für [st] – geschrieben wird, zum Besipiel in:

  • „Fäuste“ – [‘fɔ͜østə]

[ɔ͜ø] wird gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „ch“ – für [ç] geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „euch“ – [ˀɔ͜øç], „feucht“ – [fɔ͜øçt], „Seuche“ – [‘zɔ͜øçə], „leuchten“ – [‘lɔ͜øçtən], „Erleuchtung“ – [ˀɛʀ‘lɔ͜øçtʊŋ]
  • „räuchern“ – [‘ʀɔ͜øçəʁn], „Bräuche“ – [‘bʀɔ͜øçə], „Gesträuch“ – [gə‘ʃtʀɔ͜øç], „Schläuche“ – [‘ʃlɔ͜øçə], „Bäuche“ – [‘bɔ͜øçə]

[ɔ͜ø] wird gesprochen, wenn auf den Vokal folgend „sch“ – für [ʃ] – geschrieben wird, zum Beispiel in:

  • „keusch“ – [kɔ͜øʃ], „Beuschel“ – [‘bɔ͜øʃəl]
  • „Geräusch“ – [gə‘ʀɔ͜øʃ], „täuschen“ – [‘tɔ͜øʃən], „Täuschung“ – [‘tɔ͜øʃʊŋ]
[ɔ͜ø] wird nicht gesprochen, wenn in Fremdwörtern auf den Vokal folgend „r“ – für [ʁ] – geschrieben wird, also nicht in:

  • „Amateur“ – [ˀɑma‘tø:ʁ], „Redakteur“ – [ʀedak‘tøʁ], „Chauffeur“ – [ʃɔ‘fø:ʁ], „Ingenieur“ – [ˀɪnʒɛ‘nıø:ʁ], „Regisseur“ – [ʀeʒɪ‘sø:ʁ]

Betonung[ɔ͜ø] wird gesprochen, wenn der Vokal allein Träger einer betonten Silbe ist, zum Beispiel in:

  • „Euter“ – [‘ˀɔ͜øtəʁ], „Eule“ – [‘ˀɔ͜ølə], „euer“ – [‘ˀɔ͜øəʁ], „Euro“ – [‘ˀɔ͜øʀo:], „Eugen“ – [‘ˀɔ͜øgən]
  • „äußerlich“ – [‘ˀɔ͜øsəʁlɪç], „beäugen“ – [bə‘ˀɔ͜øgən], „äußern“ – [‘ˀɔ͜øsəʁn], „äußerst“ – [‘ˀɔ͜øsəʁst], „Äugelchen“ – [‘ˀɔ͜øgəlçən]

[ɔ͜ø] wird am Ende einer betonten Silbe gesprochen, zum Beispiel in:

  • „heute“ – [‘hɔ͜øtə], „Leute“ – [‘lɔ͜øtə], „Reuse“ – [‘ʀɔ͜øzə], „Keule“ – [‘kɔ͜ølə], „heulen“ – [‘hɔ͜ølən]
  • „Häute“ – [‘hɔ͜øtə], „läuten“ – [‘lɔ͜øtən], „Mäuse“ – [‘mɔ͜øzə], „Säue“ – [‘zɔ͜øə], „gläubig“ – [‘glɔ͜øbɪç]

Literatur

Duden. Die Grammatik
Duden. Das Fremdwörterbuch
Duden. Das Aussprachewörterbuch
Ingeborg Geißner-von Nida. Mimeo
Carl Martens, Peter Martens. Phonetik der deutschen Sprache
Hans Joachim Störig. Das große Wörterbuch der deutschen Sprache
Hans-Heinrich Wängler. Atlas deutscher Sprachlaute
Christian Winkler. Lautreines Deutsch

www.klangsignale.com
www.wikipedia.org
www.wiktionary.org
www.wordmine.info

[1] Vokal = Selbstlaut
[2] Aussprache = Phonation = Stimmerzeugung
[3] Lautschrift = Internationales Phonetisches Alphabet = API
[4] Duden. Aussprachewörterbuch
[5] Laut der von zwei Buchstaben repräsentiert wird = Digraf
[6] [x] = stimmloser Hintergaumen-Reibelaut wie in „Schach“ – [ʃax]
[7] [ç] = stimmloser Vordergaumen-Zischlaut wie in „ich“ – [ˀɪç]
[8] Labiale
[9] Auch die Gaumen-Zischlaute [ʃ] und [ʒ] werden mit gerundeten Lippen gesprochen, wie in
„Schule“ – [‘ʃu:lə] und „Garage“ – [ga‘ʀɑ:ʒə]
[10] Nichtlabiale
[11] Auch die Vordergaumen-Zischlaute [ç] und [j] werden mit gespreizten Lippen gesprochen, wie in „Licht“ – [lɪçt] und „jung“ – [jʊŋ]
[12] Duden. Aussprachewörterbuch
[13] Knacklaut = Glottisschlag = Stimmritzenverschlusslaut
[14] [ˀ] = [│]
[15] Am Beginn einer Sprechsilbe = im Anlaut = anlautend
[16] Vorsilbe = Präfix = vor den Wortstamm angefügte Worterweiterung
[17] Nachsilbe = Suffix = nach dem Wortstamm angefügte Worterweiterung
[18] Rechtschreibung = Orthografie
[19] Rechtlautung = Orthoëpie, von altgriechisch ὀρθός, orthós: aufrecht, richtig und ἔπος, epos: Wort, Vers, Erzählung, Gedicht, Rede
[20] Siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_deutscher_Präfixe
[21] Siehe: https://de.wiktionary.org/wiki/Vorlage:Suffixe_(Deutsch)
[22] Abgeleitet = in grammatischen Formen flektiert, abgewandelt, gebeugt, dekliniert, konjugiert
[23] Grundform des Verbs = Infinitiv
[24] Substantiv = Hauptwort
[25] Plural = Mehrzahl
[26] Deutscher geschlossener U-Laut = gerundeter geschlossener U-Laut
[27] Deutscher offener U-Laut = gerundeter kaum offener U-Laut
[28] Deutscher geschlossener O-Laut = gerundeter halbgeschlossener O-Laut
[29] Deutscher offener O-Laut = gerundeter halboffener O-Laut
[30] Deutscher geschlossener E-Laut = ungerundeter halbgeschlossener E-Laut
[31] Deutscher offener E-Laut = ungerundeter halboffener E-Laut
[32] Umlaut = die Buchstaben Ä und ä, Ö und ö sowie Ü und ü
[33] Deutscher geschlossener Ö-Laut = gerundeter halbgeschlossener Ö-Laut
[34] Deutscher offener Ö-Laut = gerundeter halboffener Ö-Laut
[35] Deutscher geschlossener I-Laut = ungerundeter geschlossener I-Laut
[36] Deutscher offener I-Laut = ungerundeter kaum offener I-Laut
[37] Deutscher geschlossener Ü-Laut = gerundeter geschlossener Ü-Laut
[38] Deutscher offener Ü-Laut = gerundeter kaum offener Ü-Laut
[39] Deutscher geschlossener A-Laut = ungerundeter geschlossener A-Laut
[40] Deutscher offener A-Laut = ungerundeter offener A-Laut
[41] Deutscher schwachtoniger E-Laut = mittlerer unbetonter E-Laut = Schwalaut = Murmellaut
[42] Folgt auf einen zentralen schwachtonigen E-Laut – [ə] – in unbetonter Silbe ein schwacher stimmhafter Zäpfchen-Fließlaut – [ʁ] –, können beide Laute zum fast offenen Zentralvokal – [ɐ] – verschmelzen.
[43] Diphthong = Zwielaut, von altgriechisch δίφθογγος: dis = zweimal und phthóggos = Laut
[44] Diphthong ≠ Hiat mit zwei verschiedenen Vokalen in zwei Silben, zum Beispiel „Chaos“ – [kɑ’ˀɔs], „Ruine“ – [ʀu’ˀi:nə] oder „Boa“ – [‚bo:ɑ:]
[45] Monophthong = einfacher Laut, von altgriechisch μονόφθογγος: mónos =allein und phthóggos = Laut

Akzentfrei artikulieren

Standard

Die Aussprache im Deutschen

Die deutsche Sprache hat für das Sprechen ebenso Regeln wie für das Schreiben. Wer in der Standardsprache schreiben will, richtet sich nach der Rechtschreibung[1], wer in der Standardsprache sprechen will, richtet sich nach der Rechtlautung[2]. Beide Regelungen sind Teil der Grammatik[3], deren System sich gliedert in: Laut, Silbe, Wort, Satz und Text.

Laut

Ein Laut[4] ist ein durch eine Stimme produzierter Ton. Beim Ausatmen versetzen Artikulationsorgane den Luftstrom in Schallwellen, die als Klang zu hören sind. Sprachlaute[5] entstehen, wenn Laute mit einem definierten Sprachsignal gleich­gesetzt werden. Ein Laut ist die kleinste Einheit des Lautsystems einer Sprache, definiert durch seinen Klang und seine Funktion.

Laut versus Sprachlaut – Beispiel 1
Der R-Laut lässt sich sehr unterschiedlich erzeugen: etwa durch das Schwingen des Zäpfchens – [ʀ] – oder der Zungenspitze – [r] – oder durch die Enge zwischen Zäpfchen und hinterem Zungenrücken – [ʁ]. Auf welche Weise der R-Laut gespro­chen wird, erzeugt im Deutschen keinen Bedeutungsunterschied[6], seine Varianten werden stets als Sprachlaut /r/ interpretiert.

Laute gehören zu unterschiedlichen Sprachlauten, wenn der klangliche[7] Unterschied einem sprachlichen Bedeutungsunterschied entspricht.

Laut versus Sprachlaut – Beispiel 2
Der A-Laut lässt sich im Deutschen recht unterschiedlich erzeugen: etwa lang und offen [ɑ:] oder kurz und geschlossen [a]. Die Art seines Sprechens kann durchaus einen Bedeutungsunterschied ergeben: Die Aussage „Sie rasten.“ – [zi: ‘ʀɑ:sten] – mit der Bedeutung ‚Sie bewegten sich schnell‘ unterscheidet sich durchaus von der Aussage „Sie rasten.“ – [zi: ‘ʀasten] – mit der Bedeutung ‚Sie unterbrechen ihre Bewegung‘. Die Varianten werden verschiedenen Sprachlauten /a/ zugeordnet.

Sprachlaute sind eine Gruppe von Lauten, die von Muttersprachlern als „ungefähr gleich“ empfunden werden.[8]

Laut versus Sprachlaut – Beispiel 3
Manche Wörter unterscheiden sich von anderen nur in einem Laut. So gehören in „Sand“ – [zant], Wand – [vant], Hand – [hant], Band – [bant], Rand – [ʀant] die anlautenden Konsonanten [z], [v], [h], [b] und [ʀ] zu unterschiedlichen Sprach­lauten, weil sie zu unterschiedlichen Bedeutungen der Wörter führen.

Laute werden in der Rechtschreibung mit Buchstaben und in der Rechtlautung mit phonetischen Zeichen verschriftlicht.

Lautschrift

Im Deutschen zeigen die Buchstaben des Alphabets, wie Sprachlaute gesprochen werden, doch entspricht nicht immer ein Buchstabe nur einem Laut und nicht jeder Laut wird von nur einem Buchstaben repräsentiert, zum Beispiel:

  • „sch“ und „s“ vor „t“ und „s“ vor „p“ stehen für [ʃ] wie in „Schule“ – [‘ʃu:lə], „Stadt“ – [ʃtat], „Spiel“ – [ʃpi:l]
  • „ch“ kann für [ç] oder [x] stehen wie in „ich“ – [ɪç] oder „Macht“ – [maxt]
  • [ε] kann repräsentiert werden durch „e“ oder „ä“ wie in „nett“ – [nεt] oder „Fläche“ – [‘flɛçə]

Die Lautschrift[9] ordnet jedem Laut recht genau ein Lautzeichen zu und jedes Lautzeichen repräsentiert nur einen Sprachlaut. Zur Präzisierung verwendet die Lautschrift ergänzende phonetische Zeichen:

  • [‘] für Betonung, zum Beispiel in „Versuch“ – [fɛʁ‘zu:x]
  • [:] für Länge, zum Beispiel in „Tür“ – [ty:ʁ]
  • [ˀ] für den Knacklaut, zum Beispiel in „beantworten“ – [bə‘ˀantvɔʀtən]
  • [ʰ] für Behauchung, zum Beispiel in „Pumpe“ – [‘pʰʊmpʰə]

Um die Lautschrift nicht zu überladen, wird im Deutschen meist auf die Notation des Knacklauts und der Behauchung verzichtet.

Buchstaben und phonetische Zeichen für Vokale im Deutschen

„u“ für [u] und [ʊ] zum Beispiel in „Buch“ – [bu:x] und „Busch“ – [bʊʃ]
„o“ für [o] und [ɔ] zum Beispiel in „Mode“ – [‘mo:də] und „Motte“ – [‘mɔtə]
„e“ für [e], [ɛ] und [ə] zum Beispiel in „Herd“ – [he:ʁt], „nett“ – [nεt] und „Güte“ – [‘gy:tə]
„ä“ für [ɛ] zum Beispiel in „Bär“ – [bε:ʁ]  
„ö“ für [ø] und [œ] zum Beispiel in „lösen“ – [‘lø:zən] und „Rösser“ – [‘ʀœsəʁ]
„i“ für [i], [ɪ] und [ı] zum Beispiel in „Sieb“ – [zi:p], „Mitte“ – [‘mɪtə] und „Grazie“ – [‘gʀɑ:t͜sıə]
„ü“ für [y] und [γ] zum Beispiel in „Tücher“ – [‘ty:çəʁ] und „Küsse“ – [‘kγsə]
„a“ für [ɑ] und [a] zum Beispiel in „Schal“ – [ʃɑ:l] und „Schach“ – [ʃax]
„ei“, „ey“, „ai“ und“ay“ für [a͜e] zum Beispiel in „Reise“ – [‘ʀa͜ezə],
„Geysir“ – [‘ga͜ezɪʀ], „Maier“ – [‘ma͜eəʁ] und „Bayer“ – [‘ba͜eəʁ]
„au“ für [a͜o] zum Beispiel in „Tausch“ – [ta͜oʃ]
„eu“ und „äu“ für [ɔ͜ø] zum Beispiel in „heute“ – [‘hɔ͜øtə] und „Häute“ – [‘hɔ͜øtə]

Buchstaben und phonetische Zeichen für Konsonanten im Deutschen

„l“ für [l], zum Beispiel in „Liebe“ – [‘li:bə]
„r“ für [ʀ] und [ʁ], zum Beispiel in „Rot“ – [ʀo:t] und „Scherbe“ – [‘ʃεʁbə]
„m“ für [m], zum Beispiel in „Made“ – [‘mɑ:də]
„n“ für [n], zum Beispiel in „Naht“ – [nɑ:t]
„ng“ für [ŋ] zum Beispiel in „Ding“ – [dɪŋ]
„f“ für [f], zum Beispiel in „Fisch“ – [fɪʃ]
„w“ und „v“ für [v], zum Beispiel in „Wort“ – [vɔʀt] und „Vase“ – [‘vɑ:zə]
„ch“ für [x] und [ç], zum Beispiel in „doch“ – [dɔx] und „dich“ – [dɪç]
„s“ für [s] und [z], zum Beispiel in „das“ – [das] und „Sache“ – [‘zaxə]
„sch“ und „ch“ für [ʃ], zum Beispiel in „schön“ – [ʃø:n] und „Chauffeur“ – [ʃo‘fø:ʁ]
„j“ für [j] und [ʒ], zum Beispiel in „jetzt“ – [jεt͜st] und „Jackett“ – [ʒa‘kεt]
„p“ und „b“ für [p], zum Beispiel in „Paar“ – [pɑ:ʁ] und „Sieb“ – [zi:p]
„b“ für [b], zum Beispiel in „Bar“ – [bɑ:ʁ]
„t“ und „d“ für [t], zum Beispiel in „Tor“ – [to:ʁ] und „Kleid“ – [kla͜et]
„d“ für [d], zum Beispiel in „Dach“ – [dax]
„k“ und „g“ für [k], zum Beispiel in „kaum“ – [ka͜om] und „Flug“ – [flu:k]
„g“ für [g] und [ʒ], zum Beispiel in „gut“ – [gu:t] und „Genie“ – [ʒε‘ni:]
„h“ für [h], zum Beispiel in „Hut“ – [hu:t]
„pf“ für [p͜f], zum Beispiel in „Pforte“ – [‘p͜fɔʀtə]
„ps“ für [p͜s], zum Beispiel in „Schlips“ – [ʃlɪp͜s]
„ts“, „z“ und „tz“ für [t͜s], zum Beispiel in „nichts“ – [nɪçt͜s], „Zoo“ – [t͜so:] und „Katze“ – [‘kat͜sə]
„tsch“ für [t͜ʃ], zum Beispiel in „rutschen“ – [‘ʀʊt͜ʃən]
„dsch“ für [d͜ʒ], zum Beispiel in „Dschungel“ – [‘d͜ʒʊŋəl]
„ks“ und „x“ für [k͜s], zum Beispiel in „Keks“ – [ke:k͜s] und „mixen“ – [‘mɪk͜sən]
„qu“ für [k͜v], zum Beispiel in „quer“ – [k͜ve:ʁ]

AspirationIm Deutschen werden die stimmlosen Verschlusslaute[10] [p], [t] und [k] vor Vokalen behaucht gesprochen, also von einem leichten Hauchlaut – [ʰ] – begleitet: [pʰ], [tʰ], [kʰ]. In der deutschen Sprache ist die Behauchung[11] jedoch kein bedeutungsunterscheidendes[12] Merkmal, denn die Laute werden sowohl behaucht wie unbehaucht als Sprachlaute gleich verstanden.

Dynamischer AkzentAuch die Betonung[13], die verschieden laute Aussprache, lässt sich in phonetischer Notation verschriftlichen, zum Beispiel im Wort „Seenotübung“ – [‘zė:nò:tˀý:bʊŋ]:

  • Mit der Überschwere – ˙ – auf der ersten Silbe – [zė:]
  • Mit der Vollschwere – ´ – auf der dritten Silbe – [ˀý:]
  • Mit der Kaumschwere – ` – auf der zweiten Silbe – [nò:t]
  • Ohne Schwere auf der vierten Silbe – [bʊŋ]

In der Lautschrift wird meist auf die Notation der Betonung mit Schweren verzichtet und nur die Betonung des Akzents – [‘] – in mehrsilbigen Wörtern verwendet.

Sprechpausen an SprechabschnittenVerzichtet wird fast immer auch auf die Notation von Sprech­pausen in Texten. Unabhängig von den Zeichen der Recht­schreibung – wie Punkt, Komma, Semikolon, Gedankenstrich, Doppelpunkt – können Sprechabschnitte gegliedert werden in:

  • Schluss eines Abschnitts – || – für eine lange Sprechpause
  • Ende eines Ausspruchs – || – für eine weniger lange Sprechpause
  • Zwischen Sinnschritten – | – für eine kurze Sprechpause
  • Zwischen Wortblöcken – ‘ – für eine Staupause

Melodischer AkzentIn Texten lässt sich auch die Tonhöhenbewegung[14] für das Sprechen kennzeichnen. Auf die Notation wird jedoch verzichtet, wenn die Aufmerksamkeit auf die akzentfreie Aussprache konzentriert werden soll. Die Zeichen zur Sprechmelodie können an die Notation der Sprech­abschnitte angefügt werden:

  • Vollschluss – \ – für das vollständige Senken der Tonhöhe
  • Halbschluss – ` – für das leichte Senken der Tonhöhe
  • Schwebeton – ˉ – für das Verbleiben auf einer Tonhöhe
  • Hochschluss – ´ – für das Heben der Tonhöhe

Die hier im Essay verwendete Lautschrift ist ein Ausschnitt aus dem Internationalen Phonetischen Alphabet, angewendet auf vorwiegend nichtzusammengesetzte Wörter der deutschen Sprache und nur wenige geläufige Fremdwörter. Am Anfang von Wörtern wird der Knacklaut hier nicht verschriftlicht.

Die Rechtlautung regelt nicht die Aussprache des eigenen Namens eines Sprechers; jeder Mensch mag seinen Namen aussprechen, wie er will.

Artikulation

Beim Sprechen werden Sprachlaute durch Artikulation[15] gebildet. Die menschlichen Artikulationsorgane befinden sich im und um den Mundraum:

  • Wenn die Stimmlippen[16] beim Sprechen schwingen, sind die Laute stimmhaft: bei allen Vokalen und stimmhaften Konsonanten. Bleiben die Stimmlippen entspannt, sind die Laute stimmlos: bei allen stimmlosen Konsonanten.
  • Zungenrücken[17] und Zäpfchen[18] variieren beim Sprechen die Enge im Rachen – wie bei den Hinterzungenvokalen [o] und [ɔ] sowie [u] und [ʊ] oder bei den Zäpfchen-Fließlauten[19] [ʀ] und [ʁ] oder beim Hintergaumen-Reibelaut[20] [x] und den Hintergaumen-Verschlusslauten[21] [k] und [g]. Das Gaumensegel[22] ist beim Sprechen der deutschen Sprache meist gehoben. Es senkt sich nur bei den Nasenlauten[23] [m], [n] und [ŋ], um dem Ausatmungsluftstrom[24] den Weg durch den Nasenraum[25] freizugeben.
  • Beim Sprechen des Hintergaumen-Nasenlauts[26] [ŋ] und des Hintergaumen-Reibelauts [x] wölbt sich der Zungenrücken zum weichen Gaumen[27] und bildet für den Ausatmungsluftstrom eine enge Passage. Bei den Hintergaumen-Verschlusslauten [k] und [g] wird dort der Ausatmungsluftstrom unterbrochen.
  • Zum harten Gaumen[28] wölbt sich die Zunge beim Sprechen der Vorderzungen­vokale [i], [ɪ], [ı], [e], [ɛ], [y], [γ], [ø] und [œ] sowie bei den Vordergaumen-Zisch­lauten[29] [ç] und [j].
  • Die Lippen[30] am vorderen Mundraum[31] sind sehr beweglich, sie stülpen sich bei den O-, U-, Ö- und Ü-Lauten – [o], [ɔ], [u], [ʊ], [ø], [œ] und [y], [γ] –, spreizen sich bei den I-Lauten [i], [ɪ] [ı], den E-Lauten [e] und [ɛ] sowie bei den Vordergaumen-Zischlauten [ç] und [j] und runden sich bei den Gaumen-Zischlauten[32] [ʃ] und [ʒ].
  • Beim Sprechen aller Vokale im Deutschen berührt die Zungenspitze[33] leicht die unteren Schneidezähne[34]. Beim Sprechen der Vordergaumen-Zischlaute [ç] und [j] liegt sie an den unteren Schneidezähnen.
  • Die Zungenspitze liegt beim Fließlaut[35] [l] und beim Nasenlaut [n] an den vorderen oberen Zahntaschen[36] und schwingt gegen sie beim Zungenspitzen-Fließlaut[37] [r]. Sie bildet mit den Zahntaschen eine Enge für den Ausatmungsluftstrom bei den Zischlauten [s], [z], [ʃ] und [ʒ], während sie ihn dort bei den Verschlusslauten [t] und [d] unterbricht.

Die Artikulationsorgane können immens viele unterschiedliche Laute erzeugen, doch jede Sprache – so auch das Deutsche – beschränkt sich auf ein begrenztes Lautinventar.

Silbe

Die deutsche Sprache hat mehr als 10.000 verschiedene Sprechsilben.

Jedes Wort besteht aus einer oder mehreren Sprechsilben.[38] Sprecheinheiten aus Sprachlauten[39] bilden eine Sprechsilbe. Sie stimmen nicht immer mit Bedeutungs­silben[40] überein, auch nicht mit den Schreibsilben[41] zur orthografischen[42] Wort­trennung. Im Deutschen enthält eine Silbe immer einen Vokal[43], zumeist ergänzt durch einen oder mehrere Konsonanten[44].

Anlautend, inlautend, auslautendIn Wörtern befinden sich Silben entweder am Anfang, am Ende oder dazwischen – zum Beispiel:

  • Die Silbe [ˀa͜e] im Wort „eigenbrötlerisch“ – [‘ˀa͜egənbʀø:tlɛʀɪʃ] befindet sich am Anfang des Wortes.[45]
  • Die Silbe [ʀɪʃ] im Wort „eigenbrötlerisch“ – [‘ˀa͜egənbʀø:tlɛʀɪʃ] befindet sich am Ende des Wortes.[46]
  • Die Silbe [lɛ] im Wort „eigenbrötlerisch“ – [‘ˀa͜egənbʀø:tlɛʀɪʃ] befindet sich an vorletzter Stelle im Wort.[47]
  • Die Silbe [bʀø:t] im Wort „eigenbrötlerisch“ – [‘ˀa͜egənbʀø:tlɛʀɪʃ] befindet sich an vorvorletzter Stelle im Wort.[48]
  • Die Silben [gən], [bʀø:t] und [lɛ] im Wort „eigenbrötlerisch“ – [‘ˀa͜egənbʀø:tlɛʀɪʃ] befinden sich alle zwischen erster und letzter Silbe.[49]

Erster Laut

Silben beginnen entweder mit einem Vokal oder einem Konsonanten: mit einem Anlaut, zum Beispiel:

  • Der Anlaut im Wort „oft“ – [ˀɔft] ist der Vokal [ɔ]
  • Der Anlaut im Wort „Tor“ – [to:ʁ] ist der Konsonant [t]

Nackte Silben beginnen mit einem Vokal im Anlaut, bedeckte Silben mit einem Konsonanten – zum Beispiel:

  • Die erste, dritte und vierte Silbe des Wortes „beobachten“ – [bə‘ˀo:baxtən] – sind bedeckt: [bə], [bax] und [tən]
  • Die zweite Silbe des Wortes „beobachten“ – [bə‘ˀo:baxtən] ist nackt: [ˀo:]

Letzter LautSilben enden entweder mit einem Vokal oder einem Konsonanten: mit einem Auslaut. Offene Silben[50] enden auf einen Vokal, geschlossene Silben[51] auf mindestens einen Konsonanten, zum Beispiel:

  • Der Auslaut im Wort „so“ – [zo:] ist der Vokal [o:] in offener Silbe.

  • Der Auslaut im Wort „Saft“ – [zaft] ist der Konsonant [t] in geschlossener Silbe.

Zwischen Anlaut und AuslautLaute innerhalb einer Silbe sind Inlaute. Sie folgen auf einen Anlaut oder auf einen anderen Inlaut und werden gefolgt von einem anderen Inlaut oder von einem Auslaut. Inlaute sind entweder Vokale oder Konsonanten, zum Beispiel:

  • In dem Wort „Gelb“ – [gɛlp] sind der Vokal [ɛ] und der Konsonant [l] Inlaute.

Dynamischer AkzentSilben in Wörtern werden entweder betont[52] oder unbetont[53] gesprochen – zum Beispiel:

  • Das Wort „geben“ – [‘ge:bən] wird auf der ersten Silbe[54] betont: auf [ge:].
  • Das Wort „verderblich“ – [fɛʁ‘dɛʁplɪç] wird auf der zweiten Silbe[55] betont: auf [dɛʁp].
  • Das Wort „Aktivität“ – [ˀaktɪvɪ‘tɛ:t] wird auf der letzten Silbe[56] betont: auf [tɛ:t].

  • Das Wort „Apotheke“ – [ˀapo‘te:kə] wird auf der vorletzten Silbe[57] betont: auf [te:].

  • Das Wort „beurteilen“ – [bə‘ˀʊʀta͜elən] wird auf der vorvorletzten Silbe[58] betont: auf [ʊʀ].

Die Regeln zur Rechtlautung beziehen sich auf Silben in nichtzusammengesetzten Wörtern.

Literatur

Duden. Die Grammatik
Duden. Das Fremdwörterbuch
Duden. Das Aussprachewörterbuch
Ingeborg Geißner-von Nida. Mimeo
Carl Martens, Peter Martens. Phonetik der deutschen Sprache
Hans Joachim Störig. Das große Wörterbuch der deutschen Sprache
Hans-Heinrich Wängler. Atlas deutscher Sprachlaute
Christian Winkler. Lautreines Deutsch
www.wikipedia.org


[1] Rechtschreibung = Orthografie
[2] Rechtlautung = Orthoëpie
[3] Grammatik = Lehre vom System einer Sprache
[4 Laut = Phon, von altgriechisch „φωνή“: Laut, Ton, Stimme, Sprache
[5] Sprachlaut = Phonem
[6] Sprachlaut-Varianten, die keine Bedeutung verändern = Allophone
[7] Klanglich = phonetisch
[8] Quizlet. Linguistik – Phonologie
[9] Internationales Phonetisches Alphabet = API
[10] Verschlusslaut = Plosiv
[11] Behauchung = Aspiration; von lateinisch „aspirare“: Luft aushauchen
[12] Bedeutungsunterscheidend = adjungiert = distinktiv
[13] Betonung = dynamischer Akzent
[14] Tonhöhenbewegung = Sprechmelodie = melodischer Akzent
[15] Artikulation = Bildung menschlicher Sprachlaute, von lateinisch „artikulare“: deutlich sprechen
[16] Stimmlippe = Stimmfalte = plica vocalis
[17] Zungenrücken = dorsum linguae
[18] Zäpfchen = Gaumenzäpfchen = uvula
[19] Zäpfchen-Fließlaut = uvularer Liquid
[20] Hintergaumen-Reibelaut = gutturaler Frikativ
[21] Hintergaumen-Verschlusslaut = gutturaler Plosiv
[22] Gaumensegel = velum palatinum
[23] Nasenlaut = Nasal
[24] Ausatmungsluftstrom = Expiration
[25] Nasenraum = nasum spatium
[26] Hintergaumen-Nasenlaut = gutturaler Nasal
[27] Weicher Gaumen = Hintergaumen = palatum molle
[28] Harter Gaumen = Vordergaumen = palatum durum
[29] Vordergaumen-Zischlaut = palataler Sibilant
[30] Lippe = labium oris
[31] Mundraum = Mundhöhle = cavum oris
[32] Gaumen-Zischlaut = gutturaler Sibilant
[33] Zungenspitze = apex linguae
[34] Schneidezahn = dens incisivus
[35] Fließlaut = Liquid
[36] Zahntasche = Zahnfleischtasche = Zahndamm = Bereich der Alveolen
[37] Zungenspitzen-Fließlaut = lingualer Liquid
[38] Von lateinisch „syllaba“, griechisch „συλλαβή“: Zusammenfassung
[39] Sprachlaute = Phoneme
[40] Bedeutungssilbe = Morphemsilbe
[41] Schreibsilbe = Graphemsilbe
[42] orthografisch = der Rechtschreibung entsprechend, die Rechtschreibung betreffend
[43] Vokal = Selbstlaut
[44] Konsonant = Mitlaut
[45] Silbe am Anfang eines Wortes = syllaba prima
[46] Silbe am Ende eines Wortes = syllaba ultima
[47] Vorletzte Silbe in einem Wort = syllaba paenultima
[48] Vorvorletzte Silbe in einem Wort = syllaba antepaenultima
[49] Silben zwischen erster und letzter Silbe in einem Wort = Binnensilben = Mittelsilben
[50] Offene Silbe = syllaba aperta
[51] Geschlossene Silbe = syllaba clausa
[52] Betont = mit Überschwere gesprochen
[53] Vollschwere und Kaumschwere werden hier vernachlässigt
[54] Auf der ersten Silbe betont = prototon
[55] Auf der zweiten Silbe betont = deuteroton
[56] Auf der letzten Silbe betont = oxytonon
[57] Auf der vorletzten Silbe betont = paroxytonon
[58] Auf der vorvorletzten Silbe betont = proparoxytonon

Lernen

Standard

Wissen und Können erweitern

Lernen ist anstrengend. Lernen muss sich lohnen. Lernen gelingt am besten, wenn die Anstrengung sich lohnt. Ob sich lernen lohnt, entscheidet jeder selbst: Für einige ist die Freude am Lernen, die Begeisterung, mehr zu können, die Befriedigung, von einem Thema mehr zu verstehen oder mehr darüber zu wissen, Belohnung genug.

Manche brauchen äußere Anreize oder Ziele, eine zu bestehende Prüfung, die Chance für beruflichen Aufstieg, die Erlaubnis, etwas tun zu dürfen, oder schlicht mehr Geld als Lohn für die Lernanstrengung. Andere suchen mit dem Lernen Achtung, Respekt, Anerkennung in ihrem sozialen Umfeld.

Das Lustgefühl, das mit dem selbstständigen Lösen von Aufgaben entsteht, ist nachhaltiger als jede Belohnung von außen. Physiologisch gesehen wird das Hormon Dopamin – ein überwiegend erregend wirkender Neurotransmitter des zentralen Nervensystems – vermehrt ausgeschüttet, verstärkt die Aufmerksamkeit und steigert die Freude am Lernen.

Den stärksten Effekt auf das Lernen haben Interesse und Lust der lernenden Person. Je mehr das Lernthema mit den Erfahrungen und der aktuellen Situation des Lernenden zu tun hat, umso besser gelingt das Lernen. Erinnert eine neue Information an etwas Bekanntes, an etwas aus dem Alltag des Lernenden, wird sie besser behalten, weil sie auch emotional mit bereits vorhandenem Wissen verbunden wird. Taucht eine neue Information auch noch in mehreren Zusammenhängen beim Lernenden auf, bleibt sie ihm noch besser im Gedächtnis – etwa wenn er öfter über das Lern­thema spricht oder wenn eine Vokabel auch in anderen Kontexten auftritt. Kann das Gelernte gleich erfolgreich angewendet werden kann, bleibt das Behaltene sehr dauerhaft stabil im Gedächtnis.

Am besten funktioniert Lernen:

  • Mit einem klaren Ziel
  • Mit starken Emotionen
  • Durch Anknüpfen an Bekanntes
  • Durch Anwenden
Zum Beispiel Max

Max hat sich eine neue App für sein Smartphone zugelegt und will sie ausprobieren. Da er ähnliche Apps bereits kennt, spart er sich die Einführung. Er nutzt seine App sofort; manche erste Hinweise liest er, andere nicht. Durch seine Fehler bei der Nutzung lernt er. Sehr schnell beherrscht er die App.

 

Zum Beispiel Mona

Mona will ihre Fremdsprachenkenntnisse erweitern und hat sich zu einem Sprachkurs angemeldet. Vokabeln und Grammatik lernt sie nicht allein, sondern mit einer Freundin. Da ihr der Kursleiter wie die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sympathisch sind, beteiligt sie sich rege am Unterricht. Beim Sprechen und Schreiben sowie beim Verstehen der Fremdsprache stellt sie schnell Fortschritte fest, die sie auch in ihrem Beruf anwenden kann.

 

Zum Beispiel Manfred

Manfred ist seit Kurzem Führungskraft und will mehr zur Teamführung erfahren. Das Buch, das er zu dem Thema gelesen hat, fand er interessant, nur zufriedengestellt hat es ihn nicht. Jetzt trifft er sich regelmäßig mit einem Mentor und reflektiert mit ihm Situationen aus seinem Führungsalltag. Seither fühlt er sich wohler, weil er merkt, wie seine Souveränität im Umgang mit seinem Team steigt.

 

Zum Beispiel Michaela

Michaela hat ein Training zum prägnanten Schreiben besucht. In vielen Übungen zum Formulieren hat sie Varianten zu ihrem Schreibstil ausprobiert. Außerdem hat sie Regeln erfahren, die ihr das Schreiben erleichtern. Nun fühlt sie sich beim Schreiben sicherer und findet schneller die treffenden Worte.

Lernen ist kein reiner Speicherungsprozess, auch nicht beim stumpfen Auswendiglernen, sondern ein Einord­nungsprozess, in dem jede neue Information einen sinnvollen Platz im bereits vorhandenen Wissen einnehmen und sich mit ihm vernetzen muss. Doch nur was als wichtig eingeschätzt wird, vernetzt sich ausreichend im Langzeitgedächtnis und ist von dort jederzeit abrufbar.

Was gelernt werden soll, konkurriert mit einer Vielzahl anderer Informationen und Emotionen, Eindrücken und Wahrnehmungen um Speicherungskapazität. Das Gehirn schützt sich davor, zu viel zu lernen, und destilliert aus allen Gedanken und Ideen, Sinnesreizen, Empfindungen und Erlebnissen, die auf es einströmen, um erinnert zu werden, jenen winzigen Teil heraus, der wichtig genug erscheint, um in das vorhandene Wissenssystem integriert zu werden, damit Sinnvolles entsteht.

Die gewaltige Arbeit des Filterns und Sortierens wird vom Netzwerk der rund 100 Milliarden Nervenzellen im Kopf vollbracht, die an insgesamt rund 100 Billionen Kontaktstellen – Synapsen – miteinander verknüpft sind.

Lernziele

Wer lernen will, erleichtert seinem Gehirn die Auswahl, indem er zuvor für das Lern­thema klare Lernziele festlegt, also definiert, welches Wissen und Können er als Lernergebnisse anstrebt, welche Minimalanforderungen er an seine Lernresultate stellt. Zudem kann er seine Lernergebnisse mit seinen Lernzielen vergleichen, um eventuell die Methoden seines Lernens zu verändern oder um die Lernziele zu korrigieren. Außerdem sorgen Lernziele für zielstrebiges Lernen.

Lernziele lassen sich in drei Schritten bestimmen:

  1. Mögliche Lernziele suchen, sammeln und notieren
  2. Die notierten Lernziele gruppieren
  3. Die gruppierten Lernziele nach Wichtigkeit und Dringlichkeit priorisieren
Beispiele für Lernziele:

  • Die Pointe einer in englischer Sprache vorgetragenen Fabel verstehen
  • Die Quadratwurzel einer Zahl mithilfe eines Rechenschiebers ziehen
  • Den Sinn einer soziologischen Abhandlung wiedergeben
  • Alle in Deutschland geltenden Verkehrsschilder kennen
  • Alle Teile einer Taschenlampe aufzählen
  • Zu zwei Tagesereignissen Stellung nehmen

Nachdem definiert ist, was mit dem Lernen beabsichtigt ist, stellt sich die Frage, wie die priorisierten Lernziele zu erreichen sind:

  • Mit welchen Inhalten?
  • Mit welchem Aufwand?
  • Mit wie viel Zeitinvestition?
  • Bis zu welchem Termin?
Zum Beispiel Max

Max bekommt die Inhalte seines Lernens von der App vorgegeben und entscheidet sich, spielerisch zu lernen, ohne zusätzlichen Aufwand für die Einführung. Er integriert die Lernzeit in die Spielzeit und beginnt mit dem Vergnügen sofort.

 

Zum Beispiel Mona

Mona bekommt die Inhalte ihres Lernens vom Kursleiter vorgegeben und wendet viel Energie für ihr Lernen auf. Neben der Zeit für den Kurs mit Hin- und Rückfahrt investiert sie fast täglich eine Stunde für Hausaufgaben sowie Vor- und Nachbereitung. Sowohl die Kurstermine wie auch das Kursende sind ihr bekannt.

 

Zum Beispiel Manfred

Manfred bespricht mit seinem Mentor aktuelle Situationen aus seinem Berufsalltag. Mit seinem Mentor entwickelt er Ideen, wie er sich verhalten kann, und erhält von ihm Wissen aus der Organisationspsychologie. Bei den Treffen ist Manfred stets sehr konzentriert und wendet das Gelernte meist sofort an, indem er sich gründlich auf ähnliche Situationen wie die besprochenen vorbereitet. Zusätzliche nimmt er sich jeden Morgen zehn Minuten Zeit zum Überlegen, wie er das Gelernte umsetzen kann. Mit seinem Mentor hat er vereinbart, sich ein Jahr lang vierzehntäglich bis monatlich zu treffen.

 

Zum Beispiel Michaela

Michaela hatte die Inhalte des Trainings bereits in der Ankündigung gesehen und ihre alten Grammatikhefte noch einmal angeschaut. Sie weiß, mit der Teilnahme an dem Training ist ihr Lernen noch nicht abgeschlossen, und wendet einzelne Trainingsinhalte in kleinen Portionen beim Schreiben an. Für ein halbes Jahr formuliert sie täglich eine E-Mail sowie einen anderen Text besonders prägnant.

Wenn ein Lernziel – ein in der Zukunft liegender angestrebter Zustand – smart formuliert ist, kann es seine Wirkung positiv entfalten. Smarte Lernziele sind:

  • Schriftlich dokumentiert, damit der Lernende sie als wertvoll empfindet und sie repetieren kann
  • Messbar, damit der Lernende sie überprüfen und kontrollieren kann
  • Anspruchsvoll, mit nicht zu hohen, nicht zu geringen Anforderungen, um die Selbstmotivation zu steigern
  • Realistisch und konzentrieren sich auf das Wesentliche für den Lernenden
  • Terminiert, damit der Lernende einen Lernplan erstellen kann

Smarte Lernziele enthalten Verben, die Tätigkeiten bezeichnen und wenig Interpretationen zulassen.

Lernziele schildern das beabsichtigte Anwenden der Lerninhalte: möglichst schriftlich, gegliedert und priorisiert. Sie nennen die angestrebte Lernstufe und geben an, welche Inhalte zu lernen sind, mit welchem Engagement und in welcher Zeit. Ergänzend können sie erlaubte und verbotene Hilfsmittel anführen. Sie sind der Maßstab für das Lernen und ihr Erreichen lässt sich prüfen – vom Lernenden selbst oder von einer vertrauenswürdigen Person zu vereinbarten Terminen.

Realisierte Lernziele bereiten Freude, sie motivieren und berechtigen, stolz zu sein. Nicht realisierte Lernziele geben Anlass, das Lernen oder die Lernziele zu ändern.

Lernstufen

Lernziele können und dürfen unterschiedlich schwierig zu erreichen sein, ja nachdem wofür das Gelernte gebraucht wird. Sich drei Namen oder Zahlen zu merken ist weniger anspruchsvoll als das Nacherzählen einer Geschichte oder als die Fähigkeit, eine Therme zu reparieren oder ein Unternehmen zu reorganisieren. Das angestrebte Lernergebnis lässt sich auf vier Lernstufen definieren.

  • Erste Lernstufe: Reproduktion des Gelernten
    Das Gelernte kann auf Abruf aus dem Gedächtnis wiedergegeben werden.
  • Zweite Lernstufe: Reorganisation des Gelernten
    Das Gelernte kann mit eigenen Worten, in anderer Reihenfolge oder unter anderer Perspektive wiedergegeben werden.

Mit der oberflächlicheren Verarbeitung des Lerninhalts für die erste und zweite Lernstufe lassen sich kurzfristige Lernerfolge erzielen – zum Beispiel durch Lesen, Wiederholen, Unterstreichen, Markieren, Anschauen oder Auswendiglernen.

  • Dritte Lernstufe: Transfer des Gelernten
    Die Grundprinzipien des Gelernten können selbstständig auf neue ähnliche Aufgaben übertragen werden.
  • Vierte Lernstufe: Schöpferische Neuleistung
    Das Gelernte kann für konstruktive Kreativität eingesetzt werden, für originelle Verbesserungen, für neuartige Verfahren oder Ähnliches.
Zum Beispiel Max

Max braucht für die Nutzung seiner App bloß die erste Lernstufe. Das Übertragen des Gelernten auf andere Situationen wäre zufällig und ist nicht beabsichtigt.

 

Zum Beispiel Mona

Mona strebt die dritte Lernstufe an. Sie will sich in der Fremdsprache auch außerhalb ihres Kurses mit anderen verständigen.

 

Zum Beispiel Manfred

Manfreds Ziel ist die dritte Lernstufe. Er überträgt die Erkenntnisse aus den Gesprächen mit seinem Mentor auf seine beruflichen Alltagssituationen.

 

Zum Beispiel Michaela

Michaela wendet das Gelernte auf der dritten Lernstufe an. Sie überträgt die Inhalte des Trainings auf ihr tägliches Schreiben.

Mit der tieferen Verarbeitung der Lerninhalte für die dritte und vierte Lernstufe lassen sich dauerhaft Kenntnisse etablieren und in der Praxis anwenden – zum Beispiel durch Visualisieren, Entwickeln eigener Fragen, Finden von Analogien und Beispielen, Exzerpieren, Zusammenfassen, Umstrukturieren oder Erklären.

Lernmethoden

Wer effektiv lernen will, braucht geeignete Lernmethoden für das Erreichen seiner Lernziele auf der der gewünschten Lernstufe zu seinem ausgesuchten Lernthema, die zudem seiner Situation, seinen Gewohnheiten und seinen Neigungen entsprechen. Da das Lernen mit nur einer Methode schnell ermüdet, eher langweilt und auch weniger effektiv ist, ist das Verwenden mehrerer Lernmethoden sinnvoller,

Methoden sind der bewusste, geplante und organisierte Weg, auf möglichst optimale Weise ein Ziel zu erreichen.[1]
  • Wer sich primär neue Fakten aneignen will, wählt vornehmlich Methoden, die er allein nutzt – zum Beispiel einen Lehrfilm oder Leittext, einen Audiokurs oder einen Lehrbrief; er lernt durch Lesen oder eine Programmierten Unterweisung, durch Suggestopädie oder Superlearning, durch E-Learning oder Hyperlernen.
  • Wer eine höhere Lernstufe als Reproduktion und Reorganisation erreichen will, wählt – eventuell nach dem Lernen allein –Lernmethoden, bei der andere beteiligt sind – zum Beispiel Gruppenarbeit oder Gruppendynamische Übungen, Fallstudien oder Projektarbeit, ein Planspiel oder Rollenübungen; er lernt in einer Simulation oder in einem Szenario, in einer Zukunftswerkstatt oder bei Exkursionen.
  • Wer von anderen lernen will, braucht keine oder nur sehr geringe Steuerung für sein Lernen – vielleicht eingangs eine Anleitung oder eine Moderation. Das Lernen durch eigenes Tun erzielt sehr nachhaltige Lernleistungen – zum Beispiel bei Kartenabfragen oder im Best Practice, durch Konstruktive Kritik oder Feedback, auch bei einem Testkauf.
  • Wer weiß, er lernt eher durch Praxis als durch das Aneignen von Theorie und vermittelten Informationen, wählt eine Lernmethode, mit der er durch Üben sein bereits vorhandenes Wissen und Können selbst erweitern und viel ausprobieren kann – zum Beispiel im Training oder Verhaltenstraining, mit Videoanalysen oder Brainstormings, per Mindmaps oder in Diskussionen, auch im Kontrollierten Dialog.
  • Wer viel Anleitung für sein Lernen wünscht oder benötigt oder sich viele Kenntnisse aus kompakter Darstellung aneignen will, bevorzugt Methoden, bei denen Wissensvermittler den Verlauf des Lernens stark bestimmen – zum Beispiel Unterricht oder einen Vortrag, eine Podiumsdiskussion oder ein Lehrgespräch, eine Moderation oder Ganzheitliches Lernen.
  • Wer für sein Lernen und die Kontrolle seiner Lernfortschritte individuelle Anleitung sucht, greift nach dialogischen Methoden, die Wertschätzung, Kenntnisse und Fertigkeiten vermitteln – zum Beispiel Partnerarbeit oder Unterweisung, Labortraining oder Beobachtung on the job, als Strukturiertes Interview oder eine Stärken-Schwächen-Analyse.
Zum Beispiel Max

Max lernt allein und durch Üben. Die Steuerung seines Lernens übernimmt die App. Von anderen lernt er eventuell, wenn das Gespräch auf die neue App kommt, also nicht methodisch.

 

Zum Beispiel Mona

Mona lernt mit anderen und durch Üben. Ihr Kurs bietet Gruppenarbeit, Rollenübungen und Tonaufnahmen, vielleicht sogar mal eine Exkursion. Die Steuerung des Kursleiters beschränkt sich auf Kurzvorträge, Korrekturen und Aufgaben sowie auf das Moderieren der Gruppendiskussionen.

 

Zum Beispiel Manfred

Manfred lernt dialogisch mit seinem Mentor. Begonnen haben sie mit einer Stärken-Schwächen-Analyse. Jetzt behandeln sie diverse Szenarien und diskutieren Situationen, Entwicklungen und Verhaltensweisen.

 

Zum Beispiel Michaela

Michaela hatte im Training mit anderen gelernt und geübt. Die kurzen Vorträge des Trainers waren informativ und sie hat die Inhalte in den anschließenden Übungen gleich umgesetzt. Vom Trainer hat sie konstruktive Kritik zu Ihren Texten bekommen, von den anderen Teilnehmern Feedback.

Nach der Wahl der geeigneten Lernmethoden kann der Lernwillige sein Lernen effektiv gestalten. Er kennt seine Anforderungen an seine Qualifizierung und kann sie kompetent gegenüber Qualifizierern vertreten – zum Beispiel im Gespräch mit seiner Führungskraft oder mit einem Personalentwickler. Schließlich wird er die für ihn geeigneten Lernmethoden als Kriterien nutzen, um sich für einen passenden Quali­fizierungsprozess zu entscheiden.

Qualifizierungsprozesse

Je nach ihren privaten und beruflichen Umständen, nach ihren Lerngewohnheiten und ihren Lernzielen entscheiden sich Lernwillige für einen passenden Qualifizie­rungsprozess:

  • Für selbstgesteuertes Lernen, bei dem die Teilnehmer die meiste Eigenverantwortung haben – beispielsweise im Selbststudium, im Studium, im Fernstudium, im Fernlehrgang oder im Lernprogramm
  • Für gruppengesteuertes Lernen, das von den Teilnehmern große Teamkompetenz verlangt – beispielsweise im Erfahrungsaustausch, im Arbeitskreis, im Qualitätszirkel, im Forum oder beim Infomarkt
  • Für fachübergreifendes Lernen, das eher indirekt fachliche Kompetenzsteigerung bringt – beispielsweise im Incentive, im Outdoortraining, in der Sommerakademie, auf einer Tagung, auf einem Kongress, bei einem Symposion oder im Bildungsurlaub
  • Für fachbezogenes Lernen zu konkretem Fachthemen – beispielsweise als Unterricht, als Lernen am Arbeitsplatz, in einer Lehrwerkstatt, bei einer Praxisberatung, in einem Traineeprogramm
  • Für direktives Lernen mit starker Steuerung durch die Leitung – beispielsweise in einer Schulung, in einem Lehrgang oder in einem Kurs
  • Für interaktives Lernen, das eine dauerhafte Wirkung verspricht – beispielsweise in einem internen oder externen Seminar, in einem Erlebnis-, einem Fach- oder Multiplikatorenseminar, in einem Training oder einem Workshop
  • Für verhaltensbezogenes Lernen, dessen Ergebnisse sich sofort umsetzen lassen – beispielsweise im Einzeltraining, in einem internen oder externen Coaching, in einem Teamcoaching, in einer Supervision, in einem Coaching als Führungsmaßnahme oder in einem Mentoring
Zum Beispiel Max

Max lernt selbstgesteuert im Selbststudium mit seiner neuen App umzugehen.

 

Zum Beispiel Mona

Mona lernt gesteuert in einem Kurs mit vielen interaktiven Elementen.

 

Zum Beispiel Manfred

Manfred lernt verhaltensbezogen mit seinem Mentor, der manchmal auch sein Führungsverhalten supervidiert.

 

Zum Beispiel Michaela

Michaela hat im Schreibtraining interaktiv gelernt, obgleich manche Phasen direktiv geprägt waren.

Lernleistung

Nachdem die Lernziele festgelegt sind und klar ist, welche Lernstufe erreicht werden soll, wenn die Lernmethoden gewählt sind und ein geeigneter Qualifizierungsprozess gefunden ist, kann das Lernen beginnen. Dabei variiert zwar die Lernleistung je nach Lerntyp und Lerninhalt, doch gleichwohl: Abgesehen von der Lernmotivation verbessert das Lernen mit verschiedenen Lernmedien die Informationsaufnahme und steigert die Lernleistung.

Lernvorgang Lernmedium-Beispiele Lernleistung
Lesen Buch, Hand-out Am geringsten
Hören Audioprogramm, Hörbuch Sehr gering
Sehen Stummfilm, Bildband Gering
Hören und sehen Lernprogramm, Vortrag Passabel
Erleben Seminar, Training Recht gut
Berichten, dokumentieren Aufgabe, Notizen, Test Gut
Tun, selbst erarbeiten Projektarbeit, Übung Sehr gut

Wer effizient lernen will, wird sich für Lernmedien entscheiden, die beste Lernleistungen versprechen. Sollten sie für ein Lernthema nicht verfügbar sein, können andere Medien oder Medienkombinationen zu akzeptablen Ergebnissen führen. Zu erwägen ist jedoch auch eine Terminverschiebung für das Lernen. Je niedriger die gewünschte Lernstufe ist, die erreicht werden soll, und je mehr Zeitraum dem Lernen zur Verfügung steht, umso eher können auch Lernmedien, die geringere Lernleistungen erwarten lassen, zu angemessenem Erfolg führen.

Lernleistung lässt sich nicht unerschöpflich produzieren, Lerninhalte lassen sich nicht pausenlos speichern. Lernen braucht Energie und Zeit. Um Lernen effektiv zu gestalten, muss auch die Dauer der Lernphasen wohlproportioniert sein.

Folgen Lernschritte unmittelbar aufeinander, hemmt der nachfolgende Lernschritt den vorangegangenen, weil er die Arbeit des Gehirns stört, das sich noch mit dem vorangegangen beschäftigt.

Folgen Lernschritte unmittelbar aufeinander, hemmt der vorangehende Lernschritt den nachfolgenden, weil das Gehirn noch damit beschäftigt ist, den vorangegangenen Lernschritt zu ver­arbeiten, und noch nicht fähig ist, den nachfolgenden angemessen zu verarbeiten.

Jeder Lernschritt braucht also genügend Zeit – etwa 10 bis 20 Minuten –, um das Gelernte angemessen zu speichern.

Eine Gruppe Versuchspersonen reproduzierte bei einer Lernkontrolle nach zwanzig Minuten nur die Hälfte von dem, was eine Kontrollgruppe wiedergab, die nur einen Lernprozess aufzunehmen hatte.

Eine Pause zwischen Lernschritten verhindert, dass
das Verarbeiten der Lerninhalte sich wechselseitig beeinträchtigt. Bereits eine fünfminütige Lernpause reduziert die retrograde und die proaktive Hemmung der Lernschritte erheblich.

Eine Lernpause kann durchaus aktiv gestaltet sein, nur soll während der Pause nichts Ähnliches oder auf ähnliche Weise gelernt werden. Ein auflockernder Scherz, eine passende Anekdote, ein illustres Beispiel können bereits die Lernleistung steigern oder ein Plausch oder das Holen eines Getränks oder eine gymnastische Übung oder eine andere Aktivität.

Die scheinbar verlorene Zeit für eine kurze Lernpause wird mehr als wettgemacht durch anschließend bessere Lernleistungen.

Wie gut ein Lerninhalt im Gedächtnis bleibt, wird auch durch seine Position innerhalb eines Lernschritts bestimmt:

  • Lerninhalte am Anfang eines Lernschritts werden gut behalten, eine proaktive Hemmung ist nicht vorhanden.
  • Lerninhalte am Ende eines Lernschritts werden sogar noch besser behalten, verschont von retrograder Hemmung.
  • Lerninhalte im mittleren Bereich eines Lernschritts werden am schlechtesten behalten, sie werden sowohl von retrograder als auch proaktiver Hemmung gestört.

Da die Behaltensleistung beim Lernen am Beginn noch gut ist, dann deutlich abfällt und am Ende sogar die Behaltensleistung des Anfangs übertrifft, sind wichtige Lerninhalte nach einer Pause gut positioniert, die wichtigsten vor einer Lernpause.

Lernmotive entsprechen Bedürfnissen und Wünschen des Lernenden Sie wirken umso stärker, je intensiver Lernerfolge als angenehm empfunden werden. Häufige und unmittelbare Lernkontrollen können die Wirkung der Lernmotive nachhaltig unterstützen – sofern die Ergebnisse positiv sind, Misserfolge reduzieren fast immer die Lernmotivation.

Je stärker und je mehr Lernmotive mit den Lernzielen verknüpft sind, umso leichter lässt sich lernen. Kurzfristig erreichbare Lernziele steigern die Lernmotivation eher als erst langfristig erreichbare. Hilfreich ist also, langfristige Lernziele in Teilziele aufzuteilen.

Lernmotive verschwinden nicht plötzlich, können sich aber allmählich abschwächen – etwa weil sich die Einstellung ändert oder weil die Anstrengung zu groß ist oder weil sich Misserfolge einstellen. Der Lernende könnte das engagierte Lernen aufgeben und auf das Erreichen seiner Lernziele verzichten. Er könnte allerdings stattdessen zum Beispiel seine Lernmethode ändern oder seine Lernziele variieren oder sich einen anderen Qualifizierungsprozess suchen.

Zum Beispiel Max

Max kommt beim Verwenden seiner neuen App seinem Spielbedürfnis nach. Der Spielverlauf kontrolliert permanent sein Lernen. Seine Erfolge motivieren ihn. Sein Lernziel ist, immer besser zu werden, was er sowohl kurzfristig wie auch langfristig erreicht.

 

Zum Beispiel Mona

Mona hat Freude am Lernen der Fremdspreche, die sie auch in ihrem Beruf anwenden kann. Die Übungen im Kurs geben ihr positives Feedback, und die freundlichen Korrekturen des Kursleiters empfindet sie als Wertschätzung. Die Hausaufgaben bewältigt sie innerhalb der Zeit, die sie sich vorgenommen hat.

 

Zum Beispiel Manfred

Manfred spürt die steigende Akzeptanz durch sein Team. Seine morgendlichen Überlegungen, wie er die Hinweise seines Mentors umsetzen kann, bestärken ihn. Er entdeckt bei seinen Mitarbeitern auch Wirkungen kleiner Änderungen seines Führungsverhaltens.

 

Zum Beispiel Michaela

Michaela erhält sowohl von ihrer Führungskraft als auch von ihren Korrespondenzpartnern positive Bemerkungen zu ihrem Schreibstil. Mit der Wahl ihrer Worte beim Schreiben ist sie immer schneller zufrieden. Sie hat sich vorgenommen, im Internet nach grammatischen Übungen zu suchen.

Lernverhalten

Beim Lernen sind Hindernisse vielfältiger Art zu überwinden. Wer etwas nicht versteht, kann sich informieren, kann fragen – so lange und so oft, bis er es verstanden hat. Manchmal hängt das Begreifen nur an einer Winzigkeit, und sobald die Winzigkeit erfasst ist, erschließt sich dem Lernenden der übrige Lerninhalt.

Aufmerksamkeit ist Bedingung für jegliches Lernen: beim Lesen und Zuhören, beim Zuschauen und Handeln. Je motivierter jemand lernt, umso aufmerksamer lernt er.

Erst Notizen geben die Möglichkeit, Neues selbst sinnvoll zu verarbeiten und so das Lernen zu intensivieren. Die Lernleistung steigt noch einmal durch das Überarbeiten innerhalb von 72 Stunden, durch Wiederholen, Schreiben und Restrukturieren, aber auch durch Markieren und Unterstreichen.

Je engagierter die Beteiligung am Lernen, umso effektiver wird es. Jeder Beitrag zu einer Diskussion, jede Mitarbeit an einer Übung, jedes Erläutern der Lerninhalte, jedes Gespräch darüber steigert die Behaltensleistung.

Je eher das Gelernte seine Anwendung findet, desto größer ist seine Wirkung. Das Umsetzen oder das Üben oder Erklären des Gelernten innerhalb von 24 Stunden hat die effektivste Wirkung auf die Lernleistung.

Intensivieren lässt sich die Lernleistung durch das Verbinden der Lerninhalte mit Emotionen des Lernenden – zum Beispiel durch Beziehen der Lerninhalte auf eigene Ziele, durch Vorstellen des eigenen Nutzens aufgrund der Lerninhalte, durch Bewerten oder Kritisieren der Lerninhalte, durch Entwickeln von Gegenargumenten – mit den passenden Lernmethoden in einem geeigneten Qualifizierungsprozess.

Peter Hilbert

[1] Dieter Jütting. Methoden des Erwachsenenunterrichts

Lernmethoden

Standard

Damit das Lernen effektiv wird

Wer effektiv lernen will, braucht geeignete Lernmethoden für das Erreichen seiner Lernziele auf der der gewünschten Lernstufe zu seinem ausgesuchten Lernthema, die zudem seiner Situation, seinen Gewohnheiten und seinen Neigungen entsprechen. Da das Lernen mit nur einer Methode schnell ermüdet, eher langweilt und auch weniger effektiv ist, wählen Lernwillige sinnvollerweise mehrere Methoden, die ihnen die Möglichkeit geben:

  • Allein zu lernen
  • Mit anderen zu lernen
  • Von anderen zu lernen
  • Durch Üben zu lernen
  • Gesteuert zu lernen
  • Dialogisch zu lernen

Mit der Wahl der individuell passenden Lernmethoden fällt anschließend leichter, sich für eine Qualifizierung zu entscheiden, in der die ausgesuchten Methoden eingesetzt werden – auch wenn vielleicht andere sie ihm zur Verfügung stellen. Erläuterungen zu den Methoden können die Auswahl erleichtern.

Allein lernen

Wer sich primär neue Kenntnisse aneignen will, wählt vornehmlich Methoden, die er allein nutzt.

Ein Lehrfilm ist didaktisch aufgebaut. Er unterstützt das Vermitteln von Kenntnissen, Fertigkeiten, und Verhaltensweisen. Lehrfilme heißen auch „Unterrichtsfilme“. – Bekannte Beispiele sind „Das Experiment“ (Deutschland 2001) zum Stanford-Prison-Experi­ment oder auch „Abraham – ein Versuch“ (Deutschland 1970) zum Milgram-Experi­ment.

Der Leittext strukturiert einen Lernprozess durch schriftlich definierte Lernziele, Fragen, Hilfen und Hinweise für das weitere Vorgehen. Seine Informationen, Aufgaben und Kontrollen dienen Lernenden für ihre theoretische und praktische Selbstqualifizierung zum Beispiel in Projekten.

Die Programmierte Unterweisung ist Wissensvermittlung in kleinen logischen und aktivierenden Lernschritten ohne Lehrenden. Auf jeden Lernschritt folgt eine Lernkontrolle. Der Lernende bestimmt Lerngeschwindigkeit und Lernintensität.

Ein Lehrbrief vermittelt Kenntnisse und Fertigkeiten ohne anwesende Lehrkraft. Er ist didaktisch aufgebaut und enthält Übungsaufgaben zur Kontrolle der Lernfortschritte und zur Anwendung des Gelernten.

Lesen erfasst geschriebene Informationen mit den Augen und dem Verstand.

Audiokurse sind Hörbücher, die didaktisch aufbereitete Kenntnisse vermitteln. Sie aktivieren Hörer durch Fragen und durch ergänzende Texte. Audiokurse werden meist für das Lernen einer Fremdsprache eingesetzt und auch als „Audiotrainings“ bezeichnet.

Suggestopädie ist ganzheitliches Lernen und Lehren in Entspannung, wobei künstlerische Ausdrucksformen und nichtverbale Kommunikationsmittel in den Lernprozess integriert sind. Suggestopädie setzt voraus, dass Lernleistung bei Verminderung des Leistungsdrucks steigt.

Superlearning – als Variante der Suggestopädie – ist ganzheitliches Lernen von Sprachen in Entspannung, wobei künstlerische Ausdrucksformen und nichtverbale Kommunikationsmittel in den Lernprozess integriert sind. Superlearning setzt voraus, dass Lernleistung bei Verminderung des Leistungsdrucks steigt.

E-Learning ist selbstgesteuertes interaktives Lernen mit einem Lernprogramm. Das Lernprogramm fragt das Wissen des Lernenden ab und leitet daraus die nächsten Lernschritte ab. Der Lernende bestimmt dadurch Geschwindigkeit, Dauer und Umfang des Lernens nach seinen individuellen Voraussetzungen selbst. E-Learning  heißt auch „Computer Based Training“ oder „Computerunterstütztes Lernen (CUL)“. In Kombination mit anderen Methoden wird das E-Learning zum „Blended Learning“.

Beim Hyperlernen verknüpft der Lernende neue Informationen bewusst mit möglichst vielen ihm bekannten Themen und Erlebnissen. Um hyperlernen zu können, muss er das Neue profund verstehen.

Mit anderen lernen

Wer eine höhere Lernstufe als Reproduktion und Reorganisation erreichen will, wählt – eventuell nach dem Lernen allein – eine oder mehrere Lernmethoden mit Beteiligung anderer.

Gruppenarbeit ist das Lernen in Kleingruppen. Mehrere Teilnehmer arbeiten gleichzeitig an einem Thema oder an mehreren Themen, vornehmlich in Diskussionen. Die Gruppenarbeit fördert das selbstständige Denken, die Zusammenarbeit und die Behaltensleistung. Außerdem schließt sie beiläufig Wissenslücken.

Gruppendynamische Übungen führen zu besserem Verstehen von Gruppenprozessen. Die Teilnehmer erleben Aktionen und Reaktionen der Gruppenmitglieder und die daraus resultierende wechselseitige Beeinflussung. Alle mit den Übungen beabsichtigten Vorgänge betreffen die Verfassung der Gruppe und ihre Aktivitäten.

In der Fallstudie wenden Teilnehmer kurz zuvor erlerntes Wissen in einer simulierten Situation praxisorientiert an. Aufgabe ist, die Situation zu analysieren. Die Methode eignet sich als Einzel- oder Gruppenarbeit. Die Fallstudie wird auch „Case Study“ oder „Fallbeispiel“ genannt.

Das Lernen durch Projektarbeit ist eine Methode der Ausbildung. Ziel, Dauer und betriebsbezogenes Thema der Projektarbeit werden gemeinsam von Ausbilder und Projektarbeitsteam festgelegt. Das Projektarbeitsteam entwickelt selbstständig sein Vorgehen zur Informationsbeschaffung, Planung, Entscheidung, Durchführung und Kontrolle.

Das Planspiel ist eine Simulation realer Zusammenhänge von Entscheidungen und deren Auswirkungen. Die Teilnehmer spielen über mehrere Runden in einem fortlaufenden Prozess. Die Wechselwirkungen von Aktion und Reaktion im Planspiel sind geeignet, Entscheidungsfindungen zu trainieren.

In Rollenübungen proben Personen vermittelte Verhaltensweisen in Beispielsituationen, um gelernte Fertigkeiten und Kenntnisse für die Praxis zu festigen. Die Rollenübung wird oft mit einem Tonträger oder per Video aufgezeichnet. Jede Rollenübung wird analysiert, um den an ihr Beteiligten konstruktive Hinweise für ihr Verhalten zu geben. Die Rollenübung wird auch „Rollenspiel“ genannt.

Die Simulation ist die realitätsnahe Übung von Situationen – zum Beispiel von Verhandlungsgesprächen.

Das Szenario ist ein Entwurf für einen Handlungsablauf mit dem Ziel, in kreativer Arbeit Handlungszusammenhänge zu erfassen und zu generalisieren. Ein Szenario wird von den Teilnehmern einer Lerneinheit entwickelt. Es enthält Angaben über die Entwicklung einer Situation und Beschreibungen von Handlungen.

In der Zukunftswerkstatt lernen die Teilnehmer, Entscheidungen kreativ zu entwickeln. Die Gruppe formuliert Wünsche und entwickelt Vorschläge, wie sie zu erfüllen sind. Die Zukunftswerkstatt besteht aus drei Phasen:

  1. In der Beschwerde- und Kritik-Phase äußern die Teilnehmer Unmut, Kritik und negative Erfahrungen zum Werkstattthema und ordnen sie zu Themenbereichen.
  2. In der Fantasie- und Utopie-Phase entwickelt die Teilnehmergruppe für die Ergebnisse der ersten Phase Wünsche, Vorstellungen und alternative Ideen, entscheidet sich für die interessantesten Einfälle und arbeitet sie in kleinen Arbeitsgruppen zu Lösungsvorschlägen aus.
  3. In der Verwirklichungs- und Praxis-Phase prüft die Teilnehmergruppe die Durchsetzungschancen der Entwürfe, nennt Hinderungsgründe und projektiert deren Überwindung.

Ziel der Zukunftswerkstatt ist, konstruktiv Ideen zu entwickeln und sie auf ihre Realisierungsmöglichkeiten zu prüfen.

In Exkursionen lernen die Teilnehmer mit einem hohen Praxisbezug. Sie erhalten für ihre Erkundung präzise Aufgaben, die sie anschließend gemeinsam reflektieren.

Von anderen lernen

Das Lernen von anderen braucht keine oder nur sehr geringe Steuerung – vielleicht eingangs eine Anleitung oder eine Moderation. Die Inhalte entwickeln die Teilnehmer ohne äußeren Einfluss. Da die Teilnehmer durch ihr eigenes Tun lernen, erzielen sie sehr nachhaltige Lernleistungen.

Bei der Kartenabfrage stellt der Moderator eine Arbeitsfrage und die Teilnehmer schreiben ihre Antworten auf Karten. Anschließend liest jeder seine Antworten vor und pinnt seine Karten an die Moderationswand. Danach entscheiden die Teilnehmer, welche Karten zusammengehören, und gruppieren die Karten thematisch. Die so gebildeten Themengruppen werden eingerahmt und mit Überschriften versehen, die das Gemeinsame der Beiträge widerspiegeln und mit denen weitergearbeitet werden kann – beispielsweise als Arbeitsaufgaben für Kleingruppen.

Das Best Practice ist der Austausch von während der Arbeit erworbenen Kenntnissen, Eindrücken und Erfahrungen – ohne Steuerung von außen.

Konstruktive Kritik ist die detaillierte sachliche Stellungnahme zu einer Leistung oder einem Vorschlag. Sie zielt auf Veränderung und formuliert Vorzüge und Bedenken. Sie stellt Mittel und Wege dar, die Vorzüge zu wahren und die Bedenken auszuräumen. Konstruktive Kritik endet stets mit einer Vereinbarung.

Im Feedback beschreibt der Feedbackgeber dem Feedbacknehmer seine Eindrücke und seine Empfindungen zu dessen Verhalten, ohne es zu bewerten, und schlägt Änderungen vor. Der Feedbacknehmer rechtfertigt sich nicht. Anschließend wird der Feedbackgeber zum Feedbacknehmer.

Beim Testkauf simulieren Teilnehmer einer Qualifizierung die Kundenrolle bei einem nicht eingeweihten Verkäufer eines anderen Unternehmens. Sie beobachten den Verkäufer anhand vorgegebener Kriterien. Anschließend beschreiben sie ihre Beobachtungen und analysieren sie mit den anderen Teilnehmern. Der Testkauf sensibilisiert die Teilnehmer für das Verkaufen.

Durch Üben lernen

Wer weiß, er lernt eher durch Praxis als durch das Aneignen von Theorie und vermittelten Informationen, wählt eine Lernmethode mit der er sein bereits vorhandenes Wissen selbst erweitern und viel ausprobieren kann.

Das Training ist das Einüben von Fertigkeiten und Verhaltensweisen. Es kann auch am Arbeitsplatz eingesetzt werden. Training wird synonym zu „Übung“ gebraucht.

Verhaltenstraining ist das Training von Verhaltensweisen – zum Beispiel für den freundlichen Umgang mit Kunden.

Die Videoanalyse ist das Einüben von Fertigkeiten und Verhaltensweisen unter Einsatz audiovisueller Medien: Videorekorder, Monitor, Kamera und Mikrofon. Die Videoanalyse wird auch „AV-Training“ genannt.

Brainstorming regt das kreative Denken in Gruppen an: Die Gruppe ist aufgefordert, ihre Gedanken zu einem vorgegebenen Thema spontan zu äußern. Kritik ist nicht erlaubt. Die Einfälle werden für alle sichtbar gesammelt. Brainstorming eignet sich, um das gemeinsame Entwickeln von Lösungen zu üben.

Beim Mindmap wird ein Thema in der Mitte einer Fläche eingekreist. Hauptäste mit Unterthemen gehen vom Thema nach allen Seiten ab. Von den Hauptästen führen Zweige mit Detailthemen weg, von denen wiederum thematische Nebenzweige sich abgabeln können. Eventuell wird ein Hauptast mit seinen Zweigen als Komplex eingekreist, um sich mit ihm näher zu befassen.

Die Diskussion ist ein Gespräch mit dem Ziel, Themen zu klären. Dazu tauschen die Beteiligten Meinungen und Informationen aus und begründen sie. Ihr Bestreben ist, gleiche und unterschiedliche Bewertungen zu verdeutlichen und zu einem zuvor nicht festgelegten Konsens zu führen.

Der Kontrollierte Dialog ist eine Übung zum aktiven Zuhören und zum genauen Verstehen: Zwei Dialogpartner sprechen über ein zuvor festgelegtes Thema. Die Dialogbeiträge sind zweigeteilt: Zuerst ist immer der vorangegangene Beitrag sinngemäß zu wiederholen, dann folgt die eigene Stellungnahme. Eine dritte Person kontrolliert, ob die Beiträge vollständig und genau wiederholt werden, ob die Beiträge jeweils mindestens ein neues Argument enthalten und ob das Thema eingehalten wird.

Gesteuert lernen

Wer viel Anleitung für sein Lernen wünscht oder benötigt oder sich viele Kenntnisse in kompakter Darstellung aneignen will, bevorzugt Methoden, bei denen die Wissensvermittler den Verlauf des Lernens stark bestimmen.

Unterricht ist systematische Wissensvermittlung ausschließlich über den Wissensvermittler. Unterschiedliche Lernvoraussetzungen in der Gruppe werden nicht genutzt.

Ein Vortrag vermittelt im Monolog Fachwissen und fachliche Zusammenhänge adressatengerecht. Thema und Dauer des Vortrags sind zuvor vereinbart. Der Vortrag wird auch „Referat“ genannt. Ein Vortrag mit vorbereiteten Visualisierungen ist eine „Präsentation“.

Die Podiumsdiskussion ist ein moderiertes Gespräch unter Experten vor Zuhörern – auf einem Podium. Die Zuhörer beteiligen sich normalerweise nicht an dem Gespräch.

Im Lehrgespräch erarbeitet der Lehrende gemeinsam mit den Lernenden den Lernstoff. Er gibt ihnen durch Fragen Anstoß zum beabsichtigten Denk- und Lernprozess. – Auch Führungskräfte führen manchmal Lehrgespräche mit ihren Mitarbeitern. Lehrgespräche heißen manchmal auch „Unterrichtsgespräche“.

Moderation ist das strukturierte Leiten von Lerngruppen. Die Moderation führt das themenbezogene Wissen der Gruppe zu einem gemeinsamen – nicht vorgegebenen – konkreten Ergebnis. Der Moderator gibt die Arbeitsweise vor.

Ganzheitliches Lernen bezieht möglichst alle Sinne des Menschen ein, um die Intensität des Lernens zu steigern.

Dialogisch lernen

Wer für sein Lernen und die Kontrolle seiner Lernfortschritte individuelle Anleitung sucht, greift nach dialogischen Methoden, die Wertschätzung, Kenntnisse und Fertigkeiten vermitteln.

Partnerarbeit ist intensiver und manchmal emotionaler als das Lernen in größeren Gruppen. In 2er-Gruppen bearbeiten die Teilnehmer als Lernpaare – Tandems – vorgegebene Themen. Die beiden Partner unterstützen sich wechselseitig und geben sich Feedback.

Die Unterweisung vermittelt in der Ausbildung Kenntnissen, Fertigkeiten und Verhaltensweisen am Arbeitsplatz des Unterweisers oder am Ausbildungsplatz. Die Unterweisung vollzieht sich in vier Schritten: erklären, vormachen, begleitend nachmachen, selbstständig durchführen.

Labortraining findet in einem speziell dafür vorgesehenen Arbeitsraum statt – zum Beispiel an Geräten zur Sprachkontrolle. Die Lernenden steuern Lerngeschwindigkeit und Lernintensität selbst. Der Trainer überprüft ausschließlich die einzelnen Lernfortschritte.

Bei der Beobachtung on the job wird der Lernende an seinem Arbeitsplatz von einer kompetenten Person begleitet, die ihm Feedback zu seinem Verhalten gibt.

Ein strukturiertes Interview wird meist von zwei Interviewern durchgeführt: von der Führungskraft oder einem Vertreter der Fachabteilung und einem Mitarbeiter der Personalabteilung. Schriftliche Fragen geben den Interviewern eine Formulierungshilfe und vermeiden, dass der Interviewte bereits durch den Wortlaut einer Frage die opportune Antwort erahnt. Alle Informationen des Interviews werden in einem Protokoll dokumentiert. Strukturierte Interviews zum Lernen thematisieren die Lernentwicklung vor und nach einer Qualifizierung.

Die Stärken-Schwächen-Analyse ist ein deutschsprachiges Synonym für „Profiling“, „Assessment“ und „Potenzialanalyse“. Sie untersucht die berufliche Motivation und berufliche Kompetenzen. Zweck der Stärken-Schwächen-Analyse ist die Planung beruflicher Entwicklung sowie des Transfers und die Analyse realisierter Qualifizierungen.

Nach der Wahl der geeigneten Lernmethoden kann der Lernwillige sein Lernen effektiv gestalten. Er kennt seine Anforderungen an seine Qualifizierung und kann sie kompetent gegenüber Qualifizierern vertreten – zum Beispiel im Gespräch mit seiner Führungskraft oder mit einem Personalentwickler. Schließlich wird er die für ihn geeigneten Lernmethoden als Kriterien nutzen, um sich für einen passenden Qualifizierungsprozess zu entscheiden.

Peter Hilbert

Qualifizierungsprozesse

Standard

Damit die Qualifizierung zur Person passt

Je nach ihren privaten und beruflichen Umständen, nach ihren Lerngewohnheiten und ihren Lernzielen entscheiden sich Lernwillige für einen passenden Qualifizierungsprozess:

  • Für selbstgesteuertes Lernen
  • Für gruppengesteuertes Lernen
  • Für fachübergreifendes Lernen
  • Für fachbezogenes Lernen
  • Für direktives Lernen
  • Für interaktives Lernen
  • Für verhaltensbezogenes Lernen

Im gewählten Qualifizierungsprozess können sie sich für eine Variante entscheiden, die ihrer Situation und ihren Neigungen entspricht.

Selbstgesteuertes Lernen

Selbstgesteuert lernen lässt sich in Qualifizierungsprozessen, die von den Teilnehmern viel Eigenverantwortung verlangen.

Im Selbststudium erarbeiten sich die Lernenden zuvor festgelegte Inhalte ohne anwesende Lehrkraft. Ihre dabei erworbenen Kenntnisse lassen sie anhand schriftlicher Ausarbeitungen überprüfen.

  • Beispiele für Themen des Selbststudiums: Prozesse, Releases, Updates, Fremdsprachen
  • Im Selbststudium eingesetzte Methoden: E-Learning, Lehrbrief, Lesen, Mentoring, Programmierte Unterweisung

Das Studium ist die wissenschaftliche Ausbildung an einer Hochschule. Es bereitet auf eine berufliche Tätigkeit vor – mit dem Ziel, den Studenten Kenntnisse, Fähigkeiten und Methoden zu vermitteln und sie zu wissenschaftlicher Arbeit, wissenschaftlich kritischem Denken und verantwortlichem Handeln zu befähigen.

  • Beispiele für Themen des Studiums: Volkswirtschaft, Psychologie, Architektur
  • Im Studium eingesetzte Methoden: Diskussion, Unterricht, Gruppenarbeit, Lehrfilm, Lesen, Projektarbeit, Vortrag

Das Fernstudium vermittelt in räumlicher Distanz zu den Teilnehmern festgelegte Kenntnisse und Fertigkeiten, um einen Hochschulabschluss zu erreichen. Zur Teilnahme berechtigen definierte Zugangsvoraussetzungen. Die Studenten bestimmen selbst, wann und mit welchem Aufwand sie lernen. Während des Fernstudiums sind Präsenzphasen mit obligatorischer Teilnahme vorgesehen.

  • Bespiele für Themen des Fernstudiums: Betriebswirtschaft, Verwaltung, Steuer
  • Im Fernstudium eingesetzte Methoden: E-Learning, Fallstudie, Lehrbrief, Lesen, Mentoring, Programmierte Unterweisung; während Präsenzphasen Unterricht, Vortrag, Diskussion

Der Fernlehrgang vermittelt in räumlicher Distanz zu den Teilnehmern festgelegte Kenntnisse und Fertigkeiten an jeweils definierte Zielgruppen. Die Teilnehmer bestimmen selbst, wann und mit welchem Aufwand sie lernen, um die vorgegebenen Ziele zu erreichen. Der Fernlehrgang wird auch als „Fernunterricht“ bezeichnet.

  • Beispiele für Themen des Fernlehrgangs: Metallbau, Ingenieurwesen
  • Im Fernlehrgang eingesetzte Methoden: E-Learning, Fallstudie, Lehrbrief, Lesen, Programmierte Unterweisung

Lernprogramme vermitteln Kenntnisse und Fertigkeiten mit Softwareeinsatz zu klar umrissenen Aufgaben. Sie sind didaktisch aufgebaut und interaktiv angelegt. Sie befragen das Wissen des Lernenden und leiten daraus nächste Lernschritte ab. Sie enthalten Übungsaufgaben zur Kontrolle der Lernfortschritte und zur Anwendung des Gelernten. Der Lernende bestimmt die Lerngeschwindigkeit , die Lerndauer und den Lernumfang nach seinen individuellen Voraussetzungen und Absichten. Er überprüft das Gelernte in einem Abschlusstest. Lernprogramme sind geeignet für das zeit- und ortsunabhängige Lernen ohne anwesende Lehrkraft. Lernprogramme heißen oft auch „Computer Based Training (CBT)” oder „Computerunterstütztes Lernen (CUL)“. Die Kurzform eines Lernprogramms ist ein „Lernclip“.

  • Beispiele für Themen des Lernprogramms: Dokumentation, Buchhaltung, Sprachen, Korrespondenz
  • Im Lernprogramm eingesetzte Methoden: E-Learning, Fallstudie, Lehrbrief, Lesen, Programmierte Unterweisung

Gruppengesteuertes Lernen

Gruppengesteuert lernen lässt sich in Qualifizierungsprozessen, die von den Teilnehmern ausgeprägte Teamkompetenz verlangen.

Im Erfahrungsaustausch lernen die Teilnehmer zu untereinander vereinbarten Terminen und Themen miteinander und voneinander. Ohne zusätzlichen Moderator tauschen sie in ihrer praktischen Arbeit erworbene Kenntnisse, Eindrücke und Erfahrungen aus. Der Erfahrungsaustausch wird auch als „Networking“ bezeichnet.

  • Beispiele für Themen des Erfahrungsaustauschs: Vertrieb, Situationen der Teilnehmer
  • Im Erfahrungsaustausch eingesetzte Methoden: Blitzlicht, Brainstorming, Feedback, Diskussion, Konstruktive Kritik

In einem Arbeitskreis klären die Teilnehmer Sachverhalte zu einem zuvor festgelegten Thema mit dem Ziel, sie zu entscheiden oder zur Entscheidung vorzulegen. Von jedem Treffen des Arbeitskreises wird ein Ergebnisprotokoll geschrieben.

  • Beispiel für Themen des Arbeitskreises: Projekte, Entwicklungen, Probleme
  • Im Arbeitskreis eingesetzte Methoden: Blitzlicht, Brainstorming, Diskussion, Feedback, Gruppenarbeit, Moderation

Qualitätszirkel sind moderierte Gesprächsrunden mit fünf bis zehn freiwilligen Teilnehmern aus einem Arbeitsbereich, die regelmäßig in einem fest vereinbarten Zeitraum während der Arbeitszeit stattfinden. Anlass eines Qualitätszirkel ist die Absicht, Lösungsvorschläge zu Themen aus dem Arbeitsbereich der Teilnehmer zu diskutieren und zu erarbeiten, um eine Reaktion im Unternehmen zu initiieren. Qualifizierungsziel der Qualitätszirkel ist, eine positive Einstellung der Teilnehmer zu Arbeit, Unternehmen und Produkt zu erreichen.

  • Im Qualitätszirkel eingesetzte Methoden: Blitzlicht, Brainstorming, Diskussion, Gruppenarbeit, Lesen, Moderation

Ein Forum ist eine größere Versammlung und richtet sich mit einem festgelegten Thema an Fachleute. Ziel des Forums ist, durch die Diskussion ausgewählter Experten fachliche und fachübergreifende Informationen und Zusammenhänge zu vermitteln. Auch die Teilnehmer haben die Möglichkeit, sich zu äußern.

  • Im Forum eingesetzte Methoden: Diskussion, Infomarkt, Moderation, Vortrag, Podiumsdiskussion

Bei einem Infomarkt diskutieren Gruppen von Fachleuten oder fachlich Interessierte an Informationsständen mit Experten unter Anleitung eines Moderators. Die Teilnehmer lernen im Erfahrungsaustausch miteinander und voneinander. Moderationswände an den Informationsständen dienen der Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung der Diskussionen. Infomärkte finden häufig in Verbindung mit Tagungen statt. Der Infomarkt wird auch „Expertenmarkt“ genannt.

  • Im Infomarkt eingesetzte Methoden: Brainstorming, Diskussion, Lesen, Moderation, Vortrag

Fachübergreifendes Lernen

Fachübergreifend lernen lässt sich in Qualifizierungsprozessen, die eher indirekt fachliche Kompetenzsteigerung bringen.

Ein Incentive ist eine Motivationsveranstaltung mit Belohnungscharakter, um die Teilnehmer zum Verbleiben im Unternehmen und zur Leistungssteigerung zu bewegen. In einem Abschnitt der Veranstaltung informiert die Geschäftsleitung.

  • Im Incentive eingesetzte Methoden: Diskussion, Lehrfilm, Vortrag

Im Outdoortraining erleben die Teilnehmer in ungewohnter Umgebung unter Anleitung eines Trainers Lösungsstrategien im Team oder individuell und entwickeln Konsequenzen für den beruflichen Alltag. Das Outdoortraining soll Entscheidungsfähigkeit, Verantwortungsgefühl, Kommunikation und Souveränität fördern.

Die Sommerakademie ist eine besondere Qualifizierungsmaßnahme für ausgesuchte Zielgruppen, die Erfahrungen in verantwortlichen Positionen haben. Die Teilnehmer erfahren anhand aktueller Themen neue Entwicklungen und ergänzen vorhandene Kenntnisse. Die exklusive Zielgruppe, namhafte Referenten, der besondere Ort und das dazu gehörende Rahmenprogramm bieten außergewöhnlichen Anreiz. Die Sommerakademie heißt manchmal auch „Sommerschule“.

  • In der Sommerakademie eingesetzte Methoden: Diskussion, Vortrag, Podiumsdiskussion

Eine Tagung ist eine größere Versammlung von Fachleuten zu einem festgelegten Thema. Ziel der Tagung ist, durch mehrere Redebeiträge von Experten Fachwissen, fachübergreifende Kenntnisse und allgemeine Informationen zu vermitteln. Die Tagung heißt oft auch „Fachtagung“.

  • In der Tagung eingesetzte Methoden: Diskussion, Infomarkt, Moderation, Podiumsdiskussion, Vortrag

Ein Kongress ist eine große Versammlung von Fachleuten und Interessierten. Er dient auch der Selbstdarstellung der Experten und sein Thema ist allgemeiner gehalten als das einer Tagung.

  • Im Kongress eingesetzte Methoden: Diskussion, Lehrfilm, Lesen, Podiumsdiskussion, Vortrag

Ein Symposion ist eine wissenschaftliche themenbezogene Tagung. Synonym zu Symposion wird „Symposium“ verwendet.

Bildungsurlaub ist die bezahlte Freistellung eines Arbeitnehmers zur Teilnahme an Veranstaltungen zur beruflichen und politischen Bildung. Fünf Tage pro Kalenderjahr sind für Bildungsurlaub vorgesehen.

Fachbezogenes Lernen

Fachbezogen lernen lässt sich in Qualifizierungsprozessen zu konkreten Fachthemen.

Der Unterricht vermittelt Wissen komprimiert nach einem systematischen und zielgerichteten didaktischen Konzept, dem Curriculum. Er ergänzt andere Qualifizierungsprozesse.

Das Lernen am Arbeitsplatz in der Ausbildung ist das Aneignen von Kenntnissen, Fertigkeiten und Verhaltensweisen durch Beobachten, Nachvollziehen und Üben am Arbeitsplatz des Unterweisenden.

Das Lernen am Arbeitsplatz in der Fortbildung ist das Aneignen von zuvor genau definierten Fertigkeiten und Verhaltensweisen durch Üben am eigenen Arbeitsplatz.

  • Beim Lernen am Arbeitsplatz eingesetzte Methoden: Ganzheitliches Lernen, Konstruktive Kritik, Leittext, Unterweisung

Die Lehrwerkstatt ist eine ausschließlich zur Aus- und Fortbildung geschaffene Einrichtung. Neben Übungsarbeiten für die berufliche und betriebliche Praxis können auch reale Arbeitsaufträge erledigt werden. Die Lehrwerkstatt wird im kaufmännischen Bereich auch „Lehrfirma“ genannt.

  • In der Lehrwerkstatt eingesetzte Methoden: Fallstudie, Gruppenarbeit, Leittext, Unterweisung

Praxisberatung ist Qualifizierung zu konkreten Fragen der Arbeitspraxis, um die Leistung der Teilnehmer zu verbessern. Sie besteht aus einer begrenzten Anzahl von Beratungs- und Trainingseinheiten. Rhythmus und Dauer vereinbaren die Teilnehmer mit der beratenden Person. Die Teilnehmer vereinbaren Diskretion und bestimmen das Thema. Einzel- und Gruppenberatungen sind möglich.

  • In der Praxisberatung eingesetzte Methoden: Blitzlicht, Brainstorming, Diskussion, Feedback, Konstruktive Kritik, Kontrollierter Dialog, Rollenübung

Ein Traineeprogramm ist ein speziell für Fachhochschul- und Hochschulabsolventen entwickeltes Konzept zur praktischen Berufsvorbereitung. Die Absolventen – die Trainees – werden umfassend sowie nach individuellen Neigungen und Voraussetzungen in die relevanten Aufgabengebiete des Betriebes eingearbeitet. Die durchschnittliche Programmdauer liegt zwischen 10 und 20 Monaten. In begleitenden Qualifizierungsprozessen werden den Trainees festgelegte Kenntnisse, Fertigkeiten und Verhaltensweisen vermittelt.

  • Im Traineeprogramm eingesetzte Methoden: Videoanalyse, Lesen, Planspiel, Projektarbeit

Direktives Lernen

Direktiv lernen lässt sich in Qualifizierungsprozessen mit starker Steuerung durch die Leitung.

Schulung ist zweckgebundenes Vermitteln von Kenntnissen und Fertigkeiten. Häufig werden größere Personengruppen in kurzer Zeit zu einem bestimmten Thema geschult.

  • In der Schulung eingesetzte Methoden: Fallstudie, Unterricht, Lehrfilm, Lesen, Programmierte Unterweisung, Vortrag

Der Lehrgang vermittelt festgelegte Kenntnisse, Fertigkeiten und Verhaltensweisen. Zur Teilnahme sind spezielle Zugangsvoraussetzungen zu erfüllen. Der Lehrgang endet mit dem Nachweis, ob beziehungsweise wie qualifiziert die Teilnehmer das Lehrgangsziel erreicht haben.

  • Im Lehrgang eingesetzte Methoden: Videoanalyse, Diskussion, Fallstudie, Unterricht, Gruppenarbeit, Lehrfilm, Lesen, Rollenübung

Der Kurs vermittelt festgelegte Kenntnisse, Fertigkeiten und Verhaltensweisen. Die Treffen der Teilnehmergruppe finden regelmäßig statt – in vereinbarter Anzahl und zeitlich begrenzt.

  • Im Kurs eingesetzte Methoden: Videoanalyse, Blitzlicht, Brainstorming, Diskussion, Fallstudie, Feedback, Lehrfilm, Lesen, Rollenübung

Interaktives Lernen

Interaktiv lernen lässt sich in Qualifizierungsprozessen, die auf langfristige Wirkung angelegt sind.

Das Seminar vermittelt festgelegte Kenntnisse, Fertigkeiten und Verhaltensweisen. Die Zielgruppe ist genau definiert. Die Teilnehmer finden sich zu einem begrenzten Zeitraum zusammen.
An einem externen Seminar nehmen Mitarbeiter unterschiedlicher Unternehmen nehmen teil.
An einem internen Seminar nehmen ausschließlich Mitarbeiter eines Unternehmens teil.

  • Im Seminar eingesetzte Methoden: Videoanalyse, Blitzlicht, Brainstorming, Gruppenarbeit, Konstruktive Kritik, Rollenübung, Vortrag

Das Erlebnisseminar vermittelt festgelegte Kenntnisse, Fertigkeiten und Verhaltensweisen. Die Zielgruppe ist zuvor genau definiert und findet sich zu einem begrenzten Zeitraum zusammen. Das Erlebnisseminar hat Motivations- und Belohnungsfunktion. Der außergewöhnliche Rahmen und der besondere Ort sind Bestandteile des Seminarkonzepts.

  • Im Erlebnisseminar eingesetzte Methoden: Videoanalyse, Brainstorming, Diskussion, Fallstudie, Gruppenarbeit, Infomarkt, Planspiel, Rollenübung, Simulation, Vortrag

Das Fachseminar vermittelt fachliche Inhalte und keine Verhaltensweisen. Die Zielgruppe ist zuvor genau definiert und findet sich zu einem begrenzten Zeitraum zusammen.

  • Im Fachseminar eingesetzte Methoden: Brainstorming, Diskussion, Fallstudie, Gruppenarbeit, Lehrfilm, Lesen, Programmierte Unterweisung, Vortrag

Ein Multiplikatorenseminar vermittelt festgelegte Kenntnisse, Fertigkeiten und Verhaltensweisen innerhalb eines begrenzten Zeitraumes. Die Zielgruppe setzt sich aus Personen zusammen, die das Vermittelte an Dritte weitergeben sollen.

  • Im Multiplikatorenseminar eingesetzte Methoden: Videoanalyse, Blitzlicht, Brainstorming, Diskussion, Fallstudie, Feedback, Gruppenarbeit, Konstruktive Kritik, Lehrfilm, Lesen, Planspiel, Rollenübung, Simulation, Vortrag

Im Training behandeln und üben die Teilnehmer in einem begrenzte Zeitraum gemeinsam fach- und funktionsbezogene Aufgaben. Der Trainer vermittelt zuvor festgelegte Kenntnisse, Fertigkeiten und Verhaltensweisen.

  • Im Training eingesetzte Methoden: Diskussion, Fallstudie, Feedback, Gruppenarbeit, Rollenübung, Simulation, Planspiel

In Workshops erarbeiten die Teilnehmer Lösungsansätze unter der Leitung eines Moderators. Zielgruppe, Thematik und Dauer sind zuvor genau definiert.

  • Im Workshop eingesetzte Methoden: Brainstorming, Diskussion, Fallstudie, Gruppenarbeit, Moderation, Szenario

Verhaltenbezogenes Lernen

Verhaltensbezogen lernen lässt sich in Qualifizierungsprozessen, die spezielle Situationen der Teilnehmer thematisieren.

Das Einzeltraining ist das angeleitete individuelle Einüben von Verhaltensweisen und Fertigkeiten einer Person.

  • Im Einzeltraining eingesetzte Methoden: Videoanalyse, E-Learning, Fallstudie, Konstruktive Kritik, Rollenübung

Internes Coaching ist ein Instrument der betrieblichen Mitarbeiterqualifizierung zur Positionierung und Förderung von Mitarbeitern. Mit dem Coaching baut der Gecoachte – der Coachee – seine individuelle Leistungsfähigkeit und seine persönliche Leistungsentwicklung weiter aus: durch das Verabreden vorgegebener und eigener Ziele, durch das Erarbeiten konkreter Optimierungsmaßnahmen und ihre Realisierung.

  • Im Internen Coaching eingesetzte Methoden: Fallstudie, Konstruktive Kritik

Externes Coaching ist die individuelle psychologische und methodische Beratung  zur Selbststeuerung einer Führungskraft oder eines Leistungsträgers durch einen externen Berater. Das systematische Vorgehen hat das Ziel, die Leistung zu verbessern. Die Beratung bezieht sich auf Führungs- und Managementverhalten, Leistungssteigerung, persönliche Entwicklung, Kommunikation, Konfliktsteuerung, Unternehmenskultur und Unternehmensentwicklung.

  • Im Externen Coaching eingesetzte Methoden: Fallstudie, Konstruktive Kritik

Im Teamcoaching steuert der Coach beratend den Entwicklungsprozess eines Teams einer Organisationseinheit. Die inhaltliche Entwicklung steuert das Team. Themen sind die Leistungssteigerung und die Zusammenarbeit des Teams sowie Situationen und Entwicklungen in der Organisationseinheit.

  • Im Teamcoaching eingesetzte Methoden: Diskussion, Moderation

Supervision bedeutet Beobachtung und Kontrolle. Die Teilnehmergruppe bespricht mit einem externen Berater berufliche Themen. Der Berater lenkt mit Fragen und Informationen das Gespräch und sorgt für konkrete Ergebnisse. Die Supervision erhöht die Effektivität der Arbeitsleistung.

  • In der Supervision eingesetzte Methoden: Diskussion, Fallstudie, Feedback, Konstruktive Kritik, Moderation, Rollenübung

Coaching als Führungsmaßnahme ist das systematische Vorgehen zur Verbesserung der Leistung eines Mitarbeiters. Der Mitarbeiter wird von seiner direkt vorgesetzten Führungskraft im Fachwissen oder zum Verhalten am Arbeitsplatz angeleitet und unterwiesen. Coaching als Führungsmaßnahme wird auch „Coaching orientiertes Führen“ genannt.

  • Im Coaching als Führungsmaßnahme eingesetzte Methoden: Konstruktive Kritik, Feedback

Mentoring bedeutet das Lernen unter der Betreuung einer speziell damit betrauten Person.

Peter Hilbert